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Der schwedische Reiter

Roman. Hrsg. und mit e. Nachw. v. Hans-Harald Müller.
Buch (gebunden)
Wundersam bunt und düster zugleich schildert Perutz die Welt in "Der schwedische Reiter", der den Leser im Nu in die Zeit um 1700 versetzt. Der Roman erzählt vom verflochtenen Schicksal zweier ungleicher Männer: Krieg und Barbarei behe... weiterlesen
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Der schwedische Reiter als Buch
Produktdetails
Titel: Der schwedische Reiter
Autor/en: Leo Perutz

ISBN: 3552052135
EAN: 9783552052130
Roman. Hrsg. und mit e. Nachw. v. Hans-Harald Müller.
Herausgegeben von Hans-Harald Müller
Zsolnay-Verlag

29. Juli 2002 - gebunden - 256 Seiten

Beschreibung

Wundersam bunt und düster zugleich schildert Perutz die Welt in "Der schwedische Reiter", der den Leser im Nu in die Zeit um 1700 versetzt. Der Roman erzählt vom verflochtenen Schicksal zweier ungleicher Männer: Krieg und Barbarei beherrschen die Szenerie, in der ein namenloser Vagabund und der desertierte schwedische Offizier Christian von Tornefeld aufeinander treffen. Der eine nimmt mit List und Tücke, aber ebenso aus Liebe zu einer jungen Frau die Identität des anderen an ...

Portrait

Leo Perutz wurde 1882 in Prag geboren und übersiedelte 1899 mit seiner Familie nach Wien. 1938 emigrierte er nach Tel Aviv. Perutz starb 1957 in Bad Ischl. Sein Werk ist in viele Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen bei Zsolnay die Neuausgaben seiner Romane St. Petri-Schnee (2007), Wohin rollst du, Äpfelchen ... (2011) und Zwischen neun und neun (2017).

Leseprobe

Zwischen zwei Dragonern, die Wachslichter trugen, stieg der Dieb mit gebundenen Händen hinter dem Malefizbaron die Treppe hinauf, und nun, da die Sache so weit gediehen war, daß er endlich den Herrn von Krechwitz sehen sollte, plagte ihn die Neugierde noch mehr als zuvor, denn da war ein neues Rätsel: Warum hatte der Malefizbaron, den er als seinen Todfeind und Erzverfolger in die Türkei hinein verwünschte, warum hatte dieser Malefizbaron so wüst gelacht, als er, der Dieb, sagte, er käme von der Herrschaft ihrem Patenkind? Und die Magd, die mit dem Malefizbaron im Bett gelegen war: "Du armer Mann, die Herrschaft hat nirgends in der Welt ein Patenkind!" - Warum? Wie mußt' ein Mensch beschaffen sein, der nirgends in der Welt ein Patenkind hatte? Hat doch der ärmste Tagwerker eines. War dieser Herr von Krechwitz so wüst und ungeschaffen, daß keine Mutter ihr Kind von ihm wollt' aus der Tauf heben lassen? Oder war er am Ende kein Christ? Saß ein Türke, ein Tatar, ein Mohr als Herr auf diesem Gut? Oder war er so geizig, daß es ihm leid war um den Tauftaler, oder?
Der Dieb blieb vor Überraschung einen Augenblick lang stehen. Jetzt hatt' er es, jetzt wußte er es, und wären ihm nicht die Hände hinter dem Rücken gebunden gewesen, so hätte er sich mit ihnen vor den Kopf geschlagen. Jetzt war ihm alles klar. Und nun verstand er auch, warum auf diesem Gut niemand ehrlich war und keine Zucht und Ordnung unter den Knechten, und die Acker verdorben und im Stall die Milzseuch' - und er schalt sich einen Dummkopf und einen Narren, weil er das nicht schon langst erraten hatte. "Ein kleines, armes Lämmchen, von dem nimmt jedermann leicht Wolle", sagte er zu sich mit einem grimmigen Lachen und ballte die Fäuste, und da stand er auch schon vor einer halb geöffneten Tür, der Malefizbaron klopfte an und trat dann mit dem Anstand und der Sicherheit des Edelmannes
in das Zimmer der Herrschaft, und hinter ihm stießen die beiden Dragoner den Dieb hinein.
Ja, es war so, wie er es vermutet hatte. Ein Kind stand im Zimmer, ein junges Kind, ein Mädchen von nicht mehr als siebzehn Jahren, schmal und zart und wie die heilig erschaffenen Engel so schön - das war die Herrschaft auf dem Gut Kleinroop. Sie hatte Tränen in den Augen, das sah der Dieb sogleich, und ihr gegenüber stand, an den Kamin gelehnt, der Knebelbart, der adelige Wucherer, der Freiherr von Saltza auf Düsterloh und Pencke, dem der Rentmeister den Jagdhund und das Reitpferd der jungen Herrschaft verkauft hatte.
Der Malefizbaron stand, mit dem Federhut in der Hand, breitbeinig da und grüßte.
"Komm' ich zur Unzeit?" begann er. "Ich hoff' Entschuldigung zu finden, daß ich die hochgeborene Demoiselle zu dieser späten Stunde inkommodier', muß aber morgen schon mit dem allerfrühesten zu Pferd und fort, hätt's für eine Schand' erachtet, wenn ich der Demoiselle nicht zuvor noch meine Aufwartung gemacht hätt', hoff' auch für mich auf ein kleines Plätzchen in der Demoiselle ihrer Erinnerung."
Das Mädchen lächelte und beugte ein wenig den Kopf.
"Der Herr erweist mir große Ehr', es ist zu viel", sagte sie mit einer zarten und leisen Stimme. "Hab' mit Leid vernommen, daß der Herr will fort. War der Herr nicht zu seiner Zufriedenheit logiert?"
Der Dieb sah sie unverwandt an. Alle seine Pläne waren zunichte geworden.
"Es ist ein Jammer", sagte er leise zu sich selbst. "So jung ist sie, wenn ich ihr sag', daß ich hinter ihrer Knechte Diebsgriffe und Schelmenstücke gekommen bin, sie wird's nicht glauben, sie ist ein Kind, sie meint, die Welt wär' ehrlich. Und wenn ich ihr die Rechnung mach', daß sie könnt' sich und ihre Leut' von der Milch und dem Federvieh allein ernähren und noch einen Überschuß auf den Mar
kt bringen, sie wird's nicht glauben, ihr Rentmeister hat ihr's anders gesagt, da wär' jedes Wort vergeblich gesprochen. Aber schön ist sie, ich mein', ich hab' all meine Tage nichts Schöneres gesehen."
"Ich bin exzellent logiert gewesen, konnt's mir nicht besser wünschen", sagte indessen der Malefizbaron mit einer Verbeugung. "Es war alles aufs beste geordnet und à point. Muß aber dennoch fort, denen Malefizgesellen incontro und auf den Pelz. Wir haben den schwarzen Ibitz und seine Bande umstellt im Fuchsengrund, ich muß zu meinen Leuten, denn morgen, wenn der Tag anbricht, da geht das große Hetzen und Jagen an."
"So geht's in der Welt zu", murmelte der Dieb, der zwischen den beiden Dragonern bei der Türe stand. "Den Räubern im Fuchsenloch, denen rückt er mit Strick und Beil auf den Leib, und sind doch nur arme Leut', die Räuber aber hier im Haus, die in ihrem Übermut das Gut der Herrschaft verprassen, die sieht er nicht, die läßt er ungeplagt."
"Ich wünsch' dem Herrn Hauptmann, daß er die Sach', dieu aidant, zu einem guten Ende bringt", sagte das Mädchen. "Sie haben es arg getrieben, der Ibitz und seine Bande, hier im Land und drüben im Polnischen, Fuhrleut' überfallen, den Bauern ihre Kühe weggetrieben - alle Tage hat man davon reden gehört. Der Herr Hauptmann ist wahrhaftig ein anderer Ritter Georg."
"Sind doch nur arme Leut'", murmelte der Dieb, während sich der Hauptmann, stolz über dieses Lob, seinen buschigen Schnurrbart strich. "Hätten sie zur rechten Zeit jeder einen Bissen Brot alle Tage gehabt und ein Strohdach über dem Kopf, so wären sie ehrlich geblieben. Aber so geht's in der Welt zu! Das Gesinde hier im Haus "
"Ich bitt' die Demoiselle um Urlaub", sagte jetzt der Knebelbart mit knarrender Stimme. "Ich muß dazusehen, daß ich zu guter Zeit nach Hause komm'. Und wenn die Demoiselle ihre
Opinions sollt' ändern, so wird sie mich auch morgen noch parat und zu ihrer Disposition finden."
"Wenn mir nur der Herr Pate wollt' den Jason und die Diana lassen", sagte das Mädchen, und wiederum traten ihr die Tränen in die Augen.
"Die Demoiselle könnt' haben Reitpferd' genug", meinte der Knebelbart. "Steht nur bei ihr. Auch schöne Kleider, Ketten, Ringe, alle Tage Gäste und in der Gesellschaft groß mitspielen - steht alles nur bei ihr."
"Ich bin betrübt, daß ich dem Herrn Paten seinen Willen nicht kann tun", sagte das Mädchen und ihre Stimme bekam jetzt einen festen Klang. "Der Herr Pate weiß, daß es nicht sein kann. Da müßt' eher die Sonne ihren Lauf verlassen. Hab' einem anderen mit dem Herzen und der Hand die Treu' versprochen, auf den will ich warten und, wenn es sein müßt', bis zum Jüngsten Tag."
"Ich wünsch' der Demoiselle viel Glück zu diesem Entschluß", sagte der Knebelbart kurz und in trockenem Ton. "Bis dahin halt' ich mich der Demoiselle empfohlen. Ist angespannt?"
"Mögen alle Engel sie behüten!" flüsterte der Dieb entsetzt. "Will dieser lose alte Bube sie zur Liebsten haben? Er paßt zu ihr wie der Kienruß zum weißen Schnee."



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