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Istanbul

Erinnerungen an eine Stadt.
Buch (gebunden)
Für das tagträumende Kind, den jungen Orhan Pamuk, war das Herz der großen Stadt Istanbul das Gebäude, das unter dem Namen "Pamuk Apartmani" bekannt war. Hier lebte die Großfamilie, hier lebten Onkel, Tanten, Großmütter, jeder Zweig der Familie auf e... weiterlesen
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Produktdetails
Titel: Istanbul
Autor/en: Orhan Pamuk

ISBN: 3446208267
EAN: 9783446208261
Erinnerungen an eine Stadt.
Übersetzt von Gerhard Meier
Hanser, Carl GmbH + Co.

November 2006 - gebunden - 432 Seiten

Beschreibung

Für das tagträumende Kind, den jungen Orhan Pamuk, war das Herz der großen Stadt Istanbul das Gebäude, das unter dem Namen "Pamuk Apartmani" bekannt war. Hier lebte die Großfamilie, hier lebten Onkel, Tanten, Großmütter, jeder Zweig der Familie auf einem eigenen Stock. Nun schildert der Schriftsteller Orhan Pamuk mit seinem einzigartigen Gespür für Geschichte und seiner außergewöhnlichen erzählerischen Begabung die Geheimnisse seiner eigenen Familie und entdeckt, inwiefern sie typisch für ihre Zeit und diesen bestimmten Ort waren. Er führt uns an die berühmten Monumente und verlorenen Paradiese der sagenhaften Stadt, zeigt uns die verfallenden osmanischen Villen, die Wasserstraßen des Bosporus und des Goldenen Horns, die dunklen Gassen der Altstadt und berichtet von Malern, Dichtern und Mördern. Unter Pamuks Händen verwandelt sich die Autobiographie, und was als Porträt des Schriftstellers als junger Mann beginnt, wird das Porträt einer außerordentlichen Stadt.

Portrait

Orhan Pamuk, 1952 in Istanbul geboren, studierte Architektur und Journalismus. Für seine Werke erhielt er u. a. 2003 den Impac-Preis, 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2006 den Nobelpreis für Literatur. Auf Deutsch erschienen die Romane Das schwarze Buch (1995), Das neue Leben (1998), Rot ist mein Name (2001), Schnee (2005), Die weiße Festung (Neuausgabe 2005), Das Museum der Unschuld (2008), Das stille Haus (2009) und Cevdet und seine Söhne (2011); außerdem die Essaybände Der Blick aus meinem Fenster (2006), Der Koffer meines Vaters (2010) und Der naive und der sentimentalische Romancier (2012) sowie das Erinnerungsbuch Istanbul (2006) und der Katalog Die Unschuld der Dinge. Das Museum der Unschuld in Istanbul (2012). Zuletzt erschienen seine Romane Diese Fremdheit in mir (2016) und Die rothaarige Frau (2017).

Leseprobe

Durch die fortwährenden Konkurse meines Vaters und meines Onkels, die Streitereien meiner Eltern und die Zwistigkeiten, die sich immer wieder zwischen unserer Kleinfamilie und dem von meiner Großmutter präsidierten Familiengroßverband ergaben, wurde mir allmählich beigebracht, daß das Leben nicht nur aus freudigen Ereignissen und immer neu sich auftuenden Glücksquellen (Malen, Sexualität, Freundschaft, Schlaf, Geliebtwerden, Essen, Spielen, Beobachten) bestand, sondern auch aus einer ganzen Anzahl urplötzlich ausbrechender kleinerer und größerer Katastrophen. In meiner Kindheit wurde am Radio nach den Nachrichten und dem Wetterbericht immer mit ernster Stimme nicht nur den betroffenen Seeleuten, sondern ganz Istanbul verkündet, auf welchem Längen- und Breitengrad an der Mündung des Bosporus ins Schwarze Meer Treibminen gesichtet worden seien, und so heimtückisch wie diese Minen waren auch die Katastrophen, die den Menschen jederzeit völlig überraschend ereilen konnten.
Es konnte jeden Augenblick zwischen meinen Eltern ein Streit ausbrechen, mit dem Stockwerk über uns eine finanzielle Auseinandersetzung aufflammen oder mein Bruder über irgend etwas so in Zorn geraten, daß er mir eine gehörige Lektion erteilen wollte. Oder mein Vater kam eines Tages nach Hause und teilte uns im selben Ton, in dem er eine Reise erwähnt hätte, seelenruhig mit, daß unsere Wohnung verpfändet worden sei und wir nun umziehen müßten.
Wir zogen damals oft um. Bei jedem Umzug stieg die Spannung im Haus an, und meine Mutter, vollauf damit beschäftigt, jeden Teller und jede Schüssel einzeln in Zeitungspapier einzuwickeln, konnte auf uns Kinder nicht so achtgeben wie sonst, so daß wir nach Herzenslust spielen durften. Wenn dann die Büfetts, Schränke und Tische, die uns als unverrückbare Elemente unserer Wohnszenerie gegolten hatten, von den Möbelpackern nach und nach abtransportiert wurden, blickte ich traurig auf die immer leerer werdenden Räume, in denen wir Jahre unseres Lebens verbrac
ht hatten, aber ein Trost war mir, daß ich meist unter irgendeinem Möbel einen längst vergessenen Stift, eine Murmel oder ein geliebtes Spielzeugauto wiederfand. In manchen der Wohnungen, in die wir zogen, herrschte vielleicht nicht der Komfort, den wir vom Pamuk Apartmaný in Nisantasý her gewohnt waren, aber man hatte dafür - in Cihangir und Besiktas - einen phantastischen Ausblick auf den Bosporus, so daß mich diese Umzüge nicht weiter betrübten und mir unser gesellschaftlicher Abstieg gar nicht richtig auffiel.
Außerdem hatte ich ja gegen die Wechselfälle des Lebens so meine Mittelchen parat. Sie beruhten auf einer ganz bestimmten Logik, in der es darauf ankam, einer festen Ordnung entweder durch systematische Wiederholung symbolisch treu zu bleiben (nicht auf bestimmte Linien treten, manche Türen nie ganz zumachen) oder ganz im Gegenteil radikal davon abzuweichen (mich mit dem anderen Orhan treffen, mich in die andere Welt flüchten, malen oder mit meinem Bruder einen Streit vom Zaun brechen und damit selbst eine Katastrophe auslösen), und eine dieser Methoden bestand darin, die durch den Bosporus fahrenden Schiffe zu zählen.
Dieses Schiffezählen betreibe ich seit jeher. Ob rumänische Öltanker, sowjetische Kreuzer, Fischkutter aus Trabzon, bulgarische Passagierschiffe, Schwarzmeerschiffe der Türkischen Schiffahrtsgesellschaft, sowjetische Beobachtungsschiffe, elegante italienische Ozeandampfer, Kohlenfrachter, Küstenfahrzeuge aus Varna, verrostende Frachtschiffe, verrottende, flaggenlose dunkle Schiffe: ich zähle sie alle. Was ich hingegen nicht zähle, sind die Motorboote, mit denen Beamte und Hausfrauen mit Einkaufsnetzen sich von einem Ende des Bosporus zum anderen bringen lassen, und die Stadtdampfer, auf denen in sich versunkene Fahrgäste rauchen und Tee trinken, denn die kenne ich mittlerweile so gut wie seinerzeit mein Vater, und so wie das Mobiliar in unserer Wohnung gehören sie unzertrennlich zu meiner Welt.
Ich zählte die Schiffe aus irgendwe
lchen Befürchtungen heraus, manchmal voller Eifer und meistens, ohne überhaupt zu merken, was ich da tat. Beim Zählen hatte ich das Gefühl, daß ich die Ordnung in meinem Leben zu bewahren half. Wenn ich dagegen in Augenblicken besonderer Wut oder Melancholie vor mir selbst, vor der Schule, vor dem Leben davonlief und in den Straßen Istanbuls umherstromerte, ließ ich das Zählen sein. Dann verspürte ich viel eher die Sehnsucht nach einer Katastrophe, einem Großbrand, nach einem anderen Leben, nach dem anderen Orhan.
Vielleicht wird mein Hang zu der Zählerei etwas nachfühlbarer, wenn ich erzähle, wie ich damit begann. Meine Eltern, mein Bruder und ich lebten damals, Anfang der sechziger Jahre, in einem Mietshaus in Cihangir, das mein Großvater hatte errichten lassen, in einer kleinen Wohnung mit Blick auf den Bosporus. Ich war in der letzten Klasse der Grundschule, also elf Jahre alt. Einmal im Monat stellte ich abends meinen Wecker, auf dem das Bild einer großen Glocke prangte, so, daß er ein paar Stunden vor Sonnenaufgang läutete. So erwachte ich gegen Ende der Nacht in einer dunklen Stille, und da ich den Ofen, der vor dem Schlafengehen immer ausgemacht wurde, nicht allein anzünden konnte, ging ich, um nicht zu frieren, in das leere Zimmer, in dem manchmal der Hausangestellte schlief, setzte mich auf das Bett, schlug mein Türkischbuch auf und wiederholte das Gedicht, das ich bis Schulanfang auswendig können mußte.
O Flagge, ruhmreiche Flagge,
Flattere du im Wind!
Wie jeder weiß, der schon mal einen Text, ein Gebet, ein Gedicht auswendig gelernt hat, gibt man dabei nicht besonders acht auf das, was man gerade vor Augen hat. Die Augen unseres Verstandes, wenn dieser Ausdruck einmal erlaubt sei, sind ganz mit den Bildern beschäftigt, die uns das Auswendiglernen erleichtern sollen. Unsere normalen Augen wandern indessen nach eigenem Gutdünken umher. So saß ich an jenen Wintertagen zitternd und memorierend da und sah dabei auf das Dunkel des kaum erkennba
ren Bosporus hinaus.
Zwischen den vier- bis fünfstöckigen Mietshäusern, den Dächern und Schornsteinen der verfallenden Holzhäuser, die in den darauffolgenden zehn Jahren samt und sonders niederbrennen sollten, und den Minaretten der Cihangir-Moschee sah man den Bosporus, doch da um diese Zeit die Stadtdampfer noch nicht verkehrten, lag er in fast völliger Dunkelheit. Nur die Lichter der alten Hebekräne in Haydarpasa, auf der asiatischen Seite, die Scheinwerfer vereinzelter Frachtschiffe, diffuser Mondenschein oder die Lampe eines dahintuckernden Motorbootes spendeten manchmal genug Licht, damit ich die mit Moos überwachsenen, muschelbedeckten Pontons und den gespenstisch anmutenden weißen Leanderturm sehen konnte. Meist aber war das Meer in geheimnisvolle Finsternis getaucht. Selbst wenn es, noch vor Sonnenaufgang, bei den Häusern und den zypressenbestandenen Friedhöfen auf den Hügeln der asiatischen Seite schon langsam hell wurde, war der Bosporus noch so dunkel, daß ich meinte, seine Wasser würden ewig so bleiben.
Während also in dunkler Nacht mein Kopf vollauf mit dem geheimnisvollen Mechanismus des Gedächtnisses beschäftigt war, blieb mein Auge manchmal an einer seltsamen Silhouette haften, die schwerfällig durch den Bosporus pflügte. Und obwohl ich dem Gegenstand keine ernsthafte Beachtung schenken konnte, schien mein Auge ihn gleichsam unwillkürlich zu kontrollieren und ihn nur passieren zu lassen, wenn er eine wohlbekannte Form aufwies: Ja, das ist ein Frachtschiff, sagte ich mir dann, oder ein Fischerboot mit ausgeschaltetem Scheinwerfer. Ja, das ist ein Motorboot, das die ersten Fahrgäste von Asien nach Europa hinüberbefördert; ja, das ist ein altes Küstenschiff, unterwegs zu einem fernen sowjetischen Hafen...
Eines Morgens nun, als ich wieder, unter die Bettdecke verkrochen, ein Gedicht auswendig lernte, blieben meine Augen an etwas ganz Außergewöhnlichem hängen. Ich weiß noch gut, wie ich das Buch in meiner Hand vergaß und erstarrte. Was ich a
us dem Nachtdunkel auftauche

Pressestimmen

"Ein "wunderbare(s) Istanbuler Lesebuch: Nicht nur die Kindheits- und Familiengeschichte eines Nobelpreisträgers, sondern auch das Porträt einer einzigartigen Metropole." Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.06 "Orhan Pamuks Erinnerungsbuch ist ein Doppelporträt von hinreißender Melancholie. Der türkische Nobelpreisträger erzählt darin die Autobiografie seiner frühen Jahre und die Geschichte seiner vom Glanz vergangener Epochen niedergedrückten Heimatstadt Istanbul - eine faszinierende Reise in die Welthauptstadt der Schwermut." Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung "Orhan Pamuk hat Istanbul, dieser Weltstadt, ein wunderbares Denkmal gesetzt." Joachim Sartorius, Die Zeit, 27.10.05 "Die Geschichte, die dieses Buch erzählt, dementiert die mütterliche Theorie der kulturellen Erschöpfung, sie handelt davon, wie der junge Mann sich mit der Stadt, der er entstammt, verbündet, wie er sie entdeckt und durchstreift, wie er ihrer Gegenwart und den Spuren ihrer Geschichte die Stoffe und Energien abgewinnt, aus denen entsteht, was im Weltbild der Mutter nicht vorgesehen war: eine türkische Kunst, die der des Westens gewachsen, ja ebenbürtig ist." Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung, 21.11.06 "Pamuk hat eine Homage an seine Heimatstadt geschrieben und dabei die Wiedersprüche seiner Biographie virtuos ausgefaltet. ... In dieses Zwischenreich entführt Pamuk durchs Hin- und Hergleiten zwischen Erlebnis und Topographie, Empfindung und Historie. (...) Man sollte Istanbul als einen fesselnden Liebesroman lesen. Um das Porträt als Geliebte ist die türkische Metropole zu beneiden." Jörg Plath, Frankfurter Rundschau, 22.11.06 "Er analysiert die Psychologie einer ganzen Stadt und beschreibt gleichzeitig die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Istanbul zeigt, wie Pamuk später zu dem werden konnte, was er heute ist: die Stimme der modernen Türkei." Jobst-Ulrich Brand, Focus, 13.11.06"Jedes Wort, das er schreibt, ist durchdrungen vom Leuchten dieser Stadt, jede Geschichte, die er erzählt, birgt die Geschichte eines ganzen Landes in sich, jedes Buch, das er verfasst, enthält den Wissensschatz eines ganzen Kontinents, und jedes Wissen, das er weitergibt, malt uns historische Miniaturen der ganzen Welt in all ihrer Schönheit, ihren Verflechtungen, ihren Schmerzen und ihrer Trauer ... Wer Pamuks Werke gelesen hat, wird nicht mehr davon ablassen können, sich jenseits von Europa, auf der anderen Seite des Bosporus, auf die Suche zu begeben." Najem Wali, Frankfurter Rundschau, 21.11.06 "Pamuks Istanbul-Buch (regt dazu an, dass) man sich denn noch tiefer in den großen Zusammenhang dieses erinnerten Lebens mit der erinnerten Stadt begeben will." Gerrit Bartels, Tagesspiegel, 17.11.06 "Der autobiografische Band Istanbul ... gehört zu den Highlights im Schaffen Orhan Pamuks. ... Was Pamuk ausmacht, ist sein Talent als Geschichtenerzähler, sein ungeheurer Ehrgeiz, ... sein Fleiß, seine Ausdauer, aber auch seine ... Menschlichkeit." Dilek Zaptcioglu, Die Tageszeitung, 18./19.11.06 "Sein Leben wird immer mehr zu einem Leben mit seiner Stadt." Henning Ritter, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.11.06 "In einem bezaubernden Erinnerungsband erkundet der Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk seine Heimatstadt. Istanbul ... ist eine wunderbare poetische und zugleich analytische Liebeserklärung an eine Stadt und ihre Widersprüche." Sven Boedecker, SonntagsZeitung Zürich, 12.11.06

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