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Die Spionin

Roman. Originaltitel: A Espiã.
Buch (gebunden)
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Wer ist die Frau hinter dem schillernden Mythos? Paulo Coelho schlüpft in ihre Haut und lässt sie in einem fiktiven, allerletzten Brief aus dem Gefängnis ihr außergewöhnliches Leben selbst erzählen: vom Mädchen Ma... weiterlesen
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Produktdetails
Titel: Die Spionin
Autor/en: Paulo Coelho

ISBN: 3257069774
EAN: 9783257069778
Roman.
Originaltitel: A Espiã.
Übersetzt von Maralde Meyer-Minnemann
Diogenes Verlag AG

November 2016 - gebunden - 181 Seiten

Beschreibung

Wer ist die Frau hinter dem schillernden Mythos? Paulo Coelho schlüpft in ihre Haut und lässt sie in einem fiktiven, allerletzten Brief aus dem Gefängnis ihr außergewöhnliches Leben selbst erzählen: vom Mädchen Margarethe Zelle aus der holländischen Provinz zur exotischen Tänzerin Mata Hari, die nach ihren eigenen Vorstellungen lebte und liebte und so gleichsam zu einer der ersten Feministinnen wurde. Doch als der Erste Weltkrieg ausbricht, lässt sie sich - erotisch wie politisch - auf ein gefährliches Doppelspiel ein.

Portrait

Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro, lebt heute mit seiner Frau Christina Oiticica in Genf. Alle seine Romane, insbesondere >Der Alchimist<, >Veronika beschließt zu sterben<, >Elf Minuten< und zuletzt >Untreue<, sind Weltbestseller, wurden in 80 Sprachen übersetzt und erreichten eine bisherige Weltauflage von über 200 Millionen Exemplaren. Seine Reflexionen und die Themen seiner Bücher regen weltweit Leser zum Nachdenken an und dazu, ihren eigenen Weg zu suchen.
Bewertungen unserer Kunden
Streiflichter - Einblicke in das Leben von Mata Hari
von januar12 - 21.12.2016
Paulo Coehlo fängt mit dem Prolog gleich mit dem Ende von Mata Hari an. Es ist der 15. Oktober 1917 und es wird ihr Todesdatum werden. Hingerichtet von einem Erschiessungskommando in Vincennes, Frankreich. Nüchtern und gleichzeitig doch emotional werden ihre letzten Schritte beschrieben. Der nachfolgende Roman gliedert sich in drei Abschnitte. Die ersten beiden stellt der Autor als Abschiedsbrief und Rekapitulation aus der Sicht von Mata Hari, die als Margaretha Zelle in 1876 in Leeuwarden geboren wurde, dar. Darin schildert sie, warum sie bereits in jungen Jahren die Niederlanden verlassen wollte und wie es kam, dass sie von der Liebe nichts hielt. Relativ nüchtern lässt Coehlo sie in diesem fiktiven Brief von ihrer Ehe, in der sie viel Gewalt ertragen musste, und ihren Kindern berichten. Eine Schlüsselszene ist ein miterlebter Selbstmord. Von da an will Margaretha sich und vor allem ihr Leben ändern. Liebe war bei ihr immer nur Mittel zum Zweck. Sie wollte hoch hinaus, berühmt werden und vor allem unabhängig. Sie wollte das Leben, dass sich ihr bot, geniesen. Bis zum Schluß konnte (und wollte) sie nicht daran glauben, dass sie hingerichtet werden würde. Sie hatte bis zum Schluß gehofft. Manchmal sind im Brief Fakten eingewoben (so z.B. eine Liste von Gegenständen, die sie hinterlassen hat). Dennoch sind es nur Streiflichter, vielleicht wichtige Wendepunkte, daher bleiben nach dem Lesen bei mir Lücken, was sie alles erlebt hat. Vor allem die Figur der Mata Hari wird hier sehr egozentrisch, naiv und prunksüchtig dargestellt. Es fehlen Gefühle. Am Ende soll sie sich trotzallem verliebt haben, doch diese Gefühle werden hier nur am Rande, unvollständig und wenig nachvollziehbar dargestellt, so dass man den Wandel nicht richtig nachvollziehen kann. Im dritten Teil kommt dann ein Perspektivwechsel. Der Anwalt berichtet und rechtfertigt sich. Er stellt die größerern Zusammenhänge dar, die, die Mata Hari (angeblich) nicht überblicken konnte. War sie nun Spionin oder nicht ? War sie ein Bauernopfer des anklagenden Anwaltes ? Helfen konnten bzw. wollten ihr auch ihre früheren zahlreichen Verehrer ihr nicht mehr. Sie war ein sinkender Stern und keiner wollte mit ihr herab gezogen werden. In einem Zeitalter, in der die Männer das sagen hatten, haben Männer über sie, die so völlig anders war, gerichtet. Und am Ende ist es ein Mann, der sie betrauert. Ein Buch, das mir, die ich über Mata Hari bisher wenig wußte, vieles über ihr Leben und Sterben näher gebracht hat. Mir einige Informationen geliefert hat. Dennoch blieb mir ihre Geschichte zu streiflichtartig erzählt. Es ist keine Biografie - die Segmente, die Coelho hier mit dem fiktiven Roman liefert, haben zwar meine Neugier geweckt, aber mich am Ende etwas ratlos zurück gelassen. Hat er Mata Hari, die als notorische Lügnerin galt, in ihrem (fiktiven) Brief naiv wirken lassen oder war sie es wirklich? Vor allem passt dann ihre zietierte Lyrik nicht dazu. Genauso widersprüchlich sehe ich ihre Liebe am Ende, die ihr (angeblich) zum letzten Verhängnis wurde. Vieles fehlte mir in diesem Roman, aber es war ein Anstoß mich einmal näher mit ihrer interessanten Figur zu beschäftigen. Der Diogenes Verlag hat ein sehr schönen Rahmen für das Buch geschaffen. Das Cover und die Buchgröße passen in das Gesamtkonzept des Verlages. Das Cover ziert ein Bild von Mata Hari, es erweckt beim Leser gleich Interesse an dem Roman. Auch die im Buch vorhandenen Bilder von Mata Hari haben mir sehr gut gefallen. Fazit: Interessante Perspektive auf die schillernde Persönlichkeit Mata Hari. Konnte mich allerdings nicht vollständig überzeugen, da der Roman nur streiflichtartig Einblicke in ihr Leben gab .
Mata Hari
von manu63 - 16.12.2016
In seinem Roman Die Spionin lässt der Autor Paulo Coelho Mata Hari einen fiktiven Brief für ihre Tochter schreiben. Um Mata Hari ranken sich viele Geschichten und Mythen, Coelho gibt ihr mit seinem Buch die Möglichkeit ihre Version zu erzählen, es ist ausdrücklich keine Biographie sondern eine gut recherchierte Geschichte die Fiktion und Wahrheit vereint. Der Schreibstil ist flüssig und leicht lesbar. Die Gedankengänge von Mata Hari zu ihrem Leben ziehen den Leser in den Bann und teilweise verblüffte mich der sachlich erzählte Werdegang dieser Frau. Herausgekommen ist eine lesenswerte Version von Mata Hari und ihrem Leben, das durch sein kleines Buchformat auch gut als Zwischendurchlektüre in die Tasche passt.
Mata Hari
von Lesemama - 08.01.2017
Zum Inhalt: Mata Hari wurde in den Niederlanden als Margaretha Zelle geboren. Ihr Vater mussteht allerdings Konkurs anmelden und ihre Mutter verstarb. Margarethas einzige Hoffnung war eine Ehe mit dem viel älteren Offizier Rufolph MacLeod und mit ihm ging sie nach Niederländisch-Ostindien. Als sie ihrer lieblosen Ehe entfliehen konnte, reiste sie über die Niederlande nach Paris. Dort wurde sie als Mata Hari bekannt Meine Meinung: Das Cover ziert ein Bild von Mata Hari (nehme ich zumindest an) und es ist typisch für den Diogenesen Verlag. Die Geschichte ist eigentlich ein langer Brief, den Matag während ihrer Gefangenschaft geschrieben hat. Die Geschichte der Margaretha war sehr interesant, allerdings ergab es durch die Briefform keine richtige Story. Es war mehr eine Aneinanderreihung von Erlebnissen. Fazit: Wäre es eine richtige Geschichte in Romanform gewesen, hätte es mit sicherlich besser gefallen. So war es leider nur mittelmäßig. Allerdings für Geschichtsinteressierte bestimmt zu empfehlen.
Mata Hari
von simi159 - 24.01.2017
Vorweg, dies ist das erste Buch das ich von Paul Coelho gelesen habe. Dementsprechend bin ich ohne Erwartungen an die Lektüre gegangen und habe gleichzeitig keinen Vergleich ob dieses Buch besser oder anders ist, als die anderen des Autors. "Die Spionin" ist Margaretha Zelle, der Allgemeinheit besser bekannt Ala Mata Hari, der ihr eigentlicher Name ebenso wie das Leben in den Überschaubaren Niederlanden zu eng und zu klein war. Was diese Frau ihr Leben lang suchte war die Freiheit. Die sie als erstes in der Ehe suchte. Ihr Mann, ein hohes Tier im Niederländischen Militär, nahm sie mit nach Ostindien. Doch dort ist die Welt für Frauen noch kleiner und enger als in den Niederlanden. Und so flieht Magaretha Zella nachdem sie zurück in der Heimat ist nach Paris und fängt dort mit dem Namen Mata Hari ein ausschweifendes Leben als exotische wie auch erotische Tänzerin an. Eine schillerndes Persönlichkeit, der sich Paul Coelho in diesem Buch in Form von Briefen, die das Leben Mata Paris, aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet, widmet. Es soll keine Biographie sein, ist aber dennoch umfassend und gut recherchiert. Der sich an vielen Stellen mehr wie ein Bericht als ein Roman liest. Und die fiktiven Stellen sind bei der Lektüre nicht erkenn- und ausmachbar. Durch Coelho reduzierte, emotionslose Sprache wird der Leser nur gefühlt auf Distanz gehalten. Es zieht einen eher hinein, in diese alte Zeit, in der Frauen eher schönes Beiwerk und Mutter waren. Das Mata Hari eine Frau war die für Emanzipation eintrat, wie es auf dem Klappentext steht, kann ich nur bedingt nachvollziehen, denn für mich ist sie zwar eine Frau, die ihr eigenes selbstbestimmtes Leben leben will. Aber vom Autor dann doch nur als egoistisch denkender, oberflächiger und naiver Charakter dargestellt wird. Fazit: Der Anfang und das Ende des Buches haben mit gut gefallen, der Mittelteil war etwas diffus und langweilig. Auch konnte ich das Verhalten Mata Haris nicht so recht nachvoll ziehen. Vielleicht waren das die Fiktiven Teile von Coelho. Alles in allem unterhaltsam mit kleinen Längen¿. Von mir gibt es 3,5 aufgerundet 4 STERNE.
Nur ein weiteres Buch über Mata Hara
von Beust - 02.05.2017
Paulo Coelho erzählt die Höhepunkte des Lebens der berühmten Tänzerin und Spionin Mata Hari auf 171 Seiten in drei Teilen, denen ein Prolog vorangestellt ist. Alle Teile werden mit einer Fotografie eröffnet, die Mata Hari im entsprechenden Lebensabschnitt zeigen und dem Text eine dokumentarische Anmutung verleihen, der dadurch verstärkt wird, dass die beiden ersten Teile aus einem letzten Brief Mata Haris bestehen, der letzte aus einem Brief ihres Anwaltes. Der Prolog paraphrasiert eine Zeitungsmeldung über die Erschießung der wegen Spionage verurteilten Mata Hari. Im ersten Teil berichtet die Protagonistin von ihrem Leben als Margaretha Zelle im niederländischen Leuwaarden, ihren Wiener Jahren, der Hochzeit mit einem Offizier, dem sie nach Niederländisch-Ostindien folgt, wo sie in Kontakt mit den fernöstlichen Tanztraditionen kommt. Zurück aus Java, entflieht sie dem einengenden Heim der Kleinfamilie in Amsterdam, indem sie einer Eingebung folgend nach Paris aufbricht. Sie nimmt hier spontan den Künstlernamen Mata Hari (= Auge des Tages) an und setzt zum ersten Mal ihre Wirkung auf Männer ein, um ihr Ziel zu erreichen. Der zweite Teil eröffnet mit Schlagzeilen über Mata Haris Bühnenerfolge: Sie hat Erfolg mit ihrem exotischen Tanz und lernt einflussreiche Personen der Pariser Gesellschaft kennen. Eine davon ist Madame Guimet, mit der Mata Hari der Wille zur Unabhängigkeit verbindet. Sie erkennt sich wieder in einem Monolog der Älteren über die fesselnde und niederreißende Kraft enttäuschter Liebe, und Mata Hari ist davor gewarnt. In wenigen Schritten durchmisst der Roman zwölf Jahre und bringt Mata Hari in die Zeit des Ersten Weltkrieges. Sie hat an Popularität erheblich eingebüßt, Jüngere machen ihr die Bühnenpräsenz streitig und Mata Haris Gönner werden weniger. Einem Angebot folgend, reist sie nach Berlin, das sie allerdings bei Kriegsausbruch sofort wieder verlässt, um erneut in Amsterdam der Langeweile zu erliegen und der wirtschaftlichen Not entgegenzusehen. Sie lässt sich zunächst von den Deutschen, anschließend von den Franzosen zur Spionage anwerben und reist über England nach Paris, alle Hinweise missachtend, dass die Geheimdienste sie im Auge haben und Ihre Tätigkeiten beobachten. Im dritten Teil richtet ihr Anwalt Maître Clunet das Wort an Mata Hari und schildert, wie es zu ihrer Verhaftung kommen konnte: Heer und Geheimdienst Frankreichs benötigten Erfolge, um die öffentliche Meinung wieder gewogen zu stimmen, und setzen dafür auf einen Prozess gegen die schillernde Figur der verruchten Tänzerin, die als halbseidene Dame der Gesellschaft, als internationale Grenzgängerin und als Nonkonformistin eine hervorragende Zielscheibe abgibt. Mata Hari begreift die Komplexität der Anschuldigungen nicht und wird schließlich auf Basis dürftiger Beweise wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und 41-jährig 1917 in Vincennes hingerichtet. Erzählkonzept Coelho lässt in seinem Roman drei Stimmen zu Wort kommen: Die zeitgenössische Journaille, Mata Hari selbst und ihren Anwalt. Das gibt Coelho die Gelegenheit, viele Zeugnisse, Quellen und Egodokumente der Zeit in den Text einfließen zu lassen: "Ich bin eine Frau, die im falschen Jahrhundert geboren wurde. Ich weiß nicht, ob sich in der Zukunft jemand an mich erinnern wird, aber wenn doch, dann möchte ich nicht als Opfer gesehen werden, sondern als eine Frau, die mutig ihren Weg gegangen ist und furchtlos den Preis dafür gezahlt hat." (S. 24). Verurteilt worden sei Mata Hari wegen des Verbrechens, in einer von Männern beherrschten Welt eine emanzipierte, unabhängige Frau zu sein. (S. 22) Das ist das Versprechen des Romans, das Coelho allerdings nicht einlöst (s.u.). Die Erzählperspektive hätte eigentlich bedeuten können, dass den Lesenden der Blick in Mata Haris Gedanken und Motivationen gewährt, dass der Mythos der Kurtisanen-Spionin literarisch verarbeitet und erzählerisch durchdrungen werden würde. Stattdessen erhält der Text einen Anstrich retrospektiver Zusammenfassung, eines Berichtes, in dem die Dinge immer schon geschehen sind und nicht geschehen. Der Leser ist selten dabei, wenn etwas passiert, sondern er erfährt es nur, und sei es aus erster Hand. Dass Coelho hier die literarischen Möglichkeiten des Romans verschenkt, wird umso deutlicher, wenn der dritte Teil Maître Clunet sprechen lässt und die Lektüre plötzlich viel mehr über Mata Hari und ihre Handlungen erfahren lässt als zuvor, als sie selbst berichtete. Die Erzählhaltung gibt dem ganzen Text etwas Chronikhaftes, Berichtendes, Referierendes, das kaum Emotionen weckt, kaum zweite Erzähl- und Bedeutungsebenen öffnet und der historischen Figur Mata Hari keine Facetten entlockt, die über das historisch-faktische Lexikonwissen hinausgehen. Der Prolog, der einen zeitgenössischen Zeitungsartikel paraphrasiert, ist folgerichtig der am atmosphärischsten erzählte Teil des Buches. Weitere ebenfalls an Handlung, Atmosphäre und Geschwindigkeit reiche Szenen sind ihr erster (und im Text einziger!) Tanz der Schleier und die Flucht aus Berlin. Die immer wieder eingestreuten Fremdtexte (oder sind sie von Coelho verfasste, nur scheinbar fremde Texte?) bringen selten einen erzählerischen Mehrwert; das trifft auch die Bibelzitate. Der auf S. 111 präsentierte Brief des Deserteurs Jörn bleibt Einsprengsel und folgenlos. Widersprüche Beim Lesen stört der Eindruck, dass Coelho vieles nicht zu Ende gedacht hat und sich deshalb in konstruktive und sprachliche Widersprüche verstrickt. Auch fehlt für manche Behauptung das erzählerische Fundament; dieser Behauptungscharakter, der vielen historischen Äußerungen Mata Haris innewohnt, die es mit der Wahrheit nicht so genau nahm, hinterlässt einen schalen, enttäuschenden Geschmack. - Wenn die Liebe eine so große Macht hat und die Fähigkeit besitzt, ein Menschenleben zu zeichnen - so oder so -, warum erfahren wir dann nicht einmal den Namen ihrer einzigen wahren Liebe? Wegen der Parallelität zur präsentierten, gesichtslosen griechischen Sage, die wie ein Fremdkörper wirkt? Da die einzige wahre Liebe genau zwei Seiten währt (126 f.), wird der ganze, nur scheinbar zentrale Monolog Madame Guimets ad absurdum geführt: Liebe hat für das Verständnis von Coelhos Mata Hari gar keine Bedeutung. - Mata Haris Selbstauskunft über ihre Verurteilung erscheint ebenfalls wertlos: Einmal glaubt sie das Schicksal Frankreichs und des Weltkriegs in der Hand zu haben (S. 123), im nächsten Moment ist sie eine Frau mit der Sünde, einen freien Geist zu besitzen, dessentwegen sie verurteilt wird. Entweder hat sie also Bedeutung, dann wird die Anklage auch politisch logisch; oder sie wird wegen ihrer modernen Frauenrolle angeklagt, dann kann nicht ihr Spionin-Einfluss Gewicht gehabt haben. - Sprachlich ist es immer wieder unbefriedigend. Ein Beispiel, S. 159: [N]ur eine Gruppe [...] Soldaten zieht singend zur Gare dAusterlitz und ahnt nicht, welch grausames Schicksal sie an der Front erwartet. Die Gerüchte lassen niemanden ruhig schlafen. Was denn nun? Wenn alle die schlimmen Gerüchte gehört haben, warum stellt uns Coelho dann die Soldaten ahnungslos vor? - Das am Anfang scheinbar über das Leben Mata Haris gestellte Narrativ der emanzipierten, unabhängigen Frau, die wegen dieses Verbrechens von der Männerwelt verurteilt wird (S. 22), passt - literarisch! - wenig zu den Hintergründen, dass der französische Geheimdienst und das Heer ein Exempel statuieren mussten, um öffentliches Vertrauen zurückzugewinnen. Da wird nämlich deutlich, dass Mata Haris besonderer Lebensstil nicht die Ursache für ihre Verurteilung war, sondern das Werkzeug: Sie war damit angreifbar. Schade, denn der Topos der gefährlichen Frau hätte hier ein schönes Stück Literatur bekommen können. Fazit Mehr als 250 Bücher wurden über Mata Hari geschrieben, denn ihr Mythos fasziniert die Zeitgenossen wie die Nachgeborenen: Die in einer Person verknüpfte Erotik, Exotik und Agentenwelt erschafft ein aufregendes Bild, das durch Mata Haris Geltungssucht, ihr ambivalentes Verhältnis zur Wahrheit und die Propaganda der Zeit noch gesteigert wird. Dahinter steht eine Frau, die mit einer bürgerlichen Existenz, dem Schwinden von Ruhm und Jugend und den Mächten, mit denen sie spielte, nicht umgehen konnte und die keinen realistischen Blick auf sich und ihre Mitmenschen hatte. Daran ändert Coelhos Buch gar nichts. Er fügt dem Mythos auch keine neue Facette, keine neue Interpretationsmöglichkeit und nicht einmal einen schönen Text hinzu, sondern nur ein weiteres von mehr als 250 Büchern über eine ungewöhnliche Frau.
Für mich zu distanziert und emotionslos
von anushka - 21.01.2017
Frankreich, 1917: In Paris wird eine Frau von einem Erschießungskommando hingerichtet. Es handelt sich dabei um die skandalumwitterte Tänzerin Mata Hari, die in den höchsten Kreisen verkehrte und schließlich der Doppelspionage angeklagt und für schuldig befunden wird. In diesem Buch, verfasst Mata Hari kurz vor ihrer Hinrichtung einen (fiktiven) Brief an ihren Anwalt und schildert ihre Sicht der Ereignisse und Entwicklungen. Dabei erfährt man viel aus ihrer Biografie; wie sie sich in ihrer holländischen Heimat langweilte, deshalb einen britischen Offizier heiratete und mit ihm nach Java ging. Doch diese Ehe war geprägt von Gewalt und so verlässt die damals noch Marghareta genannte junge Frau ihren Mann und ihr Kind und beginnt ohne Ausbildung eine Karriere als Tänzerin. Ihre freien Interpretationen exotischer Tänze, die wenig Authentizität und dafür viel nackte Haut beinhalten, verhelfen ihr zu Berühmtheit. Sie prahlt in ihrem Brief mit ihren unzähligen Liebschaften und legt dabei sowohl Arroganz als auch Naivität an den Tag. Leider bleibt Mata Hari in diesem Abschnitt sehr schematisch. Es wirkt oft wie eine Aneinanderreihung von biografischen Fakten, oft fehlte mir dabei die Emotionalität und Nähe zur Figur. Zudem scheint der Autor damit spielen zu wollen, dass Mata Hari auch im Ruf einer Lügnerin stand und oft viel zu ihrer Geschichte dazu erfand. Das erfährt man jedoch erst im Nachwort oder bei weiteren Recherchen im Internet. Im Buch selbst ist ein solches Verwirrspiel leider nicht gut gelungen, weil es nicht deutlich genug herausgestellt oder in Widerspruch zu anderslautenden Aussagen gestellt wird. Als einziges relativierend wirkt der anschließende (fiktive) Brief von Mata Haris Anwalt, doch auch das ist nicht ausgearbeitet genug und dient wahrscheinlich eher dazu, die Abläufe zu schildern, die außerhalb Mata Haris Wissen lagen. Leider bleibt auch Mata Haris Spionagetätigkeit schwammig und wenig greifbar oder verständlich. Der Meinung der Buchfigur nach seien gar keine Informationen geflossen bzw. ist von der Weitergabe von Klatsch die Rede, nur dass nie deutlich wird, was und an wen Mata Hari geliefert hat. Deutlich wird nur, dass Mata Hari in ihrer Selbsterhöhung und ihrem Geltungsdrang dumme und naive Dinge getan hat und sich möglicherweise in eine Situation manövriert hat, deren Bedeutung sie gar nicht erfassen konnte. Auch wird deutlich, wie gefährlich eine Frau wahrgenommen hat, die die Geliebte vieler einflussreicher Männer war und schließlich mindestens für ihre Unkonventionalität mit dem Leben zahlen musste. Mata Hari wird auch weiterhin eine Faszination auf mich ausüben, dieses Buch wird jedoch wenig zu meinem Bild von ihr beitragen. Der Schreibstil ist zugegebenermaßen ansprechend und durchaus poetisch, konnte mir aber zu keiner Zeit irgendeine Emotion vermitteln, was ich wirklich bedauerlich fand. Auch die biografischen Details wurden für mich nicht bildhaft genug. Meiner Meinung nach wurde hier einiges an Potential der Geschichte verschenkt. Ich hatte ein ergreifenderes Buch erwartet, nicht zuletzt aufgrund Mata Haris tragischem Ende und etlicher Ungerechtigkeiten, die ihr wiederfahren sind. So kann ich nur sagen Kann man lesen, muss man aber nicht unbedingt .
Der Lebensweg Mata Haris
von bücherfreund98 - 16.01.2017
Paulo Coelho ist vielen als erfolgreicher brasilianischer Bestsellerautor bekannt. Mit seinem neuesten Roman "Die Spionin" zeichnet er das Leben der zu Weltruhm erlangten Mata Hari nach. Kurz, jedoch mit viel Feingefühl erzählt der Coelho die faszinierende Geschichte Mata Haris, die als Margarethe Zelle in den Niederlanden geboren wurde und mit ihrem Ehemann nach Niederländisch-Ostindien übersiedelte, wo sie dem provinziellen Leben ihrer Heimat zu entfliehen glaubt. Was sie dort fand waren jedoch nur Demütigungen durch ihren Mann. Sie trennte sich von ihm und begann unter dem Künstlernamen Mata Hari in Paris ein neues Leben als orientalische Tänzerin. Im ersten Weltkrieg geriet sie zwischen die Fronten und wurde als angebliche Spionin zum Tode verurteilt. Was der Autor sehr gut zum Ausdruck bringt ist die politische Situation die Anfang des letzten Jahrhunderts und während des ersten Weltkriegs herrschte. Trotz politischer und nach damaligem Verständnis moralischer Unkorrektheiten Mata Haris kann man sie wohl aus Bauernopfer ansehen, das von den wahren politischen Problemen ablenken sollte. Zu einem idealen Sündenbock haben wohl auch ihr fiktiver Lebenslauf sowie ihre orientalischen Tänze, die in Wirklichkeit von ihr erfunden wurden, beigetragen. Damit war sie vor Gericht unglaubwürdig. Die wahre Rolle Mata Haris wurde nie vollständig geklärt doch mit ihren anregenden Tänzen, ihrer Schönheit gilt sie bis heute als eine faszinierende Person.
Die Geschichte der Mata Hari
von lesenreisenleben - 27.04.2017
Paulo Coelho legt in seinem Roman "Die Spionin" die Lebensgeschichte der Niederländerin Margarethe Zelle, der Welt besser bekannt als "Mata Hari" zu Grunde. Coelho schreibt hier fiktiv, verarbeitet aber reale Daten. Das Buch ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Im Prolog wird der Tag der Hinrichtung am 17. Oktober 1917 beschrieben. Teile 1 und 2 befassen sich mit dem in der "Ich"-Form geschriebenen Lebenslauf der Protagonistin in Form von Briefen an ihren Anwalt. Im ersten Teil geht er auf Margarethe Zelles Jugend und ihre unglückliche Ehe ein. Im zweiten Teil geht es um die Tänzerin Mata Hari und ihre Verbindungen. Dieser zweite Teil war für mich ein wenig zu oberflächlich. In Teil 3 kommt der Anwalt zu Wort, der sich im Grunde bei Mata Hari für deren Verurteilung entschuldigt. Es gibt noch einen kurzen Epilog und einen Anhang mit Fotos von Originaldokumenten. Insgesamt war das Buch für mich sehr interessant, da ich schon seit langem vom Mythos Mata Hari gehört hatte. Allerdings habe ich mich nie näher informiert, wer sie eigentlich wirklich war. Deshalb war mir auch gleich klar, dass ich dieses Buch gerne lesen möchte. Leider hat das Buch einige Schwächen, so kam mir besonders der dritte Teil sehr abgehackt und eher nichtssagend vor. Das Cover zeigt ein Bild der Tänzerin Mata Hari und ist durch den farbigen Hintergrund ein richtiger Hingucker. Das Büchlein liegt insgesamt sehr schön in der Hand und lässt sich flüssig lesen. Mein Fazit: Grundsätzlich ein ganz interessantes Buch, das allerdings viele Fragen offen lässt.
Marta Hari - eine einzigartige Frau
von Larissa D. - 20.02.2017
Mata Hari - wer ist die Frau hinter dem schillernden Mythos? In seinem neuen Buch "Die Spionin" lässt Paulo Coelho sie in einem fiktiven, allerletzten Brief aus dem Gefängnis über ihr außergewöhnliches Leben berichten. Sie lebte und liebte nach ihren eigenen Vorstellungen und wurde so zu einer der ersten Feministinnen. Sie war eine besonders außergewöhnliche Person zu ihrer und wusste genau, was sie will und was sie nicht will. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, lässt sie sich auf ein gefährliches Doppelspiel ein. Mir persönlich hat dieses Buch sehr gut gefallen - ein typischer Coelho, der meine Erwartungen nicht enttäuschte. Der Autor beschreibt sehr gut Gedanken, und Gefühle sowie die Charakterzüge, wie Willensstärke und Zielstrebigkeit, der Protagonistin. Die Fakten und Gegebenheiten sind gut recherchiert, was dem Leser einen guten Einblick in das Leben vom niederländischen Mädchen, später einer exotischen Tänzerin und Spionin Mata Hari, gibt. Coelhos "Spionin" ist keine Mata Haris Biographie, der einzigartige Schreibstil des Autors lässt uns dennoch das Gefühl der damaligen Zeit als sehr lebendig zu empfinden. Ein Buch, das uns gut unterhalten und nachdenken lassen kann.
Nachempfundene Geschichte
von melange - 19.11.2016
Mein Eindruck: Das fiktive Vermächtnis von Mata Hari, einer schillernden Figur der Zeitgeschichte, aufgeschrieben von einem mehrfach ausgezeichneten Schriftsteller, - was kann da schon schiefgehen? Eine gefällige und (wie gewohnt) blumige Sprache führen dazu, dass man sich tatsächlich in die Zeit vor und während des 1. Weltkriegs zurückversetzt fühlt. Das Staunen über die Weltausstellung in Paris klingt genauso echt wie die Bestürzung über die ausbleibende Hilfe bei Verhaftung, Gnadengesuch und Vollstreckung des Urteils. Interessant sind auch die echten Dokumente, die den Prozess veranschaulichen und die Fotografien Mata Haris, welche sie außerhalb ihrer Bühnenshow zeigen. Ärgerlich ist jedoch der hohe Preis für letztendlich etwa 170 Seiten Geschichte. Vor allem auch deshalb, weil der Autor seinen Plot schon fertig vorgefunden hat und dieser Coelhos leicht schwülstiger Erzählweise vortrefflich entgegenkommt. Die Mühe, die er sich mit dem Verfassen geben musste, hielt sich somit in überschaubaren Grenzen und fast 20 Euro sind ein zu stolzer Preis für das, was letztendlich aus der Feder geflossen ist, - auch wenn es zugegebenermaßen eine beeindruckende Geschichte ist. Das Grundgerüst ist bekannt und viele Ansatzpunkte für eine genauere Betrachtung wären möglich gewesen (die Liebe zu einem Soldaten, die Zeit in Java, die Trennung von Mann und Tochter), aber so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor eine schnelle Mark machen wollte - und das mit möglichst wenig eigenem Aufwand. Mein Fazit: Ein Stück Zeitgeschichte - (zu) teuer bezahlt 3 Sterne
Eine bemerkenswerte Frau, ein bewegendes Schicksal
von Anonym - 02.12.2016
Das Buch beginnt mit den ergreifenden Details der Hinrichtung Mata Haris. Sie faszinierte die Männer. Doch diese waren es auch, die nach ihrem Tod schrien. Wenn zwei (Mann oder Frau) das gleiche tun, ist es längst noch nicht dasselbe. Das wird am Beispiel des bewegenden Schicksals von Margarethe Zelle alias Mata Hari nur allzu deutlich. Sie war ihrer Zeit voraus und damit auch dem damaligen Rollenbild und Sittenverständnis der Gesellschaft. Viel wurde über sie berichtet und dies in einer Spannbreite, die von Huldigung bis Verteufelung reichte. Doch hier ist es bemerkenswerte Weise ausgerechnet ein Mann, Paulo Coelho, der diese mutige Frau in seinem Buch zu Wort kommen lässt und ihr damit ein vielschichtiges Denkmal setzt und sie zum einem großen Teil damit auch rehabilitiert. Ihr Worte "mein einziges Verbrechen war, eine unabhängige Frau zu sein" werden zur Wahrheit. Sie war nie richtig einverstanden mit dem Platz, den man einer Frau in der damaligen Zeit zudachte. Sie wollte mehr - ein wirklich selbst bestimmtes Leben führen, eine unabhängige Frau sein. Dafür wurde sie von vielen bewundert aber vor allem auch gehasst. Eine erzwungene Freiheit und damit auch kein leichtes Leben, denn die vorausgehen, gehen meist allein. Das war ihr stets bewusst, doch das war es, was sie wollte und wofür sie auch einen hohen Preis bezahlt hatte. Während sie in einem Brief noch einmal ihre Lebensgeschichte an sich vorbei ziehen lässt, ahnt sie nicht, wie hoch dieser Preis tatsächlich für sie sein wird. Das ist bitter für den Leser, denn er lernt eine tapfere, lebensbejahende und kluge Frau kennen, die wegen Hochverrats im Gefängnis sitzt und doch sehr schnell klar wird, dass allein sie es ist, die heimtückisch verraten wurde. Ja, auch sie strebte nach Geld und macht. Dies sind nicht gerade eherne Ziele, doch was ist schlimmer daran, wenn eine Frau dies tut? Mata Hari ist tot, das Buch geschlossen. Wir bleiben mit Fragen und Erkenntnissen zurück; und vor allem mit Empfindungen, die von Mitleid und Bewunderung bis hin zu Groll reichen. Ist es heute die richtige Zeit für Frauen oder ist es noch immer ein Unterschied, ob Mann oder Frau dasselbe tun? Diese und viele weitere Fragen drängen sich beim Lesen auf. Noch immer ist es mehr Kampf als Selbstverständlichkeit, wenn Frauen ihren eigenen Weg gehen wollen. Die Vergangenheit - ihre Geschichte - für viele noch heute Realität. Ihr Schicksal steht stellvertretend für viele Frauen - aus jeder Epoche - die es wagten, anders zu sein. Gleichzeitig gibt es aber auch den Blick auf ihre Mitmenschen frei und in die Köpfe der sogenannten feinen ehrenwerten Leute, die in Bigotterie, Vorurteilen und Intoleranz verhaftet waren. Sie selbst hat ihren Platz im Leben nie wirklich gefunden. Dennoch war sie bis zuletzt nicht bereit, diesen sich vo irgend jemandem zuweisen zu lassen. Nicht unbedingt nur ein Buch für Frauen, waren es doch größtenteils Männer, die das Leben und Streben Margarethe Zelles tiefgreifend beeinflusst haben. Der handgeschriebener Brief einer Frau wird so zum entlarvenden Sittengemälde und zum Spiegelbild der Gesellschaft.
Spionin - oder doch nicht
von Herbert Mangl - 03.01.2017
"Mein einziges Verbrechen war, eine unabhängige Frau zu sein". Ein Zitat aus dem Brief Mata Haris, den sie aus dem Gefängnis an ihren Anwalt schreibt, der sie nicht vor dem Todesurteil bewahren konnte. Der Brief einer Frau, die bis zum Schluss nicht daran glaubt, dass sie wirklich sterben muss, weil ihr das Schicksal am Ende doch immer irgendwie günstig mitgespielt hat. So nutzt sie die Zeit, die sie auf ihre vermeintliche Begnadigung wartet, um ihr Leben Revue passieren zu lassen und ihrem Anwalt zu erklären, wie sie dorthin gelangen konnte, wo sie am Ende war. Natürlich ist dieser Brief und die Antwort darauf Fiktion, aber das Bild, das wir von Mata Hari erhalten, wir dadurch nicht deutlicher. Sie wird auch nicht besonders sympathisch dargestellt. Was sie in ihrem Brief als Unabhängigkeit bezeichnet, ist das genaue Gegenteil davon. Denn sie war - ob das den Tatsachen entspricht oder nicht- meist von den finanziellen Zuwendungen gleich mehrerer Männer abhängig. Ob dies alleine die Folge ihrer desaströsen Ehe und der Vergewaltigung in ihrer Schulzeit war, kann man dahingestellt lassen. Im Gesamten hat mich dieses Buch nicht überzeugt, sprachlich nicht und inhaltlich nicht. Um Mata Hari lag immer so das Oevre einer verruchten femme fatale und dann noch eine Spionin. Nach der Lektüre dieses Buches bekommt man den Eindruck einer eher schwächlichen Frau, die sich mit ihren begrenzten Mitteln durchs Leben laviert hat.
Lässt mich etwas enttäuscht zurück
von Bibliomarie - 25.12.2016
Das Buch beginnt mit einer starken Szene: Mata Haris Gnadengesuch ist abgelehnt worden, die Hinrichtung wird vollzogen. Hier zog mich der Autor sofort in Bann. Der nächste Teil besteht aus einem langen Brief Mata Haris an ihre Tochter. Hier flacht für mich die Geschichte bereits ab. Die Beschreibung brachte mir die Persönlichkeit nicht näher. Im Schnelltempo bewegen sie die Beschreibungen durch ihr Leben. Herkunft und Familie werden gestreift, die Vergewaltigung durch den Leiter der Internatsschule und die immer größere Entfremdung zur Familie, sind die ersten Etappen, die in einer lieblosen Ehe mit einem sehr viel älteren Kolonialoffizier münden. Sie begleitet ihren Mann nach Niederländisch-Ostindien und dort lernt sie die Kultur kennen, die sie zu ihrem Künstlernamen und zu ihren tänzerischen Darbietungen inspirieren. So wird aus Margarethe Zeller Mata Hari. Sie wird eine Berühmtheit der Halbwelt, findet reiche Gönner und lebt ihr Luxusleben, bis der Erste Weltkrieg dem ein Ende bereitet und sie neue Einnahmequellen suchen muss. Eine dritte Sichtweise bringt der Brief ihres Anwalts, der ihr die Vollstreckung des Urteils ankündigt und der sich und seine Verteidigung rechtfertigt. Bilder und Dokumente rahmen die Romanhandlung ein, die mir leider viel zu sehr an der Oberfläche geblieben ist. Die Person Mata Hari hätte sicher viel mehr an Projektionsfläche zu bieten gehabt. So kratzte der Roman nur an der Geschichte, aber ich hätte mir viel mir Tiefe gewünscht. In einem Roman hätte der Autor die Möglichkeit gehabt, der Figur nahe zu kommen, sie zu interpretieren, das ist leider nicht passiert. Auch über die große Frage - Spionin oder nicht - hätte ich gern mehr erfahren. So ist mir eigentlich nur ein Satz, gleich zu Beginn des Buches im Gedächtnis geblieben: Ich bin eine Frau, die im falschen Jahrhundert geboren wurde. Ich weiß nicht, ob sich in der Zukunft jemand an mich erinnern wird, aber wenn doch, dann möchte ich nicht als Opfer gesehen werden, sondern als Frau, die mutig ihren Weg gegangen ist und furchtlos den Preis dafür gezahlt hat." Leider trägt das Buch nicht dazu bei, die Erinnerung an Mata Hari lebendig zu halten.
Ihr letzter Brief
von Fornika - 20.01.2017
Mata Hari. H21. Margaretha Zelle. Eine schillernde Persönlichkeit versteckt sich hinter diesen Namen. Eine aufreizende Tänzerin, eine Prostituierte, aber auch eine Doppelagentin? "Glauben Sie wirklich allen Ernstes, dass man ausgerechnet jemanden wie mich auswählen würde, um ¿ zu spionieren? Jemand, der ständig im Rampenlicht steht? Würden Sie das nicht außerordentlich absurd finden?" (S. 97) Paulo Coelho lässt Mata Hari einen letzten Brief schreiben, ein Brief in dem sie über ihr Leben und auch den Weg erzählt, der letztendlich zu ihrer Verhaftung führt. Bis heute ist nicht ganz klar, wieviel Spionin tatsächlich in der Femme fatale steckte und Coelho lässt ebenfalls reichlich Raum für Zweifel. Leider beschränkt sich der Autor auf einen kurzen Abriss, kaum hat man sich eingelesen, ist das Buch auch schon wieder zu Ende. Ich kenne Mata Hari jetzt ein bisschen besser, aber die wenigen Episoden des fiktiven Briefes sind einfach zu dürftig um die Realperson wirklich gut kennenzulernen. Zwischenzeitlich klaffen große Lücken in der fiktiven Biographie, was auch nicht gerade zum besseren Verständnis beiträgt. Die Form des Briefromans hat mir sehr gut gefallen, auch der Schreibstil war sehr angenehm. Alles in allem hatte das Buch alle Ansätze, die es zu einem gelungenen Lesevergnügen braucht, leider war mir die Ausführung dann doch zu sparsam.
Die unfreie Freiheit einer Frau
von Hardy Knoll - 09.12.2016
Coelho ist ein großer Erzähler, aus kleinen Geschichten vermag er wunderbare Bücher zu zaubern, die fesseln. Auch in diesem Fall ist ihm das wieder gelungen. Die reale Figur Mata Hari lässt er in fiktiven Briefen von ihrem Leben erzählen. Ein Leben geprägt von unerfüllter Liebe, brutaler sexueller Gewalt und dem Drang reich und damit unabhängig zu sein. Dass das nicht zwangsläufig Freiheit bedeutet, musste die Spionin blutig erfahren. Coelho zeigt sich als nüchterner Betrachter, gibt keine Wertung ab, sondern lässt seine Hauptfigur selbst urteilen. Er kreiert das Bild einer missverstandenen Frau, die sich naiv auf ein gefährliches Spiel einlässt. Uninteressiert an der politischen Landschaft, scheint sie es für ein lukratives Spiel zu halten, sich zwei Seiten als Informantin anzubieten, bzw. anwerben zu lassen. Wie wichtig die Informationen waren, mag dahin gestellt sein. Für die Behörden war sie ein gefundenes Fressen und ein herrliches Bauernopfer. Vermutlich war sie wirklich zur falschen Zeit geboren, konnte, nein durfte nicht die Freiheit ausleben, die sie wollte. Letztendlich stirbt sie einsam und ohne jemals geliebt zu haben, ein ewiges Sinnbild der verruchten Frau, die ihr Vaterland hintergeht, um Macht und Ruhm zu erlangen. Die Verzweiflung der Frau wird fein von Coelho skizziert. Eine Frau auf ihrer persönlichen Suche nach dem Glück, dass ihr immer verwehrt blieb. Etwas tiefgründiger hätte das Buch sein dürfen, ein paar Details mehr aus der realen Welt. So gerät das Buch recht kurz und kratzt leider stellenweise nur zu oberflächlich an der historischen Vorlage. Aber Coelho war wohl mehr an der Figur interessiert, als an der geschichtlichen Auswirkung, so es die wirklich gab oder gibt. Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch des Meisters.
Nicht ganz überzeugend
von raschke64 - 28.11.2016
In dem neuen Buch von Paulo Coelho wird die Geschichte von Margarethe Zelle - besser bekannt als Mata Hari - beschrieben. Und zwar mittels eines fiktiven Briefes, den Mata Hari in ihrer Zelle kurz vor ihrer Erschießung schreibt, und mittels eines fiktiven Briefes, den ihr Anwalt danach schreibt. Coelho vermerkt ausdrücklich, dass das Buch keine Biografie ist. Trotzdem hat es große Züge einer Biografie und genau das ist für mich das Problem. Es hat von allem etwas, aber nichts richtig. Für eine Biografie geht es nicht tief, es kratzt ein wenig an der Oberfläche - das wars. Für einen Roman ist es aber zu kurz und auch zu sehr an eine echte Biografie angelehnt. Wie immer schreibt Coelho fantastisch. Direkt, kurz, mit einfachen Sätzen und vielen klugen Gedanken. Doch dieses Mal reicht das für mich nicht. Zu viel wird im Leben von Mata Hari ausgelassen, Jahre direkt übersprungen. Ihre Tochter wird nur am Anfang erwähnt und am Ende mit einem Halbsatz. Hat Mata Hari sie in ihrem "neuen" Leben wirklich überhaupt nicht vermisst. Auf dem Buchrücken ist die Anmerkung, dass Mata Hari wohl eine Art erste Feministin ist. Ehrlich: für mich ist ein/e Feminist/in ein Mensch, der für die Recht von Frauen und Mädchen eintritt. Mata Hari übersprang auf jeden Fall die vorgestecken Grenzen einer Frau ihrer Zeit. Aber Feministin? Auch wenn sie mit 16 Jahren vergewaltigt wurde und danach keine Liebe mehr empfand. Sie trat doch eigentlich in jeder Lebenssituation nur für sich ein - für ein Leben nach ihren Vorstellungen, d. h., Reichtum und Freiheit ohne Rücksicht auf Verluste. Da kamen ihr ihr Mann und später ihre Liebhaber nur Recht. Für mich ist sie mehr eine Art Edelprostituierte. Auch wenn sie völlig zu Unrecht als Spionin verurteilt und hingerichtet wurde (in meinen Augen war sie auch da sehr naiv-dumm), viele Sympathien hat die Frau nicht in mir wecken können. Das ist auch Coelho mit dem Buch nicht gelungen.
Die Spionin - Mata Hari
von buchleserin - 21.11.2016
Bereits die Leseprobe dieses Buches hatte mich völlig in ihren Bann gezogen und ich war sehr gespannt auf "Die Spionin" von Paul Coelho. Im Prolog fand ich die Szene, wie sich Mata Hari sich für ihre Hinrichtung bereit macht und die Hinrichtung durch das Erschießungskommando , unglaublich ergreifend und sehr emotional. Diese Atmosphäre dort konnte ich beim Lesen direkt spüren. Paul Coelho lässt in seinem Buch Mata Hari in einem fiktiven Brief an ihren Anwalt Maître Clunet ihre Geschichte erzählen. Eine Woche vor ihrer Hinrichtung schreibt sie ihr Leben in einem Brief auf, damit ihre Tochter ihn später lesen kann, um zu erfahren, wer ihre Mutter eigentlich wirklich war. Mata Hari hat natürlich gehofft, das ihr Anwalt diesen Brief nie bekommt. Ich war sehr gespannt auf ihre Geschichte und das aufregende Leben dieser wohl bekanntesten Spionin aller Zeiten. Das Cover zeigt Mata Hari als exotische Tänzerin gekleidet und ist passend zum Buch gewählt. Paul Coelhos Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen und die Handlung hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Die Idee mit diesem fiktiven Brief, geschrieben an ihren Anwalt, gefällt mir sehr gut. Die Geschichte der in Holland geborenen Margarethe Zelle ist sehr emotional und fesselnd geschrieben. Ich fand es sehr interessant und spannend, etwas über die weltbekannte Mata Hari zu erfahren. Ich war neugierig darauf, wie sie zur exotischen Tänzerin wurde und wie es dazu kam, dass sie als Doppelagentin H21 des Hochverrats angeklagt wurde. Mata Hari hatte die Fähigkeit andere zu manipulieren und ist schließlich selbst ein Opfer der Manipulation geworden, wie Paul Coelho es schreibt. Paul Coelho hat Informationen aus inzwischen zugänglichen Geheimakten bekommen. Mir hat "Die Spionin" von Paul Coelho sehr gut gefallen und wer sich für die Geschichte der Mata Hari interessiert, dem kann ich dieses Buch wirklich sehr empfehlen.
Wer war Mata Hari
von Marita Robker-Rahe - 29.11.2016
Mata Hari, diesen Namen hat man schon oft gehört, doch ganz genau wusste ich nie, was es mit dieser Frau auf sich hatte. Eine Spionin soll sie gewesen sein und ein Frau, die sich das nahm und das tat, was für heutige Frauen selbstverständlich ist. Ihren Körper zu zeigen und dies im Tanz und sich Liebhaber zu nehmen. Dieses Buch von Paulo Coelho, dem brasilianischen Schriftsteller, der für die außergewöhnlichen Themen seiner Bücher bekannt ist, zeigt dem Leser eine ihm eigentlich unbekannte Mata Hari. Geboren in den Niederlanden, geht sich mit ihrem Mann später nach niederländisch Ostindien folgt und ihm zwei Kinder schenkt, von dem es vergiftet wird. Später trennt sie sich von ihrem Mann und geht nach Paris , um ihre Karriere als Tänzerin zu beginnen.Wie ihr Leben endet und in welche Intrigen sie schlitterte und wie sie die Menschen , vor allem die Frauen gegen sich aufbrachte, liest man in diesem Buch. Dieses Buch , was auf Briefen und Dokumenten beruht zeigt, wie eine Frau, die ihrer Zeit von ihren Moralvorstellungen und der Selbstverständlichkeit eine Frau zu sein, weit voraus war, zwischen die Fronten gerät. Sehr anschaulich und interessant verpackt der Schriftsteller Paulo Coehlo dies in eine Geschichte, die zum großen Teil die Protagonistin selbst erzählt und ergänzt wird durch ihren Anwalt.
die Spionin
von karin1966 - 18.11.2016
Ich muss gestehen, dass ich ein absoluter Paulo Coelho Fan bin und bisher alle Bücher von ihm gelesen habe. So musste ich auch dieses Buch unbedingt haben. Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr flüssig und angenehm zu lesen. Im Gegensatz zu den meisten früheren Büchern fließt dieses Mal wenig esoterische in die Handlung mit ein. Das hat mir irgendwie ein wenig gefehlt, da das ja irgendwie ein Markenzeichen vom Autor ist. Jedoch bei genauem Lesen kann man so einiges zwischen den Zeilen entdecken. Zur Geschichte, Mata Hari, ist eine sehr exzentrische, freiheitsliebende Frau, die die Hauptfigur in dem Buch spielt. Sie wird wegen Spionage zum Tode verurteilt. Mata Hari hofft auf eine Begnadigung und ist sich deren bis kurz vor ihrer Verurteilung ziemlich sicher, da sie ja eigentlich nichts verbrochen hat. Es gibt auch keine ausdrucksstarken Beweise. Das Buch wird aus zweierlei Sichtweisen erzählt, zum einen von Mata Hari und zum anderen von ihrem Anwalt. Eine sehr tiefgreifende Geschichte, die der Autor hier aufgegriffen hat. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen, wobei ich gestehen muss, dass mir die früheren Bücher von Paulo Coelho besser gefallen haben.
Packend und intim: Das Portrait einer unschuldigen Frau
von yesterday - 31.01.2017
Mit seiner bekannt wunderbaren Art zu erzählen und den Leser in Gedanken anderer zu entführen, widmet sich Paulo Coelho einer Person, deren Künstlernamen wohl fast jeder kennt: Mata Hari. Dass dieser Name immer wieder mit Spionage in der einen oder anderen Form in Verbindung gebracht wird, wusste ich vor der Lektüre. Wie es aber dazu kam und dass Mata Hari, wie es scheint, nichts getan hatte und trotzdem verurteilt wurde, war mir unbekannt. Ohne sich akribisch an die Realität zu halten, entwickelt Coelho doch ein sehr packendes und intimes Portrait einer Frau, die, für ihre Einstellung, zu früh lebte und damit die damalige Gesellschaft zu Beginn des ersten Weltkriegs vor den Kopf stieß. Neben ihrer offen zu Schau gestellten Sexualität brachte auch ihr großes Mundwerk sie immer wieder in Schwierigkeiten. Doch trotz dieser Momente und ihrer dramatischen jungen Jahre und einer zerstörerischen Ehe schaffte es die gebürtige Niederländerin Margaretha Zelle, lange Zeit ein für sie erfülltes und befreites Leben zu führen, frei von Zwängen und nur sich selbst treu. Ein Traum, der trotz Emanzipation und heutigen Gesellschaftsstandards vielen Frauen auch heute noch für immer verwehrt bleibt.
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