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Otherland 2. Fluß aus blauem Feuer

'Otherland'. 6. Aufl. Lesebändchen.
Buch (gebunden)
Im zweiten Band von »Otherland«, Fluß aus blauem Feuer, ist es einer kleinen Gruppe Verzweifelter gelungen, tatsächlich in Otherland einzudringen. Und da schnappt die Falle zu. Sie sind gefangen, unfähig, wieder in ihre K&o... weiterlesen
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Produktdetails
Titel: Otherland 2. Fluß aus blauem Feuer
Autor/en: Tad Williams

ISBN: 3608934227
EAN: 9783608934229
'Otherland'.
6. Aufl.
Lesebändchen.
Übersetzt von Hans-Ulrich Möhring
Klett-Cotta Verlag

7. Februar 2001 - gebunden - 781 Seiten

Beschreibung

Im zweiten Band von »Otherland«, Fluß aus blauem Feuer, ist es einer kleinen Gruppe Verzweifelter gelungen, tatsächlich in Otherland einzudringen. Und da schnappt die Falle zu. Sie sind gefangen, unfähig, wieder in ihre Körper aus Fleisch und Blut in der realen Welt zurückzukehren. Zufälle und gefährliche Abenteuer zersprengen die Gruppe. Ihre einzige Hoffnung ist der Fluß. Der Fluß aus blauem Feuer, der durch alle virtuellen Welten Otherlands fließt.
Im November 2004 hat Tad Williams für »Otherland« den Corine-Future Preis erhalten.

Portrait

Tad Williams ist ein kalifornischer Superstar. Seine genre-erschaffenden und Genregrenzen sprengenden Bücher wurden mehrere zehn Millionen Male weltweit verkauft.Seine epischen Fantasy- und Science-Fiction-Reihen, fantastischen Geschichten jeglicher Art, Urban-Fantasyromane, Comics, Drehbücher etc., hatten einen starken Einfluss auf eine ganze Generation von Autoren.Tad arbeitet immer an mehreren geheimen Projekten. Er und seine Familie leben in den Bergen von Santa Cruz, in einem seltsamen und schönen Haus.

Leseprobe

Es war seltsam, aber was Jeremiah Dako weckte, war die Stille.

Seltsam daran war, daß man hätte meinen sollen, als einen von zwei Leuten in einem riesigen stillgelegten Militärstützpunkt würde ihn alles aufschrecken lassen, bloß nicht die Stille. Mit Long Joseph als einziger Gesellschaft im Wespennest zu leben, war die meiste Zeit über so, als ob er der letzte Bewohner eines der Geistertownships im südlichen Transvaal wäre, wo die Tokozaseuche die Shantytowns so rasch leergefegt hatte, daß viele der Fliehenden sogar ihre wenigen kümmerlichen Habseligkeiten zurückgelassen hatten - Kochtöpfe, Pappkoffer, fadenscheinige, aber noch tragbare Kleidungsstücke. Als ob ihre Besitzer durch irgendeinen grauenhaften Zauber auf einen Schlag weggehext worden wären.

Doch selbst in den verlassenen Arbeitersiedlungen in Transvaal gab es Wind und Regen und herumstreunende wilde Tiere. Noch immer konnte man Vogelsang durch die staubigen Straßen hallen oder Ratten und Mäuse in den Abfallhaufen wühlen hören.

Das Wespennest jedoch war ein Monument der Stille. Durch unzählige Tonnen Stein von den Elementen abgeschirmt, die technischen Anlagen weitgehend außer Betrieb, die massiven Türen so fest verschlossen, daß nicht einmal Insekten hineinschlüpfen konnten, und die Luftschächte so fein vergittert, daß kein sichtbarer lebender Organismus eindringen konnte - so hätte der Stützpunkt ein Ort aus einem Märchen sein können, das Dornröschenschloß vielleicht, wo die Prinzessin und alle ihre Verwandten überzogen vom Staub der Jahrhunderte schliefen.

Jeremiah Dako war kein sonderlich phantasiebegabter Mann, aber wenn sein Gefährte Joseph Sulaweyo endlich in einen unruhigen Schlaf gesunken war - einen Schlaf, der von seinen ganz persönlichen bösen Feen heimgesucht zu sein schien, gab es in der ewigen Nacht des Lebens hinter verschlossenen Türen Zeiten, in denen Jeremiah die mächtigen Keramiksärge anstarrte, für die jetzt er verantwortlich war, und sich fr
agte, in was für eine Geschichte er da hineingestolpert war.

Er fragte sich außerdem, was der Verfasser eigentlich von ihm erwartete.

Ich bin einer von denen, um die in den Geschichten nie viel Wesens gemacht wird, sinnierte er eines Nachts, als die Werte wieder einmal normal waren und die Stunden zäh dahinschlichen. Die Erkenntnis quälte ihn nur minimal. Der Mann vor der Tür, der den Speer hält. Der irgendein Zauberdingsda auf einem Samtkissen anbringt, wenn jemand Wichtiges danach verlangt. Einer der Leute in der Menge, die Hurra! schreien, wenn das Abenteuer glücklich ausgeht. Ich bin schon immer dieser Mann gewesen. Hab für meine Mutter gearbeitet, bis ich erwachsen war, danach vierundzwanzig Jahre lang für die Frau Doktor. Kann sein, daß ich für den schönen Khalid dem allen entflohen wäre, wenn er mich dazu aufgefordert hätte, aber am Schluß hätte ich auch für ihn den Haushälter gespielt. Ich wäre bloß in seiner Geschichte gewesen statt in der der Frau Doktor oder meiner Mutter oder jetzt in diesem Irrsinn mit Apparaten und Schurken und diesem riesigen, leeren Bau im Berg.

Natürlich hatte die Speerträgerrolle durchaus ihre guten Seiten, und diese vielstöckige Geisterstadt genauso. Er hatte jetzt Zeit, zu lesen und zu denken. Weder für das eine noch für andere war ihm viel Zeit geblieben, seit er damals die Stelle bei den Van Bleecks angetreten hatte. Seine ganze freie Zeit hatte er dafür geopfert, für das Wohl seiner Mutter zu sorgen, und obwohl Susan es ihm nicht übelgenommen hätte, wenn er ab und zu in einem stillen Stündchen gelesen oder Netz geguckt hätte, während sie mit ihrer Forschungsarbeit beschäftigt war, hatte ihn die bloße Tatsache ihres Vertrauens zu großen - und fast immer unbemerkten - Anstrengungen angespornt. Doch hier gab es buchstäblich nichts anderes zu tun, als die Anzeigen der V-Tanks zu beobachten und aufzupassen, daß die Flüssigkeiten rechtzeitig nachgefüllt wurden. Das war nicht schwieriger, als den teur
en Wagen der Frau Doktor zu warten - der jetzt auf dem untersten Parkdeck des Wespennests stand und völlig einstauben würde, wenn er nicht alle paar Tage hinaufginge, um ihn mit einem Wischtuch zu säubern und sich über den eingedrückten Kühlergrill und die gesprungene Windschutzscheibe zu grämen.(...)

Während er jetzt in der Dunkelheit des Büroraums lag, den er sich zu seinem Notschlafzimmer erkoren hatte, und der höchst ungewohnten Stille lauschte, fühlte er, wie ein kühler Wind der Furcht ihn durchwehte. War es jetzt endlich passiert? Oder war er selbst einfach nervlich zu angespannt? Wochenlang in einer verlassenen unterirdischen Militärbasis eingesperrt zu sein und dem Echo der eigenen Schritte und dem Gemurmel eines Verrückten zu lauschen, war der geistigen Gesundheit nicht gerade zuträglich. Vielleicht erschrak er schon vor Schatten - oder vor einer harmlosen Stille.

Jeremiah ächzte leise und stand auf. Sein Herz schlug nur ein klein wenig schneller als normal, aber er wußte, daß er keine Chance hatte, wieder einzuschlafen, ehe er sich selbst davon überzeugt hatte, daß Long Joseph Sulaweyo auf dem Stuhl vor den Tankanzeigen saß. Oder vielleicht auf der Toilette war - selbst Jeremiah verließ während seiner Schicht hin und wieder den Raum, um einem natürlichen Drang nachzugeben oder sich einen Kaffee zu machen oder sich einfach durch einen der Belüftungsschächte ein wenig kalte Luft ins Gesicht blasen zu lassen.

Das war es höchstwahrscheinlich.

Jeremiah schlüpfte in ein Paar alte Pantoffeln, die er in einem der Spinde gefunden hatte - ein Komfort, durch den er sich wenigstens ein klein bißchen heimisch fühlte , und trat auf den Laufsteg hinaus, um auf die Ebene hinunterzuschauen, auf der die Bedienerkonsolen standen.

Der Stuhl war leer.

Noch immer sehr bewußt um Ruhe bemüht schritt er auf die Treppe zu. Long Joseph war bestimmt in der Küche oder auf der Toilette. Jeremiah würde einfach die Tanks b
eobachten, bis er zurückkam. Es gab sowieso nicht viel zu tun außer den immergleichen Tätigkeiten, das Wasser und andere Flüssigkeiten pünktlich nachzufüllen und das Sanitärsystem zu spülen und neue Filter einzusetzen. Und was konnte man sonst überhaupt tun, als Renie und !Xabbu aus den Tanks zu ziehen? Und das hatte Renie ausdrücklich verboten, solange kein ernster Notfall eintrat. Das Kommunikationssystem war schon am ersten Tag zusammengebrochen, und zwar, wie sich herausgestellt hatte, so gründlich, daß es für Jeremiah irreparabel war. Also selbst wenn Long Joseph irgendwo eine Runde drehte, war es nicht, als hätte er mitten in einer Seeschlacht das Steuer des Schiffes verlassen oder so.

Alle Werte waren normal. Jeremiah überprüfte sie zweimal, um ganz sicherzugehen. Als sein Blick zum zweitenmal die Station überflog, bemerkte er das schwache Licht des Grafikbildschirms. Der Lichtstift lag daneben, das einzige an der ganzen Station, was sich nicht im rechten Winkel zu etwas anderem befand, eine einzelne minimale Unordentlichkeit, aber aus irgendeinem Grund ließ sie Jeremiah erschauern, als er sich vorbeugte, um den Bildschirm zu lesen.

ICH HALTS NICHT MEHR AUS, stand da in plumper Schrift, die schwarz vom Leuchten des Bildschirms abstach. ICH WILL BEI MEINEM KIND SEIN.

Pressestimmen

»Im Fall von "Otherland" lässt sich nur mit jedem verstreichenden Jahr am besten erkennen, wie weitsichtig Tad Williams ist.«
Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung, 11.07.2013
»Seitdem der amerikanische Schriftsteller Tad Williams seinen "Otherland"-Zyklus publiziert hat, ist im Bereich der literarischen Fantasy nicht mehr wie zuvor.«
Andreas Platthaus, Stuttgarter Zeitung, 13.07.2013
»... Tolkiens Mittelerde steht nicht ohne Grund im Zentrum des Fantasy-Booms. Seit Erscheinen des Epos muss sich jeder Fantasy-Autor an der gigantischen Saga messen lassen. ...
Seitdem haben viele versucht, den Thron zu stürmen und in den Olymp der High-Fantasy aufzusteigen. Doch nach echten Weltengründern mussten die Fans lange vergeblich suchen. Viele Geschichten kranken daran, dass sie von Tolkien-Epigonen verfasst sind, aber nichts wirklich Neues erschaffen. Fast ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis ein Autor mit einer selbstständigen Weltschöpfungsidee aufwarten und den hungrigen Lesern ein eigenständiges Universum präsentieren konnte: "Otherland" von Tad Williams. Ein 3650 Seiten starkes Universum, das sich in kein bekanntes Schema pressen lässt, das seinem Autor aber dennoch, zwischen Fantasy, Science-Fiction, Cyberpunk, Abenteuerroman, Märchen und Krimi changierend, den Titel Tolkien des 21. Jahrhunderts von der Literaturkritik eingebracht hat. ...
Aber Williams Tetralogie ist vor allem deshalb ein Novum, weil er das Basismaterial des Genres auf die Verhältnisse der Multimediawelt des 21. Jahrhunderts hochrechnet. ...«
Wiebke Eymess (www.buchwurm.info, 12.08.2004)
»Der Geist aus der Maschine
Seit einem Jahr fiebern die "Otherland"-Fans dem zweiten Teil der Cyberspace-Saga entgegen. Tad Williams enttäuscht nicht: "Fluss aus blauem Feuer" ist eine Achterbahnfahrt der Fantasie.
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Der Amerikaner Tad Williams entwirft in seiner Saga "Otherland" eine nahe Zukunft, in der sich die Menschen am liebsten im Netz tummeln und der krassen Realität die kalte Schulter zeigen. Bücher kommen in dieser Zukunft gar nicht mehr vor. Wir stehen an der Schwelle zu dieser neuen Netzwelt. Doch Tad Williams tritt den Beweis an, dass sich die Kraft der schwarzen Worte auf weißem Papier hinter keiner noch so ausgefeilten Computer-Simulation verstecken muss. Als Leser taucht man ebenso in die fantastischen Weiten hinab wie die "Otherland"-Helden in ihre künstlichen Cyber-Welten.
Okay, als Bücherwurm steckt man nicht in Tanks, die einen am Leben erhalten, während sich der Sim, der Ersatzkörper, im Cyberspace vergnügt. Doch auch das Lesen von "Otherland" hat mitunter bedrohliche Folgen: Es sind Fälle bekannt geworden, in denen sich "Otherland"-Leser tagelang von der Weit abkapseln, um in den abenteuerlichen Schwarten zu versinken. Nahrungsentzug, Schlaf- und Kommunikationsstörungen sind die Folge. Den Lesern geht es nicht besser als der bunten Reisegesellschaft, die Tad Williams durch "Otherland" jagt: Sie können sich ebenso wenig aus ihren simulierten Weiten ausklinken wie die Leser das Buch aus der Hand legen können. Diese Magie wirkte beim ersten Band von "Otherland", "Stadt der goldenen Schatten", und setzt sich in "Fluss aus blauem Feuer" fort.
"Otherland" hat Tad Williams zu Recht den Ruf eingetragen, der neue Tolkien zu sein. Doch die auf vier Bände angelegte Saga ist eine moderne Mischung aus Fantasy und Sciencefiction. Der Kampf zwischen Gut und Böse wird nicht mehr im düsteren Mordor ausgefochten, sondern im Cyberspace.
Eine Gruppe superreicher Männer, die Gralsbruderschaft, hat ihr ganzes Vermögen in die Erschaffung eines Netzwerkes - "Otherland" - gesteckt. "Reiche Idioten, die Spiele spielen", sagt der "Otherland"-Besucher Azador. Es sind mächtige, meist alte Männer, die sich in den virtuellen Welten das ewige Leben einrichten wollen. An der Spitze der zwielichtigen Bruderschaft steht der Oberschurke Felix Jongleur. Er allein beherrscht und kontrolliert das geheime Betriebssystem - Bill Gates läßt grüßen - und feiert sich online gern als Gott Osiris. Doch langsam spürt er, dass es nicht leicht ist, ein Gott zu sein. Eine Gruppe furchtloser Abenteurer, angeführt von der südafrikanischen Netz-Ingenieurin Renie versucht, hinter das Geheimnis von "Otherland" zu kommen. Denn die gewaltige Simulation fordert bereits ihre Opfer: Neugierige Netz-Kinder wie Renies Bruder Stephen sind ins Koma gefallen.
Doch auch am Ende des zweiten Bandes ist man nicht schlauer, was es mit den Koma-Fällen auf sich hat. Auch die Rolle des geheimnisvollen Museumsangestellten Paul, der sein Gedächtnis verloren hat und seit dem ersten Band in "Otherland" herumirrt, bleibt unerklärt.
Der Autor trennt die Gemeinschaft, die sich am Ende des ersten Bandes zusammengefunden hat und lässt drei Grüppchen durch die lebensbedrohlichen Weiten von "Otherland" irren: Ein Insektenreich, Xanadu, eine zweidimensionale Comic-Welt, die Welt des Zauberers von Oz, Ägypten, das Venedig der Renaissance, die Sphäre der fliegenden Menschen. Die Abenteuer, die Renie, der Buschmann !Xabbu, der kranke Knabe Orlando und seine Freundin Fredericks sowie die blinde Martine und ihre Gefährten bestehen müssen, sind irrwitzig.
Der zweite Band ist unheimlicher, düsterer als der erste. Nicht nur, dass der mordende Osiris-Gehilfe Dread immer brutaler zuschlägt. "Otherland" selbst wird immer bizarrer. Die gigantische Simulation "Otherland" gleitet ihren Schöpfern aus den Händen. Mord, Brutalität und Zerstörung breiten sich aus. Hat das komplizierte Nemesis-Programm ein Bewusstsein entwickelt, eine künstliche Intelligenz? Der Autor verrät es wohl erst in einem der nächsten beiden Bände.
Tad Williams erneuert seinen Ruf als begnadeter Fabulier-Künstler. Er beschreibt Szenen so plastisch und detailreich, dass "Otherland" als Film in Cinemascope und mit prallem Technicolor vor dem geistigen Auge abläuft. Ein zeitgemäßer ironischer Ton würzt die Saga. Es macht Spaß, sich von dem Strom der Fantasie fortreißen zu lassen. Auch wenn man sich manchmal so müde und überreizt fühlt wie die Helden, die über den blauen Fluss von Simulation zu Simulation hecheln.«
Anke Groenewold (Neue Westfälische Zeitung, 28.07.1999)

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