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Niemand liebt November

ebook Ausgabe. Empfohlen ab 16 Jahre.
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Produktdetails

Titel: Niemand liebt November
Autor/en: Antonia Michaelis

EAN: 9783862748259
Format:  EPUB
ebook Ausgabe.
Empfohlen ab 16 Jahre.
Illustriert von Kathrin Schüler
Verlag Friedrich Oetinger

August 2014 - epub eBook - 448 Seiten

Schatten der Vergangenheit: ein Spiel um Leben und Tod.

Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklärliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heißt, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflöst, sobald sie sich ihm nähert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer stärker hingezogen fühlt, und der immer für sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhält? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstörerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft.

Ein großer Roman von Antonia Michaelis: eine starke, zugleich verletzliche Heldin inmitten mörderischer Geheimnisse, soghaft zwischen Traum und Realität und atemlos spannend.

www.oetinger.de/antoniamichaelis
Antonia Michaelis, Jahrgang 1979, in Norddeutschland geboren, in Süddeutschland aufgewachsen, zog es nach dem Abitur in die weite Welt. Sie arbeitete u.a. in Südindien, Nepal und Peru. In Greifswald studierte sie Medizin und begann parallel dazu, Geschichten für Kinder und Jugendliche schreiben. Seit einigen Jahren lebt sie nun als freie Schriftstellerin in der Nähe der Insel Usedom und hat zahlreiche Kinder und Jugendbücher veröffentlicht, facettenreich, fantasievoll und mit großem Erfolg. »Der Märchenerzähler«, ihr erstes Buch für junge Erwachsene, wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

1.


Der Regen fällt, mein Kind, verborgen vor der Welt.

Nur du und ich, wir hören, wie der Regen fällt.

Die anderen, sie schlafen, im Warmen, fern von hier.

Sie träumen von sich selber und nie von dir und mir.

Der Regen fällt, mein Kind, als Schlaflied auf die Scheiben.

Nur du und ich, wir wissen, dass manche Träume bleiben.

Die anderen, sie glauben, man könnte Grenzen ziehen.

Sie träumen und sie wachen. Nur du und ich, wir fliehen.

Am Anfang war das Licht.

Ein warmes, gelbes Licht in der Dunkelheit.

Vor dem Licht waren da nur die Tropfen an der Scheibe gewesen, beleuchtet von der schmutzigen Resthelligkeit der Großstadtnacht. Die Tropfen sahen aus wie Tränen. Natürlich waren es keine Tränen, es war nur der Regen. Alles war immer nur irgendetwas anderes.

Die Scheibe war kühl. Die Heizung unter dem Fenster war warm. Dieser Hochhausflur war ein Gottesgeschenk, der Flur und die Tatsache, dass die Tür unten offen gestanden hatte. Sie glaubte nicht an Gott. Sie war sich ziemlich sicher, dass er auch nicht an sie glaubte. Niemand hatte je an sie geglaubt, außer der Katze vielleicht. Die Katze lag um ihren Nacken geringelt und schlief.

Die Katze war das Einzige, was sie mitgenommen hatte.

»November«, flüsterte sie in die Nacht. »November.«

Es war nicht nur ein Monat. Es war ein Name. November Lark. Lark wie die Lerche, November wie November. Aber im November sangen die Lerchen nicht. Oder doch? Würde es irgendwann einen November geben, in dem sie sangen?

Die meisten Menschen glaubten ohnehin, sie hieße Amber, so stand es in ihrem Pass. Sie hatte ihnen gesagt, dass sie November hieß, damals, als sie sie gefunden hatten. Aber sie hatten ihr nicht geglaubt. Sie dachte an den Pass, der jetzt in
irgendeiner Schublade lag, fern von hier.

Und in diesem Moment sah sie das Licht.

Es schien sich aus der Dunkelheit zu ihr emporzurecken, gelb und rot, und schmolz lautlos ein Loch in die kalte Nacht.

Die Katze regte sich im Schlaf. November nahm sie von den Schultern und legte sie in ihren Schoß, um sich gerader hinzusetzen. Das Licht kam aus einem Zelt. Dort unten im Hinterhof, der mehr ein Schacht war als ein Hof, stand ein rot-gelbes Igluzelt. Und darin saß jemand mit einer Taschenlampe.

»Das ist irre«, flüsterte sie. »Das ist völlig irre. In einem Hinterhof zu zelten, im strömenden Regen.«

Eine Weile saß sie einfach so da und sah in den Hof hinunter. Die Wärme der Farben floss in ihren Körper, und sie fror nicht mehr so sehr. Die Heizung war, um ehrlich zu sein, nicht wirklich warm. Wenn ich dort sein könnte, dachte November. In diesem Zelt. Mit dem Menschen, der da sitzt.

»Nein«, flüsterte sie dann. »Der dort unten will alleine sein. Er wird sich bedanken, wenn ein zerzaustes fremdes Mädchen im Regen vor der Zeltklappe auftaucht.« Sie schüttelte den Kopf. »Vielleicht … ist es auch ein Verrückter. Oder jemand, der gesucht wird und sich versteckt hat.« Sie verbarg ihr Gesicht für Sekunden im Fell der Katze. »Ich«, flüsterte sie in das weiche Fell. »Ich werde gesucht. Amber Lark. Siebzehn Jahre alt. Die gesuchte Person trägt einen alten grauen Männerparka, Jeans und sehr alte High Docs. Sie hat schulterlanges, schwarz gefärbtes Haar, zu einem dünnen Pferdeschwanz zusammengebunden, ist eins neunundsechzig groß und wiegt neunundvierzig Kilo. Haben Sie sie gesehen?«

Die Katze reckte ihre Vorderpfoten und öffnete langsam die Augen. November sah ihre Augen nicht, die Katze saß in ihrem eigenen Schatten.
Aber sie spürte den Blick der grünen Smaragde auf der Haut.

Wenn man jemanden lange genug kennt, kann man ihn auch im Dunkeln sehen.

Ein Zitat aus einem Buch. Das Leben war dazu da, möglichst viele Bücher zu lesen und möglichst viele Träume zu träumen. Doch in diesem Augenblick ging es nicht um Träume und nicht um Bücher. Es ging um Fakten. Fakt ist, sagte der Blick der grünen Augen, sie suchen dich nicht. Nicht vor morgen früh. Sie kontrollieren nachts nicht.

»Manchmal«, sagte Amber.

Manchmal, sagte die Katze. Meistens nicht. Sie werden erst morgen merken, dass dein Bett leer ist. Und auch dann werden sie sich zuerst keine Sorgen machen. Sie kennen dich.

»Sie kennen mich nicht«, wisperte Amber. »Keiner kennt mich. Vor allem nicht die.«

Mag sein, sagte die Katze mit einem leisen Schnurren. Aber warum sollten sie sich so darum reißen, dich kennenzulernen? Du hast es ihnen nie leicht gemacht. Und du bist nur eine Nummer. Noch eine, um die sie sich kümmern müssen. Bis sie die Polizei einschalten, bleibt dir ein bisschen Zeit. Solange du nicht herumrennst wie eine Irre und Leuten in Zelten erzählst, wer du bist.

Die smaragdenen Augen schlossen sich, aber Amber spürte das schnurrende Vibrieren des Körpers auf ihren Oberschenkeln. Die Katze schlief nicht. Und natürlich hatte sie auch nicht mit Amber gesprochen. Nicht in Worten.

»Für wie blöd hältst du mich?«, wisperte Amber. »Dachtest du, ich erzähle dem nächstbesten Typen, dass ich abgehauen bin, damit er mich bei der Polizei abliefern kann?«

Die Katze rollte herum und sprang aufs Fensterbrett, lautlos, samten. Sie war jetzt vierzehn Jahre alt, alt für eine Katze. Dennoch hatte ihr Körper nie an Schwerelosigkeit eingebüßt; ihr graues Tigerfell war wie Fede
rflaum.

Ich habe lediglich gesagt: Dir bleibt noch ein bisschen Zeit.

»Und das bedeutet …?«, flüsterte Amber.

Die Katze begann, sich zu putzen, scheinbar gleichgültig. Natürlich, Katzen erklären einem nie, was etwas bedeutet, das sie gesagt haben. Zumal sie, dachte Amber, wenn sie sprechen könnten, sicherlich leugnen würden, dass sie sprechen können.

Amber stellte sich vor, wie es wäre, dort unten in dem warm erleuchteten Zelt auf einer Matratze zu liegen, in einem Mumienschlafsack, eingehüllt vom Geruch nach oft gewaschenem Kunststoff. Sie merkte, dass sie zitterte. Die Heizung war jetzt wie Eis, und der Flur war ein Grab aus Schatten. Sie war so müde, und die fremde Stadt war so groß, und der November sammelte sich im Hausflur wie Schnee.

Sie stand auf. Und in diesem Moment bewegte sich etwas im Zelt. Nein, nicht etwas. Jemand. Amber stand ganz still hinter ihrem Flurfenster, sie hielt den Atem an – obwohl der Schatten sie natürlich nicht sehen konnte. Sie stand im Dunkeln, hier oben, im sechsten Stock, und er, der Schatten, saß im Licht. Es war ein Junge, vielleicht so alt wie sie, siebzehn oder achtzehn.

Natürlich konnte es auch ein Mädchen mit kurzen Haaren sein oder ein alter Mensch, der so aufrecht saß wie ein junger Mensch … Nein. Es war ein Junge, und er hielt etwas in der Hand.

Ein Buch, dachte Amber. Dort unten im Zelt sitzt ein Junge und liest ein Buch, mitten in der Nacht, in einem Hinterhof, in einem rot-gelben Igluzelt.

»Er ist auch abgehauen«, flüsterte Amber.

Sie griff in die Tasche des zu großen grauen Parkas und zog etwas hervor: eine Streichholzschachtel. Eine Streichholzschachtel mit einem aufgedruckten Namen. Diese Schachtel war ihr Strohhalm, ihre Spur, ihr Rettungsseil. Sie drückte sie einen Moment lang an die Stelle, an der
ihr Herz unter dem Parka zu rasch schlug. Dann steckte sie sie zurück in die Tasche.

Der Regen ließ nicht nach. Die Nacht wurde lautlos älter.

Und Amber sehnte sich. Sie sehnte sich danach, unten bei dem Jungen in dem Zelt zu sitzen, in der Wärme. Sie könnte ihm über die Schulter sehen. Mit ihm das Buch lesen. Plötzlich war sie sich sicher, dass er nichts dagegen hätte. Dass er – ein verrückter Gedanke – dass er auf sie wartete.

Sie drehte sich um und begann, die Stufen hinabzusteigen. Zuerst langsam, in die Dunkelheit tastend … rascher, zügig jetzt, ihre Füße hatten den Abstand der Stufen gelernt … und schließlich, auf dem letzten Treppenabsatz, rannte sie. Sie flog. Sie wusste nicht, was sie zu dem Jungen im Zelt sagen würde, sie wusste nur, dass sie zu ihm musste, dass sie in dieses Zelt musste.

Sie rannte den Flur entlang bis zur Tür, die zum Hinterhof führte, fürchtete einen Augenblick lang, die Tür wäre abgeschlossen – stieß sie auf. Trat in den Hof. Gleich, gleich würde sie den Reißverschluss des rot-gelben Igluzeltes von außen öffnen, sich bücken, hineintauchen in das warme Licht, geborgen sein. Sicher vor allen Gefahren, vor Hunger und Kälte und Zweifeln.

Sie ging zwei Schritte, drei, vier, torkelte hinaus in den Regen, außer Atem vom Rennen.

Es war heller hier, heller als im Flur. Aber es war nur die gleiche schmutzige Stadthelligkeit, die schon die Regenfäden am Fenster oben beleuchtet hatte.

Sie drehte sich um ihre eigene Achse, den Blick zu den vielfenstrigen Wänden erhoben, die den Hinterhof säumten wie einen Brunnenschacht. Die Fenster waren alle nachtblind. Nur hinter einem saß eine graue Tigerkatze aus Samt und wusste natürlich längst alles.

Da war kein Zelt.<
/p>

Amber stand ganz alleine im Hof.

 

Sie blieb eine Weile so stehen und ließ den Regen über ihr Gesicht laufen.

Der Regen war wie ein Kuss des niemals vollkommen dunklen Himmels.

Dann sah sie die Mülltonnen, vier große, klobige Schemen. Sie war mit einem Satz dort, riss den Deckel der ersten Tonne auf. Nichts. Nichts außer Dunkelheit. Als hätte jemand versucht, alle Dunkelheit der Welt in diese Tonne zu werfen. Es war aber, dachte Amber, noch genug davon übrig. Zu viel.

Sie öffnete alle vier Tonnen, und in keiner lag ein Zelt. Amber ging zurück zur Tür, der einzigen, die zum Hinterhof führte. Der Junge konnte sie nicht benutzt haben, sonst hätte er Amber im...


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