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Schwarze Häuser

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Produktdetails

Titel: Schwarze Häuser
Autor/en: Sabine Ludwig

EAN: 9783862724741
Format:  EPUB
Dressler Verlag

Juli 2014 - epub eBook - 352 Seiten

Packend und berührend - das persönlichste Buch von Sabine Ludwig.Die zwölfjährige Uli kommt sechs Wochen zur Erholung auf eine Nordseeinsel. Dort erwartet sie jedoch alles andere als ein Urlaub. Denn keins der Kinder ist freiwillig im Kurheim. Das Heimweh ist groß, der Wind heult ums Haus, das Essen schmeckt schrecklich. Trost findet Uli bei ihren neuen Freundinnen Fritze, Freya und Lieschen. Gemeinsam bibbern sie im kalten Waschraum, helfen sich beim Schuheputzen und überstehen auch die gemeinsten Strafen. Doch eines Tages ist Freya verschwunden. Heimlich machen sich die Mädchen auf die Suche und finden sie weit draußen im Watt...Sensibler Umgang mit einem bewegenden Thema - eine spannende Abenteuer- und Freundschaftsgeschichte mit vielen Vignetten von Tochter Emma Ludwig.
Sabine Ludwig, 1954 in Berlin geboren, studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie. Nach dem Studium und Staatsexamen war sie kurze Zeit an einem Berliner Gymnasium als Lehrerin tätig. Danach arbeitete sie als Regieassistentin, Pressereferentin und Rundfunkredakteurin. Seit 1983 arbeitet sie als freie Autorin, zunächst von Essays, Hörspielen und Features für Erwachsene. 1987 verfasste sie ihre ersten Radiogeschichten für Kinder, unter anderem.für die beliebte Hörfunkreihe "Ohrenbär", und anschließend viele Kinderbücher. Außerdem übersetzte sie Romane von Eva Ibbotson und Kate DiCamillo aus dem Englischen. Sabine Ludwig zählt heute zu den erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautorinnen und wurde von der AG Leseförderung des Sortimenter-Ausschusses im Börsenverein zur "Lesekünstlerin des Jahres" gewählt. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb über sie: "Humor hat in ihren Geschichten absoluten Vorrang, was Sabine Ludwig nicht daran hindert, wie nebenbei kindliche Verletzungen offenzulegen. Changierend zwischen Menschenfreundlichkeit und Spott entsteht so beste Unterhaltung gegen jede Art von Frust." Wie wahr!Mehr über Sabine Ludwig und ihre Bücher unter www.sabine-ludwig-berlin.de

1. Kapitel


»Stell dich nicht so an und gib dein Brot her!«

»Nein, das ist meins!«

»Du bekommst ja eins. Ein anderes.«

»Aber ich will meins! Warum kann ich das nicht behalten?«

»Damit es gerecht zugeht. Stell dir vor, einer hat lecker Leberwurst drauf und der andere nur Harzer.«

»Ich hasse Leberwurst!«

Uli stößt ihre Nachbarin an, ein Mädchen, an dem alles dünn ist. Die Haare, das Gesicht, vor allem die Nase. »Wie die sich anstellt wegen ihrer doofen Stulle.«

Das dünne Mädchen nickt. »Die hat im Bus hinter mir gesessen und die ganze Zeit geheult.«

Die große, hagere Frau, die sich im Bus als Frau Sowieso vom Jugendamt vorgestellt hatte, reißt jetzt dem Mädchen das Brot aus der Hand und wirft es in einen Wäschekorb. Dann kommt sie an Ulis Tisch, sagt nichts, sondern hält ihr nur auffordernd den Korb hin. Uli sieht sie zum ersten Mal bei Licht. Im Bus ist es fast die ganze Zeit dunkel gewesen, sogar die Grenzer hatten kein Licht gemacht, sondern ihnen nur mit Taschenlampen in die Gesichter geleuchtet. Die Frau sieht aus wie eine Nebelkrähe mit ihrem grauen Mantel, dem grauen Haar und der gebogenen, gelblich verfärbten Nase.

Uli öffnet ihre Stullendose, ganz vorsichtig, damit nicht noch mehr vom Rand abbricht. Sie hätte gerne eine aus Aluminium gehabt statt aus bröckeligem Bakelit, aber Oma meinte, die würde noch mindestens drei Reisen überstehen. Eins der beiden Brote hat Uli schon gegessen, zum Glück das mit dem Käse, auf dem anderen ist eh nur Tomatenmark.

Das dünne Mädchen neben ihr legt eine Packung Kekse in den Korb. Die Krähe runzelt die Stirn. »Ich wickle sie besser in Butterbrotpapier. Sonst sieht man ja gleich, was es ist.&l
aquo;

Das Mädchen zuckt gleichgültig mit den Schultern.

Als alle ihre Brote in den Korb gelegt haben, läuft die Krähe zwischen den Tischen hindurch, und jeder darf sich eins der Päckchen nehmen. Uli grabbelt ausgiebig in dem Korb, um das mit den Keksen zu erwischen. Die Krähe schlägt ihr auf die Finger. »Nicht lange suchen! Nimm irgendeins.«

 

Sie sitzen unter Deck. Das Schiff stampft und schlingert. Ulis Brot, das sie schließlich aus dem Korb gefischt hat, rutscht über den Tisch und fällt auf den Boden. Es hat schon vorher nicht sehr appetitlich ausgesehen. Am liebsten hätte sie es liegen gelassen, aber die Krähe hat sie im Blick, also hebt sie es widerwillig auf.

Das dünne Mädchen neben Uli wickelt langsam sein Brot aus und schaut dabei aus dem Fenster, gegen das Wasser klatscht. Nicht irgendein Wasser. Das Meer, die Nordsee.

»Sollte jemandem schlecht werden, Bescheid sagen, aber bitte rechtzeitig.« Die Krähe schwenkt steife Papiertüten.

»Kotztüten«, murmelt Uli. Sie hat endlich das Brot von dem durchweichten Papier befreit. Pumpernickel mit Quark. Eine einzige Pampe.

»Freya«, sagt da das dünne Mädchen. »Ich heiße Freya. Und du?«

»Uli.«

»Ist das die Abkürzung für Ursula?«

»Für Ulrike.«

Freya, was für ein seltsamer Name, denkt Uli. Noch nie hat sie ein Mädchen mit so einem winzigen Gesicht gesehen, die Nase ist noch das Größte darin. Und die Hände erst. Schmal mit langen Spinnenfingern, die Adern schimmern blau durch den Handrücken.

»Bist du adlig?«, fragt Uli.

»Nein, warum?«

»Nur so. Willst du dein Brot nicht?«

Uli hätte niemals zugegeben, dass sie ihr Wissen über
den Adel aus den alten »Gartenlaube«-Heftchen bezieht, die Oma seit ewigen Zeiten aufbewahrt. Die Baronessen und Prinzesschen darin sehen alle so aus wie Freya.

»Magst du?« Freya hält ihr ein Vollkornbrot hin. Es sieht nicht mal schlecht aus. Uli nimmt es schnell und schiebt ihr matschiges Päckchen unauffällig hinter den Vorhang, der das Fenster halb bedeckt und ganz steif ist vor Staub und fettigem Dunst.

»Guck mal, die Heulsuse.« Uli zeigt auf das Mädchen, das jetzt mit dem Kopf auf dem Tisch liegt, seine Schultern zucken.

»Sie heißt Elfriede«, sagt Freya. »Elfriede Klotz.«

Uli nickt. »Schlimm genug.«

Als sie am Abend in den Bus gestiegen waren, hatte jedes der Kinder eine Pappkarte mit seinem Namen darauf um den Hals getragen. Uli hatte ihr Schild auf dem Schiff abgenommen und Freya hat es unter ihren Pulli gesteckt. Es ist ein schicker Pulli, nicht eins von diesen selbst gestrickten Teilen aus dreimal aufgerebbelter Wolle, wie Uli sie tragen muss.

Freya wendet sich ab und blickt wieder aufs Meer, das sich bleigrau am Fenster entlangwälzt, und Uli hat Gelegenheit, sie in Ruhe anzuschauen. Durch ihre weißblonden Haare schimmert die Kopfhaut, so fein sind sie. Das könnte hässlich aussehen, tut es aber nicht, denn Uli erkennt sofort, dass da ein richtiger Friseur am Werk war und nicht wie bei ihr Tante Gertie, eine Freundin von Oma, die vor hundert Jahren mal eine Friseurlehre gemacht hat. Als sie Uli einmal mit einer Brennschere den Pony locken wollte, waren dabei die Haare abgebrochen. Es hat ewig gedauert, bis sie wieder so lang waren, dass sie bis zu den Augenbrauen reichten. Eigentlich mag Uli ihre Haare. Sie haben die Farbe von Karamellbonbons und fallen bis auf die Schultern. Meistens trägt sie Rattenschwänze. Und ihre Lieblings-Zopfgummis, die mit den roten Kugeln. Aber jetzt kommt ihr die
Frisur fast kindlich vor.

Auch Freyas schwarze Hose sieht schick aus, eine echte Lastexhose. Da beult nichts. Uli zupft an der abgesteppten Bügelfalte ihrer blauen Wollhose, die am Knie schon ganz blank ist. Von allen Kindern, die hier im Bauch des Schiffes sitzen und übermüdet an fremden Klappstullen herumkauen, ist Freya am besten angezogen.

Warum wird die wohl verschickt?, überlegt Uli. Nun, sie würde sechs Wochen Zeit haben, das herauszufinden.

Flügelschlagend flattert die Krähe an den Tischen vorbei und sammelt das Butterbrotpapier ein. »Wo sind eure Namensschilder? Ihr müsst sie sichtbar tragen, bis wir im Heim angekommen sind.«

Freya greift in ihren Pulli und zieht das Schild heraus.

Freya Freiberg steht mit Schreibmaschine getippt darauf. Auch ihr Name ist schick. Jedenfalls schicker als Ulrike Bandekow.

»Freya Freiberg«, murmelt Uli.

»Wie bitte?« Freya sieht sie fragend an.

»Ich finde deinen Namen schön«, sagt Uli. Freya lächelt, aber nur ganz kurz. Es ist eher ein Zucken im Mundwinkel.

»In Zweierreihen anstellen!«, kräht es. »Und dann gehen wir nacheinander hoch an Deck.«

»Sind wir schon da?«, fragt Freya.

Uli späht aus dem Fenster. »Sieht so aus.« Sie steht auf und muss sich gleich darauf am Tisch festhalten, denn es gibt einen Rumms. Und noch einen.

Nun kann man auch die Möwen hören.

 

Das heulende Mädchen verlässt als Letzte das Schiff, und wenn die Krähe ihr keinen Schubs gegeben hätte, wäre sie wohl auch nicht in die altmodische kleine Bahn gestiegen, die am Hafen steht und sie in den Ort bringen soll.

Auf der Bank gegenüber von Freya und Uli ist zwischen zwei sommersprossigen Jungs, offensichtlich Brüdern, ein Platz frei, da qu
etscht sie sich hin. Elfriede Klotz sieht schlimm aus. Ihre Augen sind rot verquollen, unter ihrer Nase läuft eine Rotzspur, die aussieht wie getrockneter Schneckenschleim. Jetzt bohrt sie sich die Fingerknöchel in die Augen, was die Sache auch nicht besser macht.

Der Junge, der rechts von ihr sitzt, brüllt plötzlich: »He, Klausi, kiek mal, der Vogel hat ’nen Fisch im Maul!«, und zeigt aus dem Fenster auf eine Möwe. »Lass mal sehen, Hansi!« Klausi drängelt sich rücksichtslos an Elfriede Klotz vorbei ans Fenster, doch die scheint es gewohnt zu sein, rüde behandelt zu werden, sie schnieft nur kurz auf.

Uli schiebt den Jackenärmel ein Stückchen hoch und schielt auf ihre Uhr. Fast Mittag. Die Uhr ist ihr peinlich. Sie hat ihrem Opa gehört und ist eine Männeruhr, was sonst. Das Glas hat einen Sprung und das Lederarmband ist vom Schweiß ganz steif und dunkel geworden. Schweiß von jemandem, der seit Jahren tot ist. Wenn sie angekommen sind, wird sie sie gleich wegpacken. Im Heim braucht man keine Uhr, das weiß Uli.

Die Kinder werden langsam munter, sie zeigen sich gegenseitig, was es draußen zu sehen gibt. Dabei ist da erst einmal nicht viel. Die Bahn zuckelt über einen Damm. Zur Linken erstreckt sich eine graue Wasserfläche bis zum Horizont, zur Rechten glänzt und schimmert das Wattenmeer.

Oma hat Uli die Insel auf einer Karte gezeigt und erklärt, was Ebbe und Flut sind. Bei Flut ist das Wasser da und bei Ebbe ist es weg. Vor zwei Jahren hat es im Februar eine große Flut gegeben, eine Sturmflut. Uli erinnert sich noch an ein Bild in der Zeitung. Aus den Wassermassen ragte ein Hausdach, darauf saß jemand und schwenkte ein weißes Tuch. »Wie im Krieg«, hatte Oma gesagt. »Wie im Krieg.« Und dann fing sie an zu weinen, wie immer, wenn sie vom Krieg sprach.

Uli seufzt. F
reya sieht sie fragend an.

»Glaubst du, wir bekommen eine Sturmflut?«

»Hoffentlich nicht«, sagt Freya.

»Warum nicht? Könnte doch aufregend sein. Überall Wasser. Wasser und Wind. Und wir mittendrin.«

»O nein, das wäre ja schrecklich!«

Rechts und links tauchen nun Häuser auf, spitzgiebelige Häuser aus rotem Backstein. Uli stellt sich vor, wie sie auf einem der Dächer hocken und verzweifelt eine weiße Fahne schwenken würde. Immer höher stiege das Wasser, leckte schon an ihren Füßen. Und da! Ein Hubschrauber! Immer näher kommt er, bis die Rotorblätter dicht über ihrem Kopf dröhnen und ihre Haare durcheinanderwirbeln. Die Tür geht auf, eine Strickleiter fällt herab und ein Mann klettert herunter, hält ihr mit einem Lächeln seine Hand hin. Einem breiten Filmschauspielerlächeln. Uli kann sich...


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