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Die Wilden Küken - Im Bernsteinfieber

Band 9. Empfohlen ab 10 Jahre.
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Produktdetails

Titel: Die Wilden Küken - Im Bernsteinfieber
Autor/en: Thomas Schmid

EAN: 9783862727773
Format:  EPUB
Band 9.
Empfohlen ab 10 Jahre.
Dressler Verlag

Februar 2014 - epub eBook - 244 Seiten

Keine alleine, alle oder keine!, so lautet das Bandenmotto der Wilden Küken. Kein Wunder, dass alle Mädels dabei sind, als Nadja Lilli auf die Bernsteininsel einlädt. Sogar die Jungs von den Grottenolmen kommen mit. Doch Very hat ganz andere Dinge im Kopf: Sie denkt nur noch an diesen YouTube-Sänger, auf den sie seit Neuestem steht. Und plötzlich taucht genau der auf! Mitch ist natürlich gar nicht begeistert.
Für alle coolen Mädels: Band 9 der beliebten Serie.
Thomas Schmid, 1960 in Landshut/Bayern geboren, wollte als Kind entweder Stuntman oder Schriftsteller werden. Dann studierte er Literatur-, Theater- und Kommunikationswissenschaften und ist heute als freier Autor tätig. Außer Büchern für Kinder und Jugendliche schreibt er auch Drehbücher fürs Fernsehen, u.a. für "Marienhof", und für den Hörfunk, u.a. für das satirische Kindermagazin "Sonntagshuhn" des Bayerischen Rundfunks. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Niederbayern.

 

Aus der Kirche drang leise Orgelmusik, der Kies unter den Rädern des Kinderwagens knirschte und Lillis kleine Schwester quengelte. Lilli klappte das Verdeck zurück und steckte ihr den Schnuller in den Mund. Hoch über ihnen schlug die Turmuhr Viertel vor elf. Auf Zehenspitzen schaute Lilli über die Mauer des Kirchhofs zurück zum Parkplatz, wo ihre Eltern noch immer am Auto standen. Lillis Vater reichte Luisa das Stammbuch der Familie aus dem Handschuhfach und holte das Blumengesteck aus dem Kofferraum. Luisa hielt in der einen Hand die Taufkerze und mit der anderen zupfte sie an Stefans Anzug herum.

Lilli ließ ihren Blick über die parkenden Autos wandern, konnte aber nirgends ein Motorrad entdecken.

Als bekäme er keine Luft mehr, lockerte Stefan seine Krawatte. »Schläft unser Schnuckelchen endlich?«, rief er.

Lilli musste nicht antworten, denn das Schnuckelchen hatte soeben den Schnuller aus dem Kinderwagen gespuckt, nun bäumte es sich auf und quäkte wild drauflos.

Luisa und Stefan beschleunigten ihre Schritte.

»Hunger kann sie jedenfalls nicht mehr haben.« Luisa schlug die Babydecke beiseite. »Ich hab dich doch im Auto eben erst gestillt, mein Engelchen.«

»Hoffentlich schreit sie nicht die ganze Feier über!« Lillis Vater bückte sich nach dem Schnuller.

Luisa hob ihre auf den Tag genau drei Monate alte Tochter aus dem Kinderwagen, legte sie sich über die Schulter, strich das weiße Taufkleidchen glatt und klopfte ihr auf den Rücken. »Hörst du die Orgel? Hm, hörst du das, meine Kleine, wie schön die Frau Homolka spielt? Extra für dich!«

Das Baby rülpste und verstummte, als wäre es selbst erstaunt über die befreiende Wirkung.

Mit triumphierendem Lächeln legte Luisa die Kleine, die jetzt friedlich an ihrer U
nterlippe saugte, zurück in den Kinderwagen und schob ihn hinter Lilli und Stefan her in die kühle Kirche.

Das Sonnenlicht schien durch die bunten Fenster und verteilte Farbtupfer auf die bereits versammelten Gäste. Viele Köpfe drehten sich nach den Hollers um und lächelten. Lilli blieb beim Kinderwagen stehen, während ihre Eltern alle Verwandten, Freunde und Bekannten mit Handschlag begrüßten. Bobs Vater Jens umarmte erst seine Schwester Luisa und dann Stefan. Genauso machte es auch Bobs Mutter Anna. Nonna Paola saß zwischen ihren Enkeln Giulia und Siegi gleich in der ersten Reihe. In einer der hinteren Kirchenbänke tuschelten Verys Eltern mit Henriette Roland, der Mutter von Ole und Little. Herr und Frau Röhrich, Lillis Nachbarn, hatten etwas abseits im Seitenschiff Platz genommen. In einer anderen Bank saßen die Lehrerkollegen von Luisa. Frau Schley war da, Herr Buse und etliche Referendare. Frau Homolka stellte ihr Orgelspiel kurz ein und winkte von der Empore.

Opa Ferdinand kämmte sich noch rasch die schlohweißen Haare und Giulias Freund Justin wedelte scherzhaft mit seiner Krawatte. Alle waren gekommen, nur nach Nadja hielt Lilli vergeblich Ausschau. Grüßend lächelte sie in all die freundlichen Gesichter und versuchte gleichzeitig, ihre Enttäuschung wegzudrücken. Nadja war Lillis leibliche Mutter, hatte sich aber schon kurz nach Lillis Geburt von Stefan getrennt. Erst elf Jahre später hatte Lilli ihre Mutter kennengelernt. Bei der Hochzeit von Lillis Eltern war Nadja sogar Trauzeugin gewesen und seither gehörte sie wieder zur Familie. Trotzdem würde sie für Lilli nie mehr eine richtige Mutter werden, dafür hatte sie ihre Tochter viel zu lange im Stich gelassen. Genau wie auch heute wieder.

Als Tänzerin war Nadja viel im Ausland unterwegs, und wenn sie gerade kein Engagement an irgendeinem Theater hatte, bereiste
sie mit ihrem Motorrad die halbe Welt. Aber bei ihrem letzten Telefonat hatte sie Lilli fest versprochen, zur Tauffeier zu kommen. Fehlanzeige. Lilli wollte schon fast ins Grübeln geraten, da traten Bob, Very und Enya durch das Seitenportal in die Kirche. Alle drei steckten in festlichen Sommerkleidern. Enyas schwarze Haare waren zu einem kunstvollen Kranz geflochten, Bob hielt ein Blumensträußchen in den Händen und um Verys Schultern lag ein golden schillerndes Seidentuch. Wie Lilli trugen auch die anderen Wilden Küken ihre Hühnerfeder an einem Lederband um den Hals. Obwohl Lilli, Bob, Very und Enya schon so viel gemeinsam erlebt hatten, erfüllte Lilli der Gedanke daran, dass sie vier nicht nur die besten Freundinnen, sondern auch eine Bande waren, noch immer mit so viel Stolz und Glück, dass sie davon einen Kloß im Hals bekam.

»Passwort?«, fragte Enya.

Lilli vergaß den Kloß in ihrem Hals und schaute ihre Freundinnen verblüfft an. Erstens machten sich die Wilden Küken normalerweise immer lustig über Lillis Passwörter und zweitens hatten sie bei ihrem gestrigen Bandentreffen gar keins vereinbart.

»Passwort Kükentaufe!«, sagten Bob, Very und Enya gleichzeitig und lachten ihrem Oberküken ins verdutzte Gesicht. Alle drei gingen neben dem Kinderwagen in die Hocke und wurden auf einmal ganz ernst. Very kramte ein Babyarmkettchen aus ihrer Tasche und legte es Lillis Schwester ums Handgelenk. »Alles Gute zur Taufe, Miniküken!«

An dem Kettchen baumelte eine winzige Feder aus Silber.

Vor lauter Rührung wusste Lilli gar nicht, was sie sagen sollte, also sprach sie einfach das Bandenmotto der Wilden Küken mit, das ihre Freundinnen jetzt verschwörerisch murmelten: »Keine alleine, alle oder keine!«

Nacheinander strichen Bob, Very und Enya dem neug
ierig dreinblickenden Baby über die Wange.

»Du hast die süßeste kleine Schwester der Welt!«, flüsterte Enya.

»Senza dubbio!«, hauchte Bob. »Ganz ohne Zweifel!« Bobs Mutter und ihre Oma stammten aus Italien, und auch wenn Bob die Sprache nicht wirklich beherrschte, rutschten ihr doch manchmal ein paar italienische Brocken heraus. Sie steckte ihr Blumensträußchen ans Verdeck des Kinderwagens und das Baby dankte es ihr mit einem kieksenden Lacher.

»Ich will auch so eine niedliche kleine Schwester!«, bettelte Very gespielt.

Alle vier Wilden Küken betrachteten das Miniküken, machten »Ah!« und »Oh!«, riefen »Wie süß!« und »Seht nur, wie entzückend sie schaut!«. Sie wären garantiert restlos dahingeschmolzen, wenn die süßeste kleine Schwester der Welt nicht im nächsten Augenblick wieder zu schreien angefangen hätte.

»Ihr Bäuerchen hat sie gemacht«, sagte Luisa. »Wahrscheinlich ist sie einfach nur müde.«

»Vielleicht schläft sie ein, wenn wir sie ein bisschen spazieren fahren!«, schlug Lilli vor.

Luisa überlegte kurz und nickte dann. »Es verzögert sich sowieso alles. Kaplan Hoffmann hat vorhin eine SMS geschickt, dass er seinen Anschlusszug nicht mehr erwischt hat.«

Kaplan Hoffmann war ein alter Schulfreund von Lillis Vater und hatte ihn und Luisa auch getraut. Und heute sollte er auf beider Wunsch hin auch ihr Töchterchen taufen.

Very und Enya hielten das Seitenportal auf, Lilli kippte den Kinderwagen leicht an und schob ihn über die marmorne Schwelle. »Vielleicht hat sie Blähungen«, sagte Bob und folgte ihren Freundinnen. Durch ihren Bruder Siegi hatte Bob die meiste Erfahrung mit kleinen Geschwist
ern.

»Blähungen, igitt!« Very rümpfte ihre spitze Nase. »Wie kann man so niedlich aussehen und Blähungen haben?«

Die Wilden Küken schoben den Kinderwagen am Seitenschiff entlang in den Schatten der Kirche. In den Hecken zwischen den Grabreihen zwitscherte eine Schar Spatzen, aber als sich die Mädchen mit Lillis greinender Babyschwester näherten, nahmen die Vögel Reißaus. Alle vier Freundinnen schuckelten den Kinderwagen. Sie konnten noch so nachdrücklich Schlaf, Kindlein, schlaf! singen, das Miniküken verstummte nur, um Atem zu holen und umso verzweifelter weiterzuplärren.

»Was macht ihr denn da?«, fragte plötzlich eine bekannte Stimme. »Wollt ihr, dass Lillis Schwester seekrank wird?«

Sofort hielten die Wilden Küken mit Schuckeln und Singen und Pschten inne und wandten die Köpfe. Sogar das Baby unterbrach sein Schreien für einen Augenblick.

Fast hätte Lilli die Grottenolme nicht erkannt. Ole, Little, Mitch und Erik trugen helle Sakkos und dunklen Hosen. Jeder der Jungs hatte ein weißes Hemd an und eine Krawatte umgebunden. Und auf ihren Nasen thronten verspiegelte Sonnenbrillen. Supercool schlenderten die Olme wie vier Minimafiosi auf die Mädchen zu.

Sie bauten sich der Reihe nach auf, neigten nacheinander die Köpfe und lugten über die Ränder ihrer Sonnenbrillen.

»Hi, Oberküken!«, sagte Ole mit tiefer Stimme.

»Hi, Olmboss!«, antwortete Lilli möglichst lässig. In Wahrheit hüpfte ihr Herz vor Freude darüber, dass Ole und seine Jungs zur Taufe ihrer kleinen Schwester erschienen waren. Auch wenn die schon wieder anfing zu schreien.

Erik nahm die Brille ab und wies mit dem Bügel auf Enyas Beine. »Hübsche Socken!«

»Selbst gehä
;kelt!« Enya machte erst einen gekünstelten Knicks, dann gab sie Erik einen Schubs.

Enya konnte so gut nähen, stricken und häkeln, dass sie später sicher mal eine tolle Modeschöpferin abgeben würde. Aber Enya wollte lieber Tierärztin werden und behauptete, da sie da eines Tages auch Wunden nähen müsse, seien filigrane Handarbeiten auch für diesen Beruf eine gute Vorbereitung.

Wie ein Wissenschaftler beugte Little sich über den Kinderwagen und betrachtete Lillis weinende Schwester, als wäre sie ein besonders interessantes Forschungsobjekt, während Mitch rasch ein Gänseblümchen pflückte und es Very mit übertriebener Verbeugung überreichte.

Very quittierte das mit einem abgeklärten Lächeln und zeigte mit spitzem Finger auf Mitchs Krawatte. »Ist das Blut oder Ketchup, du...


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