Titos Brille

Die Geschichte meiner strapaziösen Familie.
Buch (gebunden)
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»Ich finde, Geheimnisse sind das Allerletzte!« Die Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras führt ein ganz normales chaotisches und unorthodoxes Leben in Berlin.Mit zwei fußballbegeisterten Söhnen, einem westfälischen Ehemann, der ihre jüdische … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Titos Brille
Autor/en: Adriana Altaras

ISBN: 3462042971
EAN: 9783462042979
Die Geschichte meiner strapaziösen Familie.
Kiepenheuer & Witsch GmbH

24. Februar 2011 - gebunden - 263 Seiten

Beschreibung

»Ich finde, Geheimnisse sind das Allerletzte!« Die Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras führt ein ganz normales chaotisches und unorthodoxes Leben in Berlin.Mit zwei fußballbegeisterten Söhnen, einem westfälischen Ehemann, der ihre jüdischen Neurosen stoisch erträgt, und mit einem ewig nörgelnden, stets liebeskranken Freund, der alle paar Monate verkündet, endlich auswandern zu wollen. Alles bestens also......bis ihre Eltern sterben und sie eine Wohnung erbt, die seit 40 Jahren nicht mehr ausgemistet wurde. Fassungslos kämpft sich die Erzählerin durch kuriose Hinterlassenschaften, bewegende Briefe und uralte Fotos. Dabei kommen nicht nur turbulente Familiengeheimnisse ans Tageslicht. Auch die Toten reden von nun an mit und erzählen ihre eigenen Geschichten...Mit furiosem Witz und großer Wärme verwebt Adriana Altaras Gegenwart und Vergangenheit. In eindringlichen Episoden erzählt sie von ungleichen Schwestern, von einem Vater, der immer ein Held sein wollte, und von einer Mutter voller Energie und Einsamkeit. Vom Exil, von irrwitzigen jüdischen Festen, von einem geplatzten italienischen Esel und einer Stauballergie, die ihr das deutsche Fernsehen einbrockte - und von den vielen faszinierenden Mosaiksteinen, aus denen sich ein Leben zusammensetzt. Eine außergewöhnliche Familiengeschichte, die ihre Spuren quer durch Europa und das bewegte 20. Jahrhundert zieht - um wieder in der Gegenwart anzukommen und eine ebenso kluge wie hellsichtige Zeitdiagnose zu liefern. Unwiderstehlich witzig, anrührend und unvergesslich.  

Portrait

Adriana Altaras wurde 1960 in Zagreb geboren, 1964 Umzug nach Italien, ab 1967 Schulbesuch abwechselnd in Deutschland und Italien. Sie studierte Schauspiel an der Berliner Hochschule der Künste und an der New York University und ist seit 1983 in zahlreichen Filmen für Kino und Fernsehen zu sehen. Seit den 90er-Jahren inszeniert Adriana Altaras zudem regelmäßig an deutschen Schauspiel- und Opernhäusern. Sie ist Mitbegründerin des Off-Theaters "Zum Westlichen Stadthirschen", war Mitarbeiterin bei Steven Spielbergs Shoah Foundation und übernahm 2002 die Künstlerische Leitung der Jüdischen Kulturtage in Berlin. Auszeichnungen u.a.: Bundesfilmpreis, Theaterpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (zusammen mit Joachim Król), Silberner Bär für schauspielerische Leistungen (Berlinale 2000). Adriana Altaras lebt in Berlin, hat zwei Söhne und den braunen Gürtel in Karate.
www.altaras.eu

Pressestimmen

"Leidenschaftlich heiter: Adriana Altaras hat [...] eine unterhaltsame, anregende und weise Geschichte ihrer jüdischen Familie geschrieben. [...] famos fesselnde Lebens- und manchmal auch spürbare Überlebenskunst." FAZ

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 26.02.2011

Mutterwitz mit Dibbuks

Leidenschaftlich heiter: Die Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras hat mit "Titos Brille" eine unterhaltsame, anregende und weise Geschichte ihrer jüdischen Familie geschrieben.

Von Irene Bazinger

Noch ist die zweite Seite des Prologs in Adriana Altaras' Buch "Titos Brille" nicht vorüber, da macht die Autorin schon klar Schiff: "Ich bin Jüdin. Jahrgang 1960. So, jetzt ist es heraus." Und so, wie sie zu den biographischen Fakten ihren ironisch erleichterten Stoßseufzer fügt, wird sie fürderhin die Geschichte ihrer "strapaziösen Familie" erzählen: Ohne Umschweife, ohne Scheu, ohne Sentimentalität - aber mit viel Zärtlichkeit und großem Witz.

Ausgebildet als Schauspielerin und oft als Regisseurin aktiv, scheint Adriana Altaras an ihr literarisches Debüt wie in eine Theaterprobe gegangen zu sein: Ärmel hoch - und durch. Ohne Angst vor zahlreichen ähnlichen Publikationen der letzten Zeit oder vor der schriftlichen Fixierung einer Vergangenheit, deren Irrungen, Wirrungen und Geheimnisse sie nicht ganz wird lösen können (was sie auch nie behauptet), breitet sie eine verzweigte Familienchronik aus. Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik ist natürlich ein zentrales Thema, und den Passagen, in denen Adriana Altaras den Kampf vor allem ihrer Mutter um enteigneten Besitz weiterführt, ist die Empörung und die Wut über bürokratische Hürden und staatliche Missachtung deutlich eingeschrieben. Angesichts dessen ist es unerheblich, ob der Amtsschimmel in Deutschland, Kroatien oder der Schweiz wiehert.

Die Eltern lebten in Jugoslawien, kämpften als Partisanen gegen die Faschisten, gerieten später mit dem sozialistischen Staat in Konflikt und kamen schließlich auf nicht unkomplizierten Wegen mit der kleinen, in Zagreb geborenen Tochter nach Hessen. Der Vater arbeitete als Oberarzt am städtischen Klinikum, die Mutter war Architektin. Sie nahmen die deutsche Staatsbürgerschaft an und gründeten in Gießen, wo sie sich niederließen, 1978 wieder eine Jüdische Gemeinde. Beide wurden mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Nach dem Tod der Eltern und der Konfrontation mit deren Nachlass wird Adriana Altaras, deren Vornamen an das einstmals vor der Haustür gelegene Adriatische Meer erinnern sollte, verstärkt zur Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft gezwungen. Daraus ergibt sich ein neuer Blick auf ihr eigenes Leben und die innere Notwendigkeit, Kontakte zu den über die halbe Welt verstreuten Verwandten aufzufrischen oder zu knüpfen. Die Kapitel heißen etwa "Der Rabbi mit der Aldi-Tüte", "Wer wegwirft, ist ein Faschist" oder "Bar jeder Mizwa" und sind mit wunderbar leichter Hand und furchtlosem Humor geschrieben. Angereichert sind sie durch kurze, kursiv hervorgehobene Einschübe mit Traum- oder Albtraumvisionen, ungenierten Witzen ("Werden alle Juden klug geboren? Nein! Aber die Dummen lassen wir gleich taufen . . ."), Erinnerungen und allerlei Anmerkungen in direkter Rede, die eine unmittelbare Verbindung zu den Toten herstellen. Die Dibbuks, die sich da äußern, sind allerdings eher nette, aufmerksame Stimmen aus dem Jenseits und drängen sich nicht in den Vordergrund.

Als in Deutschland aufgewachsenes Kind von Überlebenden des Holocaust sind Altaras' Reflexionen über Exil und Heimat von eigener Erfahrung geprägt, ebenso wie ihr Umgang mit jüdischer Tradition und Religion, die sie mit Sympathie und kritischer Distanz betrachtet. Doch ob sie in die Vergangenheit oder in die Zukunft schaut, stets tut sie es mit leidenschaftlicher Heiterkeit und stilsicherer Unverblümtheit, fabuliert sich von Mantua, wo sie die Sommerferien bei ihrer geliebten Tante verbrachte, in eine heutige New Yorker Synagoge, vom Konzentrationslager auf der Insel Rab, in dem ihre Mutter inhaftiert war, in ein Berliner In-Lokal, wo sie ihr Wiener Schnitzel genießt.

Auch das komplexe Verhältnis zwischen Deutschen und Juden wird häufig und meist halb erstaunt, halb schadenfroh angesprochen. Auf Liebesdinge hat es offensichtlich keine negativen Einflüsse, denn die Autorin betont geradezu ihre Schwäche für blonde, blauäugige Nordmänner. Auf ihr berufliches Tätigkeitsfeld freilich wirkt es sich besonders am Anfang aus, als die "Herrenmenschen" der Film- und Fernsehbranche die südländisch anmutende "Gastarbeiterin" bevorzugt als namenloses "Opfer" engagierten: "Ich spielte die Türkin, die Serbin, die Kroatin, die Griechin, die Russin, die Sizilianerin - wen auch immer. Fast immer putzte ich." Als sie ins Regiefach wechselt, ändert sich das: "Es war mir lieber zu besetzen, als besetzt zu werden - siehe Polen."

Lakonisch, flink und intelligent schildert Adriana Altaras in einem lockeren chronologischen Bogen sowohl ihre persönliche Entwicklung wie die Menschen und Begleitumstände, die für diese ausschlaggebend waren. Die Familie ist hier der Star, die sie uneitel in das Gesamtbild einfügt und deren Schicksal sie plastisch einzufangen versteht.

Da bedauert man es denn auch, dass auf Abbildungen komplett verzichtet wurde. Außerdem wären vorneweg oder im Anhang einige zusätzliche Jahreszahlen oder nüchterne biographische Stationen nützlich gewesen, damit man sich bei den flotten Zeitsprüngen rascher orientieren kann, und ein genaueres Lektorat, damit nicht jedes Flugzeug als "Flieger" bezeichnet wird. Aber abgesehen von solchen Kleinigkeiten ist "Titos Brille" herzhaftes, anregendes, kluges und amüsantes Lesefutter - keine hohe Literatur, dafür famos fesselnde Lebens- und manchmal auch spürbare Überlebenskunst.

Adriana Altaras: "Titos Brille". Die Geschichte meiner strapaziösen Familie.

Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011. 272 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Altaras, Adriana, Titos Brille
von Gaby B. - 02.09.2011
Ein Glücksfall für Leser: Adriana Altaras "Titos Brille. Die Geschichte meiner strapaziösen Familie", und ihre eigene natürlich, als Teil der Familiengeschichte. Blick in Vergangenheit und Zukunft, eine jüdische Familie in Berlin. So witzig und ernsthaft, liebevoll und ironisch gleichzeitig erzählt, dass man das Buch keinen Moment aus den Händen legen möchte. Großartig!
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