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Untersuchung an Mädeln

Kriminalprotokoll. Werke Band 1.
Buch (gebunden)
Zum hundertsten Geburtstag von Albert Drach am 17. Dezember 2002 erscheint der erste Band einer auf zehn Bände angelegten Werkausgabe. Das Kriminalprotokoll "Untersuchung an Mädeln" ist eines seiner bedeutendsten und erfolgreichsten Bücher. Drach, vo … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Untersuchung an Mädeln
Autor/en: Albert Drach

ISBN: 3552052119
EAN: 9783552052116
Kriminalprotokoll. Werke Band 1.
Herausgegeben von Ingrid Cella
Zsolnay-Verlag

21. August 2002 - gebunden - 448 Seiten

Beschreibung

Zum hundertsten Geburtstag von Albert Drach am 17. Dezember 2002 erscheint der erste Band einer auf zehn Bände angelegten Werkausgabe. Das Kriminalprotokoll "Untersuchung an Mädeln" ist eines seiner bedeutendsten und erfolgreichsten Bücher. Drach, von Hause aus Jurist, hat mit diesem Werk den Protokollstil in der Literatur berühmt gemacht, der für ihn zu einer Art Markenzeichen geworden ist.

Leseprobe

Als nun die betreffende Wegeinmündung erreicht war, welche durch entsprechende Tafeln gesetzmäßig vorangezeigt worden war, fuhr der Autolenker nur einen Teil der Ausfahrt auf dem für diese bestimmten Straßenstück, während er sich sodann ungeachtet des durchweichten Erdreiches in die angrenzende Wiese bis hinter Buschwerk und vor Waldbeginn rollen ließ, richtiger sein Fahrzeug in diese Gegend brachte, aus der ein glimpfliches Wegkommen mit demselben erschwert oder überhaupt in Frage gestellt war. Vielleicht wurde er allerdings bereits durch die bis jetzt
in Esmaralden gesetzten Erwartungen so sehr von seinen technischen Fahrverpflichtungen abgedrängt oder auch durch einschlägige Erregung in Anspruch genommen, daß er seinen Lenkungsfehler nicht rechtzeitig bedachte oder dessen Wiedergutmachung zukünftigen Einwirkungen überließ.#
Sowie er nun sein Fahrzeug angehalten und so abgestellt hatte, daß es möglichst wenig von auf der Straße Vorbeifahrenden eingesehen werden konnte, öffnete er die hintere Wagentür, durch die er Stella aussteigen ließ. Sodann empfahl er Esmaralden, ihren Platz abermals mit dem vorher innegehabten zu wechseln, und als sie diesem Rate nicht sofort Folge leistete, hob er sie auf und beförderte sie auf den Rücksitz, woselbst er sie alsbald in die Liegelage versetzte. Da sie es nun wider Erwarten angeblich für gut befand, seinen Absichten nicht weiter entgegenzukommen, zerriß er ihre Hose vollends, die während der Fahrt entweder von ihm bereits am entscheidenden Platz versehrt oder schon schadhaft angetroffen worden war. Diesmal traf er das Mädel guten Willens, weil es sich entweder die Sache besser überlegt hatte oder weil es befürchtete, auch den Rock, der sich über der Hose befand und nun zurückgeschlagen war, einschlägiger Beschädigung auszusetzen. Sodann vollzog
er zweimal an Esmaralden den außerehelichen Beischlaf, und es ist möglich, daß es noch zu einem dritten Verkehr gekommen wäre, wenn nicht Stella, angeblich aus einem Kältegefühl, wahrscheinlich aber um sich ihrerseits zu gleichem Zweck bereitzuhalten, zum Wagen zurückgekehrt wäre, von dem sie sich kaum allzuweit entfernt haben konnte.#
Der sehr kräftige, in mittleren Jahren befindliche Autofahrer zog nun Stella, die sich angeblich nicht so rasch versah, in den Wagen, so daß deren Kopf auf Esmaraldens Schoß zu liegen kam. Sodann drückte er deren nach ihrer Erklärung aufgestellte Beine nieder und warf sich in seinem von seiner Tätigkeit an Esmaralden noch anhaltenden Zustand auf Stella, die ihm, wie sie behauptet, die Sache nicht erleichtern wollte, wozu noch kam, daß das unter ihr befindliche Mädel die doppelte Belastung nicht auf sich nehmen mochte.#
Immerhin verschaffte er sich schließlich insofern Gehör, als es ihm gelang, mit seinem hierzu geeigneten Organ in Stellas Schoß einzudringen, wenn auch nicht, darin die für die Abreaktion nötige Zeit zu verbleiben, denn das Mädel machte sich offenbar die verworrene Körpersituation im Wagen zunutze, um sich des von ihm auf natürlichem Wege hergestellten Zusammenhangs von Person zu Person zu entledigen, und zwar so, daß er wahrscheinlich außerhalb ihrer Intimsphäre seine Befriedigung finden mußte, wor-
auf der Zustand ihrer Wäsche schließen ließ. Jedenfalls ließ
er es zunächst mit der schon erreichten Ausbeute seines Abenteuers bewenden und versuchte nunmehr nach Inordnungbringung seiner Kleidung, mit dem Wagen aus dessen Aufstellungsplatz herauszukommen, ohne sich um die Mädel weiter zu kümmern.#
Dieser Versuch führte allerdings zu nichts, zumal ein Vorder- und ein Hinterrad des Vehikels in dem feuchten Erdreic
h eingesunken war, überdies aber der linke Hinterreifen sich als geplatzt erwies, was man hierzulande einen Batschen, d.i. Hausschuh, nennt. Er mußte daher zunächst darangehen, diesen Reifen auszutauschen, bevor er an eine Inbetriebnahme des Fahrzeuges denken konnte. Zu diesem Zweck begab er sich seines Sakkos, in welchem sich festgestelltermaßen eintausend Schillinge und einige Hunderter befunden haben, und warf dasselbe auf den rechten Vordersitz des Wagens. Hierauf öffnete er den Kofferraum des Wagens, dem er seinen Wagenheber entnehmen wollte, der darin allerdings angeblich in keiner Weise befestigt war. Er hatte aber kaum mit dem nunmehr erwachten Eifer der Mädel gerechnet, welche hinter ihm hergekommen waren, sich dieses Werkzeuges offenbar verabredetermaßen bemächtigten, bevor er es erreichte, und dabei so vorgegangen sein mußten, daß zumindest eines von ihnen, nämlich Esmaralda, bis an den Wagen herangekommen war und das Gerät ergriffen hatte. Während er sich nun nämlich Esmaralden zuwandte, welche er im Besitze der Vorrichtung glaubte, hatte die hinter ihm stehende und offenbar einige Schritte zurückgetretene Stella bereits das Eisenstück erlangt, erhoben und ihn damit mehrmals auf den Kopf getroffen, so daß er neben seinem Wagen leblos zusammensank. Während dieser Tätigkeit Stellas dürfte ihn Esmaralda gehalten haben, weil er sich sonst zweifellos umgewendet und den Verbrechenserfolg verhindert haben würde, wenn nicht bereits der erste Schlag ein betäubender gewesen sein sollte.#
Als sich die beiden Mädel nunmehr darüber im klaren waren, daß sie den Autofahrer, dem sie ihre Mitnahme verdankten, gemeinsam umgebracht hatten, schleppten sie dessen Leichnam, wahrscheinlich nicht ohne fremde Hilfe, an einen nur ihnen bekannten Ort, wobei ziemlich viel Mühe und Kraftanstrengung angewendet werden mußte und die Wahl der
Hinterlegungsstelle gewechselt haben mochte. Jedenfalls finden sich nur anfangs Blut- und Schleifspuren sowie die Abdrücke ihrer Schuhe. Später mußte eine männliche Person für sie eingeschritten sein, die den Toten offenbar davontrug, denn deren Schritte kehren in einem Kreis bis auf die Straße zurück. Diese Beihilfe wird allerdings seitens der Mädel entschieden in Abrede gestellt.#
Immerhin hatte sich nach ihrer übereinstimmenden Angabe knapp nach der Tat, aber bereits nach Entfernung des Opfers ein unbekannter Autofahrer mit fremdländischem Akzent im Umkreis des Halteplatzes eingefunden. Dieser habe angenommen, daß der Wagen einer von ihnen gehörte, obwohl sich der Rock des rechtmäßigen Besitzers samt dessen Brieftasche in der Karosserie als gegenwärtig zeigte, auch dessen Körper im Gebüsch noch lag, wohin sie denselben ursprünglich gebracht hatten. Der noch nicht festgestellte fremde Lenker, dessen Fahrzeug möglicherweise ein ausländisches Kennzeichen trug, wechselte an der Mädel Stelle den schadhaften Reifen und nahm sich die Mühe, den Wagen wieder fahrbereit zu machen, so daß dieser von dem weichen Erdreich fortkonnte. Der Fremde sei bei dieser Gelegenheit der Leiche nicht ansichtig geworden, habe keinerlei Fragen über eine etwaige Begleitung der Mädel gestellt, aber auch darauf verzichtet, sich ihnen zu nähern. Danach habe Stella sich an den Volant gesetzt, welche vor ein paar Jahren die Fahrprüfung gemacht haben will, aber weder Führerschein noch sonstige Ausweisdokumente bei sich trug. Neben ihr nahm Esmaralda Platz, die zwar nie einen Fahrunterricht genossen, ihr aber nach durch Zuschaun gewonnenen Erfahrungen bei gro

Pressestimmen

"Albert Drach ist gemeinsam mit Elias Canetti der originellste Schriftsteller deutscher Sprache."
Times Literary Supplement

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 17.12.2002

Regennaß und ohne Geld
Eine Biographie und eine Werkausgabe erinnern an Albert Drach

Ehrfurcht und Verehrung sind keine guten Voraussetzungen für historische Betrachtung. Allzu leicht kann die Begeisterung den Blick verstellen. Der Biograph, hat Erich Kästner einmal erklärt, sollte sich hüten, gar zu intim mit der Figur seiner Darstellung zu werden; und lieben, sagte der Aufklärer, "lieben" sollte er sie "schon gar nicht". Sonst nämlich kann er mit dem Abstand leicht auch den Überblick verlieren, bis sein Werk am Ende ein Buch wird, wie es Eva Schobel jetzt über Albert Drach vorgelegt hat. Auf 500 Seiten erfährt der Leser dort vor allem, wie der Schriftsteller selbst über sein Leben dachte, was er der Biographin 150 Stunden lang ins Mikrophon sprach. Und leicht kann man sich nach der Lektüre vorstellen, wie spannend das gewesen sein mag, wie gern sich die Biographin von einem Autor faszinieren ließ, von dem sie sagt, daß er die Zuneigung immer aufs neue bestätigt haben wollte.

Was man sich dagegen weniger gut vorstellen kann, ist das Leben des österreichischen Schriftstellers Albert Drach. Eher indiskret als erhellend wirkt seine mitfühlende Darstellung bisweilen, so wenn die Autorin etwa die Flucht des Juden ins Exil nachzuempfinden versucht. "Ohne Zweifel", schreibt sie im Vollbesitz ihrer Deutungshoheit, "sieht er in dem erzwungenen Ortswechsel auch eine Befreiung . . . Die Aussicht, nun endlich, wenn auch unter Umständen, deren Traurigkeit er vorläufig nicht realisieren will, von mütterlicher Obhut befreit leben, lieben und vor allem schreiben zu können, erscheint ihm durchaus attraktiv."

So eindeutig derartiges Fabulieren literarische Bedeutung erstrebt, zu einer Figur biographischen Erzählens will der Held in dieser Beschreibung nicht reifen, auch wenn es gelegentlich heißt, daß er "von den Damen . . . noch fleischlich wahrgenommen" wurde, bevor er dann "seinem im Alter gutmütig gewordenen Vater nachzugeraten" schien. Aus der Nähe, die sie allenthalben sucht, kann die Autorin ihre Figur nur mehr berührt erfassen, nicht losgelöst von den eigenen Gefühlen, nicht im ganzen und fast nie im Großraum der Geschichte. Immer wieder versinkt sie statt dessen in den Details, in den Geschichten eines Erzählers, gegen dessen Charme man sich stärker hätte wappnen müssen, als es die Biographin konnte oder wollte.

Denn bei allem Respekt, den der Historiker seinem Gegenstand unter Umständen schulden darf, die kritische Distanz bleibt allemal unabdingbar. Wer die Figur als solche fassen will, braucht noch eine andere als deren eigene Perspektive. Ohne Zweifel und ohne Mißtrauen bisweilen ist der Biograph so verloren wie jeder Erzähler. Allein mit "Sympathie" und "ironischer Distanz" kommt er über die heimliche Liebeserklärung nicht hinaus, bleibt er gefangen in der fremden Vorstellung, im Vorgegebenen, mit dem sich der Intellektuelle Albert Drach doch selbst nie abzufinden vermochte - nicht als Anwalt in Mödling bei Wien und nicht als Schriftsteller von Weltgeltung. "Ich habe", sagt er 1975 in einem der damals noch seltenen Interviews, "niemals mit bestehenden Verhältnissen paktiert, sondern mir ist immer daran gelegen, etwas anderes aus den Dingen zu machen, als mir geboten wurde." Immer aufs neue mußte sich Drach mit dem Zweifel zur Wehr setzen, gegen den Vater, gegen die Nazis und das Vergessen danach. Nie wollte er als Schriftsteller den Anwalt verleugnen. Nichts war ihm so suspekt wie das Festgefügte, diese Welt der Vorurteile, das Gegebene, in dem der einzelne schuldig wird durch die bloße Vermutung der anderen über sein Wesen.

Ein ganzes Buch, sein bedeutendstes vielleicht, hat er dem Thema gewidmet. Und es ist sicherlich der bemerkenswertere Beitrag zum heutigen hundertsten Geburtstag des Schriftstellers, daß der Zsolnay Verlag seine zehnbändige Werkausgabe eben jetzt, sieben Jahre nach Drachs Tod, mit diesem "Kriminalprotokoll", dem Roman "Untersuchung an Mädeln", begonnen hat. Es sei dies, hatte es in dem vermutlich vom Autor verfaßten Klappentext der Erstausgabe 1971 geheißen, die Geschichte von "zwei Mädchen" aus einfachen Verhältnissen. Beide "stehen regendurchnäßt ohne Geld auf der Landstraße und wollen per Anhalter die Rückkehr zum Wohnort der Verwaisten antreten. Der Autofahrer, der sie schließlich mitnimmt, veranlaßt zunächst die in derlei Dingen Erfahrenere zu entsprechender Gegenleistung, während die sexuell weniger Erfahrene dazu angeblich gezwungen wird. Als er wegen einer Panne den Wagenheber benutzen will, wird ihm dieser von der willig Gewesenen entwendet, und die angeblich Unwillige mißbraucht das Instrument zur Bearbeitung seines Schädels. Als die Mädchen . . . stellig gemacht werden, beginnt die Untersuchung an ihnen, wiewohl die Leiche des offenbar Getöteten nicht aufzufinden ist." Die Verdächtigen haben keine Chance. Mehr als der fehlende Schuldbeweis zählt die Annahme. Das Gericht verlangt seine Opfer; es entlarvt sich selbst durch die böse Unausweichlichkeit des nüchternen Protokollstils.

So beklemmend wie seinerzeit wirkt die Geschichte noch heute. Wer sie liest, hat keine Mühe, den Schriftsteller zu erkennen, das Profil eines zornigen Aufklärers, der lange vergessen war und nur kurz ins Rampenlicht rückte, als er 1988 den Georg-Büchner-Preis erhielt. Daß man von ihm nach wie vor zu wenig weiß, steht außer Frage. Gern erführen wir endlich mehr über das umgetriebene Leben dieser Jahrhundertfigur, Aufschlußreicheres vor allem als das, was Eva Schobel aus der Nähe zu sehen vermochte. Aber ursprünglich war ja, wie wir gleich im ersten Kapitel erfahren, auch nur ein "Artikel" geplant, ein "bescheidenes Vorhaben".

THOMAS RIETZSCHEL

Eva Schobel: "Albert Drach". Ein wütender Weiser. Residenz Verlag, Salzburg 2002. 559 S., zahlr. Abb., geb., 28,90 [Euro].

Albert Drach: "Untersuchung an Mädeln". Kriminalprotokoll. Werke in zehn Bänden, Bd. 1. Herausgegeben von Ingrid Cella. Paul Zsolnay Verlag, Wien 2002. 446 S., geb.

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