Die Leben der Elena Silber

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019 (Longlist). 3. Auflage.
Buch (gebunden)
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Alexander Osang schreibt den großen Roman seiner Familie - es ist der Roman des 20. Jahrhunderts.

Russland, Anfang des 20. Jahrhunderts. In einer kleinen Provinzstadt östlich von Moskau wird der Revolutionär Viktor Krasnow hingerichtet. Wie eine gewal … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Die Leben der Elena Silber
Autor/en: Alexander Osang

ISBN: 310397423X
EAN: 9783103974232
Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019 (Longlist).
3. Auflage.
FISCHER, S.

14. August 2019 - gebunden - 619 Seiten

Beschreibung

Alexander Osang schreibt den großen Roman seiner Familie - es ist der Roman des 20. Jahrhunderts.

Russland, Anfang des 20. Jahrhunderts. In einer kleinen Provinzstadt östlich von Moskau wird der Revolutionär Viktor Krasnow hingerichtet. Wie eine gewaltige Welle erfasst die Zeit in diesem Moment Viktors Tochter Lena. Sie heiratet den deutschen Textilingenieur Robert Silber und flieht mit diesem 1936 nach Berlin, als die politische Lage in der Sowjetunion gefährlich wird. In Schlesien überleben sie den Zweiten Weltkrieg, aber dann verschwindet Robert in den Wirren der Nachkriegszeit, und Elena muss ihre vier Töchter alleine durchbringen. Sie sollen den Weg weitergehen, den Elena begonnen hat zu gehen - hinaus aus einem zu engen Leben, weg vom Unglück. Doch stimmt diese Geschichte, wie Elena sie ihrer Familie immer wieder erzählt hat?
2017, mehr als zwanzig Jahre nach Elenas Tod, macht sich ihr Enkel, der Filmemacher Konstantin Stein, auf den Weg nach Russland. Er will die Geschichte des Jahrhunderts und seiner Familie verstehen, um sich selbst zu verstehen.

Longlist für den Deutschen Buchpreis 2019

Portrait

Alexander Osang, geboren 1962 in Berlin, studierte Journalistik in Leipzig und arbeitete nach der Wende als Chefreporter der Berliner Zeitung. Für seine Reportagen erhielt er mehrfach den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Theodor-Wolff-Preis. Alexander Osang schreibt heute für den ›Spiegel‹ aus Tel Aviv, davor lebte er in Berlin und acht Jahre lang in New York. Sein erster Roman ›die nachrichten‹ wurde verfilmt und mit zahlreichen Preisen, darunter dem Grimme-Preis, ausgezeichnet. Im S. Fischer Verlag und Fischer Taschenbuch Verlag sind darüber hinaus die Romane ›Comeback‹, ›Königstorkinder‹, ›Lennon ist tot‹ und »Die Leben der Elena Silber‹ erschienen, die Reportagenbände ›Im nächsten Leben‹ und ›Neunundachtzig‹ sowie die Glossensammlung ›Berlin - New York‹.
Literaturpreise:

Theodor-Wolff-Preis 1995
Egon-Erwin-Kisch-Preis für die beste deutschsprachige Reportage 1993, 1999 und 2001
Reporter des Jahres 2009
TAGEWERK-Stipendium der »Guntram und Irene Rinke Stiftung« 2010

Pressestimmen

Das alles ist gut geschrieben, und die nicht einfache Dramaturgie gelingt. [...] eine große literarische Abrechnung mit dem Sozialismus seit der Oktoberrevolution. Franz Sommerfeld der Freitag 20191010
Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Claudia S.
von Claudia S. - Hugendubel Buchhandlung Lübeck Königstraße - 30.10.2019
Ein russisch-deutsches Epos vollgepackt mir Historie, Schicksal und Lebenswirren. Die Geschichte Jelena und ihrer Familie durch das vergangene Jahrhundert ist so packend und intensiv geschrieben, dass sie selbst bei dem Umfang von 600 Seiten nie Längen hat.
Bewertungen unserer Kunden
Verwirrend
von raschke64 - 29.10.2019
Russland im Februar 1905. Der Vater von Elena wird von einem wütenden Mob hingerichtet. Er hat sich gegen den Zaren aufgelehnt und mehr zufällig Reformen gefordert. Die Mutter flieht mit Elena und deren Bruder in die nächstgrößere Ortschaft. Elena ist zweieinhalb. Bald hat sie einen Stiefvater, lernt ihren deutschen Ehemann kennen und zieht Mitte der 1930er Jahre nach Berlin. Später geht sie zu den Schwiegereltern nach Schlesien. Inzwischen hat sie fünf Töchter und als der zweite Weltkrieg zu Ende ist, muss sie fliehen. Eine Tochter ist im Krieg gestorben. Die anderen lässt sie in Bayern bei Bauern zurück und sie selbst geht wieder nach Berlin Das Buch soll eine große Familiengeschichte sein. Doch ehrlich gesagt, lässt sie mich ziemlich verwirrt zurück. Die Geschichte wird in der Gegenwart und auch in der Vergangenheit erzählt. Einmal von Elena selbst, dann auch von ihrem Enkel Konstantin. So ziemlich niemand in der Familie ist irgendwie sympathisch. Die Enkelgeneration bekommt nichts auf die Reihe, ihre Mütter sind untereinander zerstritten und ziemlich gehässig, Elena als Oma erzählt sich ihre Geschichte, wie sie sie gerade braucht und wie sie ihr passt. So bleibt man als Leser mit vielen ungeklärten Fragen zurück, die Geschichten passen irgendwie nicht wirklich zusammen. Man weiß am Ende überhaupt nicht mehr, was ist Wahrheit, was ist erfunden. Darüber habe ich mich stark geärgert.
Ein interessanter Roman, der die Vergangenheit und Gegenwart gut vereint.
von Chattys Bücherblog - 24.10.2019
Sina Krasnowa schob die letzten Scheite in den Ofen, als die draußen in der Stadt ihrem Mann einen Holzpfahl in die Brust schlugen . So beginnt dieser überaus tiefgründige und bewegende Roman des Journalisten, ALEXANDER OSANG. Wir erleben eine Geschichte, die ergreift, aber auch nachdenklich macht. Dank des bildhaften Schreibstils, wirkt die Story jederzeit lebendig. Kleine geschichtliche Details wurden eingeflochten, so dass der realistische Bezug gegeben war. Dennoch gab es aber auch einige Szenen, die für mich etwas unnahbar waren. Gut, vielleicht hatte ich da keinen Bezug zu Personen oder Ereignissen. Jedoch hielten sich diese Szenen sehr bedeckt, so dass die Story um Elena ihren eigenen Stellenwert hatte. Für mich war es ein Roman, der außergewöhnlich, ergreifend aber auch unterhaltsam war. Ein Roman, den man nicht so schnell vergisst.
Konnte mich leider nicht ergreifen
von KerstinT - 23.09.2019
Elena Silber wird als Jelena Anfang des 20.Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in Russland geboren, ihr Vater stirbt auf tragische Weise dies wird sie ein ganzes Leben lang begleiten. Später lernt sie ihren Mann Robert F Silber kennen und geht mit ihm nach Deutschland. Aber gut wird ihr Leben so immer noch nicht Irgendwann steht sie mit fünf Kindern alleine da und der Krieg ist auch noch da. Die Leben der Elena Silber ist eine Geschichte, in deren Mittelpunkt Jelena Silber steht. Sie erzählt ihre gesamte Lebensgeschichte. Angefangen im Russland der Jahrhundertwende, bis in die Gegenwart Ende des letzten Jahrtausends. Neben Elenas Erfahrungen, lernt der Eser all ihre Familienmitglieder und deren Schicksale kennen. Dem entsprechend sind viele Charaktere in diesem Buch vertreten und es wird etwas voll. Denn jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, mit welcher ein Buch gefüllt werden könnte. Der Leser lernt vieles über das Russland zur Zarenzeit und in Zeiten des Umbruchs. Wir lernen Lenin kennen, lesen wie er stirbt, und lernen dann Stalin kennen. Anschließend wechselt die Geschichte nach Deutschland und die DDR spielt eine Rolle. Allerdings eine eher kleinere. Russland steht deutlich im Vordergrund. Interessant fand ich hier, dass man einen Einblick bekommt, wie Russen und Sowjetzonen-Bewohner miteinander umgingen. Mir hat die Geschichte an sich gut gefallen. Di Thematik war super. Bei der Umsetzung haperte es etwas. Für meinen Geschmack war es zu viel und zu ausführlich. Stellenweise war die Geschichte doch recht langatmig. Erzählt wird die Geschichte in unterschiedlichen Zeitebenen. Der Rahmen bildet Jelenas Enkel Konstantin, der mehr über die Geschichte seiner Familie erfahren möchte. Dazwischen wird chronologisch das Lebend er Elena Silber dargestellt. Zwischendurch gibt es immer wieder Zeitsprünge. Die Übergänge von Gegenwart zu Vergangenheit sind gut gewählt und thematisch passend. Die Charaktere wurden gut beschrieben und waren sehr vielschichtig. Leider war mir die Protagonistin Elena Silber nicht so richtig sympathisch. Auch Konstantin war mir unsympathisch. Irgendwie wirkte er sehr leer auf mich und als wisse er nicht wer er ist und wo er hinsoll. Das genaue Gegenteil von seiner Großmutter. Mir hat dieser Roman leider nicht so gut gefallen. Das finde ich sehr schade, da ich mich schon sehr auf die Geschichte gefreut hatte. Aber leider war es mir zu schleppend und die Charaktere blieben mir fremd beziehungsweise waren mir unsympathisch. Deshalb vergebe ich nur drei von fünf Sterne.
Viele Leben
von Pedi - 23.09.2019
Es reicht für mehr als ein Leben, was Elena Silber, geborene Jelena Krasnow, im Verlauf des 20. Jahrhunderts an Erfahrungen macht. Angelehnt an das Schicksal seiner eigenen Großmutter erzählt Alexander Osang in seinem für die Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 nominierten Roman "Die Leben der Elena Silber" davon. Geboren 1902 im russischen Gorbatow, früh Halbwaise und mit ihrer Mutter und dem älteren Bruder auf der Flucht vor den zaristischen Mördern ihres Vaters, dann in der Sowjetunion Tochter eines bolschewistischen Märtyrers, Ehefrau eines deutschen Textilingenieurs in Niederschlesien, Mutter von fünf Töchtern, nach dem Krieg alleinerziehend, da der Mann spurlos verschwand, und auf der Flucht nach Westen. Auf einer zweiten Erzählschiene Konstantin, der Enkel, mäßig erfolgreicher Filmemacher und recht orientierungslos im Berlin des Jahres 2017 begibt sich auf die Suche nach der Vergangenheit der Großmutter und das eine oder andere Familiengeheimnis. Klingt jetzt nicht besonders originell, ist aber sehr gut konstruiert und erzählt, interessant und aufschlussreich.
Beeindruckend!
von MB - 16.09.2019
Auf den knapp über 600 Seiten ist Alexander Osang ein großer Wurf gelungen. Als Kriegsenkel bgibt er sich - wohl durch die eigene Familiengeschichte inspiriert - in seinem Roman auf die Suche nach der Vergangenheit, um die Gegenwart besser zu verstehen. So ergründet der Protagonist Konstantin Stein, Filmemacher, die Geschichte seiner Familie, in der Hoffnung auf einen Filmstoff, dabei ausgehend von seiner russischen Großmutter Jelena, deren Name im Verlauf immer mehr Buchstaben verliert: So wird aus Jelena Elena und schließlich Lena. Parallel zur Mehrung des Wissens über die Vergangenheit der Familie vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis ins Jahr 1990 verliert Konstantins Vater demenzbedingt zunehmend seine Erinnerung. Wir lernen zudem eine weitere Form des Vergessens kennen. Wir erfahren, wie Elena unerträgliche Erinnerungen durch Verdrängung dem Vergessen anheimgibt. Die Menschen erinnern sich nur an das, was in ihre Lebensgeschichte passt. Es ist fantastisch beschrieben, wie sich bei Elena mit dem Näherrücken des Todes die Erinnerungen dann doch wieder einstellen und die Gegenwart nicht mehr der zentrale Orientierungspunkt ist. Insgesamt ein sehr vielschichtiges Buch über das Erinnern und das Vergessen, über das Begreifen der eigenen Familiengeschichte als einer Entdeckungsreise die versöhnen kann. Unbedingt lesenswert!!!
Eine Familie im Wechselbad der Geschichte
von Gisel - 15.09.2019
Anfang des 20. Jahrhunderts in Russland: Die kleine Jelena erfährt, dass ihr Vater, der Revolutionär Viktor, hingerichtet wird. Jelena wird vom Sog der Geschichte erfasst. Sie heiratet den deutschen Textilingenieur Robert Silber, folgt ihm nach Berlin und Schlesien. In den Wirren der Nachkriegszeit verschwindet ihr Mann, Lena bleibt mit den vier Töchtern allein. Immer wieder muss sie sich auf neue Umstände einstellen. 2017 will ihr Enkel Konstantin Stein die Geschichte seiner Familie herausfinden, um sich selbst zu verstehen. Es sind viele Geschichten, die Jelena erzählt, um die verschiedenen Erlebnisse ihrer Familie zu erklären. Es ist ein Gang durch ein gesamtes Jahrhundert und durch verschiedene Länder, mit Momenten des Glücks und Momenten tiefster Verzweiflung. Konstantin merkt, dass manche von Jelenas / Elenas Erzählungen die Geschehnisse verschleiern. Denn manches Erlebnis ist schwer zu verkraften. Dennoch lässt er nicht locker, es wird seine Aufgabe, die Familiengeschichte zu erkunden. Durch die vielen Personen des Romans sowie die Reise durch ein gesamtes Jahrhundert ist das Buch nicht einfach zu lesen. Die Erzählungen aus der Vergangenheit ergänzen Konstantins Bemühungen aus der Gegenwart, bis sich am Schluss Jelenas Geschichte und das ihrer Nachkommen ergibt. Manches davon ist etwas langatmig geschrieben, was das Lesen etwas erschwert. Der Einblick in das Leben einer Familie über mehrere Generationen hinweg, mit den Einbindungen in die geschichtlichen Ereignisse ist letztendlich dennoch interessant.
Beeindruckend!
von MB - 13.09.2019
Auf den knapp über 600 Seiten ist Alexander Osang ein großer Wurf gelungen. Als Kriegsenkel bgibt er sich - wohl durch die eigene Familiengeschichte inspiriert - in seinem Roman auf die Suche nach der Vergangenheit, um die Gegenwart besser zu verstehen. So ergründet der Protagonist Konstantin Stein, Filmemacher, die Geschichte seiner Familie, in der Hoffnung auf einen Filmstoff, dabei ausgehend von seiner russischen Großmutter Jelena, deren Name im Verlauf immer mehr Buchstaben verliert: So wird aus Jelena Elena und schließlich Lena. Parallel zur Mehrung des Wissens über die Vergangenheit der Familie vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis ins Jahr 1990 verliert Konstantins Vater demenzbedingt zunehmend seine Erinnerung. Wir lernen zudem eine weitere Form des Vergessens kennen. Wir erfahren, wie Elena unerträgliche Erinnerungen durch Verdrängung dem Vergessen anheimgibt. Die Menschen erinnern sich nur an das, was in ihre Lebensgeschichte passt. Es ist fantastisch beschrieben, wie sich bei Elena mit dem Näherrücken des Todes die Erinnerungen dann doch wieder einstellen und die Gegenwart nicht mehr der zentrale Orientierungspunkt ist. Insgesamt ein sehr vielschichtiges Buch über das Erinnern und das Vergessen, über das Begreifen der eigenen Familiengeschichte als einer Entdeckungsreise die versöhnen kann. Unbedingt lesenswert!!!
So weit und leer wie die russische Steppe
von milli - 11.09.2019
Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, da ich den Schreibstil von Alexander Osang im "Spiegel" immer gut fand, aber leider trifft das Buch so gar nicht meinen Geschmack. Ich hatte einen wunderbar dicken und breiten Familienroman erwartet, natürlich lösen sich im wahren Leben auch nicht alle Rätsel auf, aber das erschien mir schon alles sehr inhaltsleer. Das Buch beginnt im zaristischen Russland, kurz vor Ausbruch der Revolution. Jelenas Vater wird von der betrunkenen Dorfbevölkerung erschlagen und im Nachhinein zum großen Revolutionär und Märtyrer für die kommunistische Sache stilisiert. Ihre Kindheit und Jugend mit dem gewalttätigen Stiefvater ist nicht wirklich schön, allerdings findet sie doch ein zartes junges Liebesglück. Später bietet sich ihr die Chance, einen deutschen Ingenieur kennenzulernen, der der russischen Produktion auf die Sprünge helfen soll und ergreift diese Möglichkeit, ihrem Leben in der russischen Provinz zu entkommen, es geht nach Leningrad, nach Moskau, nach Berlin und schlussendlich nach Sorau in Schlesien, die Heimatstadt ihres Mannes. Es werden 5 Mädchen geboren, der Krieg beginnt, die Familienverhältnisse sind allesamt unfreundlich und trotz all dem wird mir Elena nicht fassbar. Ob sie ihren Mann zumindest mag, von Liebe ganz zu schweigen, wird mir nicht klar, die anderen Männer, die ihr Leben streifen, sind eigentlich auch nur Staffage, soweit sie ihr nützlich sein können. Irgendeinen Ehrgeiz, ein Interesse an irgendeiner Sache gibt es nicht in ihrem Leben. Die Zuneigung zu ihren Töchtern ist auch sehr unterschiedlich verteilt, sie schafft es mit Bravour, die Leben und Entwicklungen der Mädchen nach ihren eigenen Vorstellungen zu lenken, Begabungen und Leidenschaften der Töchter werden eisern unterdrückt und so ist es kein Wunder, dass alle Töchter unglücklich und untereinander sehr zerstritten sind. Dieses destruktive Muster zieht sich dann weiter bis in die Enkelgeneration, die ebenfalls nicht in der Lage ist, ein halbwegs normales glückliches Leben zu führen. Parallel wird das Leben des Mittvierzigers Konstantin, des Enkels von Elena, geschildert. Er lebt in Berlin, hat einen Sohn, von dessen Mutter er getrennt ist und reibt sich permanent an seinen Eltern auf. Von was er eigentlich lebt, bleibt mir unklar, er verkauft sich unter dem Label "Filmemacher", aber da er sein ganzes Leben halbherzig und ohne erkennbares Engagement führt, ist wohl klar, dass die Erfolge sich eher nicht einstellen werden. Schlussendlich kommt er auf die Idee, den diversen Geschichten der Familie nachzugehen, aber außer großem Aufwand bis hin zu einer Reise nach Russland kommt da nicht viel heraus. Weder kann er in Erfahrung bringen, wohin sein Großvater/ Elenas Mann in den Kriegswirren verschwunden ist noch kann er die unterschiedlichen Geschichten und Interpretationen seiner Mutter und Tanten in Einklang bringen. Hier musste ich mich wirklich zwingen, das Buch überhaupt weiter zu lesen, irgendwie hatte ich doch die Hoffnung, dass zumindest einige Familienrätsel noch gelöst werden, aber dem war nicht so. Grundsätzlich lebe und leide ich liebend gern mit den Figuren meiner Bücher, aber hier war für mich nur Langeweile. Grundsätzlich ist mir noch am ehesten Konstantins Vater Claus halbwegs sympathisch, der halb dement im Pflegeheim lebt, ansonsten würde ich wohl im wahren Leben auf die Bekanntschaft aller anderen Personen gern verzichten. 2 Sterne gebe ich, weil ich die Beschreibung der Zustände in Russland sehr treffend finde, den Berliner Teil finde ich nur langatmig und ohne viel Substanz.
Geschichtsträchtig, aber auch langatmig
von Lesemama - 05.09.2019
Bewertet mit 3,5 Sternen Zum Buch: Russland, Anfang des 20. Jahrhundert. In einer kleinen Provinzstadt östlich von Moskau wird der Revolutionär Viktor hingerichtet. Wie eine gewaltige Welle erfasst die Zeit in diesem Moment Viktors Tochter Lena. Sie heiratet den deutschen Textilingenieur Robert Silber, folgt diesem 1936 nach Berlin und Schlesien, wo sie den Zweiten Weltkrieg überleben. Aber dann verschwindet Robert in den Wirren der Nachkriegszeit, und Lena muss vier Töchter alleine durchbringen. Sie sollen den Weg weitergehen, den Lena begonnen hat zu gehen ¿ hinaus aus einem zu engen Leben, weg vom Unglück. Aber stimmt diese Geschichte, wie Lena sie ihrer Familie erzählt hat? 2017, mehr als zwanzig Jahre nach Lenas Tod, macht sich ihr Enkel, der Filmemacher Konstantin Stein, auf den Weg nach Russland. Er will die Geschichte des Jahrhunderts und seiner Familie verstehen, um sich selbst zu verstehen. Meine Meinung: Es fiel mir sehr schwer diese Rezension zu schreiben, denn die Geschichte hat es in sich und ist für mich sehr schwer in Worte zu fassen. Zuallererst hat mich die Lebensgeschichte sehr berührt, eine absolut Geschichtsträchtige Erzählung, aber sie hatte auch ihre Längen. Manche Dinge wurden fast bis zum Eebrechen wiederholt, so das der Lesefluss ein wenig eingebremst wurde. Eine Geschichte, die viele tausende Menschen so erlebten. Eine Geschichte zwischen Tradition und Moderne. Mich interessiert die russische Geschichte sehr,aber dieses Buch könnte mich nicht so ganz überzeugen.
Ein Generationenroman mit Längen, Verwirrungen und einigen Wiedholungen
von Cordula - 02.09.2019
Die Leben der Elena Silber ist ein Buch, das von der eigenen Familiengeschichte Alexander Osangs inspiriert wurde. Kürzlich erschien es auf der Longlist für den deutschen Buchpreis, wahrscheinlich zurecht und doch hat es mir nur bedingt gefallen. Die Geschichte beginnt mit einem recht aufwühlenden Ereignis. Viktor, Jelenas Vater wird im Februar 1905 in Garbatow, einer kleinen Provinzstadt östlich von Moskau, als Revolutionär auf der Straße hingerichtet und die Familie muss fliehen. Einige Jahre später kehren sie zurück. Jelena verliebt sich in den Berliner Textilingenieur Robert Silber. 1936 folgt sie ihm zunächst nach Berlin, dann nach Schlesien, wo sie dann auch den zweiten Weltkieg überleben. Doch irgendwann verschwindet Robert, Lena und ihre vier Töchter bleiben zurück. Währenddessen begibt sich 2017 Jelenas Enkelsohn, Konstantin Stein, auf Spurensuche seiner Geschichte. Sein Vater ist dement und erinnert sich nur noch fragmentartig und seine Mutter scheint ihre ganz eigene Version der Geschichte zu haben. Durch Gespräche mit seiner Tante erfährt er weiteres und dennoch bleibt ihm am Ende nur der Weg zurück nach Russland, um der Familiengeschichte auf den Grund zu gehen und um die Wirrungen seines Lebens zu verstehen. Das 20. Jahrhundert ist gerade für diese Geschichte sehr spannend. Neben Jelana und ihrer Familie geht es um die letzten Ausläufer des russischen Zarenreichs und die Entstehung der Sowjetunion, den zweiten Weltkrieg in Deutschland, die DDR, Flucht, Krieg, konfuse Wirrungen. Osang springt dabei abwechselnd zwischen damals und heute, wobei mich anfangs diese Sprünge ins Altersheim zu Konstantins Vater sehr verwundert haben. Diese großen Sprünge sind leider manchmal eher nervig und verwirrend. Und dann tauchen da neben dem wirklich interessanten Teil der Geschichte ständig Wiederholungen auf. Im Grunde nicht dramatisch und dennoch, konnte ich irgendwann von der Hinrichtung oder dem fehlenden Thema für Konstantins Film nichts mehr hören. Alles zog sich etwas in die Länge und ich habe zwischenzeitlich häufiger die Lust verloren und das Buch zur Seite gepackt. Es ist ein interessanter Generationenroman, aber ich habe schon bessere gelesen.
Auf der Suche nach der eigenen Familiengeschichte
von Anonym - 31.08.2019
Das Buch beginnt 1905 in Russland. Elenas Vater, ein Revolutionär, wird zusammen mit Gleichgesinnten brutal ermordet. Daraufhin muss Elena mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder fliehen. Die Reise/Flucht von Elena beginnt und führt sie über verschiedene Stationen nach Berlin. 2017 in Berlin, Konstantin Silver hadert mit seinem Leben. Beruflich scheint er sein Thema für einen Film einfach nicht zu finden und privat läuft es auch nicht viel besser. Seine Mutter, zu der er keine enge Bindung hat, beschließt das es Zeit ist seinen Vater ins Seniorenheim zugeben. Langsam nähert sich Konstantin seiner Familiengeschichte und der Geschichte seiner Oma Elena an. Das Thema des Buches, mit der verzweigten Familiengeschichte in Russland und Deutschland, fand ich sehr interessant. Jedoch habe ich mich etwas schwer getan in das Buch reinzufinden. Leider habe ich solche Romane über Familienhistorie mit zwei Zeitebenen schon in besser Umsetzung gelesen. Für mich ein etwas enttäuschendes Buch.
Tolle Familienchronik
von Anonym - 30.08.2019
Ein sehr beeindruckendes Buch, sowohl nach Umfang als auch nach Inhalt. In der Gegenwart im Jahr 2017 betreibt der auf Selbstfindung bedachte Filmemacher Konstantin Stein auf Drängen seiner Mutter Maria Familienforschung, um ein ihrer Meinung nach adäquates Thema zu haben. Diese führt zurück ins Jahr 1905 in Russland, wo Marias Großvater als Revolutionär gegen den Zaren erschlagen wird und seine zweieinhalbjährige Tochter Elena - die Patriarchin und Protagonistin der Geschichte - mit Mutter und Bruder flüchten muss. Elenas Werdegang ist von weiteren Fluchten/Ortswechseln und Freiheitsstreben geprägt - an andere Orte in Russland und später im Zweiten Weltkrieg in Schlesien, woher die Familie ihres deutschen Ehemannes Robert Silber stammt, ein Ingenieur, den sie noch in Russland geheiratet hat. In den Nachkriegswirren landet Elena mit ihren vier Töchtern schließlich im späteren Ostberlin. Der Verbleib von Robert bleibt rätselhaft, Elena erklärt ihn und auch andere Vorkommnisse innerhalb der Familie mit wechselnden Geschichten. Auf seiner Spurensuche begibt sich Konstantin an verschiedene Schauplätze und sucht Gespräche mit seinen noch lebenden Angehörigen. Nachdem ich den rückwärtigen Bucheinband aufgeschlagen habe, wo der Familienstammbaum dargestellt wird, war ich zunächst erschlagen von der Vielzahl an Personen, die mich in der Geschichte erwarten würden. Das erwies sich aber schnell als grundlos. Den roten Faden betreffend die Romanfiguren wie auch die regionalen Schauplätze und zeitlichen Etappen habe ich nie verloren. Alle Romanfiguren haben spezielle Charakterzüge und zum Teil skurrile Eigenheiten, sind deshalb sehr interessant zu studieren (z.B. das Hobby von Konstantins dementem Vater und ihm selbst, sich Filmquizfragen zu stellen oder die zu Quacksalbertum neigende Tante Vera). Als Leser erfährt man im Zuge der Nachforschungen von Konstantin so viel Wissenswertes über die russische und ostdeutsche Geschichte. Spannend bleibt die Frage, ob sich das Schicksal von Robert Silber tatsächlich wird aufklären lassen. Eine schöne Familiengeschichte, die sich flugs lesen lässt.
Eine Frau im Wandel der Zeit
von frthkrue - 23.08.2019
Der Klappentext und auch die Leseprobe haben mich sehr angesprochen. Elena muss bereits als Kleinkind, nachdem ihr Vater als Revolutionär ermordet wird, zusammen mit Bruder und Mutter aus ihrem Heimatdorf fliehen. Als junges Mädchen kommt sie zusammen mit ihren Halbgeschwistern, Mutter und Stiefvater zurück. Die Mutter verspricht eine grandiose Rückkehr - was sich natürlich nicht bewahrheitet. Elena kommt bei ihrer Arbeitsstelle mit dem deutschen Robert Silber, den sie dann irgendwann heiratet. Durch diese Heirat kommt Elena mit einem Wohlstand in Kontakt, den sie bis dahin nicht kannte. Nach Station In Moskau kommt sie nach St. Petersburg, von dort muss sie mit ihren zwei Kindern kurzfristig nach Berlin fliehen. Warum diese Flucht - ich habe keine Ahnung! Überhaupt ergeben sich einige Fragen, da ist einiges nicht ganz schlüssig. Gefallen tut mir, dass Elena recht emotionslos ist, dass dürfte sicher ihrer schwierigen Vergangenheit geschuldet sein. Diese Emotionslosigkeit gibt sie auch an ihre Nachkommen weiter - einzig ihr Urenkel scheint ein liebenswerter Junge zu sein. Der Roman hat mir gefallen, aber nicht begeistert.
Mehr als die Geschichte eines Lebens
von Nela - 21.08.2019
Konstantin Stein recherchiert die Geschichte seiner Familie. Dabei steht seine Großmutter Elena im Zentrum. Beginnend mit der Ermordung von Elenas Vater in Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts begleiten wir sie über mehrere Jahrzehnte durch ein oft hartes Leben. Dabei kommt auch Elena selbst immer wieder zu Wort und schildert die Ereignisse aus ihrer Sicht. Die Kindheit in Russland, ihr Leben in Deutschland an der Seite ihres Mannes und ihrer Kinder. Parallel erzählt Konstantin aus seinem Leben im heutigen Berlin, von seiner Mutter - Elenas Tochter - und seinem Vater, der an Demenz erkrankt ist. Es fällt mir schwer, alle Handlungen und Themen in wenigen Sätzen zusammen zu fassen, da das Buch sehr vielschichtig und komplex ist. Es vereint die Geschichte von Konstantin, die von Elena, der ganzen Familie und der eines knappen Jahrhunderts abwechslungsrich und unterhaltsam. Ich kann das Buch empfehlen.
Geschichte über das Vergessen
von dj79 - 21.08.2019
Jelena ist gerade zwei Jahre alt als zaristische Häscher ihren revolutionären Vater auf brutalste Weise ermorden. In der Kälte der Nacht ist sie gemeinsam mit der Mutter und dem älteren Bruder Pawel zur Flucht gezwungen, um den Mördern zu entrinnen. Die nun folgenden Lebensumstände drängen Jelena in ein Dasein zunächst im Schatten von Halbgeschwistern, später von ihrem deutschen Ehemann und dessen Familie und schließlich im Schatten ihrer selbst. Revolution, Bürgerkrieg und Weltkriege beeinträchtigen das Familienleben einer ganzen Generation. Familie hat zu funktionieren, ist weniger von liebevollem Umgang gekennzeichnet. Das Einzige, das zählt, ist das Überleben. Die Geschichte wird in verschiedenen Zeitebenen erzählt, die von 1905 und 2017 ausgehend, aufeinander zulaufen. Der historische Erzählstrang begleitet Jelena vom Kleinkind, durch die Jugend, als Ehefrau und Mutter. Der aktuelle Strang ist Konstantin Stein, Jelenas Enkel, gewidmet. Er betrachtet Jelenas Leben aus der eigenen und der Erinnerung von Verwandten heraus. Auch wenn zwischen den Kapiteln immer mehrere Jahre fehlen, ergibt sich durch die Erzählweise ein erschreckendes, gleichzeitig beeindruckendes Gesamtbild, das aus meiner Sicht eine umfassende Erklärung für mache, von uns unverstandene, Reaktion oder Verhaltensweise der Kriegs- und Nachkriegsgeneration geben kann. Obwohl Konstantin Stein als 43-jähriger eigentlich mitten im Leben stehen sollte, wirkt er auf mich wie ein kleiner Junge. Er läßt sich sorglos durchs Leben treiben, agiert spontan und impulsiv. Er ist ein Familienmensch, aber auch nur so halb. Konstantin vollendet im Prinzip nichts. Die im Roman mehrfach gebrauchte Formulierung "Er findet sein Thema nicht" ist hier mehr als zutreffend. Seine ganze Haltung zum Leben wirkt ziel- und planlos. Überraschend konfrontiert mit der Demenz-Krankheit seines Vaters stellt Konstantin fest, dass er eigentlich kaum etwas über seine Eltern, deren Familie und damit über seine Herkunft, sich selbst weiß. Ist das sein Thema? Das Verhindern des Vergessens, das Finden seiner selbst. Er stürzt sich jedenfalls darauf. Seine ungelenke, stolperhafte, manchmal hilfsbedürftige Art machte mir Konstantin sehr sympathisch. Als Mutter möchte man sich am liebsten gleich um ihn kümmern. Jelena steht komplett im Gegensatz zu Konstantin. Sie ist eine starke Frau, wobei abgehärtet wahrscheinlich die bessere Formulierung ist. Diverse Schicksalsschläge mussten ohne die heute übliche Unterstützung der Familie verkraftet werden. Verdrängung und eine eigene Wahrheit sind Jelenas Strategie, um mit dem Unerträglichen fertig zu werden. Der seelische Zusammenbruch ist zeitweise ganz nah. Leider schafft Jelena es nicht, jedem ihrer Kinder die gleiche Liebe zuteil werden zu lassen, geschweige denn sie gleich zu behandeln. So geht das Schicksal der Mutter anteilig auch auf die Kinder über. Trotz ganz viel Verständnis für ihr Handeln aus der Not heraus, hadere ich in diesem Punkt mit Jelenas Charakter. Alexander Osang hat mit seinem Roman ein ganzes Jahrhundert umspannt, vermittelt damit zwischen den Generationen. Dabei hat mir nicht nur die Thematik und ihre literarische Verarbeitung gefallen, sondern auch die Gestaltung des Buches. Die Vorsatzblätter sind mit der kartografischen Einordnung der Geschichte und Jelena Silbers Familienstammbaum versehen. Neben einem Namenverzeichnis am Anfang ist am Ende des Buches ein Inhaltsverzeichnis enthalten. Insgesamt also eine runde Sache, die ich nur weiter empfehlen kann.
Die Nacht, in der Lenin starb...
von Martin Schult - 19.08.2019
Jelenas Leben erleidet schon in frühen Jahren einen schweren Schicksalsschlag. Im Alter von 2 Jahren muss sie den Verlust ihres Vaters hinnehmen, der für die Russische Revolution einstand und dies mit seinem Leben bezahlen musste. In der Folge führt Jelena unter ihrem gewalttätigen Stiefvater ein schweres Leben und nutzt mit der Heirat eines deutschen Industriellen die Chance ihrer Welt zu entfliehen. Aber auch ihr neuer Lebensabschnitt besteht nicht nur aus rosigen Zeiten, nach der Geburt ihrer fünf Töchter verliert sie in den Wirren der Nachkriegszeit ihren Mann und muss sich nun allein durchs Leben schlagen... Der Autor Alexander Osang hat mit Die Leben der Elena Silber aus meiner Sicht einen gewaltigen Familienepos geschrieben, der den Leser durch das bewegende Leben der Hauptprotagonistin Elena Silber führt. Er erzählt die Geschichte in einem bildreichen und sehr ansprechenden Schreibstil, der mich immer wieder in die spannende Vergangenheit entführte, aber beim Lesen auch die volle Aufmerk-samkeit einforderte. Die Hauptprotagonistin Elena Silber wird sehr interessant charakterisiert und ihr Schicksal wird vom Autor aus zwei Perspektiven aufgearbeitet. Neben den zeitlichen Rückblicken macht sich in der Gegenwart auch ihr Enkelsohn Konstantin auf die Suche nach seinen eigenen Wurzeln. Als zweiter wichtiger Protagonist in diesem Roman sucht er als Filmemacher nach einem passenden Thema und gleichzeitig nach dem Sinn seines ins Wanken geratenen Lebens. Auf diesem Grundgerüst baut Alexander Osang eine komplexe Geschichte auf, die ihre Stärken für mich klar in den zeitlichen Rückblicken hat. Die Gegenwartbetrachtungen kamen mir ein wenig langatmig vor, was den Gesamteindruck dieses Buches etwas schmälerte. Insgesamt ist Die Leben der Elena Silber eine mehr als gelungene und ergreifende Familienchronik, die mich in die russische Historie entführte und für einige fesselnde Lesestunden sorgte. Ich empfehle daher diesen immer gut recherchiert wirkenden Roman gerne weiter und bewerte das Buch aufgrund der Abstriche in den Gegenwarts-betrachtungen mit immer noch sehr guten vier von fünf Sternen.
Er findet sein Thema nicht
von jenvo82 - 19.08.2019
"Sie vermisste eine Heimat, von der sie - bis sie sie verlassen hatten - nicht einmal wusste, dass es sie überhaupt gab. Sie hätte auch jetzt nicht beschreiben können, wie sie aussah, ihre Heimat. Sie spürte nur die Sehnsucht." Inhalt Konstantin Stein führt den Leser durch die Geschichte seiner Ahnen, die er selbst erst mit Ende 40 für sich entdeckt, nachdem ihm seine Mutter Maria auf die Idee gebracht hat, sich doch der Chronik der Elena Silber anzunehmen, seiner verstorbenen Großmutter, die eine Tochter des ermordeten russischen Revolutionärs Viktor Krasnow war. In zwei groß angelegten Erzählsträngen taucht der Leser nun zum einen in den Alltag von Konstantin ein und seine realen Erinnerungen an die Großmutter, seine Tanten und Onkel. Und im zweiten kommt Elena selbst zu Wort, die aus verschiedenen Zeiten ihres Lebens Bericht erstattet über ihren Mann, die fünf Töchter und die Suche nach einer echten Heimat zwischen der Kindheit in Russland und dem Erwachsenenleben in Deutschland an der Seite ihres Mannes Robert Silber¿ Meinung Der mehrfach ausgezeichnete deutsche Autor Alexander Osang lässt sich in diesem komplexen zeitgenössischen Roman von seiner eigenen Familiengeschichte inspirieren und entwirft das Bild eines Jahrhunderts, geprägt von diversen politischen Ereignissen, die verschiedene Menschen zu ganz unterschiedlichen Meinungen bringt und sich im Kern dem Leben innerhalb der direkten Verwandtschaft widmet. Ursprünglich hatte ich eine klare Vorstellung an die Verarbeitung des Themas, angesiedelt zwischen Familien - und Geschichtsroman mit Einblicken in historische Ereignisse, die sich möglicherweise im Verlauf des individuellen Lebens von Elena anders anfühlten als in ihrem tatsächlichen Ausmaß. Doch eigentlich trifft die Geschichte diesen Kern überhaupt nicht, sie tangiert ihn eher peripher. Im Zentrum steht hier eine Frau, der zeitlebens nichts geschenkt wurde, die ihre Stärke und Entschlossenheit entwickelt hat, weil die Möglichkeiten ihr keine freie Wahl ließen und die doch so distanziert und ernst wirkt, dass mir für eine Familiengeschichte einfach die Warmherzigkeit und Liebe zwischen den Angehörigen fehlt. Während mir ihr Enkel Konstantin zunächst sehr nah und empathisch vorkam, verliert sich sein Potential mit dem Verlauf der Geschichte. Als Sohn kämpft er mit dem Verlust seines Vaters, der in einem Pflegeheim mit der Diagnose Altersdemenz festsitzt und eine dominante Mutter, die ihm vorwirft, noch immer nicht sein Thema gefunden zu haben. Nebenbei erzieht er einen jugendlichen Sohn, der bei seiner Mutter lebt, von der sich Konstantin allerdings schon geraume Zeit getrennt hat. Im Grunde genommen lesen sich beide Erzählstränge nicht schlecht, aber sie fördern auch keine bahnbrechenden Wahrheiten zu Tage. Spätestens ab der Hälfte des Romans plätschert die Geschichte so vor sich hin, so dass ich auch hier die reichlich 600 Seiten Text als übertrieben empfinde. Eine Kürzung und Straffung des Geschehens wäre wünschenswert gewesen. Besonders gestört hat mich im Verlauf der Geschichte die wirklich unnötige Wiederholung ein und desselben Sachverhalts mit fast gleichem Wortlaut (Konstantin findet sein Thema nicht) und darüber hinaus die irrelevanten Nebeninformationen, die anscheinend als Füllmaterial dienen, jedoch keinerlei Nutzen für den Leser darstellen. Hin und wieder blitzt dann aber wieder ein toller Satz auf, der mich zum Nachdenken anregen konnte: "Es ging immer weiter. Dafür liebte er seinen Sohn. Er würde ein anderer Mann werden, als er es war, so wie er ein anderer Mann geworden war als sein Vater. Aber etwas blieb erhalten. Nichts war umsonst. Die Saat war ausgebracht. Vielleicht ein Segen, vielleicht ein Fluch." Fazit Ich vergebe 3,5 Lesesterne für diesen komplexen, ausführlichen Familienroman, die ich jedoch eher auf 3 reduzieren möchte. Das größte Problem der Geschichte ist ihre nichtsagende Wirkung ohne konkrete Aussage, ohne einen roten Faden. Zu oft regiert die Willkür des Lebens, das einfache, unauslöschliche Geschehen des Alltags und das unaufhaltbare Voranschreiten der Zeit, die Erinnerungen trübt, Menschen verblassen lässt und Ungerechtigkeiten belanglos erscheinen lässt. Dem Autor gelingt es leider nicht Vergangenheit lebendig werden zu lassen und auch nicht, einprägsame Charaktere zu schaffen. Und so bleibt dieser Roman gewissermaßen in seinen Kinderschuhen stecken und hinterlässt nur vage Eindrücke, die bald wieder verblassen werden. Sehr schade, denn der Stoff der Geschichte birgt großes Potential und möglicherweise hätte mir schon ein Wechsel der Erzählperspektive in die erste Person Singular weitergeholfen, um mich den Leben der Elena Silber näher zu fühlen.
deutsch russische Familiengeschichte
von Marita Robker-Rahe - 16.08.2019
Die Leben der Elena Silber von Alexander Osang, ist eine interessante Familiengeschichte, die auf zwei Zeitsträngen erzählt wird. In der Vergangenheit wird die geschichte von Elena erzählt, die schon mit zweieinhalb Jahren Russland verlässt, weil ihr Vater als Widerständler ermordet wird. Die Mutter flieht, kehr allerdings nach dreizehn Jahren mit einem neuen Ehemann und einem weiteren Kind zurück. Elena kann sich an ihre Heimat nicht mehr erinnern, versucht aber zurechtzukommen, was sich aber auch schwierig gestaltet, weil ihre Mutter, aber auch die Daheimgebliebenen sich in Schweigen hüllen. Elena heiratet später einen Deutschen , Robert Silber , mit dem sie 1936 nach Deutschland geht. 2017 versucht sich der Enkel Konstatin darin, die Familiengeschichte zu recherchieren und die Familie wieder zusammen zu bringen. Dafür fährt er sogar nach Russland. Im Großen und Ganzen hat mir die Geschichte gut gefallen, obwohl sie schon so einige Längen aufweist. Wer sich aber für Zeitgeschichte interessiert, wird sich beim Lesen dieses Buches wohl fühlen und sogar einige Zusammenhänge verstehen können. Elena ist ncith unbedingt eine Frau mit der ich mich identifizieren konnte, was mir das Lesen manchmal ein bisschen schwer gemacht hat. Ich habe das Buch aber gerne gelesen.
Familienepos
von Lesemone - 16.08.2019
Schon lange habe ich kein so dickes Buch mehr vor mir gehabt, das sich aber recht gut lesen lies. Sehr wortgewaltig und interessant ist die Geschichte von Elena Silber hier chronologisch aufgeschrieben worden. In abwechselnden Kapiteln erfährt der Leser zum einen, was Elena alles passiert ist und wie ihr Werdegang war und zum anderen kommt Enkel Konstantin zu Wort, der versucht, seine Familiengeschichte zu verstehen. Dazu reist er durch die Welt und kümmert sich immer wieder um seinen dementen Vater, der ihm leider nicht mehr so viel erzählen kann. Sehr gelungen fand ich den abgedruckten Stammbaum, da man sich so ein gutes Bild über die Familie Silber machen kann. Mich hat das Buch aber irgendwie nicht so berührt. Ich konnte weder zu Elena, noch zu Konstantin Sympathie aufbringen. Manche Stellen waren viel zu langwierig und ausufernd mit Nebensächlichkeiten beschrieben, die das Buch unnötig gefüllt haben. Mich hat das Buch einfach nicht mitgenommen.
Ein großartiges Buch - eine überwältigende Lebensbeschreibung
von Philo - 14.08.2019
Auch wenn ich Bücher mit mehr als 600 Seiten nicht so mag, hier hätte ich gerne noch weiterlesen wollen. Alexander Osang schildert das pralle Leben der Jelena Silber, das geprägt ist von deutscher und russischer Geschichte, von vielen Wendungen, Enttäuschungen und Neuanfängen, man kann sich ihm nicht entziehen. Auch wenn man ihr Handeln nicht immer verstehen kann, begreift man doch ihre Beweggründe, die ihrem Handeln zugrunde liegen. Mit 2 Jahren bereits muß Jelena mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Pawel aus ihrer russischen Heimat fliehen, nachdem ihr Vater als Revolutionär ermordet wurde und sie fürchten müssen, das gleiche Schicksal zu erleiden. Viele Jahre später kehrt Jelena mit ihrer Mutter und dem Stiefvater in ihr Heimatdorf zurück. Was mochte die Mutter bewogen haben, diesen Mann zu heiraten, der sich an Jelena vergeht, so daß sie sich genötigt sieht, sich allein in eine neue Zukunft zu begeben. Sie lernt den deutschen Ingenieur Robert Silber kennen, heiratet ihn und geht mit ihm nach Deutschland. Ihre Schwiegermutter demütigt Jelena, wo sie nur kann und der Schwiegervater hält sie für Freiwild. Kaum der deutschen Sprache mächtig, hat Jelena es mehr als schwer, mit ihrem Leben zurechtzukommen. Sie hat 5 Töchter, von denen Anna mit 2 Jahren an Diphterie stirbt. Es ist Krieg und Medikamente sind knapp. Die anderen 4 Töchter Maria, Lara, Vera und Katarina sind traumatisiert von dem wechselhaften Leben, dem sie ausgesetzt sind und dem Lebensweg, den sie nach Jelenas Vorgaben zu gehen haben. Jede lebt ihr eigenes Leben. Es gibt keinen Familienzusammenhalt. Viel später versucht Jelenas Enkel Konstantin die Familiengeschichte aufzuschlüsseln und zu verstehen, was das lange Leben seiner Baba ausgemacht hat. Sie hat für sich eine eigene Wahrheit erfunden, aber war alles wirklich so, wie sie immer erzählt hat? Sehr emotional zu lesen ist die Beziehung von Konstantin zu seinem Vater Claus Stein, der mit Jelenas Tochter Maria verheiratet ist, die ihn wegen seiner fortschreitenden Demenz in einem Heim unterbringt. Ich finde, Alexander Osang hat ein großartiges Familienepos geschaffen mit so unterschiedlichen Figuren, auf die man sich einlassen muß, um sie zu verstehen. Ich liebe Familiengeschichten, aber diese finde ich besonders großartig, schon deshalb, weil sie über mehr als ein geschichtsträchtiges Jahrhundert andauert. Und nach dem Enkel Konstantin folgt noch der Urenkel Theo. Die Geschichte geht also weiter.
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