Johann Sebastian Bach: Die Johannes Passion als Buch
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Johann Sebastian Bach: Die Johannes Passion

Entstehung - Überlieferung - Werkeinführung. Zahlreiche Notenbeisp. , Dok.
Buch (kartoniert)
ie Johannes-Passion ist eines der faszinierendsten Werke Bachs: Ihr Text zeugt von einem ungewöhnlich tiefen Verständnis für das Gedankengut des Evangelisten Johannes, und in der Komposition ist die Korrespondenz der Bibelwortchöre untereinander ein … weiterlesen
Buch

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Johann Sebastian Bach: Die Johannes Passion als Buch

Produktdetails

Titel: Johann Sebastian Bach: Die Johannes Passion
Autor/en: Alfred Dürr

ISBN: 3761814739
EAN: 9783761814734
Entstehung - Überlieferung - Werkeinführung.
Zahlreiche Notenbeisp. , Dok.
Baerenreiter-Verlag

1. Januar 2011 - kartoniert - 175 Seiten

Beschreibung

Die Johannes-Passion ist eines der faszinierendsten Werke Bachs: Ihr Text zeugt von einem ungewöhnlich tiefen Verständnis für das Gedankengut des Evangelisten Johannes, und in der Komposition ist die Korrespondenz der Bibelwortchöre untereinander ein musikgeschichtlich einmaliges Phänomen. Nicht zuletzt stellt die Tatsache, dass die Passion in vier unterschiedlichen Fassungen überliefert ist, den Betrachter vor die Frage, welche Änderungen der Absicht Bachs entspringen, das Werk zu verbessern, und welche als notgedrungenes Zugeständnis an die jeweiligen Aufführungsbedingungen oder an obrigkeitliche Auflagen anzusehen sind. Deshalb wird in diesem Buch die Werkeinführung kombiniert mit einer Geschichte der Entstehung und der Überlieferung der Johannes-Passion und dem Abdruck des kompletten Textes im Anhang.

Alfred Dürr, geb. 1918 in Berlin-Charlottenburg, studierte Musikwissenschaft und Altphilologie und war von 1951 bis 1983 am Johann-Sebastian-Bach-Institut in Göttingen tätig. Veröffentlichungen u. a. von kritischen Neuausgaben der Werke Bachs ( Neue Bach Ausgabe ) und seiner Zeitgenossen und zu Chronologieproblemen des Bachschen Vokalwerks.

Portrait

Alfred Dürr, geboren 1918 in Berlin-Charlottenburg, studierte Musikwissenschaft und Altphilologie und war von 1951 bis 1983 am Johann-Sebastian-Bach-Institut in Göttingen tätig.


Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 10.07.1999

Im guten Glauben
Zum Klavierspiel lieferte Bach die Statuten: Alfred Dürrs Studie zur Wirkung des "Wohltemperierten Klaviers"

"Das Wohltemperierte Klavier sei dein täglich Brot", empfiehlt Robert Schumann in seinen "Musikalischen Haus- und Lebensregeln". Generationen von Tasteninstrumentalisten und Komponisten haben sich seit ziemlich genau zweihundert Jahren, seit die beiden Sammlungen von Präludien und Fugen im Zug der Wiederentdeckung "alter Meister" in mehreren Verlagen gleichzeitig erschienen, an diesen Rat gehalten. So konnte das Doppel-Kompendium, das Bach "zum Nutzen und Gebrauch der Lehr-Begierigen Musicalischen Jugend, als auch derer in diesem Studio schon habil seyenden, Besonderem Zeitvertreib aufgesetzet und verfertiget" hatte, für viele Musiker zum Alten Testament werden, bevor Beethovens Sonaten zum Neuen Testament wurde: "An beide müssen wir glauben" (Hans von Bülow).

In einer knappen Wirkungsgeschichte am Ende seines Lehr- und Handbuchs über das "WK" faßt Alfred Dürr, Nestor der Bach-Forschung, das Nachleben der Bachschen Sammlungen bis heute zusammen: Fast keiner der großen Komponisten blieb davon unberührt. Das Gegenstück dazu ist die Vorgeschichte des Wohltemperierten Klaviers, das sorgfältige Ausziehen der Traditionslinien, die zu Bach führen. Denn Bach war keineswegs der einzige oder erste, der die temperierte Stimmung kompositorisch nutzbar machte, aber der erste, der das Neuland derart systematisch in einem Kunstwerk betrat.

Selbstverständlich geht Dürr ebenso akribisch auf die Entwicklung von Präludium und Fuge bis Bach, auf die Erfindung der zwölfstufig gleichschwebenden Temperatur als Voraussetzung von Bachs Werk, das diese bedeutsame Errungenschaft im Titel trägt, und auf die verwickelte, bis heute nicht restlos geklärte Entstehungsgeschichte des "WK" ein. Immer wieder muß er dabei auf das Gewirr von Fassungen, Revisionen und Überlieferungsbrüchen verweisen. Gerade da bewährt sich Dürrs Gabe, auch komplizierte Sachverhalte ohne unstatthafte Vereinfachung übersichtlich darzustellen. Ebenso problematisch und in der Fachliteratur kontrovers erörtert ist die Typologie der Präludien und Fugen - im Grunde, wie Dürr plausibel machen kann, ein Unterfangen, das experimentelle individuelle Umprägungen überlieferter Formen unpassend in Kategorien-Raster pfercht.

Berücksichtigte man sämtliche Merkmale - Melodik, Harmonik, Rhythmik, Form, Satzweise -, "so erhielte man statt einzelner Typen sechsundneunzig Einzelbeschreibungen", schließt Dürr. Entsprechend dem Ziel des Buchs kann er sich elegant aus der Affäre ziehen - mit der eingehenden Analyse sämtlicher Präludien und Fugen, in der er eine Quadratur des Kreises erreicht: Wissenschaftlicher Anspruch und Verständlichkeit, Theorie und Spielpraxis, gerade in Deutschland noch immer argwöhnisch nebeneinander herlaufende Disziplinen, sind perspektivenreich versöhnt. Gewiß wird gerade an den Musikliebhaber, an den sich das Buch vor allem wendet, einiger Anspruch gestellt, und der vorsorgliche Hinweis, "daß der Vergleich mit einer Notenausgabe des Wohltemperierten Klaviers für das Verständnis unserer Darlegungen unerläßlich ist", erweist sich auch für den "in diesem Studio schon habil seyenden" als Überlebensfrage des Verstehens, obwohl Dürr sich, auch mit Fugen-Graphiken, als pädagogischer Meisterpfadfinder erweist. Wer Noten versteht, hat hier - wie auch andernorts in der Musik - einfach mehr vom Lesen und Leben, vom Hören sowieso.

Um sein Buch nicht zu überfrachten und es auch für den weniger geübten "Lehr-Begierigen" überschaubar zu machen, hat Dürr auf manche Bereiche verzichtet. So erörtert er die Spielpraxis nur so weit, wie es die Gewohnheiten der Bach-Zeit betrifft: Fragen der Instrumente, von Tonartenästhetik, Tempi, Dynamik, Artikulation, Ornamentik und Notierungsgewohnheiten werden knapp, aber erhellend dargestellt und in den Einzelanalysen immer wieder gestreift. Dabei ergibt sich nebenbei die nicht neue, aber wichtige Erkenntnis von der Widersprüchlichkeit der Quellen und der gebotenen Vorsicht mit "Urtextausgaben".

Dürr zielt nicht auf wissenschaftliche Neuerkenntnisse ab; sie "mögen allenfalls ab und zu als Nebenprodukte angefallen sein". Ebensowenig geht es ihm darum, die anhaltenden Diskussionen und Auslegungskontroversen auszubreiten. Da verweist er Wißbegierige gern auf den Kritischen Bericht in der Neuen Bach-Ausgabe. Trotz solcher selbstauferlegten Beschränkungen, zu denen auch die ausgesparte Erörterung des modernen Konzertflügels als Bach-Instrument gehört, ist dem Autor im Gewimmel der Literatur über Bachs Klavier-Universum ein weitgehend allgemeinverständliches Standardwerk gelungen, Frucht einer jahrzehntelangen Beschäftigung mit diesem musikhistorischen Basiswerk Bachs, "dieses Urvaters der Harmonie" (Ludwig van Beethoven).

ELLEN KOHLHAAS

Alfred Dürr: "Johann Sebastian Bach". Das Wohltemperierte Klavier. Bärenreiter Werkeinführungen. Bärenreiter-Verlag, Kassel 1998. 460 S., br.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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