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Als Morlock noch den Mondschein traf als Buch
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Als Morlock noch den Mondschein traf

Die Geschichte der Fußball-Oberliga Süd 1945 bis 1963. Zahlreiche Fotos, Tabellen.
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Als Morlock noch den Mondschein traf als Buch

Produktdetails

Titel: Als Morlock noch den Mondschein traf

ISBN: 3897841754
EAN: 9783897841758
Die Geschichte der Fußball-Oberliga Süd 1945 bis 1963.
Zahlreiche Fotos, Tabellen.
Herausgegeben von Werner Skrentny
Agon Sportverlag

1. August 2001 - gebunden - 238 Seiten

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 22.12.2001

Von Morlock, "Don Alfredo" und anderen

FRANKFURT. "Als Morlock noch den Mondschein traf" heißt der rätselhafte Titel eines Buches, in dem "Die Geschichte der Oberliga Süd 1945 bis 1963" ausgebreitet wird. Bei diesem Ausflug in die Vergangenheit des Fußballsports ersteht wieder jene versunkene Welt des frühen Nachkriegs- und ein wenig späteren Wohlstands-Deutschlands. In der Kulisse zerbombter Städte beschränkte sich das Freizeitvergnügen weitgehend auf Kino, Tanzen, Stammtisch, Steherrennen, Boxkämpfe und nicht zuletzt auf Fußball. Der deutsche Volkssport Nummer eins wurde in jenen Jahren noch pur geboten, ohne jeden Schnickschnack, fern von den Inszenierungen des Event-Zeitalters. Die Regeln waren streng, forderten von den Spielern stilles Heldentum. Denn es durfte nicht einmal bei Verletzungen ausgewechselt werden. Und fiel der Torwart aus, rückte ein vorher bestimmter Feldspieler zwischen die Pfosten.

Zumal im Winterhalbjahr wirkten die Stehränge, auf denen schmucklose Kleppermäntel und breitkrempige Hüte dominierten, grau in grau. Fußball war ein Männervergnügen, bei dem es rund um das Spielfeld noch harmlos zuging. Natürlich wurden auch damals die Schiedsrichter, die wie die Torhüter Schwarz trugen, gnadenlos ausgepfiffen. Ausrufe wie "Schiedsrichter ans Telefon!" waren dabei schon Ausdruck höchster Kühnheit. Es gab noch keine Fans, aber sicher schon Fanatiker, die freilich den Gang auf den Sportplatz noch nicht als Ausflucht für Gewalt nutzten. Natürlich ging es nicht immer nur fein zu. Ein Freund der Frankfurter Eintracht mußte zum Beispiel beim Besuch am Bieberer Berg in Offenbach sicherstellen, daß er nicht beim Kickers-Anhang stand. Sonst bekam er für falschen Torjubel schnell ein paar aufs Haupt. Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen waren beim Franken-Derby im Fürther Ronhof oder im Nürnberger Zabo hilfreich. Beim Stöbern in dem ausführlichen Ergebnisteil stößt der Leser in der "ewigen Tabelle der Oberliga Süd" mit dem Spitzenreiter 1. FC Nürnberg unter den 33 Vereinen auf Exoten wie den VfL Neckarau, Bayern Hof, 1. FC Bamberg, auf FC Singen 04 oder auf die Frankfurter Vereine Rot-Weiss und FC Rödelheim. Jeder Verein ist noch einmal gesondert aufgeführt mit den einzelnen Saisonplazierungen, mit sämtlichen Trainern, Torhütern, Feldspielern ihren Geburtsdaten, der Zahl ihrer Einsätze und der Zahl ihrer Tore.

Spannend ist es, wie die Erinnerung sich verselbständigt und jeder, angestoßen durch die Lektüre, in seine eigene Fußball-Erlebniswelt jener Tage eintauchen kann. Wer seinerzeit in die Stadien des Rhein-Main-Gebiets pilgerte, der spürt wieder die Atmosphäre jener spannungsgeladenen Derbys zwischen der Eintracht und dem FSV sowie der Frankfurter Mannschaften mit den Offenbacher Kickers. Wie von selbst nehmen fast vergessene Namen wieder Gestalt an: beim FSV Figuren wie der sperrige Krone, der selbst einen Max Morlock zur Verzweiflung brachte, wie der wundervolle Techniker Richard Hermann oder der ein wenig hüftsteife, aber dennoch torgefährliche Mittelstürmer Buchenau. Ein paar Steinwürfe vom FSV-Sportplatz entfernt beeindruckte der elegante Eintracht-Spieler Alfred Pfaff, später im Europapokal zum "Don Alfredo" geadelt, der den Charakter seiner Elf als launische Diva verkörperte. Wenn er Lust hatte, konnte er brillieren, wunderschöne Pässe schlagen und von halblinks unnachahmlich Freistöße in den Torwinkel zirkeln. An heißen Sommertagen zog er sich schon einmal in den kühlenden Tribünenschatten zurück, vermochte aber dennoch mit einer einzigen Aktion ein Spiel zu entscheiden. Da inspirierten der lange Jugoslawe Ivica Horvath als offensiver Mittelläufer, der schon den Libero vorwegnahm, und der elegante Ungar Istvan Sztani das Eintracht-Spiel, in dem Richard Kreß auf rechtsaußen wirbelte.

Am Bieberer Berg zogen der kleine Rechtsaußen Berti Kraus und der Halbrechte Gerd Kaufhold virtuos ihr Kombinationsspiel auf. Helmut Preisendorfer in der Mitte sorgte für die zählbaren Erfolge. Hermann Nuber als Abwehrrecke wurde zur Symbolfigur für den Kampfgeist der Offenbacher. Unvergessen das aufregende Berliner Endspiel von 1959, in dem die Eintracht den ewigen Rivalen Kickers 5:3 nach Verlängerung besiegte.

Wer sich für den 1. FC Nürnberg begeisterte, wird an den überragenden Weltmeister Max Morlock denken, an Wenauer als Abwehrchef, an den kleinen Steff Reisch, den Antreiber im Mittelfeld, oder an den athletischen Torjäger Heinz Strehl. Die Augsburger werden wieder von "Sturmtank" Uli Biesinger und Regisseur Helmut Haller vom BCA schwärmen, die Schweinfurter von dem legendären Außenläuferpaar "Molli" Kupfer und Albin Kitzinger. Die Stuttgarter erinnern sich gerne an Barufka, an den einarmigen Nationalspieler Robert Schlienz oder an die technisch gewandten Stürmer Waldner und Geiger, die Münchner an den Wandervogel Petar "Radi" Radenkovic im Tor oder Rudi Brunnenmeier in der Sturmmitte von 1860. In Mannheim inspirieren Namen wie Keuerleber, Langlotz, de la Vigne und führen zurück zur Stuttgarter Hitzeschlacht von 1949, als der VfR die Dortmunder Borussen im deutschen Endspiel mit 3:2 bezwang. Jeder wird bedient mit Spielernamen seiner Vorliebe. Und die Bilder einer für immer vergangenen Fußballwelt kommen wieder ins Laufen.

STEFFEN HAFFNER

Besprochenes Buch: Werner Skrentny (Hrsg.): Als Morlock noch den Mondschein traf; Agon-Verlag, Kassel, 240 Seiten

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