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Töte mich

Roman. Originaltitel: Le crime du comte Neville.
Buch (gebunden)
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Die 17-jährige Tochter des Grafen Neville gibt Anlass zur Sorge. Eines Nachts läuft sie von zu Hause davon und wird im Wald halberfroren von einer Wahrsagerin aufgefunden. Als der Vater das Mädchen abholt, prophezeit ihm die Hellseherin, er werde dem … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Töte mich
Autor/en: Amélie Nothomb

ISBN: 3257069898
EAN: 9783257069891
Roman.
Originaltitel: Le crime du comte Neville.
Übersetzt von Brigitte Große
Diogenes Verlag AG

22. August 2017 - gebunden - 112 Seiten

Beschreibung

Die 17-jährige Tochter des Grafen Neville gibt Anlass zur Sorge. Eines Nachts läuft sie von zu Hause davon und wird im Wald halberfroren von einer Wahrsagerin aufgefunden. Als der Vater das Mädchen abholt, prophezeit ihm die Hellseherin, er werde demnächst einen Menschen töten. Die Tochter macht sich diese Weissagung zunutze. Sie versucht den Vater davon zu überzeugen, dass sie das perfekte Opfer ist. Ein Märchen voller böser Vorzeichen und mit einem Happyend.

Portrait

Amélie Nothomb, 1967 in Kobe, Japan, geboren, hat ihre Kindheit und Jugend als Tochter eines belgischen Diplomaten hauptsächlich in Fernost verbracht. Seit ihrer Jugend schreibt sie wie besessen. In Frankreich stürmt sie mit jedem neuen Buch die Bestsellerlisten und erreicht Millionenauflagen. Für >Mit Staunen und Zittern< erhielt sie den Grand Prix de l'Académie française. Amélie Nothomb lebt in Paris und Brüssel.
Bewertungen unserer Kunden
Ungewöhnlich
von Lea - 04.10.2017
"Töte mich" ist ein kurzer aber sehr interessanter Roman, der mich vor allem dadurch überzeugt hat, dass er so ungewöhnlich ist. Es geht hauptsächlich um Graf Neville und seine Tochter Serieuse. Der Graf ist pleite und muss sein geliebtes Anwesen verkaufen, seine Tochter macht schon seit mehreren Jahren eine sehr schwierige Phase durch. Als eine Wahrsagerin Neville voraussagt, dass er auf seiner letzten Gartenparty einen Gast töten wird, setzen sich eigenartige Dinge in Gang. Die Figuren haben interessante Persönlichkeiten. Neville ist zwar Graf, aber nur in manchen Dingen so, wie man sich einen typischen Grafen vorstellt. Serieuse finde ich eine tolle Figur, von der ich gerne noch mehr lesen würde. Ein Kritikpunkt ist für mich das Cover: Ich weiß wirklich nicht, was mir damit gesagt werden soll, das hat doch mit dem Roman überhaupt nichts zu tun (Oder mir bleibt der verborgene Sinn dahinter verborgen). Den Titel finde ich ganz gut, allerdings verspricht er mehr Thrillerstimmung, als es im Buch gibt. Der Originaltitel "Das Verbrechen des Grafen Neville" gefällt mir besser. Ich möchte nicht sagen, dass die Geschichte witzig ist, aber trotzdem muss man zwischendurch laut auflachen. Das Buch hat wirklich einen interessanten, ja fast eigenartigen Humor. Es ist gut geschrieben, sodass man schnell durch die 110 Seiten kommt. Die Autorin hat wirklich die Gabe mit wenigen Worten gute Dialoge zu kreieren und eine Geschichte zu skizzieren, für die andere bestimmt 500 Seiten gebraucht hätten. Amelie Nothomb bringt dagegen einfach die wichtigen Sachen auf den Punkt. Dieses Buch ist wirklich mal etwas anderes und besonderes, auch wenn es nur kurz ist. Aber für zwischendurch und zum Entspannen hat die Geschichte durchaus seinen Reiz und regt auch ein bisschen zum Nachdenken an.
Kurzweiliges, modernes Drama
von Jennifer Hempel - 03.10.2017
Das Erste, das mich bei diesem Buch magisch angezogen hat, ist das optisch spannend arrangierte Cover gewesen. Darauf sieht man eine Frau, die fast vollständig mit der Wandtapete im Hintergrund verschmilzt. Aber auch inhaltlich bietet das Buch der französischen Senkrechtstarterin Amélie Nothomb allerhand Ungewöhnliches. Denn Nothombs Erzählung handelt von einer lebenssatten, weil empfindungslosen 17-Jährigen, die ihren Vater bittet, sie umzubringen. Harte Kost, denkt man. Doch der erste Eindruck trügt, Nothombs Zweipersonenstück lebt von spritzigen wie literarisch anspruchsvollen Dialogen. Graf Henri Neville und seine stumme bis apathische Tochter Sérieuse eint mehr als sie trennt. Beide sind emotionale Legastheniker und lassen andere nicht gern in ihr Inneres schauen. Doch der unmoralisch-mörderische Pakt lässt Sérieuse wieder sprechen... Der klimaktische Aufbau dieser modernen Tragödie, die nur allzu gern auf antike Vorbilder (Orestie von Aischylos) Bezug nimmt, ist grandios. Hierbei überrascht vor allem das Ende, das anders als erwartet, im Stile der griechischen Katharsis, ausfällt. FAZIT Modernes Drama mit Biss und viel Fabulierkunst. Lohnenswerte 111 Buchseiten.
Donjuanismus der Aristrokratie
von claudi-1963 - 23.09.2017
Es ist in der Tat notwendig, entweder in aller Öffentlichkeit zu töten oder zuzugeben, daß man sich nicht berechtigt fühlt zu töten. (Albert Camus) Als die 17-jährige Sérieuse sich eines Nachts aus dem Hause schleicht und davon läuft, wird sie halb erfroren von der Wahrsagerin Madame Portenduére gefunden. Diese ruft umgehend bei Sérieuses Eltern an und der Graf holt seine Tochter ab. Das Gespräch mit Madame Portenduére endet in dem sie dem Grafen voraussagt, dass er bei seinem nächsten großen Empfang einen Gast töten wird, aber alles gut ausgehen wird. Der Graf weist diese Prophezeiung erst weit von sich, da er der Frau nicht glaubt, aber die Worte lassen ihn nicht mehr los. Er überlegt, wen er töten könnte und welche Konsequenzen dies für ihn und seine Familie hätte. Doch da unterbreitet seine Tochter Sérieuse die merkt, wie ihr Vater leidet, das es das beste wäre, sie zu töten. --- Meine Meinung: Für mich war es das erste Buch von der Autorin Amélie Nothomb gewesen. Ich war erstaunt was für ein kurzes aber literarisches Meisterwerk sie hier dem Leser präsentiert. Durch Rückblenden macht der Leser erst noch eine Reise in die Vergangenheit des Grafen Neville. Man erlebt wie es dem Adel erging und was für Nöte die Familie damals erleiden musste. Unter anderem das die Garden Party auf Le Pluvier schon von jeher immer ein großes Ereignis war. Wir erleben aber auch den wunderbaren Dialog zwischen Vater und Tochter, der mich entsetzt und sehr erstaunt hat. Vor allem der Vorschlag der Tochter, die mit ihrem Leben unzufrieden ist und keinen besseren Ausweg findet, als das der Vater sie töten soll. Doch Amélie Nothomb hat für den Leser in dieser Art Märchen eine wunderbare Wendung mit eingeflochten, die mich sogar schmunzeln hat lassen. Wer in 110 Seiten so eine Geschichte schreibt, der ist eine wahre Meisterin der Wörter, Chapeau. Ich kann es nur jedem ans Herz legen, wer gerne ironische, makabere und spitzfindige Geschichten liebt, der sollte es lesen. Das Cover ist dagegen wieder sehr speziell, wie oft beim Diogenes Verlag. Von mir gibt es 5 von 5 Sterne für dieses grandiose Werk.
Gutes Thema, kurze Abhandlung
von butterblume76 - 12.09.2017
Ein gutes Thema, ein schöner Schreibstil, aufwühlende Fragen, aber leider nicht zu Ende gedacht. Zentrale Fragestellungen werden nur kurz angeschnitten. Ein etwas umfangreiches Buch zu dieser Geschichte wäre schön gewesen.
Zauberhafter Roman
von D. Brown - 31.08.2017
Amelie Nothomb ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Sie schreibt über die Dinge des Lebens mit einer Leichtigkeit und Humor und dennoch mit Tiefe. Dies ist ihr mit "Töte mich" wieder aufs Neue gelungen. Serieuse die jüngste Tochter des Grafen Neville kann ihre Emotionen nicht fühlen. Das führt dazu, dass sie sich in zuweilen lebensgefährliche Situationen begibt um sich wieder zu spüren. Mit siebzehn kann das schon vorkommen beruhigt sie ihr Vater, der sie sehr liebt. Doch eines Tages wird sie von der Wahrsagerin des Ortes in dem sie lebt nachts im Wald entdeckt, als sie frierend dort zu schlafen versucht. Die Dame nimmt sie mit zu sich nach Hause und zitiert den Grafen zu sich um seine Tochter abzuholen. Dabei sagt sie ihm voraus, dass er bei der jährlichen Gartenparty im Schlosspark, einen seiner Gäste töten wird. Nun entwickelt Serieuse die Manie, dass ihr Vater doch am besten sie töten sollte, da sie ohnehin lebensmüde sei weil sie nicht mehr fühlen könne. Der Graf ist entsetzt und versucht nun alle Möglichkeiten auszuschöpfen seinem Schicksal zu entgehen und das Leben seiner Tochter zu schonen. Doch es kommt ganz anders als gedacht. Die Wahrsagung erfüllt sich zum Glück aller Beteiligten mit weitreichenden Konsequenzen, die u. a. die drohende Pleite des Grafen, und den damit verbundenen Verkauf des Schlosses und Familiensitzes verhindern werden. Ein zauberhaftes kleines Buch ist der Autorin da wieder gelungen.
Märchenhaft
von Marianne - 30.08.2017
Eine märchenhafte Erzählung über eine Vater-Tochter Beziehung und über die Entscheidung eines verarmten Adligen Nachteile in Kauf zu nehmen, um seinen Werten treu zu bleiben. Diese Erzählung beginnt mit dem Besuch des Vaters bei einer Wahrsagerin - nicht weil er ihren Rat sucht, sondern weil diese seine Tochter in einer kalten Nacht im Wald gefunden hat. Die Tochter war einst glücklich und lebensfroh, aber durch ein dem Leser unbekanntes Ereignis verlor sie die Fähigkeit zu fühlen. Weder Angst noch Freude, Sorgen noch Liebe kann sie spüren. Die Nacht im Wald war ein misslungener Versuch wieder etwas zu fühlen. Die Wahrsagerin sagt dem Vater, dass er bei seinem nächsten Fest eines seiner Gäste töten wird. Darüber ist der Vater in großer Unruhe, denn Gastfreundschaft ist für ihn ein großer Wert. Er überlegt hin und her ob er wirklich eines seiner Gäste töten soll, da bettelt die Tochter ihren Vater an, dass er sie tötet, denn wegen ihrer fehlenden Emotionen, hat sie keine Freude am Leben. Wird er es tun? Die schlichte Sprache dieser Erzählung passt sehr gut zur Handlung. Die Charaktere werden lebendig, und der Leser bangt mit, denn wie kann ein Vater seine Tochter töten, selbst wenn es ihr eigener Wunsch ist? Nebenbei erfährt der Leser auch einiges über den Wert wahrer Gastfreundschaft, und dass es sich lohnt seinen Prinzipien treu zu bleiben.
Umwerfend makabrer Humor
von bücherbelle - 27.08.2017
"Du hast viel dazu beigetragen, dass ich auf der Welt bin. Es wäre nur gerecht, wenn du sie auch von mir befreist." (S. 66) Zusammenfassung. Eine üble Prophezeiung, eine finanzielle Notlage, die den Auszug aus dem Familienschloss erzwingt, und dann auch noch die Marotten seiner etwas speziellen jüngsten Tochter: Graf Neville hat es gar nicht so leicht. "Töte mich" ist ein kurzer, leichter Roman über alles, was passieren könnte, und erzählt unaufgeregt eine spannende Geschichte, die mit makabrem Humor gespickt ist. Erster Satz. Wäre ihm prophezeit worden, dass er einmal zu einer Wahrsagerin gehen würde, Graf Neville hätte es nicht geglaubt. Cover. Der geschätzte Diogenes-Verlag ist in seiner Covergestaltung ja grundsätzlich mutig. Mir jedoch gefallen die meisten seiner Schöpfungen, und so hat auch das in diesem Fall verwendete Foto in meinen Augen einen ganz eigenen Charme - aber den hat das Buch selbst schließlich auch! Inhalt. Es ist ja nicht viel Buch, das uns Nothomb hier vorsetzt, aber das lässt sich dafür an einem Stück weglesen und besticht durch wundervoll makabren Humor und intelligenten Stil. Als etwas anstrengend (das habe ich allerdings erst beim Vorlesen bemerkt) könnte man die langen Dialoge empfinden, das hat aber nicht tiefgreifend gestört und tat vor allem meiner Begeisterung nicht den geringsten Abbruch. Personen. Der Graf ist ein charmanter Zeitgenosse, seine Frau scheint beinahe elfengleich, die beiden älteren Kinder wahre Wunderwerke und die jüngste Tochter so herrlich in pubertärem Trübsinn versunken, dass man sie einfach gernhaben muss. Mein Highlight bei den Charakteren jedoch ist es, dass so viel mehr hinter jeder einzelnen Figur steckt als im Buch tatsächlich ausgeführt wird. Da gelingt es Nothomb sehr gut, sich auf das Wesentliche zu beschränken und trotzdem tiefgehende Persönlichkeiten zu erschaffen. Lieblingsstellen. "Immer war da diese Festung aus Eis zwischen mir und mir." (S. 71) "In jedem anständigen Roman muss ein Gewehr, wenn es erwähnt wird, auch zum Einsatz kommen." (S. 109) Fazit. Eigentlich ist das Wichtigste zum Buch kurz gesagt: Es macht Spaß, es zu lesen, die Figuren sind etwas kauzig und verschroben, doch zugleich so unheimlich sympathisch, und ich habe so häufig laut aufgelacht wie lange nicht mehr. Selbst der Freund, dem ich zunächst nur eine kurze Passage vorlas, wollte gar nicht aufhören, zuzuhören, und das soll schon etwas heißen!
von Maya Wagner - 27.08.2017
Der Graf Neville erhält von einer Wahrsagerin die Prophezeihung, dass er auf der nächsten Party, die er als Gastgeber geben wird, einen seiner Gäste töten wird. Während der Graf sich nun das Hirn zermartert, welchen seiner Gäste er am ehesten den Tod wünscht, macht ihm seine lebensüberdrüssige jüngste Tochter das ungewöhnliche Angebot und bietet sich selber als Opfer an. Man mag die Erzählweise der Autorin, so wie ich, oder man mag sie einfach nicht. Daher gibt es kaum Leser, die die Bücher von Nothomb kalt lassen. Auch hier haben wir auf knapp über 100 Seiten skurrile Charaktere, ein interessantes Setting, eine noch skurrilere Geschichte, intelligente Dialoge und ein Nothombtypisches überraschendes Ende. Amelie Nothomb schreibt bitterböse, scharfzüngig und mit einem fast diabolischen Blick auf ihre Figuren. Fantastisch.
Das Verbrechen des Grafen Neville
von cosmea - 26.08.2017
In Amélie Nothombs "Töte mich" ("Le crime du comte Neville") geht es um den Grafen Henri Neville und seine Familie, bestehend aus seiner Frau Alexandra und den Kindern Oreste, Electre und Sérieuse. Eines Tages verbringt die 17jährige Sérieuse die Nacht im Wald, wo sie von der Wahrsagerin Rosalba Portenduère gefunden wird. Als Graf Henri seine Tochter abholt, muss er sich nicht nur die Vorhaltungen von Madame Portenduèrre anhören, sondern erfährt auch, dass er bei dem in Kürze stattfindenden großen Fest einen Gast ermorden wird. Die Garden Party wird das letzte gesellschaftliche Ereignis sein, bevor der hoch verschuldete Graf sein Schloss Le Pluvier in den belgischen Ardennen verkaufen und in eine einfache Behausung auf dem Grundstück ziehen wird. Serieuse drängt ihren Vater, sie zu töten, weil sie nichts mehr fühlt und des Lebens überdrüssig ist. Graf Henri ringt mit sich, ob er seine Tochter oder einen missliebigen Gast töten soll. Letzteres scheidet aus, weil ein vorsätzlicher Mord an einem Gast ihn ins Gefängnis bringen und das Ansehen seiner Familie für immer zerstören würde. Am Ende kommt alles natürlich anders gedacht. Amélie Nothomb siedelt ihren Roman in einem dekadenten Milieu an, wo nichts wichtiger ist, als den Schein zu wahren. Das ganze Jahr über wird eisern gespart, um einmal im Jahr alles, was Rang und Namen hat, zu einem glanzvollen Fest einzuladen. So hat es schon Henris Vater Aucassin gehalten, der seine Familie hungern und frieren ließ, so dass Henris geliebte ältere Schwester an Unterernährung starb. Manches ist dem Leser aus früheren Romanen vertraut, zum Beispiel die ausgefallenen Namen, bizarre Charaktere und groteske Elemente im Handlungsverlauf. Es gibt nichts wirklich Neues. Dieser Roman ist sicher nicht ihr bester. Mir haben ihre frühen Romane wesentlich besser gefallen, z.B. "Stupeur et tremblements". Einmal mehr ist mir im Übrigen klar geworden, wie viel bei der Übersetzung verloren geht. Als der Vater den Vorschlag der Tochter, sie als Opfer zu wählen, nicht ernst nimmt, sagt sie vermutlich "Je suis sérieuse" - "Ich meine es ernst." (S. 64). Der Doppelsinn "Ich bin Sérieuse" geht verloren. Die Antwort des Vaters "Und machst auch noch billige Witze" muss dem deutschen Leser ziemlich rätselhaft vorkommen. Ich empfehle "Töte mich" nur bedingt. Wirklich überzeugt hat mich der Roman nicht.
Mord oder nicht Mord
von Pseudo - 24.08.2017
Schon das Cover entbehrt nicht einer gewissen Komik. Die Frau ist fast unsichtbar, verschmilzt mit ihrer Umgebung. Man muss schon zweimal hinsehen. Was der Satz der Wahrsagerin Sie werden einen Gast töten nicht alles auslöst. Wobei die Tatsache an sich gar nicht erst in Zweifel gezogen wird. Es wird so sein, Punkt. Nun beginnen die Überlegungen, wen könnte man töten, wer hätte es verdient und wie macht man es am besten? Das Büchlein liest sich sehr flott weg. Zum einen fesselt einen die Frage, wird er wirklich jemanden töten, zum anderen ist es aber der sehr schöne Schreibstil. Das Buch ist sehr schön aufgebaut und der Leser wird gut durch das selbige geführt. Es ist wirklich lesenswert.
Ein Nothomb enttäuscht mich einfach nie!
von Anonym - 24.08.2017
Spitzzüngig, schwarzhumorig, bitterböse, düster, spannungsgeladen, tiefgründig, klug, metaphorisch - das sind alles Eigenschaften, die einen Nothomb für mich beschreiben und mit denen die Autorin sich in die Riga meiner Lieblingsautoren längst eingereiht hat. Genau deshalb war "Töte mich" (erschienen 2017) für mich selbst auferlegte Pflichtlektüre. Worum geht es? Eine Inhaltsangabe wäre bei einem knapp über 100 Seiten starken Buch wahrscheinlich zu viel des Guten und ich denke sowieso, dass man Amélie Nothomb relativ unvoreingenommen lesen sollte. Es geht um sich selbst erfüllende Prophezeiungen, um den Adel, dessen einziges Bestreben darin zu liegen scheint, eine gesellschaftlich auferlegte Etikette zu wahren und sich damit selbst zu Grunde richtet und es geht um Emotionen, allerdings vermutlich in einem anderen Sinne, als man es sich bei dieser Beschreibung vorstellen würde. Es ist wieder mit messerscharfen Dialogen zu rechnen, mit makabren Wendungen und Charakteren, die, da überspitzt dargestellt, die Thematik sehr "besonders" machen. Kurzum: Ein Nothomb hat mich nie enttäuscht. Manche gefielen mir besser als andere, aber im Grunde wurde meine Zeit immer bereichert. Genau das ist auch von "Töte mich" zu erwarten, das hoffentlich einigen Lesern auf die Füße tritt.
Modernes Märchen
von Readaholic - 23.08.2017
"Töte mich" von Amélie Nothomb liest sich wie ein modernes Märchen. Es geht um die Familie des Grafen Neville. Die beiden älteren Kinder, Oreste und und Électre, sind so schön und begabt, dass sie aufgrund ihrer Vollkommenheit keinen Partner finden, während die Jüngste, Sérieuse, ihrem Namen (die Ernste) alle Ehre macht und mit ihren 17 Jahren keinen Spaß am Leben hat. Sie beschließt, die Nacht im Wald zu verbringen, weil sie ausprobieren will, ob diese Erfahrung Gefühle in ihr weckt. Dort wird sie allerdings mitten in der Nacht von der Wahrsagerin Rosalba gefunden, die sie mit nach Hause nimmt und am nächsten Morgen den Grafen benachrichtigt. Rosalba ermahnt den Grafen, sehr zu dessen Missfallen, sich besser um Sérieuse zu kümmern und gibt ihm die ungebetene Weissagung auf den Weg, dass er auf dem in wenigen Tagen stattfindenden Empfang auf dem Schloss einen Gast töten wird. Obwohl Neville nicht viel von Rosalba hält, versetzt ihn die Vorstellung, jemanden zu töten, in Angst und Schrecken. Er fängt an, sich Gedanken zu machen, wer seiner Gäste das beste Opfer wäre, denn er ist der festen Überzeugung, dass er diesem Schicksal nicht entgehen kann. Sérieuse, die dem Leben sowieso nichts abgewinnen kann, bittet ihn, sie zu töten... "Töte mich" ist voller hintergründigem Wortwitz und Anspielungen, es macht viel Vergnügen, den wortgewandten Schlagabtausch zwischen den einzelnen Personen zu lesen. Obwohl die Geschichte so skurril ist, dass sie mit der Realität wenig zu tun hat - welcher Vater überlegt sich ernsthaft, dem Wunsch seiner jüngsten Tochter zu entsprechen und sie umzubringen? - macht es Spaß, sie zu lesen. Im Übrigen ist sie auch ganz hervorragend aus dem Französischen übersetzt. Was mir auch richtig gut gefällt, ist das Cover: eine junge Frau, deren Kleid und Kopftuch dasselbe Muster wie die Stofftapete hat, vor der sie steht, und die somit fast mit dem Hintergrund verschmilzt. Bis auf ein paar Längen - den Dialog zwischen dem Grafen und Sérieuse, in dem sie ihn davon überzeugen will, sie zu töten, fand ich sehr ermüdend - hat mir das Buch gut gefallen. Auf jeden Fall ist es ein Buch, das aus der Masse hervorsticht!
Töte mich
von Miss.mesmerized - 23.08.2017
Jugendlicher Leichtsinn oder doch ein Zeichen für ihren schlimmen Zustand? Der Graf Neuville muss seine Tochter Sérieuse bei einer Wahrsagerin abholen, nachdem diese das Mädchen völlig durchgefroren nachts im Wald auffand. Zum Abschied prophezeit sie dem Vater, dass er bei einem Empfang einen seiner Gäste töten werde. Die beeindruckt Neuville zunächst nur mäßig. Geldsorgen plagen ihn und am 4. Oktober 2014 wird seine letzte große Garden Party im Château du Pluvier steigen, bei der alles perfekt sein muss. Danach wird das Schloss veräußert und die Familie sich in ein kleineres Domizil zurückziehen. Doch die Voraussagungen der Frau lassen ihm keine Ruhe. Vielleicht wäre es besser, sich auf das Ereignis vorzubereiten. So beschließt er eine Liste derjenigen Gäste zu machen, der Tod nicht nur verzeihlich, sondern sogar wünschenswert wäre. Bald hat er auch einen passenden Kandidaten ausgemacht. Doch dann überrascht ihn Sérieuse mit einem Vorschlag: er solle sie doch töten. Seit fünf Jahren bereits ist sie unglücklich und hat den Eindruck, nie mehr etwas fühlen zu können. Der Tod wäre eine Erlösung und durchaus in klassischer Tradition und somit verzeihlich. Wie kann der Graf aus dieser unsäglichen Geschichte entkommen? Amélie Nothombs aktueller Roman ist ein herrliches Spiel mit den Klassikern der Literatur. Sie macht sich gar nicht erst die Mühe, dies groß zu verschleiern, sondern spielt ihre Persiflage en détail aus. Der verarmte Graf, geradezu ein Musterbeispiel einer Figur, die gerade zu der Commedia dell¿arte entsprungen sein könnte in ihrer Schablonenhaftigkeit und Eindimensionalität der verarmten Noblesse. Er weiß um die Konventionen und was man von ihm erwartet und zelebriert die Kunst des Gastgebens in extremo, so dass diese Absurdität kaum mehr zu überbieten ist. Seine Kinder nennt er Oreste und Électre - beide schuldig gewordene Figuren der griechischen Mythologie, doch er schreckte davor zurück die Jüngste nach Iphigénie zu benennen, die durch die Hand des Vaters starb - doch wo endet er? Genau wie Agamemnon sieht er sich schon als Kindsmörder. Doch auch der Grundkonflikt ist ohne Verschleierung übernommen, die Autorin treibt ihren Spaß sogar so weit, dass sie Neuville die Geschichte Oscar Wildes um das Verbrechen von Lord Arthur Savile lesen lässt, dem von einem Wahrsager ein Mord angekündigt wurde. Ob er in Anbetracht der Hiobs-Botschaft zum Mörder zu werden wohl in der Bibel Trost und Hilfe finden kann? Hätte sie ihren Roman in fünf Akten geschrieben, er wäre in bester Tradition sehr gut auf der Bühne aufgehoben gewesen. Doch auch zu lesen macht eine herrliche Freude nicht nur ob der zahlreichen Anspielungen und Figuren, sondern auch die gelungenen Formulierungen sind ein Genuss: Neuville weiß um seinen Status und seine Perfektion als Gastgeber: "Ich bin der letzte Vertreter dieser altmodischen Höflichkeit und exquisiten Kunst des Zusammenseins. Nach mir wird es nur noch Events geben." Und Kritik an der Namensgebung seines Nesthäkchens weist er deutlich von sich und verweist darauf, dass "Ernest" auch nichts Anderes bedeute als Sérieuse, die zwar selbst auch nicht hübsch, aber wenigstens bezaubernd sei und damit nicht wie ihre Eltern einen Namen wie "Hinz und Kunz" trage. Ein kurzer Spaß, der in der französischen Ausgabe mit dem Satz « Ce qui est monstrueux nest pas nécessairement indigne. » begleitet wird. Nur weil etwas monströs ist, muss es nicht würdelos sein. Die Figuren wahren den Schein und die Contenance. Der Leser bekommt ein riesiges Bouquet, in dem er vieles wiederkennen kann oder an dessen äußerer Erscheinung er sich einfach erfreut.
Ein typischer Nothomb
von Anne - 22.08.2017
Klappentext: Die 17-Jährige Tochter des Grafen Neville gibt Anlass zur Sorge. Eines Nachts läuft sie von zu Hause davon und wird im Wald halberfroren von einer Wahrsagerin aufgefunden. Als der Vater das Mädchen abholt, prophezeit ihm die Hellseherin, er werde demnächst einen Menschen töten. Die Tochter macht sich diese Weissagung zunutze. Sie versucht den Vater davon zu überzeugen, dass sie das perfekte Opfer ist. Ein Märchen voller böser Vorzeichen und mit einem Happyend. Dies ist wieder ein "typischer" Nothomb, zumindest für mein Empfinden. Bezüglich des Inhaltes lässt sich dem Klappentext kaum noch etwas hinzufügen, ohne zu spoilern. Die Geschichte beginnt damit, dass Graf Neville seine Tochter von der Wahrsagerin abholt und dort unfreiwillig seine Weissagung bekommt. Allein hier sind schon so dynamische Dialoge zu finden, dass es dem Leser sehr leicht fällt, in die Geschichte reinzukommen. Man bekommt anfangs, auch durch das Urteil der Wahrsagerin das Gefühl, dass der Graf und seine Tochter eine sehr kalte Beziehung zueinander haben. Allerdings wird schnell deutlich, dass die beiden ein sehr gutes Verständnis für den jeweils anderen haben, hier wird eine sehr interessante Beziehung beschrieben. Auch interessant, jedoch für mein Empfinden etwas merkwürdige Beziehungen führen die drei Kinder des Grafen untereinander. An dieser Stelle fand ich es etwas schade, dass diese nur leicht angeschnitten wurde. Das Augenmerk liegt jedoch auf dem Grafen und seiner Tochter und ob sie es schafft, ihn zu überzeugen sie zu töten. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Das lag zum einen an seiner überschaubaren Länge von 111 Seiten, zum anderen an der spannenden Thematik. Auch die rasanten und wirklich großartigen Dialoge tun ihr übriges um den Lesefluss noch zu verbessern. Ein tolles Buch, für Nothomb-Fans ein Muss ;)
Ein opernhaftes Märchen
von jewi - 20.08.2017
Belgien, 2014. Der Grafenfamilie Neville ist das Geld ausgegangen, eine Gartenparty soll die letzte ihrer Art sein, bevor das Schloss in dem die Familie lebt verkauft wird. Graf Henri Neville holt einige Abende vor diesem Ereignis seine 17-jährige Tochter Sérieuse (was für ein Name!) von einer Wahrsagerin ab, da diese seine Tochter vor dem Erfrieren gerettet hat. Die Wahrsagerin weissagt dem Grafen, dass er auf seiner Gartenparty einen Gast ermorden wird. Für dieses "Problem" stellt sich seine melancholische Tochter zur Verfügung und versucht im Laufe des Buches, ihren Vater für ihren Plan zu gewinnen. Der Titel "Töte mich" lässt auf ein Drama oder Thriller schließen, der Roman entpuppt sich jedoch als sehr launiges, witziges opereskes Märchen. Amélie Nothomb verwebt viele Verweise auf klassische Literatur und die Erzählungen aus der Antike in ihrem 112-seitigen Buch. Beispielsweise heißen Sérieuse Geschwister Oreste und Électre (Elektra und Oreste töteten in der griechischen Mythologie ihre Mutter und sind die Geschwister von Iphigenie). Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Sérieuse eigentlich Iphgenie hätte heißen müssen, um das Geschwistergespann aus der Sage zu ergänzen. Oreste und Électre sind im Gegensatz zu Serieuse schön, charismatisch und fröhlich. Trotzdem haben sie Schwierigkeiten bei der Partnerwahl, dessen Grund eins meiner Liebsten Zitate aus dem Buch darstellt: Wenn er eine junge Frau ansprach, wurde sie auf der Stelle blöde, entweder weil sie nie anders gewesen war oder weil sein Ruhm sie einschüchterte. (S. 52) Die Wortgefechte zwischen Vater und Tochter machen Spaß und haben auch beim Rezitieren in meinem Umfeld für einige Lacher gesorgt. Der Graf versucht alles, um seinem durch die Wahrsagerin prophezeiten Schicksal zu entfliehen und zögert auch nicht, nach einem Präzedenzfall in der Geschichte der Adelsfamilien zu suchen. "Du bist wirklich lustig, Papa. Genauso wie dein Bedürfnis nach einem Präzedenzfall. Warum muss es denn unbedingt einen geben?" - "Weil das eins der Prinzipien aristokratischen Handelns ist: Man lässt sich von den Taten seines Ahnen inspirieren." (S. 94) Das Buch erinnert sehr an die Handlung von komischen Opern und ist für alle Liebhaber dieser Gattung eine klare Empfehlung!
Auswirkungen einer Prophezeiung
von Nela - 19.08.2017
Graf Neville hat einige Sorgen. In wenigen Wochen wird er sein Schloss verlieren, eine Wahrsagerin prophezeit ihm, dass er während der letzten Garden Party einen Gast ermorden wird, und zu allem Übel stellt sich seine jüngste Tochter Sérieuse freiwillig als Opfer zur Verfügung. Ja, sie fleht ihn geradezu an, sie zu töten. Der Beginn dieses Buches hat mich sofort fasziniert. Ich fand die Sprache toll und man ist natürlich gespannt, was im weiteren Verlauf geschieht. Der Mittelteil hat sich anders entwickelt als gedacht, hat mir aber trotzdem gefallen. Der Leser erfährt viel über den Grafen, der die kommende Party über alles hebt, sowie seine Vergangenheit. An der einen oder anderen Stelle hätte sicher die Möglichkeit bestanden, etwas mehr in die Tiefe zu gehen. So ist das Buch in 2 Stunden gelesen. Manchmal war ich unsicher, ob mir das Buch wirklich gefällt oder habe etwas mit der Ausdrucksweise der Autorin gekämpft und musste einen Satz zweimal lesen. Das Ende kam für mich etwas zu schnell und zu süß (im Klappentext wird bereits ein Happyend erwähnt, daher ist dies kein Spoiler). Alles in allem hat mir das Buch trotz der Kritikpunkte sehr gut gefallen. Ist es ein Märchen, ist es Satire? In jedem Fall gehobene Literatur, ungewöhnlich und lesenswert.
Bissig
von buchverrückt - 18.08.2017
Das Buch "Töte mich" von Amélie Nothomb handelt vom Grafen Neville, dem eine Wahrsagerin verkündet, dass er auf seinem Gartenfest eine Person töten wird. Der Roman beginnt bei der Wahrsagerin, da diese die Tochter des Grafen im Wald gefunden hat. "Auf Ihrem Fest werden Sie einen Gast töten". Diese Aussage der Wahrsagerin erzeugt bereits nach wenigen Seiten Spannung, während des gesamten Buches fragt sich der Leser immer wieder, wer wohl das zukünftige Opfer sein wird. Die Wahrsagerin wirkt unsympathisch und arrogant. Der Graf verkörpert einen typisch adligen Snob. Der Sprachstil des Buches ist bissig. "Doch die Vorstellung, dass er einen seiner Gäste töten könnte, entsetzte Neville. Das machte man nicht¿" Solch brillant-zynische Sätze findet man durchgehend im Buch. Schon früh erfährt man, dass die Fassade des Grafen bröckelt, das Fest wird das letzte sein, da die Familie vor dem Bankrott steht. Die Gartenpartys verkörpern den Inbegriff von Luxus, aber auch bittere Armut. Der Graf musste als Kind hungern, macht die Feste sogar mitverantwortlich für den frühen Tod seiner Schwester. Trotzdem hält er an dieser Tradition fest. Der Graf wirkt sympathisch und herrlich altmodisch, wenn er beispielsweise aufgebracht zum Briefbogen greift und das im Jahr 2014. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie werden die Gäste der Party als geschminkte Greise und lärmende alte Fregatten bezeichnet. Der alte Adel wird hier nicht verschont mit bissigen Kommentaren. Graf Henri habe ich zu Beginn des Buches unterschätzt, er ist herrlich sarkastisch und unterhaltsam, besonders als er einen Plan ausarbeitet, um der Prophezeiung vorzugreifen. Seine Tochter Serieuse wächst dem Leser schnell ans Herz, sie ist überaus intelligent, aber auch sehr traurig und tragisch in ihrer Person. Sprichwörtliches Genie und Wahnsinn liegen hier nah beieinander. Bei ihr ist der Name Programm, sie schlägt sich selbst als Opfer vor, da sie mit ihrer wachsenden Depression sowieso kein Verlust für die Gesellschaft ist. Das Buch ist tiefgründig und anspruchsvoll, gespickt mit herrlich bissigem Witz. Die Vater-Tochter-Dialoge sind ein wahrer Lesegenuss und das Ende ist zwar nicht gänzlich unerwartet, aber trotzdem sehr gut. Leider ist das Buch mit seinen 110 Seiten viel zu kurz geraten.
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