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Stasiland

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Anna Funder ist Archäologin. Ihre Grabungsstätte ist die deutsche Vergangenheit.

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Schicht für Schicht befreit sie uns vom verklärenden Ostalgie-Müll. Trägt schonungslos Verkitschungs-Staub wie "Goodbye Lenin" ab. Anna Funder gräbt tiefer. Wer könnte … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Stasiland
Autor/en: Anna Funder

ISBN: 3434505768
EAN: 9783434505761
Übersetzt von Harald Riemann
Europäische VA , Hamburg

März 2004 - gebunden - 350 Seiten

Beschreibung


B
Anna Funder ist Archäologin. Ihre Grabungsstätte ist die deutsche Vergangenheit.

S
Schicht für Schicht befreit sie uns vom verklärenden Ostalgie-Müll. Trägt schonungslos Verkitschungs-Staub wie "Goodbye Lenin" ab. Anna Funder gräbt tiefer. Wer könnte das besser als diese junge Australierin?
Unbelastet von Geschichte, von Erinnerung, von irgendeiner Ost-West-Ideologie befragt sie Opfer und Täter, Mitläufer, Kollaborateure, Agenten, Widerstandskämpfer und Helden und schreibt ihre Geschichten auf, voll Staunen und Anteilnahme. So wie die von Miriam, die als 16jährige in die Fänge der Stasi geriet - Geschichten, die nicht mehr loslassen.
"Stasiland" ist eines der mutigsten, ehrlichsten Bücher zum Thema, ein dringend notwendiges Buch über ganz Deutschland, das den Weg zur unverstellten Erinnerung öffnet und frei macht zu einer neuen Diskussion.

Portrait

Anna Funder, geb. 1966 in Melbourne/Australien, studierte in Melbourne und an der FU Berlin. Sie arbeitet als Rechtsanwältin und als Dokumentarfilmerin und lebt heute in Sydney.

Pressestimmen

Anna im Stasiland
Die Australierin Anna Funder guckte sich im alten und neuen Berlin um und bietet nun ihre Deutung
Von Cosima Lutz Australierin besucht Berlin. Sie wandert durch den vermauerten Osten, betrachtet die neue Mitte und die zwiespältige Gegenwart. Vier Mal, von 1987 bis 2000, suchte und fand die Schriftstellerin Anna Funder hier die Spuren eines Überwachungsstaates, Bruchstücke von Liebesgeschichten, demontierte Denkmäler. Sie traf Täter und Opfer, und sie fand schöne Vokabeln. Hob sie auf wie Kieselsteine von einem lieb gewonnenen Strand. Worte wie "Weltanschauung, Schadenfreude, Sippenhaft" oder wie "Sonderweg, Scheißfreundlichkeit, Vergangenheitsbewältigung". Jetzt stellte sie im Australia Centre "Stasiland" vor - ihr erstes Buch.
Uber die Kieselsteine "literarische Vergangenheitsbewältigung" und "Stasi-Buch" wurde in Berlin schon viel gestolpert und gestritten. Die frühere Gauck-Behörde und der Historiker Hubertus Knabe entzweiten sich über dessen Buch "Der diskrete Charme der DDR", das im vergangenen Sommer heraus kam. Knabe, ehemaliger Gauck-Mitarbeiter, musste einige Passagen, in denen es auch um Stasi-Spitzel ging, streichen. Und erst in diesem Jahr erschien "Die Sicherheit: Zur Abwehrarbeit des MfS": Zwölf Jahre nach dem Ende der DDR äußerten sich erstmals 20 Stasi-Generäle und Oberste, darunter Stellvertreter Mielkes, zu ihrer Geheimdiensttätigkeit.
Ehemalige DDR-Bürgerrechtler reagierten empört auf die Veröffentlichung, auch die Stasi-Akten-Behörde sprach von einem nachträglichen Rechtfertigungsversuch der Unterdrückung durch den Mielke-Apparat. Joachim Walther, Verfasser des 1999 erschienenen Standardwerks "Sicherungsbereich Literatur', nannte das Buch schlichtweg "zynisch".

Und dann kommt eine 35-jährige Blondine aus dem femen Australien, sieht sich in der Hauptstadt um und schaltet in der "Märkischen Allgemeinen" frech eine Anzeige: "Suche: ehemalige Stasi-Offiziere und Inoffizielle Mitarbeiter zwecks Interview. Veröffentlichung auf Englisch, Anonymität und Diskretion garantiert." Sie trifft sich mit Stasi- Opfern und -Helfem, Prominenten und namenlosen Verlierem und bietet dem englischsprachigen Publikum ihre ganz eigene Deutung von diesem "StasiLand" an.

Frechheit siegt, möchte man sagen. Aber ganz so einfach hat es sich die in Melbourne geborene Juristin, die Deutsch studierte und an der FU Stipendiatin war, denn doch nicht gemacht. Sie würde es wohl nicht wagen, ihr von berührenden wie gewitzten Episoden durchzogenes, .dabei wie ein Roman durchkomponiertes Buch als "Sachbuch" zu bezeichnen, hätte sie nicht gründlich recherchiert und ihre Quellen ausführlich dargelegt. Dennoch genehmigt sie sich die Subjektivität einer Reporterin, vertraut vielsagenden Details und simplen Alice-im- Wunderland-Fragen wie "warum?" oder "warum nicht?", mit denen sie etwa Karl-Eduard von SchnitzIer zur Selbstdemontage reizt.

Zu allgemeinen Mentalitäts-Kollisionen sei es aber nicht gekommen. "Im Gegenteir', sagt Anna Funder in akzentfreiem Deutsch. "Australien und Ost-Beriin haben vieles gemeinsam. In Australien haben wir auch immer das Gefühl, am Rande von etwas viel Wichtigerem zu sein. Dass das wahre Leben ganz woanders stattfindet." An Rande der Welt also, dort, wo die Menschen im Mittelalter einst die Monster wähnten, mit einem Kopf oder einer Lüge zuviel.

Gegen eine Veröffentlichung auf Deutsch habe sie gar nichts. Der Kontakt zu renommierten Verlagen sei vorhanden, jedoch begegne man dem Werk noch mit Vorbehalten. 'Verstehen kann ich das nicht", sagt sie. "Zumal gleichzeitig betont wird, dass ,Stasiland' das beste ausländische Berlin-Buch sei." Dabei dürfte ihr ungetrübter und zugleich nie sensationsheischender Blick gerade in Deutschland angenehm auffallen. "Mein Buch ist so wahr wie die Geschichten, die man mir erzählt haft, lächelt sie. Funder begegnet Berlin gütig und kritisch wie eine entfemte Verwandte, die der alten Tante den Puls fühlt, ihre "Berlin snouf', die Berliner Schnauze, abgöttisch liebt - und manchmal einfach nur den Kopf schüttelt, der voller böser, kluger Witze steckt. Bleibt zu hoffen, dass sich ein deutscher Verlag des Buches annimmt.

© Cosima Lutz, Die Zeit

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