Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet als Buch
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Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet

Erzählungen. Originaltitel: Je voudrais que quelqu'un m' attende quelque part. 12. Auflage.
Buch (gebunden)
Sie haben Ihr erstes Date und es verläuft fabelhaft, bis sein Handy klingelt. Er geht nicht dran, aber während er Ihnen in den Mantel hilft, wirft er einen verstohlenen Blick auf das Display. Der Mann ist passé. Gavaldas Geschichten zeigen das Mensch … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet
Autor/en: Anna Gavalda

ISBN: 3446201300
EAN: 9783446201309
Erzählungen.
Originaltitel: Je voudrais que quelqu'un m' attende quelque part.
12. Auflage.
Übersetzt von Ina Kronenberger
Hanser, Carl GmbH + Co.

18. Februar 2002 - gebunden - 170 Seiten

Beschreibung

Sie haben Ihr erstes Date und es verläuft fabelhaft, bis sein Handy klingelt. Er geht nicht dran, aber während er Ihnen in den Mantel hilft, wirft er einen verstohlenen Blick auf das Display. Der Mann ist passé. Gavaldas Geschichten zeigen das Menschliche in all seinen Facetten: Sie bringen das Leben auf den Punkt.

Portrait

Anna Gavalda, 1970 geboren, ist eine der erfolgreichsten französischen Schriftstellerinnen der Gegenwart. Sie studierte Literatur in Paris und arbeitete als Lehrerin, bis sie mit ihrem ersten Buch schlagartig berühmt wurde. Bei Hanser erschienen Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet (Erzählungen, 2002), Ich habe sie geliebt (Roman, 2003), Zusammen ist man weniger allein (Roman, 2005), der auch als Verfilmung ein großes Publikum in ganz Europa erreichte, Alles Glück kommt nie (Roman, 2008), Ein geschenkter Tag (2010), Nur wer fällt, lernt fliegen (Roman, 2014) und Ab morgen wird alles anders (Erzählungen, 2017).

Leseprobe

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Pressestimmen

"Die kurzen Geschichten, oft nur Skizzen, haben eines gemeinsam: Sie scheinen nur zu plaudern, sind dem Leben nachgeschrieben (und also besonders kunstvoll), dabei aber nicht berechenbar, überraschend durch eine fast schon dreiste Vermischung der Stilebenen und Perspektiven - selbst die sonst so unerträgliche Ansprache des Lesers gelingt hier wie nebenbei." Volker Hage, Der Spiegel, 13.05.02

"...Momentaufnahmen des modernen Gefühlsalltags. Mal heiter, mal bissig, oft mit überraschendem Ausgang." Elle, Mai/02

"Insofern sind diese Lebensszenen eine Art Reparationsliteratur, die eine Poesie des Dazwischen entfaltet: hingebungsvoll und erbarmungslos, kalkuliert und präzis." Frankfurter Rundschau, 06/02

"In virtuosem Wechsel erzählt Gavalda also bald Moritaten, bald Zeitgeist-Sketche à la Bretécher, erzählt aber auch, im Stil vielstrophig trauriger Chanson von über Jahre oder Jahrzehnte verschleppte Liebesgeschichten." Reinhard Baumgart, Die Zeit

"Voilà, hier ist die neue Stimme der französischen Literatur: Anna Gavalda heißt sie und sie schreibt so leicht und lakonisch, romantisch- zart und bestürzend direkt, dass einem fast schwindlig wird. ... Ein mitreißendes Buch, verführerisch wie eine Amour fou." Marie-Claire, März 02

"...heitere, schmerzende, schmissige Alltagsskizzen der Liebe.(...) Gavalda schreibt humorvoll und mit Drive, die Dialoge sind schmissig; von Ina Kronenberger eigenwillig, aber nah an der gesprochenen Sprache ins Deutsche übersetzt.(...) Anna Gavalda zeigt Sinn für das Menschliche, dabei ist sie nie zynisch, auch wo sie von menschlichen Unzulänglichkeiten schreibt." Birgit Schmid, Neue Luzerner Zeitung, 05.03.02

"Anna Gavaldas Geschichten sind zarte Verführungen." Pia Reinacher, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.02

"Die ganze wohlsortierte Bandbreite unserer Gemütszustände ist in diesen Geschichten abgedeckt. (...) Alles sehr liebenswürdig und (...) pfiffig. Oder auch: Zart und verschmitzt." Ijoma Mangold, Süddeutsche Zeitung, 09./10.03.02

"Anna Gavaldas Erzähldebüt macht süchtig." Martina Hinz, KulturSpiegel

"Vielleicht ist es besser, solo zu bleiben, möchte man entgegnen, wenn man diese frechen, pointierten, illusionslosen Storys gelesen hat. Denn wie soll man noch an große Gefühle glauben, wenn der Beginn einer Liebe ihr Ende immer schon in sich trägt?" Brigitte

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 02.03.2002

Klappsofa mit Tücken
Anna Gavalda appelliert an die Sehnsüchte liebender Leser

Gäbe es Zuckerwattenliteratur, man müßte diese Erzählungen dazurechnen. Süß und rosa lockend, im Mund ein kurzes Lustgefühl auslösend, das sich schnell im Nichts verflüchtigt. Anna Gavaldas Geschichten sind zarte Verführungen. Sie stören nicht, irritieren nicht und haben doch einen unübersehbaren Unterhaltungswert. Ganz ohne Ambitionen sind sie allerdings nicht, ein gewisser Bildungsanspruch ist ohne Zweifel vorhanden, der in homöopathischen Dosen dem Leser eingeträufelt wird. Geschrieben sind sie in einer luftig leichten Dessertsprache, die vor coolen Trendbegriffen strotzt und mit Szenen-Slang und flapsigen Einschüben aus der Alltagskultur durchsetzt ist.

Ist es ein Wunder, daß die zweiunddreißigjährige französische Debütantin mit dieser Mischung auf Anhieb Erfolg hatte? Ihre Geschichten avancierten in Frankreich prompt zum vieldiskutierten Kultbuch, das über Monate auf den französischen Bestsellerlisten stand. Schon der Titel appelliert an die schlichten Ursehnsüchte: "Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet". Ja, und dieser Jemand wartet nun in der Titelerzählung auf dem Boulevard Saint-Germain, in feinerer, intellektuell angemessen vorbelasteter Umgebung und trifft ganz zufällig auf die Ich-Erzählerin.

Nun muß man sich diese Geschichte mit dem zweideutigen Titel "Kleine Praktiken aus Saint-Germain" - in ihrem Tempo und mit dem spöttisch flimmernden Untergrund eine der stärksten des Buches - nicht als plumpe Herz-Schmerz-Story vorstellen. Dazu ist die Autorin, die in Paris Literatur studierte und als Französischlehrerin tätig ist, viel zu gebildet. Sie weiß, daß Klischees erst dann literarisch produktiv werden, wenn sie so zugespitzt sind, daß sie jederzeit umkippen und ihre spöttische Ladung freigeben könnten. Sie hat es nämlich auf die Karikierung des Trivialen abgesehen. Schon im zweiten Satz also eine selbstironische Anspielung auf Françoise Sagan, die das alles schon lange und viel besser gemacht habe, eine Seite weiter flitzt ein Cupido-Pfeil durch die Buchseiten, und als dieser endlich den Unbekannten trifft, denkt das Fräulein geschwind an Baudelaires Gedicht "Einer Vorübergehenden gewidmet" und zitiert die passenden Verse: "Dich hätte ich geliebt, dich die's erkannt".

So weit, so witzig. In der amourösen Kurzbegegnung zwischen dem Unbekannten in der Tweedjacke und der jungen Frau, die jetzt ein bißchen nervös wird auf der Schwelle zu einer Liebesgeschichte, erkennen wir den unbändigen Willen, den Kitsch des Groschengenres zu persiflieren. Man goutiert also die Beschreibung des ersten schweigenden Spaziergangs der beiden durch die Rue Saint-Jacques als Echo auf die triviale Vorlage, quittiert nicht ohne Applaus den Einfall, daß der entflammte Held sich ausschließlich darüber das Hirn zermartert, ob die Angebetete wohl Strumpfhosen oder Strümpfe trage, eine Frage, in der er sich beim ersten Glas Wein durch das absichtliche Fallenlassen einer Serviette Gewißheit verschafft - und schaut dem wie erwartet platzenden Happy-End gefaßt entgegen. Aber reicht das?

Das Verfahren funktioniert so lange, wie die Themen süffig sind und durch ihre grundsätzliche Leichtgewichtigkeit - oder ist es schon fast Belanglosigkeit? - eine pfiffige sprachliche Abfertigung erlauben. Das trifft etwa für die Geschichte "Klick-klack" zu, die mit dem symptomatischen Satz "Seit fünfeinhalb Monaten habe ich Lust auf Sarah Briot, die Verkaufsleiterin" einsetzt und mit einem Verführungsversuch des täppischen Helden endet, der sich im entscheidenden Moment in der Frage verrennt, wie wohl das Ikea-Bettsofa "Klickklack" aufzuklappen sei.

Nun versucht sich Gavalda aber an den unterschiedlichsten Stoffen des Alltags. Ihre Ich-Erzähler sind bald Frauen, bald Männer, ihr Experimentierfeld sind einmal die Szenen bürgerlicher Ehen, dann wieder verjährte und verpaßte Liebschaften, vernachlässigte Jugendliche, frustrierte Altgattinnen oder hysterische Autorinnen. Sobald sich Anna Gavalda aber diesen ernsthafteren Themen zuwendet, wirkt ihr spaßiger Ton irritierend und ihr erzählerischer Zugriff unpassend. Ihre Darstellung eines "Ungewollten Schwangerschaftsabbruchs", ein Text, der die tragische Erfahrung einer Frau schildert, welche ihr Kind vorzeitig verliert, kann nicht überzeugen. Auch wenn es um ausgeleierte Ehen bürgerlicher Überanpasser geht, die im Netz ihrer wechselseitigen Berechnungen baumeln und sich gemeinsam zu Tode schweigen, versagt die Erzähltechnik dieser Autorin. Wenn sich Anna Gavalda gar sozialkritisch dem verwöhnten, vernachlässigten Nachwuchs der französischen Elite nähert, der sich in sinnlose Abenteuer verirrt (wie in "Junior"), dann bleibt kaum mehr als eine literarische Fingerübung für Fortgeschrittene.

Anna Gavalda: "Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet". Erzählungen. Aus dem Französischen übersetzt von Ina Kronenberger. Carl Hanser Verlag, München 2002. 167 S., geb., 15,40 <Euro>.

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