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Deutsches Haus

Roman. 2. Auflage.
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Ein Prozess, der Deutschland veränderte, und auch das Leben einer jungen Frau
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Deutsches Haus als Buch

Produktdetails

Titel: Deutsches Haus
Autor/en: Annette Hess

ISBN: 3550050240
EAN: 9783550050244
Roman.
2. Auflage.
Ullstein Verlag GmbH

17. September 2018 - gebunden - 365 Seiten

Beschreibung

Von der Erfinderin der TV-Serien Weissensee und Ku'damm 56 / 59

»Dieser Roman kommt genau zur richtigen Zeit.« Iris Berben

Frankfurt 1963. Eva, gelernte Dolmetscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ihr zukünftiger Verlobter, dagegen: Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, folgt ihrem Gefühl und widersetzt sich ihrer Familie. Sie nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird.

Portrait

Annette Hess stammt aus Hannover und studierte zuna chst Malerei und Innenarchitektur, spa ter Szenisches Schreiben. Sie arbeitete als freie Journalistin, Regieassistentin sowie Drehbuchlektorin. Seit 1998 ist sie ausschließlich als Drehbuchautorin ta tig. Bekannt wurde sie durch ihre Fernsehserien Weissensee, Ku'damm 56 und Ku'damm 59. Annette Hess lebt in Niedersachsen und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Grimme-Preis, den Frankfurter Preis der Autoren sowie den Deutschen Fernsehpreis. Deutsches Haus ist ihr erster Roman.

Pressestimmen

"Hier schreibt jemand gegen das Vergessen an, gegen das Langsam-ist-auch-mal-gut-Gerede, gegen den Vergleich der Nazizeit mit einem "Vogelschiss"- und will damit möglichst viele Menschen erreichen.", Der Spiegel / Literaturspiegel, Claudia Voigt, 26.10.2018
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Hedda Freier, Buchhandlung Hugendubel Flensburg
Ein sehr emotionaler Roman
von Hedda Freier, Buchhandlung Hugendubel Flensburg - Hugendubel Buchhandlung Flensburg Holm - 22.09.2018
Eva arbeitet als Übersetzerin vom polnischen ins deutsche und umgekehrt. Nun wird sie gebeten bei einem Prozess , bei dem es um die Geschehnisse in Auschwitz geht, zu übersetzen. Ihre Eltern und ihr Verlobter sind dagegen, aber Eva setzt sich in diesem Fall durch und nimmt die Herausforderung an. Was Eva zu Beginn noch nicht ahnt, ist das dieser Prozess auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird. "Deutsches Haus" ist ein Roman, der mich von Anfang an gefesselt und nicht mehr losgelassen hat. Die Geschichte von Eva hat mich wirklich berührt. Sie ist eine starke Frau, auch wenn es am Anfang nicht immer so aussieht. Aber sie setzt sich gegen den Willen ihrer Eltern durch und riskiert auch die Beziehung zu ihrem Verlobten. Da der Roman in den sechziger Jahren spielt, ist auch die Sprache irgendwie besonders, gerade auch wenn es um den Umgang der Menschen untereinander geht.
Bewertungen unserer Kunden
Jeder der wegschaut wird zum Täter
von thisisher - 11.10.2018
Eva ist Übersetzerin für Polnisch und wird beauftragt die Aussage eines ehemaligen KZ-Häftlings zu übersetzen. Sie ist Mitte 20, lebt mit ihren Eltern, die das Gasthaus "Deutsches Haus" betreiben, ihrer älteren Schwester und ihrem jüngeren Bruder zusammen und hat vorher noch nie von Auschwitz gehört oder dem Ausmaß der Verbrechen die dort und in anderen Lagern geschehen sind. Der Roman spielt in Frankfurt, Anfang der sechziger Jahre, zwanzig Jahre nach Ende des 2.Weltkriegs. Als Eva gegen den Willen ihres Verlobten beginnt im Prozess als Übersetzerin zu arbeiten, schlägt ihr aus ihrem Umfeld nur Widerwillen und Abweisung entgegen. Alle versuchen den Krieg und seine Auswirkungen zu verdrängen, sich ihrer Schuld zu entziehen und nicht darüber nachzudenken, was in den Lagern geschehen ist. Evas Bruder spielt Krieg, ihre Schwester macht absichtlich Neugeborene krank, nur um sie gesund pflegen zu können und ihre Eltern haben den Krieg und ihre eigene Täterrolle verdrängt. Der Einstieg in die Geschichte ist mir erst schwer gefallen, der Schreibstil erinnert am Anfang an ein Drehbuch, eher kalt, sachlich und nüchtern werden die Personen und ihre Handlungen, die Szenerie beschrieben. Das ändert sich jedoch im Verlauf des Romans. Wir folgen Eva im Prozess und in ihrer schwierigen Situation mit ihrem Verlobten Jürgen, den sie liebt, aber der selbst eine Vergangenheit nicht verarbeitet hat und seine Launen an Eva auslässt. Das Buch wird zunehmend beklemmender, je mehr Eva und die Leserin über die Verbrechen der NS-Zeit erfährt und erreicht seinen Höhepunkt, als Evas eigene Vergangenheit unmittelbar im Prozess zu Tage tritt. Evas Konflikte mit ihrer Familie und ihrem Verlobten und die Auseinandersetzung mit der größtenteils verdrängten Vergangenheit sind sehr gelungen. Das Ausmaß der Verdrängung ist erschreckend und heute kaum noch vorstellbar. Wenn davon geredet wird, dass die Vernichtung von so vielen Menschen logistisch gar nicht möglich sei oder dass die Zeugen lügen würden, weil der, der das meiste Unglück erfahren hat, "gewinnt", bleibt einem schon mal die Spucke weg. Annette Hess ist mit ihrem Roman die Darstellung eines bedeutsamen Stücks deutscher Zeitgeschichte gelungen. Sie zeigt wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und sich bewusst zu werden, was während des zweiten Weltkriegs in Deutschland geschehen ist und wie jeder der weggeschaut zum Täter wird. Sie zeigt auch die Folgen der Verdrängung und wie fehlende Aufarbeitung zur Verfestigung von Angst und Vorurteilen und damit zu Gewalt und Ausgrenzung alles Fremden führt.
Ein Stück Zeitgeschichte
von leseratte1310 - 09.10.2018
In ihrem Roman Deutsches Haus beschäftigt sich Annette Hess mit im ersten Auschwitz-Prozess, in dem die Gräueltaten, die in den Konzentrationslagern geschehen sind, aufgearbeitet und die Schuldigen verurteilt werden sollten Das bekannte "Deutsche Haus" in Frankfurt wird von den Wirtsleuten Bruhns betrieben. Ihre Tochter Eva ist Übersetzerin für Polnisch und soll im ersten Auschwitz-Prozess die Aussagen eines Zeugen übersetzen. Ihre Eltern sind dagegen und ihr Verlobter will ihr die Arbeit sogar verbieten. Doch Eva lässt sich nicht beirren und nimmt den Job an. Während sie beim Prozess die Zeugenaussage übersetzt, erfährt sie Ungeheuerliches. Doch dann kommen Erinnerungen zutage, die sie aber nicht einordnen kann. Sie hat Fragen, aber niemand will mit ihr über dieses Thema reden. Aber Eva will nicht, dass geschwiegen wird. Sie will den betroffenen Menschen eine stimme geben. Doch was hat sie selbst mit Auschwitz zu tun? Es ist ein interessantes und ein wichtiges Buch. Es gab viele Menschen in Deutschland, die gegen diesen Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main waren. Das Wirtschaftswunder war, es ging den Menschen gut und man wollte sich nicht mehr erinnern - aus den unterschiedlichsten Gründen. Die Autorin hat einen fesselnden Schreibstil. Damit bringt sie die Informationen über den Prozess gut und verständlich rüber. Man fühlt mit den Zeugen, die über die Gräuel berichten und ist erschüttert, wie sich die Täter herausreden und sich immer noch keiner Schuld bewusst sind. Aber auch das Leben in den sechziger Jahren ist gut dargestellt. Ich habe diese Zeit selbst miterlebt und weiß, wie schwierig es für junge Frauen war, ein selbstbestimmtes leben zu führen. Erst bestimmten die Eltern, wo es lang ging und dann übertrugen sie die Verantwortung auf den Ehemann. Eine Frau konnte also nur mit Erlaubnis einen Beruf ausüben. Aber auch das Leben mit den Gastarbeitern und die Vorurteile sind authentisch dargestellt. Eva ist eine sympathische junge Frau, die sich im Laufe des Prozesses sehr weiter entwickelt. Am Anfang schien sie etwas naiv, da sie noch nichts von Auschwitz gehört hatte, man muss bedenken wie viele Jahre seit Kriegsende vergangen sind. Als sie wegen ihres Jobs Gegenwind sowohl von ihren Eltern als auch von ihrem verlobten erfährt, setzt sie sich durch. Der Prozess bringt sie dazu, sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinander zu setzen. Es ist ein Stück deutscher Geschichte, das hier behandelt wird. Es geht dabei um die Schuld der Täter und die Schuld, derer die weggesehen und geschwiegen haben. Allerdings kam für mich der Prozess etwas zu kurz. Dennoch hat mir das Buch sehr gut gefallen.
Gegen das Vergessen
von Philo - 08.10.2018
Frankfurt 1963. In Frankfurt-Bornheim in einem seriösen Teil der Berger Straße befindet sich die Gaststätte Deutsches Haus des Gastwirtsehepaares Bruhns. Die beiden haben zwei Töchter. Der Vater kocht, die Mutter serviert und kümmert sich um die Gäste, manchmal hilft die jüngere Tochter , Eva, aus. Eva ist von Beruf Dolmetscherin und träumt von der Hochzeit mit Jürgen, dem Sohn eines Unternehmers, um aus dem kleinbürgerlichen Milieu herauszukommen. Da bekommt sie den Auftrag, die Zeugenaussagen eines polnischen Juden zu übersetzen, einem, der Auschwitz überlebt hat. Eva ist entsetzt. Ihr fehlen die Worte, um die Zeugenaussagen zu übersetzen. Sie glaubt, den Zeugen nicht richtig zu verstehen. Da der Dolmetscher aus Polen aber keine Ausreisegenehmigung erhält, wird Eva gebeten, auch bei den anstehenden Gerichtsverhandlungen als Dolmetscherin zu fungieren. Ihre Eltern und ihr Verlobter raten ihr dringend davon ab. Aber Eva, die sich nun mit dieser Zeit auseinandergesetzt hat, fühlt sich verpflichtet, die Aufgabe zu übernehmen. Der Autorin ist es in beispielloser Art gelungen, durch die Zeugenaussagen diese schreckliche Zeit noch einmal lebendig werden zu lassen. Bedrückend ist zu lesen, wie teilnahmslos und zynisch sich die Angeklagten verhalten, die von nichts etwas gewußt haben wollen und alle Anschuldigungen bestreiten. Nach und nach wird Eva bewußt, daß auch ihre Eltern von dem Grauen gewußt haben mußten und sich sogar mitschuldig gemacht haben. Zur Rede gestellt, streiten sie zunächst alles ab, was zum Bruch mit der Tochter führt. Auch die Verlobung mit Jürgen löst Eva, nachdem dieser bei ihrem Vorgesetzten erreichen wollte, Eva von dieser Aufgabe zu entbinden. Die Autorin macht deutlich, daß den jungen Menschen in den Nachkriegsjahren die Kenntnisse über die Judenverfolgung und die Massenvernichtungslager fehlten, da weder Eltern noch Lehrer in den Schulen über diese Zeit sprechen wollten. Aber durch die Prozesse und die Verhaftung der Angeklagten konnte diese Zeit nicht mehr totgeschwiegen werden. Es ist ein Buch über schwere Schuld, die Menschen auf sich geladen haben und viele andere, die sich mitschuldig gemacht haben, indem sie weggeschaut und verleugnet haben. Zu sagen, man habe nichts gewußt, kann man nicht gelten lassen. Der Autorin sei Dank für dieses Buch über eine Zeit, die in Deutschland nie vergessen werden darf. Auch wenn ich diese Zeit nicht miterlebt habe, packt mich tiefes Grauen vor dem, was Menschen anderen Menschen in der Lage sind, anzutun. Die Autorin bringt ihren Lesern diese Zeit wieder ins Gedächtsnis. So etwas darf nie wieder passieren. Ich wünsche dem Buch eine große Leserschar, und hierfür gebe ich meine Leseempfehlung ab.
Ein Stück Zeitgeschichte
von ele - 07.10.2018
Deutsches Haus, Roman von Annette Hess, 368 Seiten, erschienen im Ullstein-Verlag. Die junge Dolmetscherin Eva erlebt beim ersten Auschwitz-Prozess 1963 in Frankfurt, wie die Gräuel der Nazi-Zeit ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden. Eva Bruhns wird als Dolmetscherin zu einem Auftrag in das Büro des Generalstaatsanwalts gerufen. Eigentlich übersetzt Eva üblicherweise Wirtschaftstexte aus dem Polnischen. Obwohl sie am Anfang Schwierigkeiten hat, wird sie als Dolmetscherin zum ersten Auschwitz-Prozess in Frankfurt hinzugezogen. Trotzdem ihr Verlobter und ihre Eltern dagegen sind nimmt Eva diese Herausforderung an. Durch das im Prozess erlangte Wissen, verändert sich Evas Bewusstsein und sie bekommt eine Ahnung vom Umfang der Verbrechen. Und sie erkennt, dass ihre Eltern etwas verbergen. Das Buch gliedert sich in 4 Teile, zwar ohne Kapiteleinteilung aber dennoch in überschaubare Leseabschnitte aufgeteilt. Schlagfertige Dialoge und ein Gebet in hebräischer Schrift lockern die Lektüre auf, machten das Gelesene lebendig. Die Zeugenaussagen im Buch sind aus den Protokollen der Ausschwitz-Prozesse übernommen worden. Die Geschichte flüssig zu erzählen ist der Autorin sehr gut gelungen, da sie als Stilmittel die auktoriale Erzählweise wählt, dadurch kann sich der Leser stets der Sichtweise der einzelnen Charaktere bewusst werden, sie hat es ausgezeichnet geschafft in ihrem Buch Fakten und Fiktion zu verweben. Die Handlung ist flüssig und logisch aufgebaut. Eines kommt zum anderen, nichts wirkt gesucht oder konstruiert, die Botschaft ist tiefgründig und berührt die Seele. Dieses emotionale Buch hatte ich schnell gelesen und ich fühlte mich niveauvoll unterhalten, gut gemacht. Da es sich hier nicht unbedingt um leichte Kost handelt, musste ich das Buch einige Male erschüttert aus der Hand legen. Annette Hess ist bekannt als Drehbuchautorin durch ihre Erfolgsserien Weißensee und Ku`damm 56 und 59. Auch als Romanautorin konnte sie mich mit vorliegendem Werk überzeugen. Meine Lieblingsfigur natürlich die Protagonistin Eva, sie machte in dieser Geschichte die größte Charakterveränderung durch. Ihre Entwicklung vom ahnungslosen Mädchen zur selbstbestimmten Frau, hat mir gut gefallen. Wie sie sich von der Bevormundung ihrer Eltern und ihrem Verlobten gelöst hat und ihren eigenen Weg ging, fordert mir unbedingten Respekt ab. Eine unangenehme Person fand ich ihre Schwester Annegret, die vermutlich unter dem erweiterten Münchhausen-Syndrom leidet, dass für sie in der Geschichte ein versöhnliches Ende herausspringt hat sie überhaupt nicht verdient. Ihr Verhalten zeigt m.E., dass die Erlebnisse in der Kindheit, die sie als die Ältere wohl bewusster wahrgenommen hat, sicher nicht spurlos an ihr vorüber gegangen sind. Die Eltern, renommierte Wirtsleute, die das "Deutsche Haus" führen, handeln aus meiner Sicht, vermutlich aus Verdrängung oder Scham. Z.B. auf S. 39 sagt die Mutter: " Das ist alles schlimm, was da war. Im Krieg. Aber man möchte das doch gar nicht mehr wissen. Dabei spiegelt sich auch der "Zeitgeist", denn ein Zeitungsartikel aus dieser Zeit lautete: 70 Prozent der Deutschen wollen den Prozess nicht! (S.65). Die furchtbare Kriegszeit und die schlechte Zeit danach ist vorbei, das Wirtschaftswunder ist in vollem Gange. Mir hat auch sehr gut gefallen, wie die Autorin das Familienleben in den frühen 60igerJahren eingefangen hat. Gänsebraten, Frankfurter Kranz und Radioprogramm am Sonntagnachmittag 1963, der junge Mann, der seinen Antrittsbesuch bei den zukünftigen Schwiegereltern absolviert, die deutsche Gemütlichkeit dieser Zeit. Leider aber auch die Abhängigkeit der Frauen von ihren Ehemännern damals. Sogar ein Verlobter konnte seiner Braut verbieten zu arbeiten, das kann man sich heutzutage kaum mehr vorstellen. Jürgen Schoormann, Evas Zukünftiger, Sohn eines Unternehmers, war für mich auch nicht unbedingt ganz normal. Er wollte eine Frau die wie ein Hündchen gehorcht. Da kann ich gut nachvollziehen, dass Eva ihn zwar liebt, ihn aber nicht versteht. Mich hätte auch noch interessiert was aus David Miller geworden ist. Ich kann Iris Berben nur zustimmen: "Dieser Roman kommt genau zur richtigen Zeit." Ich finde es ist wichtig, dass dieses Buch viele Leser findet und möchte eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Natürlich auch volle Punktzahl 5 Sterne.
Die Vergangenheit kommt ans Licht
von KerstinT - 07.10.2018
Das "Deutsche Haus" ist ein bekanntes Wirtshaus in Frankfurt. Die Tochter der Wirtsleute, Eva Bruhns, soll 1963 beim ersten Auschwitz-Prozess in Frankfurt als Übersetzerin für Polnisch helfen. Doch davon ist weder ihre Familie noch ihr Verlobter begeistert. Eva versteht die Aufregung nicht und von Auschwitz hat sie auch noch nie etwas gehört. Schnell zeigt sich aber, dass sie viel mehr mit der Sache zu tun hat als angenommen. In diesem Roman steht nicht der erste Auschwitz-Prozess im Vordergrund, sondern Eva Bruhns. Das zeigt auch schon der Titel, der den Namen des familiären Wirtshauses trägt. Der Leser lernt Eva zunächst als junge Frau kennen. Sie wurde im Krieg geboren und ist nun Anfang zwanzig. Von Auschwitz hat sie noch nie etwas gehört. Das wirkt etwas naiv. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man damals nichts wusste. Dennoch weiß Eva was sie will, sie will Arbeiten und selbstständig sein. Als ihr Verlobter ihr das Arbeiten verbieten will wehrt sie sich. Als Leser kann man mitverfolgen, wie Eva im Laufe des Prozesses reifer wird. Sie muss sich mit ihrer Familie und ihrem eigenen Leben auseinandersetzen. Sehr gefallen haben mir hier die Einschübe, als Eva immer wieder Déjà-Vus hatte, als Zeugen im Gericht aussagten. So wurde eine gewisse Spannung aufgebaut, da man wusste, sie hat etwas mit der Sache zu tun, man weiß aber nicht wie. Auch an der Reaktion ihrer Eltern und ihrer älteren Schwester merkt man, dass irgendetwas im Verborgenen ist. Ihre Mutter sagt auf Seite 67: "Lass die Vergangenheit Vergangenheit sein, Eva. Das ist das Beste, glaub mir." Teilweise gab es noch Nebenhandlungen, die unnötig waren und dadurch eher zu viel Handlung produziert wurde. Beispielsweise die Geschichte um Annegret, Eva Schwester. So bekamen die Nebencharaktere zwar ein Gesicht, aber der Prozess rückte immer mehr in den Hintergrund. Der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Er war flüssig und angenehm zu lesen. Teilweise waren die Handlungen aber etwas sprunghaft und man merkte erst nach ein paar Sätze, dass einige Wochen vergangen waren oder dass die Perspektive sich gewechselt hat. Da wäre eine Kapiteleinteilung gut gewesen. Das Buch ist nämlich lediglich in vier Großkapitel geteilt, die aber von der Handlung her ineinander übergehen. Die einzelnen Teile kann man als Entwicklung von Eva sehen. Immer wenn es eine größere Veränderung ihres Charakters oder ihrer Einstellung gab kam ein neuer Teil. Mir hat dieser Roman gut gefallen und ich habe ihn gern gelesen. Allerdings hat er mich nun nicht vom Hocker gehauen. Ich hätte mir gewünscht, dass der Prozess mehr im Fokus steht. Ich vergebe vier von fünf Sternen.
Die 1960er und die Ausschwitzprozesse
von lesen-ist-leben - 02.10.2018
"Deutsches Haus" ist ein 368 seitiger Roman von Annette Hess. Das Buch erschien am 21.09.2018 im Ullstein Verlag. Zusammenfassung: Eva Bruhn ist Dolmetscherin und wird unvorhergesehen für den ersten Auschwitz Prozess engagiert. Sie nimmt die Stelle, trotz des Widerstandes ihrer Familie und ihres Verlobten, an. Im Zuge des Prozesses ergeben sich persönliche Verbindungen zu Auschwitz, wodurch die Beziehungen zu den Eltern und dem Verlobten auf die Probe gestellt werden. Meine Meinung: Das Cover finde ich passend gewählt. Es zeigt das typische Bild einer Frau aus den 1960er Jahren. Die Autorin schreibt flüssig und authentisch. Gut gelungen finde ich die Gewichtung der einzelnen Handlungsstränge. Man bekommt Einblicke in das einfache Leben von Wirtsleuten, Eva und ihrer Schwester Annegret. Zudem von Evas gut situierten Verlobten Jürgen und einem Mitarbeiter der Anklage mit deren Ängsten, Hoffnungen und Wünschen. Und zum Anderen werden die NS-Verbrechen thematisiert. Es ist insgesamt eine angenehme Mischung, sodass man einen Einblick in die Lebensweise der 1960er Jahre und der Kriegszeit bekommt. Die Autorin beschreibt bildhaft, wie sich die Menschen kleideten und wie ihr Alltag zu der jeweiligen Zeit war. Gut herausgearbeitet ist zudem die Stellung der Frauen zu dieser Zeit. Emanzipation war damals noch ein Fremdwort. Als verheiratete Frau durfte man bspw. nur arbeiten, wenn es der Ehemann erlaubte. Man musste offiziell um die Hand anhalten. Alles war sehr förmlich, was heute kaum noch vorstellbar ist. Die Autorin spricht aber nicht nur die NS-Vergehen an. Sie spricht über eine alte Schuld (Jürgen) und verweist, im konkreten Fall mit Annegret, auf die heutige Zeit. Wie verhalten sich Menschen, wenn sie Schuldgefühle haben oder jemand Unrecht tut? Hätte der Arzt seine Entdeckung anzeigen müssen, auch wenn er mit Annegret eine Affäre hatte oder ist das Wegsehen und ignorieren der Taten in Ordnung? Diese und andere Fragen haben sich die Menschen vermutlich auch im Krieg gestellt. Ein gelungener Kniff der Autorin, der die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. Fazit: Es ist ein gelungenes, gut durchdachtes und sehr lesenswertes Buch, welches den Leser nicht nur in die NS-Zeit, sondern auch die Nachkriegszeit mitnimmt. Es lädt zum Nachdenken und Diskutieren ein.
Vielleicht mit zu großen Erwartungen herangegangen
von Elke Seifried - 01.10.2018
Eva, die jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, fiebert darauf hin, ihren Verlobten vorstellen zu dürfen. Werden die Eltern einverstanden sein, wird Jürgen ihre Familie gefallen? Just an dem Tag, als Jürgen zum ersten Mal Gast ist, wird sie von ihrer Agentur für eine Übersetzung geordert. Die gelernte Dolmetscherin übersetzt bei einer Zeugenbefragung, die sie sehr aus dem Konzept bringt. Der Mann muss auch als Zeuge im ersten Ausschwitz Prozess, der in Frankfurt im Jahr 1963 beginnt, auftreten und auch da soll Eva für den ausgefallenen Dolmetscher übersetzen. Ihre Eltern und auch ihr Verlobter sind allerdings entschieden gegen diese Anstellung, warum nur? Eva gibt aber entgegen aller Vehemenz ihrem inneren Drang nach, hier die ihr zugedachte Rolle zu übernehmen, die Wahrheit muss ans Tageslicht. Als Leser begleitet man Eva bei ihrer Übersetzertätigkeit zu einzelnen Prozesstagen, was ich super interessant fand. Wie reagieren die Beschuldigten, hier werden ebenso genaue Beobachtungen gemacht, wie bei den befragten Zeugen, bei denen sehr deutlich wird, wie sehr sie darunter leiden. Zudem bekommt man Evas Privatleben geboten. Hier hat mir auch das langsame Aufdecken des Familiengeheimnisses gefallen, auch wenn ich Evas Reaktion am Ende nicht ganz so nachvollziehen konnte. Etwas seltsam empfand ich die "Liebesgeschichte" zwischen Eva und Jürgen, vor allem seine Sexualität. Zwar wird klar deutlich, dass zu diesen Zeit der Mann das Sagen hatte, er sein Einverständnis für die Arbeit seiner Ehefrau geben musste und es verpönt war als Übriggebliebene ohne Mann auszugehen, so wird die Zeit gut abgebildet, aber ich konnte mit Jürgen, seinem Geheimnis und seiner Familiengeschichte einfach recht wenig anfangen. Interessant vielleicht das Detail, dass der Versandhandel aufblühte. Außerdem fiel es mir auch hier zunehmend schwer Evas Entscheidungen nachzuvollziehen. Ein kleiner Spannungsfaktor soll wohl noch durch die Arbeit ihrer Schwester am Kinderkrankenhaus entstehen, an dem es zu fraglichen Erkrankungen kommt, vielleicht auch ein Beispiel für die Verarbeitung von Kriegserlebnissen. Der flüssige Sprachstil der Autorin liest sich locker, leicht und ich konnte mir alles super gut bildlich vorstellen. Ich hatte das Gefühl mit vor Ort zu sein, sei es im Prozesssaal, im Lager Auschwitz oder am Ende sogar im Friseursalon eines ehemaligen KZ-Insassen. Den Strang um die Verhandlungen fand ich gelungen, Emotionen werden hier gut transportiert und stehen im Vordergrund vor Wissensvermittlung. So werden z.B. keine Namen genannt, Verbrechen gegen die Menschlichkeit nur soweit angerissen, dass man eine Vorstellung von den Abscheulichkeiten bekommt. Sicher gelungen um einen ersten Eindruck davon zu bekommen. Ich habe den Roman insgesamt interessiert gelesen, allerdings ist es Annette Hess nicht gelungen mich völlig einzufangen. Was verschweigen die Eltern, warum lügt ihr Vater, als er behauptet in Kriegsjahren Koch an der Ostfront gewesen zu sein, warum wollen ihre Eltern und auch ihr Verlobter Jürgen unbedingt verhindern, dass sie als Übersetzerin im Prozess fungiert? Diese Fragen fesseln zu Beginn sicher an die Geschichte rund um den Prozess, eine Antwort zeichnet sich aber recht schnell ab und ich empfand beim Lesen schließlich die eine oder andere Länge. Vielleicht auch weil ich mit diesem Jürgen so wenig anfangen konnte, ein Urlaub mit ihm daher nicht unbedingt, das ist was mich fesselt. Ein Problem war sicher auch, dass ich Eva immer weniger verstehen konnte. Diese konnte mich zu Beginn sehr für sich einnehmen, gerade eben auch, weil ihr so unheimlich viel daran liegt, dass die Verbrechen ans Tageslicht kommen und Täter bestraft werden. Ich habe z.B. ihre Fassungslosigkeit geteilt, wenn die Angeklagten abends aus dem Prozesssaal schlendern. Allerdings gelang es mir im weiteren Verlauf immer weniger ihre Entscheidungen nachzuvollziehen. Ihr Vater, ihre Mutter und auch ihr kleiner Bruder konnten meine Sympathien durchaus gewinnen und ich empfand sie durchaus gelungen gezeichnet, wie auch so manch anderen Nebendarsteller. Das Verschweigen und Verdrängen der Kriegsverbrechen, das die Gesellschaft in den 60er prägt, wird deutlich transportiert. Aufkeimende Ausländerfeindlichkeit, Misstrauen gegenüber Gastarbeitern auf der einen, aber auch die Begeisterung für technische Neuerungen, wie z.B. die erste Waschmaschine, wenn man auch der Arbeit mit dem Waschbrett noch ein wenig nachtrauert, der zunehmende Verkehr, den man noch nicht gewohnt ist, all das macht den Roman zu einer gelungenen Zeitreise. Historische Romane, die sich mit den Verbrechen der NS-Zeit beschäftigen stehen gerade bei mir auf der Leseliste ganz weit oben und daher hat mich die Beschreibung sofort angesprochen. Ich habe mir unheimlich viel erwartet und vielleicht waren meine Hoffnungen einfach zu groß, als dass mich Deutsches Haus restlos begeistern und richtig einfangen konnte. Dennoch hatte ich gute Unterhaltung mit diesem Roman, der einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen leistet. Gute vier Sterne sind auf jeden Fall drin, auch wenn es für fünf nicht reicht.
Wichtige Thematik, eindrücklich erzählt
von Lynn253 - 29.09.2018
Eva ist Dolmetscherin für Polnisch, eigentlich auf Wirtschaft spezialisiert. Aber als zu Beginn des ersten Auschwitzprozesses 1963 ein Übersetzer fehlt, widersetzt sich sich ihren Eltern und ihrem Verlobten, Jürgen, und entschließt sich, den Zeugen eine Stimme zu geben. So steht sitzt sie schließlich im Gerichtssaal neben den Menschen, die die Gräueltaten der Nationalsozialisten in Auschwitz überlebt haben und beginnt nach und nach selber zu begreifen, was dort geschehen ist. Denn bei Eva zu Hause wird darüber nicht gesprochen. Ihr Vater behauptet, während des Kriegs in der Feldküche an der Westfront zu gearbeitet zu haben. Doch der allwissende Erzähler lässt seine Leser gleich zu Beginn der Geschichte wissen, das Evas Vater lügt. Im Frankfurt der 60er Jahre betreiben Evas Eltern die Gaststätte "Deutsches Haus", ihre ältere Schwester Annegret arbeitet als Krankenschwester auf einer Säuglingsstation. Und neben den beiden Mädchen gibt es noch einen jüngeren Bruder, Stefan. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven. Zum einen entstehen so verschiedene Handlungsstränge, zum anderen sieht man so von mehreren Blickwinkeln auf eine Situation oder einen Aspekt. So kamen beispielsweise auch Jürgens Blick auf die Beziehung zu Eva oder die Sicht des Kanadiers David Miller auf den Prozess zum Tragen. Annegrets Geschichte kam mir dabei jedoch ein wenig losgelöst von dem Rest vor, der sich doch vor allem um Eva und den Prozess drehte. Die Sprache war klar und leicht zu lesen. Allerdings wirkte es zunächst ein wenig seltsam, dass einige Figuren nie beim Namen genannt werden. Der Generalstaatsanwalt wurde beispielsweise durchweg als "der Hellblonde" bezeichnet. Positiv hervorheben möchte ich noch die charakterliche Entwicklung, die Eva durchmacht. Zunächst wirkt sie schüchtern, unsicher, abhängig von allen anderen. Aber im Laufe der Geschichte findet sie einen eigenen Standpunkt, den Mut ihn zu vertreten und die Kraft für das einzustehen, was sie für richtig hält. Ein wichtiges Thema ist zweifellos der Umgang mir der Vergangenheit, das Aufarbeiten und Auseinandersetzten mit dem, was in Auschwitz getan wurde. Die Situation im Gerichtssaal, die Zeugen, die Angeklagten, Richter, Verteidiger und Staatsanwaltschaft wurde sehr eindrücklich geschildert. Genau wie der Unwillen von Evas Eltern, sich überhaupt damit auseinanderzusetzen. Insgesamt eine zweifellos wichtige Thematik verpackt in einer eindrücklich erzählten Geschichte.
Wachrüttelnd, emotional und enorm wichtig!
von SteffiKa - 27.09.2018
Inhalt (übernommen) Frankfurt 1963. Eva, gelernte Dometscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird die gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ih zukünftiger Verlobter, dagegen: Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, folgt ihrem Gefühl und widersetzt sich ihrer Familie. Sie nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sonder auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird. Charaktere Eva ist die Hauptprotagonistin. Mir ihr machen wir als Leser eine Wandlung durch. Von der schon für diese Zeit ziemlich modernen Frau hin zu einer erwachsenen, selbstreflektierten Frau, die zu sich selber findet und herausfindet, was für sie im Leben wichtig ist. Eva ist und bleibt sympathisch, gefühlvoll und stark. Einzig und allein ihr Verhalten gegenüber Jürgen, ihrem Verlobten konnte ich manchmal nicht verstehen. Jürgen war der einzigen Charakter im Buch, den ich nich gemocht habe. Starr, altmodisch und egoistisch habe ich ihn kennen gelernt und auch sein gelüftetes Geheimnis am Ende haben ihm keine Sympathiepunkte bescheren können - im Gegenteil. Annegret, Evas Schwester war ebenfalls jemand, mit dem ich mich schwer getan habe. Einerseits nett und gefühlvoll, bin ich mir ihrer sturen, ja fast schon kalten Seite nicht klar gekommen. Sie scheint ein Päckchen aus der Vergangenheit nicht los geworden zu sein. Leider erfahren wir als Leser nicht genau, was das war und können nur spekulieren. Schwer zu beurteilen sind für mich Ludwig und Edith, die Eltern von Eva. Man ahnt als Leser ziemlich früh, dass auch die beiden was zu verbergen haben und hofft, dass es einfach nicht wahr ist. Sie mussten in ihrem Leben Entscheidungen treffen, die nicht einfach waren und die man vielleicht wirklich nur nachvollziehen kann, wenn man zu dieser Zeit in deren Haut gesteckt hätte. Alles in allem hätte ich sie mir mutiger gewünscht. Schreibstil Nach den ersten Seiten war ich sofort in der Geschichte drin und konnte das Buch auch fast nicht mehr aus der Hand legen und habe ies quasi in einem Rutsch durchgelesen. Es war die richtige Sprache, die die Dinge klar beim Namen nannte, nichts beschönigte, die einen wachgerüttelt hat. Schön fand ich auch, dass Annette Hess den Angeklagten keine Namen gegeben hat. Diese Menschen waren es nicht wert, oder aber es gab leider zu viele von ihnen, die Gleiches angerichtet haben. Ein bisschen störend empfand ich, dass es keine Kapitelunterteilung gab. Beim Umblättern war man plötzlich in einer anderen Szene drin, dass ich oft zweimal lesen musst um zu wissen, wo und bei wem ich mich beim Lesen gerade befinde. Fazit Ein wichtiges Buch, das wachrüttelt, lange nachhängt und den Opfern im Nachhinein eine Stimme gibt - denn wir dürfen nicht vergessen!
Beeindruckend und bewegend
von Melanie Höller - 26.09.2018
Sowohl das Cover als auch der Schreibstil sind im Stil der 60er Jahre, und es ist kaum zu glauben, dass das Buch erst dieses Jahr geschrieben wurde. Die Geschichte handelt von den Auschwitz-Prozessen, eine Liebesbeziehung, eine scheinbar typische deutsche Familie in den 60er Jahren und von Emanzipation. Die junge Eva ist Übersetzerin und wird, weil der polnische Übersetzer fest hängt, zu einem Prozess hinzugezogen. Sie soll die Berichte der polnischen Überlebenden von dem Konzentrationslager Auschwitz übersetzen. Ihr Verlobter und ihre Familie sind dagegen. Als ihr Verlobter ihr verbietet, die Richter nach Auschwitz zu begleiten, löst sie die Verlobung. Als ihre Mutter selber im Prozess als Zeugin aussagen muss, löst Eva auch die Verbindung zu ihrer Familie. Das Buch ist sehr berührend und auch beängstigend. Die Zeugenaussagen sind aus den Protokollen der Auschwitz-Prozesse übernommen worden, das macht das Buch sehr authentisch. Eva selber emanzipiert sich gegenüber ihrer Familie und ihrem Verlobten, während ihre Schwester Annegret eine große Dummheit begeht, die sie beinahe ihre Arbeit kostet. Dieses Buch, das ein Mahnmal des Vergessens darstellt, sollte auf jeden Fall gelesen werden.
Aufarbeitung
von TanyBee - 25.09.2018
Es sind die 60er Jahre. Eva Bruhns, eine junge Frau, steht kurz vor der Verlobung mit Jürgen. Da stolpert sie in eine Sache hinein, die ihr keine Ruhe mehr lässt. Sie arbeitet als Polnisch-Übersetzerin, doch normalerweise übersetzt sie Verträge oder geschäftliche Verhandlungen. Weil sie niemanden anderen finden, soll sie nun die Aussage eines Zeugen im Ausschwitz Prozess übersetzen. Sie ist vollkommen überrascht, sie weiß überhaupt nicht, was damals passiert ist. Dabei ist es keine zwanzig Jahre her. Wie kann das sein? Und warum wollen ihre Eltern nicht darüber sprechen? Die Perspektive ist sehr interessant gewählt. Heutzutage lernen Kinder und Jugendliche alles über die Verbrechen der Nationalsozialisten, aber Eva weiß nichts, dabei hat sie zu dieser Zeit schon gelebt, war ein kleines Kind. Ihre Eltern möchten das Thema am liebsten tot schweigen, im ganzen Land gibt es kein großes Interesse an der Aufarbeitung der Verbrechen. Im Laufe des Romans wird sehr gut deutlich, warum das so ist. Und auch, dass es nicht nur schwarz und weiß gibt, sondern sehr viele Graustufen dazwischen. Natürlich ist das Buch keine historische Aufarbeitung, aber das will es ja auch gar nicht sein. Denn trotz des schweren Themas ist die Geschichte drum herum spannend erzählt. Wie anders war damals noch alles! Als Eva sich verloben will, wird nichts sie selbst gefragt, sondern ihr Vater. Und es wird auch überlegt, ob Eva überhaupt standesgemäß für Jürgen ist. An dieser Spießigkeit der damaligen Zeit konnte ich mich sehr erfreuen. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und nur widerwillig aus der Hand gelegt zwischendurch. Doch einige kleine Kritikpunkte gibt es doch. Einer der Handlungsstränge (um Evas Schwester Annegret) war mir zu viel und ich weiß gar nicht, was er zur Geschichte beiträgt. Hingegen hätte eine andere Person, David Miller, vielleicht noch etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Aber das sind eher Kleinigkeiten. Ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter. Es hat mir die Stimmung und Ereignisse in den 60er Jahren ein ganzes Stück näher gebracht und ist eine spannende Lektüre.
Absolut lesenswert!
von booklooker - 24.09.2018
Vorweg: Dieser Roman hat mich sehr bewegt! Annette Hess schildert in Deutsches Haus den Prozessablauf des ersten Auschwitz-Prozesses im Jahre 1963 in Frankfurt. Dabei gelingt es ihr über die Protagonistin, die als Übersetzerin im Prozess fungiert, den Opfern eine eindringliche, unvergessliche Stimme zu geben. Zudem stellt sie sehr gekonnt die Persönlichkeitsentwicklungen der Figuren dar, die sich im Laufe des Prozesses vollziehen. Die junge Eva Bruhns nimmt entgegen dem Willen ihrer Familie und ihres Verlobten, die Übersetzungstätigkeit im Prozess gegen die Kriegsverbrecher von Auschwitz an. Eva, die zuvor nie von Auschwitz gehört hatte, berühren die Schicksale der Opfer und die die zur Schau gestellte Ignoranz und Untätigkeit der Täter- und Mitwisser zutiefst (... Was haben Vati und Mutti denn gemacht? Eva antwortete: Nichts. Wie sollte sie ihrem Bruder erklären, wie richtig diese Antwort war?). Die charakterliche Entwicklung, die die Protagonistin dabei durchläuft - von der naiven Unwissenden zur selbstbestimmten, lebenserfahren wirkenden Frau - ist in beeindruckender Weise dargestellt. Die Nebenfiguren und deren Motive sind stark herausgearbeitet. Jede Figur weckt Emotionen, jede Figur hat besondere charakterliche Eigenarten, Geheimnisse, Schwächen. Die Frage, warum die Eltern, die ältere Schwester und ihr Verlobter gegen Evas Beteiligung am Prozess sind, wird im Laufe der Geschichte klar. Die Konflikte der Figuren werden nach und nach immer deutlicher. Für mich ein besonderer Roman. Durch den Schreibstil der Autorin werden Emotionalität und Sachlichkeit in bemerkenswerter Art und Weise miteinander vereinigt. Auf sehr eindrückliche Weise wird Spannung aufbaut und gehalten. Ich konnte das Buch nicht aus den Händen legen. Auch, für denjenigen, der sich mit der Deutschen Geschichte hinreichend vertraut wähnt, ein absolut lesenswerter Roman, der mitreißt und nachdenklich zurücklässt.
Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte
von Langeweile - 22.09.2018
Frankfurt 1963: Eva lebt mit ihren Eltern, ihrer älteren Schwester Annegret und ihrem jüngeren Bruder Stefan in einer Wohnung über der Gaststätte "Deutsches Haus ", welche von ihren Eltern betrieben wird. Eva arbeitet als Dolmetscherin in einer Anwaltskanzlei und bereitet sich auf die lang erwartete Verlobung mit Jürgen vor, einem Sohn aus reichem Hause. Als sie den Auftrag erhält, bei dem ersten Ausschwitz Prozess zu dolmetschen, ahnt sie nicht, auf was sie sich da einlässt. Ihre Eltern und ihr Verlobter raten ihr dringend,sich dieser Aufgabe nicht zu stellen,aber Eva lässt sich nicht beirren.Sie wird mit einem Kapitel deutscher Geschichte konfrontiert, mit welchem Sie bisher nicht in Berührung gekommen ist. Je mehr sie mit der Thematik befasst ist,umso klarer wird ihr,dass auch in ihrem nächsten Umfeld die Leute mehr wissen, als sie zu erkennen geben. Wem kann sie noch vertrauen und was weiß sie selber? Meine Meinung: Die Autorin hat sich in ihrem Erstlingswerk mit einem der dunkelsten Kapitel Deutschlands beschäftigt. Auf eine sehr emotionale und eindringliche Weise, wird man Stück für Stück mit den Geschehnissen der damaligen Zeit vertraut gemacht. Die Protagonisten wirkten allesamt sehr authentisch (großes Kopfkino). Es wurde sehr gut herausgearbeitet, wieviele Leute diese schlimmen Erlebnisse einfach verdrängten, beziehungsweise in Abrede stellten,um ihr eigenes Gewissen zu erleichtern. Der Satz "Ich habe nichts gesehen oder gewusst",zog sich in dieser oder ähnlicher Form durch die gesamte Geschichte. Ich finde es sehr wichtig, dass diese Geschehnisse niemals in Vergessenheit geraten, damit sich so etwas nicht mehr wiederholt. Hierzu hat die Autorin ein großes Stück beigetragen. Fazit: Ein Roman der aufwühlt und mich sehr betroffen zurücklässt.
Ein vielschichtiges Panorama
von G. Schad (Hugendubel Landshut) - 21.09.2018
Lassen Sie sich bitte nicht von dem dunklen Thema abschrecken. Es geht um viel mehr als den Auschwitzprozess! Interessante Personen zeichnen ein vielschichtiges Panorama der 60er Jahre in der Bundesrepublik. Spannend erzählte Zeitgeschichte! Vieles hat sich verändert seitdem, manches kommt einem aber leider auch vertraut vor.
ein Highlight
von wiechmann8052 - 19.09.2018
Eva ist 24 Jahre und Dolmetscherin für die polnische Sprache. Sie wird gebeten beim ersten Ausschwitz Prozess in Frankfurt zu übersetzen. Ihre Eltern die eine eigene Gaststätte haben und ihr Verlobter ein Versandhaus Erbe sind strikt dagegen. Eigentlich hat sie sehr wenig Selbstbewusstsein und wünscht sich einen starken Mann an ihrer Seite. Nur in diesen Punkt gibt sie nicht nach. Für alle Beteiligten ändert sich durch den Prozess ihr Leben. Dieses Buch ist herausragend zu diesem Thema. Unaufgeregt erzählt die Autorin den Roman, aber zwischen den Zeilen spürt man den tiefen Respekt, den sie gegenüber den Opfern die ihr Leid noch einmal erleben als sie ihre Zeugenaussagen machen, empfindet. Auch die mühselige Arbeit der Staatsanwaltschaft wird gewürdigt. Es findet sich alles in diesem Buch wieder: Täter, Opfer, Prozess Beteiligte, Mitläufer, Menschen mit der Gnade der späten Geburt und Überlebende die mit ihrem Schicksal hadern. Man könnte sagen davon habe ich schon genug gelesen aber das stimmt nicht, denn in diesem Roman werden Zusammenhänge zwischen den Verbrechen der Nazizeit, die Gleichgültigkeit der Menschen ( es ist Zeit zu vergessen, wir müssen nach Vorne sehen ) mit den aktuellen Ereignissen gezogen ( Ausländer raus, Deutschland den Deutschen ) es ist ein wichtiges Buch gerade jetzt.
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