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Deutsches Haus

Roman. 3. Auflage.
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Ein Prozess, der Deutschland veränderte, und auch das Leben einer jungen Frau
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Deutsches Haus als Buch

Produktdetails

Titel: Deutsches Haus
Autor/en: Annette Hess

ISBN: 3550050240
EAN: 9783550050244
Roman.
3. Auflage.
Ullstein Verlag GmbH

17. September 2018 - gebunden - 365 Seiten

Beschreibung

Von der Erfinderin der TV-Serien Weissensee und Ku'damm 56 / 59

»Dieser Roman kommt genau zur richtigen Zeit.« Iris Berben

Frankfurt 1963. Eva, gelernte Dolmetscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ihr zukünftiger Verlobter, dagegen: Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, folgt ihrem Gefühl und widersetzt sich ihrer Familie. Sie nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird.

Portrait

Annette Hess stammt aus Hannover und studierte zuna chst Malerei und Innenarchitektur, spa ter Szenisches Schreiben. Sie arbeitete als freie Journalistin, Regieassistentin sowie Drehbuchlektorin. Seit 1998 ist sie ausschließlich als Drehbuchautorin ta tig. Bekannt wurde sie durch ihre Fernsehserien Weissensee, Ku'damm 56 und Ku'damm 59. Annette Hess lebt in Niedersachsen und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Grimme-Preis, den Frankfurter Preis der Autoren sowie den Deutschen Fernsehpreis. Deutsches Haus ist ihr erster Roman.

Pressestimmen

"Annette Hess lässt ihre Hauptfigur die Lügen Schicht für Schicht abtragen. (...) Der Roman zeigt die deutsche Tragik im 'Deutschen Haus'.", Berliner Zeitung, Susanne Dübber, 03.11.2018
Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Volker S.
von Volker S. - Hugendubel Buchhandlung Wismar Hinter dem Rathaus - 22.10.2018
Als Drehbuchautorin der erfolgreichen ARD-Serie "Weißensee" bekannt geworden, kann die Autorin auch hier von der ersten Seite an überzeugen und baut eine intensive Spannung auf.
Hedda Freier, Buchhandlung Hugendubel Flensburg
Ein sehr emotionaler Roman
von Hedda Freier, Buchhandlung Hugendubel Flensburg - Hugendubel Buchhandlung Flensburg Holm - 22.09.2018
Eva arbeitet als Übersetzerin vom polnischen ins deutsche und umgekehrt. Nun wird sie gebeten bei einem Prozess , bei dem es um die Geschehnisse in Auschwitz geht, zu übersetzen. Ihre Eltern und ihr Verlobter sind dagegen, aber Eva setzt sich in diesem Fall durch und nimmt die Herausforderung an. Was Eva zu Beginn noch nicht ahnt, ist das dieser Prozess auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird. "Deutsches Haus" ist ein Roman, der mich von Anfang an gefesselt und nicht mehr losgelassen hat. Die Geschichte von Eva hat mich wirklich berührt. Sie ist eine starke Frau, auch wenn es am Anfang nicht immer so aussieht. Aber sie setzt sich gegen den Willen ihrer Eltern durch und riskiert auch die Beziehung zu ihrem Verlobten. Da der Roman in den sechziger Jahren spielt, ist auch die Sprache irgendwie besonders, gerade auch wenn es um den Umgang der Menschen untereinander geht.
Bewertungen unserer Kunden
Eindrücklich
von Isaopera - 03.12.2018
Das Deutsche Haus in diesem Roman ist die Gaststätte, in der Evas Eltern die Frankfurter bewirten. Eva selbst möchte nicht in das Gastgewerbe einsteigen, sondern arbeitet als Übersetzerin und wird aufgrund eines Personalmangels plötzlich mit hoher Verantwortung versehen: sie soll im anstehenden Auschwitz-Prozess die Zeugenaussagen übersetzen und kommt so hautnah in Kontakt mit der schrecklichen deutschen Vergangenheit. Annette Hess beleuchtet in diesem Roman eindringlich die deutsche Schuldfrage und regt wirklich zum Nachdenken an. Ich benötigte einige Zeit, um mich an den doch sehr nüchternen Schreibstil zu gewöhnen, mit dem ich mich etwas schwer getan habe. Die Handlung um Eva fand ich dann wirklich interessant, einige andere Nebenhandlungen (z.B. um Jürgens Vater) erschlossen sich mir nicht richtig bzw. trugen meiner Meinung nach nicht wirklich zur Geschichte bei. Ich hätte mir etwas mehr Fokus auf die hauptsächliche Handlung gewünscht, würde das Buch aber für geschichtsinteressierte Leser durchaus weiterempfehlen.
Vergangenheitsbewältigung
von takabayashi - 28.11.2018
Interessant verpackte Geschichtslektion! Die junge Frankfurter Gastwirtstochter und Dolmetscherin Eva Bruhns wird zufällig als Übersetzerin beim ersten Auschwitzprozess eingesetzt. Beim ersten Vortermin ist sie noch ganz naiv und versteht nicht, worum es eigentlich geht. Sie ist zu dem Zeitpunkt eher daran interessiert, dass ihr Freund bei ihrem Vater um ihre Hand anhält. Doch je mehr sie sich damit beschäftigt, desto mehr ist sie involviert und empört über das, was in Auschwitz passiert ist und von weiten Kreisen der Bevölkerung immer noch geleugnet wird. Gegen den Wunsch ihrer Eltern und auch ihres Verlobten beschließt sie, den ganzen Prozess als Dolmetscherin zu begleiten. Diese Erfahrung verändert sie und lässt sie reifen. Außerdem entdeckt sie, dass auch ihre Familie am Rande in die Naziverbrechen verwickelt war, was zum Zerwürfnis mit ihren Eltern führt. Wie schon in den Fernsehspielen Kudamm 56 und 59 ist es der Autorin hervorragend gelungen, die Atmosphäre der Zeit (hier die mittleren 60er Jahre) zu erfassen. Man kann es kaum glauben, dass im Jahr 1964 ein Ehemann (hier ist es sogar nur ein Verlobter, also ein zukünftiger Ehemann) noch das Recht hatte, ein Arbeitsverhältnis seiner Frau zu kündigen! Die Zeugenaussagen über die Gräueltaten sind ergreifend, nicht nur für die Protagonistin Eva, sondern auch für den heutigen Leser. Durch die Verknüpfung mit Evas Geschichte ist das keine dröge Geschichtslektion, sondern eine spannende, zeitgeschichtliche Erzählung. Angesichts der momentanen politischen Entwicklungen ist dies der richtige Roman zur richtigen Zeit - sehr zu empfehlen!
Deutschland in den 1960er Jahren
von Readaholic - 18.11.2018
Eva Bruhns, eine 24jährige Dolmetscherin für Polnisch, erhält den Auftrag, für einen Gerichtsprozess zu dolmetschen. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen Auftrag, sondern um den ersten Auschwitz-Prozess im Jahr 1963. Ihre Eltern, die ein gutbürgerliches Gasthaus betreiben, und Evas Verlobter, der reiche Unternehmersohn Jürgen Schoormann, wollen sie von dem Vorhaben abbringen, doch Eva lässt sich nicht beirren. Im Laufe des Prozesses erfährt Eva vieles über die unmenschlichen Grausamkeiten, die sich in Auschwitz abgespielt haben. Sie kann nicht verstehen, warum Jürgen und ihre Eltern so wenig Interesse daran zeigen. Jürgen versucht sogar, den vorsitzenden Richter davon zu überzeugen, dass Evas "Nervenkostüm" zu schwach ist, um diese Aufgabe auf Dauer erfüllen zu können. Als Leser bekommt man einen guten Einblick in das Deutschland der 1960er Jahre, in dem das Veto eines Verlobten gereicht hat, um einer Frau den Job wegzunehmen! Das Buch behandelt einen wichtigen und dunklen Teil der deutschen Geschichte, aber manches ist für mein Empfinden doch sehr schwarz-weiß dargestellt. Man bekommt den Eindruck, dass die Deutschen ein Volk von bigotten Mördern, Mitläufern und anderen Verbrechern und Denunzianten sind. Selbst Jürgen und Evas Familie haben Schuld auf sich geladen. Diese Nebenschauplätze haben mir im übrigen nicht gefallen, vor allem die Geschichte um Evas Schwester war völlig überflüssig und irrelevant. Auch den Handlungsstrang um den jungen Juristen David Miller fand ich viel zu ausschweifend. Überhaupt nicht nachvollziehen konnte ich manche von Evas Beweggründen, zum Beispiel blieb mir ein Rätsel, was sie an Jürgen fand, der abgesehen von seinem Reichtum so gar nichts zu bieten hatte. Auch ihr Verhalten den Eltern gegenüber konnte ich nicht verstehen. Deutsches Haus ist sicherlich ein lesenswertes und gut recherchiertes Buch, wenn man sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen will, doch mit den vielen Nebenschauplätzen hat sich die Autorin ein wenig verzettelt.
Ein Prozess, der Deutschland veränderte, und auch das Leben einer jungen Frau.
von Inge Weis - 17.11.2018
Die verschwiegene Schuld. Annette Hess nimmt sich in ihrem Debütroman gleich ein Thema von Gewicht vor: das Verdrängen des Holocausts und den ersten Auschwitz-Prozess von 1963. In Deutsches Haus kommen für die Heldin unangenehme Wahrheiten ans Licht. Eva Bruhns muss in der Gastwirtschaft ihrer Eltern oft mit anpacken. Wenn es abends voll ist, kommt Vater Ludwig am Herd in der Küche ins Rotieren und Mutter Edith mit dem Servieren kaum hinterher. Die beiden rackern sich ab, damit es wieder aufwärts geht mit der Familie im Wirtschaftswunder-Deutschland. Und Eva rackert mit. Aber die kleinbürgerliche Welt ihrer Eltern ist längst nicht mehr ihre. Eva hat keine Lust, einmal das Deutsche Haus zu übernehmen, das der ganze Lebensinhalt ihrer Eltern ist. Deutsches Haus spielt in den 1960er-Jahren in Frankfurt, zu Beginn der Auschwitz-Prozesse, bei denen nicht mehr wie in Nürnberg führende Kriegsverbrecher angeklagt waren, sondern in der Öffentlichkeit weniger bekannte Täter, die im größten Vernichtungslager der Nazis am Massenmord an den Juden beteiligt waren. Eva Bruhns ist Dolmetscherin und die starke Hauptfigur in diesem Roman. Sie übersetzt die Aussagen der Polnisch sprechenden KZ-Überlebenden. Ihre Eltern, Wirte im Gasthof Deutsches Haus, sind wie ihr zuku¿nftiger Verlobter gegen diese Anstellung. Das Thema sei nichts für eine junge Frau. Doch Eva widersetzt sich der Haltung ihrer Eltern, folgt ihrem Gefühl und nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich vera¿ndern wird. Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Generalstaatsanwalt Fritz Bauer will die deutsche Öffentlichkeit aufrütteln, die SS-Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und die Opfer zu Wort kommen lassen. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort geho¿rt hat, wird als Dolmetscherin zu den Zeugenbefragungen hinzugezogen und ist von den Aussagen der Opfer schockiert. Und plötzlich muss sich Eva ganz persönliche Fragen stellen und muss sich entscheiden: Mache ich mit? Beuge ich mich? Oder widersetze ich mich? Warum erzählen ihre Eltern nie von ihrer Zeit in Polen? Und warum interessiert sich ihr Verlobter Jürgen nicht für die Vergangenheit? Eva wird nicht nur mit schrecklichen Details des Holocausts konfrontiert, sondern gleichzeitig mit einem Teil der deutschen Geschichte, der damals noch kaum bekannt ist, weil die Gesellschaft nichts von ihm wissen will. Nähmlich, das Verschweigen der Verbrechen gegenüber den Juden und das Davonkommenlassen der Verantwirtlichen. Genau darum geht es in Deutsches Haus und Eva steht stellvertretend für diejenigen, die diesen verlogenen Umgang mit der deutschen Geschichte nicht hinnehmen wollen. Am Schluss erfährt sie, dass das Verdrängen und Verleugnen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte ist, dass ihr Vater, der rückenkranke Gemütsmensch, bei der SS war und sie als kleines Kind in Auschwitz gewohnt hat, wo er als Koch im KZ arbeitete. Deutsches Haus ist eine Geschichte in Zeiten der Entscheidung - berührend, lebensnah, historisch genau. Mut, Verzweiflung, Verrat und Liebe im Zeichen des Auschwitz-Prozess: bewegend schildert Annette Hess die deutsche Jahrhundert-Tragödie und den Weg einer Familie, deren Mitglieder so unterschiedlich sind, wie Menschen nur sein können. Klug und wahrhaftig beschreibt die Autorin Menschen, die sich in schweren Zeiten bewähren müssen und die doch einfach so sind wie wir.
Die Aufdeckung der Wahrheit verändert in den Auschwitzprozessen alles. Für jeden
von Schwaetzchen - 08.11.2018
Die Aufdeckung der Wahrheit verändert in den Auschwitzprozessen alles. Für jeden. Eva, eine junge Frau, emanzipiert sich als Tochter, Verlobte und als Frau in ihrem Beruf. Man kann nicht anders, als das mit der Vertreibung aus dem Paradies zu assoziieren, ihrem wohlbehüteten Leben, das um die gesamte Familie herum aufgebaut wurde, als sie sich gegen den Willen ihrer Eltern und ihres Verlobten entscheidet, bei dem ersten Auschwitzprozess als Übersetzerin für die Staatsanwaltschaft zu arbeiten. Dieser lebendig erzählte Roman mit ausführlichen und genau beobachteten und detaillierten Beschreibungen von Personen, Moral, Kleidung, Mobiliar, Musik, Dialogen, sprichwörtlich Typisches, so dass man eine gute Vorstellung der Zeit Deutschlands (1963) bekommt und sich in die Lebenssituationen hineinversetzen kann. Dieser genaue Blick der Autorin, die auch Drehbuchautorin ist, kommt dem Roman und dem Leser sehr zu Gute. Annette Hess kann Spannung aufbauen und halten. Der Roman fängt gemütlich und heimelig an und entwickelt dann einen Sog, in dem das Erzählte so eindringlich und aufwühlend ist, so dass man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen. Die Erzählperspektive der Übersetzerin macht das Geschehen insgesamt begreifbar. Die Schilderungen aus dem Gerichtssaal sind sehr authentisch, empathisch, sehr nahbar, man spürt ihre Beklemmung und kann sich ein lebendiges Bild von den Menschen und der Atmosphäre dort machen und hat die "Banalität des Bösen" von Hannah Arendt dabei immer im Hinterkopf. Ich möchte Ihnen mit Ingeborg Bachmann zurufen: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar." Lesen Sie diesen Roman! Und ich wünsche mir, dass dieser Roman Schullektüre wird. Am besten ab sofort.
Gegen das Vergessen
von Anonym - 08.11.2018
Das Deutsche Haus ist eine mehr schlecht als recht rentable Gaststätte in einem der weniger vornehmen Bezirke Frankfurts (Main) , die im Jahr 1963 vom Ehepaar Bruhns, Eltern zweier erwachsener Töchter, geführt wird. Eva, die jüngere, ist gelernte Dolmetscherin der polnischen Sprache und soll als solche im ersten deutschen Auschwitzprozess tätig werden. Gegen den Willen ihrer Eltern und ihres (Fast)Verlobten stimmt sie zu. Unerwartete Dinge kommen dadurch ans Licht.- Dieser Roman von Annette Hess, der Erfinderin der TV-Serien Weissensee und Kudamm 56 / 59, wurde von der Schauspielerin Iris Berben mit Dieser Roman kommt genau zur richtigen Zeit. beworben. Dem stimme ich zu, denn die sich heute den Flüchtlingen gegenüber leider erneut abzeichnende Fremdenländerfeindlichkeit war bereits mit ursächlich für Auschwitz und zeigte sich auch 1963 den ersten italienischen Gastarbeitern gegenüber. Das Buch hat mich gut unterhalten und nachhaltig beeindruckt. Sowohl das Coverbild als auch der Buchtitel passen gut zur hier erzählten Geschichte.
Grandios
von inya - 07.11.2018
Dieses Buch erzählt Anfangs die Geschichte einer ganz normalen Familie in den 60er Jahren in Frankfurt am Main. Darin geht es um Eva, die durch einen Zufall Übersetzerin bei den Auschwitzprozessen wird und immer mehr ans Licht kommt, wie sehr ihre eigene Familie mit der Geschichte des Auschwitz-Konzentrationslagers verwoben ist. Ein wirklich spannender Roman, der ganz viele verschiedene Facetten beinhaltet. Zum einen natürlich die Grausamkeiten des Auschwitz-Konzentrationslagers und die Verdrängung der Deutschen, dieser jungen Geschichte. Und zum anderen, was ich persönlich auch sehr spannend finde, die Emanzipierung der Frau zu dieser Zeit. Denn Eva hat gegen den Willen ihres Verlobten weiter als Übersetzerin gearbeitet und somit einen großen Schritt zu dieser Zeit gewagt. Die Geschichte ist sehr flüssig geschrieben und hat mich in ihren Bann gezogen. Manchmal habe ich leider denken müssen, jetzt ist die Geschichte aber sehr konstruiert, dieser Aspekt ist manchmal schade, da wollte die Autorin dann zu viel auf einmal für meinen Geschmack. Aber es schadet dem Buch nur in einem sehr geringen Maß und deshalb kann ich meine absolute Leseempfehlung geben!
Junge Frau geht ihren weg
von Esther Stuckenbröker - 02.11.2018
Im Mittelpunkt des Buches steht die junge Eva, die als Übersetzerin für Polnisch in Frankfurt lebt. Sie wird für die anstehenden Prozesse gegen die Verbrechen in Auschwitz (eher kurzfristig als Ersatz) engagiert. Ihre Familie und ihr Verlobter Jürgen sind dagegen, dennoch nimmt Eva die Stelle an. Im Laufe der Prozesse dringt die Protagonistin immer weiter ein in die Verbrechen innerhalb des KZs, die bis dato nicht bekannt und aufgearbeitet waren. Plötzlich sieht sie sich konfrontiertz mit der Geschichte ihres Landes und bald auch mit der ihrer eigenen Familie. Insgesamt liest sich dieses Buch sehr flüssig und gut, auch wenn der Inhalt überwiegend beklemmend ist. Durch die detaillierten Zeugenaussagen Überlebender wird einem die Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust erschreckend nah gebracht. Umso unverständlicher ist für den Leser die Haltung der Bevölkerung, die zum großen Teil von dem Prozess und der Aufarbeitung absieht, ja ihn sogar verteufelt und ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte verdrängt. Aus heutgier Sicht unvorstellbar, aber durch das Buch gut aufgezeichnet. Es zeigt, dass in den 60er Jahren jeder sich mit der eigenen Kriegsgeschichte auseinanderzusetzen hatte. Meiner Meinung nach fängt die Autorin die Stimmung gut ein, verknüpft den Prozessverlauf mit der Geschichte der selbstbewussten Eva. Ein empfehlenswertes Buch für Leser von Romanen jüngerer deutscher Geschichte wie Carmen Korn oder Wenn Martha tanzt von Tom Saller.
Der Untergang einer bürgerlichen Familie
von v_im_wunderland - 30.10.2018
Familie Bruhns aus Frankfurt ist eine ganz normale Familie mit drei Kindern. Eine der Töchter ist Eva. Sie ist gelernte Dolmetscherin für Polnisch und wird eines Tages zum Staatsanwalt für eine Übersetzung gerufen. Danach wird sie gefragt, ob sie in den Auschwitzprozessen übersetzen möchte. Niemand in ihrer Familie und auch nicht ihr Verlobter heißen dies gut, im Gegenteil sind alle dagegen. Doch Eva hat einen inneren Antrieb die Stelle anzunehmen und sich und ihre Familie mit der Vergangenheit zu konfrontieren. Während der Verhandlung kommt heraus, dass die Geschichte von Evas Familie mit Auschwitz verstrickt ist und bringt das Familienkonstrukt ins Schwanken. Ein sehr spannendes Buch, welches die Unmenschlichkeit und Menschlichkeit in erschreckender Weise zeigt und seinen Leser mitreißt.
In einem großartigen Roman verarbeitete deutsche Geschichte
von Anonym - 25.10.2018
Eva Bruhns, eine junge Dolmetscherin, wir gebeten, beim ersten Auschwitz-Prozess die Zeugenaussagen der polnisch sprechenden Opfer zu übersetzen. Gegen den Willen ihrer Eltern und ihres Verlobten stellt sie sich der Aufgabe. Zunächst ahnungslos, was die Geschehnisse in Auschwitz während der Nazi-Zeit betrifft, wird der Prozess Evas Leben nachhaltig verändern. Ein Reifeprozess beginnt, der aus Eva eine selbstbewusste Frau macht, die auch die Schuld der eigenen Familie hinterfragt. Wie schon in ihren Drehbüchern zu den TV-Serien Weissensee und Kuhdamm 56/59 gelingt es der Autorin Annette Hess auch in diesem Roman deutsche Geschichte zum Leben zu erwecken und den Lesern nahezubringen, wobei sie sich hier dem schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte bzw. dessen Aufarbeitung widmet. Genau dieses Thema zum Inhalt eines Romans zu machen, ist in gewisser Weise ein Drahtseilakt, den die Autorin jederzeit hervorragend meistert. Ihr gelingt ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann und das trotzdem manchmal aufgrund der von Deutschen verübten Gräueltaten nur schwer zu ertragen ist. Ein Buch, dass den Leser niveauvoll unterhält und am Ende mit vielen neuen Erkenntnissen zurücklässt. Aus meiner Sicht deshalb eine absolute Leseempfehlung gerade auch für die Menschen, die die Auschwitz-Prozesse und ihre Wirkung auf die noch junge Bundesrepublik nicht selbst miterlebt haben.
Beeindruckend
von Anonym - 24.10.2018
Ich hätte das Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand gelegt! Die Zeit um 1963 ist ja noch nicht so lange her. Eva ist die zweite Tochter der Familie Bruhns. Eigentlich müsste ihre ältere Schwester erst heiraten. Eva setzt sich über solche "Vorschriften " hinweg und stellt ihren Verlobten ihren Eltern vor. Und dann erhält sie die Möglichkeit als Übersetzerin in einem Gerichtsverfahren mitzuwirken. Und das gegen den Willen ihrer Eltern und ihres Verlobten!!! Während des Prozesses erfährt sie, was im Krieg geschehen ist. Sie ist entsetzt und muss feststellen, dass auch ihre Familie involviert ist. Trotz aller Widrigkeiten geht sie unbeirrt ihren Weg. Heute ist es selbstverständlich, dass eine Frau frei entscheiden kann!
GEGEN DAS VERGESSEN
von Hennie - 24.10.2018
»Dieser Roman kommt genau zur richtigen Zeit.« Iris Berben Die vielfach ausgezeichnete Annette Hess legt mit "Deutsches Haus" ihren ersten Roman vor, der am 21.09.2018 im Ullstein-Verlag erschien. Sie ist vornehmlich als Drehbuchautorin tätig. Sehr erfolgreich liefen die Serien Weissensee , Kudamm 56 und Ku`damm 59" im Fernsehen, in denen Nachkriegsdeutschland schon das Thema war. Im Roman Deutsches Haus widmet sich die Autorin der westdeutschen Vergangenheitsbewältigung. Die überwiegende Handlung spielt in Frankfurt im Jahr 1963. Der erste Auschwitz-Prozess wird vorbereitet. Durch einen Zufall kommt die junge Eva Bruhns, eine gelernte Dolmetscherin, Übersetzerin für die polnische Sprache, zu der verantwortungsvollen Aufgabe, Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihren Eltern, Inhaber einer Speisegaststätte, und ihrem Verlobten ist das gar nicht recht. Doch sie widersetzt sich und bringt damit ihre Zukunft mit dem reichen Versandhausbesitzer Jürgen Schoormann ins Wanken. Je tiefer Eva in die Materie der Gerichtsverhandlungen eindringt, je mehr sie von den Gräueltaten der Angeklagten erfährt, umso mehr nimmt sie wahr, wie sie sich an lange zurückliegende Ereignisse erinnert, an ihre frühe Kindheit... In vier Teilen ohne Kapiteleinteilung, aber mit deutlich abgegrenzten Leseabschnitten wird anschaulich und detailreich das Leben in der Bundesrepublik in den 60ern erzählt. Es wird hinter die Fassaden der anscheinend so heilen, intakten Welt geschaut. Es ist die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs und 18 Jahre nach dem Ende des Krieges wollen viele nichts mehr von der Zeit vor 45 wissen. Eva, die durch ihren Geburtsjahrgang (1939) eigentlich gar nichts wissen kann, bekommt von einem jungen Mann (David Miller), der für die Staatsanwaltschaft in dem Auschwitzprozess arbeitet, ihr "Fett" weg. "Ihr seid alle so ignorant...Für euch kamen ¿33 die kleinen braunen Männchen in einem Raumschiff und landeten in Deutschland,...¿45 haben sie sich dann wieder verzogen, nachdem sie euch armen Deutschen diesen Faschismus aufgezwungen hatten." [S. 33] "Sie sind eins von diesen Millionen dummen Fräuleins." [S. 34] Mich beeindruckt bei dem Roman die Authenzität, die Emotionalität. Es gibt viele erschreckende Momente, die mich tief erschüttert haben. Hier bemerkte ich deutlich das Handwerkszeug der Drehbuchautorin. Die Bilder stellten sich wie von selbst ein. Annette Hess ist es hervorragend gelungen, in ihrer sorgsam eindringlichen, detailgetreuen Darstellung der Ereignisse im Gerichtsprozeß, im Umgang mit den Angeklagten und Zeugen, in den Lebensumständen der Familien Bruhns und Schoormann, die Brisanz darzustellen. Die Älteren schleppen ihre schlimmen Erinnerungen mit sich, die einerseits verdrängt (die Eltern Bruhns) und anderseits als Teil des Krankheitsbildes (Walter Schoormann) immer wieder gegenwärtig werden. Das Buch besticht durch seine lebendige Erzählung. Die Ausdrucksweise und Lebensart ist originalgetreu wie in den 60ern. Mit "Evas Ungehorsam" wird auch die Rolle der Frau in dieser Zeit thematisiert. Die Sprache der Autorin empfand ich oft als bildhaft und ausdrucksstark ("Der Hellblonde", "Die Bestie", "Schimpansengesicht"). Vielleicht hätte es die Figur der Kinderkrankenschwester Annegret (die ältere Schwester Evas) nicht unbedingt bedurft. Dieser Charakter ist sehr problembeladen und verdichtet nochmals das ohnehin sehr emotional packende Thema der Massenvernichtung von Menschen. Ja, und was aus David Miller geworden ist, hätte ich gern noch erfahren! Sein Schicksal bleibt ungeklärt. "Deutsches Haus" empfinde ich als gelungenes Romandebüt. Es ist ein Buch, das die Fragen der persönlichen und der kollektiven Schuld thematisiert. Ein Buch gegen die Verdrängung, gegen das Vergessen der größten Massenmorde in der Geschichte der Menschheit. Ein Buch gegen die Vorspiegelung falscher Tatsachen. Von mir gibt es fünf von fünf Sternen und eine bedingungslose Kauf-/Leseempfehlung.
Die Deutschen wollen getröstet werden
von anushka - 18.10.2018
Frankfurt, 1963: Eva ist gelernte Dolmetscherin für Polnisch und unterstützt ihre Eltern in deren Wirtshaus Deutsches Haus . Sehnsüchtig wartet sie auf einen Heiratsantrags ihres wohlhabenden Freundes, ein Unternehmersohn. Doch dann wird sie eines Tages für einen Auftrag abgeholt, für den sie gar nicht ausgebildet ist. Sie soll für den Generalstaatsanwalt die Zeugenaussage eines Mannes übersetzen, der über Kriegsverbrechen berichtet. Trotz ihres Schocks und ihrer Verwirrung nimmt sie entgegen dem Wunsch ihrer Familie und ihres Freundes den Auftrag an, während des ersten Auschwitz-Prozesses die Zeugenaussagen zu übersetzen. Von ursprünglichem Unglauben über tiefe Erschütterung muss sich Eva schließlich auch der Schuldfrage stellen. Was wussten die Menschen, nicht zuletzt ihre Eltern? Dieses Buch hat mich sehr gefesselt. Es ist nicht so sehr ein Spannungsbogen gewesen, obwohl es den auch in irgendeiner Form gab, während sich die Familiengeschichte von Eva entfaltet und sie ihre Beziehung riskiert, weil sie sich gegen die gesellschaftliche Strömung stellt, die Verbrechen der Nationalsozialisten einfach zur verdrängen. Es sind auch nicht die geschilderten Taten der Nazis, denn die sind zur Genüge bekannt. Die Spannung stammt vielmehr aus dem langsamen Realisieren Evas und ihrer Nähe zu den Ereignissen, da sie noch während der Nazizeit geboren ist und sich für sie die Schuldfrage direkt und unmittelbar stellt. Während sie erschrocken den Erlebnissen der Zeugen zuhört und extrem nah dran ist, weil sie sie übersetzen soll, muss sie feststellen, dass ihr Umfeld nichts davon wissen will, und zwar mit vollem Vorsatz. Weil es ja doch nichts bringen würde, sich mit der Vergangenheit zu befassen. Und gleichzeitig haben ehemalige Nazis immer noch wichtige Positionen inne und die Hauptangeklagten spazieren jeden Verhandlungstag wieder frei aus dem Gerichtsgebäude. Es ist die emotionale Ebene, die mich besonders gepackt hat. Der Schreibstil ist gradlinig und verstellt so nicht den Blick auf die Geschichte. Er erlaubt ein schnelles Vorankommen, ist aber nicht oberflächlich. Das einzige, was mich ein wenig gestört hat, war das Ende. Das hing leider nicht mehr so stringent zusammen, wie der Großteil des Buches, sondern wirkte ein wenig, als würde die Geschichte auseinander fasern. Stilistisch passte das jedoch irgendwie zum Ende dieser Geschichte, einem letztlich trotz kleiner Kritik großartigem und wichtigem Buch, das so perfekt zur aktuellen Zeit passt.
Ein wichtiges Thema
von Buecherfreund - 15.10.2018
Eva Bruhns lebt noch zusammen mit ihren Eltern und zwei Geschwistern in einer Wohnung über dem Familienbetrieb Deutsches Haus . Sie ist Dolmetscherin für Polnisch und wird mehr durch Zufall aufgrund eines kurzfristigen Personalausfalls als Übersetzerin im Auschwitz Prozess angeheuert. Eva ist tief erschüttert über die Zeugenaussagen, die sie zu hören bekommt. Obwohl sie den Krieg als Kind schon miterlebt hat, hatte sie anscheinend keine Ahnung, was wirklich in den Vernichtungslagern passiert ist. Wie auch? Denn ihre Eltern hüllen sich in Schweigen und Verleugnung. Eva macht im Laufe des Buches einen Reifeprozess durch. Sie wird unabhängiger, stärker und bricht schließlich mit ihren Eltern, als sie ihre eigenen Nachforschungen anstellt. Dies macht sie als Charakter tiefschichtiger und sympathisch. Ich fand es sehr interessant, durch Evas Augen den Prozess mit zu verfolgen. Gerne hätte dieses Thema noch ausführlicher behandelt werden können. Anstelle z.B. des Nebenplots um Evas Schwester, der irgendwie außen vor wirkt und nicht wirklich in die Geschichte hinein passt, hätte die Autorin noch tiefer in das Thema eindringen können, denn so bleibt es in meinen Augen etwas oberflächlich. Dennoch finde ich das Buch sehr lesenswert, denn es greift ein Thema auf, das beim Thema Holocaust oft zu kurz kommt: die Verfolgung der Täter und die Art und Weise, wie die Gesellschaft zur damaligen Zeit damit umgegangen ist. Durch den flüssigen Schreibstil lässt sich das Buch auch trotz des schweren Themas gut lesen. Da ich mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht hätte, ziehe ich einen Punkt ab und vergebe vier von fünf Punkten.
stimmt nachdenklich, wunderbarunterhaltsam
von Rebecca1120 - 15.10.2018
Deutsches Haus heißt das Speiselokal das Eva Bruhns Eltern, Edith und Ludwig betreiben. Die gesamte Familie, auch die beiden bereits erwachsenen Töchter, wohnen mit den Eltern im gleichen Haus. Während die Eltern die Gaststätte betreiben, verdient Eva ihren Lebensunterhalt als Dolmetscherin für Polnisch und ihre Schwester als Säuglingskrankenschwester. Eines Tages wird Eva zur Übersetzung einer Zeugenaussage ins Gerichtsgebäude gerufen und damit beginnt für sie der bisher schwerste Auftrag ihres Lebens... Eva kam mir anfangs noch sehr naiv und altbacken vor. War sie doch bei der ersten Zeugenaussage kaum in der Lage die Worte des Zeugen korrekt ins Deutsche zu übersetzen. Aber je länger sie sich dieser Aufgabe stellt, umso mehr ist sie ihr gerecht geworden. Auch wenn sie damit manchmal bis an ihre Grenzen geht. Die innere Zerrissenheit von Eva hat die Autorin sehr gut in Worte gefasst. Es gibt Stellen im Buch, die mich stark beeindruckt haben. Z.B. im Zusammenhang mit der Schilderung der Verzweiflung, der Mutlosigkeit der KZ-Häftlinge, die eigentlich bereits mit dem Leben abgeschlossen haben. Das hat mich stark berührt. Dabei setzt sich das Buch nicht nur mit den Gräueltaten der Nazi-Diktatur auseinander. Nein, es spiegelt auch die menschliche Schwäche der Verdrängung wunderbar wider. Der Buchtitel ist doppeldeutig und somit sehr treffend gewählt Amüsiert habe ich mich über die im Buch erscheinenden Familiennamen, die zum Teil schon sehr kurios klangen. Das Buch empfand ich als rundum gelungen, unterhaltsam und nachdenklich stimmend. Es wird der damaligen Zeit gerecht. Auch die Rechtlosigkeit von Ehefrauen ist darin wiederzufinden. Von mir gibts wohlverdiente 5 Lese-Sterne und eine 100%ige Leseempfehlung.
Ein Buch wie eine Zwiebel
von Neugiernase - 15.10.2018
... prall und rund , doch je tiefer die einzelnen Schichten abblättern, desto mehr ists einem zum Heulen. Annette Hess, aus deren Feder die Erfolgsfilme Weissensee und Kudamm 56 bzw Kudamm 59 stammen, legt mit Deutsches Haus ihren ersten Roman vor. Und wie nicht anders von ihr zu erwarten, zeichnet sich auch dieser Erstling durch eine sehr feine, sensible Sprache aus, mit der die Autorin wunderbar dichte, in sich stimmige Bilder zeichnet, die den Leser sofort gefangen nehmen und tief in die Geschichte hineinziehen. Die Story per se ist schnell erzählt: In Frankfurt beginnt der erste Auschwitzprozeß und Eva, die Wirtstochter aus der Gaststätte Deutsches Haus wird als Dolmetscherin hinzugebeten. Für sie ist es vermeintlich die erste Konfrontation mit diesem Thema und sie ahnt noch nicht, wie sehr sich ihr Leben durch diese Arbeit verändern wird. Was jedoch eigentlich viel wichtiger als der blanke Text ist, ist zwischen den Zeilen zu lesen: Die Frage nach der Schuld an dem, was in den dunklen Jahren im letzten Jahrhundert in Deutschland passiert ist. Schnell wird deutlich daß es eben NICHT nur einige Wenige waren, die sich versündigt haben, sondern daß hinter der Fratze des Biedermanns ein ganzes Volk Unfassbares begangen und zugelassen hat. Spätestens hier wird es schmerzhaft beim Lesen, denn die Autorin macht sehr unmissverständlich klar, daß diese große, schreckliche Katastrophe Drittes Reich / Zweiter Weltkrieg nie richtig aufgearbeitet und stattdessen nur emotional zugeschüttet wurde, was nicht sein kann, weil nicht sein darf. Die Folgen davon zeigen sich nicht nur im Jahre 1963, als der erste Prozeß begann (insgesamt gab es allein in Deutschland 6 Auschwitz-Prozesse) und eigentlich jede Figur in diesem Roman noch von Gewalterfahrungen geprägt handelt - sei es nun Evas Verlobter, der sie, gegen ihren Willen und über ihren Kopf hinweg, von der weiteren Mitarbeit am Prozeß abmeldet oder ihr kleiner, erst nach dem Krieg geborener Bruder, der Alpträume von Schlachten hat, die er gar nicht miterlebt hat ( es liegt also eine transgenerationale Traumatisierung vor ) - , sondern es drängt sich natürlich die Frage auf, wie weit diese Schuldnegierung und ihre Folgen Deutschland bis heute prägen. (Sehr bewegend hat die Autorin im Übrigen ausgearbeitet, daß es nicht nur auf Seiten der Täter mehr oder minder unterdrückte Schuldgefühle gab, sondern auch auf Seiten der überlebt habenden Opfer, mit allen schrecklichen Konsequenzen. Und gerade für diesem Punkt fehlt noch jedes Bewußtsein in der deutschen Öffentlichkeit. ) Deutsches Haus von Annette Hess erscheint zu einem Zeitpunkt, wo uns die Folgen dieser nicht bearbeiteten Vergangenheit quasi mit Volldampf um die Ohren fliegen. Nicht erst die Ereignisse in Chemnitz machen deutlich, was passiert, wenn ein ganzes Volk über Generationen hinweg seine Traumata nicht auflöst, sondern an die Kinder und Kindeskinder weitergibt, wo sich die alten Wunden dann potenzieren in ihrem Schmerz und auch im aus diesem Schmerz entstehenden Hass. Wir sind jetzt an dem Punkt, wo wir mehr als nur aufpassen müssen, daß der entsetzliche Kreis sich nicht schließt. Annette Hess ist ein großer Dank dafür auszusprechen, daß sie uns allen einen Text an die Hand gibt, der dazu geeignet ist, endlich zu reden und daraus folgend auch zu verstehen und vor allem zu verhindern. Dieses Buch gehört in jede Schulklasse, unter jeden Weihnachtsbaum, in jede öffentliche Bibliothek - und vor allem auch in jeden Bücherschrank in deutschen Altenheimen.
Den Zeugen eine Stimme geben
von nati - 13.10.2018
Frankfurt 1963 Eva Bruhns lebt gemeinsam mit ihrer Familie in Frankfurt, wo ihre Eltern die Gaststätte "Deutsches Haus" bewirtschaften. Eva ist gelernte Dolmetscherin. Überraschend erhält sie am Adventssonntag einen neuen Auftrag, da der vorgesehene Dolmetscher keine Ausreise erhalten hat. Sie soll bei einem Prozess gegen ehemalige Kriegsverbrecher, die alle im Lager Auschwitz gedient hatten, die Zeugenaussagen übersetzen. Als sie ihren Eltern und ihrem Verlobten Jürgen davon erzählt, stößt sie auf Widerstand. Doch je mehr sich ihre Familie und Jürgen dagegen ausspricht, desto stärker ist ihr Wille bei dem Prozess zu dolmetschen. Ihr Wunsch ist es, den Zeugen eine Stimme zu geben. Die Autorin Annette Hess hat ein bewegendes Buch geschrieben, gekonnt hat sie Fiktion und Fakten verwoben, teilweise durch Originalzitate und Aussagen untermauert. Neben den traumatischen Erlebnissen der Zeugen, die schilderten wie Auschwitz gewesen ist, entstand auch ein gut gezeichnetes Bild der Deutschen während der 60er Jahre. Über die Hälfte der Deutschen war damals gegen die Kriegsverbrecherprozesse. Sie wollten verdrängen und nicht mehr erinnert werden an ihre Erlebnisse während der Kriegszeit, egal ob sie Opfer, Täter oder Mitläufer waren. Ein lesenswertes Buch, welches zum Nachdenken anregt.
Jeder der wegschaut wird zum Täter
von thisisher - 11.10.2018
Eva ist Übersetzerin für Polnisch und wird beauftragt die Aussage eines ehemaligen KZ-Häftlings zu übersetzen. Sie ist Mitte 20, lebt mit ihren Eltern, die das Gasthaus "Deutsches Haus" betreiben, ihrer älteren Schwester und ihrem jüngeren Bruder zusammen und hat vorher noch nie von Auschwitz gehört oder dem Ausmaß der Verbrechen die dort und in anderen Lagern geschehen sind. Der Roman spielt in Frankfurt, Anfang der sechziger Jahre, zwanzig Jahre nach Ende des 2.Weltkriegs. Als Eva gegen den Willen ihres Verlobten beginnt im Prozess als Übersetzerin zu arbeiten, schlägt ihr aus ihrem Umfeld nur Widerwillen und Abweisung entgegen. Alle versuchen den Krieg und seine Auswirkungen zu verdrängen, sich ihrer Schuld zu entziehen und nicht darüber nachzudenken, was in den Lagern geschehen ist. Evas Bruder spielt Krieg, ihre Schwester macht absichtlich Neugeborene krank, nur um sie gesund pflegen zu können und ihre Eltern haben den Krieg und ihre eigene Täterrolle verdrängt. Der Einstieg in die Geschichte ist mir erst schwer gefallen, der Schreibstil erinnert am Anfang an ein Drehbuch, eher kalt, sachlich und nüchtern werden die Personen und ihre Handlungen, die Szenerie beschrieben. Das ändert sich jedoch im Verlauf des Romans. Wir folgen Eva im Prozess und in ihrer schwierigen Situation mit ihrem Verlobten Jürgen, den sie liebt, aber der selbst eine Vergangenheit nicht verarbeitet hat und seine Launen an Eva auslässt. Das Buch wird zunehmend beklemmender, je mehr Eva und die Leserin über die Verbrechen der NS-Zeit erfährt und erreicht seinen Höhepunkt, als Evas eigene Vergangenheit unmittelbar im Prozess zu Tage tritt. Evas Konflikte mit ihrer Familie und ihrem Verlobten und die Auseinandersetzung mit der größtenteils verdrängten Vergangenheit sind sehr gelungen. Das Ausmaß der Verdrängung ist erschreckend und heute kaum noch vorstellbar. Wenn davon geredet wird, dass die Vernichtung von so vielen Menschen logistisch gar nicht möglich sei oder dass die Zeugen lügen würden, weil der, der das meiste Unglück erfahren hat, "gewinnt", bleibt einem schon mal die Spucke weg. Annette Hess ist mit ihrem Roman die Darstellung eines bedeutsamen Stücks deutscher Zeitgeschichte gelungen. Sie zeigt wie wichtig es ist, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und sich bewusst zu werden, was während des zweiten Weltkriegs in Deutschland geschehen ist und wie jeder der weggeschaut zum Täter wird. Sie zeigt auch die Folgen der Verdrängung und wie fehlende Aufarbeitung zur Verfestigung von Angst und Vorurteilen und damit zu Gewalt und Ausgrenzung alles Fremden führt.
Ein Stück Zeitgeschichte
von leseratte1310 - 09.10.2018
In ihrem Roman Deutsches Haus beschäftigt sich Annette Hess mit im ersten Auschwitz-Prozess, in dem die Gräueltaten, die in den Konzentrationslagern geschehen sind, aufgearbeitet und die Schuldigen verurteilt werden sollten Das bekannte "Deutsche Haus" in Frankfurt wird von den Wirtsleuten Bruhns betrieben. Ihre Tochter Eva ist Übersetzerin für Polnisch und soll im ersten Auschwitz-Prozess die Aussagen eines Zeugen übersetzen. Ihre Eltern sind dagegen und ihr Verlobter will ihr die Arbeit sogar verbieten. Doch Eva lässt sich nicht beirren und nimmt den Job an. Während sie beim Prozess die Zeugenaussage übersetzt, erfährt sie Ungeheuerliches. Doch dann kommen Erinnerungen zutage, die sie aber nicht einordnen kann. Sie hat Fragen, aber niemand will mit ihr über dieses Thema reden. Aber Eva will nicht, dass geschwiegen wird. Sie will den betroffenen Menschen eine stimme geben. Doch was hat sie selbst mit Auschwitz zu tun? Es ist ein interessantes und ein wichtiges Buch. Es gab viele Menschen in Deutschland, die gegen diesen Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main waren. Das Wirtschaftswunder war, es ging den Menschen gut und man wollte sich nicht mehr erinnern - aus den unterschiedlichsten Gründen. Die Autorin hat einen fesselnden Schreibstil. Damit bringt sie die Informationen über den Prozess gut und verständlich rüber. Man fühlt mit den Zeugen, die über die Gräuel berichten und ist erschüttert, wie sich die Täter herausreden und sich immer noch keiner Schuld bewusst sind. Aber auch das Leben in den sechziger Jahren ist gut dargestellt. Ich habe diese Zeit selbst miterlebt und weiß, wie schwierig es für junge Frauen war, ein selbstbestimmtes leben zu führen. Erst bestimmten die Eltern, wo es lang ging und dann übertrugen sie die Verantwortung auf den Ehemann. Eine Frau konnte also nur mit Erlaubnis einen Beruf ausüben. Aber auch das Leben mit den Gastarbeitern und die Vorurteile sind authentisch dargestellt. Eva ist eine sympathische junge Frau, die sich im Laufe des Prozesses sehr weiter entwickelt. Am Anfang schien sie etwas naiv, da sie noch nichts von Auschwitz gehört hatte, man muss bedenken wie viele Jahre seit Kriegsende vergangen sind. Als sie wegen ihres Jobs Gegenwind sowohl von ihren Eltern als auch von ihrem verlobten erfährt, setzt sie sich durch. Der Prozess bringt sie dazu, sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinander zu setzen. Es ist ein Stück deutscher Geschichte, das hier behandelt wird. Es geht dabei um die Schuld der Täter und die Schuld, derer die weggesehen und geschwiegen haben. Allerdings kam für mich der Prozess etwas zu kurz. Dennoch hat mir das Buch sehr gut gefallen.
Gegen das Vergessen
von Philo - 08.10.2018
Frankfurt 1963. In Frankfurt-Bornheim in einem seriösen Teil der Berger Straße befindet sich die Gaststätte Deutsches Haus des Gastwirtsehepaares Bruhns. Die beiden haben zwei Töchter. Der Vater kocht, die Mutter serviert und kümmert sich um die Gäste, manchmal hilft die jüngere Tochter , Eva, aus. Eva ist von Beruf Dolmetscherin und träumt von der Hochzeit mit Jürgen, dem Sohn eines Unternehmers, um aus dem kleinbürgerlichen Milieu herauszukommen. Da bekommt sie den Auftrag, die Zeugenaussagen eines polnischen Juden zu übersetzen, einem, der Auschwitz überlebt hat. Eva ist entsetzt. Ihr fehlen die Worte, um die Zeugenaussagen zu übersetzen. Sie glaubt, den Zeugen nicht richtig zu verstehen. Da der Dolmetscher aus Polen aber keine Ausreisegenehmigung erhält, wird Eva gebeten, auch bei den anstehenden Gerichtsverhandlungen als Dolmetscherin zu fungieren. Ihre Eltern und ihr Verlobter raten ihr dringend davon ab. Aber Eva, die sich nun mit dieser Zeit auseinandergesetzt hat, fühlt sich verpflichtet, die Aufgabe zu übernehmen. Der Autorin ist es in beispielloser Art gelungen, durch die Zeugenaussagen diese schreckliche Zeit noch einmal lebendig werden zu lassen. Bedrückend ist zu lesen, wie teilnahmslos und zynisch sich die Angeklagten verhalten, die von nichts etwas gewußt haben wollen und alle Anschuldigungen bestreiten. Nach und nach wird Eva bewußt, daß auch ihre Eltern von dem Grauen gewußt haben mußten und sich sogar mitschuldig gemacht haben. Zur Rede gestellt, streiten sie zunächst alles ab, was zum Bruch mit der Tochter führt. Auch die Verlobung mit Jürgen löst Eva, nachdem dieser bei ihrem Vorgesetzten erreichen wollte, Eva von dieser Aufgabe zu entbinden. Die Autorin macht deutlich, daß den jungen Menschen in den Nachkriegsjahren die Kenntnisse über die Judenverfolgung und die Massenvernichtungslager fehlten, da weder Eltern noch Lehrer in den Schulen über diese Zeit sprechen wollten. Aber durch die Prozesse und die Verhaftung der Angeklagten konnte diese Zeit nicht mehr totgeschwiegen werden. Es ist ein Buch über schwere Schuld, die Menschen auf sich geladen haben und viele andere, die sich mitschuldig gemacht haben, indem sie weggeschaut und verleugnet haben. Zu sagen, man habe nichts gewußt, kann man nicht gelten lassen. Der Autorin sei Dank für dieses Buch über eine Zeit, die in Deutschland nie vergessen werden darf. Auch wenn ich diese Zeit nicht miterlebt habe, packt mich tiefes Grauen vor dem, was Menschen anderen Menschen in der Lage sind, anzutun. Die Autorin bringt ihren Lesern diese Zeit wieder ins Gedächtsnis. So etwas darf nie wieder passieren. Ich wünsche dem Buch eine große Leserschar, und hierfür gebe ich meine Leseempfehlung ab.
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