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Deutsches Haus

Roman. 4. Auflage.
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Ein Prozess, der Deutschland veränderte, und auch das Leben einer jungen Frau
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Deutsches Haus als Buch

Produktdetails

Titel: Deutsches Haus
Autor/en: Annette Hess

ISBN: 3550050240
EAN: 9783550050244
Roman.
4. Auflage.
Ullstein Verlag GmbH

21. September 2018 - gebunden - 365 Seiten

Beschreibung

Von der Erfinderin der TV-Serien Weissensee und Ku'damm 56 / 59

»Dieser Roman kommt genau zur richtigen Zeit.« Iris Berben

Frankfurt 1963. Eva, gelernte Dolmetscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ihr zukünftiger Verlobter, dagegen: Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, folgt ihrem Gefühl und widersetzt sich ihrer Familie. Sie nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird.

Portrait

Annette Hess stammt aus Hannover und studierte zuna chst Malerei und Innenarchitektur, spa ter Szenisches Schreiben. Sie arbeitete als freie Journalistin, Regieassistentin sowie Drehbuchlektorin. Seit 1998 ist sie ausschließlich als Drehbuchautorin ta tig. Bekannt wurde sie durch ihre Fernsehserien Weissensee, Ku'damm 56 und Ku'damm 59. Annette Hess lebt in Niedersachsen und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Grimme-Preis, den Frankfurter Preis der Autoren sowie den Deutschen Fernsehpreis. Deutsches Haus ist ihr erster Roman.

Pressestimmen

"Das ist ein Werk, das lege ich Ihnen nicht nur ans Herz, das dränge ich Ihnen auf. Wenn Sie das nicht lesen, sind Sie selber schuld.", WDR 2 Jörg Thadeusz, Jörg Thadeusz, 12.02.2019
Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Ingrid S.
von Ingrid S. - Hugendubel Buchhandlung Neubrandenburg Stargarder Str. - 08.01.2019
Annette Hess schrieb für die TV-Serie "Weissensee" - Überwachung in der DDR - und "Ku'damm 56/59" - Nachkriegszeit. Mit "Deutsches Haus" ist ihr ein lesenswerter Nachkriegsroman gelungen. Es gelingt ihr, Figuren zu entwickeln, in all ihrer Widersprüchlichkeit.
Stefan G.
von Stefan G. - Hugendubel Buchhandlung Frankfurt/Main Steinweg - 08.01.2019
Annette Hess ist ein starkes Zeitporträt gelungen. Die [...] der frühen 60er Jahre, das "Von-nichts-gewusst-haben-Wollen" und die Bereitschaft, die Naziverbrechen aufzuarbeiten, verarbeitet Hess gekonnt zu einem feinen Unterhaltungsroman!
Volker S.
von Volker S. - Hugendubel Buchhandlung Wismar Hinter dem Rathaus - 22.10.2018
Als Drehbuchautorin der erfolgreichen ARD-Serie "Weißensee" bekannt geworden, kann die Autorin auch hier von der ersten Seite an überzeugen und baut eine intensive Spannung auf.
Hedda Freier, Buchhandlung Hugendubel Flensburg
Ein sehr emotionaler Roman
von Hedda Freier, Buchhandlung Hugendubel Flensburg - Hugendubel Buchhandlung Flensburg Holm - 22.09.2018
Eva arbeitet als Übersetzerin vom polnischen ins deutsche und umgekehrt. Nun wird sie gebeten bei einem Prozess , bei dem es um die Geschehnisse in Auschwitz geht, zu übersetzen. Ihre Eltern und ihr Verlobter sind dagegen, aber Eva setzt sich in diesem Fall durch und nimmt die Herausforderung an. Was Eva zu Beginn noch nicht ahnt, ist das dieser Prozess auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird. "Deutsches Haus" ist ein Roman, der mich von Anfang an gefesselt und nicht mehr losgelassen hat. Die Geschichte von Eva hat mich wirklich berührt. Sie ist eine starke Frau, auch wenn es am Anfang nicht immer so aussieht. Aber sie setzt sich gegen den Willen ihrer Eltern durch und riskiert auch die Beziehung zu ihrem Verlobten. Da der Roman in den sechziger Jahren spielt, ist auch die Sprache irgendwie besonders, gerade auch wenn es um den Umgang der Menschen untereinander geht.
Bewertungen unserer Kunden
Sie wollen, dass wir sie trösten.
von Kaffeeelse - 24.01.2019
Annette Hess beschreibt in diesem Roman den Auschwitz-Prozess in Frankfurt von 1963 bis ¿ und die Emanzipation der Protagonistin Eva Bruhns. In diesem Roman entsteht vor den Augen der Leser*innen ein Blick auf das Jahr 1963 und die damalige Sicht der Deutschen auf das Leben und die Vergangenheit. Eva Bruhns ist eine naive junge Frau aus bürgerlichem Milieu, die Eltern haben ein Gasthaus, das Deutsche Haus , sie selbst ist Dolmetscherin, ihr Ein und Alles ist Jürgen, der Verlobte, den sie bald heiraten möchte und der in ihren Augen gern bestimmen kann, was Madame tun darf. Furchtbar!!! Durch einen Zufall wird sie zur Dolmetscherin für Polnisch für den beginnenden Auschwitz-Prozess. Durch das in diesem Prozess verhandelte Geschehen im Konzentrationslager Auschwitz und den Massenmord an den Juden durch die Nationalsozialisten, die schockierenden Berichte der überlebenden Zeitzeugen beginnt Eva sich zu verändern. Sie beginnt zu verstehen und nachzufragen. Und mehr und mehr geht es in diesem Buch um die Schuldfrage der Deutschen. Wie hat diese Vernichtung eines Volkes funktionieren können? Und auch um dieses immer wieder zu hörende Davon habe ich nichts gewusst. geht es. Dabei sollte es eher klingen: Davon habe ich nichts wissen wollen, weil ich Angst hatte. oder leider auch Davon habe ich gewusst und ich finde es gut . Aber wer ist schon so ehrlich?!? Immer wieder kommt die Handlung des Romans auch auf den latenten Fremdenhass der Deutschen in den 60er Jahren, ein Fremdenhass, der auch in heutiger Zeit noch zu finden ist, der gerade auch mit dem Blick in die Geschichte sehr betroffen macht. Dieses Buch erzeugt einen tiefen Blick auf das Tun der Zeitzeugen und auch die Reaktion der Nachkommenden und macht sehr deutlich, dass wir dieses Geschehen nie vergessen dürfen und aufpassen müssen, dass ähnlich Denkende nicht polemisieren und immer mehr Publikum bekommen. Dies ist aus der Geschichte heraus unsere Pflicht! Die Schreibe der Frau Hess fand ich gut zu lesen und auch sehr interessant und recht bestechend durch eine sehr lebendige Art. Am Anfang erschien mir der Schreibstil etwas flau, genau wie der gezeichnete Hauptcharakter Eva. Mit der Veränderung der Rolle der Eva verändert sich auch der Schreibstil, wird flüssiger und flotter und das Buch bekommt einen fühlbaren Sog.
Deutsche Vergangenheitsbewältigung par excellence
von Christine Beckmann - 13.01.2019
Das "Deutsche Haus" ist eine Gasthof in der Frankfurter Innenstadt, betrieben von Evas Eltern. Die gutbürgerliche Gaststätte dient gleichsam als Sinnbild für heimeliges Wohlgefühl und gnädiges Vergessen, wenn man sich nur genug bemüht. Eva selbst ist im Jahre 1963 Anfang zwanzig, Dolmetscherin für polnisch und vollkommen unpolitisch. Sie hat das Grundgefühl ihrer Eltern unbewusst übernommen und möchte keine Tiefe im Leben. Ihr Plan ist es, den Sohn eines Fabrikanten zu heiraten, um "sich führen zu lassen und versorgt zu sein". Ständig hofft sie "dass er ihr nicht abspringt", weil sie nicht standesgemäß genug sein könnte. Ihre Schwester Annegret arbeitet als Krankenpflegerin auf der Säuglingsstation, wo sie wegen ihrer aufopfernde Art und Kompetenz große Achtung genießt. Scheint also alles in bester Nachkriegsordnung zu sein. Welche Abgründe sich unter all dem Schein verbergen ist grandios geschildert. Annette Hess schafft es schon in den ersten Kapiteln ein komplexes und lebendiges Bild der Zeit erstehen zu lassen. Die zaghafte Emanzipation der Fräuleins und die schier unerträgliche Spießigkeit der damaligen Zeit, die bleierne Schwermut übertüncht von Tüchtigkeit und ehrbar sein wollen, steht im krassen Gegensatz zur Frische und Lebensfreude der Jugend. Ich finde es einfach großartig, wie die Autorin vollkommen ohne Pathos anhand von Schicksalen Schwarz-Weiß- Klischees vom guten und vom bösen Menschen auflöst. Eva gerät durch Zufall als Übersetzerin in die großen Prozesse der Nazi- Kriegsverbrecher. Dadurch erfährt sie viel mehr als sie wollte und wird buchstäblich gezwungen, sich ihrer eigenen Geschichte bewusst zu werden, die sie, wie die meisten anderen Deutschen einfach verdrängt hat. Wieviel Leid in dieser fehlenden Traumabewältigung liegt, wird immer klarer. Das grausame Erbe, das die Nachkriegsgeneration antreten muss, ob sie will oder nicht, lastet schwer und je weiter es ins Unbewusste geschoben wird, desto schrägere, schwärzere Blüten treibt es. Toll geschrieben und in einem Rutsch gelesen. Ich finde es richtig gut, dass es momentan viel Literatur gibt, die sich auf intelligente, einfühlsame Art mit der Verarbeitung der deutschen Vergangenheit beschäftigt. Annette Hess werde ich mir als Autorin merken.
Aufrüttelnd
von Gisel - 20.12.2018
Frankfurt, 1963. Die junge Dolmetscherin Eva steht kurz vor ihrer Verlobung. Da wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Durch ihre Arbeit beginnt sie, sich mit den Aussagen zum ersten Auschwitz-Prozess auseinanderzusetzen. Doch seltsamerweise sind sowohl ihr Verlobter wie auch ihre Eltern dagegen. Eva widersetzt sich und nimmt die Herausforderung an, nicht ahnend, wie sehr dieser Prozess sowohl das Land wie auch ihr eigenes Leben verändern wird. Sehr eindringlich und gleichzeitig gut verständlich nimmt sich die Autorin Annette Hess dem Thema Schuld an: die Schuld, die eine ganze Nation auf sich geladen hat. Es ist immer noch ein schwieriges Thema, wobei der Umgang damit zu jener Zeit noch viel ungeübter war als heute. Die Autorin schafft es hervorragend, die Atmosphäre um den Auschwitz-Prozess heraufzubeschwören und dem Grauen dazu einen Namen zu geben. Wie auch für Eva ist es nicht leicht, darüber zu lesen, doch die Protagonisten sind gut getroffen und lassen den Leser die Geschehnisse gut miterleben. Sehr differenziert wird die Problematik von verschiedenen Seiten gezeigt. Ein historischer Roman, der sich kompetent und einfühlsam mit dem Auschwitz-Prozess um die Verantwortlichen an den Gräueltaten des Holocaust auseinandersetzt. Die Menschen, die selbst in dieser Auseinandersetzung steckten, sind sehr gut dargestellt, ihre Ängste und Hoffnungen erhalten genau den richtigen Raum. Ein Buch, das zu Recht noch lange nachwirkt. Deshalb empfehle ich es unbedingt weiter und vergebe alle fünf möglichen Sterne.
Lehrreich und zugleich unterhaltsam in Frankfurt am Main
von nil_liest - 14.12.2018
Frankfurt am Main im Jahr 1963, Deutschland hat es mit Hilfe der Alliierten wieder auf die Füße geschafft. Die meisten erfreuen sich an dem Wirtschaftswunder und wollen am liebsten die Vergangenheit ruhen lassen. Der Krieg hat viele Opfer gefordert. 1963 war auch das Jahr in dem die Auschwitzprozesse stattfanden. Eine historisch spannende und so wichtige Zeit der startenden Aufarbeitung und Auseinandersetzung zwischen den Generationen. Diese ganze Reibung hat Annette Hess auf grandiose Weise zu einem Roman verarbeitet: Deutsches Haus. Der harte Stoff der Ausschwitzprozesse wird hier verwoben mit dem Leben der Dolmetscherin Eva Bruhns, die hier aus dem polnischen übersetzt. Aufgelockert wird das Ganze in dem alle Aspekte aus Evas Leben beleuchtet werden. Ihre Eltern unterhalten eine klassische Apfelweinkneipe in Bornheim und arbeiten hart, sind eher einfach gestrickt, haben das Herz am rechten Fleck sind aber trotzdem recht traditionell. Es gibt auch einen potenziellen Ehemann in Evas Leben, aber auch dieser zeigt sich wenig fortschrittlich in seiner Ansicht über die Ehe. Eva ist da schon gedanklich, ohne es selbst aussprechen zu können, weiter. Natürlich gibt es noch mehr Personen und Seitenhandlungsstränge, aber überladen ist es nicht. Der Roman lässt sich super lesen, ist trotz des harten Stoffes unterhaltsam und sehr lehrreich. Natürlich schreit der Stoff nach einer Verfilmung. Da Annette Hess Drehbuchautorin ist, würde mich nicht wundern, wenn hieraus ein ARD- oder ZDF-Mehrteiler entsteht. Für alle die Frankfurt gut kennen, sollte auch erwähnt werden, dass man trotz historischem Setting vieles kennt und dass natürlich noch mal ein wunderbarer Zusatzpluspunkt ist für die Lektüre. Besonders für Bornheimer! :0) Ach ja, und es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass dies eine tolle Winterlektüre ist, denn man spürt förmlich das olle Wetter welches hier beschrieben wird.
Eindrücklich
von Isaopera - 03.12.2018
Das Deutsche Haus in diesem Roman ist die Gaststätte, in der Evas Eltern die Frankfurter bewirten. Eva selbst möchte nicht in das Gastgewerbe einsteigen, sondern arbeitet als Übersetzerin und wird aufgrund eines Personalmangels plötzlich mit hoher Verantwortung versehen: sie soll im anstehenden Auschwitz-Prozess die Zeugenaussagen übersetzen und kommt so hautnah in Kontakt mit der schrecklichen deutschen Vergangenheit. Annette Hess beleuchtet in diesem Roman eindringlich die deutsche Schuldfrage und regt wirklich zum Nachdenken an. Ich benötigte einige Zeit, um mich an den doch sehr nüchternen Schreibstil zu gewöhnen, mit dem ich mich etwas schwer getan habe. Die Handlung um Eva fand ich dann wirklich interessant, einige andere Nebenhandlungen (z.B. um Jürgens Vater) erschlossen sich mir nicht richtig bzw. trugen meiner Meinung nach nicht wirklich zur Geschichte bei. Ich hätte mir etwas mehr Fokus auf die hauptsächliche Handlung gewünscht, würde das Buch aber für geschichtsinteressierte Leser durchaus weiterempfehlen.
Vergangenheitsbewältigung
von takabayashi - 28.11.2018
Interessant verpackte Geschichtslektion! Die junge Frankfurter Gastwirtstochter und Dolmetscherin Eva Bruhns wird zufällig als Übersetzerin beim ersten Auschwitzprozess eingesetzt. Beim ersten Vortermin ist sie noch ganz naiv und versteht nicht, worum es eigentlich geht. Sie ist zu dem Zeitpunkt eher daran interessiert, dass ihr Freund bei ihrem Vater um ihre Hand anhält. Doch je mehr sie sich damit beschäftigt, desto mehr ist sie involviert und empört über das, was in Auschwitz passiert ist und von weiten Kreisen der Bevölkerung immer noch geleugnet wird. Gegen den Wunsch ihrer Eltern und auch ihres Verlobten beschließt sie, den ganzen Prozess als Dolmetscherin zu begleiten. Diese Erfahrung verändert sie und lässt sie reifen. Außerdem entdeckt sie, dass auch ihre Familie am Rande in die Naziverbrechen verwickelt war, was zum Zerwürfnis mit ihren Eltern führt. Wie schon in den Fernsehspielen Kudamm 56 und 59 ist es der Autorin hervorragend gelungen, die Atmosphäre der Zeit (hier die mittleren 60er Jahre) zu erfassen. Man kann es kaum glauben, dass im Jahr 1964 ein Ehemann (hier ist es sogar nur ein Verlobter, also ein zukünftiger Ehemann) noch das Recht hatte, ein Arbeitsverhältnis seiner Frau zu kündigen! Die Zeugenaussagen über die Gräueltaten sind ergreifend, nicht nur für die Protagonistin Eva, sondern auch für den heutigen Leser. Durch die Verknüpfung mit Evas Geschichte ist das keine dröge Geschichtslektion, sondern eine spannende, zeitgeschichtliche Erzählung. Angesichts der momentanen politischen Entwicklungen ist dies der richtige Roman zur richtigen Zeit - sehr zu empfehlen!
Deutschland in den 1960er Jahren
von Readaholic - 18.11.2018
Eva Bruhns, eine 24jährige Dolmetscherin für Polnisch, erhält den Auftrag, für einen Gerichtsprozess zu dolmetschen. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen Auftrag, sondern um den ersten Auschwitz-Prozess im Jahr 1963. Ihre Eltern, die ein gutbürgerliches Gasthaus betreiben, und Evas Verlobter, der reiche Unternehmersohn Jürgen Schoormann, wollen sie von dem Vorhaben abbringen, doch Eva lässt sich nicht beirren. Im Laufe des Prozesses erfährt Eva vieles über die unmenschlichen Grausamkeiten, die sich in Auschwitz abgespielt haben. Sie kann nicht verstehen, warum Jürgen und ihre Eltern so wenig Interesse daran zeigen. Jürgen versucht sogar, den vorsitzenden Richter davon zu überzeugen, dass Evas "Nervenkostüm" zu schwach ist, um diese Aufgabe auf Dauer erfüllen zu können. Als Leser bekommt man einen guten Einblick in das Deutschland der 1960er Jahre, in dem das Veto eines Verlobten gereicht hat, um einer Frau den Job wegzunehmen! Das Buch behandelt einen wichtigen und dunklen Teil der deutschen Geschichte, aber manches ist für mein Empfinden doch sehr schwarz-weiß dargestellt. Man bekommt den Eindruck, dass die Deutschen ein Volk von bigotten Mördern, Mitläufern und anderen Verbrechern und Denunzianten sind. Selbst Jürgen und Evas Familie haben Schuld auf sich geladen. Diese Nebenschauplätze haben mir im übrigen nicht gefallen, vor allem die Geschichte um Evas Schwester war völlig überflüssig und irrelevant. Auch den Handlungsstrang um den jungen Juristen David Miller fand ich viel zu ausschweifend. Überhaupt nicht nachvollziehen konnte ich manche von Evas Beweggründen, zum Beispiel blieb mir ein Rätsel, was sie an Jürgen fand, der abgesehen von seinem Reichtum so gar nichts zu bieten hatte. Auch ihr Verhalten den Eltern gegenüber konnte ich nicht verstehen. Deutsches Haus ist sicherlich ein lesenswertes und gut recherchiertes Buch, wenn man sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen will, doch mit den vielen Nebenschauplätzen hat sich die Autorin ein wenig verzettelt.
Ein Prozess, der Deutschland veränderte, und auch das Leben einer jungen Frau.
von Inge Weis - 17.11.2018
Die verschwiegene Schuld. Annette Hess nimmt sich in ihrem Debütroman gleich ein Thema von Gewicht vor: das Verdrängen des Holocausts und den ersten Auschwitz-Prozess von 1963. In Deutsches Haus kommen für die Heldin unangenehme Wahrheiten ans Licht. Eva Bruhns muss in der Gastwirtschaft ihrer Eltern oft mit anpacken. Wenn es abends voll ist, kommt Vater Ludwig am Herd in der Küche ins Rotieren und Mutter Edith mit dem Servieren kaum hinterher. Die beiden rackern sich ab, damit es wieder aufwärts geht mit der Familie im Wirtschaftswunder-Deutschland. Und Eva rackert mit. Aber die kleinbürgerliche Welt ihrer Eltern ist längst nicht mehr ihre. Eva hat keine Lust, einmal das Deutsche Haus zu übernehmen, das der ganze Lebensinhalt ihrer Eltern ist. Deutsches Haus spielt in den 1960er-Jahren in Frankfurt, zu Beginn der Auschwitz-Prozesse, bei denen nicht mehr wie in Nürnberg führende Kriegsverbrecher angeklagt waren, sondern in der Öffentlichkeit weniger bekannte Täter, die im größten Vernichtungslager der Nazis am Massenmord an den Juden beteiligt waren. Eva Bruhns ist Dolmetscherin und die starke Hauptfigur in diesem Roman. Sie übersetzt die Aussagen der Polnisch sprechenden KZ-Überlebenden. Ihre Eltern, Wirte im Gasthof Deutsches Haus, sind wie ihr zuku¿nftiger Verlobter gegen diese Anstellung. Das Thema sei nichts für eine junge Frau. Doch Eva widersetzt sich der Haltung ihrer Eltern, folgt ihrem Gefühl und nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich vera¿ndern wird. Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Generalstaatsanwalt Fritz Bauer will die deutsche Öffentlichkeit aufrütteln, die SS-Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und die Opfer zu Wort kommen lassen. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort geho¿rt hat, wird als Dolmetscherin zu den Zeugenbefragungen hinzugezogen und ist von den Aussagen der Opfer schockiert. Und plötzlich muss sich Eva ganz persönliche Fragen stellen und muss sich entscheiden: Mache ich mit? Beuge ich mich? Oder widersetze ich mich? Warum erzählen ihre Eltern nie von ihrer Zeit in Polen? Und warum interessiert sich ihr Verlobter Jürgen nicht für die Vergangenheit? Eva wird nicht nur mit schrecklichen Details des Holocausts konfrontiert, sondern gleichzeitig mit einem Teil der deutschen Geschichte, der damals noch kaum bekannt ist, weil die Gesellschaft nichts von ihm wissen will. Nähmlich, das Verschweigen der Verbrechen gegenüber den Juden und das Davonkommenlassen der Verantwirtlichen. Genau darum geht es in Deutsches Haus und Eva steht stellvertretend für diejenigen, die diesen verlogenen Umgang mit der deutschen Geschichte nicht hinnehmen wollen. Am Schluss erfährt sie, dass das Verdrängen und Verleugnen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte ist, dass ihr Vater, der rückenkranke Gemütsmensch, bei der SS war und sie als kleines Kind in Auschwitz gewohnt hat, wo er als Koch im KZ arbeitete. Deutsches Haus ist eine Geschichte in Zeiten der Entscheidung - berührend, lebensnah, historisch genau. Mut, Verzweiflung, Verrat und Liebe im Zeichen des Auschwitz-Prozess: bewegend schildert Annette Hess die deutsche Jahrhundert-Tragödie und den Weg einer Familie, deren Mitglieder so unterschiedlich sind, wie Menschen nur sein können. Klug und wahrhaftig beschreibt die Autorin Menschen, die sich in schweren Zeiten bewähren müssen und die doch einfach so sind wie wir.
Die Aufdeckung der Wahrheit verändert in den Auschwitzprozessen alles. Für jeden
von Schwaetzchen - 08.11.2018
Die Aufdeckung der Wahrheit verändert in den Auschwitzprozessen alles. Für jeden. Eva, eine junge Frau, emanzipiert sich als Tochter, Verlobte und als Frau in ihrem Beruf. Man kann nicht anders, als das mit der Vertreibung aus dem Paradies zu assoziieren, ihrem wohlbehüteten Leben, das um die gesamte Familie herum aufgebaut wurde, als sie sich gegen den Willen ihrer Eltern und ihres Verlobten entscheidet, bei dem ersten Auschwitzprozess als Übersetzerin für die Staatsanwaltschaft zu arbeiten. Dieser lebendig erzählte Roman mit ausführlichen und genau beobachteten und detaillierten Beschreibungen von Personen, Moral, Kleidung, Mobiliar, Musik, Dialogen, sprichwörtlich Typisches, so dass man eine gute Vorstellung der Zeit Deutschlands (1963) bekommt und sich in die Lebenssituationen hineinversetzen kann. Dieser genaue Blick der Autorin, die auch Drehbuchautorin ist, kommt dem Roman und dem Leser sehr zu Gute. Annette Hess kann Spannung aufbauen und halten. Der Roman fängt gemütlich und heimelig an und entwickelt dann einen Sog, in dem das Erzählte so eindringlich und aufwühlend ist, so dass man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen. Die Erzählperspektive der Übersetzerin macht das Geschehen insgesamt begreifbar. Die Schilderungen aus dem Gerichtssaal sind sehr authentisch, empathisch, sehr nahbar, man spürt ihre Beklemmung und kann sich ein lebendiges Bild von den Menschen und der Atmosphäre dort machen und hat die "Banalität des Bösen" von Hannah Arendt dabei immer im Hinterkopf. Ich möchte Ihnen mit Ingeborg Bachmann zurufen: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar." Lesen Sie diesen Roman! Und ich wünsche mir, dass dieser Roman Schullektüre wird. Am besten ab sofort.
Gegen das Vergessen
von Anonym - 08.11.2018
Das Deutsche Haus ist eine mehr schlecht als recht rentable Gaststätte in einem der weniger vornehmen Bezirke Frankfurts (Main) , die im Jahr 1963 vom Ehepaar Bruhns, Eltern zweier erwachsener Töchter, geführt wird. Eva, die jüngere, ist gelernte Dolmetscherin der polnischen Sprache und soll als solche im ersten deutschen Auschwitzprozess tätig werden. Gegen den Willen ihrer Eltern und ihres (Fast)Verlobten stimmt sie zu. Unerwartete Dinge kommen dadurch ans Licht.- Dieser Roman von Annette Hess, der Erfinderin der TV-Serien Weissensee und Kudamm 56 / 59, wurde von der Schauspielerin Iris Berben mit Dieser Roman kommt genau zur richtigen Zeit. beworben. Dem stimme ich zu, denn die sich heute den Flüchtlingen gegenüber leider erneut abzeichnende Fremdenländerfeindlichkeit war bereits mit ursächlich für Auschwitz und zeigte sich auch 1963 den ersten italienischen Gastarbeitern gegenüber. Das Buch hat mich gut unterhalten und nachhaltig beeindruckt. Sowohl das Coverbild als auch der Buchtitel passen gut zur hier erzählten Geschichte.
Grandios
von inya - 07.11.2018
Dieses Buch erzählt Anfangs die Geschichte einer ganz normalen Familie in den 60er Jahren in Frankfurt am Main. Darin geht es um Eva, die durch einen Zufall Übersetzerin bei den Auschwitzprozessen wird und immer mehr ans Licht kommt, wie sehr ihre eigene Familie mit der Geschichte des Auschwitz-Konzentrationslagers verwoben ist. Ein wirklich spannender Roman, der ganz viele verschiedene Facetten beinhaltet. Zum einen natürlich die Grausamkeiten des Auschwitz-Konzentrationslagers und die Verdrängung der Deutschen, dieser jungen Geschichte. Und zum anderen, was ich persönlich auch sehr spannend finde, die Emanzipierung der Frau zu dieser Zeit. Denn Eva hat gegen den Willen ihres Verlobten weiter als Übersetzerin gearbeitet und somit einen großen Schritt zu dieser Zeit gewagt. Die Geschichte ist sehr flüssig geschrieben und hat mich in ihren Bann gezogen. Manchmal habe ich leider denken müssen, jetzt ist die Geschichte aber sehr konstruiert, dieser Aspekt ist manchmal schade, da wollte die Autorin dann zu viel auf einmal für meinen Geschmack. Aber es schadet dem Buch nur in einem sehr geringen Maß und deshalb kann ich meine absolute Leseempfehlung geben!
Junge Frau geht ihren weg
von Esther Stuckenbröker - 02.11.2018
Im Mittelpunkt des Buches steht die junge Eva, die als Übersetzerin für Polnisch in Frankfurt lebt. Sie wird für die anstehenden Prozesse gegen die Verbrechen in Auschwitz (eher kurzfristig als Ersatz) engagiert. Ihre Familie und ihr Verlobter Jürgen sind dagegen, dennoch nimmt Eva die Stelle an. Im Laufe der Prozesse dringt die Protagonistin immer weiter ein in die Verbrechen innerhalb des KZs, die bis dato nicht bekannt und aufgearbeitet waren. Plötzlich sieht sie sich konfrontiertz mit der Geschichte ihres Landes und bald auch mit der ihrer eigenen Familie. Insgesamt liest sich dieses Buch sehr flüssig und gut, auch wenn der Inhalt überwiegend beklemmend ist. Durch die detaillierten Zeugenaussagen Überlebender wird einem die Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust erschreckend nah gebracht. Umso unverständlicher ist für den Leser die Haltung der Bevölkerung, die zum großen Teil von dem Prozess und der Aufarbeitung absieht, ja ihn sogar verteufelt und ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte verdrängt. Aus heutgier Sicht unvorstellbar, aber durch das Buch gut aufgezeichnet. Es zeigt, dass in den 60er Jahren jeder sich mit der eigenen Kriegsgeschichte auseinanderzusetzen hatte. Meiner Meinung nach fängt die Autorin die Stimmung gut ein, verknüpft den Prozessverlauf mit der Geschichte der selbstbewussten Eva. Ein empfehlenswertes Buch für Leser von Romanen jüngerer deutscher Geschichte wie Carmen Korn oder Wenn Martha tanzt von Tom Saller.
Der Untergang einer bürgerlichen Familie
von v_im_wunderland - 30.10.2018
Familie Bruhns aus Frankfurt ist eine ganz normale Familie mit drei Kindern. Eine der Töchter ist Eva. Sie ist gelernte Dolmetscherin für Polnisch und wird eines Tages zum Staatsanwalt für eine Übersetzung gerufen. Danach wird sie gefragt, ob sie in den Auschwitzprozessen übersetzen möchte. Niemand in ihrer Familie und auch nicht ihr Verlobter heißen dies gut, im Gegenteil sind alle dagegen. Doch Eva hat einen inneren Antrieb die Stelle anzunehmen und sich und ihre Familie mit der Vergangenheit zu konfrontieren. Während der Verhandlung kommt heraus, dass die Geschichte von Evas Familie mit Auschwitz verstrickt ist und bringt das Familienkonstrukt ins Schwanken. Ein sehr spannendes Buch, welches die Unmenschlichkeit und Menschlichkeit in erschreckender Weise zeigt und seinen Leser mitreißt.
In einem großartigen Roman verarbeitete deutsche Geschichte
von Anonym - 25.10.2018
Eva Bruhns, eine junge Dolmetscherin, wir gebeten, beim ersten Auschwitz-Prozess die Zeugenaussagen der polnisch sprechenden Opfer zu übersetzen. Gegen den Willen ihrer Eltern und ihres Verlobten stellt sie sich der Aufgabe. Zunächst ahnungslos, was die Geschehnisse in Auschwitz während der Nazi-Zeit betrifft, wird der Prozess Evas Leben nachhaltig verändern. Ein Reifeprozess beginnt, der aus Eva eine selbstbewusste Frau macht, die auch die Schuld der eigenen Familie hinterfragt. Wie schon in ihren Drehbüchern zu den TV-Serien Weissensee und Kuhdamm 56/59 gelingt es der Autorin Annette Hess auch in diesem Roman deutsche Geschichte zum Leben zu erwecken und den Lesern nahezubringen, wobei sie sich hier dem schrecklichsten Kapitel der deutschen Geschichte bzw. dessen Aufarbeitung widmet. Genau dieses Thema zum Inhalt eines Romans zu machen, ist in gewisser Weise ein Drahtseilakt, den die Autorin jederzeit hervorragend meistert. Ihr gelingt ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann und das trotzdem manchmal aufgrund der von Deutschen verübten Gräueltaten nur schwer zu ertragen ist. Ein Buch, dass den Leser niveauvoll unterhält und am Ende mit vielen neuen Erkenntnissen zurücklässt. Aus meiner Sicht deshalb eine absolute Leseempfehlung gerade auch für die Menschen, die die Auschwitz-Prozesse und ihre Wirkung auf die noch junge Bundesrepublik nicht selbst miterlebt haben.
Beeindruckend
von Anonym - 24.10.2018
Ich hätte das Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand gelegt! Die Zeit um 1963 ist ja noch nicht so lange her. Eva ist die zweite Tochter der Familie Bruhns. Eigentlich müsste ihre ältere Schwester erst heiraten. Eva setzt sich über solche "Vorschriften " hinweg und stellt ihren Verlobten ihren Eltern vor. Und dann erhält sie die Möglichkeit als Übersetzerin in einem Gerichtsverfahren mitzuwirken. Und das gegen den Willen ihrer Eltern und ihres Verlobten!!! Während des Prozesses erfährt sie, was im Krieg geschehen ist. Sie ist entsetzt und muss feststellen, dass auch ihre Familie involviert ist. Trotz aller Widrigkeiten geht sie unbeirrt ihren Weg. Heute ist es selbstverständlich, dass eine Frau frei entscheiden kann!
GEGEN DAS VERGESSEN
von Hennie - 24.10.2018
»Dieser Roman kommt genau zur richtigen Zeit.« Iris Berben Die vielfach ausgezeichnete Annette Hess legt mit "Deutsches Haus" ihren ersten Roman vor, der am 21.09.2018 im Ullstein-Verlag erschien. Sie ist vornehmlich als Drehbuchautorin tätig. Sehr erfolgreich liefen die Serien Weissensee , Kudamm 56 und Ku`damm 59" im Fernsehen, in denen Nachkriegsdeutschland schon das Thema war. Im Roman Deutsches Haus widmet sich die Autorin der westdeutschen Vergangenheitsbewältigung. Die überwiegende Handlung spielt in Frankfurt im Jahr 1963. Der erste Auschwitz-Prozess wird vorbereitet. Durch einen Zufall kommt die junge Eva Bruhns, eine gelernte Dolmetscherin, Übersetzerin für die polnische Sprache, zu der verantwortungsvollen Aufgabe, Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihren Eltern, Inhaber einer Speisegaststätte, und ihrem Verlobten ist das gar nicht recht. Doch sie widersetzt sich und bringt damit ihre Zukunft mit dem reichen Versandhausbesitzer Jürgen Schoormann ins Wanken. Je tiefer Eva in die Materie der Gerichtsverhandlungen eindringt, je mehr sie von den Gräueltaten der Angeklagten erfährt, umso mehr nimmt sie wahr, wie sie sich an lange zurückliegende Ereignisse erinnert, an ihre frühe Kindheit... In vier Teilen ohne Kapiteleinteilung, aber mit deutlich abgegrenzten Leseabschnitten wird anschaulich und detailreich das Leben in der Bundesrepublik in den 60ern erzählt. Es wird hinter die Fassaden der anscheinend so heilen, intakten Welt geschaut. Es ist die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs und 18 Jahre nach dem Ende des Krieges wollen viele nichts mehr von der Zeit vor 45 wissen. Eva, die durch ihren Geburtsjahrgang (1939) eigentlich gar nichts wissen kann, bekommt von einem jungen Mann (David Miller), der für die Staatsanwaltschaft in dem Auschwitzprozess arbeitet, ihr "Fett" weg. "Ihr seid alle so ignorant...Für euch kamen ¿33 die kleinen braunen Männchen in einem Raumschiff und landeten in Deutschland,...¿45 haben sie sich dann wieder verzogen, nachdem sie euch armen Deutschen diesen Faschismus aufgezwungen hatten." [S. 33] "Sie sind eins von diesen Millionen dummen Fräuleins." [S. 34] Mich beeindruckt bei dem Roman die Authenzität, die Emotionalität. Es gibt viele erschreckende Momente, die mich tief erschüttert haben. Hier bemerkte ich deutlich das Handwerkszeug der Drehbuchautorin. Die Bilder stellten sich wie von selbst ein. Annette Hess ist es hervorragend gelungen, in ihrer sorgsam eindringlichen, detailgetreuen Darstellung der Ereignisse im Gerichtsprozeß, im Umgang mit den Angeklagten und Zeugen, in den Lebensumständen der Familien Bruhns und Schoormann, die Brisanz darzustellen. Die Älteren schleppen ihre schlimmen Erinnerungen mit sich, die einerseits verdrängt (die Eltern Bruhns) und anderseits als Teil des Krankheitsbildes (Walter Schoormann) immer wieder gegenwärtig werden. Das Buch besticht durch seine lebendige Erzählung. Die Ausdrucksweise und Lebensart ist originalgetreu wie in den 60ern. Mit "Evas Ungehorsam" wird auch die Rolle der Frau in dieser Zeit thematisiert. Die Sprache der Autorin empfand ich oft als bildhaft und ausdrucksstark ("Der Hellblonde", "Die Bestie", "Schimpansengesicht"). Vielleicht hätte es die Figur der Kinderkrankenschwester Annegret (die ältere Schwester Evas) nicht unbedingt bedurft. Dieser Charakter ist sehr problembeladen und verdichtet nochmals das ohnehin sehr emotional packende Thema der Massenvernichtung von Menschen. Ja, und was aus David Miller geworden ist, hätte ich gern noch erfahren! Sein Schicksal bleibt ungeklärt. "Deutsches Haus" empfinde ich als gelungenes Romandebüt. Es ist ein Buch, das die Fragen der persönlichen und der kollektiven Schuld thematisiert. Ein Buch gegen die Verdrängung, gegen das Vergessen der größten Massenmorde in der Geschichte der Menschheit. Ein Buch gegen die Vorspiegelung falscher Tatsachen. Von mir gibt es fünf von fünf Sternen und eine bedingungslose Kauf-/Leseempfehlung.
Die Deutschen wollen getröstet werden
von anushka - 18.10.2018
Frankfurt, 1963: Eva ist gelernte Dolmetscherin für Polnisch und unterstützt ihre Eltern in deren Wirtshaus Deutsches Haus . Sehnsüchtig wartet sie auf einen Heiratsantrags ihres wohlhabenden Freundes, ein Unternehmersohn. Doch dann wird sie eines Tages für einen Auftrag abgeholt, für den sie gar nicht ausgebildet ist. Sie soll für den Generalstaatsanwalt die Zeugenaussage eines Mannes übersetzen, der über Kriegsverbrechen berichtet. Trotz ihres Schocks und ihrer Verwirrung nimmt sie entgegen dem Wunsch ihrer Familie und ihres Freundes den Auftrag an, während des ersten Auschwitz-Prozesses die Zeugenaussagen zu übersetzen. Von ursprünglichem Unglauben über tiefe Erschütterung muss sich Eva schließlich auch der Schuldfrage stellen. Was wussten die Menschen, nicht zuletzt ihre Eltern? Dieses Buch hat mich sehr gefesselt. Es ist nicht so sehr ein Spannungsbogen gewesen, obwohl es den auch in irgendeiner Form gab, während sich die Familiengeschichte von Eva entfaltet und sie ihre Beziehung riskiert, weil sie sich gegen die gesellschaftliche Strömung stellt, die Verbrechen der Nationalsozialisten einfach zur verdrängen. Es sind auch nicht die geschilderten Taten der Nazis, denn die sind zur Genüge bekannt. Die Spannung stammt vielmehr aus dem langsamen Realisieren Evas und ihrer Nähe zu den Ereignissen, da sie noch während der Nazizeit geboren ist und sich für sie die Schuldfrage direkt und unmittelbar stellt. Während sie erschrocken den Erlebnissen der Zeugen zuhört und extrem nah dran ist, weil sie sie übersetzen soll, muss sie feststellen, dass ihr Umfeld nichts davon wissen will, und zwar mit vollem Vorsatz. Weil es ja doch nichts bringen würde, sich mit der Vergangenheit zu befassen. Und gleichzeitig haben ehemalige Nazis immer noch wichtige Positionen inne und die Hauptangeklagten spazieren jeden Verhandlungstag wieder frei aus dem Gerichtsgebäude. Es ist die emotionale Ebene, die mich besonders gepackt hat. Der Schreibstil ist gradlinig und verstellt so nicht den Blick auf die Geschichte. Er erlaubt ein schnelles Vorankommen, ist aber nicht oberflächlich. Das einzige, was mich ein wenig gestört hat, war das Ende. Das hing leider nicht mehr so stringent zusammen, wie der Großteil des Buches, sondern wirkte ein wenig, als würde die Geschichte auseinander fasern. Stilistisch passte das jedoch irgendwie zum Ende dieser Geschichte, einem letztlich trotz kleiner Kritik großartigem und wichtigem Buch, das so perfekt zur aktuellen Zeit passt.
Ein wichtiges Thema
von Buecherfreund - 15.10.2018
Eva Bruhns lebt noch zusammen mit ihren Eltern und zwei Geschwistern in einer Wohnung über dem Familienbetrieb Deutsches Haus . Sie ist Dolmetscherin für Polnisch und wird mehr durch Zufall aufgrund eines kurzfristigen Personalausfalls als Übersetzerin im Auschwitz Prozess angeheuert. Eva ist tief erschüttert über die Zeugenaussagen, die sie zu hören bekommt. Obwohl sie den Krieg als Kind schon miterlebt hat, hatte sie anscheinend keine Ahnung, was wirklich in den Vernichtungslagern passiert ist. Wie auch? Denn ihre Eltern hüllen sich in Schweigen und Verleugnung. Eva macht im Laufe des Buches einen Reifeprozess durch. Sie wird unabhängiger, stärker und bricht schließlich mit ihren Eltern, als sie ihre eigenen Nachforschungen anstellt. Dies macht sie als Charakter tiefschichtiger und sympathisch. Ich fand es sehr interessant, durch Evas Augen den Prozess mit zu verfolgen. Gerne hätte dieses Thema noch ausführlicher behandelt werden können. Anstelle z.B. des Nebenplots um Evas Schwester, der irgendwie außen vor wirkt und nicht wirklich in die Geschichte hinein passt, hätte die Autorin noch tiefer in das Thema eindringen können, denn so bleibt es in meinen Augen etwas oberflächlich. Dennoch finde ich das Buch sehr lesenswert, denn es greift ein Thema auf, das beim Thema Holocaust oft zu kurz kommt: die Verfolgung der Täter und die Art und Weise, wie die Gesellschaft zur damaligen Zeit damit umgegangen ist. Durch den flüssigen Schreibstil lässt sich das Buch auch trotz des schweren Themas gut lesen. Da ich mir ein wenig mehr Tiefe gewünscht hätte, ziehe ich einen Punkt ab und vergebe vier von fünf Punkten.
stimmt nachdenklich, wunderbarunterhaltsam
von Rebecca1120 - 15.10.2018
Deutsches Haus heißt das Speiselokal das Eva Bruhns Eltern, Edith und Ludwig betreiben. Die gesamte Familie, auch die beiden bereits erwachsenen Töchter, wohnen mit den Eltern im gleichen Haus. Während die Eltern die Gaststätte betreiben, verdient Eva ihren Lebensunterhalt als Dolmetscherin für Polnisch und ihre Schwester als Säuglingskrankenschwester. Eines Tages wird Eva zur Übersetzung einer Zeugenaussage ins Gerichtsgebäude gerufen und damit beginnt für sie der bisher schwerste Auftrag ihres Lebens... Eva kam mir anfangs noch sehr naiv und altbacken vor. War sie doch bei der ersten Zeugenaussage kaum in der Lage die Worte des Zeugen korrekt ins Deutsche zu übersetzen. Aber je länger sie sich dieser Aufgabe stellt, umso mehr ist sie ihr gerecht geworden. Auch wenn sie damit manchmal bis an ihre Grenzen geht. Die innere Zerrissenheit von Eva hat die Autorin sehr gut in Worte gefasst. Es gibt Stellen im Buch, die mich stark beeindruckt haben. Z.B. im Zusammenhang mit der Schilderung der Verzweiflung, der Mutlosigkeit der KZ-Häftlinge, die eigentlich bereits mit dem Leben abgeschlossen haben. Das hat mich stark berührt. Dabei setzt sich das Buch nicht nur mit den Gräueltaten der Nazi-Diktatur auseinander. Nein, es spiegelt auch die menschliche Schwäche der Verdrängung wunderbar wider. Der Buchtitel ist doppeldeutig und somit sehr treffend gewählt Amüsiert habe ich mich über die im Buch erscheinenden Familiennamen, die zum Teil schon sehr kurios klangen. Das Buch empfand ich als rundum gelungen, unterhaltsam und nachdenklich stimmend. Es wird der damaligen Zeit gerecht. Auch die Rechtlosigkeit von Ehefrauen ist darin wiederzufinden. Von mir gibts wohlverdiente 5 Lese-Sterne und eine 100%ige Leseempfehlung.
Ein Buch wie eine Zwiebel
von Neugiernase - 15.10.2018
... prall und rund , doch je tiefer die einzelnen Schichten abblättern, desto mehr ists einem zum Heulen. Annette Hess, aus deren Feder die Erfolgsfilme Weissensee und Kudamm 56 bzw Kudamm 59 stammen, legt mit Deutsches Haus ihren ersten Roman vor. Und wie nicht anders von ihr zu erwarten, zeichnet sich auch dieser Erstling durch eine sehr feine, sensible Sprache aus, mit der die Autorin wunderbar dichte, in sich stimmige Bilder zeichnet, die den Leser sofort gefangen nehmen und tief in die Geschichte hineinziehen. Die Story per se ist schnell erzählt: In Frankfurt beginnt der erste Auschwitzprozeß und Eva, die Wirtstochter aus der Gaststätte Deutsches Haus wird als Dolmetscherin hinzugebeten. Für sie ist es vermeintlich die erste Konfrontation mit diesem Thema und sie ahnt noch nicht, wie sehr sich ihr Leben durch diese Arbeit verändern wird. Was jedoch eigentlich viel wichtiger als der blanke Text ist, ist zwischen den Zeilen zu lesen: Die Frage nach der Schuld an dem, was in den dunklen Jahren im letzten Jahrhundert in Deutschland passiert ist. Schnell wird deutlich daß es eben NICHT nur einige Wenige waren, die sich versündigt haben, sondern daß hinter der Fratze des Biedermanns ein ganzes Volk Unfassbares begangen und zugelassen hat. Spätestens hier wird es schmerzhaft beim Lesen, denn die Autorin macht sehr unmissverständlich klar, daß diese große, schreckliche Katastrophe Drittes Reich / Zweiter Weltkrieg nie richtig aufgearbeitet und stattdessen nur emotional zugeschüttet wurde, was nicht sein kann, weil nicht sein darf. Die Folgen davon zeigen sich nicht nur im Jahre 1963, als der erste Prozeß begann (insgesamt gab es allein in Deutschland 6 Auschwitz-Prozesse) und eigentlich jede Figur in diesem Roman noch von Gewalterfahrungen geprägt handelt - sei es nun Evas Verlobter, der sie, gegen ihren Willen und über ihren Kopf hinweg, von der weiteren Mitarbeit am Prozeß abmeldet oder ihr kleiner, erst nach dem Krieg geborener Bruder, der Alpträume von Schlachten hat, die er gar nicht miterlebt hat ( es liegt also eine transgenerationale Traumatisierung vor ) - , sondern es drängt sich natürlich die Frage auf, wie weit diese Schuldnegierung und ihre Folgen Deutschland bis heute prägen. (Sehr bewegend hat die Autorin im Übrigen ausgearbeitet, daß es nicht nur auf Seiten der Täter mehr oder minder unterdrückte Schuldgefühle gab, sondern auch auf Seiten der überlebt habenden Opfer, mit allen schrecklichen Konsequenzen. Und gerade für diesem Punkt fehlt noch jedes Bewußtsein in der deutschen Öffentlichkeit. ) Deutsches Haus von Annette Hess erscheint zu einem Zeitpunkt, wo uns die Folgen dieser nicht bearbeiteten Vergangenheit quasi mit Volldampf um die Ohren fliegen. Nicht erst die Ereignisse in Chemnitz machen deutlich, was passiert, wenn ein ganzes Volk über Generationen hinweg seine Traumata nicht auflöst, sondern an die Kinder und Kindeskinder weitergibt, wo sich die alten Wunden dann potenzieren in ihrem Schmerz und auch im aus diesem Schmerz entstehenden Hass. Wir sind jetzt an dem Punkt, wo wir mehr als nur aufpassen müssen, daß der entsetzliche Kreis sich nicht schließt. Annette Hess ist ein großer Dank dafür auszusprechen, daß sie uns allen einen Text an die Hand gibt, der dazu geeignet ist, endlich zu reden und daraus folgend auch zu verstehen und vor allem zu verhindern. Dieses Buch gehört in jede Schulklasse, unter jeden Weihnachtsbaum, in jede öffentliche Bibliothek - und vor allem auch in jeden Bücherschrank in deutschen Altenheimen.
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