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Der Fremde in uns

Ausgezeichnet mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2001. 6. , Aufl.
Buch (gebunden)
Die Einsichten dieses Buches sind engstens verknüpft mit dem Leben und Leiden der Patienten, deren Eltern Nazi-Täter waren. Ihr Leben steht exemplarisch für die Suche nach dem Fremden in uns und der Aussöhnung mit ihm. Ihr Mut, si... weiterlesen
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Produktdetails
Titel: Der Fremde in uns
Autor/en: Arno Gruen

ISBN: 3608942823
EAN: 9783608942828
Ausgezeichnet mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2001.
6. , Aufl.
Klett-Cotta Verlag

5. März 2001 - gebunden - 238 Seiten

Beschreibung

Die Einsichten dieses Buches sind engstens verknüpft mit dem Leben und Leiden der Patienten, deren Eltern Nazi-Täter waren. Ihr Leben steht exemplarisch für die Suche nach dem Fremden in uns und der Aussöhnung mit ihm. Ihr Mut, sich mit diesem Schicksal auseinanderzusetzen, trug außerordentlich dazu bei, das Rätsel zu entschlüsseln, das im Weitergeben des eigenen Opferseins durch das Tätersein liegt.
»Sie hatten sich zuvor noch nie gesehen. Sekula, ein Jugoslawe, wandert mit einem Moslem an einem Fluß entlang. Es ist heiß. Sie rasten, Sekula spielt mit seiner Pistole. Der Moslem fragt, ob sie geladen sei. Plötzlich wird Sekula bewußt, daß er seinen Begleiter töten muß. Er kann die Scham sonst nicht ertragen. Er drückt ab. Er tötet nicht aus Haß. Er tötet, weil er diesen Menschen nicht hassen kann.«
Ziel ist es, dazu beizutragen, die zerstörerischen Anteile wie panische Angst, rastlose Leidenschaft, blinden Haß, besonders den Haß auf Fremde, zurückzudrängen, bevor sie übermächtig werden. Gruen macht Mut, den eigenen unbekannten Kontinent der Gefühle zu erforschen. Es gilt Einsichten zu gewinnen, die das eigene mitmenschliche Handeln leiten. Das Buch ermutigt, sich dafür täglich - privat und öffentlich - zu engagieren.

Inhaltsverzeichnis

Der Fremde
Wie alles anfängt
Der Gehorsam
- Die Wurzeln
- Die freiwillige Knechtschaft
- Die Weitergabe des Opferseins
Adolf Hitler
- Der Sohn
- Der Agitator
- Der Führer
- Exkurs: Luigi Luchenie - einer wie Hitler
Die Menschen, die Hitler zum Führer machten
- Der Mythos Hitler
- Hans Frank
- Das Hamburger Reserve-Polizeibataillon 101
- Massenmörder in der SS
- Deutsche Kriegsgefangene
Das Posieren
Gehorsam und Ehrgeiz
- Hans Schneider/Schwerte: Ein Prozeß des Verleugnens
- Carl Schmitt: Der projizierte Feind als Wirklichkeit
Das Tödliche
Die Nicht-Identität und ihre gesellschaftlichen Konsequenzen
Der reduzierte Mensch
- Hermann Göring
- Rudolf Heß
- Manager
Die Verachtung des Menschen
Kameradschaft
Der Schmerz und die Sehnsucht nach Liebe
Was tun?
Das innere Leben - Das innere Opfersein
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Personenregister

Portrait

Arno Gruen, geboren 1923 in Berlin, emigrierte 1936 in die USA. Nach dem Studium der Psychologie ab 1954 Leitung der psychologischen Abteilung der ersten therapeutischen Kinderklinik in Harlem. 1961 Promotion als Psychoanalytiker bei Theodor Riek. Es folgten Professuren in Neurologie und Psychologie. Seit 1958 Führung einer psychoanalytischen Privatpraxis in Zürich, wo er seither lebt und praktiziert. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Themenschwerpunkt: plötzliche Kindstod, psychologische Ursachen für Gewalt und Fremdenhass, Voraussetzungen für Autoritätsgläubigkeit und Demokratie. Auszeichnung 2001 mit dem Geschwister-Scholl-Preis. 2010 wurde Arno Gruen mit dem Loviisa Peace Prize ausgezeichnet. Der Autor verstarb 2015.

Leseprobe

Auszug aus dem Vorwort

Der Fremde in uns, das ist der uns eigene Teil, der uns abhanden kam und den wir zeit unseres Lebens, jeder auf seine Weise, wiederzufinden versuchen. Manche tun dies, indem sie mit sich selbst ringen, andere, indem sie andere Lebewesen zerstören. Der Widerstreit zwischen diesen zwei Ausrichtungen des Lebens, die beide von derselben Problematik bestimmt sind, wird über die Zukunft unseres Menschseins entscheiden. Meine Hoffnung ist es, mit diesem Buch dazu beizutragen, daß der zerstörerische Anteil zurückgedrängt werden kann, bevor er so stark wird, daß er uns überrollt. Dabei geht es weniger um große revolutionäre Antriebe. Ich möchte vielmehr Mut machen für das tägliche Engagement, sich immer wieder und bei jeder Gelegenheit dem Herzen zu widmen.

Wir alle haben tiefgreifende Unterdrückung und Ablehnung erlebt. In unserer Kultur ist es üblich, daß man in seinem Kindsein zurückgewiesen wird, weil man nicht den Erwartungen von Erwachsenen entspricht. Gleichzeitig darf ein Kind sich nicht als Opfer erleben, denn das würde dem Mythos widersprechen, daß ja alles aus Liebe und zu seinem Besten geschieht. So wird das Opfersein zur Quelle eines unbewußten Zustandes, in dem das eigene Erleben als etwas Fremdes ausgestoßen und verleugnet werden muß. Diesen Teil von sich wird der Mensch fortan suchen, ohne sich dessen bewußt zu sein. Es ist dieses Suchen, das uns zum Verhängnis wird.

Die Einsichten, die ich dem Leser hier biete, sind engstens verknüpft mit dem Leben und Leiden meiner Patienten. Ihnen danke ich für das Vertrauen, das unsere gemeinsame Arbeit möglich machte. Einige dieser Patienten hatten Eltern, die selbst Nazi-Täter waren. Ihr Mut, sich mit diesem Schicksal auseinanderzusetzen, trug außerordentlich dazu bei, das Rätsel zu entschlüsseln, das im Weitergeben des eigenen Opferseins durch das Tätersein liegt.

Diese Arbeit brachte mir meine eigene Vergangenheit sehr gegenwärtig zurück: das Aufeinande
rprallen des Kaiserreiches mit der Weimarer Republik wie auch dessen Auswirkungen in meiner eigenen Familie. Die Angst, der Hunger, der blinde Haß, all das, was sich danach zum Nazismus Deutschlands aufschaukelte, waren Hintergrund für meine eigenen Erlebnisse. Das hat das Schreiben oft zu einem schmerzlichen Prozeß gemacht.

Zürich, im Februar 2000
Arno Gruen

Pressestimmen

»Arno Gruen ist der erste Psychologe, der von Nietzsche geschätzt worden wäre.«
Henry Miller
»Mit
Auschwitz und den Folgen gab Gruen bereits wesentliche Stichworte
seines neuen, epochalen Buches, "Der Fremde in uns", vor. ...

Typisch für Arno Gruens gesamtes Werk ist es, daß er seine
wissenschaftlichen Erkenntnisse mit klaren Beispielen belegt und
verständlich macht. ...
Man wünscht diesem universellen Handbuch für
einen humaneren Umgang mit dem Kind - und damit auch mit den
Erwachsenen - eine breite Leserschaft.«
Gottfried Wagner (Die Presse, Wien, 14.10.2000)
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