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Der verhinderte Schauspieler als Buch
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Der verhinderte Schauspieler

Roman.
Buch (gebunden)
Nach dem Ende des 1. Weltkriegs zieht der junge Schweizer Schauspieler Raben Drahtzaun nach Deutschland, um sein Glück zu suchen. Sein erstes Engagement ist ein grandioser Reinfall: sein schweizerisches Deutsch sorgt für unfreiwillige Komik und wird … weiterlesen
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Der verhinderte Schauspieler als Buch

Produktdetails

Titel: Der verhinderte Schauspieler
Autor/en: Arnold Kübler, Peter von Matt

ISBN: 3312003717
EAN: 9783312003716
Roman.
Herausgegeben von Peter von Matt
Nagel & Kimche

4. März 2006 - gebunden - 317 Seiten

Beschreibung

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs zieht der junge Schweizer Schauspieler Raben Drahtzaun nach Deutschland, um sein Glück zu suchen. Sein erstes Engagement ist ein grandioser Reinfall: sein schweizerisches Deutsch sorgt für unfreiwillige Komik und wird zum Makel seines Lebens. Ihn loszuwerden wird zu seinem einzigen Ziel, mit zunehmend grotesken Folgen. In seiner Reihe Kollektion Nagel & Kimche gibt Peter von Matt diesen erheiternden und scharfsinnigen Roman neu heraus.

Portrait

Arnold Kübler wurde 1890 geboren und arbeitete bis 1926 als Schauspieler und Dramatiker in Berlin und Dresden. Wegen einer missglückten Gesichtsoperation gab er die Schauspielerei auf und kehrte in die Schweiz zurück. Er wurde zum Leiter der Zürcher Illustrierten und nach deren Einstellung 1941 Mitbegründer und Chefredaktor der Zeitschrift du (bis 1957). In dieser Position wurde er zum Wegbereiter des neuen Fotojournalismus und Mentor der Schweizer Fotografie. Er starb 1983 in Zürich.

Leseprobe

Die große Rolle
Vier Anfänger hatte der Direktor der städtischen Bühnen in Zürich zu Anfang der Spielzeit verpflichtet, drei davon behielt er am Schluß, den vierten ließ er fallen. Das war Raben Drahtzaun. Was sollte er tun? Wohin sich wenden? Fort aus Helvetien ziehen? Auf was sich berufen? Was hatte er gespielt? Wo sich ausgezeichnet? Als Esel im Weihnachtsmärchen vielleicht, aber auch nur darum, weil er den Kopf zwischen die Beine nehmen und auf den Vorderbeinen stehen konnte. Was konnte er sonst? Was versprach er? Wenig genug anscheinend, da man keinen Wert darauf legte, die Versuche mit ihm fortzusetzen.
Bestechen Sie einen Bühnenvermittler, sagte der magere Bühnenwart.
Drahtzaun folgte dem Rat. Der Erfolg war verblüffend. Das Örlewitzer Stadttheater verpflichtete ihn durch Drahtbescheid und ungesehen als ersten Männerspieler für den kommenden Winter. Das vereinbarte Gehalt war allerdings so, daß ein Kaufmann Drahtzauns Auftreten als schmutzigen Wettkampf bezeichnet hätte. Aus den Einkünften des vorausgesehenen halben Jahres konnte nicht einmal der bestochene Vermittler bezahlt werden. Zugleich mit der Vertragsbestätigung kam die erste Rolle: Herzog Alba im Egmont von Goethe. Ein Herzog! Bis jetzt, wie gesagt, war er nur als Esel hervorgetreten. Im Märchen vom gestiefelten Kater und hatte I-a gebrüllt. Aber jetzt sollte er reden. Sätze!
Der Sommer verging schnell. Drahtzaun war unruhig. Mitten in den Ferien noch packte er seinen Koffer und machte sich auf nach Örlewitz. Es war die Zeit nach dem Großen Krieg. Noch wuchs kein Gräslein auf den Feldern, darüber er weggezogen. Noch versuchten rings um Helvetien in allen Krankenhäusern die Ärzte mit seiner Hinterlassenschaft fertig zu werden, noch klangen den Menschen die Drahtnachrichten der Heeresleiter im Ohr und der Ton der Kriegsberichterstatter, die sie jahrelang vernommen. Aber jenseits des Bodensees hingen die Äpfel an den Bäumen wie daheim, daß Drahtzaun sich wunderte, und als er nachts durch
Bayern und Franken fuhr und der Vollmond auf den Feldern lag und auf die Dächer schien, darunter die Menschen schliefen, die im Kriege gewesen, während er den Esel im Weihnachtsmärchen gespielt hatte, da schämte sich Drahtzaun jetzt, dahinein zu dringen, wo er bisher nicht gewesen, und es war ihm, als dürfe er nur ganz bescheiden auftreten und sozusagen auf den Zehenspitzen das fremde Land betreten. - In Dresden nahm er ein Bad und wusch sich mit Kriegsseife, die kein Fett, aber viel Lehm enthielt und die ihm ein Fräulein lächelnd durch den Schalter gereicht hatte. Am andern Tag setzte er die Reise nach Örlewitz fort. - Das Land lag eben, weite Stoppelfelder zogen an den Fenstern vorbei; die Wälder sahen anders aus als jene, drin Drahtzaun Erdbeeren gesucht hatte, und in den Zeitungen standen lauter fremde Dinge. In Örlewitz stand auf dem Bahnhofplatz ein Festbogen mit Tannenreisig umwunden und mit der Aufschrift Willkommen geschmückt. Der galt aber nicht ihm, sondern den heimkehrenden Kriegsgefangenen.
Im Hotel ließ er sich sofort einen Lindenblütentee geben. Den goß er glühendheiß durch seine Kehle, nicht wegen des Durstes, sondern wegen der Stimme. Die lange Reise war ihm nicht gut bekommen, das hatte er gleich gemerkt, vorhin, als er das Zimmer bestellte! Ganz dünn und schwächlich war sie zum Vorschein gekommen. Ja, da lag's, die Stimme, die Stimme! Die war und blieb heiser. Monatelang schon! Heiser und unansehnlich, anstatt ehern und überzeugend. - Da unten gingen sie vor seinem Fenster, die Leute von Örlewitz, die nächstens im Theater sitzen würden, um den neuen Männerspieler zu sehen. Da schlenkerten sie die Hände, die später zum Beifallklatschen verwendet werden sollten, und er saß hinter den Gardinen und trank Tee gegen die Heiserkeit. Mut! Nur Mut. Aber eben, es war ja eine Bestechung, die ihm den Platz des Männerspielers in Örlewitz eingebracht hatte - Ob die Leute da wohl bald hinter seine Heiserkeit kämen? In Helvetien hatte niemand viel davon geme
rkt, da war er halt kaum zu Wort gekommen, und als Esel hatte er beim I-a-Schreien die Luft einziehen können, aber als Alba konnte er sie nicht einziehen, sondern mußte sie ausstoßen. Alba sollte er sein, der finstere, gelbhäutige, gesinnungsschwarze Kerl, dessen Sätze schneidend in die Reden der andern fielen. Und was für Sätze! Jeder ein Vielfaches dessen, was ihm der Zürcher Bühnenleiter im Verlaufe eines Jahres zugestanden. Auswendig konnte er sie längst, das verstand sich! Auswendig mit allen Satzzeichen und I-Punkten, mit allen Gegenreden und allem andern, was weiter vorn im Stück vor sich ging oder lang hintennach kam.

Pressestimmen

"Küblers komische Raben-Tragödie ist auch ein Zeitroman über das Berlin der zwanziger Jahre. Die Schilderungen der Bierpreise und Schanksitten, der dubiosen Praktiken der Makler und Brauereivertreter lassen ein facettenreiches Bild der Berliner Halbwelt entstehen. So wird Küblers Roman zum Spiegel der Orientierungslosigkeit, die die verführbare junge Generation nach dem Ersten Weltkrieg erlebte und vor der, wie wir hier erfahren, auch die Schweizer Neutralität nicht schützte." Sabine Doering, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.06 "Der verhinderte Schauspieler gehört entschieden zur Kategorie 'Die lang verhinderte Erste-Klasse-Lektüre'." Alexandra Kedves, Neue Zürcher Zeitung, 10.06.06

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