Warenkorb
€ 0,00 0 Buch dabei,
portofrei
50% und mehr sparen mit den eBook Schnäppchen der Woche** >>
Klick ins Buch Der lange Abschied als Buch
PORTO-
FREI

Der lange Abschied

Psychische Spätfolgen für die 2. Generation deutscher Vertriebener.
Buch (kartoniert)
Die Schuld der Väter
Die Autorin ruft uns durch Interviews und psychologischen Kommentare ins Gedächtnis zurück, welche bis heute wirkenden psychischen und familiendynamischen Spätfolgen durch Krieg, Flucht und Vertreibung für die Kinder der aus dem O … weiterlesen
Buch

22,90 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Der lange Abschied als Buch

Produktdetails

Titel: Der lange Abschied
Autor/en: Astrid von Friesen

ISBN: 3898060209
EAN: 9783898060202
Psychische Spätfolgen für die 2. Generation deutscher Vertriebener.
Psychosozial Verlag GbR

1. Juli 2000 - kartoniert - 209 Seiten

Beschreibung

In sieben Interviews reflektieren Angehörige der sogenannten 2. Generation nach dem Krieg selbstkritisch und offen die emotionale Bürde des Heimatverlustes für ihre Eltern und sie selbst. Weitere schmerzliche Themen sind die Folgen von Hunger und (Vater-)Entbehrungen in ihren Kinderjahren, familiäre Wiederholungsmuster, jahrzehntelange Verdrängungen, die Bedeutung von Schuld und Scham, von ihrer Außenseiterposition sowie von verlorenem Besitz und sehnsuchtsvoller Erzähltradition. Die Autorin erläutert in ihren Kommentaren zu den Interviews die psychischen Aspekte dieser Kindheitsmuster: Die Affinität zu charismatischen Führern, das demonstrativ beibehaltene Flüchtlingsniveau, die Parentifizierung vieler Kinder, die Folgen der faschistischen Erziehung bei den Eltern, der Verlust von Gerechtigkeit, Rollenklarheit und stabilen Identitäten innerhalb der Familien, das Verleugnen der Trauer und die bis heute anhaltende Narkotisierung der Gefühle. Alles Momente, welche es einigen der Interviewten erst in der Gegenwart und nach dem Fall der Mauer in ihrem mittleren Alter möglich machen, sich der Vergangenheit zu stellen und diese schmerzenden Themen zu integrieren. Es geht der Autorin darum, die Spätfolgen dieser auch psychischen Entwurzelung zu beleuchten, denn die Schuld der Väter wirkt noch 'bis ins vierte Glied'. Astrid von Friesen thematisiert erstmalig die spezielle psychische Problematik adliger Familien aus dem Osten. Diese unterlagen - was sowohl im Westen als auch im Osten verdrängt und tabuisiert wurde - einer spezifischen Verfolgung, welche nach dem Krieg zu Verschleppungen, Inhaftierungen, Verbannungen und Ermordungen im sowjetischen Machtbereich führte.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt
Einleitung
1. Depressionen
2. Heimat
3. Vertreibung
4. Zersto¿rung von Tabus

Interviews und Kommentare
1. Ich bin ein Erbe Abrahams
Oder: Mehrfachverluste und die Affinita¿t zu geschlossenen Systemen

2. Gerechtigkeit war sta¿ndig ein Thema
Oder: Demonstriertes Flu¿chtlingsniveau

3. Erzogen im Sinne einer klaren deutschen Kultur
Oder: Die Angst vor dem Kommunismus

4. Lebenserfu¿llung war immer Pflichterfu¿llung
Oder: Zuallererst den anderen spu¿ren

5. Der Stolz ist vorbei
Oder: Nicht jammern, ka¿mpfen!

6. Ha¿user sind wie Geschenke
Oder: Die Vergangenheit ist ein ganz starkes Element

7. Die Offenheit des Lebens ist ein Privileg
Oder: Die Schicksalsdifferenz zwischen Ost und West

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 19.10.2000

Vertriebene sind Getriebene
Die Psychotherapeutin Astrid Friesen möchte sie von ihren Dämonen reden lassen

Die Absicht des Buches ist interessant und gut. Der Verfasserin - gelernter und praktizierender Psychotherapeutin - fiel nämlich auf, daß bestimmte Massenverbrechen, wenn sie nicht von, sondern an Deutschen begangen wurden, alles in allem mit einem Tabu belegt sind. Von ihnen ist in der Öffentlichkeit kaum die Rede, erst recht nicht von Schadensersatzforderungen; Filme, Literatur, praktische Politik machen einen Bogen darum. Darunter fallen etwa die Tieffliegerangriffe, die in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges am hellichten Tag Jagd auf wehrlose Menschen machten (bei Viktor Klemperer ist davon zu lesen), darunter fallen die Städtebombardements (Dresden macht wegen seiner besonderen Entsetzlichkeit teilweise eine Ausnahme), und darunter fallen vor allem die Massenvertreibungen, die in aller Öffentlichkeit stattfanden und Millionen von Menschenleben forderten. Wenn diese Taten doch einmal thematisiert werden, dann wird sofort dergestalt aufgerechnet, daß ihnen die deutschen Verbrechen entgegengehalten werden.

Diese Erfahrung hat die Verfasserin, selbst aus einer Vertriebenenfamilie stammend, auch im privaten Bereich gemacht. Entweder wurde überhaupt geschwiegen, oder es wurde die eben geschilderte Rechnung aufgemacht: "Den Juden ist millionenfach viel Schlimmeres angetan worden!" Ob dieses Verhalten nun als die Regel für Vertriebenenfamilien bezeichnet werden kann, mag dahinstehen - ein gegenteiliges Beispiel wird im Buch selbst gebracht -, jedenfalls interessieren die Verfasserin die seelischen Folgen, die dieses Verhalten für die Opfer selber, dann aber vor allem für die zweite Generation hatte. Bezeichnend ist, daß es für die Forschungen der Autorin keine wissenschaftliche Vorarbeiten gab, die sich auf deutsche Verhältnisse bezogen, daß sie sich daher, um Ansatzpunkte zu finden, auf jüdische Fachliteratur beziehen mußte - und ebenfalls bezeichnend ist, daß ihr das von deutschen Kollegen verdacht, daß sie aber von israelischen ermuntert wurde. Richtig dürfte sein, und das bezieht sich auch auf den öffentlichen Bereich, daß durch Verschweigen und Tabuisieren "nicht offen getrauert werden" kann, daß das seelische Folgen haben dürfte und daß es gilt, durch Offenheit heilend zu wirken.

Das ist die Absicht, die Ausführung ist problematischer. Das Buch besteht in der Hauptsache aus autobiographischen Skizzen von sieben verschiedenen Personen, denen sich jeweils ein analysierender Kommentar der Verfasserin anschließt. Die Frage ist zunächst, um was für ein Genre es sich bei dem Buch überhaupt handelt. Für ein wissenschaftliches Buch ist es zu essayistisch, für ein essayistisches hat es, in den Kommentaren der Autorin, zu viele wissenschaftliche Einsprengsel, ziemlich unsystematische zumal. Es ist schon erstaunlich, welche weitreichenden Schlüsse manchmal aus den Selbstaussagen gezogen werden, und wie die darin gemachten "Andeutungen" ausgewertet werden. Zweitens hätte man sich gerne deutlichere Vorstellungen darüber gewünscht, welche seelischen Folgen nun konkret aus Verschweigen und Tabuisieren möglicherweise hätten entstehen sollen. Falls, im individuellen Bereich, Scheitern und Versagen als Folge anzunehmen wären, dann würden die meisten dieser Lebensläufe - die außerdem keineswegs sämtliche Vertriebenen betreffen - durchaus als gelungen zu bezeichnen sein, es sei denn, daß gelegentliches allzu forsches Betonen der eigenen Lebensleistung verdächtig wirken könnte. Dann wäre die Vermutung der negativen oder traumatischen Folgen widerlegt.

Jedoch fragt es sich, was eigentlich mit diesen Biographien einigermaßen schlüssig nachgewiesen werden soll. Welche Repräsentativität beanspruchen sie? Daß der Adel unverhältnismäßig häufig zu Worte kommt, muß kein Fehler sein, zumal in sehr vernünftiger Weise gelegentlich über die Rolle des Adels reflektiert wird, aber daß im allgemeinen doch eher - ehemals - Wohlhabende und zur Bildungsschicht Gehörende zu Worte kommen, gibt dem Buch eine erhebliche Schlagseite. Trotzdem überrascht das unterschiedliche sprachliche Niveau der Aussagen. Obwohl sie augenscheinlich redigiert sind - es fehlen Angaben darüber, wie sie zustande kamen -, wobei schwerste orthographische Fehler durchaus hätten vermieden werden dürfen, wirken manche Texte ausgesprochen dahergeredet, andere sind wohlformuliert und sogar angenehm zu lesen, woraus sich Schlüsse auf die Authentizität des jeweiligen Inhalts ergeben.

Alles in allem: Man hätte sich eine präzisere Fragestellung und eine überzeugendere Verwirklichung der Absichten der Autorin gewünscht. Das betrifft auch den öffentlichen Bereich. So einleuchtend es ist, daß das Verschweigen oder Vertuschen eigenen Leidens seelische Folgen auch für größere Gemeinschaften haben dürfte, und so viele Beispiele für diese Art psychologischen Verhaltens gerade der Deutschen einem einfallen, so gewiß wären Präzisierungen erforderlich. Schwierig genug dürften sie zu erbringen sein.

WOLFGANG SCHULLER

Astrid von Friesen: "Der lange Abschied". Psychische Spätfolgen für die zweite Generation deutscher Vertriebener. Reihe "edition psychosozial". Psychosozial-Verlag, Gießen 2000. 209 S., br.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

Mehr aus dieser Reihe

zurück
Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind
Buch (kartoniert)
von Sigrid Chamberla…
Umgang mit Angst
Buch (kartoniert)
von Horst-Eberhard R…
Borderline-Mütter und ihre Kinder
Buch (kartoniert)
von Christine Ann La…
»Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin«
Buch (kartoniert)
von Annette Simon
Nabelschnur der Seele
Buch (kartoniert)
von György Hidas, Je…
vor
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
¹ Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche ge-
kennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben.
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.