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Feuer und Skepsis als Buch
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Feuer und Skepsis

Einlesebuch. 1. , Aufl. 2 schwarz-weiße Abbildungen.
Buch (kartoniert)
Eine Auswahl der wichtigsten Texte und Passagen aus dem Werk Brigitte Kronauers Anläßlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises an Brigitte Kronauer am 5. November 2005 hat der Verlag eine Auswahl aus diesem großen Werk vorgelegt, das sprachlich … weiterlesen
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Feuer und Skepsis als Buch

Produktdetails

Titel: Feuer und Skepsis
Autor/en: Brigitte Kronauer

ISBN: 3608937285
EAN: 9783608937282
Einlesebuch.
1. , Aufl.
2 schwarz-weiße Abbildungen.
Herausgegeben von Elisabeth Binder
Klett-Cotta Verlag

November 2005 - kartoniert - 231 Seiten

Beschreibung

Eine schöne, konzentrierte Auswahl also, die von den frühen Texten über prägnante Selbstdarstellungen und Interviews bis zu Ausschnitten aus den großen Romanen reicht. Ein Kaleidoskop, dessen Teile sich gegenseitig spiegeln. Kindheitsszenen aus »Rita Münster« gehören dazu, eine Italien-Impression aus dem »Berittenen Bogenschützen«, eine Betrachtung über Tiere - eines der großen Themen der Autorin. Die kurze Erzählung ist vertreten und der literarische Essay. Kundiger und abwechslungsreicher kann der neugierige Leser kaum durch durch dieses Werk geführt werden.Höhepunkt und Finale dieses »Einlesebuchs« ist die Schlußszene aus »Verlangen nach Musik und Gebirge«.Der Reader enthält ein Vorwort der Herausgeberin, einen brillanten Überblick über Brigitte Kronauers schriftstellerische Entwicklung.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort: An ungeschützter Front (von Elisabeth Binder)
Auftakt
Sie! (In: Die Tricks der Diva)
I. Strophen einer Kindheit
Auszug aus dem Roman Teufelsbrück
Rita Münster (Aus: Rita Münster)
II. Vom Umgang mit der »wilden Literatur«: Werdegang - frühe Texte
Entscheidung für das grüne Gras (In: Die Revolution der Nachahmung)
Auszug aus dem Klappentext Die Revolution der Nachahmung
Ein Tag, der zuletzt doch nicht im Sande verlief (In: Die gemusterte Nacht)
Die Wirklichkeit und die narrativen Tricks (Aus: Ist Literatur unvermeidlich?)
Der Kontrolleur (In: Vom Umgang mit der Natur)
Eine erfolgreiche Bemühung um Fräulein Block (In: Vom Umgang mit der Natur)
Hinter der Mauer (In: Die gemusterte Nacht)
Eine prinzipielle Unsicherheit (In: Die Revolution der Nachahmung)
III. Das Idyll der Begriffe und die freien Bahnen
Achtung! Achtung! Es wird ernst (Aus: Berittener Bogenschütze)
Auszug aus dem Essay Das Idyll der Begriffe (In: Die Lerche in der Luft und im Nest)
Die Weite (In: Schnurrer)
Auszug aus dem Nachwort in: Die Wiese
Auszug aus Die Dinge sind nicht unter sich (In: Aufsätze zur Literatur)
IV. Auf Goldgrund: die »inbrünstige Präsenz« der Dinge
»Es gibt keine Ideen außer in Dingen«. Zu Dieter Asmus? Bild Katze + Maus (In: Die Einöde und ihr Prophet)
Auszug aus: Zur Eröffnung der Ausstellung von Dieter Asmus in Fellbach
Auszug aus: Großmutters Verdammung im Fliederhain. Vom Abklatsch in der Kunst (In: Betrifft)
V. Stockente - Ratte - Gießkanne: Die Erscheinung an sich
Das allerletzte Stündlein (In: Schnurrer)
Auszug aus einem Interview in: Falter
Brief an das Pferd des Lord Chandos. Zu Hugo von Hofmannsthals Ein Brief (In: Zweideutigkeit)
VI. Tiere
Auszug aus einem Interview in: Falter
Auszug aus Tierlos. Zu Elias Canettis Tierbuch (In: Zweideutigkeit)
Der Abschied von einem sehr zerbrechlichen Prinzip (Aus: Rita Münster)
Was wollen die Tiere von uns? (In: Zweideutigkeit)
Die alte Frau und der Mähnenwolf (Aus: Die Frau in den Kissen)
Auszug aus Tierlos. Zu Elias Canettis Tierbuch (In: Zweideutigkeit)
VII. Der höchst erotische Moment
Auszug aus Nachwort zu Tania Blixens »Ehrengard« (In: Aufsätze zur Literatur)
Gisela und Matthias Roth am Küchentisch (Aus: Berittener Bogenschütze)
Auszug aus Nachwort zu Tania Blixens »Ehrengard« (In: Aufsätze zur Literatur)
Zwischenspiel
Antworten Brigitte Kronauers auf den Proust?schen Fragebogen der FAZ
VIII. Die Errettung des Einzelfalls
Auszug aus Was kann Literatur? (In: Die Lerche in der Luft und im Nest)
Willi Wings in seiner Apotheke (Aus: Das Taschentuch)
Frau Ainz (In: Die Einöde und ihr Prophet)
Willi Wings: allen entronnen (Aus: Das Taschentuch)
Auszug aus Der letzte Finger der linken Hand (In: Die Einöde und ihr Prophet)
IX. Kleine Privatmythologien
Auszug aus einem Interview in: Falter
Das Gericht in der Küche I (In: Hin- und herbrausende Züge)
Die Wirtin (In: Die Tricks der Diva)
X. Märchen, Mythen, Metamorphosen: die Anziehungsmacht des Zweideutigen
Im Einkaufszentrum unter hell strahlendem Gewölbe (Aus: Teufelsbrück)
Auszug aus Ein Augenzwinkern des Jenseits: Die Zweideutigkeit der Literatur (In: Zweideutigkeit)
Marlon Brando (Aus: Marlon Brando. In: Aufsätze zur Literatur)
Lord Jim (Aus: Schützende Gebilde und verbotener Blick. Zu Joseph Conrads Lord Jim. In: Zweideutigkeit)
Hotel Wald International (In: Zweideutigkeit)Liedchen (In: Die Tricks der Diva)
XI. Natur, Natur!
Auszug aus dem Roman Teufelsbrück
Der sterbende Urwald (Aus: Die Frau in den Kissen)
Auszug aus dem Roman Teufelsbrück
Auszug aus Die Lust an der Peinlichkeit: Geschichten vom Geld (In: Zweideutigkeit)
Literatur und schöns Blümelein (In: Die Tricks der Diva)
XII. Ausschlüpfen aus der Menschenkruste
Die Einöde und ihr Prophet. Zu Geertgen tot Sint Jans (In: Die Einöde und ihr Prophet)
Jenes vormenschliche Reich (Aus: Die Frau in den Kissen)»E il naufragar m?è dolce in questo mare«: das Paar im roten Gummiboot (Aus: Die Frau in den Kissen)
Die Wiese (In: Die Tricks der Diva)
XIII. Beobachtungen auf dem Weg des Älterwerdens
Frauen unter sich (In: Zweideutigkeit)
Die Überraschung der Sängerin (In: Die Einöde und ihr Prophet)
Wie Leguane und Krokodile (In: Zweideutigkeit)
Auszug aus Die schwedische Rezeptur (In: Zweideutigkeit)
XIV. Ein Augenzwinkern des Jenseits
Auszug aus Ein Augenzwinkern des Jenseits. Die Zweideutigkeit der Literatur (In: Zweideutigkeit)
Carduelis carduelis (In: Zweideutigkeit)
Finale
Wird man es schaffen? (Schluß des Romans Verlangen nach Musik und Gebirge)

Portrait

Brigitte Kronauer, 1940 in Essen geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Hamburg.
Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Fontane-Preis der Stadt Berlin, mit dem Heinrich-Böll-Preis, dem Hubert-Fichte-Preis und dem Joseph-Breitbach-Preis ausgezeichnet.
2004 erschien ihr von der Kritik gefeierter Roman »Verlangen nach Musik und Gebirge«. Im gleichen Jahr erhielt sie den Mörike-Preis der Stadt Fellbach für ihr Gesamtwerk zuerkannt, und 2004 den Grimmelshausen-Preis für den Roman »Teufelsbrück«.
2005 wurde ihr der Bremer Literaturpreis für den Roman »Verlangen nach Musik und Gebirge« verliehen.
Brigitte Kronauer hat 2005 den Büchner-Preis erhalten - die bedeutendste Auszeichnung für Literatur im deutschsprachigen Raum.
Das erzählerische Werk von Brigitte Kronauer ist bei Klett-Cotta erschienen.

Leseprobe

Vorwort
von Elisabeth Binder
An ungeschützter Front
Sollte man, was Brigitte Kronauer einmal in einer Skizze über den Weg des Älterwerdens formuliert, vielleicht umstandslos als ihr eigenes Lebensprogramm, ja mehr noch: als ihr eigentliches Literaturprogramm verstehen? Nämlich: nicht dem wohligen Schutz vorgeprägter Muster, der Geborgenheit von Vorerzähltem und Wahrnehmungsbefehlen, der Macht der Schablonen, besserwisserischer Konvention, dem Trost der Gruppe zu verfallen, sondern das paradoxerweise so Simple wie Schwierige schaffen: ohne Einflüsterungen wahrzunehmen, was man erlebt. Angenehmes wie Schmerzliches auf sich gemünzt, ein Registrieren an ungeschützter Front.
An ungeschützter Front! Das setzt allerdings Mut und einen beträchtlichen Eigensinn voraus. Wenn hier aber von jedermann gefordert wird, was für einen Schriftsteller - jedenfalls von Format, und vom Format dieser Autorin - notwendige Voraussetzung des Schreibens ist, so zeigt sich darin nicht nur, wie eng bei ihr der Clinch von Leben und Literatur ist, sondern auch die Überzeugung, daß Literatur nie auf der Seite von ?Eliten? steht. Oder müßte man es anders formulieren? Wird hier schlankweg vom Leben dasselbe Elitäre, nämlich Rebellische (der Rebell definiert als der unerbittliche Nicht-Ideologe aus Instinkt) wie von der Kunst gefordert?
Was aber fordert die Autorin Brigitte Kronauer von der Kunst der Literatur? Im Endeffekt, dort, wo sie mehr ist als eine Lebenshaltung, nämlich dann doch dem Leben als fixsternhaft Anderes gegenübergestellt: jene neue, alte Utopie, welche sie gelegentlich kühn Poesie nennt - die Gegenwelt der Poesie?
Vielleicht im Innersten dies: daß sie, gerade als energisch gesetzte Kunstform, dennoch auf das Leben, und es aus dieser Gegenposition nur umso genauer observierend, inständig bezogen bleibt. Denn von dieser Vorgabe (sie steht heute bekanntlich wieder zur Diskussion), es gebe hinter der Sprache keine substantielle Wirklichkeit, mit der sie in Kont
akt steht, alles sei nur Text auf Text und unser Bewußtsein dem rettungslos eingesperrten Rilkeschen Panther vergleichbar (... als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt), ist die Autorin nie ausgegangen. Ich glaube, so Brigitte Kronauer in einem Interview von 1992, daß es hinter der Sprache etwas gibt, auf das Literatur zielt, das sie mit immer neuen Variationen und Tricks zu erreichen versucht, wobei immer nur Sprache herauskommt. Wenn man als Schriftsteller aufhört, wie mit einem Stein oder einem Netz nach der Wirklichkeit zu zielen, dann verflüchtigt sich auch das Leben, das Temperament der Literatur.
Ob aber Netz oder Stein oder eventuell Pfeil - und die Autorin eine Art Berittener Bogenschütze, auf der Jagd nach Wirklichkeit: Voraussetzung dieser Metaphorik ist, daß die Wesen und Dinge in ihrer eigentlichen Gestalt nicht einfach taube, schläfrig und für jedes x-beliebige Allerwelts- und Modewort vorhandene Klötze sind. Sondern scheues, behendes, womöglich im Dickicht, und sei es auch des modernen Lebens, verborgenes Wild, das, aufgestöbert, aufgestört von einem aufmerksamen, gebannten Jäger, getroffen, aber natürlich nicht getötet, im Gegenteil: angesprochen vom richtigen Wort und im Kunstraum des Textes zu einer im Gestrüpp, in der Gleichgültigkeit des Alltags gar nicht möglichen Präsenz kommt. ... niemand hatte sie sehen wollen, heißt es einmal in einer frühen Erzählung von einer grau und reizlos gewordenen alten Frau, nun auch sie gewiß sich selbst nicht mehr. Die Autorin schon, eine ganze Erzählung lang, bis auch diese graue Figur, etwas Lebendiges, Eigenwilliges, ihre abenteuerlichen Reize preisgibt.
Jägerin und Hüterin also. So wie Artemis, die alte Waldgöttin, es mit dem ihr anvertrauten Wild hält, wobei sie manchmal auch Menschen in Tiere verwandelt, einen vorwitzigen Mann zum Beispiel auf der Stelle in einen Hirsch. Sollte sich auch deshalb - aufgrund eines Jägerinnen-, Hüterinneninstinkts, und weil der Wald immer schon
(den gesellschaftlichen Ordnungen entzogen) der Ort für Verwandlungen war, in Märchen, Mythen, Metamorphosen, die in ihren Texten zunehmend wichtiger werden - die Autorin Brigitte Kronauer, wie oft beteuert, im Wald, in der alten Waldeinsamkeit so wohl fühlen?
Literarisch aber fühlt sie sich dort wohl, wo aus einem sowohl innigen wie energischen, das heißt auch energisch subjektiven Realitätsbezug (extreme Verfremdung dabei keineswegs ausgeschlossen, das gilt, entsprechend, auch im Medium der bildenden Kunst, von den alten Heiligenbildern bis zur Moderne: kein Zutrauen zur Abstraktion!) eben jene Verwandlung geschieht. Nicht als Gestaltwandel zwar wie in der Metamorphose, sondern als Substanzwandel: von Natur in Literatur. So, als gebe es diese Sprache wirklich, von der Lord Chandos in Hofmannsthals Brief noch träumt, vielleicht sogar jenes Eichendorffsche Zauberwort , unter dem, wenn es trifft, die Welt zu singen anhebt, oder jene zarte Vereinigung von Wort und Ding, des fallenden Blütenblatts mit seinem Spiegelbild im Wasser, von der Nabokov einmal spricht: ... den Bruchteil einer Sekunde fürchtete man, das Kunststück würde mißlingen, das geweihte Öl sich nicht entzünden, das Spiegelbild würde das Blütenblatt verfehlen, und dieses müßte allein wegtreiben. Aber jedesmal fand die zarte Vereinigung statt, magisch genau wie das Wort des Dichters, das seiner eigenen Erinnerung oder der eines Lesers auf halbem Weg entgegenkommt.
Aber verlangt das Blütenblatt, verlangt die Welt diese Vereinigung wirklich? Oder erträgt nur ihre Gleichgültigkeit nicht, wer als Liebhaber um sie wirbt? Die Frage wird man wohl nicht endgültig entscheiden können. Sicher ist, daß Brigitte Kronauers Literatur ihre beeindruckende und nicht nachlassende Energie aus der Überzeugung bezieht, daß die Welt danach verlangt, und ebenso sicher ist, daß sie bezüglich der Welt zu den großen Liebhabern gehört: feurig und skeptisch zugleich. Im Grunde kreisen alle ihre Texte (gelegentlich auch themat
isch, ganze Romane) um jenen höchst erotischen Moment, nach dem die Dinge wie nach ihrer endgültigen Erlösung verlangen, ein um das Danach unbekümmertes Erglühen der Welt in Offenbarungslust im Angesicht des Liebhabers (und dort vergänglich), des Künstlers (und dort für immer gebannt).
Offenbarungslust? Dazu aber könnte ja eventuell noch etwas anderes gehören als die Offenbarung ihres geheimsten Wesens, das heißt bei dieser Autorin, die es hierin mit Goethe hält (Nichts ist drinnen, nichts ist draußen: Denn was innen, das ist außen): Vergegenwärtigung ihrer einzigartigen, unverwechselbaren Gestalt. ... denn die Pferde heißt es einmal, sie werfen ihre Schweife bereits in einem luftigen Grau und Grün und gut kaschierten Gold, das ja wohl nie, niemals schwinden kann.
Könnte es sein, daß sich in ihrer leidenschaftlichen Liebe zu den Erscheinungen der Welt, aber auch in dem Bedürfnis, die gewohnten Sehmuster, alles Gemütliche, Vorfabrizierte, das Alltagsgrau, alle ideologischen Gehäuse zu durchbrechen und an ungeschützter Front wahrzunehmen und zu formulieren - daß sich in einem heftigen Interesse an der physischen Welt (ihrem Grau und Grün) auch noch ein metaphysisches, eben an jenem gut kaschierten Gold, verbirgt? Vielleicht jener apetito de Dios (Jorge Carrera Andrade), von dem sie in einem Aufsatz einmal spricht, als Antrieb und Fluchtpunkt? Oder die Überzeugung des Mystikers Meister Eckehart, welche in ihrem letzten Roman Verlangen nach Musik und Gebirge die Icherzählerin, Frau Fesch, außer Atem, denn sie ist dabei, auf der Seepromenade von Oostende, ihrem Liebsten entgegenzueilen, im Laufschritt vor sich hinkeucht: Die Welt will, die Welt will, die Welt will uns in Gott eingewöhnen.?

Die vorliegende Textsammlung vereinigt Erzählungen, Romanauszüge, Skizzen, Essays, Vorträge und Auszüge aus solchen. Dazu kommen einzelne Passagen aus einem Interview und die Antworten der Autorin auf den Proust?schen Fragebogen der FAZ. Die Texte sind nicht nach Gattu
ng und auch nicht chronologisch geordnet. Nur die frühen Texte bis hin zu dem Erzählband Die gemusterte Nacht sind in einem Kapitel zusammengenommen, weil sie die zu Beginn streng programmatischen Schreibansätze und den Werdegang der Autorin illustrieren. Sonst ist der Band thematisch, nach Schwerpunkten, auch poetologischen, gegliedert, die aber aufeinander verweisen und organisch ineinander übergehen. Im übrigen spannt sich so etwas wie ein allgemeiner Lebensbogen von den Kindheitserinnerungen aus Rita Münster bis zu den Beobachtungen auf dem Weg des Älterwerdens. Und da man die Liebe der Autorin zur Oper kennt, mag man die musikalische Pointierung des Ganzen mit Auftakt, Zwischenspiel, Finale als Anspielung in dieser Richtung verstehen.
Dem möglichen Nachteil einer solchen interpretierenden Ordnung, nämlich, daß der Leser sich zu sehr gegängelt vorkommen und daß außerdem gelegentlich der Eindruck entstehen könnte, ein Romanauszug, der unmittelbar einer thematisch entsprechenden Essay-Passage folgt oder vorangeht, sei lediglich die praktische Ausführung des theoretischen Gedankens, mag der Anreiz gegenüberstehen, die verschiedenen Gattungen einmal unter einem Motto versammelt zu sehen, das heißt auch zu sehen: wie eine Anschauung, eine Überzeugung, eine Affinität oder Aversion sich in den verschiedenen Textsorten verbalisiert und im eigentlich literarischen Medium, in Erzählung und Roman, Fleisch und Blut wird.
Im Ganzen ist zu hoffen, die Kostprobensammlung vermittle etwas vom poetischen Temperament sowohl wie von der vertrauenerweckenden Menschlichkeit dieses Werks, das auf Schritt und Tritt den Leser ermuntert und ermutigt - auch wenn es ihn rüttelt und schüttelt und aus allen möglichen Sicherheiten, hintergründig, mutwillig, lustvoll, und durchaus auch lustig, hinausbugsiert - das Leben, das eigene und das fremde, die Natur außerdem, wichtig- und auf eigensinnige Weise wahrzunehmen. Eben: an ungeschützter Front!

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