Teufelsbrück als Buch
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Teufelsbrück

Roman. Ausgezeichnet mit dem Johann-Jakob-von-Grimmelshausen-Preis 2003. 4. , Aufl.
Buch (gebunden)
Der Roman einer Verzauberung - und ihr Ende.

Eine nicht ganz herrschaftliche Villa im Alten Land an der Elbe. Zara wohnt hier, mit ihrer einzigartigen Schuhsammlung und tropisch bepflanzten Vogelvolieren. Und mit Leo, dem etwas undurchsichtigen Finanz … weiterlesen
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Teufelsbrück als Buch

Produktdetails

Titel: Teufelsbrück
Autor/en: Brigitte Kronauer

ISBN: 3608930701
EAN: 9783608930702
Roman. Ausgezeichnet mit dem Johann-Jakob-von-Grimmelshausen-Preis 2003.
4. , Aufl.
Klett-Cotta

2000 - gebunden - 505 Seiten

Beschreibung

Neun Abende lang erzählt Maria, hören wir der Geschichte einer Leidenschaft zu. Hals über Kopf und hochbewußt stürzt sich Maria in ein Abenteuer mit Leo. Amüsiert schaut sie zu, wie ihr Vorortleben - mit Einkaufszentrum, lieben Freunden und wohlmeinenden Anbetern - eine lustvolle Beschleunigung bekommt: Soireen in gemischter Gesellschaft, Liebesnächte und eine erotische Tour nach Heidelberg. Und doch hat sie das Gefühl, nicht ganz die Herrin dieser Geschichte zu sein. Spät, in den verschneiten Bergen eines Schweizer Alpendorfs, erkennt Maria die Wahrheit hinter den Ereignissen - die Regie. Und sie fürchtet den Augenblick, in dem es mit ihrem Bericht ein Ende hat...

Märchenhaft und zuweilen fast übermütig in seinem Reichtum an Momenten ekstatischer Wahrnehmung, erzählt dieser Roman von einer Verzauberung und ihrer Aufhebung durch einen Gewaltakt.

Auf dem Höhepunkt ihrer Kunst erzählt Brigitte Kronauer diesen großen Roman, der in die Tradition der deutschen Literatur und in aktuellste Gegenwart tief eingelassen ist.

Portrait

Brigitte Kronauer, 1940 in Essen geboren, lebte als freie Schriftstellerin in Hamburg. Ihr schriftstellerisches Werk wurde unter anderem mit dem Fontane-Preis der Stadt Berlin, mit dem Heinrich-Böll-Preis, dem Hubert-Fichte-Preis der Stadt Hamburg, dem Joseph-Breitbach-Preis und dem Jean-Paul-Preis ausgezeichnet. 2005 wurde ihr von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung der Büchner-Preis verliehen. Brigitte Kronauer verstarb im Juli 2019.

Leseprobe

Im EEZ, unmittelbar vor dem Zusammenstoß mit einem fremden Paar, muß ich in merkwürdiger Stimmung gewesen sein. Momentan keine Ahnung, wieviel Zeit inzwischen vergangen ist. Ich hatte auf meine Uhr gesehen. Genau sechs! Und dann auf eine männliche Schaufensterpuppe, die einen dreifarbigen Slip trug. Das lebensecht gewölbte Mittelstück grün, die gelben Seitenteile durch rote Abnäher fröhlich separiert, und mir war so traurig zumute. Ich wußte nicht, warum.

»Mein Vöglein mit dem Ringlein rot
singt Leide, Leide, Leide,
es singt dem Täublein seinen Tod
singt Leide, Lei -«
ging mir noch durch den Kopf. Da lag ich schon auf den Knien, spürte einen eindeutigen körperlichen Schmerz und hörte wie von fern:
»Zuküth, ziküth, ziküth.«
»Wie blöd, wie blöd«, wurde gleichzeitig oder in Wirklichkeit ganz in meiner Nähe geflüstert. Aber der Mann, der umständehalber mit mir auf dem Boden kniete und mich versehentlich umschlang, hatte es nicht gesagt. Er lächelte ja, ohne den Mund zu öffnen, ohne die Lider zu heben, was mich sofort aufreizte. Noch bevor ich feststellen konnte, daß wir in unseren gegenwärtigen Positionen gleich groß waren , genoß ich den Eindruck, blitzschnell, ehe er vorüber war, in den Armen eines eleganten Verbrechers gelandet zu sein. Hatte ich mir das etwa mein Leben lang gewünscht?

Pressestimmen

"... Seit langem gehört die Schriftstellerin Brigitte Kronauer zu den bedeutendsten Gegenwartsschriftstellern. Ihr neuer Roman "Teufelsbrück" erzählt auf den ersten Blick eine Liebesgeschichte. Doch mehr als um das sture Diktat der Biologie geht es in diesem anspielungsreichen Buch um die Erotik der Wahrnehmung, um die entflammte Aufmerksamkeit den Dingen, der Welt gegenüber. ..."
Andrea Köhler (Neue Zürcher Zeitung, 9.9.2000)
"Brigitte Kronauer lebt in Hamburg, ihr großer poetischer Roman über die Elbe, die Liebe und die Romantik in unromantischer Zeit wird Literaturgeschichte machen."
Reinhard Baumgart (Die Zeit, 31.08.2000)

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 09.12.2003

Das Echo macht einen Umweg

Vielleicht ist sie entzückt, vielleicht ist sie bedrückt, vielleicht auch ein bißchen verrückt. Wovon erzählt die Ich-Erzählerin in Brigitte Kronauers Roman "Teufelsbrück"? Von ihrer Verwandlung in einen Vogel. Wo gibt es denn sowas? In der Literatur. Der im Jahr 2000 veröffentlichte Roman ist Literatur über Literatur; für seine Verfasserin gilt immer noch, was sie 1974 über sich geschrieben hat: "Ich stelle mit literarischen Mitteln die Wirkung der Literatur auf das Leben dar." Bettina Clausen zitierte die frühe Selbstauskunft auf einer Marbacher Tagung der Reihe "Das literarische Portrait". Im Begriff des Porträts liegt die Abstraktion von der Zeit. Der Porträtmaler verfährt nicht erzählerisch. Tatsächlich gelang es in Marbach, die Methode der Schriftstellerin in elementare Kunstgriffe auseinanderzulegen, die dem gesamten Werk das Charakteristische geben.

Auf der ersten Seite von "Teufelsbrück" berichtet die Ich-Erzählerin, daß ihr im Einkaufszentrum ein Lied durch den Kopf ging, das Lied der Jorinde, die sich im Grimmschen Märchen in eine Nachtigall verwandelt. Der Nachhall ist fast alles, was sie an Vorgeschichte über den Zusammenstoß mit Leo, dem Mann der Erzzauberin Zara, mitteilt, aus dem die gesamte Romanhandlung hervorgeht. Unter dem Eindruck des Schmerzes des unwillkürlichen Übereinanderherfallens hörte sie die letzten Worte des Liedes, als kämen sie nicht mehr aus dem Kopf, sondern aus der Welt, "wie von fern": "Zuküth, ziküth, ziküth." Das Leben vollendet, was die Literatur begonnen hat. Ist diese Übertragung nicht Einbildung? Glaubt man, ein Vögelein habe sich im poetischen Moment ins prosaische Einkaufszentrum verirrt? Die Imitation des Grimmschen Liedes, das seinerseits dem Volksleben abgelauscht sein möchte, ist damit aber noch nicht beendet. Sie pflanzt sich in lautmalerischer Weise fort, mit dem Mittel des - unreinen, insofern lebensechten - Reims. Es erklingt ein Echo von "ziküth, ziküth". Oder doch nicht? Das Echo hört man erst hinterher. Das verhält sich hier zwar für den Leser so, der alles Erzählte nur im Modus des Nacheinander zur Kenntnis nehmen kann, wird aber, was die Situation, von der erzählt wird, betrifft, ausdrücklich für ungewiß erklärt. ",Wie blöd, wie blöd', wurde gleichzeitig oder in Wirklichkeit ganz in meiner Nähe geflüstert."

Ein Mann und eine Frau stoßen zusammen. Die Frau hört Vögel zwitschern, und die Begleiterin des Mannes beklagt mit unterdrückter Stimme das Peinliche der Situation. Warum soll sich das nicht gleichzeitig und in Wirklichkeit ereignen? Nimmt man die Erzählerin beim Wort, dann steht man vor einer erkenntnistheoretischen Alternative, der Entscheidung zwischen zwei Ordnungen der Ereignisse. In der Ordnung der Gleichzeitigkeit gäbe es nichts Wirkliches, nur das, was das Ich selbst in die Welt setzt. Die Wirklichkeit wäre dagegen mit dem Nacheinander zu identifizieren, das Leben mit der Literatur; alles Erzählen wäre insoweit realistisch. Gleichzeitig oder wirklich? Man liest weiter, ohne - wie blöd, wie blöd - die Entscheidung zu kennen. Die Autorin gab zu dieser Stelle die Erläuterung, daß sie nie konventionell beginne. Sie wolle den Leser brüskieren, ihn waffenlos in das Universum der Erzählung hineinziehen.

Daß der Autor, sofern lebend, anwesend ist und sein Porträt im Werden kommentieren kann, macht die eine Besonderheit der Tagungsreihe aus, die von der Stuttgarter "Akademie für gesprochenes Wort" getragen wird, einer Schule für Rundfunksprecher. Die andere Besonderheit ist, daß die zu interpretierenden Texte von Studenten der Akademie kunstgerecht zum Vortrag gebracht werden. Die konstruktivistische Ästhetik Brigitte Kronauers bürgte dafür, daß die Autorin als Auslegerin nicht falsch besetzt war. Niemand soll sprachlos vor diesem Werk stehen, auch seine Schöpferin nicht: "Es handelt sich bei meinen Romanen eben durchaus um Denkgebäude." Insofern "Teufelsbrück" von der Ich-Erzählerin einer Zuhörerin erzählt wird, in der sie am Ende Zara erkennt, scheint der stimmenreiche Roman nach dem mündlichen Vortrag zu verlangen. In Marbach bewährte sich das Verfahren, indem es zur Einsicht in seine Unangemessenheit führte. Die Interpreten neigten am Ende dazu, sich gegen die Wirklichkeit der Zuhörerin zu entscheiden, die eingebildete Zara als das gleichzeitig-unwirkliche Gegenüber der Erzählerin zu deuten, als ihr Spiegelbild. Brigitte Kronauers Bücher sind klassisch darin, daß sie wollen, daß etwas zu ihnen gesagt wird. Die Ursituation aber, deren Echo sie sind, ist der Solipsismus.

PATRICK BAHNERS

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