Willenbrock als Buch
PORTO-
FREI

Willenbrock

Ausgezeichnet mit dem Premio Grinzane Cavour 2002 für Ausländische Prosa. Roman.
Buch (gebunden)
"Bernd Willenbrock führt im Berlin der späten neunziger Jahre erfolgreich einen Gebrauchtwagenhandel; auch im Privaten scheint alles zu stimmen. Dass der abgezäunte Platz mit den Fahrzeugen irgendwann Ziel eines nächtlichen Diebstahls wird, überrasch … weiterlesen
Dieses Buch ist auch verfügbar als:
Buch

20,99 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Willenbrock als Buch

Produktdetails

Titel: Willenbrock
Autor/en: Christoph Hein

ISBN: 3518411551
EAN: 9783518411551
Ausgezeichnet mit dem Premio Grinzane Cavour 2002 für Ausländische Prosa. Roman.
Suhrkamp

25. Juni 2000 - gebunden - 318 Seiten

Beschreibung

"Bernd Willenbrock führt im Berlin der späten neunziger Jahre erfolgreich einen Gebrauchtwagenhandel; auch im Privaten scheint alles zu stimmen. Dass der abgezäunte Platz mit den Fahrzeugen irgendwann Ziel eines nächtlichen Diebstahls wird, überrascht den Besitzer kaum. Auch der nächste Diebstahl, besser: Raubüberfall, lässt sich nicht aufklären; Behördliche Hilfe allerdings bleibt Willenbrock auch bei anderer Gelegenheit versagt, etwa als er um Baugenehmigungen zur Erweiterung seines Geschäfts ersucht oder, gravierender noch: als er und seine Frau im Wochenendhaus überfallen werden. Alle Sicherheiten des zivilisierten Lebens rutschen erst unmerklich und dann unübersehbar weg. Hinter vermeintlich geordneten Verhältnissen wird ein Dschungel sichtbar, in dem keine Regel mehr gilt außer: Hilf dir selbst! Willenbrock gerät schließlich in einen Strudel, in dem alles zur Bedrohung wird und ein Revolver wie ein Zeitzünder irgendwann losgehen muss."

Portrait

Christoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren. Nach Kriegsende zog die Familie nach Bad Düben bei Leipzig, wo Hein aufwuchs. Ab 1967 studierte er an der Universität Leipzig Philosophie und Logik und schloss sein Studium 1971 an der Humboldt Universität Berlin ab. Von 1974 bis 1979 arbeitete Hein als Hausautor an der Volksbühne Berlin. Der Durchbruch gelang ihm 1982/83 mit seiner Novelle Der fremde Freund / Drachenblut.
Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Uwe-Johnson-Preis und Stefan-Heym-Preis.

Pressestimmen

Wildwest im Ossiland Die Gangster kommen in einer Sommernacht. Der Autohändler Willenbrock und seine Frau Susanne verbringen das Wochenende in ihrem Landhaus am Haff, gegenüber der Insel Usedom. Der Ehemann, von einem Geräusch geweckt, steht auf und sieht sich, unbewaffnet und nur mit Pyjamajacke bekleidet, einem Fremden gegenüber. Der ruft seinem Kumpanen ein paar Worte zu, offenbar auf Russisch, dann geht er zum Angriff über: erst mit der Stange, dann, als der Hausherr sich hinter einer Tür verschanzt, mit einem Messer. Die Klinge verfehlt Willenbrocks Kopf nur knapp. Erst als der so Attackierte einen Anruf bei der Polizei simuliert, verschwinden die Männer. "Jede Woche haben wir einen Fall wie Sie", erfährt Willenbrock später im Krankenhaus. Der Arzt sagt: "Man sollte Mauern bauen. Überall Mauern, anders ist der Menschheit nicht beizukommen ... Wilde Bestien werden auch in Käfigen gehalten." Seelenruhig und scheinbar völlig unbeteiligt protokolliert der Schriftsteller Christoph Hein, 56, in seinem neuen Roman "Willenbrock", wie ein Mensch in den Ausnahmezustand gedrängt wird. Sein Held ist eigentlich ein besonnener Mann, der sich so leicht nicht aus der Ruhe bringen lässt - Ostalgie ist ihm genauso fremd wie das Law-and-Order-Gerede um ihn her: Bernd Willenbrock hat den Sprung aus der gesicherten Angestelltenexistenz zu DDR-Zeiten in die Selbständigkeit nach der Wende bravourös bewerkstelligt. Mit dem An- und Verkauf von Gebrauchtwagen ist er zum Kleinunternehmer geworden. Hein, einst in der DDR als Kritiker des Staatsapparats hervorgetreten und bis vor kurzem PEN-Präsident, hat mit Willenbrock keinen larmoyanten Verlierer der Einheit porträtiert. An jedem Werktag pünktlich um neun Uhr öffnet der Held das Tor seines Autohofs, um die ersten Kunden zu begrüßen. Viele kommen aus dem Osten, einige von ihnen - wie der Russe Krylow - regelmäßig und mit viel Geld in der Tasche. Doch Willenbrocks Lebensroutine wird brüchig, als zunächst einige Autos vom Hof verschwinden, dann dem neu eingestellten Nachtwächter der Hund getötet wird und schließlich - nach dem Überfall auf das Landhaus - die beiden Russen, die wahrscheinlich dafür verantwortlich sind, ohne Anklage über die Grenze abgeschoben werden. Wildwest im Ossiland. Der Dorfpolizist auf dem Land fühlt sich nicht zuständig, die nette Kommissarin ist machtlos, und der Staatsanwalt in Neubrandenburg, der für die Abschiebung der Verdächtigen zuständig ist, schaut kaum von den Akten auf, als Willenbrock ihn wütend aufsucht, fast schon ein zweiter Kohlhaas - den Revolver hat er in der Tasche. Sein treuer Kunde Krylow hat die Waffe ungebeten besorgt. Hein, dem mit dem fulminanten Prosawerk "Von allem Anfang an" (1997) ein Rückblick auf Kindheits- und Jugendjahre in der DDR gelang, erneuert mit "Willenbrock" seinen Ruf als Chronist deutscher Gegenwart: Der Autor, dem es die Ostbehörden als Pastorensohn nie leicht machten, hat als Dramatiker und Erzähler nicht nur in der DDR für Furore gesorgt - mit der Novelle "Der fremde Freund" (1982; im Westen 1983 als "Drachenblut" erschienen), den Romanen "Horns Ende" (1985) und "Der Tangospieler" (1989) wurde er in der Bundesrepublik rasch bekannt. Heute zählt Hein - vom selben Jahrgang wie Bernhard Schlink ("Liebesfluchten") - zu den wichtigen deutschen Autoren der Generation nach Grass, Walser und Christa Wolf. Mit seinem neuen Roman wechselt er zugleich vom einstigen DDR-Prestigeverlag Aufbau zu Suhrkamp - "Willenbrock" steht im Mittelpunkt des Jubiläumsprogramms, mit dem der Frankfurter Verlag jetzt sein 50-jähriges Bestehen feiert. Ein großer Auftritt: Doch leider hat das zugkräftige Sujet den Erzähler zu formalen Nachlässigkeiten verführt, die das Vergnügen an dem Romanreport über die Zustände in Deutschland-Ost trüben. Auch in seinen stärksten Prosastücken zeigte Hein stets Anflüge bürokratischen Stils, doch der Roman "Willenbrock" wirkt passagenweise wie eine Rohfassung. Fast unbeholfen schreitet die Prosa von Datum zu Datum voran: "In der ersten Maiwoche", "In der folgenden Woche", "Am Nachmittag", "Am Abend", "Eine halbe Stunde später", "Am Freitagabend", "Drei Tage später", "Mitte Oktober" ° so beginnen unentwegt Kapitel und Absätze. Die Eckdaten der Geschichte allerdings (sie spielt zwischen 1996 und 1998) muss sich der Leser erschließen. Hein kokettiert in "Willenbrock" mit dem Krimigenre. Doch versteckt er, als scheute er die Spannung, die Geschichte hinter umständlicher Beschreibung des Alltags. Ausführlich wird von einer Reise zur Schwiegermutter berichtet oder ein Kurztrip des Ehepaars nach Venedig beschrieben, genauestens wird der Leser über den Fortschritt des Büroneubaus auf dem Autohof oder eine Modenschau mit schriller Begleitmusik in der Boutique informiert. Über Willenbrocks Innenleben ist wenig zu erfahren: Er wird aus großer Distanz, in der dritten Person, porträtiert - dann aber heißt es plötzlich, angesichts von Ehefrau Susanne: "Mein Gott, dachte er, warum mache ich das nur, ich habe das schärfste Mädchen zu Hause und laufe unentwegt jeder anderen Tussi hinterher." Dieser Ton, der salopp sein will, doch recht unbeholfen wirkt, beschädigt den Roman. Ohnehin geht es stilistisch recht verkrampft zu, wenn von Frauen die Rede ist. Schon auf der ersten Seite muss Willenbrock Mädchen betrachten, "die ihm ihre Brüste entgegenstreckten". Willenbrocks erotische Eskapaden dagegen werden vornehm ausgeblendet. Am Ende will und kann auch Hein auf den Knalleffekt nicht völlig verzichten. Doch da ist der Leser von der stilistischen Eintönigkeit längst betäubt. Während einst in Albert Camus' Roman "Der Fremde" (1942) die fatalen Schüsse aus dem Revolver des Helden "wie vier kurze Schläge" dröhnen, "mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte", ist der Lärm, den die Waffe in Heins Nach-Wende-Roman schließlich macht, nicht viel mehr als eine nächtliche Ruhestörung. © DER SPIEGEL - Vervielfältigung nur mit Genehmigung des SPIEGEL-Verlags

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 12.04.2000

Teufelspakt mit einem Zivilisten
Von heute an im Vorabdruck: "Willenbrock", der neue Roman von Christoph Hein

Es ist gefährlich, Taxifahrer zu erfinden. Denn sie sind Figuren von niederschmetternder Berechenbarkeit. Das ist ihre Rache für das ständige Herbeizitiertwerden in hastig geschriebenen Reportagen, in denen sie Volkes Stimme einen möglichst fülligen Körper zu geben haben. Christoph Hein kann in seinem neuen Roman auf dergleichen kunsthandwerkliche Skrupel keine Rücksicht nehmen. Irgendwie muss Bernd Willenbrock vom Krankenhaus, wo er sich hat röntgen lassen, zurück in sein Landhaus am Stettiner Haff, in dem er in der Nacht zuvor überfallen und mit Eisenstangen traktiert wurde. Für den Rücktransport ist das Krankenhaus nun einmal nicht zuständig.

Also Taxi. Als Willenbrock sagt, dass er überfallen wurde, pfeift der Fahrer durch die Zähne und sagt: "Willkommen im Club." Am Ende der Fahrt greift er unter sein Lenkrad und zieht eine Pistole hervor: "Das ist meine Risikoversicherung. Sie beruhigt ungemein." Christoph Hein kann sich seiner Geschichte so sicher sein, dass er sich vom Klischee nicht schrecken lassen muss. Er erzählt die Geschichte des Berliner Gebrauchtwagenhändlers Bernd Willenbrock durch das Klischee hindurch. Er macht aus dem Taxifahrer eine flüchtig auftauchende Doppelgängerfigur, holt ihn in eine Teufelspakt-Erzählung hinein, deren romantische Urbilder freilich in der durch und durch prosaischen Welt dieses Helden kunstvoll versteckt sind.

Die Versuchung ist ein schwarz schimmernder, metallisch kühler Revolver, den ein ebenso verlässlicher wie zwielichtiger russischer Kunde dem Gebrauchtwagenhändler als Schutz gegen Überfälle anbietet. Und von Überfällen ist Willenbrock wahrlich geplagt. Der Osten, dem er seine besten Kunden verdankt, ist zugleich eine Welt, von der Gefahren ausgehen. Das Experiment, dem Christoph seinen Helden aussetzt, lässt sich in die Frage fassen: Wieviele Überfälle hält einer aus, bis er den Rechtsstaat Rechtsstaat sein lässt und beim Faustrecht Zuflucht sucht?

Die Frage gewinnt ihre Spannung nicht zuletzt daraus, dass der Held gegen das Klischee besetzt ist. Er ist ehemaliger DDR-Bürger knapp zehn Jahre nach der Wende, aber auf die Frage, wie es ihm geht, kann er lapidar antworten: "Spitzensteuersatzmäßig." Auf seinen polnischen Mechaniker kann er sich verlassen, das Geschäft geht so gut, dass er seiner Frau eine Boutique hat einrichten können. Gut, er war früher Ingenieur in einem volkseigenen Betrieb, der nach dem Mauerfall Pleite machte. Dass er nie Dienstreisen, schon gar nicht in den Westen, machen durfte, hatte er der Bespitzelung durch einen Kollegen zu verdanken. Aber nicht dessen Enttarnung zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Sondern die Erfahrung des Überfalls, der Wehrlosigkeit. Eigentlich könnte er die alten Stasi-Geschichten auf sich beruhen lassen. Darin ähnelt er seinem Autor, der die Vergangenheit nur hochkommen lässt, um ihr mit der Gegenwart den Garaus zu machen. Diese Gegenwart aber ist aus jenem Stoff gemacht, aus dem rechte Protestparteien nicht nur in den neuen Bundesländern ihre Wahlbroschüren destillieren: dem Anschlag krimineller Banden aus dem Osten Europas auf den nichts ahnenden Bundesbürger.

Christoph Hein, seit "Horns Ende" (1985) ein verlässlicher Chronist der Gesellschaften, in denen er lebt, stellt sich in diesem Roman der Aufgabe, diesen Stoff mit den Mitteln der Literatur zu entgiften. Hätte er es sich dabei leicht gemacht, es wäre eine moralische Erzählung, ein willkommenes Plädoyer gegen hysterische Ängste samt probater Warnung vor der Dämonisierung des Ostens dabei herausgekommen. Aber Christoph Hein gestattet es sich, seine Ängste als begründet darzustellen. Seine Russen sind wie seine Taxifahrer: Klischees, denen er eine psychologische Erzählung abgewinnt.

In den in Amerika für das Durchspielen des Konflikts zwischen Sicherheitsbedürfnis und Rechtsstaat zuständigen, seit Generationen erprobten Genres, im Western und im Kriminalroman, hätte der Held von Beginn an eine Waffe. Christoph Hein aber geht von deutschen Spielregeln aus. Ihm wird der Prozess der Selbstbewaffnung zu einem dramatischen Geschehen, und er ist klug genug, seinen Helden nicht schon von Beginn an rot sehen zu lassen. Bernd Willenbrock ist ein wenig gebildeter, als es das Klischee des Gebrauchtwagenhändlers vorsieht. Er ist sehr viel korrekter in seiner Buchführung und unendlich viel skrupulöser gegenüber aller Gewaltanwendung. Waffennarren hat er stets verachtet. Es braucht einige Zeit, einen solch instinktiven Zivilisten in die Falle der Selbstjustiz zu treiben. Eben deshalb taugt er zum Helden einer Teufelspaktgeschichte, in der am Ende ein Schuss fällt und bekehrte Finger vorsichtig über das glänzende Metall streichen.

LOTHAR MÜLLER

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
¹ Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche ge-
kennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben.
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.