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Die Nickel Boys

Roman.
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Nach "Underground Railroad" die Weltpremiere von Colson Whiteheads neuem Roman
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Produktdetails

Titel: Die Nickel Boys
Autor/en: Colson Whitehead

ISBN: 3446262768
EAN: 9783446262768
Roman.
Übersetzt von Henning Ahrens
Hanser, Carl GmbH + Co.

3. Juni 2019 - gebunden - 224 Seiten

Beschreibung

Florida, Anfang der sechziger Jahre. Der sechzehnjährige Elwood lebt mit seiner Großmutter im schwarzen Ghetto von Tallahassee und ist ein Bewunderer Martin Luther Kings. Als er einen Platz am College bekommt, scheint sein Traum von gesellschaftlicher Veränderung in Erfüllung zu gehen. Doch durch einen Zufall gerät er in ein gestohlenes Auto und wird ohne gerechtes Verfahren in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort werden die Jungen missbraucht, gepeinigt und ausgenutzt. Erneut bringt Whitehead den tief verwurzelten Rassismus und das nicht enden wollende Trauma der amerikanischen Geschichte zutage. Sein neuer Roman, der auf einer wahren Geschichte beruht, ist ein Schrei gegen die Ungerechtigkeit.

Portrait

Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard University und arbeitete für die New York Times, Harper's und Granta. Whitehead erhielt den Whiting Writers Award (2000) und den Young Lion's Fiction Award (2002) und war Stipendiat der MacArthur "Genius" Fellowship. Für seinen Roman Underground Railroad wurde er mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen bisher John Henry Days (Roman, 2004), Der Koloß von New York (2005), Apex (Roman, 2007), Der letzte Sommer auf Long Island (Roman, 2011), Zone One (Roman, 2014) und Underground Railroad (Roman, 2017). Im Sommer 2019 folgt Die Nickel Boys (Roman). Der Autor lebt in Brooklyn.

Pressestimmen

"Ein politischer Roman, der die Probleme politischer Literatur nach Möglichkeit vermeidet - ein Beispiel dafür, wie eine gelungene engagierte Literatur heute aussehen könnte, die nicht nur agiert, sondern auch hohen ästhetischen Ansprüchen genügen kann." Johannes Franzen, taz, 08.07.19

"Trotz seiner ernüchternden Botschaft kommt 'Die Nickel Boys' ohne Sensationalismus aus. Das ist das Verdienst von Whiteheads Prosa, die nüchtern und detailreich beschreibt, wie sich die Burschen in diesem Regime der Unterdrückung zu behaupten versuchen, den Exzess dabei aber behände verknappt." Dominik Kamalzadeh, Der Standard, 27.06.19

"Der Roman ist wahnsinnig schmerzhaft zu lesen. Die Auswegslosigkeit nimmt einem beim Lesen oft den Atem." Volker Weidermann, Der Spiegel 15.06.19

"Dürfen sich Weiße mit schwarzen Opfergeschichten beschäftigen? Ich finde, dass Colson Whitehead sehr, sehr souverän und wirklich als großer Erzähler damit umgeht. Das ist wirklich große Literatur, die sich einfach an jeden Leser, der ein irgendwie noch schlagendes Herz hat und einen wachen Geist, richtet." Thea Dorn, Das Literarische Quartett, 14.06.19

"Colson Whitehead schreibt diesen Roman in einer präzisen, nüchternen Sprache und das macht ihn nur würdevoller. Durch die sprachliche Distanz gestaltet er bewusst weder Empörung noch Sentimentalität, aber sie entstehen automatisch." Henning Ahrens, NDR Kultur, 13.06.19

"Literarisch beglückend." Verena Lueken, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.06.19

"Whitehead zeigt, wie sich Rassismus anfühlt, und nimmt den Leser durch die schnörkellose Darstellung mit in die Verantwortung, sich zu dem Horror zu verhalten und zu entscheiden, wer man sein möchte." Nicolas Freund, Süddeutsche Zeitung, 08.06.19

"In Zeiten, in denen der liberale Rechtsstaat weltweit unter Beschuss gerät, kann man 'Die Nickel Boys' als Parabel darüber lesen, was es bedeutet, wenn Menschen das Recht, Rechte zu haben, abgesprochen wird." Martina Mescher, Der Freitag, 06.06.19

"Wenn häufig missbräuchlich benutzte Floskeln wie 'eindringlich', 'bestürzend' oder 'ergreifen' auf ein Buch zutreffen, dann auf Whiteheads von der ersten bis zur letzten Seite spannend, glänzend und vom Schriftsteller Henning Ahrens auch ausgezeichnet übersetzten Roman." Christoph Schröder, Deutschlandfunk Büchermarkt, 06.06.19

"Dieses Buch zeigt Whiteheads Fähigkeit, eine brisante und komplexe Thematik wirkungsvoll darzustellen. ... Seine Kunst besteht darin, niemals anklagend oder gar larmoyant zu sein. Mit seinem sachlichen, von leisem Sarkasmus geprägten Ton nötigt er dem Leser die Empörung nicht auf, sondern bringt ihn dazu, selbst empört zu sein." Ulrich Greiner, Die Zeit, 05.06.19

"Von Rassismus und Qualen: Ein packender Roman über ein grausames Kapitel der jüngeren Geschichte der USA." Carsten Otte, Zeit Online, 02.06.19

"Whitehead will nicht mit aller Macht aufrütteln, gar schockieren, plakativ anklagend sein. Sondern betont unaufgeregt und damit umso nachdrücklicher reiht er Szenen aus dem Innern einer Institution, die stellvertretend für Rassentrennung und den institutionellen Rassismus jener Zeit steht, für die Rassenhierarchie in allen Bereichen der US-Gesellschaft - trotz beginnender Veränderungen durch die civil rights movement." Gerrit Bartels, Tagesspiegel Online, 01.06.19

"Die Selbstverständlichkeit, mit der dieser Roman die Chancenlosigkeit von Schwarzen im rassistischen System dieser Zeit darstellt, verschlägt einem den Atem. Dabei klagt Whitehead nicht an. Er erzählt, er singt, er schaut hin." Carsten Hueck, Deutschlandfunk Kultur, 01.06.19

"Colson Whitehead hat in den letzten zwanzig Jahren viele unvergessliche Figuren geschaffen ... Elwood Curtis gehört in diese Reihe." Wieland Freund, Die Welt, 01.06.19

"Analytisch präzise zeigt der Roman auf, wie fatal Macht, Scham und Ohnmacht ineinander wirken." Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.19

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 09.06.2019

Du sollst nicht lieben!

Ein Junge wollte aufs College, es kam aber anders, er in eine Besserungsanstalt, in der Kinder wie Vieh behandelt wurden. Was mit ihm dort geschah, erzählt Colson Whitehead in "Die Nickel Boys", seinem neuen Roman

Es kommt mit der Zeit nicht immer alles ans Licht. Aber wenn es sich um Leichen handelt, dann doch meistens. Wie ließe sich ein geheimer Friedhof auf Dauer geheim halten, wenn er dort liegt, wo ein Büroviertel entstehen soll? In Florida, am Rand einer Müllkippe auf einem verwilderten Grundstück, auf dem einmal eine Besserungsanstalt für Jugendliche stand, tauchen bei solch einer Gelegenheit lukrativer Flächenentwicklung Reste von Körpern auf. Der Boden wird ausgehoben, und plötzlich liegt etwas zunächst unbestimmt Organisches auf der Baggerschaufel. Das ist in jeder Hinsicht unerfreulich, macht dem Staatsanwalt Ärger, der Hinweisen auf tödliche Misshandlungen in jener Anstalt nur sehr nachlässig nachging und dann die Ermittlungen einstellte, und der Immobilienfirma auch, weil sie die Arbeiten am Bauprojekt fürs Erste abbrechen muss. Archäologiestudentinnen der nahen Universität durchsieben die Erde und legen nebeneinander auf ihre Tabletts, was sie finden, "Knochen, Gürtelschnallen und Limonadenflaschen, eine rätselhafte Ausstellung".

"Sogar als Tote machten die Jungs noch Ärger." Mit diesem Satz und der beschriebenen Szene beginnt Colson Whiteheads neuer Roman "Die Nickel Boys". Aber was Whitehead nach diesem Prolog erzählt, ist nicht die Geschichte des Grundstücks oder der Archäologiestudentinnen und nicht die Geschichte der Besserungsanstalt, die in Zeiten der Segregation nach Hautfarbe ihrerseits Schwarze und Weiße streng getrennt hielt. Was nicht bedeutet, dass es die Weißen sehr viel besser dort hatten. Aber ein bisschen schon. Whitehead erzählt vielmehr von dem Jungen Elwood Curtis. Woher er kam. Wovon er träumte, was er las und wer er sein wollte. Wie er einer der "Nickel Boys" wurde. Was in der Anstalt mit ihm geschah. Und was aus ihm wurde, als es vorbei war. Und er erzählt von Turner, einem zweiten Jungen. Turner wird im "Nickel" Elwoods Freund, obwohl er dessen Vorstellungen von moralischer Größe und der reinen Liebe für ihre gemeinsamen Unterdrücker, wie Martin Luther King sie predigte und wie auch Elwood sie eine Weile lang für möglich und erstrebenswert hielt, als unbrauchbar erkennt. Die Lehren der Welt sehen anders aus: "Du sollst nicht lieben, denn man wird dich im Stich lassen; du sollst nicht vertrauen, denn man wird dich verraten; du sollst nicht aufbegehren, denn man wird dich Mores lehren."

Die Geschichte geht zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung in den frühen sechziger Jahren los, der Ort ist Südflorida. Frenchtown in Tallahassee, um genau zu sein, eine afroamerikanische Gemeinde. Dort lebt Elwood, nachdem seine Eltern sich nach Westen verdrückt haben, mit seiner Großmutter, die sehr zufrieden damit ist, dass er gern lernt, sich ungern prügelt und von den weißen Arbeitgebern der Stadt wegen seines Fleißes, und weil er ehrlich ist, gern beschäftigt wird ("eine Zierde für seine Rasse"). Erst im Hotel Richmond. Dann im Tabakladen von Mr. Marconi, einem Geschäft in unmittelbarer Nähe des Militärstützpunkts. Schwarze Soldaten "tobten sich das ganze Wochenende in Frenchtown aus und sackten dann in einen Zug, der sie in den Krieg schaffte". Mr. Marconi verstand sich auf die "Ökonomie der Rassentrennung" und konnte mit entsprechenden Tabaksorten und Kondomen "richtig Geld scheffeln". Elwoods Großmutter zieht die Hälfte von Elwoods Lohn für Kost und Logis und zukünftige Collegegebühren ein. Denn ins College wird Elwood gehen, das ist ein Traum und eine Möglichkeit. Die Großmutter schenkt ihm an Weihnachten 1962 die Schallplatte "Martin Luther King At Zion Hill". So bekommt Elwood Ideen, die ihm später nicht gut tun.

Denn statt ins College kommt Elwood in die "Nickel Academy". Er will zur Aufnahme ins College trampen, gerät aber an einen Autodieb. Und während von den Straßen und aus dem Radio die Parolen der Bürgerrechtsbewegung ("Was wollen wir? Freiheit!") das Land überziehen, verfahren Polizei und Behörden, wie es bis heute üblich ist: Schwarz ist verdächtig - besser wegsperren.

Was für eine Einrichtung die "Nickel Academy" war, davon gibt schon der Name des Speisesaals einen Eindruck. "Futterkrippe" wird er genannt, als stünden die Jungen, die sich hier bessern und eine Ausbildung erhalten sollen, auf einer Stufe mit dem Vieh. Wie sollte jemand an einem Gefühl der Würde festhalten, der hier so notdürftig ernährt oder, wenn "Eiscreme" ansteht, zu Matsch geschlagen wird? Elwood, der zu Hause immer wieder seine Schallplatte mit der Rede von Martin Luther King vor den Schülern der Highschool in Washington D.C. gehört hatte mit der Aufforderung, sein Leben der Menschlichkeit zu widmen, hält lange daran fest. Aber sein Glaube an Dr. Kings Lehren wird brüchig, und die Wut von Colson Whitehead, so scheint es, immer größer.

Vielleicht könnte für die nächste Auflage die Übersetzung von Henning Ahrens nachgebessert werden, die streckenweise klingt, als sei sie unter großem Zeitdruck entstanden. So bleibt man immer wieder in diesem so fesselnden wie bedrückenden Buch an hölzernen (oder auch schlichtweg falschen) Formulierungen hängen. Da ist vom "Kreischen trockener Hosenschlitze" die Rede (obwohl doch nicht einmal trockene Reißverschlüsse kreischen) oder von Buchsbaumhecken, "die sich aus der roten Erde krallten", Soldaten verlassen die "Armeebasis", der "Wutbürger" hat bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit im amerikanischen Süden einen Auftritt, ein Foyer in einem Wohnhaus ist eine "Vorhalle", und es werden "verschwitzte Hände voller Candy Corn" verteilt. Dialoge klingen mitunter so: "Ich hoffe, du hast viel Gewinn davon." Oder auch: "Ich glaube, ich fühle mich versucht." Das ist außerordentlich schade und wohl dem Ehrgeiz des Verlags geschuldet, dem amerikanischen Original zuvorzukommen, das erst Mitte Juli herauskommt.

Colson Whitehead weist in der Danksagung die Quellen aus, auf deren Grundlage er seinen Roman erfunden hat. Die Anstalt, aus der hier die "Nickel Academy" wurde, hieß Dozier School for Boys und lag in Marianna in Florida. Ein Zeitungsreporter, Ben Montgomery, hat die Geschichte in der "Tampa Bay Times" sorgfältig recherchiert und die Studentinnen der University of South Florida haben die Ergebnisse ihrer Grabungen und Forschungen in einem Bericht zusammengefasst. Whitehead weist auch auf die Website der Überlebenden jener Anstalt hin, auf der einzelne Geschichten in ihren eigenen Worten nachzulesen sind: eine professionell gemachte Website für eine wahrhaft grauenvolle Lektüre über die teilweise fast vollkommene Vernichtung von Persönlichkeiten. Es gibt aber auch andere Quellen, die Whitehead nennt, Berichte über Justizskandale und die Korruption in Haftanstalten, die Reden Martin Luther Kings, ein Buch über die Geschichte von Frenchtown.

Gerade einmal drei Jahre liegt die Veröffentlichung von Colson Whiteheads vielfach ausgezeichnetem Roman "Underground Railroad" zurück, in dem er die Geschichte der Sklaverei, historisch unabgeschlossen und wirksam bis heute, anhand der versklavten Cora erzählte, die durch die Jahrhunderte und von Süden nach Norden flieht und wandert, immer neuen Formen von Sklaverei und rassistischer Gewalt ausgesetzt. Mit bewusst gesetzten Anachronismen und futuristischen Elementen hatte Whitehead dort eine eigensinnige Form geschaffen, die sowohl historische Wahrheit als auch aktuelle Gegenwärtigkeit in sich aufnahm und dabei eine Figur gestaltet, die in all ihrer Unwahrscheinlichkeit lebendig vor einem stand.

Sein neues Buch ist auf den ersten Blick einfacher. Mit ihm kommen die wahren Gegebenheiten, auf die es sich bezieht, fiktionalisiert für eine breitere Öffentlichkeit ans Licht wie die Knochen unter der Erde des geheimen Friedhofs. Über weite Strecken realistisch mit den Mitteln des Internatsromans (die Anstalt ist ja durchaus eine Extremform des Internats) erzählt, schildert es ungeheuerliche Zustände von Missbrauch, Folter, Mord und Korruption, deren Wahrheitsgehalt durch das, was tatsächlich unter der Erde lag, bezeugt ist. Und doch hat Whitehead keinen dokumentarischen Bericht geschrieben. Denn im dritten Teil des Romans bricht er aus, aus der Chronologie wie aus dem geographischen Raum. Er führt sein Publikum nach New York, macht Zeitsprünge nach vorn und wieder zurück und landet schließlich im Jahr 2004. In einer mehrseitigen Beschreibung des New-York-City-Marathons entwirft er ein Miniatur- und Traumbild dieser Stadt, nach dem man sofort seinen "Koloss von New York" von vor vielen Jahren wieder aus dem Regal ziehen möchte.

Und kurz vor Schluss der "Nickel Boys" schlägt Whitehead, wie schon in "Underground Railroad", noch ein letztes Mal eine überraschende erzählerische Volte, die dem Ganzen eine unerwartete Dimension hinzufügt - und erweist sich damit als Künstler seinem Material gegenüber als so frei, wie es seine Figuren verdient haben. Ist es ein glückliches Ende? Natürlich nicht, wie könnte das sein bei dieser Geschichte. Aber literarisch beglückend ist es doch, wie Whitehead sich schließlich ganz seiner Vorstellungskraft überlässt.

VERENA LUEKEN

Colson Whitehead: "Die Nickel Boys", übersetzt von Henning Ahrens, Carl Hanser, 224 Seiten

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Die Würde des Menschen...
von helena - 15.07.2019
Dies ist ein fiktiver Roman, der auf wahren Tatsachen beruht. Diese beziehen sich auf die Besserungs- und Verwahranstalt Florida School for Boys, welche von 1900 bis 2010 existierte. Elwood ist ein ernsthafter, fleißiger, ehrlicher, kluger 16 jähriger Junge, der vom College träumt und bei seiner Großmutter lebt. Er ist jedoch schwarz und vieles ist gar nicht so einfach für ihn. Die Jim-Crow-Gesetze wurden noch nicht lange aufgehoben und die schwarze Protest- und Bürgerrechtsbewegung erstarkt so langsam. Großes Vorbild für Elwood und stets handlungweisend ist Martin Luther King. Durch einen dummen Zufall landet Elwood in der Nickel Academy, einer Besserungsanstalt für Kinder und Jugendliche. Weiße und Schwarze werden streng getrennt voneinander untergebracht. Elwood knüpft einige Freundschaften und hofft mit Hilfe seiner Großmutter und eines Anwalts so schnell wie möglich da wieder heraus zu kommen. Das Regime ist hart. Es gibt heftige körperliche Gewalt, die bis zum Tode einiger Kinder führt. Der Roman besteht aus drei Teilen. Elwood vor Nickel, Elwood in Nickel und Elwood nach Nickel. Der Schreibstil ist detailliert und etwas nüchtern, gleich einem Bericht. Nicht hochspannend, aber fesselnd und mitnehmend. Die Personen werden eher distanziert geschildert, zur Identifikation jedoch völlig ausreichend. Ich hoffte stets für Elwood und fiel doch immer wieder mit ihm. Die Geschehnisse berührten mich sehr, schockierten und empörten. Die Übersetzung, ich glaube es liegt an der Übersetzung, mißfiel mir allerdings. Hier kamen immer mal wieder Wörter vor, die mich stolpern ließen und irgendwie nicht passten. Ganz klar steht das gewaltige Unrecht der Rassentrennung und -diskriminierung im Fokus ebenso wie die Existenz solcher Besserungsanstalten. Nebenbei erhält man so einiges Hintergrundwissen über die damalige Zeit aus schwarzer Perspektive und spürt das Lebensgefühl. Darüber hinaus werden Fragen nach dem richtigen Verhalten, nach Zivilcourage, nach dem Eintreten für Gerechtigkeit aufgeworfen. Wie kann man seinem Idealismus treu bleiben, wenn es um das nackte Überleben geht? Wie kann man in einem System überleben, in dem man im vorhinein schon schuldig ist? Was kann denn der Mensch ertragen? Wie hoch ist seine Leidensfähigkeit? Hier wird sehr eindrücklich die menschliche Natur betrachtet und das nicht aus einem besonders rosigen Blickwinkel. Eine bittere und harte Realität wird schonungslos gezeigt, eigentlich unfassbar und unvorstellbar...
Bedrückender Roman
von lese.liebe - 14.07.2019
Colson Whitehead hat mit "Die Nickel Body" einen sehr bedrückenden und aufwühlenden Roman geschaffen, in dem die Geschichte um Elwood¿s Leben in der Besserungsanstalt Nickel erzählt wird. Eine Handlung über Menschenhass und Rassismus - voller Gewalt, Mut und Hoffnung, die mich insgesamt sehr wütend und nachdenklich stimmt. Dennoch kam die Wendung am Ende der Geschichte für mich völlig unerwartet und hat mich sehr getroffen. Der Roman ist in der auktorialen Erzählperspektive geschrieben, dennoch kann man sich sehr gut in den Hauptcharakter, Elwood, einfühlen und mit ihm identifizieren. Alle anderen Charaktere bleiben allerdings ziemlich flach, was meiner Meinung nach etwas der eher neutralen Erzählweise geschuldet sein kann. Der Schreibstil ist insgesamt ganz angenehm zu lesen, war an einigen Stellen jedoch sehr holprig, was meinen Lesefluss leider etwas gestört hat.
Bedrückender Roman
von lese.liebe - 14.07.2019
Colson Whitehead hat mit "Die Nickel Body" einen sehr bedrückenden und aufwühlenden Roman geschaffen, in dem die Geschichte um Elwood¿s Leben in der Besserungsanstalt Nickel erzählt wird. Eine Handlung über Menschenhass und Rassismus - voller Gewalt, Mut und Hoffnung, die mich insgesamt sehr wütend und nachdenklich stimmt. Dennoch kam die Wendung am Ende der Geschichte für mich völlig unerwartet und hat mich sehr getroffen. Der Roman ist in der auktorialen Erzählperspektive geschrieben, dennoch kann man sich sehr gut in den Hauptcharakter, Elwood, einfühlen und mit ihm identifizieren. Alle anderen Charaktere bleiben allerdings ziemlich flach, was meiner Meinung nach etwas der eher neutralen Erzählweise geschuldet sein kann. Der Schreibstil ist insgesamt ganz angenehm zu lesen, war an einigen Stel
hat mir nur bedingt gefallen
von Marita Robker-Rahe - 11.07.2019
Ellwood ist ein schwarzer Jugendlicher, der Anfang der sechziger Jahre in Amerika lebt. Er ist ein sehr guter Schüler, der bei seiner Großmutter aufwächst, die ihn zu einem aufrechten Menschen erziehen will und desshalb auch auf seinen Umgang achtet. Ellwood mach ihr sehr viel Freude, auch weil er ein sehr angepasster und freundlicher Mensch ist. Als er die Chance erhält auf einem College Vorlesungen zu besuchen, fährt er per Anhalter in die etwas entfernt liegende Stadt, wo das College liegt. Leider ist der Anhalter, der ihn mitnimmt ein Autodieb und sie werden von der Polizei angehalten. Ellwood landet im Nickel, ein Besserungsanstalt für Jugendliche. Zu Anfang hat er noch die Hoffnung hier seine Schulbildung weiterführen zu können, bis er dann bald wieder nach Hause kommt, doch es kommt anders. Dieses zweite Buch des Schriftstellers Colson Whitehead ist eine Geschichte über die Rassendiskriminierung in den Staaten. Es wird sehr schnell deutlich, dass auch im Nickel deutliche Unterschiede zwischen schwarz und weiß gemacht werden und die Schilderungen sind schon sehr drastisch. Trotzdem hat mich dieses Buch nicht mitgenommen, weil ich die Schilderung sehr emotionslos und teilweise sehr sperrig fand. Bei einem solch hochemotionales Thema hätte ich mir etwas mehr Empathie gewünscht, dann hätte es mich auch gefangengenommen. Ich fand die Erzählung z.T. auch etwas ausschweifend erzählt und habe mich öfter dabei erwischt, dass ich mit meinen Gedanken woanders war, was mir bei einer spannenden nicht passiert wäre.
Die schockierende Rassendiskriminierung in den USA der 1960er Jahre, hautnah
von BigZ - 08.07.2019
Elwood lebt in einer kleinen US-amerikanischen Stadt in den 1960er Jahren. Er wächst bei seiner Großumtter auf, die ihn umsorgt und aufpasst, dass er nur guten Umgang hat. In der Schule ist er der Beste und erhält so die Chance, bald Kurse am College besuchen zu dürfen. Das ist etwas besonderes, denn Elwood ist schwarz und die Rassendiskriminierung in dieser Zeit ist immer noch stark ausgeprägt. Doch dann lässt Elwood sich von einem Auto ein Stück mitnehmen, dessen Fahrer ein Autodieb ist und dieser wird zusammen mit dem Jungen auf dem Beifahrersitz erwischt. Elwood landet in einer Jungenbesserungsanstalt, der Nickel Academy. Als er dort eintrifft, hofft er, dieses ungute Kapitel deines Lebens bald hinter sich gebracht zu haben und sein altes Leben wieder aufnehmen zu können. Doch sehr bald merkt er, wo er hier gelandet ist. Die Trennung und die unterschiedliche Behandlung von Schwarzen und Weißen ist hier genauso gegeben und spiegelt die Welt da draußen wieder, nur weitaus krasser, brutal, willkürlich bis zu Auswüchsen, die das Töten und Verschwinden lassen von einigen dieser Jungen zur Folge habt. Elwoods Schicksal in dieser Einrichtung, wie er sich nach anfänglichem Aufbäumen gegen die absolute Rechtlosigkeit und Ungerechtigkeit einfindet in dieses System, sich aber insgeheim doch nicht brechen lässt, das wird hier erzählt auf eine trotz allem ruhige, nur bedingt emotionale Weise. Es ist einfach so, aber so ist es dann auch sehr wirklich. Der Autor Colson Whitehead, Pulitzerpreisträger von 2017, nimmt sich dieses Themas an, ausgehend von den tatsächlich in dieser Zeit vorhandenen Academies, deren ganzes Ausmaß an menschlicher Entwürdigung erst viele Jahre später aufgedeckt und öffentlich gemacht wird. Hier wurden Menschen gebrochen fürs Leben, wenn sie denn überlebt haben. Whiteheads Geschichte ist, wie nicht anders zu erwarten, absolut gut, packend in seiner Realität, für die einzelnen Personen und auch für das Gesamte Konstrukt. Und dann, als sich das Buch schon dem Ende nähert und man als Leser sozusagen schon ein bisschen die Deckung runter genommen hat, da passiert es. Die Wendung, die Whitehead der Geschichte hier in nur wenigen Sätzen gibt, nimmt einem regelrecht den Atem und ist wie ein Schlag in die Magengrube. Und Unfassbar gut! Aus einem sehr guten Buch wird ein kleines Meisterwerk, das noch lange nachwirkt, zumindest bei mir.
Amerikanische Geschichte in Romanform
von buecherwurm_01 - 07.07.2019
Ideen von Martin Luther King prägen die frühe Jugend von Protagonist Elwood. Sein Schicksal bildet die Grundlage für die Darstellung von Rassismus in den USA der 60er Jahre. In der Besserungsanstalt für schwer erziehbare Jugendliche herrschen, zumindest für die schwarze Bevölkerung, menschenunwürdige Zustände, es geschehen abscheuliche Verbrechen an den "ungehorsamen" Insassen. Hauptcharakter Elwood hat eine Lebensplanung, die mit einem Studium beginnt. Unverschuldet gerät er aber in eine Situation, aufgrund der er in einer Besserungsanstalt landet. Wahre Begebenheiten in real existierenden Besserungsanstalten werden am Beispiel von einem sympathischen Protagonisten ohne Beschönigung erzählt. Die von schrecklichen Ereignissen geprägte Geschichte wird aufgrund des Schreibstils fesselnd, teilweise aufwühlend dargestellt. Die Brutalität wird schonungslos, aber nicht überzogen beschrieben. Die bewegende Geschichte zum Thema Rassismus in den USA wirkt teilweise bedrückend, man fühlt mit Elwood mit. Dies ist für mich gute Literatur.
dunkel und erschütternd, doch eine wahre kraftvolle Geschichte
von Stefany Pham - 05.07.2019
Man kann ein Gesetz ändern, aber nicht die Menschen und die Art, wie sie miteinander umgehen. Zu überleben reichte nicht, man musste sein Leben auch in die Hand nehmen. Die Geschichte erzählt von Elwood Curtis, einem Afro-Amerikanischen Teenager in den frühen 60ern, der in der Schule fleißig und bestrebt ist, und inspiriert durch die Reden von Dr. King dabei ist ein Studium zu beginnen. Als ein unschuldiges Opfer das sich zur falschen Zeit am falschen Ort wiederfindet, wird Elwood verhaftet und in die Nickel Besserungsanstalt gebracht. Was dort geschieht gehört zu den erschreckendsten und grauenhaftesten Erzählungen. Die Anstalt wird von Unterdrückung und Gewalt durch Weiße bestimmt. Aus der Reihe tanzen und sich widersetzen wird bestraft, was folglich auch zum Tod führen kann. Durch die Freundschaften die er knüpft kann er sich von einigen Bestrafungen schützen. Zunächst noch bestrebt alles zu tun, um seine Freilassung zu beschleunigen, muss Elwood sich entscheiden, ob er sich weiterhin im Schatten der Anstalt beugt oder sich von der Hoffnung auf Veränderung weitertreiben lässt. Mit rund 200 Seiten ist es nicht gerade ein langer Roman, doch ist jede einzelne Seite mit so viel Inhalt und Emotion gefüllt. Ich konnte mich schnell in die Geschichte von Elwood einfinden, die während des Anfangs des Civil Right Movements stattfindet. Die Lehren und Reden von Martin Luther King wurden zur Inspiration für den Jungen und gaben ihn Kraft und eine neue Perspektive. Im Vergleich seines mir bekannten Werkes "The Underground Railroad" wird die Geschichte der Nickel Boys in einem eher ruhigeren Ton erzählt und kommt ohne große Ausschmückungen sehr gut aus. Die Handlungen bauen sich langsam auf und gelangen zu einem Höhepunkt, der so unerwartet und fesselnd ist, dass es mich erschüttert hat. Die Wortwahl ist präzise und intensiv, doch enthält sie mehrere Ebenen. Dieses fiktive Buch basiert auf realen Ereignissen und macht diese erschreckenden Enthüllungen umso grausamer. Trotz aller Traumata lassen die Hauptfiguren die Geschichte der Anstalt nicht in der Vergangenheit verschwinden. Whitehead hat ein unglaublich wundervolles Buch über ein schreckliches Stück Geschichte geschrieben, das zeigt, dass man mit Kraft, Hoffnung und Entschlossenheit, Ungerechtigkeit und Elend überwinden kann. Die Nickel Boys sind eine Hommage an die Jungs, als auch eine Anklage gegen die Welt, die sie im Stich gelassen hat.
Zur falschen Zeit am falschen Ort
von Diamondgirl - 01.07.2019
Colson Whitehead bringt den Lesenden die schöne Welt Amerikas wieder einmal näher. Sein Roman spielt in den frühen 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Martin Luther Kings Reden beeindrucken den jugendlichen Elwood stark und er nimmt sich vieles davon zu Herzen und ist bestrebt, in dessen Sinn leben und zu kämpfen. Obwohl erst 16, bekommt er ein Stipendium für das College. Lediglich die Anreise muss er selbst bewerkstelligen und versucht es mangels Geld per Anhalter. Leider setzt er sich genau ins falsche Auto, denn dieses ist gestohlen und er wird bei einer Kontrolle mit verhaftet und als Autodieb verurteilt. Er muss in die Besserungsanstalt Nickel Academy und seine Zukunftsträume kann er nur schwer aufrecht erhalten. Erneut kombiniert Whitehead Fiktion und Wirklichkeit. Die im Buch geschilderte Nickel-Academy existierte nicht in Wirklichkeit, sondern lehnt sich stark an die Dozier School for Boys an, die tatsächlich in Florida existierte. Die grausame Wirklichkeit lässt sich auf der HP der Whitehouseboys im Original nachlesen. Alle Charaktere des vorliegenden Buches sind frei erfunden, was dem Wahrheitsgehalt der Vorkommnisse jedoch keinen Abbruch tut. Nun mag man berechtigterweise feststellen, dass zumindest ähnliche Zustände zu jener Zeit auch in anderen Ländern in Besserungsanstalten für Jugendliche und Kinder herrschten. Dies wird sicher wahr sein und auch der Autor erwähnt hie und da, dass im Trakt der weißen Jungs ebenfalls geschuftet und gelitten wurde. Aber eben im Bereich der schwarzen besondere Ausnahmezustände herrschten. Und das hatte eindeutig rassistischen Hintergrund. Unter ähnlich schlimmen Grausamkeiten litten hierzulande z. B. Juden, in der Türkei vermutlich Kurden und Armenier, in Europa generell Roma und Sinti. Was es aber keinen Deut besser macht, denn es geht ja im Grunde nicht ausschließlich um ein Problem der Schwarzen, sondern um Rassismus im Allgemeinen. Schwarze hatten auch in den 60ern, die so ewig ja schließlich noch gar nicht her sind, in einigen Bundesstaaten der USA einen viehähnlichen Stellenwert. War einer nicht gefügig oder gar rebellisch, versuchte man ihn gefügig zu machen und sogar auszutilgen wie ein lästiges Insekt, nur im Nickel dazu noch auf besonders grausame Weise, um die eigenen niederen Triebe noch zuvor daran zu befriedigen. Dankbarer Weise verzichtet Whitehead auch in diesem Roman wieder auf zu viel Details und zu genaue Schilderungen. Ein solches Buch wäre für mich nur schwer erträglich, wenn ich den Protagonisten zu tief folgen würde. Er versteht es, das Unbeschreibbare anzudeuten, sodass man als Lesender trotzdem alles versteht , jedoch eine gesunde Distanz halten kann. Ich möchte mich gar nicht mit den Protagonisten identifizieren - ich möchte sie nur beobachten und mitfühlen - nicht mitleiden . Der Schreibstil ist wieder hervorragend! Es macht einfach Spaß, seinen Erzählungen zu folgen, selbst wenn etwas scheinbar Belangloses geschildert wird. Ich hoffe, dass dieses Buch, das mich gegen Ende dann auch noch richtig überraschen konnte, viele Menschen erreichen wird.
Aufwühlend
von Dreamer - 30.06.2019
Colson Whitehead hat es mit der Geschichte über die Nickel Boys, die übrigens auf einer wahren Geschichte basiert, geschafft, mich immer wieder aus der Fassung zu bringen. Elwood Curtis hat große Pläne für die Zukunft. Eigentlich will er unbedingt studieren, nach allem, was man über ihn erfährt, ist er ein guter Junge. Allerdings gerät er unverschuldet in eine Situation, die zur Folge hat, dass er in einer Besserungsanstalt für Jungen landet. Was bereits für die weißen Insassen kaum zu ertragen ist, ist für Elwood noch viel schlimmer - denn er ist schwarz und die Geschichte spielt in den 60er Jahren - in der Zeit, in der Martin Luther King für die Gleichstellung von Schwarzen und Weißen kämpfte. Der Schreibstil von Colson Whitehead ist wie immer unglaublich fesselnd. Die Geschichte an sich ist schrecklich, aber sie zeigt deutlich und ohne Beschönigungen die riesige Ungerechtigkeit, mit der sich die schwarze Bevölkerung damals wie heute noch herumschlagen muss. Fünf Sterne für den neuen Roman von Colson Whitehead. Ich hoffe, es folgen noch viele mehr!
Die Besserungsanstalt
von misery3103 - 25.06.2019
"Es gibt Leute, die einen betrügen, die einem mit einem Lächeln Leere servieren, und andere, die einem die Selbstachtung rauben. Man darf nicht vergessen, wer man ist." Archäologiestudenten machen auf dem Gelände einer ehemaligen Besserungsanstalt eine schlimme Entdeckung. Neben dem offiziellen Friedhof liegt noch ein geheimer Friedhof mit Jungs, die angeblich geflohen sind. Auch Elwood Curtis war ein "Nickel Boy", wie die Insassen der Besserungsanstalt genannt wurden. Einst war er auf dem Weg zum College, als er verhaftet und verurteilt wurde - weil er per Anhalter in einem gestohlenen Wagen mitgefahren war. Und er erzählt seine Geschichte. Es ist eine schlimme Geschichte, die hier erzählt wird. Die Jungs in der Besserungsanstalt werden schlecht behandelt und schlimm bestraft, wenn sie in den Augen der Aufseher etwas falsch machen. Und hier geht es den schwarzen Jungs schlechter als den weißen - aber eigentlich geht es allen schlecht. Es sind die 1960er Jahre, als die schwarze Bevölkerung der USA gerade anfängt, für ihre Rechte zu kämpfen, der Rassismus aber noch weit verbreitet ist. Die Bestrafungen sind grausam und kosten so manchen Jungen das Leben. So werden sie verscharrt und als flüchtig ausgegeben, damit niemand nach ihnen sucht. Elwoods Geschichte ist so tragisch, weil er unschuldig ist. Er hat nur den Fehler gemacht, in das falsche Auto einzusteigen. Eigentlich sollte er studieren und durch die Unterstützung seiner Großmutter ein besseres Leben haben. Doch dann landet er in der "Obhut" des Staates. "Die Nickel Boys" ist die Geschichte von schwarzen Jungs in einer schlimmen Zeit. Gut erzählt, aber nicht das, was ich erwartet habe.
Rassismus in allen Facetten
von Sunny_Brooks - 25.06.2019
Der sechzehnjährige Elwood ist eigentlich ein "Musterschüler", er treibt sich nicht rum, ist fleißig, hat große Ambitionen und ist begeisterter Anhänger von Martin Luther King. Daher ist es nicht verwunderlich das ausgerechnet er es schafft eine Platz am College zu bekommen. Seine Zukunft sieht mehr als vielversprechend aus und Elwood glaubt fest daran das die Welt langsam am Wandel ist und der Rassismus zum Erliegen kommt. Doch genau auf dem Weg in seine Zukunft macht er den fatalen Fehler in einem geklauten Auto mitzufahren. Seine Strafe muss er in der Besserungsanstalt Nickel absitzen. Schon bald merkt er, dass der Rassismus noch viel tiefer verwurzelt ist wie er dachte und das noch lang keine Ende dieser Zeiten in Sicht sind. Colonel Whitehead schafft es dieses schon viel besprochene Thema durch Elwoods Augen in neuen Facetten zu zeigen und den Leser mitzunehmen in den grauen und grausamen Alltags der Nickelboys. Immer wieder zeigt der Autor hier in starken Szenen wie groß die Lücke zwischen Schwarz und Weiß klafft. Ich will hier nicht zu viel Verraten, aber der Schluss ist dann noch mal besonders gut gelungen. Für mich eine definitive Leseempfehlung, obwohl das Nickel nur erfunden ist und die Anstalt auf der es basiert schon lange nicht mehr steht, ist dieses Thema leider immer noch zu aktuell.
Die Maschinerie des permanenten Elends
von jenvo82 - 25.06.2019
"Und wenn die Welt ein einziger Mob wäre - Elwood würde sie durchmessen. Er würde auf die andere Seite gelangen, selbst wenn man ihn beschimpfte und anspuckte und verprügelte. Er wäre erschöpft und würde bluten wie ein Schwein, doch er würde es schaffen." Inhalt Eigentlich hat Elwood Curtis das Glück, eine Großmutter zu haben, die ihn unterstützt und nur das Beste für ihn möchte. Sein angestrebter Studienbeginn steht bevor und er ist ein intelligenter, rechtschaffener junger Mann, der große Zukunftspläne hegt. Gerade weil er aus einem bildungsarmen Umfeld stammt und immer nur dafür belächelt wird, wie strebsam er durchs Leben geht, sieht er nun seine Chance gekommen, dem vorgezeichneten Weg zu entkommen. Doch als er ohne sein Verschulden in einem gestohlenen Auto aufgegriffen wird, bestätigt sich das Vorurteil, dem nicht nur er, sondern fast jeder schwarze Junge der Gegend ausgesetzt ist - er gehört zu den Kriminellen und muss in eine Besserungsanstalt für Jugendliche. Im Nickel spielt Bildung keine Rolle, dort zählt nur das Überleben, jede Prügelstrafe muss erduldet werden, jede Isolationshaft überstanden und bei guter Führung gelangt man vielleicht eines Tages wieder an die Freiheit. Elwood nimmt sich vor das Nickel zu überstehen und gibt insgeheim nie seine Pläne für eine Zeit danach auf. Gemeinsam mit Turner, seinem Freund plant er von langer Hand eine mögliche Flucht, während er sich ganz normal in den Alltag einbringt, vielleicht bekommt er eines Tages die Möglichkeit dazu, seine Hoffnungen zu verwirklichen. Meinung Dies ist bereits mein zweiter Roman aus der Feder des amerikanischen Autors Colson Whitehead, der mich bereits mit seinem Werk "Underground Railroad", für welches er den National Book Award erhielt, überzeugen konnte. Erneut widmet er seine Erzählstimme den dunkelhäutigen Menschen, die von den Weißen als Menschen zweiter Klasse behandelt werden und sich tagtäglich mit Gewalt, Vorurteilen und Schuldzuweisungen konfrontiert sehen. Das allein ist nur nichts Neues und ich habe schon zu viel und zu ausführlich davon gelesen, als das mich die Thematik ohne eine dramatische Geschichte drumherum ausreichend fesseln könnte. Und genau diese Story möchte der Autor hier liefern, nur konnte mich die Ausführung über die Maschinerie des permanenten Elends in einer amerikanischen Besserungsanstalt für jugendliche Straftäter nicht wirklich erreichen. Er bemüht sich um eine objektive Erzählung, in Anlehnung an Tatsachenberichte, er beschönigt nichts, geht aber auch nicht ins Detail. Er berichtet über Dinge, die man nicht bis ins Letzte durchdringen möchte, aber er reißt sie nur an, wechselt dann abrupt die Zeitform von der Vergangenheit in die Gegenwart und schafft Charaktere, die nicht griffig sind, die leider blass bleiben und deren Namen schnell in Vergessenheit geraten. Selbst sein Hauptprotagonist Elwood scheint nur einer von vielen armen Seelen zu sein, die vollkommen unverschuldet im Sumpf gelandet sind, weil es Menschen gibt, die sie dort gerne sehen möchten und ihnen jedwede Selbstbestimmung absprechen. Eigentlich habe ich mir von diesem zeitgenössischen Roman etwas anderes versprochen, ich habe sehr auf die psychologische Komponente gehofft, doch der widmet sich der Autor nicht. Er hinterfragt nicht, er zeigt weder Verzweiflung noch Hass noch Rachsucht oder irgendeine andere emotionale Seite des Ganzen, nein er beschränkt sich aufs Wesentliche und fordert den Leser auf, sich selbst in diese Vorgänge hineinzuversetzen. Leider ist dieses Konzept bei mir nicht aufgegangen, denn ich empfand die Erzählung zwar literarisch ansprechend aber ansonsten ungemein zäh und langatmig. Fazit Ich vergebe 3 Lesesterne für diese Auseinandersetzung des nicht enden wollenden Traumas der amerikanischen Geschichte, deren tief verwurzelter Rassismus den Stoff für derartige Geschichten liefert. Whitehead nutzt sein schriftstellerisches Werk, um Erinnerungen wach zu rufen, um vergangenes Leid greifbar zu machen und sich auch in der heutigen Zeit mit Verbrechen zu beschäftigen, die andernfalls immer mehr in Vergessenheit geraten würden. Demnach hat diese Geschichte sehr wohl gesellschaftspolitisches Potential, nur schafft sie es einfach nicht in mein Herz und das finde ich gerade bei solch menschlichen Themen immer wieder schade, denn wenn ich zu einem Roman greife erhoffe ich mir keinen sachlichen Bericht, sondern ein anderes Format.
Berührendes Schicksal
von adel69 - 25.06.2019
Worum geht es in dem Buch? Elwood ist ein schwarzer Amerikaner, wissbegierig und begabt. Er liebt es, in einem Lexikon zu schmökern und sich Wissen anzueignen. Er plant, auf die Universität zu gehen - doch durch einen dummen Zufall hängt ihm jemand einen Autodiebstahl an, und Elwood wird verurteilt, in die Besserungsanstalt "Nickel" zu gehen. Das ist ein Internat mit Schule, in dem harte Sitten herrschen. Weiße und schwarze Jugendliche wohnen getrennt voneinander. Aber bei den schwarzen Bewohnern geht es brutaler zu. Wer irgendetwas zu kritisieren hat oder sich für andere Schüler einsetzt, riskiert eine harte Bestrafung durch die Aufseher. Es gibt Prügel, bis die Bestraften bewusstlos werden - und es ist auch schon passiert, dass Jugendliche ums Leben kamen. Elwood will raus aus dem Nickel. Mit gutem Betragen und Hilfsbereitschaft kann man eine Art "Rangleiter" emporsteigen und das "Nickel" irgendwann vielleicht verlassen. Mit 18 Jahren spätestens muss man das "Nickel" sowieso verlassen. Elwood schmiedet Fluchtgedanken zusammen mit seinem Freund Turner. Meine Meinung zu diesem Buch: Dieser aus der auktorialen Erzählperspektive (kein Ich-Erzähler) verfasste Roman hat mich sofort mitgerissen. Elwood ist sympathisch und als Leserin wünschte ich ihm nur das Beste. Ich war erschüttert, wie es in dieser Besserungsanstalt zuging. Die Aufseher hatten keine Skrupel, gegebenenfalls zu hart zuzuschlagen, denn die Bewohner des "Nickel" hatten meistens keine Familien mehr. Wer es schaffte zu fliehen, wurde gesucht und aufgespürt. Wer etwas sagte - beispielsweise gegen den Lehrstoff (für Elwoods Intelligenz war dieser zu einfach) -, musste mit Konsequenzen rechnen. Man liest das Buch atemlos Kapitel für Kapitel. Man ist erschüttert über die Zustände und Ereignisse im "Nickel" und denkt "Was kommt jetzt?" Zum Schluss gibt es tatsächlich noch eine überraschende Wendung. Gefallen hat mir der Schreibstil, der Autor hat eine sehr schöne Sprache. Man weiß, dass der Roman fiktiv ist - der Autor erklärt das am Schluss. Jedoch hat er sich von wahren Ereignissen inspirieren lassen, von einer Besserungsanstalt für Jugendliche, die es tatsächlich einmal gab. Ich vergebe fünf Sterne und empfehle das Buch weiter an Leser, die sich auf eine oft erschütternde Lektüre einlassen können.
Betroffen machende Geschichte
von Glücksklee - 24.06.2019
Als ich gehört habe, dass es ein neues Buch von dem Autor von "Underground Railroad" geben würde, habe ich mich wahnsinnig auf den neuen Roman des amerikanischen Autors Colson Whitehead gefreut. Aber ich war auch ein bisschen nervös, ob es Colson Whitehead auch mit "Die Nickel Boys" gelingen würde, mich derart zu fesseln, wie es die Geschichte rund um Cora und ihre Flucht aus der Sklaverei getan hatte. Und was soll ich sagen - die Geschichte rund um Elwood Curtis hat mich genauso berührt, mich genauso betroffen und wütend gemacht, wie es Coras Geschichte getan hat. Whitehead nimmt sich Zeit, um seinen Protagonisten, Elwood, vorzustellen. Man erfährt so einiges über ihn, seine Familie, seine Hoffnungen und Träume, nur um dann zu erleben, wie er unschuldig in einer Besserungsanstalt landet, wo ihm und den anderen Jungs dort schreckliche Dinge widerfahren. Besonders betroffen macht der Hinweis des Autors, das die Geschichte auf einer wahren Geschichte beruht. Colson Whitehead hat ein unglaubliches Gespür für Sprache. Der Schrecken, der Elwoods Geschichte innewohnt, klingt sowohl in dem mit, was der Autor dem Leser offenbart, aber auch in den Leerstellen der Geschichte, in den Momenten, in denen er nicht ins Detail geht. "Die Nickel Boys" ist ein absolut lesenswertes Buch, das einem mit seiner Handlung an die Substanz geht. Die Ungerechtigkeit, die einem aus der Geschichte entgegenschlägt und die leider auf den tatsächlichen Erfahrungen und Gegebenheiten aus den 60er Jahren in Amerika beruhen, ließ mich manchmal fassungslos zurück. Von mir erhält der Roman jedenfalls volle fünf Sterne und eine definitive Leseempfehlung.
Beklemmend realistisch
von EOS - 24.06.2019
Im Mittelpunkt des Buches steht Elwood, ein junger Schwarzer, der trotz schwieriger Kindheit versucht, seinem Leben eine Wende zu geben, und die Chancen stehen gut. Elwood ist lernbegierig, ehrgeizig und weltoffen, sein großes Idol ist M.L.King, dessen Anti-Rassismus Aktionen ihn begeistern. Er arbeitet hart und tatsächlich gelingt ihm der Sprung zum College. Auf dem Weg zum ersten Tag dorthin, verlässt ihn das Glück. Er fährt per Anhalter in einem gestohlenen Wagen mit, wird der Mittäterschaft verdächtigt und verurteilt. Seine Strafe soll er in einer Jugendbesserungsanstalt absitzen, in der sehr strenge Regeln gelten und in der Grausamkeiten, Missbrauch und Rassismus auf der Tagesordnung stehen. Ich denke, dass es sich bei dieser Anstalt um einen Vorgänger der heutigen Bootcamps handelt. Zunächst nimmt Elwood die Strafe gelassen hin und betrachtet den Aufenthalt als Herausforderung, der er durch Korrektheit bald wieder entkommen kann, aber gerade sein vorbildliches Verhalten konfrontiert ihn bald mit der brutalen Wirklichkeit der Anstalt. Colson Whitehead beschreibt auf beklemmende Weise den Alltag der Nickel Boys, die ihren oftmals sadistischen Betreuern gnadenlos ausgeliefert sind. Er beschreibt die Situation ohne Sentimentalität, gnadenlos authentisch, so dass man sich dort einfühlt und wie ein stiller Beobachter die grenzenlose Ungerechtigkeit wahrnimmt. Sehr bedrückend! Das Buch hinterlässt Spuren, man legt es in Lesepausen nicht einfach beiseite, sondern beschäftigt sich weiter mit den exemplarisch aufgezeigten Schicksalen. Der Leser fühlt, dass dies keine Fiktion, sondern bittere Realität darstellt. Man fühlt sich in die 60er Jahre zurückversetzt und versucht zu verstehen, was die Menschen an M.L.King so fasziniert hat. Und an Kings Theorie hält Elwood sich fest, sie gibt ihm Kraft und ist für ihn sein Lebensziel. Ich habe mir die Zeitdokumente, die der Autor nennt, im Internet angeschaut, die Fotos, die Aussagen der ehemaligen Insassen, die sich mit vielen Details im Buch überschneiden, und war bzw. bin erschüttert, dass dies in der Mitte des 20.Jahrhunderts noch möglich war. 5 Sterne für ein ergreifendes Buch!
Schrei gegen die Ungerechtigkeit
von schliesi - 23.06.2019
Inhalt und meine Meinung: Nachdem ich von Underground Railroad so begeistert war habe ich mich natürlich sehr auf Colson Whiteheads neuen Roman gefreut. Im schwarzen Ghetto von Tallahassee in Florida lebt der sechzehnjährige Elwood Curtis mit seiner Großmutter Anfang der sechziger Jahre. Elwoods Traum wird wahr, er bekommt einen Platz am College. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihm und er wird durch einen dummen Zufall in ein Strafverfahren verwickelt und landet in der Besserungsanstalt Nickel Academy. Dort ist er den brutalen Aufsehern hilflos ausgeliefert. Der Roman hat mich von der ersten Seite an sehr bewegt. Die Handlung ist sehr emotional geschrieben und Elwoods Schicksal hat mich sehr berührt. Die Ereignisse werden recht nüchtern beschrieben, eine detailliertere Beschreibung hätte ich aber auch nicht verkraftet. Der Roman ist gut gelungen und bewegt mich noch nachhaltig.
erschütternd deutlich
von bloedi - 21.06.2019
Elwood ist ein farbiger Jugendlicher, der in den 1960er Jahren in ärmlichen Verhältnissen in Florida lebt. Scheinbar hat er das Unmögliche geschafft, denn er hat eine Zulassung für das College erhalten. Aber auf der Fahrt dorthin ist er per Anhalter unterwegs und als der Fahrer wegen Autodiebstahls verhaftet wird, gerät auch Elwood ins Fadenkreuz der Justiz. Man glaubt ihm seine Unschuld nicht und er landet in der Umerziehungsanstalt Nickel. Diese Einrichtung gab es wirklich. Und zur damaligen Zeit war es für jeden der Horror, der dort seine Jugend verbringen musste. Gewalt in jeder nur denkbaren Form waren dort an der Tagesordnung. Die Erzieher/Lehrer schlugen und missbrauchten, die jungen Männer untereinander lieferten sich Machtkämpfe und gaben die Gewalt, die ihnen angetan wurde, gnadenlos an die Schwächeren weiter. Elwood ist ein netter Junge und er ist der Situation weder seelisch noch körperlich gewachsen. Es ist quälend zu lesen, was damals geschah und was später über das Nickel herausgefunden wurde. Ein wichtiges Buch, welches man lesen sollte. Aber man muss es auch wegstecken können und mit harter Kost rechnen. Das Cover ist genial. Die Sprache zurückgenommen und minimalistisch. Der Autor lässt dem Leser Raum zu eigenen Gedanken.
schwere Kost
von gagamaus - 21.06.2019
So ganz kann ich mich der Euphorie für dieses Buch nicht anschließen. Aber beginnen wir beim Cover. Das verdient tatsächlich die volle Punktzahl. Wie überhaupt der Einband, der eine Extralasche zum Verschließen hat. Tolle Aufmachung. Ich kenne das Vorgängerbuch und hatte auch mit dem schon meine Schwierigkeiten, wobei es da eher an den fantastischen Elementen lag. So etwas gibt es bei den Nickelboys ja nicht. Das ist ganz kühle und harte Realität. Aber genau da hakt es bei mir. Denn obwohl Ellwood ein lieber Junge ist und mir von Anfang an sehr leid tat, konnte mich weder er noch eine der anderen Personen wirklich anfassen. Ja, es ist unfassbar, was in diesem Umerziehungsheim passiert ist. Dass es sogar Tote gab, ist kaum zu ertragen. Aber das Thema ist mir nicht neu. Weltweit gab es Heime, Erziehungsanstalten, Kliniken, in denen Kinder und Jugendliche aus den unterschiedlichsten Gründen gequält, gefoltert, misshandelt und missbraucht wurden. Im Fall dieses Buches ist es auf den Rassismus gemünzt aber es ist ein Phänomen, welches es in jeder nur erdenklich schrecklichen Form gab und vermutlich noch immer gibt. Ich würde es fast als Sachbuch bezeichnen, denn vieles beruht wohl auf Fakten und diese überlagern in ihrer Fülle für mich die romanhafte Handlung und machen es mir schwer, mich emotional richtig darauf einzulassen. Ein Thema, welches geschrieben werden musste. Aber ich hätte mir mehr Seiten gewünscht und mehr Innenleben der Protagonisten.
Die dunkle Seite Amerikas
von Emmmbeee - 18.06.2019
Im neuen Buch von Colson Whitehead handelt es sich im Grunde um einzelne Geschichten aus dem Dasein des farbigen Jungen Elwood. In Armut aufgewachsen und sehr intelligent, will er nicht mehr als dieselben Chancen wie die Weissen, einfach dazugehören und nicht immer im Abseits stehen. Schon früh war der Bürgerrechtskämpfer Martin Luther King sein Vorbild. Nun hat er sich einen Collegeplatz für Schwarze erkämpft und befindet sich per Anhalter auf dem Weg dorthin. Er kann nicht ahnen, dass das Auto gestohlen ist. Im Amerika des scharfen Rassismus wird er verhaftet und nur Tage später in eine Besserungsanstalt gesperrt, ausgebeutet und schwer misshandelt. Doch er versucht zu verzeihen, glaubt er doch auch nach den schlimmsten Schikanen noch an Güte und verzweifelt darüber, dass diese in seinem Umfeld nicht möglich ist. Unaufhaltsam und systematisch wird der Junge in der Nickel Academy zerstört. Und das Schlimmste: Jeden Tag muss Elwood in diesem grauenhaften Loch erwachen und weiss, dass stündlich weitere Katastrophen über ihn hereinbrechen können. Um es in dieser Hölle überhaupt auszuhalten, muss jeder das letzte Gute in sich abtöten. 3 Teile: Elwoods Leben vor, in und nach der Nickel Academy. Das ganze Ausmass der Zerstörung seiner Persönlichkeit wird im letzten Drittel deutlich. Es sind Schilderungen wie aus einem KZ. Die Brutalitäten, denen die Jungen ausgesetzt sind, werden vom Autor aber keineswegs larmoyant oder anschuldigend, sondern mit Distanz geschildert. Hier sind die Menschen das Problem, und nichts lässt sich verbessern. Man darf nicht zart besaitet sein, wenn man den Roman liest, denn sein Inhalt ist nur schwer verdaulich. In einer klaren, präzisen Sprache, deren Leichtigkeit den schwierigen Inhalt leichter verdaulich macht führt uns Whitehead durch das dunkle Kapitel der Sechzigerjahre Amerikas. Wesentlich gebessert hat sich die Rassendiskriminierung in Amerika ja bis heute nicht, wenn immer noch die Cops drauflosballern dürfen, wenn sie beim geringsten Verdacht einen Schwarzen vor der Gewehrmündung haben. Drum: ein sehr notwendiges Buch!
Das Leben schwarzer Jungs in einer Erziehungsanstalt - Erschütternd!
von Xirxe - 18.06.2019
Anfang der 60er Jahre wird der 16jährige Elwood unverschuldet in die Besserungsanstalt Nickel Academy, Florida, gesperrt. Elwood ist ein intelligenter, strebsamer schwarzer junger Mann, dem sich gerade die Möglichkeit geboten hat, trotz des alltäglich herrschenden Rassismus das College zu besuchen. Sein grosses Vorbild ist Martin Luther King und wie er glaubt er fest daran, dass die Zeit kommen wird, in denen er leben kann wie weisse Menschen. Doch die Nickel Academy stellt seinen Glauben schwer auf die Probe. Dort herrschen Willkür, Gewalt und das Recht des Stärkeren; in diesem Fall der Aufseher. Die Jungen werden misshandelt, zu Frondiensten herangezogen, gefoltert und missbraucht - und es interessiert niemanden. Die Geschichte ist in drei Teile gegliedert: das Leben vor, während und nach dem Aufenthalt in der Nickel Academy, wobei insbesondere im letzten Drittel deutlich wird, dass sich die Zeit in der Besserungsanstalt noch immer bis in die Gegenwart auswirkt. Ebenso deutlich ist bereits von Beginn an, dass das Leben eines schwarzen Jugendlichen nicht nur von seinem eigenen Wohlverhalten abhängt, denn irgendwo existiert immer eine latente Gefahr. Dass beispielsweise einem Weissen die Nase nicht passt, man eine weisse Frau zu intensiv angesehen hat - schon hat man die Polizei im Nacken, die offensichtlich nichts lieber macht, als Schwarze in den Knast zu stecken. Ich hielt immer wieder den Atem an, weil ich dachte, Oh je, jetzt rutscht er in etwas rein. Doch Alles ging gut, bis ... - und das kam wirklich überraschend. Elwoods Zeit im Nickel ist gleich zu Anfang geprägt von enormer Grausamkeit und Brutalität. Und doch behält er seinen Traum von einem Leben in Freiheit und Gleichheit, auch wenn er immer wieder mit sich ins Hadern kommt. Fast schon beiläufig erfährt man auch die Geschichten von anderen Jungen, deren Leben schon von Beginn geprägt ist durch Armut und Gewalt und immer wieder deutlich macht, was diese Rassentrennung den Menschen antut. Zuguterletzt, der dritte Teil, scheint sich zumindest oberflächlich betrachtet alles zum Guten gewendet zu haben. Doch die Vergangenheit hat solche Spuren hinterlassen, dass sie sich immer wieder in Erinnerung bringt und auch in der Gegenwart ihren Tribut fordert. Ein beeindruckendes wie auch bedrückendes Buch über eine Zeit, die Viele wohl vergessen machen wollen. Denn ohne Schuld waren die Wenigsten - und wer will das schon wissen.
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