Warenkorb
€ 0,00 0 Buch dabei,
portofrei

Underground Railroad

Originaltitel: The Underground Railroad.
Buch (gebunden)
Kundenbewertung: review.image.5 review.image.5 review.image.5 review.image.5 review.image.2
Colson Whiteheads Bestseller über eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte Amerikas - ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis 2017
Buch

24,00 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Underground Railroad als Buch

Produktdetails

Titel: Underground Railroad
Autor/en: Colson Whitehead

ISBN: 3446256555
EAN: 9783446256552
Originaltitel: The Underground Railroad.
Übersetzt von Nikolaus Stingl
Hanser, Carl GmbH + Co.

21. August 2017 - gebunden - 352 Seiten

Beschreibung

Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht - doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.

Portrait

Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard University und arbeitete für die New York Times, Harper's und Granta. Whitehead erhielt den Whiting Writers Award (2000) und den Young Lion's Fiction Award (2002) und war Stipendiat der MacArthur "Genius" Fellowship. Für seinen Roman Underground Railroad wurde er mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Bei Hanser erschienen bisher John Henry Days (Roman, 2004), Der Koloß von New York (2005), Apex (Roman, 2007), Der letzte Sommer auf Long Island (Roman, 2011), Zone One (Roman, 2014) und Underground Railroad (Roman, 2017). Im Sommer 2019 folgt Die Nickel Boys (Roman). Der Autor lebt in Brooklyn.

Pressestimmen

"Colson Whiteheads 'Underground Railroad' ist so packend wie poetisch. Der Pulitzer-Preisträger hat mein Herz berührt und mir geholfen, die USA besser zu verstehen." Brigitte, 26/2017

"Das Buch eines dichtenden Träumers, der mit literarischen Mitteln zeigt, wie albtraumhaft und surreal die Erfahrung von Sklaverei war." Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.17

"Whitehead zeigt die Mythen gewordenen Geschichten der Underground Railroad und die historischen Fakten der Sklaverei schnörkellos , als könne jeder komplizierte, erzählerische Trick ihre Wirkung nur schmälern. Der in den USA nach wie vor herrschende, offene und institutionelle Rassismus ist zur erzählten Welt des Romans geronnen. Das Buch für die USA der Gegenwart." Nicolas Freund, Süddeutsche Zeitung, 02.11.17

"Für den Leser geht es, immer wieder grausam anzusehen, rückwärts in die dunkle Zeit der USA, die bis heute nachwirkt, im Trump-Amerika - und auch deshalb ist dieser so brillant gebaute und klar geschriebene Roman ein Schlüsselwerk dieser Tage des Zweifelns und des Zorns." Georg Diez, Literatur Spiegel, Oktober 2017

"Es ist der große Roman über die Sklaverei in Amerika, aber er ist auch mehr als das ... Eine historisch akribische Aufarbeitung ... Ich kann mir niemanden vorstellen, der ungerührt aus dieser Lektüre herauskommt." Martin Ebel, SRF Literaturclub, 05.09.17

"Das Wissen über die Sklaverei, das Colson Whitehead einem aufbürdet, verändert einen." Rüdiger Safranski, SRF Literaturclub, 05.09.17

"Mit 'Underground Railroad' ist Whitehead etwas Großes gelungen: literarisch zu verdichten, wie die Folgen der Sklaverei Amerika bis heute zerreißen. Ein Roadmovie in die amerikanische Finsternis." Brigitte Kleine, ARD titel, thesen, temperamente, 27.08.17

"'Underground Railroad' ist der Roman für diesen Moment, es ist das Buch, um den andauernden amerikanischen Bürgerkrieg zu verstehen, Trump und Charlottesville und die ökonomische und emotionale Versklavung der Schwarzen, die doppelte und dreifache Schuld der Weißen ... Whitehead gelingt in diesem Buch das Besondere, er verbindet die Klarheit einer sehr gegenwärtigen Sprache mit der Vergangenheit, die er greifbar macht, verständlich und damit auch politisch zugänglich." Georg Diez, DER SPIEGEL, 35/2017

"Der historische Roman ist hochaktuell. Nur vor dem Hintergrund, der Sklaverei lässt sich der heutige Rassismus wirklich verstehen, der sich über Generationen eingeschrieben hat ins Erbgut der weißen wie der schwarzen Amerikaner. Und wohl nur dann überwunden werden kann, wenn man sich traut, dem Damals wie dem Heute ins brutale und ins gebrochene Auge zu schauen.Wie Colson Whitehead es tut." Gabriele von Arnim, Deutschlandfunk Kultur, 23.08.17

"Colson Whitehead will eine andere Perspektive auf die Geschichte der Sklaverei eröffnen, die bislang vor allem von Weißen geschrieben wurde. Mit 'Underground Railroad' ist ihm das auf fulminante Art gelungen." Christian Schröder, Der Tagesspiegel, 22.08.17

"Der Roman erzählt derart berührend intensiv von jenen Wurzeln, aus denen das Ausmaß des verhärteten Rassismus in den USA heute wuchs, dass danach alles, was unter Trump an die Oberfläche kochte, klarer verortet werden kann ... Absolut unverzichtbar, um den Horror des Vorgestern zu fassen zu bekommen, und somit zu begreifen, wie dünn die Tünche ist in der Gegenwart." Anne Haeming, SPIEGEL online, 22.08.17

"Wie oft war die Rede von der 'Great American Novel', die angeblich niemand mehr zu schreiben imstande sei, weil es zu kompliziert sein, Geschichte und Gegenwart in eins zu setzen und zu fiktionalisieren. 'Underground Railroad' ist nichts weniger als ein Meisterwerk, ein Roman, dessen historische Implikationen natürlich Schatten auf heute werfen." Julian Weber, Die Tageszeitung, 21.08.17

"Große Literatur, die ins Jetzt hineinragt: Wer verstehen will, wie es zu Auswüchsen wie jüngst in Charlottesville kommen konnte, greife zu die

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 20.08.2017

Amerikas Erbe

In seinem überwältigenden Roman "Underground Railroad" erzählt Colson Whitehead, warum die Geschichte der Sklaverei nicht abgeschlossen ist. Ihre Folgen durchziehen bis heute den amerikanischen Alltag

Cora ist eine Sklavin.

Das ist ein ungeheuerlicher Satz. Was er sagt, ist in dem metaphorischen Gebrauch des Worts untergegangen. Hier ist er wörtlich zu nehmen. Was der Satz bedeutet, ist dies: Cora ist vor dem Gesetz kein Mensch. Sie ist ein Ding im rechtmäßigen Besitz eines anderen, eines Plantagenbesitzers, für den sie Baumwolle pflückt. Er hatte ihre Großmutter gekauft, bevor Coras Mutter geboren war, das einzige der fünf Kinder, das älter wurde als zehn. Randall hieß der Plantagenbesitzer, und auch Cora gehörte ihm, schon ehe sie den ersten Atemzug tat. Ein Ding im Besitz eines anderen zu sein vererbt sich über die Mütter, denn wer weiß schon, wer die Väter sind und ob sie vielleicht Freie waren und weiß, vielleicht der Besitzer oder der Vorbesitzer selbst. Als Sklavin hat Cora nicht mehr Rechte als der Rechen im Schuppen, hinter dem sie vergewaltigt wird. Auf einem winzig kleinen Stück Land, zwischen ihrer Hütte und der nächsten, so groß wie ein Schritt im Quadrat, pflanzt sie Sauerampfer und Yam. Als ein Stärkerer kommt, der einen Hund hat und sie vertreiben will, greift sie zur Axt. Wie alle Sklaven denkt sie nur an eines, an die Flucht. Wie die meisten wagt sie kaum, sie sich vorzustellen.

Cora ist die Heldin in Colson Whiteheads Roman "Underground Railroad", eine Heldin, existentiell und kreatürlich, die tötet, wenn es sein muss, und zutritt, weil es ihr guttut. Das Buch erzählt die Geschichte ihrer Flucht in einer furiosen Genremischung: Da Cora sich als Halbwüchsige auf den Weg macht, ist es ein Entwicklungsroman, auch wenn die Geschichte nicht psychologisch angelegt ist. Da sie das Land von Süden nach Norden durchquert, eine Reisegeschichte, da sie verfolgt wird, ein Thriller, und weil die Underground Railroad im Titel hier tatsächlich eine unterirdische Eisenbahn ist, haben der Thriller und die Reisegeschichte einen phantastischen Überbau.

Im Kern aber ist das Ganze der literarische Aufriss der wahren Geschichte Amerikas. Daran ändert nichts, dass Whitehead Cora erfunden hat wie auch die Reiseroute, die Gesetze einiger Staaten, die anderen Figuren und auch die Underground Railroad, die im neunzehnten Jahrhundert eine Metapher für Fluchthilfe war, aber keine Eisenbahn. Auch die Staaten, die Cora auf ihrer Flucht durchquert, sind Erfindungen, obwohl sie so heißen, wie sie auf der Landkarte stehen - Georgia, South Carolina, North Carolina, Tennessee, Indiana und "der Norden". Aber jeder dieser Staaten steht für einen bestimmten Aspekt, eine besondere Ausprägung des amerikanischen Rassismus durch die Zeiten hindurch.

Der Roman spielt um 1850, also vor dem Bürgerkrieg, der von 1861 bis 1865 dauerte. Doch Whitehead nimmt vorweg, was im und nach dem Bürgerkrieg geschah. Das Lynchen vermeintlich freier Bürger. Medizinische Experimente an schwarzen Körpern. Phantasien vom rein weißen Amerika durch Deportation aller Schwarzen zurück nach Afrika. Die "große Wanderung" nach Norden in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Jim-Crow-Gesetze, die zum Beispiel in "Whites Only"-Schildern in Bussen oder Restaurants rassistische Segregation festschrieben. Und in Ridgeway, dem Sklavenjäger, der Cora verfolgt, ist ein nicht sehr ferner Verwandter jener Polizisten zu erkennen, die heute unbewaffnete Afroamerikaner erschießen. Gleichzeitig wird in dieser Figur eine der zentralen Paradoxien der Idee von "White Supremacy" greifbar. Denn die fanatische Gewalt, mit der Ridgeway hinter Cora her ist, bindet ihn mit immenser Kraft an sie, über der er doch haushoch zu stehen behauptet. Die Sklaverei zeichnet die Sklaven ebenso wie alle, die Sklaverei betreiben.

Underground Railroad" ist daher nicht die Geschichte des schwarzen Amerikas. Nicht die Geschichte der Afroamerikaner, sondern die Geschichte des ganzen Landes. Bisher sind wir gewohnt, die Geschichte der Vereinigten Staaten als Landnahme- und Besiedlungsgeschichte zu lesen, als Erzählung vom immer weiter nach Westen vorrückenden Grenzland. Im Western geschieht das gern auch unter dem Schutz ehemaliger Kämpfer für die "verlorene Sache" der Südstaaten, die nach dem Krieg mit der Kavallerie dem Pazifik entgegenritten.

Mit "Underground Railroad" hat sich diese sentimentale Sicht endgültig erledigt. Whitehead ist sich dessen bewusst. Sein Amerika ist von Anfang an auf Verbrechen und Gewalt gegründet: "Falls es irgendwo Gerechtigkeit gibt auf dieser Welt, dürfte diese Nation nicht existieren, denn sie beruht auf Mord, Diebstahl und Grausamkeit." Weder die Enteignung und weitgehende Ausrottung der Ureinwohner noch das Institut der Sklaverei sind Nebenzweige auf dem Weg des Landes vom frühen siebzehnten Jahrhundert bis heute. Sie sind die Geschichte, und Whitehead rückt sie aus den Fußnoten der Geschichtsbücher, in denen sie gemeinhin stehen, und von den Rändern, an die sie gedrängt wurden, ins Zentrum. Seht her, sagt er mit diesem Buch, Coras Geschichte und die derer, denen sie begegnet - ihrer Peiniger so gut wie ihrer Helfer, ihrer Begleiter so gut wie ihrer Verfolger -, das ist euer Erbe. Da kommt ihr her. Das ist die Vorgeschichte für alles, was heute in eurem, unserem Land geschieht. Der "amerikanische Imperativ", den Ridgeway einmal zitiert, klingt nicht wie aus fernen Zeiten: "Wenn du es behalten kannst, ist es deins. Dein Besitz. Sklave oder Kontinent." Man muss auch das wörtlich nehmen.

Gerade die populäre Kultur und da insbesondere der Western haben die Legende genährt, im Bürgerkrieg sei mit der Sklaverei, zu der sich kaum einer nach Kriegsende noch offen bekennen mochte, auch etwas untergegangen, dessen Verlust zu betrauern sei. Ein Süden, in dem nicht alle Sklavenhalter schlecht waren, in dem die Gemeinschaft - wenn auch nur die der Weißen, Reichen - etwas zählte, in dem die Menschen unentfremdet mit der Natur lebten und die Städte keine der Laster der Großstadtmoloche des Nordens beherbergten. Viele der Statuen von den Helden dieser Legenden, zu denen auch General Robert E. Lee gehört, wurden nicht etwa nach dem Bürgerkrieg, sondern ungefähr zur selben Zeit errichtet, in der die Filme (wie die Kavallerietrilogie von John Ford etwa, oder auch "The Searchers") solchen Männern der Vergangenheit im Kino ein Denkmal setzten. Man braucht in ihnen keine Verherrlichung der Sklaverei zu sehen, die in ihnen auch gar keine Rolle spielt.

Aber dass sie in ihrer Verklärung des Südens, wie er einmal gewesen sei, eine Legende erzählen, die nicht von der Versöhnung einstiger Sklaven und ihrer Besitzer handelt, sondern einzig von der Versöhnung der Weißen mit ihrer Vergangenheit als Sklavenhalter, löst heute diese Wut aus und das Bedürfnis, solche Denkmäler zu stürzen. Ein Ort des Verbrechens übrigens wie der Auktionsblock, auf dem in Charlottesville nicht weit von General Robert E. Lees Standbild Sklaven versteigert wurden, ist dort nur mit einer kleinen Plakette im Bürgersteig gekennzeichnet. Es gibt keinen verlorenen Süden, um den es sich zu trauern lohnte, außer für die, in deren Händen er einmal war. Auch das zeigt dieses Buch, das im vergangenen Jahr in Amerika erschien und weder von Donald Trump noch vom Erstarken der "White Supremacists" etwas wissen konnte.

Cora ist ungefähr acht, vielleicht auch zehn, als ihre Mutter Mabel eines Nachts verschwindet und nicht wiederkommt. Ridgeway und andere Sklavenjäger sind hinter ihr her, ein Kopfgeld wird ausgesetzt, aber niemand findet sie. Mabel, so wird erzählt, ist die Einzige, der jemals die Flucht von der Plantage in Georgia gelang. Die Einzige, die nicht wieder eingefangen wurde. Cora ist wütend auf ihre Mutter, die sie verlassen hat, so dass sie allein zurückblieb, und die ihr fehlt. Aber sie ist auch stolz auf diese Frau, die sich offenbar die Freiheit erkämpfte und sie sich nicht wieder nehmen ließ. Als Cora sich entschließt, dem Vorschlag Caesars, eines Sklaven auf derselben Plantage, zu folgen und gemeinsam zu verschwinden, denken sie beide daran, dass es Mabel vor ihnen geschafft hat. Sechs Jahre ist das her. Caesar will Cora dabeihaben, damit ihm Mabels Tochter Glück bringt. Erst sagt Cora Nein. Doch nachdem sie einen Jungen beschützte - "ehe die Sklavin in ihr den Menschen in ihr einholte" - und zur Strafe schwer misshandelt wurde, sagt sie Ja. Und das, obwohl sie mitangesehen hat, was Big Anthony angetan wurde, der auf seiner Flucht immerhin 26 Meilen weit gekommen war, bevor er wieder eingefangen wurde.

Den schwarzen Körper zur Belustigung und Unterhaltung der Weißen zu quälen, auszustellen, begaffen zu lassen - das war weitverbreitete Praxis bis in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein und ist bis heute ein Topos in den Beziehungen zwischen Afroamerikanern und Weißen (wie zuletzt die Auseinandersetzung um Dana Schutz' Gemälde "Open Casket" zeigte). Whitehead schildert diese Art des Entertainments so: "Randalls Besucher schlürften gewürzten Rum, während Big Anthony mit Öl übergossen und geröstet wurde. Den Zeugen blieben seine Schreie erspart, weil man ihm schon am ersten Tag sein Geschlecht abgeschnitten, es ihm in den Mund gestopft und diesen zugenäht hatte. Der Block qualmte, verkohlte und brannte." Am nächsten Abend ziehen Cora und Caesar los.

Die Stationen der Underground Railroad, von der Caesar gehört hat und von denen aus sie nach Norden gelangen würden, erreichen sie durch Falltüren in Häusern von hilfreichen Menschen oder über Treppenabgänge in Höhlen, die in den Untergrund führen. Die Stationen sind in unterschiedlichem Zustand, manche prächtig, manche verfallen und voller Ungeziefer, manche Streckenabschnitte sind bereits wieder geschlossen, andere von vornherein ein Gerücht. Es ist ein phantastischer literarischer Trick von Whitehead, die Underground Railroad in eine tatsächliche unterirdische Bahn zu verwandeln. Er nimmt den Namen wörtlich, wie es der Tradition oraler Überlieferung entspricht. Denn eigentlich war Underground Railroad nur die metaphorische Bezeichnung für jene organisatorisch lose verbundenen Männer und Frauen, die in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts Fluchthilfe leisteten, und für die "safehouses" entlang der Fluchtrouten. Es waren freie Afroamerikaner oder ihrerseits Geflohene und auch aufgeklärte Weiße aus der Abolitionsbewegung, die entkommene Sklaven von den Plantagen im Süden aufnahmen und ihnen den Weg in den Norden, wo die Sklaverei zum Teil bereits abgeschafft war, erleichterten beziehungsweise überhaupt erst ermöglichten.

Die Helfer trugen Tarnbezeichnungen wie "Schaffner" oder "Stationsvorsteher", und die Menschen, denen sie halfen, waren "Lieferungen" oder "Pakete". William Still zum Beispiel, der minutiös die Erzählungen von Geflohenen gesammelt und 1872 veröffentlicht hat ("The Underground Railroad Authentic Narratives and First-Hand Accounts"), war "Schaffner". Obwohl hier wie in anderen Zeugnissen der Bewegung das Gegenteil dokumentiert ist, herrschte lange die Auffassung, die geflohenen Sklaven hätten sich vor allem dank weißer Retter in Sicherheit bringen können, und selbst der Ruhm von Harriet Tubman, der ihrerseits die Flucht in den Norden geglückt war und die vielen Hundert Sklaven zu entkommen half, konnte an der Geschichte vom "white savior" nicht viel ändern. Auch Quentin Tarantino hat sie in "Django Unchained" wieder aufgewärmt.

Die Helfer in Whiteheads Roman sind schwarz und weiß, und ihr Schicksal, wenn sie gefasst werden, ist von besonderer Grausamkeit. Cora begegnet ihnen auf ihrem Weg durch eine historisch elastische Landschaft, in der Whitehead wesentliche Motive und Ereignisse der Geschichte, die zeitlich weit auseinanderliegen, geographisch festschreibt, ein Manöver phantastischen Schreibens, das hier ebenso blendend funktioniert wie sein Auslegen falscher Fährten (etwa in der Geschichte um Mabels Flucht) und anderer Plottechniken, die in einem Sklavenroman eher ungewöhnlich sind. In South Carolina, wo Cora sich zunächst aufgehoben und umfassend betreut fühlt, wird schwarzen Frauen die Sterilisierung nahegelegt, und eine Klinik führt Experimente durch, die an die Syphilis-Studie erinnern, in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts infizierte Schwarze zu Forschungszwecken unbehandelt blieben.

In South Carolina ist es auch, dass Cora kostümiert und grimassierend Teil einer Ausstellung wird, eines Dioramas im "Museum der Naturwunder", das eine sentimental verklärte Version des Plantagenlebens in die Erinnerungskultur überführt. In North Carolina überlebt Cora wie einst Harriet Ann Jacobs auf dem Dachboden eines Ehepaars, das aus unterschiedlichen Motiven hilft: Martin, der Mann, weil er die Arbeit seines Vaters fortführt. Ethel, seine Frau, weil sie immer schon "eine Wilde" ihr "Eigentum nennen" wollte. Durchs Fenster beobachtet Cora, was draußen vor sich geht: öffentliche Lynchmorde als Wochenendschauspiel für die Dorfgemeinschaft. Sie wird verraten, gefasst, flieht erneut. In Tennessee trifft sie endlich auf eine Gemeinschaft anderer, die es geschafft haben. Ein Utopia, das nicht lange bestehen bleibt. Und so unterläuft Whitehead den erhebenden Effekt, der Geschichten geflohener Sklaven innewohnt. Cora entkommt immer nur vorübergehend.

Dreißig Jahre ist es her, dass Toni Morrisons großer Roman "Beloved" herauskam, ein Buch, von dem man dachte, mit ihm sei literarisch das endgültige Wort zur Sklaverei gesprochen. Doch seither türmen sich weitere Romane, Sachbücher, Filme, Fernsehserien zum Thema. Whitehead hat das zur Kenntnis genommen und dennoch etwas ganz Neues geschaffen. Sein Roman steht einerseits in der Tradition von "Beloved" als fiktiver Geschichte eines Sklavenlebens, und im ersten kurzen Kapitel über Coras Großmutter Ajarry kann man fast ein Echo von Toni Morrisons Stimme hören, wenn Ajarry sich an ihre Kinder erinnert, die gestorben sind: "Wenigstens sind sie nie verkauft worden." Doch dann geht Whitehead noch ein Stück weiter und macht die Geschichte, die er erfindet, als all American history kenntlich, die gerade nicht so funktioniert, wie es all American stories gern tun. Dem Kampf um die Freiheit folgt in diesem Fall nicht der Lohn.

Die Geschichte der Sklaverei ist nicht abgeschlossen. Ihre Folgen durchziehen bis heute den amerikanischen Alltag. So muss man dieses Buch lesen, das Erzählungen, Erfahrungen und Erinnerungen aus dreieinhalb Jahrhunderten in sich aufgenommen hat und als neue, alle Spuren berührende und zusammenführende Geschichte vor uns steht, als The Great American Novel.

VERENA LUEKEN

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Anne S.
von Anne S. - Hugendubel Buchhandlung Erfurt Nordhäuser Straße - 31.07.2019
Dieses Buch ist zu Recht preisgekrönt. Ohne zu beschönigen, beschreibt Whitehead das Leben der amerikanischen Sklaven - und ihren verzweifelten Versuch, dem Elend zu entkommen. Erschreckend, berührend und mit Gänsehautgarantie.
Ihrem Buchhändler
von Ihrem Buchhändler - Hugendubel Buchhandlung Siegen Am Bahnhof - 16.05.2019
Eine schreckliche und realistische Geschichte über ein dunkles Kapitel Amerikas. Man kann sich kaum von der Story losreißen, so spannend und flüssig ist es geschrieben.
Stefan G.
von Stefan G. - Hugendubel Buchhandlung Frankfurt/Main Steinweg - 16.05.2019
Whitehead hat mich nicht nur sprachlich absolut begeistert. Vielmehr bietet dieser großartige historische Roman über die Sklaverei - gerade auch durch die Einflechtung von Motiven der Abenteuer - und (wenn man so will, auch) Reiseliteratur - beste Unterhaltung von der ersten Seite an!!
Ihrem Buchhändler
von Ihrem Buchhändler - Hugendubel Buchhandlung Berlin Tauentzienstr. - 22.10.2018
Whitehead schafft den Spagat zwischen großer Emotionalität und objektiver Erzählung. Sein Buch ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und das Recht auf persönliche Freiheit. Beeindruckend sind die Schilderungen der psychischen Verfassung der Unterdrückten.
Bewertungen unserer Kunden
Coras Weg
von Kaffeeelse - 26.04.2018
Dieses Buch ist ein dunkler und düsterer Roman über die Sklavin Cora aus den Südstaaten der USA. Es wird über ihre Flucht aus dem grausamen Schicksal der Sklaverei berichtet, dass aber in einer dunklen, fast hoffnungslosen Art, was ich dem Thema gegenüber schon sehr entsprechend fand. Aber der Autor hält sich bei seinem Roman nicht immer an den historischen Tatbestand, er flicht in seine Geschichte noch einige phantastische Elemente ein, was den Reiz der Geschichte aber noch deutlich erhöht. So ist zum Beispiel die Underground railroad bei ihm eine wirkliche Eisenbahn, was ich vom Erzählerischen echt gelungen empfand. Das ermöglicht wiederum die Reise der Cora wie in Stationen zu beschreiben, sozusagen von Bahnhof zu Bahnhof. Am Anfang des Buches wird erstmal die Ankunft der Großmutter der Cora in Amerika erzählt, in einem Kapitel mit ihrem Namen als Überschrift. Danach folgt die Schilderung der Umstände der Sklaverei, der Leser erfährt in kleinen Auszügen, was es denn heißen könnte unfrei zu sein, jemandem vollkommen zu willen sein zu müssen, ohne irgendetwas dagegen tun zu können und auch niemanden zu haben, der einem helfen könnte. Das wird erzählt über die folgende Generation, das heißt über die Mutter von Cora, Mabel und dann später über Cora selbst. Was mir an diesem Teil besonders gefallen hat, das der Autor nicht bei dem allseits beliebten Schwarz=Gut und Weiß=Böse bleibt, es werden auch die Konflikte innerhalb der Sklaven gezeigt. Und das ganze Kapitel wird mit der Überschrift des Bundesstaates versehen, in dem es spielt. Ein Vorgehen das sich wiederholt, erst ein Kapitel mit einem Namen als Überschrift, dahinter die Geschichte der betreffenden Person, welche zeitlich nicht unbedingt an den Erzählstrang anknüpft, dann wieder ein Bundesstaat als Titel und die Geschichte wird da fortgeführt. Cora entschließt sich schließlich durch gewisse Veränderungen in der Plantagenstruktur zur Flucht, und die Stationen kommen zum Tragen. Die erste Station ist ein Städtchen in South Carolina, erstmal eine Idylle, Weiße und Schwarze leben ohne Probleme zusammen, später kommen dann medizinische Experimente ans Tageslicht. Die nächste Station ist ein Städtchen in North Carolina, hier lebt sie in einem Dachboden eingesperrt, versteckt, weil hier eine ausufernde Entwicklung zwischen Schwarz und Weiß passierte, in Massaker an der schwarzen Bevölkerung mündend, die weiße Bevölkerung sich gegenseitig bespitzelt, wegen eventuellem Verstecken von Schwarzen, jeden Freitag gibt es Volksfeste mit anschließendem Töten von Schwarzen. Die ehemalige Rolle der Schwarzen wird von ärmeren weißen Bevölkerungsschichten (Iren) übernommen. Beide Situationen in den Stationen empfand ich als Allegorien, beides kann man auch in späteren (oder wahlweise auch in früheren) Zeiten in der Geschichte der Menschheit wiederfinden. Und es geht auch so weiter. Auch in den weiteren Orten kann man andere Dinge erkennen. Die Gedanken schweifen immer wieder ab, man kann nur sagen toll gemacht Herr Whitehead !! Sehr beeindruckt hat mich auch, wie es im Buche heißt, das die weiße Rasse sich zum Herren erklärt über Schwarze und Indianer, und ausrotten muss, was sich nicht anpasst. Auch das empfinde ich als sehr allegorisch, man sollte sich nur mal überlegen, was auf dieser Welt passiert wäre, wenn Europa nicht angefangen hätte, die Welt zu entdecken und zu kolonisieren. Oder noch besser, die kulturelle Entwicklung in Griechenland/Rom wäre so nicht passiert, und Europa wäre über Kreta beeinflusst worden. Fragen über Fragen ... Etwas schade fand ich das Coras Reise in diesem Buch zu keinem Ende kommt, aber etwas positiveres passt wahrscheinlich auch nicht so recht zum Thema. Was für ein wundervolles Buch !! Unbedingt Lesen !
Wertvoll, lesenswert, nur nicht ganz etwas für mich
von C.P. - 30.11.2017
Cora, Sklavin auf einer Baumwollplantage in Georgia um 1812, wird von ihrem Leidensgenossen Caesar zur Flucht ermuntert. Zusammen mit einer weiteren Sklavin wollen sie versuchen durch die Flucht über die Underground Railroad das zu bekommen, was ihnen schon immer verwehrt war: Freiheit. Doch ihre Flucht wird überschattet von zahlreichen tragischen Vorfällen, Zufällen und Leid. Beeindruckend schildert Colson Whitehead diesen Abschnitt eines langen Leidensweg der jungen Cora und nimmt den Leser fast hautnah mit. Die Geschichte rund um Cora geht einfach unter die Haut. Manche Szenen sind so dermaßen brutal und grauenhaft beschrieben, dass ich beim Lesen ab und an ein paar Pausen einlegen musste. Doch habe ich genau dieses auch erwartet. Offene Worte und eine ehrliche Schilderung der Dinge sind an der Stelle absolut passend. Cora als Protagonistin ist jemand, den ich durch ihr Schicksal nie vergessen werde, der jedoch absolut farblos in meinem Gedächtnis zurückbleibt. Leider gingen für meinen Geschmack die Nebencharaktere vollkommen unter. Sie hatten keinerlei Tiefe, es war nicht möglich, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen, ihre Namen, Handlungen und Geschichten waren nach nur ein paar Seiten aus meinem Gedächtnis verschwunden. Und das finde ich sehr schade. Obwohl ich in der Schule über die Sklaverei in Amerika unterrichtet worden bin, so war mir die Underground Railroad kein Begriff. Bevor ich jedoch anfing, das Buch zu lesen, recherchierte ich dank einer sehr informativen Einleitung über die historischen Hintergründe der Underground Railroad etwas weiter und war sehr beeindruckt von der Organisation und dem Mut der Helfer. Und genau hier finde ich die Verblassung der Nebencharaktere so schade. Menschen, die Cora halfen, wurde zwar ab und an wieder erwähnt. Aber was für einen Aufwand und mit was für einer Courage die Helfer teilweise mitarbeiteten, ging in meinen Augen in diesem Roman vollkommen unter. Der Schreibstil passte sehr gut zum Ton der Geschichte, konnte mich jedoch nicht mitreißen. Oftmals war er mir viel zu langatmig, das Buch ließ sich nur zäh lesen und frustrierte mich dadurch manches Mal ungemein. Noch nie ist mir die Bewertung eines Buches so schwer gefallen wie die für dieses. Phasenweise lag das Buch wochenlang unangetastet im Regal, dann jedoch konnte ich es absolut nicht aus der Hand legen. Es gab Lesestunden, da hätte ich diesem Buch einen Stern geben können. Und immer wieder stellte sich mir die Frage: Darf ich überhaupt ein Buch, das einen Pulitzer Preis gewonnen hat, so negativ bewerten? Dann jedoch wollte ich ihm fünf Sterne geben. Warum? Nun, da ich es für wichtig halte, ab und an Bücher zu lesen, die Themen behandeln, die wir uns immer wieder vor Augen führen müssen. Sklaverei ist unmenschlich, barbarisch und vollkommen fehlgeleitet, darüber muss auch nicht mehr gesagt werden. Doch so ganz hat die Menschheit nicht aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und Rassismus, Diskriminierung und Unterdrückung sind noch immer Teil unserer Zeit. Da bieten Romane, die solche Themen behandeln gute Denkanstöße für ein weiteres Miteinander. Und so gerne ich diesem Buch die volle Punktzahl geben würde, da ich es als wertvoll erachte, von allen gelesen zu werden, so kann ich das nicht mit mir selber vereinbaren. Somit bekommt das Buch von mir 3 Sterne, jedoch möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, dass dieses Buch unbedingt von jedem gelesen werden sollte!
Verzweifelte Flucht in die Freiheit
von Gisel - 21.11.2017
Cora lebt als schwarze Sklavin auf einer Baumwollplantage in Georgia, unter unvorstellbaren und unmenschlichen Bedingungen. Zusammen mit dem Sklaven Caesar macht sie sich auf die Flucht in ein besseres Leben. Mit der Underground Railroad beginnt ihre Suche nach einem Leben in Freiheit, immer wieder gibt es Rückschläge, sie wird gnadenlos verfolgt. Immer wieder kehrt sie zu einer Station der Untergrundbahn zurück, sie lernt Menschen kennen, die ihr gerne helfen, auch unter dem Einsatz des eigenen Lebens, wie auch Menschen, die sie aus den verschiedensten Gründen verfolgen. Wird ihre Flucht erfolgreich sein? Das Buch spielt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Underground Railroad gab es wirklich, es war ein Hilfswerk, das Sklaven bei der Flucht aus den Südstaaten in die Freiheit der Nordstaaten half. Verwendet wurde dabei das Vokabular der Bahn, um unerkannt zu bleiben. Der Autor verwendet diese Metapher im eigentlichen Sinn und macht daraus eine echte Eisenbahn. Coras Flucht ist geprägt von einem Wechsel aus vielen kleinen Erfolgen und empfindlichen Rückschlägen. Obwohl sachlich geschrieben, geht die Geschichte unter die Haut, sie lässt niemand kalt, denn der Autor Colson Whitehead spiegelt detailliert die brutalen Lebensbedingungen der Sklaven wieder. Manches davon ist kaum zu ertragen, und manche der Passagen gerät etwas langatmig. Die Geschichte spiegelt ein dunkles Kapitel der amerikanischen Geschichte und lässt diese Zeit auf eine äußerst realistische Weise auferstehen. Das Buch ist ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis 2017, und das kann ich sehr gut nachvollziehen. Deshalb auch von mir, trotz kleiner Mängel, eine Leseempfehlung für ein wichtiges Buch über das dunkle Kapitel der Sklaverei.
Coras Sehnsucht nach Freiheit
von Ele - 10.11.2017
Underground Railroad, Roman von Colson Whitehead, 352 Seiten, erschienen im Carl Hanser Verlag. Colson Whitehead widmet sich in seiner Erzählung der Entrechtung, Unterdrückung und Vernichtung von Schwarzen durch Weiße in den USA. Die Geschichte von Cora einer jungen Schwarzen, geboren in der Sklaverei, wird von Caesar einem Leidensgenossen aufgefordert, zusammen mit ihm zu fliehen. Die Beiden begeben sich auf eine abenteuerliche Reise vom Süden Amerikas in den Norden. Ob die Flucht gelingt und was den beiden bei ihrer spektakulären Flucht mit der Underground Railroad alles zustößt wird hier im schonungslosen Stil beschrieben. Das Buch ist aufgegliedert in 12 Kapitel die abwechselnd mit US-Bundesstaaten und Personennamen benannt sind. Am Anfang eines jedes Staaten- Kapitels erscheint eine Suchanzeige für einen entlaufenen Sklaven. Die Geschichte wird im auktorialen Stil erzählt. Whitehead beschreibt in nüchterner bildhafter Sprache die grausamen Geschehnisse die in der Zeit der dunkelsten Geschichte Amerikas stattfanden. Er erhielt dafür den National Book Award 2016 und den Pulitzer Preis 2017. Der Anfang über Ajarry, Coras Großmutter, ihre Mutter und Coras Kinderzeit und wie sie sich in der Sklavengemeinschaft auf der Baumwollfarm in Georgia behauptet fand ich ungemein spannend, spannend beginnt auch ihre Flucht und was dazu führte. Leider lässt die Spannung zwischendurch nach um am Ende wieder anzuziehen. Leider konnte ich der Geschichte nicht immer folgen, denn der Verlauf wurde durch die Personenkapitel die dazwischen gestreut waren unterbrochen. Das Leben von Charakteren die an diesem Punkt schon verstorben waren wurde aufgegriffen, auch kam es vor, dass Cora bei ihrer Flucht schon an einem anderen Ort angekommen war mit anderem Setting und Personen, im nächsten Kapitel aber beschrieben wurde wie ihre Befreiung von Statten ging. M.E. sind die Kapitel im Roman etwas unglücklich angeordnet. Gut fand ich, dass das Schicksal von Mabel am Ende noch aufgeklärt wurde, was mich wieder mit der Geschichte versöhnt hat. Homo, homini lupus - der Mensch, dem Menschen ein Wolf. So zitiert Plautus und so wird es im vorliegenden Buch auch aufs Grausamste und grauenvoll beschrieben. Die Lektüre hat mich sehr betroffen gemacht, gefesselt und tief bewegt. Die Geschichte der Underground Railroad und des Abolitionismus wird mich wohl auch noch einige Zeit beschäftigen. Die Underground Railroad wird im Buch als eine tatsächliche "Untergrundbahn" beschrieben, was sie in Wirklichkeit aber nicht war. Zwischen 1810 und 1860 wurde durch dieses "Fluchtnetzwerk" mit geheimen Routen, geheimen Stationen und Menschen die für ihre Hilfe mit dem Leben bezahlten, 50 000 Sklaven vom Süden in die freien Nordstaaten und Kanada gebracht. Bisher wusste ich nicht, dass es diese "Fluchthilfe" gab und ich bin dankbar, dass ich es durch diesen Roman erfahren durfte. Es handelt sich hier absolut um kein Wohlfühlbuch", sondern um eine Lektüre, die zum Nachdenken anregt, ja etwas für danach mitgibt. Eine absolute Kaufempfehlung, für die Leser die sich für die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei interessieren, die etwas über die "Underground Railroad" erfahren wollen. Und von mir 4 von 5 möglichen Sternen.
Beeindruckend und bedrückend
von Laberladen Blog - 09.11.2017
Darum gehts: Cora lebt als Sklavin der dritten Generation auf der Plantage der Randalls. Seit ihre Mutter geflüchtet ist, muss sich das junge Mädchen alleine durchschlagen und obwohl Cora eine starke Persönlichkeit ist, bleibt auch sie von Gewalt und Willkür nicht verschont. Als der Sklave Caesar sie bittet, mit ihm zusammen zu fliehen, zögert sie erst. Doch dann macht sie sich doch mit ihm auf den Weg durch die Underground Railroad auf der Suche nach Freiheit. So fand ichs: Das Leben, das Cora und die anderen Sklaven auf der Plantage der Randalls führen, ist hart und brutal. Nicht nur die weißen Herren leben ihren Sadismus willkürlich an den Sklaven aus, sondern auch unter ihnen herrscht eine gewisse Hierarchie, und Gewalt kommt auch unter Sklaven vor. Man versteht, wieso immer wieder Sklaven ihr Leben riskieren und lieber einen grausamen Foltertod in Kauf nehmen, wenn ihre Flucht misslingt, als auszuharrren und das Leben auf der Plantage zu ertragen. Doch auch als Cora sich zur Flucht entschlossen hat, ist sie immer wieder abhängig von anderen und muss auf Großherzigkeit hoffen - wohl wissend, dass die Hilfsbereitschaft auch den Helfern das Leben kosten könnte. Weitestgehend beschreibt das Buch die Erlebnisse Coras in nüchternem Erzählstil. Manchmal fast schon lakonisch wird das schreckliche Leben auf der Plantage geschildert, genauso wie die Grausamkeiten, die Cora auf ihrer Flucht begegnen. Wahrscheinlich ist so eine undramatische Erzählweise genau richtig, denn wenn man sich zu emotional in die Geschichte fallen lässt, könnte man verzweifeln bei dem Gedanken, was Menschen anderen Menschen antun, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben. Sie werden ja nicht einmal als Menschen gesehen, sondern erscheinen in den Augen ihrer Besitzer oft genug als so etwas wie Halbaffen ohne Gefühle und Verstand. Hauptsächlich erzählt uns Cora ihre Geschichte selbst, aber es werden auch immer wieder kurze Kapitel eingeschoben, die die Hintergründe der Menschen beleuchten, mit denen Cora zu tun hat. Das macht auch scheinbar gleichgültige oder bösartige Leute menschlich und rundet das Bild über das hinaus ab, was Cora selbst weiß. Im Vorspann zu diesem Roman wird erläutert, dass die "Underground Railroad" nicht tatsächlich als unterirdische Bahnlinien existiert hat, sondern ein Synonym für ein Netzwerk von Helfern und Unterschlupfen war und auch als Codierung in Unterhaltungen diente. Leider scheint dieses wichtige Vorwort nur in den Leseexemplaren vorhanden zu sein und in der Ausgabe für den Buchhandel zu fehlen, wie ich der Rezension von Jemima auf dem Blog Hochhorst entnehmen kann. Das finde ich sehr schade. Wieso sich der Autor entschlossen hat, diese unterirdische Eisenbahn im Buch als Tatsache darzustellen, weiß ich nicht. Ich fand es zwar schon glaubhaft erzählt, aber da man weiß, dass es nicht wirklich so war, bietet genau dieser Kniff ein Schlupfloch für alle Zweifler, die einwenden könnten, dass auch andere glaubhaft geschilderte Passagen historisch nicht korrekt sind. Und ich habe mich auch wirklich gefragt, was nun historisch verbürgte Tatsachen sind und was der Fantasie des Autors entsprungen ist. Gab es den Plan, Schwarze durch Tricks oder Lügen zu einer Sterilisation zu bringen, um zu verhindern, dass die schwarze Bevölkerung überhand nahm? Bestand diese Möglichkeit einer überwiegend schwarzen Bevölkerung tatsächlich in manchen Staaten? Waren die genannten Bevölkerungszahlen echt oder nur eine ausgedachte Ergänzung wie die Underground Railroad selbst? Existierten diese Ausstellungen, in denen lebende Personen Szenen aus Afrika oder der Reise in die USA nachstellten, wirklich? Durch die Möglichkeit, dass Teile seiner Erzählung nur erfunden waren wie die Railroad, hat Whitehead seiner Erzählung ein bisschen den Schrecken genommen, was ich schade fand. Die Tatsachen sprechen für sich und eine fiktive Lebensgeschichte in historisch korrekter Umgebung hätte mir besser gefallen und mich wahrscheinlich noch viel mehr ergriffen. Während des Lesens drängten sich mir gewisse Parallelen auf zur Zeit des dritten Reiches, als Juden unter ähnlichen Umständen wie Cora versteckt wurden. Oder man ihnen unter Einsatz des eigenen Lebens zur Flucht verholfen hat. Aber auch zur Problematik der vielen Zuwanderer, die sich auch äußerlich vom Durchschnittsdeutschen unterscheiden und die nicht wenigen Leuten Angst davor machen, dass sie das Erscheinungsbild zu sehr prägen und das Althergebrachte verdrängen - genau wie die Vielzahl der geflüchteten Sklaven manche Städte und Landstriche prägten. Denn leider ist das geschilderte menschliche Verhalten zeitlos und nicht nur auf den Zusammenhang der Rassenproblematik und Versklavung der schwarzen Bevölkerung beschränkt. Quer durch alle Zeiten und Nationen wird immer wieder die Gelegenheit genutzt, auf dem Rücken der Schwachen und ihrer Helfer die eigenen Interessen durchzusetzen, bereitwillig bösartige Gerüchte weiterzuerzählen und unliebsame Nachbarn und Konkurrenten loszuwerden. Man stellt das eigene Wohlergehen an oberste Stelle und überall werden die Schwächen der menschlichen Natur deutlich. Es gibt aber damals wie heute Menschen, die selbstlos ihr Leben riskieren, um zu helfen und das Unrecht wieder ein bisschen auszugleichen. Insofern ist "Underground Railroad" nicht nur ein bedrückend realistisches Zeugnis und eine Erinnerung an die Sklaverei in den US-Amerikanischen Südstaaten, sondern das Thema hat durchaus darüber hinaus Bedeutung. Deshalb wird mich das Buch so schnell nicht loslassen. Mein kleiner Kritikpunkt hatte nicht so viel Gewicht, dass es für den Abzug eines Sterns gereicht hätte.
Pflichtlektüre
von KrimiElse - 30.10.2017
Die schwarze Sklavin Cora, gequält und gepeinigt auf einer Baumwollplantage in Georgia, nutzt die Chance zur Flucht aus dem Wahnsinn und der Gewalt, die ihren Alltag auf der Plantage beherrschen. Sie hatte seit ihrem 11.Lebensjahr, in dem ihre Mutter Mabel von der Plantage erfolgreich geflohen und sie zurückgelassen hatte, in der "Hob", einer Hütte der Wahnsinnigen, Geächteten, Kranken und Ausgestoßenen unter den Sklaven gelebt und war zur Eigenbrötlerin geworden, begleitet von Stärke, Mut und Widerspruchsgeist, den sie allerdings sehr gut zu verstecken weiß. Hilfe bekommt Cora auf ihrer Flucht vom "Underground Railroad", bestehend aus Fluchtstationen und einem Unterirdischem Schienenetzwerk, das die Flüchtigen zu nicht immer vorher bestimmbaren Orten bringt und sie dort in die Realität ausspuckt. Von einer Station in Georgia gelangt sie nach South Carolina, wo sie von einer gewaltigen Flüchtlingsindustrie "verarbeitet" wird mit Wohnheimen, Arbeitsvermittlung, zwielichtigen medizinischen Untersuchungen. Erkannt und gejagt vom Sklavenjäger Ridgeway muss Cora weiter und landet in einer Station in North Carolina bei der Familie Wells, die schon seit zwei Generationen gegen die Sklaverei kämpft, sie aber wegen der Gefahr der Verhaftung monatelang auf dem Spitzboden ihres Hauses verstecken muss. Hin und hergerissen vom Wunsch nach Freiheit, von der Angst, entdeckt zu werden muss sich Cora den jeweiligen Gefahren stellen, von denen sie sich an jeder neuen Station der Underground Railroad überrascht wird. Die Underground Railroad war vom Ende des 18.Jahrhunderts bis Mitte des 19.Jahrhunderts ein Fluchtnetzwerk, geschaffen von den Abolitionisten, für entlaufene Sklaven von den Sklavenstaaten im Süden der USA in den Norden. Es bestand aus geheimen Routen und sicheren Häusern, vielen helfenden Händen, die dabei ihr Leben riskierten. Es ist ein heller Lichtpunkt im sehr dunklen Kapitel der USA zur Sklaverei. Benutzt wurden als Code Eisenbahnbegriffe wie Station, Schaffner, Gepäck, Passagiere Colin Whitehead benutzt den Begriff Underground Railroad im Roman im wörtlichen Sinn. Es handelt sich tatsächlich um einen unterirdische Eisenbahnlinie mit verschiedenen Bahnstationen und Stationsvorstehern, zwischen denen Züge nach geheimen Absprachen verkehren. Der Roman lebt von der Protagonistin Cora, die mit ihrer Kraft und ihrem Lebensmut die Geschichte vorantreibt. Als Kind von ihrer Mutter allein gelassen setzt sie sich schon damals gegen Neid und Missgunst anderer Sklaven der Farm durch und verteidigt ihr winziges Stück Land, auf dem sie Gemüse anbaut. Verächtlich und gleichzeitig angstvoll gehen viele der anderen Sklaven mit ihr um. Sie ist eine Einzelgängerin und Träumerin, wissbegierig und lernfähig. Auf der Flucht in den verschiedenen Situationen findet sie sich schnell zurecht, nimmt sie mit, was sie kriegen kann und ist nur selten vom Glück begünstigt, sondern muss sich entlang ihres Weges hart voran kämpfen. Schnörkellos, knapp, eindringlich und treibend erzählt der Roman von der Flucht Coras, vom Grauen der Sklaverei in den USA, von der Gefahr, der sich Fluchthelfer ausgesetzt sahen. Dass die Befreiung der Sklaven in den Nordstaaten auch nicht wahre Selbstbestimmung der schwarzen Bevölkerung bedeuteten wird ebenso thematisiert wie die Greueltaten, die von Weißen Teufeln im Süden an ihrem beweglichen Eigentum verübt wurden. Und realistisch zeigt Whitehead, dass es auch unter den Sklaven selbst eine grausame Hackordnung gegeben hat. Entwürdigungen, unvorstellbare unmenschliche Erniedrigungen und Gewalttaten finden an manchen Stellen so intensiv sprachlich Ausdruck, dass man sich nicht abschotten kann, was ich für sehr gelungen und sehr wichtig halte; der Roman versucht eben nicht, eine extrem schmutzige Geschichte sauber zu schreiben. Hochaktuell, fesselnd und bereits mehrfach ausgezeichnet (National Book Award 2016, Pulitzer Preis 2017, Longlist Man Booker Prize 2017) ist der Roman in meinen Augen ein sehr wichtiges Buch zu einem Stück Geschichte, das gerne unter den Tisch gekehrt wird oder, schlimmer noch, als Vorlage für romantische Geschichten dient. Ich halte es für ein absolutes Muss an Lektüre in diesem Jahr.
Cora und die Underground Railroad
von Dreamer - 26.10.2017
Underground Railroad ist der erste Roman von Colson Whitehead, den ich bisher gelesen habe und die Art und Weise, wie der Autor die Geschichte rund um Cora erzählt hat, hat mir sehr gut gefallen. Es ist kein einfaches Thema, mit dem sich der Roman beschäftigt. Denn Colson Whitehead nimmt seine Leser mit zurück in die Vergangenheit, in ein trauriges, düsteres Kapitel der amerikanischen Geschichte. Cora ist zu Beginn des Romans eine von vielen Sklaven auf einer Baumwollplantage in den Südstaaten. Ein Leben in Freiheit - das erscheint ihr wie eine beinahe unerreichbare Wunschvorstellung. Bis ihr Caesar, ein weiterer Sklave auf der Baumwollplantage, ihr von seinen Fluchtplänen erzählt. Die Underground Railroad, so berichtet er, wird ihnen dabei helfen der Verfolgung ihrer ehemaligen "Besitzer" zu entkommen. Obwohl Cora zögert, lässt sie sich letztlich doch auf Caesars Vorschlag ein und gemeinsam brechen die beiden auf zu einer dramatischen Reise. Ein Großteil der Geschichte beschäftigt sich mit Cora und ihrer Flucht, aber auch die Motive und Denkweisen anderer Personen, die für die Handlung eine Rolle spielen, werden von Colson Whitehead beleuchtet. So erhält man z.B. einen Einblick zur Geschichte des Sklavenfängers, der sich im Auftrag von Coras und Caesars früherem "Besitzer" an ihre Fersen heftet. Erschreckend fand ich, dass auch viele von denen, die es angeblich gut mit den befreiten Sklaven meinten, bei genauerem Hinsehen auch nicht erheblich besser waren als die Sklavenbesitzer selbst. Aber Cora trifft auf ihrer Reise auch tatsächlich auf Menschen, die es aufrichtig gut meinen. Viele von ihnen sind Teil der Underground Railroad. Diese Menschen betreiben in der Version der Underground Railroad, wie Colson Whitehead sie beschreibt, tatsächliche Bahnhöfe. Es gibt Lokführer, ein Schienennetzwerk und versteckte Stationen. Zur damaligen Zeit waren unterirdisch fahrende Züge allerdings noch undenkbar. Ich habe mich nach der Lektüre noch ein bisschen mit dem Thema beschäftigt, weil mich die Handlung nicht losgelassen hat - es ist wirklich interessant herauszufinden, wie die historische Underground Railroad wohl wirklich funktioniert hat. Underground Railroad ist ein Buch, das seine Leser auch nach der Lektüre noch beschäftigt - mir ging es jedenfalls so. Ich habe während des Lesens gebangt, gehofft, war empört über das Verhalten einiger vermeintlicher Helfer Der Roman wurde meiner Meinung nach völlig zu Recht mit dem Pulitzer Preis 2017 ausgezeichnet.
Ein Stück Geschichte - brutal, widerwärtig, ehrlich
von Tiana - 22.10.2017
Mit dem Buch Underground Railroad ist Colson Whitehead die sprachlich absolut gelungene Umsetzung des wohl dunkelsten Teils amerikanischer Geschichte gelungen. Das Buch handelt von der jungen Sklavin Cora, die sich so sehr nach Freiheit sehnt, dass sie eines Nachts gemeinsam mit Caesar von der Plantage flüchtet. Hilfe bekommen die beiden immer wieder von der Underground Railroad, einer Organisation, die entflohene Sklave an (vermeintlich) sichere Orte bringt. Die Underground Railroad existierte wirklich - Colson Whitehead hat jedoch einen Brückenschlag zwischen Fakten und Fiktion gewagt und in seinem Buch eine richtige Eisenbahnlinie entstehen lassen. Ich finde dies sehr gelungen, da man als Leser so einen deutlich leichteren Zugang zu dieser Organisation und deren Arbeitsweise bekommt. Cora gelingt zunächst die Flucht, doch ihre neu errungene Freiheit ist nicht das, was sie sich darunter vorstellt - immer wieder muss sie sich verstecken und weiterflüchten, um nicht entdeckt und zur Plantage zurückgebracht oder womöglich gehängt zu werden. Das Leben der Sklaven auf den Plantagen wird mit brutaler Ehrlichkeit erzählt. Schläge, Verstümmelungen, Vergewaltigung und Tod sind Alltag bei denjenigen, von denen das Buch erzählt. Das alles geht einem bei der Lektüre sehr nahe. Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen, da es nicht nur sprachlich und von den Charakteren her überzeugt, sondern weil es die längst überfällige Aufarbeitung dieses Themas darstellt - vor dem Hintergrund der derzeitigen politischen Lage in den USA hätte auch der Zeitpunkt für das Erscheinen des Buches nicht besser gewählt sein können!
»Aber über den wahren Zustand der Welt wollte niemand sprechen. Und davon hören
von Tarika - 21.10.2017
Cora wurde als Sklavin auf einer Baumwollplantage Georgias geboren. Dort wird sie wie viele versklavte Schwarze schlechter behandelt als Tiere, und ein Ende der Sklaverei ist nicht in Sicht. Von der Freiheit kann sie nur träumen, doch dann bietet sich eine Gelegenheit als sie von der Underground Railroad hört. Mit ihr gelingt ihr die Flucht von der Plantage in Georgia, doch Freiheit scheint ein fernes Land, denn auf ihrer Reise erlebt sie unvorstellbares und begegnet neuen Gefahren. Underground Railroad von Colson Whitehead wurde 2017 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet, "für eine intelligente Verschmelzung von Realismus und Allegorie, die die Gewalt der Sklaverei und das Drama der Flucht in einem Mythos verbindet, der das Amerika von heute anspricht". Meiner Meinung nach eine verdiente Auszeichnung. Whitehead hat für sein Werk Zeugenberichte von ehemaligen Sklaven recherchiert und vermischt hier Fakten zur Underground Railroad mit Fiktion, z. B. handelte es sich bei der Underground Railroad um ein Netzwerk, das Sklaven bei der Flucht aus den Südstaaten der USA unterstützte. Im Gegensatz zu Whiteheads Roman war die Underground Railroad also weder eine echte Eisenbahn, noch verlief sie im Untergrund. Aber gerade dieser fiktionale Anteil an der Geschichte macht das Netzwerk zur Fluchthilfe für den Leser greifbarer und leichter vorstellbar. Eingestreut werden auch immer wieder tatsächlich veröffentlichte Steckbriefe entlaufener Sklaven. Dadurch entsteht ein beeindruckendes Gesamtbild, neben der Geschichte verschiedener fiktionaler Personen, von Schwarzen wie von Weißen, sowie den Erlebnissen von Cora auf ihrer Flucht. Erlebnisse, die zwar fiktional sind, aber im dargestellten Hintergrund dennoch einer gewissen Realität entspringen zu erscheinen. Das ist es auch, was dieses Buch auszeichnet. Denn das Bild, was sich hier darstellt, zeigt die erschreckenden Ereignisse, zu denen der Mensch fähig ist. Doch nicht nur Sklaverei, sondern auch Rassismus lässt sich hier wiederfinden und bedient somit immer noch ein aktuelles Thema, wodurch das Buch noch lange nachklingt. Underground Railroad bedient sich einem Thema, das an Aktualität nichts verloren hat. Whitehead schafft es, die Fiktion so gekonnt mit dem historischen Hintergrund zu verweben, dass Realität und Sinnbild sich in einem erschreckend realen Bild vereinigen und somit den Leser noch eine Zeit lang nachdenklich zurücklässt.
Ein widerwärtiges Stück amerikanische Geschichte
von calimero8169 - 21.10.2017
Inhalt Cora, deren Großmutter auf einem Sklavenschiff verschleppt wurde, ist nur eine der unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantage Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alleträumen von der Flucht - doch wie und wohin? Caesar, ein Leidensgenosse, erzählt Cora von derUnderground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangensie in den Untergrund, und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben,Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Stationsvorstehern begegnen. JederStaat, den sie durchqueren, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet hinter der letztenGrenze wirklich die Freiheit? Eindruck Seite 253 - So viele Jahre später ist mir der amerkikanische Geist lieber, der jenige, der uns ausder Alten Welt in die neue gerufen hat, damit wir erobern, aufbauen und zivilisieren. Und zer-stören, was zerstört werden muss. Um die unbedeutenderen Rassen emporzuheben. Und wennnicht emporzuheben, dann zu unterwerfen. Und wenn nicht zu unterwerfen, dann auszurotten.Unsere Bestimmung kraft göttlicher Vorschrift - der amerikanische Imperativ. Der amerikanische Imperativ - was für ein Witz. Jeder Amerikaner sollte sich einmal mehrumschauen, und sich fragen, ob sein dunkelhäutiger Nachbar nicht vielleicht ein Verwandter ist,weil der Vater, Großvater oder Urgroßvater vielleicht eine jener jämmerlichen Kreaturen war,der andere Menschen als unwürdirge Rasse tituliert hat, sich aber heimlich, still und leise an denkleinen schwarzen Mädchen vergriffen und sie mißbraucht hat. Seine Kinder, die daraus her-vorgekommen sind aber entsorgt hat, weil sie ja die Schändlichkeit, die Schwachheit und die Abartigkeit seiner Handlung hat sichtbar werden lassen. Underground Railroad ist ein weiteres Werk über eine der größten Widerwärtigkeiten der amerikanischen Geschichte und wenn ich diese Bücher lese, bin ich zwar froh amerikanischeWurzeln zu haben, aber nicht dort aufgewachsen zu sein. Die Arroganz und Abfälligkeit mit dergegen Menschen vorgegangen worden ist, ist auch nach all den Jahrzehnten immer noch nicht zu fassen und zu verstehen. Steckbriefe mit denen geflohene Sklaven denunziert und vogelfreigegeben wurden, Lynchjustiz und Folter bis zum Tod - es ist einfach nur ekelhaft. Vor Augen führen sollten sich alle Rassisten, dass die Wiege der Menschheit Afrika ist, somit sollte jedem klar sein, dass, wenn mit seiner DNA auf Weltreise gehen würde, vielleicht Dinge dabei ansTageslicht kommen, die ihm überhaupt nicht gefallen. So eine genetische Weltreise sollteich an Anbetracht der politischen Strömungen Pflicht werden. Colson Whitehead hat uns in seinem Roman auf die Odyssee von Cora mitgenommen, die eine Flucht gewagt hat. Er hat uns an ihren Strapazen, Ängsten aber auch Freuden teilhabenlassen. Allerdings bin ich mit Colsons Scheibstil nicht wirklich klar gekommen. Anfangs fandich es noch sehr gut, dass er auf übermäßige Gefühlsduselei verzichtet hat, allerdings war dieGeschichte dann doch gänzlich emotionslos und steif. Die Charaktere sind mir bis zum Endeeher fremd geblieben.Und was mir gar nicht gefallen hat, war die Darstellung der Underground Railroad als unter-irdischer Zug. Das ist es definitiv nie gewesen - lediglich die Begriffe wurden genutzt umsich halbwegs sicher zu verständigen - und ich finde damit wurde dieser großartigenOrganisation, die so wahnsinnig viel für die Sklaven getan hat, zu wenig Rechnung getragen und ich bin der Meinung, dass dieses Buch eine solche Darstellung nicht nötig gehabt hätte. Die Arbeit, die Gefahren, der Mut und die Courage der vielen Menschen die unter Einsatz ihres eigenen Lebens so vielen und doch so wenigen geholfen haben, kam mir viel zu kurz. Fazit Gutes Buch über eine grandiose Organisation der Vereinigten Staaten, das mich aber leider wegen der steifen, hölzernen Schreibweise und der Fiktion eines unterirdischen Zuges nicht hatmitreißen können.
Coras hartes Leben
von Langeweile - 17.10.2017
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Cora, eine junge Sklavin. Wie schon ihre Mutter und ihre Großmutter lebt sie unter menschenunwürdigen Verhältnissen auf einer großen Farm. Wie alle ihre Mitbewohner träumt sie von einem Leben in Freiheit. Als sie von der Underground Railroad hört, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven, ist sie zuerst skeptisch. Dann jedoch begibt sie sich zusammen mit Caesar, einem Leidensgenossen, auf den Weg in die Freiheit. Es ist der Beginn einer abenteuerlichen Reise, auf welcher sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch helfenden Händen begegnet. Wartet am Ende der Reise wirklich die Freiheit? Meine Meinung: Da das Buch den Pulitzerpreis gewonnen hat, begann ich mit großen Erwartungen zu lesen. Die Geschichte begann spannend und vermittelte mir neues Wissen. Von der Underground Railroad hatte ich bisher noch nichts gehört, obwohl ich schon mehrere Bücher zum Thema Sklavenhaltung gelesen hatte. Dann jedoch verlor sich die Geschichte in immergleichen Abhandlungen, die Spannung ließ mehr und mehr nach. Obwohl mich Coras Schicksal sehr interessierte, konnte ich mich mit ihr nicht anfreunden. Das lag sicherlich zum großen Teil an dem sehr emotionslosen Schreibstil. Fazit: Ein Buch zu einem sehr interessanten Thema, was mich dennoch ziemlich enttäuscht zurücklässt.
Die düstere Vergangenheit der Sklaverei Amerikas
von claudi-1963 - 09.10.2017
Die Menschen tragen Ketten und sind Sklaven; aber sie sind nicht geboren, es zu sein, und haben die Hoffnung nicht verloren, wieder frei zu sein. (Matthias Claudius) Cora arbeitet ebenso wie ihre Großmutter auf der Randall Farm, für sie gab es nie etwas anderes, als Sklavin sich auf Plantagen zu schinden. Eines Nachts flüchtet dann Coras Mutter von der Farm und lässt ihre Tochter alleine bei ihrer Mutter zurück. Cora kann nicht nachvollziehen, warum sie, sie ganz alleine gelassen und nicht mitgenommen hat. Nach dem Tod des alten Plantagenbesitzer Randall wird die Farm an seine Söhne vermacht, die diese genauso herzlos weiterführen. Unter unerträglichen Bedingungen müssen die Sklaven der Randalls Bauwolle säen und ernten. Doch eines Tages tritt Caesar an Cora heran und offenbart ihr das er flöhe und sie mitnehmen möchte. Erst verneint Cora diesen Vorschlag, den selten ist einem Sklaven so eine Flucht gelungen und wenn man sie gefasst hätte, wäre dies ihr Todesurteil gewesen. Ein paar Tage später wusste Cora das, wenn sie jetzt nicht flieht, dies ihr Leben lang bereuen würde. Zusammen wollen sie mit der Underground Railroad in ein neues Leben fliehen. Dabei wird Ridgehead einer der berüchtigten Sklaveneintreiber, die beiden unerbittlich verfolgen, um sie an Randall auszuliefern, den dieser hat ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Es beginnt eine abenteuerliche Reise bei denen sie heldenhafte Bahnhofswärter, Kopfgeldjäger und Leichendieben begegnen und überall lauern Gefahren. Werden sie ihre Freiheit wirklich finden? --- Meine Meinung: Mit Colson Whitehead ist hier ein fiktiver Roman erschienen, der die qualvolle Wirklichkeit der Sklaven in den USA widerspiegelt. Zur Vorlage nahm sich der Autor mehrere Slave narrative Vorlagen und gestalte damit einen fiktiven Roman, den es so nicht gab. Aber wenn man dieses Buch gelesen hat, kann man sich gut vorstellen, das es so gewesen sein könnte. Das Netzwerk der Underground Railroad gab es in Wirklichkeit, mit dieser wurden tatsächlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts Sklaven zur Flucht verholfen. Der Schreibstil ist sehr gut, schade nur das dem Buch ein wenig die Emotionen fehlen, trotzdem hat es mich zu tiefst bewegt. Entsetzt hat mich auch, das ab dem Jahr 1776, 460 000 Sklaven in die USA verschleppt und als billige Arbeitskräfte gehalten wurden. Ich denke dabei immer an eine damalige Fernsehserie Roots bei denen dies auch drastisch geschildert wurde. Selbst heute noch muss die schwarze Bevölkerung mit vielen Benachteiligungen in der ganzen Welt, vor allem aber in den USA leben. Deshalb auch stellvertretend dieses Buch, für alle jene Sklaven, die bisher ihr Leben lassen mussten. Ausgezeichnet wurde es mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer Preis 2017. Ein Buch, das man gelesen haben sollte und von mir 5 von 5 Sterne bekommt.
Aufwühlender Roman
von Glücksklee - 05.10.2017
Bei dem Roman "Underground Railroad" von Colson Whitehead habe ich mich für die Hörbuchfassung, gelesen von Helene Grass, entschieden und ein paar wirklich spannende und aufreibende Stunden damit zugebracht, mir Coras Geschichte anzuhören. Zum Inhalt Die Geschichte beginnt eigentlich mit Coras Großmutter, die auf einem Sklavenschiff nach Amerika gebracht wird und dort als Sklavin ihr Leben auf einer der zahlreichen Baumwollplantagen verbringt. Dort wird ihre Tochter geboren, die wiederum ihre eigene Tochter, Cora, dort zur Welt bringt. Das Leben auf der Plantage ist hart, bestimmt von der Willkür und Brutalität der Plantagenbesitzer und der Aufseher. Als ihr von Caesar, der ebenfalls als Sklave auf der Baumwollplantage lebt, vorgeschlagen wird, mit Hilfe der Underground Railroad zu fliehen, ergreift Cora diese Chance. Meine Meinung Bevor ich das Buch gelesen bzw. gehört habe, war mir zwar das Thema der Sklavenarbeit in den Südstaaten von Amerika bekannt, allerdings hatte ich noch nie etwas von der Underground Railroad gehört. In Colson Whiteheads Roman ist die Underground Railroad tatsächlich ein unterirdisches Schienennetz, die geflohenen Sklaven werden von unterirdischen Zügen von einem Ort zum nächsten gebracht. Ein wenig Recherche hat ergeben, dass es sich bei der tatsächlichen Underground Railroad eher um ein informelles Netzwerk von Gegnern der Sklavenhaltung handelte, die die Begriffe rund um die Zugfahrt dazu nutzten, um miteinander zu kommunizieren. Colson Whiteheads Variante von den unterirdisch fahrenden Zügen und den verschiedenen Zugstationen, in denen sich Cora und zum Teil ihr Begleiter Caesar wiederfinden, hat mir jedoch auch sehr gut gefallen. Die Stationsvorsteher und Helfer der Underground Railroad sind ein Lichtschimmer in der ansonsten sehr bedrückenden Handlung des Romans. Cora macht sich auf die Suche nach der Freiheit, die man ihr, von Geburt an, vorenthalten hat. Schonungslos wird dem Leser vor Augen geführt, was es bedeutet hat, zur damaligen Zeit ein Sklave zu sein. Man schöpft mit Cora Hoffnung, um diese wieder zerschlagen zu sehen, drückt ihr die Daumen, dass ihre Reise doch noch ein gutes Ende nehmen wird. Das Buch ist definitiv keine leichte Kost, das Thema berührt und wühlt einen auf und damit ist es Colson Whitehead meiner Meinung nach gelungen, einen starken, aussagekräftigen Roman zu schreiben, der ein trauriges Kapitel in der Geschichte beleuchtet. Helene Grass hat mir als Sprecherin für diese Geschichte zudem außerordentlich gut gefallen. Sie hat eine angenehme Stimme und ich hatte, obwohl die Geschichte nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird, das Gefühl, dass es Cora ist, die diese Geschichte erzählt. Von mir erhält "Underground Railroad" fünf von fünf Sternen und eine absolute Leseempfehlung bzw. Hörempfehlung!
Die Schatten der Vergangenheit
von Pedi - 02.10.2017
Mit großer erzählerischer Kraft, eindrücklich und packend erzählt der Autor die Geschichte der jugendlichen Sklavin Cora, die Anfang des 19. Jahrhunderts auf einer Plantage in Georgia aufwächst, inmitten einer Welt voll Gewalt und Elend. Schwarze sind Ware, Besitzgegenstände, die nach Belieben verschoben, eingesetzt oder auch gezüchtigt und getötet werden dürfen. Dieses Besitzdenken ist fest in den Köpfen der weißen Bevölkerung verankert. Nur wenige Abolitionisten oder religiöse "Eiferer" verurteilen diese Praxis und werden von Befürwortern der Sklaverei fast genauso erbittert bekämpft und gehasst wie aufmüpfige oder geflohene Sklaven. Zusammen mit Caesar entschließt sich Cora zur Flucht. Und hier kommt die sagenhafte "Underground Railroad" ins Spiel. Diese bezeichnet ein weitgespanntes Netzwerk an weißen Gegnern der Sklaverei, freien Schwarzen und entflohenen Sklaven, die von den Nordstaaten aus operierten und Unterstützung bei der Flucht, Unterschlupf und Weitertransport in den Norden gewährten - meist unter akuter Gefahr des eigenen Lebens. Viele der grausamen und oft auch abartig sadistischen Praktiken, die Colson Whitehead im Umgang mit der "Ware Mensch" auf so unsentimental-lakonische wie ergreifende Weise schildert, beruhen auf Berichten Betroffener, den slave-narratives . Aber Colson Whitehead verfolgt keinen rein realistischen Erzählansatz. Eine Portion Fantastik fließt dadurch hinein, dass der Autor das Hilfsnetzwerk der "Underground Railroad", die zur Tarnung mit Begriffen wie "Zugführer", "Passagier", "Station" etc. arbeitete, ganz wörtlich nimmt. So fliehen Cora und Caesar durch ein unterirdisches Eisenbahntunnelsystem gen Norden. Mir gefiel die Umsetzung und dieser Aspekt sehr gut, rückt es doch das Erzählte in den Bereich einer Allegorie - der Flucht, der Grausamkeit der Menschen, ihres Ausgeliefertsein, ihres Mut, ihrer Entschlossenheit. Auf keinen Fall verliert der Roman dadurch seine historische Glaubwürdigkeit, sondern weist direkt ins Heute. Dass Colson Whitehead mit diesem historischen Stoff die brandaktuelle Lage auf wirklich spannende, packende Weise und mit einer großartigen, rhythmischen Sprache derart deutlich macht und damit auch die unbedingte Notwendigkeit einer grundlegenden Aufarbeitung dieser dunklen Phase in der amerikanischen Geschichte, ist jeden der verliehenen Preise mehr als wert.
Der Mut, die Ketten zu sprengen...
von Martin Schult - 29.09.2017
Das Schicksal von Cora ist als Sklavin einer Baumwollplantage in Georgia vorprogrammiert. Sie hat die täglichen schweren Arbeiten auf der Plantage zu verrichten und muss sich der Willkür und den Gewalt-taten ihrer Besitzer beugen. Als sie eines Tages von einem Leidens-genossen namens Caesar gefragt wird, das scheinbar Unmögliche zu wagen und aus dieser grausamen Welt zu fliehen, zögert sie anfangs, ist dann aber bereit das große Risiko einzugehen. Beide hoffen auf bei ihrem Vorhaben auf die Hilfe der Underground Railroad , einer Organisation von aufopferungsvoll kämpfenden Menschen, welche Sklaven die Flucht aus ihrem erniedrigenden Leben ermöglichen möchte. Nachdem der erste Schritt getan ist, gibt es keinen Weg mehr zurück und eine gefährliche und beschwerliche Zeit steht den Beiden bevor... Im Vorfeld habe ich schon viel Gutes über Underground Railroad gelesen und zudem kann der Autor Colson Whitehead bereits mehrere Preise für das Buch sein Eigen nennen. Meine Erwartungen waren dementsprechend groß und wurden auch voll erfüllt. Colson Whitehead erzählt die Geschichte der Sklavin Cora in einem bildreichen und durchaus anspruchsvollen Schreibstil, der dem schweren Thema der Sklaverei gerecht wird. Er beschreibt schonungslos und offen die Gräueltaten der damaligen Zeit ohne ein Blatt vor dem Mund zu nehmen. Gleichzeitig gelingt es ihm aber auch, niemals mit seinen Schilderungen reißerisch zu wirken, so dass die Ernsthaftigkeit des Buches niemals in Abrede gestellt werden kann. Es ist sehr ergreifend die Hauptprotagonistin auf ihrer Flucht durch das grausame Amerika der damaligen Zeit zu begleiten. Durch die unterschiedlichen Stationen, die Cora auf ihrer Flucht durchläuft, gewährt Colson Whitehead einen sehr facettenreichen Blick auf die dunkle Zeit der amerikanischen Geschichte. Der Autor verbindet in seinem Buch Fiktion mit der Realität. So gab es die bewundernswerte Organisation Underground Railroad wirklich, nur instrumentalisiert Colson Whitehead sie in seinem Roman mit einer unterirdischen Bahnstrecke. Dies lässt die Organisation greifbarer und nachvollziehbarer erscheinen. Die Atmosphäre des Buches ist allein schon durch die Thematik sehr düster, was durch die teilweise sehr sachlichen und nicht emotionalen Schilderungen der Flucht noch verstärkt wird. Aus meiner Sicht ist Underground Railroad ein Fingerzeig auf eine dunkle Stunde der Geschichte der Menschheit, welche sich nicht wiederholen darf. Es soll aus historischen Ereignissen gelernt werden, so ist es durchaus sinnvoll sich die unmenschlichen Szenarien der Vergangenheit klar vor Augen zu führen und seine Konsequenzen daraus zu ziehen. Mich hat das Buch nachdenklich zurückgelassen und aufgrund seines aktuellen Bezuges möchte ich es sehr gerne weiteren Lesern ans Herz legen. Da ich den Roman für so wertvoll halte bewerte ich ihn mit vollen fünf von fünf Sternen.
Bedrückende Geschichtsstunde
von anushka - 28.09.2017
Georgia, Anfang des 19. Jahrhunderts: Cora ist schon als Sklavin auf der Baumwollplantage der Randalls geboren. Als Cesar sie bittet mit ihm zu fliehen zögert sie zunächst. Doch dann hört sie von einem Netzwerk, das Sklaven bei der Flucht hilft, der Underground Railroad, und entscheidet sich um. Nach den Grausamkeiten, die Cora auf der Farm erlebt hat, sowohl durch den Besitzer und die Aufseher, wie auch durch andere Sklaven, lernt sie nun die Gesellschaft dahinter kennen, die es mit ihren obskuren Ansichten zur natürlichen Ordnung der Rassen überhaupt erst ermöglicht hat, dass Weiße Schwarze entführen, besitzen und aufs Grausamste quälen. Sie lernt aber auch ein anderes Amerika kennen: Menschen, die diese Ansichten in Frage stellen und entlaufenen Sklaven helfen wollen. Dabei lernt sie unterschiedliche Modelle kennen und gelangt trotzdem immer wieder zur schmerzlichen Einsicht, dass Menschen dunkler Hautfarbe in Amerika als minderwertig betrachtet werden. Während Cora sich unter anderem monatelang auf einem Dachboden vor ihren Mitmenschen und einem hartnäckigen Sklavenjäger versteckt, führt ihre Geschichte dem Leser vor Augen, was für bedauernswerte und schreckliche Schicksale hunderttausende entwurzelte Menschen ertragen mussten und welche Zustände auch untereinander herrschten, die fast jeden Funken Menschlichkeit erstickten. Colson Whitehead hat meiner Meinung nach zu Recht den Pulitzer Preis für dieses Buch bekommen. Er legt die Wurzel der auch heute noch existierenden Diskriminierung der farbigen Bürger Amerikas frei und beleuchtet sie schonungslos. Dieser Schonungslosigkeit kann sich der Leser nur wenig entziehen und so muss man dabei sein, wenn Sklavenhälter ihren Sadismus ausleben und sich möglichst abschreckende Misshandlungen ausdenken und sie umsetzen. Etliche Gewaltszenen waren schwer zu ertragen; noch schwerer, wenn man sich vorstellt, dass solche oder ähnliche Dinge wirklich passiert sind. Durch Perspektivenwechsel werden auch die fehlgeleiteten Ansichten deutlich, die die Sklaverei überhaupt erst ermöglichten. Gleichzeitig wird Whitehead für meinen Geschmack an manchen Stellen zu plakativ. Dadurch, dass er die Metaphern des Fluchtnetzwerks wörtlich umsetzt, bekommt die Geschichte einen fantastischen Hauch, der meiner Meinung nach nicht zu ihr passte. Auch hätte ich mir ein Nachwort des Autors dazu gewünscht, ob es die verschiedenen Modelle der verschiedenen Staaten, mit (entlaufenen) Sklaven umzugehen, so wirklich gegeben hat. Der Stil ist eher distanziert, und doch ist die Geschichte dadurch nicht weniger unmittelbar. Whitehead vermag, den Leser direkt auf die Plantagen Georgias und zwischen die Hütten der Sklaven zu versetzen. Der Stil bewirkt dabei den Eindruck die Greueltaten in ihren Auswirkungen durch die Augen von Menschen zu sehen, die nach und nach abgestumpft und innerlich erloschen sind. In anspruchsvoller Sprache lässt der Autor die Zeit bildgewaltig wiederauferstehen und beschönigt dabei nichts: das Leben unter Sklaven ist genau so ein Überlebenskampf wie auf den Feldern ringsherum und auch hier herrscht Gewalt, was ich bislang selten thematisiert gesehen habe in Bücher zu diesem Thema. Wenig passend zum literarischen Stil fand ich die eher thrillerartige Wendung und zusammen mit der manchmal fehlenden Subtilität führt das in meiner Wahrnehmung des Buches zu kleinen Abstrichen. Insgesamt ist das Buch jedoch empfehlenswert, zumindest für Leser, die die ein oder andere Schilderung von Grausamkeiten ertragen können. Underground Railroad ist ein sehr gut lesbarer Pulitzer-Preisträger.
Die lange Flucht im Untergrund
von jenvo82 - 25.09.2017
"Die Wahrheit war eine wechselnde Auslage im Schaufenster, von menschlicher Hand verfälscht, wenn man gerade nicht hinsah, verlockend und stets außer Reichweite." Inhalt Cora wird als Kind einer Sklavin mitten hinein in ein menschenunwürdiges Leben geboren. Sie wächst auf einer Baumwollplantage in Georgia auf und wird mit 10 Jahren von ihrer Mutter im Stich gelassen, als diese beschließt, zu fliehen und der Farm unerlaubter Weise den Rücken zu kehren. Fortan muss sich das Mädchen allein durchschlagen und wird auch bald unter Ihresgleichen ausgebeutet und in die Hob verbannt, einen Ort an dem all jene leben, von denen niemand etwas wissen will und die gnadenlos aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Demütig erträgt Cora ihr Leid, bewahrt sich aber auch ihren Stolz und beginnt erst ernsthaft über die eigene Flucht nachzudenken, nachdem ihr der junge Sklave Caesar den Vorschlag gemacht hat, mit ihr gemeinsam über die sagenumwobene "Underground Railroad" - einer Eisenbahnlinie unter der Erde, dem unausweichlichem Schicksal zu entkommen. Gemeinsam gelingt es ihnen dank einiger Verbündeter, die gefährliche Reise anzutreten und weiter nördlich ein besseres Zuhause zu finden. Doch ihre Häscher sind ihnen dicht auf den Fersen und der Abstand wird immer geringer. Als die beiden schließlich getrennt werden, muss sich Cora alleine durchschlagen, wenn sie überleben will. Ihre Odyssee durch das Land beginnt, gebeutelt von Verrat, gemildert durch wenige Menschen, die ein Herz haben, reist sie von Bundesstaat zu Bundesstaat und begegnet dem ganzen Ausmaß der Sklaverei, erkennt die vielen Formen der Gewalt und hofft dennoch auf ein Leben in Freiheit, wenn auch in ferner Zukunft Meinung Der amerikanische Autor Colson Whitehead hat mit diesem Roman ein ganz besonderes Buch geschaffen, indem sich auf angenehme Art und Weise Realität und Fiktion vermischen. Seine erfundene Eisenbahnlinie unterhalb der Erde mit dunklen Stationen in engen Tunneln ist zwar erfunden, doch die Organisation selbst, die es einigen Leibeigenen ermöglicht hat, ein besseres Leben in einem anderen Land zu finden, gab es sehr wohl. Doch nicht nur dieser gelungene Mix macht den Roman so besonders, sondern in erster Linie der schonungslose Blick auf ein düsteres Kapitel der Menschheitsgeschichte. Sehr detailliert und ausdauernd beschreibt er die Sklaventreiberei, die alltäglichen Lebensumstände dieser "Untermenschen", die von ihren Besitzern schlimmer noch als manches Tier behandelt werden. Und so kommt einen die Aussage des Buches nicht wie ein trauriges Einzelschicksal vor, sondern wie ein Schreckensbildnis der Tyrannei. Gerade dieser historische, undankbare Aspekt, der zwischen Willkür, Gräueltaten und Massenmord angesiedelt ist, untermalt die gesamte Geschichte und brennt sich ins Gedächtnis des Lesers. Dabei legt Whitehead großen Wert auf die Charakterisierung seiner Protagonisten, die der Geschichte die notwendige Innerlichkeit geben. Ihre Handlungen und Gedanken werden vortrefflich eingefangen und sehr menschlich und direkt wiedergegeben. Fast wie der Tropfen auf dem heißen Stein erscheint dieses willkürliche Betrachten eines erbarmungswürdigen Lebens, doch niemals gewinnt das Mitleid die Oberhand sondern vielmehr die Wut auf all jene, die es vermocht haben, Menschen wie Abfall zu behandeln. Und so offenbart sich dem Leser die Hölle, deren Wurzeln zwar in der Vergangenheit liegen aber auch heute noch unerschütterliche Präsenz haben. Ein kleiner Makel, der keiner ist, weil er hervorragend zur Geschichte passt, ist diese allesumfassende Schwere, die bedrückende Stimmung und dieser viel zu kleine Hoffnungsschimmer, der nicht einmal glimmt, geschweige denn brennt. Stellenweise mochte ich das Buch mit all seinen Facetten nicht wahrnehmen, weil ich immer noch geglaubt habe, dass am Ende des Weges etwas wartet, für dass sich dieses dargestellte Leben lohnt. Doch so gut, wie sich das Ende des Textes in das Gesamtkonzept des Buches einfügt, mir war die Geschichte etwas zu düster und schwer, auch und vor allem, wegen der Echtheit der Gefühle und der Realitätsnähe, die man trotz aller Fiktion sehr unmittelbar spürt. Fazit Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen wichtigen zeitgenössischen Roman, der der Thematik Sklaverei, Ausbeute und Misshandlung einen sehr hohen Stellenwert einräumt und Geschichte greifbar macht. Zurecht hat dieses Buch seine Auszeichnungen bekommen und es ist ein nachhaltiges, wenn auch schwer verdauliches Werk über Menschen und die Auswüchse ihrer Unbarmherzigkeit, die sich in einer maßlosen Selbstüberschätzung äußern.
Schonungslos und kritisch
von Anonym - 12.09.2017
Meine Meinung: In "Underground Railroad" berichtet Colson Whitehead schonungslos, was Cora auf ihrer Flucht zustößt und auch, was ihr in ihrer Vergangenheit widerfahren ist. Er beschönigt nichts und spricht neben der Versklavung der farbigen Menschen, auch den Mord und die Vertreibung der Ureinwohner an. All seine Worte sind so gewählt, dass man sie auch in die heutige Zeit übertragen kann, womit er offen Kritik an der derzeitigen Situation und der Vergangenheit der Vereinigten Staaten ausübt. Als Metapher für das als "Underground Railroad" bezeichnete Hilfsnetzwerk, welches real existierte, lässt er seine Protagonistin mit einem Zug von Station zu Station reisen. Und jede dieser Stationen hält ganz neue Eindrücke und Gefahren für Cora bereit. Zwischen den Staaten-Kapiteln sind immer wieder Kapitel über verschiedene Personen angebracht. Anfangs war dies verwirrend, doch im Nachhinein betrachtet, fügen diese sich gut in die Geschichte ein. Whitehead hat einen sehr besonderen, einprägsamen, doch ebenfalls anspruchsvollen Schreibstil, wodurch immer ein paar Seiten nötig waren, um diesem wieder folgen zu können. Der Mittelteil war eher zähflüssiger und kann wohl als Ruhe vor dem Storm bezeichnet werden, denn die letzen einhundert Seiten sind noch einmal sehr nervenaufreibend, vor allem das Ende ist aufwühlend und emotional. Das Buch erinnert an einen Bericht. Es enthält überwiegend Schilderungen und wenig Gesprochenes zwischen den Charakteren. Teilweise zogen sich Absätze damit doch sehr in die Länge. Dies gleicht Whitehead mit seinem bereits erwähnten Schreibstil und seinem großartigen Sprachgefühl aus und scheint immer die richtigen, vor allem tiefgründigen, Worte zu finden. Sowohl für Kritik... "Geraubte Körper bearbeiteten geraubtes Land" (S. 138) ...als auch für hoffnungsvolle Szenen. "Mag sein, dass wir den Weg durch den Wald nicht kennen, aber wir können einander aufhelfen, wenn wir hinfallen, und wir werden gemeinsam ankommen." (S. 327) Noch nie habe ich in einen Buch so viele Stellen markiert, die mich berührt und nachdenklich gemacht haben. Colson Whitehead hat mit seinem Buch einen gut recherchierten, mit viel eigener Kreativität angereicherten, gesellschaftskritischen Roman verfasst. Fazit: Hemmungslos erzählt Whitehead von der Flucht der jungen Cora, übt Kritik am Staat und begeistert mit seiner Wortwahl. Ein gelungener Roman der nachwirkt und beschäftigt. Das Buch erhält von mir 4,5 von 5 Sternen.
von dorli - 12.09.2017
Georgia, 19. Jahrhundert. Cora ist Sklavin auf der Baumwollplantage der Randalls. Sie hat sich zu einer Einzelgängerin entwickelt, nachdem ihre Mutter geflohen ist und sie im Alter von elf Jahren zurückgelassen hat. Coras Leben ist geprägt von harter Arbeit unter unmenschlichen Bedingungen, von Intrigen, Gewalt und Misshandlungen. Als der Sklave Caesar davon spricht, gemeinsam zu fliehen, lehnt Cora zunächst ab, überlegt es sich dann jedoch anders - mit Hilfe der Underground Railroad soll die Flucht in den Norden gelingen Die Underground Railroad war ein im späten 18. Jahrhundert gegründetes Netzwerk, das Sklaven auf der Flucht unterstützt hat. Seinen Namen hat das Netzwerk zum einen bekommen, weil alle Aktivitäten im Geheimen, sprich im Untergrund durchgeführt wurden und zum anderen, weil man Eisenbahnbegriffe nutze, um verschlüsselt zu beschreiben, wie das System funktionierte. Colson Whitehead hat die historischen Fakten rund um dieses Helfernetzwerk genommen und daraus etwas Eigenes gemacht - er hat den im übertragenen Sinn genutzten Begriff zu einer realen Untergrundbahn werden lassen, deren Tunnel die Flüchtenden über versteckte Zugänge erreichen konnten, um dann unterirdisch mit ratternden Waggons außer Reichweite der Sklavenjäger zu gelangen. Schon nach wenigen Seiten hat mich Colson Whitehead in den Bann seiner Geschichte gezogen. Der Autor erzählt sehr anschaulich und eindringlich von Coras Erlebnissen und beschreibt das unsägliche Leid, die Schikanen und Misshandlungen, die die Sklaven ertragen mussten, genauso detailreich und realistisch, wie die waghalsige Flucht und die damit verbundenen Ängste, Gefahren und Rückschläge für Flüchtende und Fluchthelfer. Der Autor hat Cora mit einer starken Persönlichkeit ausgestattet. Er schildert die Odyssee dieser mutigen jungen Frau mit schnörkelloser, kraftvoller Stimme und lässt den Leser dabei die dramatischen und tragischen Momente wie auch die hoffnungsvollen Augenblicke hautnah miterleben. "Underground Railroad" lässt mich tief beeindruckt zurück. Diese mitreißend erzählte Mischung aus Historie und Fiktion hat mich von der ersten bis zur letzen Seite fest im Griff gehabt und mir nicht nur Einblicke in ein dunkles Kapitel amerikanischer Geschichte gewährt, sondern mich vor allen Dingen intensiv an dem Schicksal der einzelnen Akteure teilhaben lassen. Absolute Leseempfehlung!
Für mich insgesamt doch eher enttäuschend.
von Anonym - 10.09.2017
"Geraubte Körper bearbeiteten geraubtes Land. Es war eine Maschine, die niemals stillstand, ihr gieriger Kessel wurde mit Blut beschickt." (S. 138) "Underground Railroad" ist eines dieser Bücher, das im Vorfeld bereits stark beworben wurde, das es einem fast unmöglich macht, es zu übersehen. Und manchmal drängen sich diese Bücher derart auf, dass man es nicht schafft, sie weiterhin zu ignorieren. Wenn dann die Thematik sowieso dazu auserkoren ist, gelesen zu werden, ist es meist um mich geschehen. Genau so war es hier. Die Themen Rassismus, Sklaverei, Unterdrückung, Befreiung waren schon immer für mich ein Grund, zu Büchern zu greifen, die diese behandeln. Herzensangelegenheiten irgendwie. Und da ich über die Underground Railroad nicht viel wusste, war das Buch für mich Pflichtlektüre Warum mich trotz allem das hier besprochene Werk nicht so stark berührte, wie erhofft, werde ich versuchen darzulegen. Worum gehts überhaupt? Dies ist die Geschichte von Cora, einer von der Mutter verlassenen Sklavin, die sich nicht mit ihren Umständen arrangieren möchte. Gemeinsam mit einem anderen Gefangenen begibt sie sich auf die Flucht. Ein Akt der nur funktionieren kann, wenn mehrere Instanzen zusammen arbeiten, wenn Menschen ihr Leben riskieren, um dieser Unmenschlichkeit die Stirn zu bieten. Eine dieser Instanzen ist die Underground Railroad, eine unterirdische Eisenbahn, die Sklaven aus den Südstaaten in den Norden schmuggelt. Auf ihrer Reise muss Cora lernen, dass Freiheit ein sehr teuer erkauftes Gut ist zu einer Zeit, in der Menschen wie Objekte herumgereicht werden. Zuallererst einmal; das Buch ist nicht schlecht. Der Autor hat weder einen plumpen oder zu verschachtelten Sprachstil, er beschreibt teilweise sehr bedeutsame Szenen und bot mir teilweise neue Erkenntnisse. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Szene, in der ein dunkelhäutiger Junge, der vor dem Gesetz als frei gilt und freiwillig für einen Sklavenfänger arbeitet, sich vor dem Schlafen selbst an die Kutsche fesselt. "Er sagt, nur so kann er schlafen." (S. 233) Eine Szene, die sehr viel Aussagekraft hat und mich erschaudern ließ. Trotzdem, für mich ist es einfach nicht DAS Buch, für das es gehalten wird. Ich habe mich oft sehr intensiv mit Romanen beschäftigt, die um diese Schreckenszeit der amerikanischen Geschichte kreisen. Und Underground Railroad gehört für mich persönlich nicht zu den bedeutsamsten. Das Buch ließ mich im Großen und Ganzen tatsächlich seltsam unberührt. Einzelne Szenen hatten zwar das Potential, mir die Schuhe auszuziehen, aber das kann ich nicht von dem Gesamtpaket behaupten. Über längere Stecken empfand ich die Geschichte als zäh und dröge, und das bei einer Seitenzahl von ca. 350 Seiten. Zudem erschien mir die Protagonistin seltsam fern, tatsächlich wusste ich einen Tag nach Beenden des Buches nicht einmal mehr ihren Namen. Was ich von der Handlung insgesamt auch sagen kann. Im Gedächtnis bleiben wird sie mir nicht. Die Underground Railroad war außerdem nicht Hauptgegenstand des Romans. Durch externe Recherchen bekam ich dann das Wissen, das die Geschichte leider nicht vermitteln konnte. Abschließend muss ich sagen, dass der Autor es nicht geschafft hat, mich zu fesseln, zu unterhalten oder gar mich zu berühren (wie gesagt, bis auf einzelne Szenen). Das wäre möglicherweise anders, wenn das Buch für mich der Einstieg in die Thematik gewesen wäre, aber das kann ich natürlich nicht beurteilen.
Alle Kundenbewertungen anzeigen
Eigene Bewertung schreiben Zur Empfehlungs Rangliste
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
¹ Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche ge-
kennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben.
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.