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Die Haut

Roman. Originaltitel: La Pelle.
Buch (gebunden)
Neapel 1943: Die deutschen Nationalsozialisten werden von den Neapolitanern vertrieben, die Alliierten sind gelandet und kämpfen gemeinsam mit den italienischen Widerstandskämpfern. Doch mit den Befreiern verbreitet sich ein anderes Üb… weiterlesen
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Die Haut als Buch

Produktdetails

Titel: Die Haut
Autor/en: Curzio Malaparte, Ralph Jentsch, Thomas Steinfeld

ISBN: 3552053689
EAN: 9783552053687
Roman.
Originaltitel: La Pelle.
Übersetzt von Hellmut Ludwig
Zsolnay-Verlag

4. März 2006 - gebunden - 448 Seiten

Beschreibung

Neapel 1943: Die deutschen Nationalsozialisten werden von den Neapolitanern vertrieben, die Alliierten sind gelandet und kämpfen gemeinsam mit den italienischen Widerstandskämpfern. Doch mit den Befreiern verbreitet sich ein anderes Übel in der Stadt. "Es waren die Tage der 'Pest' in Neapel." So beginnt Curzio Malapartes skandalöser Roman "Die Haut", der unmittelbar nach seinem Erscheinen 1949 vom Vatikan auf den Index gesetzt wurde, seinen Verfasser jedoch schlagartig weltberühmt machte. Einen Tanz auf dem Vulkan beleuchtet dieser reportagehafte Roman voller schockierender Bilder, dem zu folgen auch ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung verstört.

Portrait

Curzio Malaparte, 1898 in Prato, nahe Florenz, als Sohn eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter unter dem Namen Kurt Erich Suckert geboren, gestorben 1957. Er arbeitete als Journalist, u.a. beu La Voce, La Stampa und Corriere della Sera. Seine Bücher erreichten Millionenauflagen und wurden in alle Sprachen der Welt übersetzt. 2004 erschien bei Zsolnay Kaputt, 2006 folgte der Roman Die Haut.

Leseprobe

1.
DIE PEST
Es waren die Tage der Pest in Neapel. Jeden Nachmittag um fünf Uhr, nach einer halben Stunde Punchingball und einer heißen Dusche in der Sporthalle der P.B.S., Peninsular Base Section, gingen Colonel Jack Hamilton und ich zu Fuß zur Piazza San Ferdinando hinab; mit den Ellbogen mußten wir uns einen Weg durch die Menschenmenge bahnen, die sich vom frühen Morgen bis zur abendlichen Sperrstunde lärmend auf der Via Toledo drängte.
Wir waren sauber gekleidet, gebadet, wohlgenährt, Jack und ich, inmitten dieser elenden, schmutzigen, verhungerten, in Lumpen gekleideten, fürchterlichen Volksmassen Neapels, die von den aus allen Rassen der Erde bestehenden Soldatenscharen der Befreierheere hin und her gestoßen und in allen Sprachen, in allen Dialekten der Welt beschimpft wurden. Die Ehre, als erste befreit zu werden, hatte das Schicksal, unter allen Völkern Europas, dem neapolitanischen Volke zuteil werden lassen: Und um eine so wohlverdiente Belohnung festlich zu begehen, hatten meine armen Neapolitaner nach drei Jahren Hunger, Seuchen, wütender Bombardements dem Vaterland zuliebe die heiß ersehnte und beneidete, ehrenvolle Aufgabe bereitwillig übernommen, die Rolle eines besiegten Volkes zu spielen, zu singen, in die Hände zu klatschen, vor Freude zwischen den Ruinen ihrer Häuser zu tanzen, fremde bis zum Vortage noch feindliche Fahnen zu schwenken und aus den Fenstern Blumen über die Sieger zu streuen.
Aber trotz der allgemeinen aufrichtigen Begeisterung gab es nicht einen einzigen Neapolitaner in ganz Neapel, der sich als Besiegter gefühlt hätte. Ich vermöchte nicht zu erklären, wie dieses seltsame Gefühl in der Volksseele entstanden war. Es stand außer Zweifel, daß Italien, und somit auch Neapel, den Krieg verloren hatte. Es ist sicher weit schwieriger, einen Krieg zu verlieren als ihn zu gewinnen. Einen Krieg gewinnen - das können alle, aber nicht alle sind fähig, ihn zu verlieren. Doch genügt es nicht, den Krieg zu verlieren, um das
Recht zu haben, sich als besiegtes Volk zu fühlen. In ihrer von alters her überkommenen Weisheit, die aus der schmerzensvollen Erfahrung vieler Jahrhunderte gespeist wurde, und in ihrer aufrichtigen Bescheidenheit maßten sich meine armen Neapolitaner nicht das Recht an, sich als besiegtes Volk zu fühlen. Es war das ohne Zweifel ein schwerer Mangel an Takt. Aber konnten die Alliierten mit dem Anspruch auftreten, die Völker zu befreien und sie gleichzeitig zwingen, sich als Besiegte zu fühlen? Entweder frei oder besiegt. Es wäre ungerecht, dem neapolitanischen Volk einen Vorwurf daraus zu machen, wenn es sich weder frei noch besiegt fühlte.
Während ich neben Colonel Hamilton einherging, kam ich mir in meiner englischen Uniform erstaunlich lächerlich vor. Die Uniformen des italienischen Befreiungskorps waren alte englische khakifarbene Monturen, die vom britischen Oberkommando an Marschall Badoglio geliefert und intensivgrün, eidechsenfarben, umgefärbt worden waren, wohl um die Blutflecken und Durchschüsse zu überdecken. Es waren tatsächlich Uniformen, die man den vor El Alamein und Tobruk gefallenen britischen Soldaten abgenommen hatte. An meiner Jacke waren die Löcher von drei Maschinengewehr-Durchschüssen zu sehen. Mein Netzhemd, meine Bluse, meine Unterhose waren blutbefleckt. Selbst meine Schuhe stammten von der Leiche eines englischen Soldaten. Als ich sie das erstemal anzog, verspürte ich unter der Fußsohle ein Stechen. Ich dachte anfangs, daß sich im Schuh ein Stückchen Knochen des Toten festgesetzt habe. Es war ein Nagel. Es wäre wohl besser gewesen, wenn es sich wirklich um ein Stückchen Knochen des Gefallenen gehandelt hätte; es wäre viel leichter für mich gewesen, ihn zu entfernen. Ich brauchte eine halbe Stunde, um eine Zange aufzutreiben und den Nagel herauszuziehen. Man kann es nicht anders behaupten: Er hatte für uns wirklich gut geendet, dieser unsinnige Krieg. Er konnte sicherlich nicht besser enden. Unser Selbstgefühl als besiegte Soldaten war ge
rettet: Nunmehr kämpften wir an der Seite der Alliierten, um mit ihnen zusammen ihren Krieg zu gewinnen, nachdem wir den unseren verloren hatten; es war deshalb nur natürlich, daß wir in die Uniformen der von uns getöteten alliierten Soldaten gekleidet waren.
Als es mir endlich gelang, den Nagel zu entfernen und den Schuh anzuziehen, war die Kompanie, deren Führung ich übernehmen sollte, schon seit einer Weile im Hof der Kaserne angetreten. Die Kaserne war ein altes Kloster in der Gegend der Torretta, jenseits der Mergellina, im Laufe der Jahrhunderte und durch die Bombardements arg baufällig geworden. Der Hof in Form eines Kreuzganges war auf drei Seiten von einem Portikus mit mageren Säulen aus grauem Tuff umgeben, auf der vierten Seite von einer hohen gelben Mauer, bedeckt von Moderflecken und großen Marmortafeln, auf denen unter großen schwarzen Kreuzen lange Kolonnen von Namen eingemeißelt waren. Das Kloster war während einer früheren Cholera-Epidemie Lazarett gewesen, und dies waren die Namen der an der Cholera Gestorbenen. An der Mauer stand in großen schwarzen Buchstaben geschrieben: Requiescant in pace.
Oberst Palese wollte mich persönlich meinen Soldaten vorstellen, in einer jener traulichen Zeremonien, an denen alte Militärs so sehr hängen. Er war ein großer, hagerer Mann mit schlohweißen Haaren. Er drückte mir schweigend die Hand und seufzte wehmütig lächelnd. Die Soldaten - sie waren fast alle sehr jung und hatten sich gegen die Alliierten in Afrika und Sizilien gut geschlagen, und aus diesem Grunde hatten die Alliierten sie dazu ausgewählt, die Keimzelle des italienischen Befreiungskorps zu stellen - standen im Hofe angetreten, dort vor uns, und blickten auf mich. Sie trugen gleichfalls Uniformen, die man den vor El Alamein und Tobruk gefallenen englischen Soldaten abgenommen hatte, ihre Schuhe waren Schuhe von Toten. Ihre Gesichter waren bleich und abgezehrt, die Augen weiß und ohne Bewegung, aus einer weichen, trüben Materie gebildet. Sie bli
ckten starr auf mich, ohne, schien es mir, mit den Wimpern zu zucken.
Oberst Palese gab ein Zeichen mit dem Kopf, und der Feldwebel brüllte: Kompanie, stillgestanden! Der Blick der Soldaten ruhte schwer auf mir, mit der schmerzlichen Intensität des Blicks einer toten Katze. Ihre Gliedmaßen wurden regungslos, sie erstarrten im Stillgestanden. Die Hände, die die Gewehre preßten, waren weiß und blutleer: Die schlaffe Haut der Fingerspitzen hing herab wie das Leder eines zu weiten Handschuhs.
Oberst Palese ergriff das Wort und sprach: Ich stelle euch euren neuen Hauptmann vor -, und während er sprach, betrachtete ich diese italienischen Soldaten in ihren den englischen Gefallenen abgenommenen Uniformen, betrachtete die blutleeren Hände, die bleichen Lippen, die weißen Augen. Verschiedentlich, an der Brust, am Leib, an den Beinen wiesen ihre Uniformen schwarze Blutflecken auf. Plötzlich bemerkte ich mit Entsetzen, daß diese Soldaten tot waren. Sie dünsteten einen bleichen Geruch nach moderndem Stoff aus, nach faulendem Leder, nach in der Sonne dörrendem Fleisch. Ich sah Oberst Palese an, er war gleichfalls tot. Die Stimme, die von seinen Lippen kam, war feucht, kalt, klebrig, wie jene gräßlichen Gurgeltöne, die aus dem Munde eines Toten dringen, wenn man ihm mit der Hand auf den Magen drückt.
Lassen Sie rühren, sagte Oberst Palese zu dem Feldwebel, als er seine kurze Ansprache beendet hatte. Kompanie, rührt euch!, brüllte der Unteroffizier. Die Soldaten ließen sich, den linken Fuß wegsetzend, in eine lässige und müde Haltung gleiten und betrachteten mich mit weichem, abwesendem Blick. Und jetzt, sagte Oberst Palese, wird euer neuer Hauptmann kurz zu euch sprechen. Ich öffnete die Lippen, und ein entsetzliches Gurgeln drang mir aus dem Mund, es waren spröde, schwerfällige, schlaffe Worte. Ich sprach: Wir sind die Freiwilligen der Freiheit, die Soldaten des neuen Italien. Wir müssen die Deutschen bekämpfen, sie aus unserem Hause jagen, sie über unsere Grenzen z
urückwerfen. Di

Pressestimmen

"Malaparte (1898-1957) legt ein zeithistorisches Dokument vor, das ein Kunstwerk sein will. Das gelingt ihm auf großartige Weise. Ein Buch, mit dem man leben muss!"
Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten, 1.04.06
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