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Visual Style in Cinema

Vier Kapitel Filmgeschichte. 3. A. Mit zahlreiche Abbildungen.
Buch (kartoniert)
Mit diesem Buch erscheint zum ersten Mal eine deutschsprachige Ausgabe der anschaulichen Lehre David Bordwells, die sich gleichermaßen an Fachleute und Laien richtet. Am Beispiel von vier ausgewählten Perioden der Filmgeschichte gibt der berühmte ame … weiterlesen
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Visual Style in Cinema als Buch

Produktdetails

Titel: Visual Style in Cinema
Autor/en: David Bordwell

ISBN: 3886612260
EAN: 9783886612260
Vier Kapitel Filmgeschichte.
3. A.
Mit zahlreiche Abbildungen.
Herausgegeben von Andreas Rost
Übersetzt von Mechtild Ciletti
Verlag Der Autoren

1. August 2006 - kartoniert - 212 Seiten

Beschreibung

Mit diesem Buch erscheint zum ersten Mal eine deutschsprachige Ausgabe der anschaulichen Lehre David Bordwells, die sich gleichermaßen an Fachleute und Laien richtet. Am Beispiel von vier ausgewählten Perioden der Filmgeschichte gibt der berühmte amerikanische Filmprofessor einen Überblick über die Kunst der Filmgestaltung.

INHALT:
Die Zeit des Stummfilms. Der frühe Tonfilm. Die Fünfzigerjahre. Die Neunzigerjahre.

Portrait

David Bordwell is Jacques Ledoux Professor of Film Studies at the University of Wisconsin-Madison. He holds a master's degree and a doctorate from the University of Iowa. He is the author of The Films of Carl Theodor Dreyer (University California Press, 1981), Narration in the Fiction Film (University Wisconsin Press, 1985), Ozu and the Poetics of Cinema (British Film Institute/Princeton University Press, 1988), Making Meaning: Inference and Rhetoric in the Interpretation of Cinema (Harvard University Press, 1989), The Cinema of Eisenstein (Harvard University Press, 1993), On the History of Film Style (Harvard University Press, 1997) and Planet Hong Kong: Popular Cinema and the Art of Entertainment (Harvard University Press, 2000). He has won a University Distinguished Teaching Award.


Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 10.12.2001

Fotografien, die wie Lola rennen
Nichts wie hinterher: David Bordwell schreibt mit Kennerblick die Kunstgeschichte des Films

Daß mit Filmbüchern kein Geld zu verdienen ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern der neuen Kinopaläste. Hier trifft sich heute die Jugend, ißt, trinkt und wählt dann per Mehrheitsbeschluß aus, welche Geschichten anderer Menschen aus diesen Kaufhäusern mitzunehmen sind. Den Cineasten, der mit sich und dem Film alleine sein will, findet man hier nicht mehr. Was vor dreißig Jahren auch auf dem Terrain der Filmliteratur einigermaßen hoffnungsvoll begann, kümmert mittlerweile vor sich hin. Die meisten Verlage sehen im Film kein Geschäft oder lassen über Stars und Sternchen schreiben. Aber es gibt auch Hoffnung: An den Universitäten wird "Film" ein immer beliebterer Gegenstand für immer mehr Fakultäten, sind die Medienwissenschaften einer der wenigen Zweige, die in diesen schwierigen Zeiten blühen und mit weiterem Ausbau rechnen dürfen.

Nach einem einzigen Buch gefragt, das sie zum Verständnis der Kunstform Film nennen sollten, würden viele Dozenten an deutschen Hochschulen dennoch gewiß einen amerikanischen Titel nennen: "Film Art: An Introduction" von David Bordwell und Kristin Thompson, erschienen erstmals im Jahr 1979. Dieses Buch wird von seinen Autoren alle drei bis fünf Jahre auf den aktuellen Stand der Kunst gebracht und gilt nicht zuletzt darum als Standardwerk. Studiert man noch andere von Bordwell mit Koautoren oder allein verfaßte Bücher, beschleicht einen das Gefühl, einem Hase-und-Igel-Spiel beizuwohnen: Sei das Thema Dreyer, Eisenstein, Ozu, die kognitive Filmtheorie oder die Möglichkeiten der Erzählung oder der Bedeutungsgenerierung im Film, überall ist dieser passionierte Kinomann schon gewesen und hat wesentliche Beiträge geleistet.

Erstmals ist jetzt ein Buch Bordwells auf deutsch erschienen. Es handelt sich um Mitschriften von vier Vorträgen, die der in Madison/Wisconsin lehrende Wissenschaftler vor rund zwei Jahren im Münchner Arri-Kino gehalten hat. Bordwell improvisierte diese Reden und ließ den Gegenstand mit der Unterstützung zahlreicher Ausschnitte sowie Diapositiven auch für sich sprechen. So blieb der Vortrag stets anschaulich. Annähernd siebenhundert Abbildungen in passabler Qualität haben ihren Weg jetzt ins Buch gefunden. Erst durch den theoretischen Hintergrund seines Autors wird "Visual Style in Cinema" zu einem Solitär. Sein Material, seine Ideen stammen in geringerem Maß aus der jüngsten Monographie Bordwells zur Modernität des Hongkong-Filmes als vielmehr aus der Studie "On the History of Film Style" (1997). Während dort der große Rahmen für die Entstehung von Filmtheorie mitgeliefert wird, bewegt sich die kürzere deutsche Fassung in die Richtung einer Kunstgeschichte des laufenden Filmbildes.

Der Grundgedanke des amerikanischen Buches bleibt in der Auswahl der deutschen Aufbereitung freilich gewahrt: Vom Anfang des Films an, bereits mit den ersten "vues", fand sich der Besucher im Kino einem komplexen Bild gegenüber. Bordwell widerspricht der Auffassung von den "Kinderschuhen" des Films, dessen Möglichkeiten durch technische sowie narrative Erfindungen erst allmählich entwickelt wurden. Solcher Teleologie, von ihm "Standardversion" genannt, setzt der Autor den Gedanken entgegen, daß der Film im Moment seines Auftauchens mit vollem Recht zwischen die Künste getreten sei und hier unter anderem die Malerei beerbt habe. Denn genauso wichtig wie die Erzählung seien die Entscheidungen des Regisseurs in bezug auf die Komposition der Figuren (staging), die Aufnahme (shooting) und deren Abbruch (cutting). Dabei bleibt der fotografische Charakter des Films durchaus gewahrt: Es ist nicht die Eigenart der filmischen Kunst, ein vorgängiges Ereignis zu verfremden. Diese liegt vielmehr in der Spannung zwischen einem vielseitig dynamisierbaren Bild und dem stillgestellten, doch "mental aktiven" Blick des Zuschauers.

Bordwell beschreibt Strategien der Aufmerksamkeitslenkung durch das filmische Bild. Dazu reichen weder technische Einfalt noch lange Einstellungen aus, auch wenn beide Elemente in Bordwells Betrachtung relevant werden. Ihm zufolge ist auch der Stilbegriff notwendig weiter zu fassen als die übliche Setzung einer individuellen "Handschrift": Der Stil eines Films findet sich in jeder Abweichung, die einer von Anfang an "fertigen" Sehform eine originelle Volte hinzufügt.

Nicht allein als Reverenz an die Gastgeber sind einige Bemerkungen über Filme aus Deutschland zu lesen: Die stilistische Vielfalt eines "Films mit MTV-Look" wie "Lola rennt" interessiert Bordwell ebenso wie Bilder von Fassbinder oder Straub. Überraschender erscheint hier zweifellos Erik Charells "Der Kongreß tanzt" (1931). Wie viele andere Beispiele zeigt auch dieser Hinweis, daß Kennerschaft nicht die schlechteste Tugend eines Bildwissenschaftlers ist. Als zweite Stärke Bordwells muß man die Kenntnis sowohl der Bild- wie der Filmtheorie nennen, die sich, und das ist vielleicht die größte hier zutage tretende Tugend, nicht hinter elaborierten Thesen versteckt und damit noch ganz anderes anstrebt als die fundamentale Durchleuchtung ihres Gegenstandes. Das Thema "Film als Kunst" wird von David Bordwell vom Kopf auf die Füße gestellt. Mit ihm darf man die Frage getrost bejahen, die der listige Erwin Panofsky einst für jene technischen Bilder formulierte: If style I still may say?

THOMAS MEDER.

David Bordwell: "Visual Style in Cinema". Vier Kapitel Filmgeschichte. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 2001. 212 S., Abb., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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