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Der listige Gott

Über die Zukunft des Eros. Empfohlen Ab 16 Jahre. Mit Abbildungen.
Buch (kartoniert)
Hat der Sex die Erotik endgültig verdrängt? Das fünfte Philosophicum Lech stellt die Frage, ob und wie es dem listigen Gott Eros gelingen könnte, auch dieser Entwicklung noch ein Schnippchen zu schlagen. Zwölf Beiträger untersuchen, welche Formen das … weiterlesen
Buch

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Der listige Gott als Buch

Produktdetails

Titel: Der listige Gott

ISBN: 3552051899
EAN: 9783552051898
Über die Zukunft des Eros.
Empfohlen Ab 16 Jahre.
Mit Abbildungen.
Herausgegeben von Konrad Paul Liessmann
Zsolnay-Verlag

18. März 2002 - kartoniert - 237 Seiten

Beschreibung

Hat der Sex die Erotik endgültig verdrängt? Zwölf prominente Intellektuelle fragen nach Sinn, Sinnlichkeit und der Idee des Schönen.Mit Beiträgen von Norbert Bolz, Anne-Marie Bonnet, Ursula Pia Jauch, Gustav Jirikowski, Mariam Lau, Wolfgang Pauser, Rüdiger Safranski, Hannelore Schlaffer, Wilhelm Schmid, Nike Wagner und Konrad Paul Liessmann.

Leseprobe

"Vorsicht, meine schöne Unbekannte! Vorsicht; aus einem Wagen heraustreten ist nicht so leicht, ja es kann ein entscheidender Schritt sein. Die Wagentritte sind ja so verkehrt eingerichtet, daß man alle seine Grazie fahren lassen muß, wenn man glücklich herauskommen will; Aber springen Sie doch um Gotteswillen nicht heraus, ich bitte Sie; es ist ja dunkel; ich will Sie nicht stören, ich bleibe dort unter der Straßenlaterne stehen, dann können Sie mich unmöglich sehen, und man wird doch nur dann verlegen, wenn man weiß, daß man gesehen wird - also steigen Sie aus! Lassen Sie den reizenden kleinen Fuß sich in der Welt versuchen! Nur Mut! Verlassen Sie sich auf ihn, er wird schon festen Grund finden, und erfaßt Sie für einen Augenblick ein Grauen, weil es Ihnen ist, als suchten Sie ihn vergebens, ja, ist Ihnen noch bange, nachdem Sie ihn gefunden? o, ziehen Sie nur rasch den andern Fuß nach - wer könnte so grausam sein, Sie in dieser gefährlichen Situation schweben zu lassen, wer wäre so alles Schönheitssinnes bar, daß er für die Offenbarung des Schönen kein Auge hätte?"Mit diesen Sätzen beginnt einer der faszinierendsten und subtilsten philosophisch-literarischen Versuche, dem Phänomen des Erotischen auf die Spur zu kommen: Sören Kierkegaards Tagebuch des Verführers, das er dem ersten Band seines Erstlings Entweder-Oder beigegeben hatte. Alles, was Eros einmal bedeuten konnte, ist in diesen wenigen Sätzen schon angelegt. Johannes, genannt der Verführer, erblickt ein blutjunges Mädchen, dessen Knöchel sich beim Aussteigen aus eine Kutsche entblößt. Die Mischung unschuldiger Grazie und kindlicher Unbeholfenheit enthusiasmiert den verborgenen Beobachter, der in diesem Moment schon weiß, daß damit das Schicksal des Mädchens besiegelt ist. Wiewohl mit ihrem hübschen Fuß nach fes
ten Grund tastend, graut der jungen Frau mit Recht vor diesem Schritt, sie ahnt die Gefahr, ohne zu wissen, was auf sie zukommt. Allerdings: ihr Verführer nimmt sich Zeit: "Nur nicht ungeduldig! Es muß alles in langsamen Zügen genossen werden." Johannes wird das Mädchen ein halbes Jahr lang nach allen Regeln der Kunst umgarnen, wird das erotische Spiel schlechthin, das von Andeutung und Zurücknahme, von Distanz und Nähe, von Angriff und Rückzug bis zum Exzeß spielen, solange, bis sein Opfer glaubt, ihn zu lieben, sie wird sich ihm hingeben, und er wird sie dann fallen lassen. Er hatte nicht nur, vielleicht nicht einmal in erster Linie ihren Körper begehrt, er hat in ihr die Schönheit begehrt und in dieser das Begehren selbst geliebt.
Die Klage über den Verlust des Erotischen ist gegenwärtig ubiquitär. Das erotische Begehren, die Koketterie und die Kunst der Verführung, die knisternde Spannung zwischen den Geschlechtern, die geheimnisvollen, anrüchigen und verbotenen Dimensionen des Begehrens, das Mysterium der Lust, aber auch die großen Ekstasen des Fleisches, die unbändigen Leidenschaften - all das sind Bestimmungen des Erotischen, die in einer Zeit, die nur noch von "Sex" spricht, höchst antiquiert wirken mögen. Das Erotische scheint verschwunden, an seine Stelle sind die unterschiedlichsten Varianten der Sexualität getreten, die längst zu einer rasch konsumierbaren Ware geworden sind. Wesentliches Kennzeichen des Erotischen - die spielerische Andeutung, das Offenhalten für Möglichkeiten, die schwebende Unsicherheit, auch das Abstandhalten und die Zurücknahme, das durchaus mit Schmerz und Anstrengung, mit Skrupeln und Ängsten verbundene Überwinden von inneren und äußeren Widerständen - sind dem Imperativ der schnellen, unmittelbaren und kostengünstigen Bedürfnisbefriedigung gewichen. Und wo das Erotisch
-Sexuelle kompliziert zu werden droht, winken Eros-Center und Internet mit den Versprechen problemloser und rascher Befriedigung, von der man nicht zu sagen wüßte, ob diese noch ein Ersatz für etwas anderes oder schon dieses selbst ist. Günther Anders zumindest hatte schon 1949 in seinen "Notizen zur Geschichte des Fühlens", die vier Jahrzehnte später unter dem Titel Lieben gestern veröffentlicht wurden, geschrieben: "Das Prompte ist das Barbarische". Moderne Reproduktionstechnologien, die kalte Welt des Cyber-Sex, das Diktat der Spaß-Kultur und das grelle Scheinwerferlicht der Medien signalisieren, daß auch die Erotik längst entzaubert und, aller Tabus entkleidet, zu einer Sache von Markt, Wissenschaft und Technik reduziert worden ist.
Das Erotische in der bei Kierkegaard beschriebenen Szene lebt nicht nur von einer Differenz zwischen den Geschlechtern, die angeblich längst hinfällig geworden ist, es lebt vor allem von einer Gestik des Entblößens, die wußte, daß das Wechselspiel von Enthüllen und Verhüllen nicht nur in einem faktischen Sinn das erotische Begehren strukturiert, sondern dem Eros auch seine philosophische Dignität gibt. Denn immerhin dachte sich das Abendland die Wahrheit als ein Weib, das seiner Enthüllung harrt, ohne sich dem lüsternen Erkenntnissuchenden je vollständig preiszugeben. Eros ist nicht nur, aber in hohem Maße ein Spiel mit dem Verbergen und Entbergen von Wahrheiten, und die zufällig oder gezielt dem Blick preisgegebene nackte Haut, die mehr ahnen als sehen ließ, galt lange als das sinnfälligste Moment in der Dynamik erotischer Begegnungen. Nirgendwo wird die Krise des Eros deshalb deutlicher als in der Dominanz von purer und unverblümt zur Schau gestellter Nacktheit.
Im Umgang mit Nacktheit kennt die Moderne zumindest zwei Strategien, das Erotische auszuklammern: Einmal die Verkläru
ng der Nacktheit zu einem Zustand der Natürlichkeit, der selbst erotisch unschuldig ist; und zum anderen die drastische Inszenierung von Nacktheit als unmittelbaren sexuellen Reiz und Anreiz. Aus der rousseauistisch getönten Beschwörung einer natürlichen Nacktheit resultierten nicht zuletzt die Freikörperkulturen des frühen 20. Jahrhunderts und die davon abgeleitete durchaus prüde FKK-Ästhetik. Wohl läßt man alle Hüllen fallen, aber gleichzeitig wird mehr als deutlich, daß der nackte, vom Tageslicht ausgeleuchtete Körper nur in den seltensten Fällen selbst ein erotischer Stimulus sein kann und sein darf. Nur wer sich an Nacktheit an sich stößt, wird sich auch an einer unverblümten Zurschaustellung von Nacktheit stoßen, die reizlos geworden ist, weil sie nichts mehr verbirgt. Andererseits dient Nacktheit nahezu allgegenwärtig als Blickfang einer reizübersättigten Gesellschaft und man wundert sich mitunter, daß dieser Mechanismus noch immer funktioniert, Nacktheit in bestimmten Konstellationen noch immer oder schon wieder als gleichermaßen faszinierend wie anstoßerregend erlebt wird. Dieser Eindruck der Gewagtheit von Nacktheit verdankt sich einerseits einer neuen Prüderie, die nicht mehr Nacktheit an sich, wohl aber zum Beispiel die Nacktheit von Minderjährigen tabuisieren möchte, und andererseits der Tatsache, daß Nacktheit jederzeit, unter Umgehung des Erotischen, in Pornographie umschlagen kann - es genügt dazu oft nur eine wenig veränderte Perspektive. Nacktheit war allerdings seit der Antike eine der Möglichkeiten für die Darstellung von Schönheit. Es war damit allerdings nie d

Pressestimmen

"Von Kierkegaard zum Eros-Center: Konrad Paul Liessmann als Moderator aller Fragen nach den Fantasmen unseres Begehrens." Michael Freund, Der Standard, 15.09.01
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