Warenkorb
€ 0,00 0 Buch dabei,
portofrei
Party im Blitz als Buch
PORTO-
FREI

Party im Blitz

Die englischen Jahre. 3. Auflage.
Buch (gebunden)
Ihr 12%-Rabatt auf alle Spielwaren, Hörbücher, Filme, Musik u.v.m
 
12% Rabatt sichern mit Gutscheincode: SONNE12
 
Ein unverblümter Text über seine Jahre in England, den sich Canetti nicht zu veröffentlichen traute: über verarmende Adlige und wirklich arme Emigranten, über eitle Dichter und schöne Malerinnen und über seine Liaison mit der später berühmten Autorin … weiterlesen
Buch

17,99*

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Party im Blitz als Buch

Produktdetails

Titel: Party im Blitz
Autor/en: Elias Canetti, Jeremy Adler

ISBN: 3446203508
EAN: 9783446203501
Die englischen Jahre.
3. Auflage.
Herausgegeben von Kristian Wachinger
Hanser, Carl GmbH + Co.

4. August 2003 - gebunden - 248 Seiten

Beschreibung

Ein unverblümter Text über seine Jahre in England, den sich Canetti nicht zu veröffentlichen traute: über verarmende Adlige und wirklich arme Emigranten, über eitle Dichter und schöne Malerinnen und über seine Liaison mit der später berühmten Autorin Iris Murdoch. Mit dem Nachwort des Londoner Literaturwissenschaftlers Jeremy Adler und Fotografien aus der Zeit ein wichtiges Stück zu Canettis Autobiografie.

Portrait

Elias Canetti wurde 1905 in Rustschuk/Bulgarien geboren und wuchs in Manchester, Zürich, Frankfurt und Wien auf. 1929 promovierte er in Wien zum Dr. rer. nat. 1930/31 erfolgte die Niederschrift seines Romans Die Blendung, der 1935 erschien. 1938 emigrierte Canetti nach London, wo er anthropologische und sozialhistorische Studien zu Masse und Macht (1960) aufnahm. Ab den 1970er Jahren lebte er vorwiegend in der Schweiz und erlangte weiterreichende Berühmtheit mit seinen Theaterstücken, den Aufzeichnungen und den autobiographischen Büchern, darunter Die gerettete Zunge. 1981 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. 1994 starb er in Zürich.

Leseprobe

Als der Blitzkrieg über London begann, einige Monate nach Dünkirchen, im gefährlichsten Zeitpunkt der englischen Geschichte, erlebte ich in seinem Hause eine Party, die mir vor Augen bliebe, auch wenn ich fünfhundert Jahre danach noch am Leben wäre. Sein Haus war höher als
die meisten in Downshire Hill. Es hatte drei Stockwerke, die meisten andern nur zwei. Es war aber schmal wie die andern alle. In jedem Stock waren höchstens ein oder zwei Zimmer. Sie waren von Menschen erfüllt, die tranken und tanzten. Sie standen mit den Gläsern in der Hand da, wie es hier Sitte war, aber mit ausdrucksvollen Gesichtern, was hier gegen die Sitte ging. Es waren manche junge Offiziere in Uniform darunter, lebhaft, ja beinah lebenslustig, von lauten Sätzen überquellend, die man gehört hätte, wenn sie in der Musik nicht untergegangen wären. Die Tanzenden, besonders die Frauen, hatten etwas Aufgerissenes und genossen ihre Bewegungen wie die des Partners. Die Atmosphäre war dicht und heiß, und niemand kümmerte sich darum, daß man Bomben-Einschläge hörte, eine furchtlose und dabei sehr lebendige Gesellschaft. Ich hatte im obersten Stock begonnen, ich traute kaum meinen Augen und ich ging in den zweiten hinunter und traute ihnen noch weniger. Jeder Raum schien feuriger als der, in dem man sich vorher umgetan hatte. In den tieferen Räumen sonderte man sich etwas mehr ab, Pärchen saßen und hielten einander umarmt, die Musik durchdrang uns heiß von oben bis unten, man gab sich mit Umarmungen und Küssen zufrieden, nichts wirkte lasziv, im Basement, wie man hier das Untergeschoß nannte, geschah das Erstaunlichste. Die Türe nach außen wurde aufgerissen, Männer in Feuerwehrhelmen griffen nach Kübeln mit Sand, die sie im Schweiß ihres Angesichts in größter Geschwindigkeit hinaustrugen. Sie achteten auf nichts, das sie im Raum vor sich sahen, in ihrer Eile, die brennenden Häuser in der Nachbarschaft zu schützen, griffen sie wie blind nach den sandgefüllten Kübeln. Es muß eine Unzahl davon geg
eben haben, die Paare, es waren hier unten nicht ganz so viele, hielten sich weiter umschlungen, niemand sprang auf, kein Mensch löste sich vom andern, es war, als ginge sie das keuchende, verschwitzte Treiben überhaupt nichts an, zwei verschiedene Tierarten, die einander aus dem Wege gingen, so schien es, aber dieser Anschein trog, denn die Feuerwehr an diesem Abend bestand aus Freiwilligen derselben Straße, unter ihnen der eine oder der andere junge Dichter, die ich in solchen Leibesmühen nie erkannt hätte.
Es ist zu sagen, daß Luftangriffe zu dieser Zeit noch keineswegs dasselbe waren wie in späteren Perioden (wie auf deutsche Städte etwa, die ganz vernichtet wurden), es war etwas, dessen Schrecken eigentlich nur darin bestand, daß man es noch kaum kannte.
Ich verließ das Haus, nach vielleicht einer Stunde, ich war weder in Angst noch Empörung: wohl waren mir die unerschütterlichen Liebespaare neben den keuchenden Feuerwehrmännern peinlich, aber da diese nicht die geringste Verwunderung zeigten, sie stürzten hinein und wieder hinaus, sie trachteten nicht aneinanderzustoßen, daß sie einander nicht behinderten, war ihnen so wichtig wie den sich umklammernden Paaren, daß sie nicht voneinander ließen. In beiden war Entschlossenheit, ich staunte über diese Selbstbeherrschung der Engländer, die sich von nichts und niemand beirren lassen, schämte mich für meine Scham und begann zu ahnen, worin eigentlich der Puritanismus der Engländer bestand, den ich immer bewundert und gefürchtet hatte.

Pressestimmen

"An Glanz der Formulierungen, an Knappheit und Konzentration steht dieser letzte Band den vorangehenden ... nicht nach."§Andreas Isenschmid, Neue Züricher Zeitung, 3.8.03


Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.