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Über die Dichter

Buch (gebunden)
Elias Canetti hat sein Leben lang in seinen Aufzeichnungen spontane Äußerungen über seine Kollegen, die Dichter, niedergelegt. Über Aristophanes, Sophokles, Dante und Cervantes, über Flaubert und Dickens, Kafka und Robert Wa... weiterlesen
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Über die Dichter als Buch
Produktdetails
Titel: Über die Dichter
Autor/en: Elias Canetti, Peter von Matt

ISBN: 3446204709
EAN: 9783446204706
Hanser, Carl GmbH + Co.

9. August 2004 - gebunden - 136 Seiten

Beschreibung

Elias Canetti hat sein Leben lang in seinen Aufzeichnungen spontane Äußerungen über seine Kollegen, die Dichter, niedergelegt. Über Aristophanes, Sophokles, Dante und Cervantes, über Flaubert und Dickens, Kafka und Robert Walser: die persönliche Literaturgeschichte des genauen Beobachters und zugleich Visionärs Elias Canetti.

Portrait

Elias Canetti wurde 1905 in Rustschuk/Bulgarien geboren und wuchs in Manchester, Zürich, Frankfurt und Wien auf. 1929 promovierte er in Wien zum Dr. rer. nat. 1930/31 erfolgte die Niederschrift seines Romans Die Blendung, der 1935 erschien. 1938 emigrierte Canetti nach London, wo er anthropologische und sozialhistorische Studien zu Masse und Macht (1960) aufnahm. Ab den 1970er Jahren lebte er vorwiegend in der Schweiz und erlangte weiterreichende Berühmtheit mit seinen Theaterstücken, den "Aufzeichnungen" und den autobiographischen Büchern, darunter "Die gerettete Zunge". 1981 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. 1994 starb er in Zürich.

Leseprobe

Was ein Dichter nicht sieht, ist nicht geschehen.


Irgendwem Geschichten erzählen, der sie als Geschichten hört, der dich nicht kennt, der keine Literatur erwartet. Schön wäre ein Leben als wandernder Geschichtenerzähler. Jemand sagt ein Wort, und du erzählst die Geschichte. Du hörst nie auf, bei Tag und bei Nacht, du wirst blind,
du verlierst den Gebrauch der Glieder. Aber es bleibt dir dein Mund zu Diensten, und du erzählst, was dir durch den Kopf geht. Du besitzt nichts, nur eine unendliche und immer noch wachsende Zahl von Geschichten.
Am schönsten wäre es, du könntest von den Worten allein leben und brauchtest auch nicht zu essen.


Jeder Dichter, der es zu einem Namen gebracht hat und ihn behauptet, weiß sehr wohl, daß er's eben darum nicht mehr ist, denn er verwaltet Positionen wie irgendein Bürger. Aber er hat solche gekannt, die so sehr nur Dichter waren, daß ihnen gerade das nicht gelingen konnte. Sie enden erloschen und erstickt und haben die Wahl, allen lästig als Bettler oder im Irrenhaus zu leben. Der Geltende, der weiß, daß sie reiner waren als er, erträgt es schwer, sie für längere Zeit in seiner Nähe zu haben, ist aber gern dazu bereit, sie im Irrenhaus zu verehren. Sie sind seine abgespaltenen Wunden und vegetieren als solche weiter. Es ist erhebend, die Wunden zu betrachten und zu kennen, wenn man sie nur an sich selber nicht mehr fühlt.


Es gibt eine legitime Spannung im Dichter: die Nähe der Gegenwart und die Kraft, mit der er sie von sich stößt; die Sehnsucht nach ihr und die Kraft, mit der er sie wieder an sich reißt. So kann sie ihm nie nah genug sein. So kann er sie nicht weit genug von sich stoßen.


Der Dichter ist wohl der Mensch, der, was früher war, spürt, um was sein wird vorauszusagen. Er leidet also nicht wirklich, er erinnert sich nur; und er tut nichts, weil er es erst voraussagen muß.


Es kann jeder Satz seine Wirkung tun, auch der vergessenste, auch in tause
nd Jahren.


Dichter ist, wer Figuren erfindet, die ihm niemand glaubt und die doch keiner vergißt.


Die wirklichen Dichter begegnen ihren Figuren erst, nachdem sie sie geschaffen haben.


Manche Romanfiguren sind so stark, daß sie ihren Autor in Gefangenschaft halten und erdrosseln.
Auflösung der Figur in der jüngsten Literatur: die Figuren, die unsere Zeit brauchen würde, sind so monströs, daß niemand mehr die Tollkühnheit aufbringt, sie zu erfinden.


Klarheit und Kürze hindern den Erzähler, denn er lebt von den unberechenbaren Sprüngen der Verwandlung und einem unerschöpflichen Atem.


Unaufhörlich müßte ein Dichter sein Leben erfinden können und wäre so der einzige, der weiß, wo er ist.
Am wahrhaftigen Dichter schätze ich am höchsten, was er aus Stolz verschweigt.


Die Angst in eine Hoffnung wenden. Schwindel oder Leistung des Dichters.


Der Dichter lebt von Übertreibung und durch Mißverständnisse macht er sich bekannt.


Auch den großen Philosophen macht die Übertreibung, aber sie braucht bei ihm ein sehr dichtgewobenes Kleid von Vernünftigkeit. Der Dichter stellt sie nackt und schimmernd hin.


Die Ströme der Dichtung fließen überall und sie müssen nicht ineinander münden.


Alle Literatur schwankt zwischen Natur und Paradies und liebt es, das eine für das andere zu halten.


Was ein Dichter nicht sieht, ist nicht geschehen.


Der Schmerz macht den Dichter, der voll empfundene, in nichts vermiedene, erkannte, erfaßte, bewahrte Schmerz.


Die Ahnungen der Dichter sind die vergessenen Abenteuer Gottes.


Mit zunehmender Reife macht sich eine Abneigung gegen die Einzelstimmen der Dichter bemerkbar. Man sucht das Namenlose, die großen Erzählungen der Völker, die für alle da waren, wie die Bibel und Homer und die Mythen der einfach gebliebenen Stämme. Jenseits dieses Ozeans aber interess
iert man sich für die privatesten Schwächen und Armseligkeiten derer, die sich darüber äußern können; und so gerät man doch wieder an die Einzel-Dichter. Aber nicht als Dichter können sie einen fesseln, nur als die Torhüter des Privatesten; und das Porzellan, das sie bemalen und als ihr eigentliches Erzeugnis ausstellen, möchte man zu gerne zerschlagen.


Die schlechten Dichter verwischen die Spuren der Verwandlung; die guten führen sie vor.


Die Zeit, in der man sich sehr gegen etwas wehrt, ist für den Dichter die wichtigste. Sobald er sich ergeben hat, ist er wieder kein Dichter mehr.


Ein Dichter bin ich nicht: ich kann nicht schweigen. Aber viele Menschen in mir schweigen, die ich nicht kenne. Ihre Ausbrüche machen mich manchmal zum Dichter.


Ein nützlicher Beruf allein, wie der eines Arztes, genügt nicht, um einen Dichter vor Selbstüberhebung zu schützen. Denn der Ekel vor dem Erlebten, anfangs fruchtbar, nährt als Gegensatz zu sich eine Art Hoheit der eigenen Person, der es gelingt, ihn zu überstehen. Der Dichter, der dem Ekel widerstanden hat, wird sich zum Selbstzweck.



Es ist der Trieb eines Dichters, die Menschen, die er liebt, um das zu betrügen, was sie von jedem anderen bekämen. Was er ihnen gibt, soll nur er geben können. Sie aber, auch wenn sie's nicht wissen, sehnen sich nach der Nahrung des gewöhnlichsten Lebens und müssen ihn schließlich für deren Entziehung bitter hassen. Er kann nicht aufhören, sie verzweifelt zu bereden, daß es auf anderes ankommt, und solange er bestimmt, was es sein soll, ist er's zufrieden.


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