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Alle, außer mir

Originaltitel: Sangue giusto. 'Quartbuch'.
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Der große Roman der römischen Autorin Francesca Melandri: eine Familiengeschichte, ein Porträt Italiens im 20. Jahrhundert, eine Geschichte des Kolonialismus und seiner langen Schatten, die bis in die Gegenwart reichen.
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Produktdetails

Titel: Alle, außer mir
Autor/en: Francesca Melandri

ISBN: 3803132967
EAN: 9783803132963
Originaltitel: Sangue giusto.
'Quartbuch'.
Übersetzt von Esther Hansen
Wagenbach Klaus GmbH

28. Juni 2018 - gebunden - 603 Seiten

Beschreibung

Kennen Sie Ihren Vater? Wissen Sie, wer er wirklich ist? Kennen Sie seine Vergangenheit? Die vierzigjährige Lehrerin Ilaria hätte diese Fragen wohl mit »ja« beantwortet, und auch ihre Angehörigen glaubte sie zu kennen - bis eines Tages ein junger Afrikaner auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung in Rom sitzt und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. In seinem Ausweis steht: Attilio Profeti, das ist der Name ihres Vaters ... Der aber ist zu alt, um noch Auskunft zu geben.

Hier beginnt Ilarias Entdeckungsreise, von hier aus entfaltet Francesca Melandri eine schier unglaubliche Familiengeschichte über drei Generationen und ein schonungsloses Porträt der italienischen Gesellschaft. Und sie holt die bisher verdrängte italienische Kolonialgeschichte des 20. Jahrhunderts in die Literatur: die Verbindungen Italiens nach Äthiopien und Eritrea bis hin zu den gegenwärtigen politischen Konflikten verknüpft Melandri mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten - und stellt die Schlüsselfragen unserer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im »richtigen« Land geboren zu sein, und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit?

Portrait

Francesca Melandri, geboren in Rom, hat sich in Italien zunächst als Autorin von Drehbüchern wichtiger Kino- und Fernsehfilme einen Namen gemacht (u. a. »Prinzessin Fantaghirò«). Mit ihrem ersten Roman »Eva schläft« wurde sie auch einem breiten deutschsprachigen Lesepublikum bekannt. Ihr zweiter Roman »Über Meereshöhe« wurde von der italienischen Kritik als Meisterwerk gefeiert. Ihr drittes Buch »Alle, außer mir« wurde für den Premio Strega nominiert.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 14.07.2018

Die Realität und die Kaffeetasse

Der neue Roman der italienischen Autorin Francesca Melandri fragt nach Identität und Verdrängung, nach Familie und Kolonialismus: "Alle, außer mir".

Blut ist ja ein ganz besonderer Saft. Dicker als Wasser, selbst wenn manch einer gelegentlich beides schwitzt. So Attilio Profeti, als seine sechzehnjährige Tochter Ilaria ihn fragt, ob er eine Geliebte habe. Die Antwort: "Eigentlich seid ihr zu viert." Neben den beiden Brüdern Emilio und Federico gebe es da noch den kleinen Attilio, und ob sie nicht der Mutter alles sagen könne. In Italien wird gerade das Scheidungsgesetz eingeführt, danach funktioniert die Patchworkfamilie bestens, die erste Runde endet mit einem Happy End.

Rund fünfundzwanzig Jahre später sitzt dann ein junger Äthiopier vor Ilarias Tür und behauptet, eigentlich seien sie zu fünft gewesen, nur sei Profetis ältester Sohn, eben sein Vater, bereits gestorben. Ilarias erster Gedanke: mal eine neue Masche. Der zweite: O nein, nicht "das Ganze noch einmal".

Der Originaltitel des 2017 erschienenen Romans lautet "Sangue giusto". Zum "gerechten Blut" wird das der italienischen Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg stilisiert, als "richtiges" jenes bezeichnet, das über die Staatsbürgerschaft entscheidet; "ungerechtes" fließt nach dem Wüten des Derg, der äthiopischen Militärdiktatur, in den siebziger Jahren durch die Straßen von Addis Abeba. Nicht nur in unserer Sprache ist all das kaum in zwei Wörtern zu vermitteln: Der niederländische Titel lautet "De lange weg naar Rome", der deutsche greift auf Profetis Mantra zurück: Alle müssen sterben? - "Alle, außer mir."

Ein wenig pflegt auch Ilaria diese Sicht. Alle sind korrupt, unmoralisch und bigott, nur nicht sie, die sich als Lehrerin durchschlägt, selbst nachdem vier Berlusconi-Regierungen "das öffentliche Bildungssystem in Not gebracht hatten, als wollten sie die Demokratie von den Wurzeln her ausrotten". Nicht sie, die ihren Vater sogar nach seiner Geliebten fragt.

Erst das Auftauchen des Äthiopiers Shimeta erschüttert Ilaria in ihren Grundfesten. Sie forscht nach. Heraus kommt: Ihre Großmutter Viola wurde von deutschen Faschisten erschossen - nachdem sie einen Halbjuden denunziert hatte, um Attilio vor dem Kriegsdienst zu bewahren. Ihr Vater erspart der Mutter nach der Scheidung eine Begegnung mit ihm und erscheint bei Ilarias Uni-Abschlussfeier als Frau mit blonder Perücke. Seinen ersten Sohn erkennt er jedoch nie an, nicht einmal, als er ihn aus dem Gefängnis des Derg befreit. Obendrein hat er sich freiwillig für den Abessinien-Feldzug gemeldet und als Assistent eines Rassekundlers gearbeitet. "Der Ozean der Realität passt nicht in eine Kaffeetasse", muss Ilaria konstatieren.

Francesca Melandri gelingt es vorzüglich, individuelle Erfahrungen und historischen Hintergrund zu verknüpfen. Die komplexen Anmutungen der Realität von heute wurden selten feinfühliger dargestellt. Gerade weil sie ihre Figuren nie vorführt. Das lässt sich vor allem an den Wegen zeigen, die in dem Roman zurückgelegt werden. Melandri selbst nennt in Interviews gern zwei, den Shimetas von Äthiopien nach Rom und den von Profeti nach Abessinien. Es gibt aber noch einen dritten Weg, nämlich den Ilarias quer durch Rom zu ihrem abgeschleppten Auto. Diese Strecke dient Melandri gleichsam für einen Panaromaschwenk, bei dem sie teils in die Vergangenheit zoomt: Gaddafis Besuch in Italien - der Hahnenkampf mit Berlusconi gehört zu den großen Lesemomenten -; westliche Journalisten, die sich "Potemkinsche Gefängnisse" in Libyen vorführen lassen; Rockbands, die an die Mär vom Hunger als biblischer Strafe glauben und sich mit Live Aid eine goldene Nase verdienen, statt zu fragen, woher die Militärjunta Derg die Waffen bezieht; Äthiopiens Narrativ, die Invasoren geschlagen zu haben; der Sturz Haile Selassies und die Etablierung der Militärdiktatur.

Francesca Melandri leuchtet die Conditio humana grandios aus. Mit Perspektivwechseln und Zeitsprüngen schildert sie nicht etwa Kontinuitäten von Mussolini über Berlusconi zu Salvini, sondern nähert sich der individuellen Verarbeitung dieser Zeitläufte. Damit erzählt sie keine italienische Geschichte mehr, sondern eine universelle. Ihr Spiegelkanon wäre ein Meisterwerk, wenn sie nicht im achtzehnten der 23 Kapitel unvermittelt vor dem Stoff kapitulierte. Auf hundert Seiten stellt sie Profetis Weg nach Äthiopien, seinen Parteibeitritt und die Greuel italienischer Kolonialpolitik dar, verzichtet jäh auf die persönliche Bewältigung und schreibt letztlich einen historischen Roman. Dieser ist solide, lehrreich, nicht so packend wie Ennio Flaianos "Alles hat seine Zeit", nicht so eindrucksprall wie Umberto Ecos "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana". Er gleitet ganz leicht zurück in Schablonen von Opfern und Tätern, gegen die Melandri bisher so überzeugend angeschrieben hat, ohne dabei je der aktuellen italienischen Politik das Wort zu reden.

Die beiden ersten Romane Melandris wurden von Bruno Genzler übersetzt, dieser von Esther Hansen. Leider. Als Hauptsätze gestaltete Relativsätze sowie ein fragwürdiger Gebrauch von Präpositionen ("versammelt um die Kaffeezeremonie") und Personalpronomen nehmen dem Text häufig Klarheit und Eleganz. Genzler wusste weit stärker zu überzeugen.

CHRISTIANE PÖHLMANN

Francesca Melandri: "Alle, außer mir". Roman.

Aus dem Italienischen von Esther Hansen. Wagenbach Verlag, Berlin 2018. 608 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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Wow, was für ein Buch. Da wird die Geschichte einer Familie erzählt, in der Zeit vom ersten Weltkrieg bis heute. Aber eigentlich noch so viel mehr. Dabei werden die Personen der Familie charakterlich gut und ausgefeilt rübergebracht. Es werden ihre Gedanken mitgeteilt und auch die Konflikte, die sie mit sich und ihrer Umgebung ausfechten. Und dabei kommt das Menschliche in all seinen Facetten voll zur Geltung. Gleichzeitig wird aber auch die Geschichte Italiens beschrieben, und im Näheren teilweise auch eine jetzige Geschichte Roms. Es geht um die Machtergreifung des Mussolini und seiner Partei, es geht um seine Anhänger, es geht um Italiens Rolle im zweiten Weltkrieg, um Nationalismus, um Rassismus und Verblendung, es geht auch um den Sexismus, und seinen Einsatz im Krieg und gegen politische Gegner. Und es wird auch eine Geschichte Äthiopiens und Eritreas gezeichnet, ebenso teilweise erhält man Einblicke in die Geschichte Libyens. Es werden die politischen Verflechtungen der beiden Gebiete (Kolonialmächte, Kolonien) zum Thema gemacht. Die Macht der Kolonialmacht Italien und ihre Weiterführung auch nach dem Ende der Kolonialzeit. Die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen mit den ehemaligen Kolonien die erhalten blieben, nur das jetzt auch einige Kreise in den jeweiligen Ländern etwas davon hatten. Und eigentlich ist hier Italien nur ein Beispiel. Ich denke in ähnlicher Weise könnten auch über einige andere Länder und ihre ehemaligen Kolonialstaaten berichtet werden. Das macht betroffen, aber nicht nur, man sollte sich auch fragen, in wie weit man das selbst mitträgt/mitgetragen hat. Denn es ist auch etwas was wir alle wissen. Vielleicht nicht im ganzen Ausmaß. Aber es ist dennoch bekannt. Es geht um die Macht, die Despoten über ein Volk haben können und was das bedeutet. Es geht um die Verantwortung der ehemaligen Kolonialmächte in ihrer politischen Stellung zu diesen Despoten. Und damit auch um eine Verantwortung Europas gegenüber seinen ehemaligen Kolonien. Und es geht um das heutige Problem der Flüchtlinge. Es wird beschrieben was so eine Flucht für Betroffene bedeutet. Und wie man sich an Flüchtlingen schadlos halten kann. Und wie diese Flüchtlinge auch eine Veränderung nach Europa tragen. Aber bedeutet Veränderung per se etwas Schlechtes. Es geht auch um den heutigen allgegenwärtigen Rassismus, wie er sich versteckt, aber trotzdem da ist. Und es wird auch etwas über die Rolle der heutigen Bewohner Europas gesagt. Ihre Rolle in der Flüchtlingsproblematik. Etwas über die Schuldfrage. Und jeder von uns sollte sich fragen wie er/sie zum Thema Rassismus denkt/fühlt/empfindet. Das geht uns alle an. Weil wir alle davon betroffen sind. Ich finde es ist ein Buch zur richtigen Zeit. Ich erhoffe mir sehr eine möglichst breite Leserschaft, dass möglichst viele Menschen sich über die Themen dieses Buches unterhalten/austauschen. Und möglichst auch Menschen, die sich von der Polemik gewisser politischer Strömungen beeinflussen lassen. Ein frommer Wunsch, ich weiß. Aber ohne Wünsche ist man doch gleich verloren. Und mir machen gewisse Prozesse in der Politik Angst. Weil ich nicht möchte, dass vergangene Zeiten wiederkommen. Und da wir alle Menschen sind, sollte uns das Thema Menschlichkeit/Menschsein doch angehen/interessieren/wach machen/politisch wach werden lassen. Und damit meine ich die positiven Seiten des Menschen, wie auch seine negativen. Ich will ja nicht verklärend auf den Menschen schauen. Bei den verschiedenen Mitgliedern der Familie sehe ich verschiedene Geisteshaltungen zu diesem ganzen Themenkomplex, was einen nachdenklich macht und die eigenen Gedanken dazu kritisch überprüfen lässt. Das Buch ist nicht chronologisch geordnet geschrieben, die Kapitel springen in den Zeiten und zu den verschiedenen Mitgliedern der Familie und wichtigen Personen ihrer Umgebung, trotzdem entsteht ein ganzheitliches Bild. Ein Bild, dass den Leser nachdenklich zurücklässt. Unbedingt Lesen !
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