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Einst in Europa. Once in Europe

Aus d. Engl. v. Jörg Trobitius. Originaltitel: Once in Europe. 59 farbige Abbildungen.
Buch (gebunden)
Odile Blanc, Tochter eines Bauern in einem kleinen Dorf in Savoyen, blickt zurück auf ihr Leben, während sie mit ihrem Sohn Christian, dem Drachenflieger, hoch über der Landschaft ihrer Jugend schwebt. Die Fotografin Patricia MacDonald ist ebenfalls … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Einst in Europa. Once in Europe
Autor/en: John Berger, Patricia Macdonald

ISBN: 3446198180
EAN: 9783446198180
Aus d. Engl. v. Jörg Trobitius.
Originaltitel: Once in Europe.
59 farbige Abbildungen.
Übersetzt von Jörg Trobitius Fotos von Patricia Macdonald
Hanser

14. Februar 2000 - gebunden - 144 Seiten

Beschreibung

Odile Blanc, Tochter eines Bauern in einem kleinen Dorf in Savoyen, blickt zurück auf ihr Leben, während sie mit ihrem Sohn Christian, dem Drachenflieger, hoch über der Landschaft ihrer Jugend schwebt. Die Fotografin Patricia MacDonald ist ebenfalls über die Landschaft geflogen, in der John Bergers Geschichte spielt. Ihre außergewöhnlichen Luftaufnahmen stehen in wunderbarem Gleichklang mit dem Text, der vom Verschwinden des bäuerlichen Lebens erzählt, und von der Liebe.

Portrait

John Berger, 1926 in London geboren, war Schriftsteller, Maler und Kunstkritiker. Bereits 1972 wurde er mit dem Booker Preis ausgezeichnet. John Berger lebte viele Jahre in einem Bergdorf in der Haute Savoie. Er starb 2017 in Paris, nur wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag. Bei Hanser erschienen Essaybände, Gedichte und Romane, zuletzt Gegen die Abwertung der Welt (Essays, 2003), Hier, wo wir uns begegnen (2006), A und X (Eine Liebesgeschichte in Briefen, 2010), Bentos Skizzenbuch (2013), Der Augenblick der Fotografie (Essays, 2016), eine Neuausgabe von Von ihrer Hände Arbeit (Eine Trilogie, 2016) und zuletzt Ein Geschenk für Rosa (2018).

Leseprobe

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Pressestimmen

"Der britische Autor verfügt über einen Erzählton, der schlicht und einfach als Seelenklang zu bezeichnen ist, mit Schwingungen, die in der Gegenwartsliteratur einzigartig sind."
Werner Krause, Kleine Zeitung, 18.03.00

"Eine von Bergers wunderbaren Liebesgeschichten, die Menschen beschreiben und die ganze Welt meinen."
Monika Schattenhofer, Süddeutsche Zeitung, 22.03.00

"Die Menschen, auf deren Schmerz und Schicksal es einzig ankommt, werden nicht irgendwie beschrieben oder dargestellt, sondern erfasst, so wie sie täglich vom Unglück getroffen werden, wie sie der gewöhnlichen Ungeheuerlichkeit ausgesetzt sind. Das gelingt John Berger mit schlichten Stilmitteln, mit kurzen und deutlichen Sätzen."
Georges-Arthur Goldschmidt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2000

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 15.04.2000

Der Gebirgsdrachen
Höhenflüge: John Bergers Erzählung "Einst in Europa"

Hoch über der Landschaft ihrer Kindheit und Jugend, ihres ganzen Lebens, "dreitausend Meter über der Erde", fliegt eine Mutter Drachen mit ihrem erwachsenen Sohn. Unter ihr liegt das Arvetal zwischen Bonneville und Cluses und ihr zu Füßen Margnier am Giffrebach, alles kleine Ortschaften der Haute-Savoie, und senkrecht unter ihr das Metallwerk, wo ihr Mann umgekommen ist und ihr Jugendfreund Michel beide Beine verloren hat. In den Tälern Savoyens, in den großartigen Landschaften der französischen Alpen, haben sich Großindustrien entwickelt, die Täler verseucht und zerstört, aber auch belebt haben, Großindustrien, denen Menschen zum Opfer gefallen sind. Die Protagonisten der Erzählung sind Fabrikarbeiter, oft ehemalige Bauern, die ihr Leben zwischen Eisenbahngleisen und Schlackenhalden verbringen. In nächster Nähe, das wird absichtlich nicht erwähnt, fängt in aller Schönheit die Gebirgslandschaft an.

Erzählt wird die erste Liebe Odiles, der Tochter eines Kleinbauern, dessen Besitz zwischen den Baracken der Arbeiter und der Fabrik eingeklemmt ist, zu einem russischen Gastarbeiter. Von ihm kriegt Odile ein Kind, und er kommt in einem Hochofen zu Tode. Später trifft sie zufällig wieder Michel, der sich auf seinen Prothesen fortschleppt. "Seine beiden Füße in den blankgeputzten Schuhen ruhten einfach auf dem Fußboden. Wie Bügeleisen." Von ihm bekommt sie noch ein Kind. Nun ist sie selber Großmutter und fliegt mit ihrem Sohn hoch über den Fabrikhallen, den Nadelkurven, Schluchten und Schutthalden hinweg. Die Fotografien von Patricia Macdonald, die den Text begleiten, erzählen ihn weiter, sie zeigen kleine Einzelheiten in Großformat, so dass das Unscheinbare eine reiche Geschichte wird und etwas Rätselhaftes bekommt. Der Rücken einer Kuh nimmt sich wie ein schneebedecktes Gebirge aus, es werden auch Landschaften abgebildet, die sich aber nicht mehr von den Gegenständen unterscheiden lassen.

Die Menschen, auf deren Schmerz und Schicksal es einzig ankommt, werden nicht irgendwie beschrieben oder dargestellt, sondern erfasst, so wie sie täglich vom Unglück getroffen werden, wie sie der gewöhnlichen Ungeheuerlichkeit ausgesetzt sind. Aber der Leser erfährt auch von dem Alltag der so genannten "kleinen Leute". Allmählich wird man immer mehr ergriffen vom Ersticken, von der Ausweglosigkeit dieser Existenzen, von der Ungerechtigkeit des Zufalls des Geborenwerdens, dass jeder auch ein anderer hätte sein können. Denn John Berger gelingt es, alle Existenzen von Innen her auszugleichen. Eigenartig ist auch, wie ein solches Leben von einem Besitz ergreift, wie man sich hineinlebt und wie man die Personen der Erzählung erlebt, als wäre man die Person selber. Das gelingt John Berger mit schlichten Stilmitteln, mit kurzen und deutlichen Sätzen. Odile, die zentrale Gestalt der Erzählung, die noch nie eine Treppe erstiegen hat, ist es auch "nie zuvor in den Sinn gekommen, dass man sich aussuchen könnte, wo man leben will".

Das Furchtbare, der tödliche Unfall: der Sturz in den Fabrikschlund scheint zu den Naturphänomenen zu gehören, während sie doch fast nur von der Habgier der Industriellen verursacht werden. Das wird nicht gesagt, nicht kommentiert, nur im Nebeneinander der Tatsachen gezeigt.

Vielschichtig ist diese Erzählung. Sie spielt in Hochsavoyen, und selbstverständlich ist Michel Kommunist, und er weiß von der Zerstörung der Umwelt durch die Industrie. Aber im Gegensatz zu vielen Alpengegenden verfiel Savoyen nie dem "Alpenfaschismus" und der regionalistischen Isolation, es blieb dem Zugang und den Einflüssen offen, ohne seine Eigenarten zu verlieren. Es ist kein Zufall, dass der Widerstand gegen die Naziokkupation hier besonders aktiv gewesen ist. Viele Verfolgte haben zwischen 1940 und 1944 in der Savoie und der Haute-Savoie Zuflucht und Rettung gefunden.

Der zeitliche Kern der Erzählung ist das Jahr 1953, als allmählich die kleineren Bauernhöfe eingehen und die Bauern Fabrikarbeiter werden. Das Wesentliche aber an dieser Geschichte ist nicht das soziologisch Interessante, sondern das Leben der hier auftretenden Menschen und wie der Leser in jede Person versetzt wird durch kleine Dinge: "Ich sehe das Dach, den Birnbaum neben dem Scheißhaus, den Kuhstall, in dem wir Holz aufbewahren, mit Bienenkörben auf dem Balkon - die Wanne, in der ich für Mutter Laken wusch, ist mit Schnee gefüllt . . ."

GEORGES-ARTHUR GOLDSCHMIDT.

John Berger: "Einst in Europa". Mit Fotografien von Patricia Macdonald. Aus dem Englischen übersetzt von Jürgen Trobitius. Hanser Verlag, München 2000. 132 S., geb.

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