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Die Mauer

Roman. Originaltitel: The Wall. 3. Druckaufl.
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Migration, Klimawandel, Brexit - "Die Mauer" - der Roman der Stunde von John Lanchester

In Großbritannien gilt das Gesetz des Stärkeren. Das Land ist von einer hohen Mauer umgeben, die von den Bewohnern um jeden Preis gegen Eindringlinge verteidigt wi … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Die Mauer
Autor/en: John Lanchester

ISBN: 360896391X
EAN: 9783608963915
Roman.
Originaltitel: The Wall.
3. Druckaufl.
Übersetzt von Dorothee Merkel
Klett-Cotta Verlag

1. Februar 2019 - gebunden - 348 Seiten

Beschreibung

In Großbritannien gilt das Gesetz des Stärkeren. Das Land ist von einer hohen Mauer umgeben, die von den Bewohnern um jeden Preis gegen Eindringlinge verteidigt wird. Während in England der Brexit vorbereitet wird, legt Bestsellerautor John Lanchester einen brisanten neuen Roman vor.

Joseph Kavanagh tritt seinen Dienst auf der Mauer an, die England seit dem großen Wandel umgibt. Er gehört nun zu jener Gruppe von jungen Menschen, die die Mauer unter Einsatz ihres Lebens gegen Eindringlinge verteidigt. Der Preis für ein mögliches Versagen ist hoch. Schaffen es Eindringlinge ins Land, werden die verantwortlichen Verteidiger dem Meer - und somit dem sicheren Tod - übergeben. Das Leben auf der Mauer verlangt Kavanagh einiges ab, doch seine Einheit wird zu seiner Familie, und mit Hifa, einer jungen Frau, fühlt er sich besonders eng verbunden. Gemeinsam absolvieren sie Kampfübungen, die sie auf den Ernstfall vorbereiten sollen. Denn ihre Gegner können jeden Moment angreifen. Und die sind gefährlich, weil sie für ein Leben hinter der Mauer alles aufs Spiel setzen.
John Lanchester geht in seinem neuen Roman alle Herausforderungen unserer Zeit an - Flüchtlingsströme, wachsende politische Differenzen und die immer größer werdende Angst in der Bevölkerung - und verwebt diese zu einer hochgradig spannenden Geschichte über Liebe und Vertrauen sowie über den Kampf ums Überleben.

Portrait

John Lanchester, geboren 1962 in Hamburg, wuchs im Fernen Osten auf und arbeitete in England als Lektor beim Verlag Penguin Books, ehe er Redakteur der »London Review of Books« wurde. Daneben war er für Zeitungen und Zeitschriften wie »Granta« und »The New Yorker« tätig sowie als Restaurantkritiker für »The Observer« und Kolumnist für »The Daily Telegraph«. Er gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern und führenden Intellektuellen Englands.

Pressestimmen

""Die Mauer" [gehört] definitiv zu den interessantesten und lesenswertesten Dystopien der letzten Jahre. Nicht zuletzt, weil John Lanchesters Roman wieder einmal deutlich macht, wie nah gute Science Fiction der Wirklichkeit kommen kann und muss, und dass die Mauer zwischen dystopischer Fiktion und deprimierender Realität gerade erschreckend niedrig ist."
Christian Endres, phantastisch!, Ausgabe 2/2019

"Die Mauer ist einerseits ein ökonomisch und routiniert erzählter, spannender Pageturner über eine Odyssee nach dem Ende unserer Weltordnung. Zugleich fragt der Roman auf wohltuend schlichte Weise nach dem Verhalten von Menschen, das nicht automatisch in die diversen Dystopien schon ausgereizte postapokalyptische Barbarei des "Jeder gegen Jeden" zurückfällt"
Thomas Edlinger, ORF - radio FM4, 14.04.2019

"[Ein] Glanzstück lakonischer Erzählkunst"
Bruno Jaschke, Wiener Zeitung, 13.04.2019

""Die Mauer" [ist] ein packender Roman [...], spannend, actionreich, handfest und konkret - so konkret wie Beton."
Falter, Bücher-Frühling 2019

"Lanchesters Buch rüttelt auf, ist spannend und gibt einen beklemmenden Einblick in eine Zukunft, die wir noch verhindern können, auf die wir aber unweigerlich zusteuern."
Andreas Wallentin, WDR5 - Bücher, 22.02.2019

"Ein erschütternd gut geschriebener Roman."
Bernd Melichar, Kleine Zeitung, 16.02.2019

""Die Mauer" bleibt bis zur letzten Seite spannend."
Florian Schmid, Straubinger Tagblatt / Landshuter Zeitung, 14.02.2019

"John Lanchester hat mit "Die Mauer" eine Dystopie geschrieben, die umso mehr erschreckt, als vieles davon bereits Realität ist. Der britische Autor nimmt auch seine Leser in die Pflicht."
Doris Kraus, Die Presse, 11.02.2019

"Bedrückend aktuell"
Welt am Sonntag, 03.02.2019

""Die Mauer" [gehört] definitiv zu den interessantesten und lesenswertesten Dystopien der letzten Jahre."
Christian Endres, die Zukunft, 01.02.2019

"Man wird immer tiefer in einen Albtraum verstrickt. [...] Die Szenen, die auf dem offenen Meer der Einbildungskraft treiben, sind fern und nah zugleich. Nach der Logik des Traums verknüpfen sich darin das fesselnde Garn der Abenteuergeschichte unauflöslich mit den höchst konkreten Bildern heutiger Flüchtlingsrealität"
Stefan Kister, Stuttgarter Zeitung, 01.02.2019

"Die Mauer ist ein außerordentliches Buch. [...] Für Lanchester ist die Mauer ein Faktum, das die Seelen verwandelt, die zentrale Tatsache inmitten von Wind, Himmel, Meer und Kälte; und diesem starken Bild schafft er Präsenz."
Burkhardt Müller, Die Zeit, 31.01.2019

"Wie es sich anfühlt, auf dem Meer rettungslos umherzutreiben, stellt John Lanchester in seinem Roman ergreifend dar. Das Meer ist kein Überlebensraum. Die Mauer ist es auch nicht, genauso wenig wie die Insel. Wie wollen wir leben?, fragt John Lanchester. Und er fragt es dringlich, weil es ums Überleben geht."
Julia Encke, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20.01.2019

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 20.01.2019

Hinter Mauern

Als John Lanchester anfing, den Roman "Die Mauer" zu schreiben, war Donald Trump noch nicht Präsident, und der Brexit sah aus wie eine Unmöglichkeit. Heute liest man das Buch wie eine Vision - auch wenn es darin eigentlich um andere, tiefere Fragen geht. Eine Begegnung mit dem Autor, der ein großer Schriftsteller ist. Und ein sehr politischer Mensch

Dass sein neuer Roman jetzt, wo er erscheint, eine solche Brisanz haben würde, hat John Lanchester nicht vorhergesehen und nicht geplant. "Jedenfalls nicht absichtlich", sagt er: "Es fing eigentlich mit einem Traum an. Ich arbeitete vor zwei Jahren an einem anderen Roman, hatte ein bestimmtes Bild im Kopf, das immer wiederkehrte, und schlief darüber ein. Ich träumte von einem Mann, der auf einer Mauer stand, alleine, nachts, an der Küste, den Blick auf das Meer gerichtet. Ich begann, darüber nachzudenken, wer das sein und in welcher Welt er leben könnte. Für mich war es das Bild einer Welt nach einer Klimakatastrophe, also hatte ich das Bild, eine Figur, eine Welt - und begann, ein neues Buch zu schreiben: ,Die Mauer'."

Ein "langgestrecktes Ungeheuer aus Beton" ist dieser Schutzwall, der im Roman Großbritannien umgibt, um Eindringlinge abzuwehren. Er ist zehntausend Kilometer lang ("dieses Land hat eine Menge Küste"), die Seite, die zum Meer geht, ist fünf Meter hoch und auf der Landseite je nach Beschaffenheit des Geländes von unterschiedlicher Höhe. Alle drei Kilometer gibt es ein Wachhaus, also insgesamt mehr als dreitausend. Es gibt Wälle, Treppen, Kasernen, Ausfahrtschleusen für Boote, Hubschrauberlandeplätze. Alles ist aus Beton und Großbritannien undurchdringlich abgeschottet. Zumindest ist das das Ziel.

John Lanchester, der 1962 in Hamburg zur Welt kam - die Mutter aus Irland, der Vater ein in Südafrika geborener Banker -, der in Asien aufwuchs, als Journalist beeindruckende Analysen für die "London Review of Books" und den "New Yorker" schreibt und mit seinem Roman "Kapital" über das Leben in der Großstadt in den Zeiten der Finanzkrise vor sechs Jahren auch in Deutschland berühmt wurde, entwirft die Vision einer nahen Zukunft. Sie spielt in einer Zeit nach dem "Wandel", wie die Klimakatastrophe, die hier schon stattgefunden hat, im Roman vage genannt wird. Es sei ihm nicht so sehr darum gegangen, über den Umweg der Zukunft das zu beschreiben, was gerade passiere, sagt Lanchester, sondern darum, auf die Richtung aufmerksam zu machen, in die wir gehen, den Weg zu zeigen, auf dem wir uns befinden.

Aber so ist das mit der Literatur: Der Kontext, in dem das Buch nun erscheint, kontaminiert das, was erzählt wird. Ohne dass der Autor selbst es bewusst beabsichtigt hätte, wird der Echoraum größer, entstehen Bedeutungszusammenhänge, die sich in unseren Köpfen verselbständigen. Denn natürlich denkt man bei der Mauer genau jetzt an die Szenen an der mexikanisch-amerikanischen Grenze und an das, was Donald Trump erst diese Woche wieder gesagt hat: Dass er die Grenze mit einer 1400 Kilometer langen Mauer sichern wolle und auf der restlichen Strecke natürliche Barrieren ihren Zweck erfüllen sollen ("Wir haben Berge. Und wir haben Flüsse, die brutal und böse sind"). Und dass die Mauer am besten durchsichtig sein müsse, damit Grenzbeamte auf die andere Seite blicken könnten.

Weil es sich bei Lanchester um einen Wall handelt, der Großbritannien umgibt, und sich sein Roman bei aller Düsternis immerzu auch feinsinnige englische Pointen erlaubt, hat man beim Lesen aber zugleich den Brexit im Kopf, die Kampagnen, die verfahrene Lage nach der Ablehnung des Theresa-May-Vertrags durch das britische Unterhaus in diesen Tagen. "Die Mauer" ist deshalb nicht gleich ein Brexit-Roman. Doch haben der Brexit und die mit ihm verbundenen Ängste sehr viel mit dem zu tun, was Lanchester verhandelt.

Zunächst steht da aber erst mal nur dieser junge Mann auf der Mauer, Joseph Kavanagh. Er ist neu in der Mannschaft der "Verteidiger", die oben in der Kälte für die "Nationale Küstenverteidigungsbefestigung (NKVB)" arbeiten. Einer von hunderttausend, die sich in zwei Schichten abwechseln. "Wir sind hier, um das Meer zu beobachten", sagt der Hauptmann zu ihm. Während sie dort mit vom Stillstehen schmerzenden Gliedern in der Kälte Wache halten, sind über ihnen von Zeit zu Zeit Flugzeuge und Drohnen zu sehen, die das Meer nach "Anderen" absuchen, sie orten und "an Ort und Stelle zur Strecke bringen". Kavanagh selbst hat diese "Anderen" noch nie gesehen, ist aber besorgt: "Es war nicht schwer, sich eine schwarzgekleidete Gestalt vorzustellen, die lautlos über die Mauer springt, mit dem Messer in der Hand und Mordlust in den Augen. Jemand, der nichts zu verlieren hat. Keine Warnung. Kein Erbarmen." Sie kommen immer in der Nacht, heißt es. Doch passiert erst einmal nichts, weshalb man beim Lesen schon für möglich hält, sie könnten beckettartig gar nicht auftauchen: "Nachts, auf der Mauer, ist die Phantasie dein Feind." Man täuscht sich. In Wirklichkeit sind sie längst da, doch weiß das auch Joseph Kavanagh nicht, der nach seiner ersten zweiwöchigen Schicht ohne einen besonderen Zwischenfall zu seinen Eltern nach Hause fährt.

Lanchester hat als seinen Protagonisten nicht zufällig einen sehr jungen Mann gewählt, einen Stellvertreter für all jene, die - anders als ihre Eltern - "nach dem Wandel" geboren wurden. Er habe viel gelesen über das, was uns mit dem Klimawandel bevorstehe, erzählt er. Und tatsächlich sind die Szenarien des Weltklimarats ja kein Geheimnis: dass bei einer Erwärmung um vier Grad der Meeresspiegel um mehr als einen halben Meter anstiege, Gebiete und Orte in Küstennähe überfluteten, rund eine Milliarde Menschen davon direkt betroffen wären, darunter die Bewohner von Bangladesch, New York, Bombay, Schanghai und auch Hamburg. "Das würde zu einer massenhaften Migration führen, wie wir sie noch nicht gesehen haben", sagt Lanchester. Und nicht nur wenn man Kinder habe, stelle sich damit die Frage, welche Welt wir der nächsten Generation überlassen. Im Roman sind "die Alten" diejenigen, die "es verkackt" und die Welt "unwiederbringlich ruiniert" haben. Den Dienst auf der Mauer mussten sie nie leisten, weil es, als sie jung waren, eine Mauer noch nicht gab, sondern stattdessen Strände, von denen sie geradezu besessen sind. Kavanagh beobachtet seine Eltern durch das Fenster von draußen dabei, wie sie, als er das Haus verlässt, um zum nächsten Dienst aufzubrechen, verstohlen zusammen gleich eine Sendung über das Surfen gucken, was sie in seiner Gegenwart nicht getan hätten. Nicht ein einziger Strand ist übrig geblieben, nirgendwo auf der ganzen Welt.

Die Klimakatastrophe und das, was wir mit ihr anrichten, stehen im Fokus des ersten Romanteils. Dann kommen "die Anderen", mit einem Überfall, der Kavanagh in Panik versetzt und ihn in einen völlig überraschenden und enorm spannenden Konflikt verwickelt, an dessen Ende er (und da sind wir noch lange nicht am Ende des Buchs) sich auf einem Boot ausgesetzt auf dem Meer wiederfindet, jenseits der Mauer: Joseph Kavanagh, ein "Anderer". Denn das ist die Pointe, auf die Lanchesters Roman hinausläuft: Wer "die Anderen" sind, ist eine Frage des Standpunkts, weshalb wir im Grunde genommen, vor und hinter Mauern, jenseits von Grenzen und Wällen, an Land und auf hoher See, für diejenigen, die auf uns schauen, gleichermaßen "die Anderen" sind. Das mag, so formuliert, naheliegend klingen. Lanchester ist unaufdringlich genug, es im Roman nicht ausdrücklich zu sagen, sondern den Effekt dieser Erkenntnis zu provozieren, nicht zuletzt auch dadurch, dass "die Anderen" in seinem Roman kein Gesicht haben, keine Geschichte, keine besondere Herkunft. Sie sind einfach nur Menschen, wie wir alle.

Wenn er im Roman diese Vision einer nahen Zukunft entwirft, wie sieht dann John Lanchesters Vision der ganz nahen Zukunft aus? Sein Blick auf Großbritannien morgen? Welcher Brexit? Oder doch kein Brexit? Was wird passieren? Die Briten könnten machen, was sie wollen, sie werden immer ein Teil von Europa sein, egal, wie es jetzt mit der EU stehe, sagt er. Wenn seine eigenen Kinder sein Alter erreicht haben werden, werde Europa sicher eine andere Zusammensetzung, Großbritannien aber immer noch Beziehungen zu ihr haben. Der Brexit liege für ihn irgendwo zwischen Fehler und Katastrophe, dieses Gefühl habe er an dem Tag gehabt, als die Abstimmungsergebnisse feststanden, und er habe es noch. Doch glaube er nicht, dass er etwas sei, das für immer andauern werde, allein schon aus demographischen Gründen.

Was aber wird jetzt passieren? "Ich weiß es nicht, ich habe wirklich keine Vorstellung davon, und das ist fast das Seltsamste an der ganzen Sache. Die Brexit-Verhandlungen laufen jetzt schon so lange, wir haben Mitte Januar, es bleiben nur noch wenige Tage. Ich kenne eine Menge Leute, die im Journalismus arbeiten, in der Politik und in der Wirtschaft, und ihnen geht es nicht anders als mir: Sie haben keine Idee, wohin die Situation jetzt führen wird. Das Problem ist, dass es keine Mehrheit für eine Lösung gibt, keine Mehrheit für den May-Deal, keine Mehrheit dafür, doch in der EU zu bleiben. Wenn Sie mich fragen, wie man da rauskommt: Ich weiß es nicht."

Dass man das große zweite Kapitel seines Romans, das mit "Die Anderen" überschrieben ist, jetzt auch mit dem Brexit in Zusammenhang bringt, verwehrt er einem natürlich nicht. Von außen scheint es beim Brexit vor allem um ökonomische Fragen zu gehen und nicht so sehr um Fragen der Einwanderung. Stimmt das eigentlich?

"Das ist eine dieser Auseinandersetzungen, in denen beide Seiten eine völlig andere Sprache sprechen und übrigens auch deshalb nicht zueinanderkommen", sagt John Lanchester. "In der Vote-Remain-Kampagne ging es vor allem um ökonomische Fragen, in der Vote-Leave-Kampagne dagegen mehr um Fragen der Migration."

Warum aber blicken so große Teile der britischen Gesellschaft, die die Erfahrung von Einwanderung aus den ehemaligen Kolonien ja schon gemacht haben und sich auf ihre Vielfalt einiges zugutehalten können, mit so viel Angst auf "die Anderen"?

"In London ist man dafür, in der EU zu bleiben. Aber London ist völlig anders als der Rest Großbritanniens." Es sei keine utopische Phantasie, dass in Gebieten, in denen es viele Einwanderer gebe, die Menschen auch für Einwanderung seien. "Das ist geradezu ein geographisches Muster." Aber um dieses Gebiet herum gebe es einen Bereich, in dem Menschen leben, die nicht nahe genug dran sind, als dass sie die praktischen Effekte der Einwanderung miterlebten. "Sie reagieren mit Angst. Das ist der Donut-Effekt", sagt John Lanchester und nimmt auch auf seinen vorhergehenden Roman "Kapital" Bezug: "So blickt der Rest Großbritanniens auf London, die Hauptstadt, auf den Ort, wo das ganze Geld ist, wo die politische Macht ist, die kulturelle Macht, der Glamour und das größte Level an Vielfalt, und sie denken nicht: Das ist so, wie auch ich lebe. Sie blicken auf etwas vollkommen anderes, das mit ihnen selbst und ihrem eigenen Leben nichts zu tun zu haben scheint. Dann entsteht das Ressentiment. Ein großer Teil derer, die für den Brexit gestimmt haben, sagten sich: ,Scheiß auf London.'"

Es gibt in der "Mauer" eine Stelle, in der ein Boot auf eine Insel im Ozean zusteuert und für diejenigen, die sich auf diese Insel geflüchtet haben, Rettung verspricht. Es ist der Moment, wo man beim Lesen kurz glaubt, denen, die hier "die Anderen" genannt werden, tatsächlich zu begegnen. Was dann passiert, ist jedoch schrecklicher als alles, was sich zuvor schon abgespielt hat. Wie es sich anfühlt, auf dem Meer rettungslos umherzutreiben, stellt John Lanchester in seinem Roman ergreifend dar. Das Meer ist kein Überlebensraum. Die Mauer ist es auch nicht, genauso wenig wie die Insel. Wie wollen wir leben?, fragt John Lanchester. Und er fragt es dringlich, weil es längst ums Überleben geht.

JULIA ENCKE

John Lanchester: "Die Mauer". Roman. Aus dem Englischen von Dorothee Merkel. Klett-Cotta, 348 Seiten, 24 Euro. Das Buch ist soeben in Großbritannien erschienen und erscheint am 31. Januar auf Deutsch.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Felicitas N.
von Felicitas N. - Hugendubel Buchhandlung Wiesbaden Kirchgasse - 16.05.2019
Der aktuelle Bezug zu England, dem Brexit und anderen Politikerideen zum Thema "Mauer" ist vielleicht Zufall ... Trotzdem faszinierte mich dieser Roman gerade wegen der intensiven, detailgenauen Beschreibungen, der Gefühls- und Seelenwanderung, der der Rekrut Joseph Kavanagh bei der Verteidigung der Maier, die England vor Illegalen schützt, unterliegt. Ein vorstellbares Szenario einer möglichen Zukunft, sprachlich gut erzählt und interessant, also lesenswert!
Jens M.
von Jens M. - Hugendubel Buchhandlung Frankfurt/Main Steinweg - 25.03.2019
Habe gerade mit der Lektüre von "Die Mauer" begonnen und bin wieder sehr begeistert. Lanchester entwirft eine Geschichte, die im Nach-Brexit-England spielt. Eine sehr fesselnde und anregende Lektüre. Ich freue mich sehr auf die Veranstaltung hier bei uns ...
Volker Stein
Tiefgründiger Thriller aus England
von Volker Stein - Hugendubel Buchhandlung Wismar Hinter dem Rathaus - 03.02.2019
Die Mauer ist für mich die absolute persönliche Neuentdeckung eines englischen Autoren, den ich bis dato gar nicht kannte. John Lanchester zeichnet hier eine brutale Vision von Europas möglicher Zukunft: Großbritannien ist von einer 10 000 km langen Mauer umgeben und alle jungen Leute, Männer wie Frauen gleichermaßen, müssen einen zweijährigen Grundwehrdienst auf diesem Wall absolvieren, um die Anderen abzuwehren. Wenn ein sogenannter Anderer die Mauer überwinden kann, wird wiederum einer der Soldaten des Walls draußen ausgesetzt... Die Mauer ist spannend wie ein Abenteuerroman a la Game of Thrones, voller Überraschungen und dabei absolut tiefgründig. Dieser dunkle Roman ist für mich ein absoluter Edelthriller, der den Leser oft nachdenklich und zuweilen sprachlos zurücklässt. So muss Literatur sein! Wenn ich dieses Jahr den Literaturnobelpreis vergeben dürfte, bekäme ihn dieses Hammerbuch !
Bewertungen unserer Kunden
Die Mauer
von simi159 - 12.05.2019
In einer nahen Zukunft, in Großbritannien gilt das Gesetz des Stärkeren. Um die Insel ist eine hohe Mauer gezogen die von den Bewohnern bewacht und um jeden Preis verteidigt wird. Bei Versagen zahlt der Bewacher dies mit dem eigenen Leben. Seit dem Wandel gibt es die Bewohner und die Anderen. Joseph Kavanagh ist ein junger Einwohner, der jetzt seinen zweijährigen Wachdienst an der Mauer antreten muss. Mit all seinen Entbehrungen und Konsequenzen¿. Fazit: Kalt und düster ist diese Zukunft die John Lanchester in seinem Roman da erschafft. So kalt und karg, wie für Joseph Kavanagh sein Wachdienst an der Mauer ist, so ist die Sprache und Erzählweise. Endlos scheinen diese Dienste, mit dem einzigen Lichtblick eines kurzen Snacks oder warmen Tees. Es gibt keine Sonne, keine richtige Freude, eher die Angst einen Anderen zu übersehen und die Mauer nicht richtig zu bewachen. Seit der Wandel vollzogen wurde, haben die Nachkommen keine Wahl mehr, sie müßen diese zwei Jahre Dienst an der Mauer tun, sich dem fügen. Diese Ausweglosigkeit, Hilflosigkeit und das Verantwortlich gemacht werden, für etwas, das die eigenen Eltern verursacht- oder wogegen sie nichts unternommen haben, kommt einem beim Lesen sehr schnell in den Sinn. Wird auch vom Autor thematisiert. Denn diese mächtige Mauer, die Einsamkeit dort und die Anstrengung des Wachehaltens auf der selbigen kann man bis ins kleinste Detail beim Lesen spüren. Mit aller Macht wird da etwas verteidigt ohne, dass die, dies tun müssen gefragt werden, ob sie es überhaupt wollen. Doch da ist mehr als die Mauer, Hoffnung -Liebe, ein zarter Keim von Wahlmöglichkeiten für Kavanagh und Hifa. Realistische und authentische Charaktere, Hifa und Joseph, aus dessen Sicht das alles erzählt wird, runden das Buch ab. Wer einen diatonischen Roman, mit einem Held, der aufbricht und die Mauer einreißt, erwartete, wird hier nicht glücklich. Wer ein mögliches Bild sucht, einer möglichen Zukunft, wenn wir weiter so machen, Stichwort: Trump & Co., wird auf seine Kosten kommen. 4 STERNE.
Beklemmend
von Gisel - 29.04.2019
Während Großbritannien mit einer Mauer vor Eindringlingen geschützt wird, tritt Joseph Kavanagh seinen zweijährigen Dienst dort an. Es ist keine leichte Aufgabe, dort Wache zu halten, es kann sogar lebensgefährlich werden. Denn wenn die Anderen es schaffen, über die Mauer zu kommen, riskieren alle Wachhabenden den Tod oder die Verbannung. Mit dieser düsteren und beklemmenden Zukunftsvision greift der Autor John Lanchester viele gesellschaftskritischen Themen auf und projiziert diese auf eine Zeit, in der die Welt bereits sehr menschenfeindlich geworden ist. Die Jungen werfen den Älteren vor, ihnen eine Welt zu hinterlassen, die fast nicht mehr lebenswert ist, die Älteren vergehen in Schuldgefühlen, die nicht mehr zu ändern sind. Der Generationenvertrag scheint gebrochen, wie überhaupt eine Zukunft kaum noch möglich erscheint. Der Dienst an der Mauer ist für jeden verpflichtend, so gefährlich er auch ist, und es herrscht unbedingter Gehorsam. So aktuell die aufgegriffenen Themen dieses Buches sind, so schwer habe ich mich dennoch beim Lesen getan. Langatmig wirken viele Passagen, der Ich-Erzähler zeigt dabei einen fast schon naiven sachlichen Ton und verliert sich in vielerlei Detailbeschreibungen. Er scheint kaum irgendwelche Emotionen zu empfinden, genau das aber macht es schwer, sich als Leser in ihn hineinzufühlen. So wirken alle Protagonisten eher hölzern, selbst in Gefahrensituationen fällt es schwer mitzufühlen. Das mag so gewollt sein, um dem Thema mehr Dringlichkeit zu geben, ist aber ziemlich zäh beim Lesen. So sehr ich die Grundidee des Buches schätze, so wenig hat mir die Umsetzung der Geschichte gefallen, so dass ich leider nur drei von fünf Sternen vergeben kann. Eine echte Empfehlung mag ich nicht aussprechen.
Mahnung an die Gesellschaft
von nil_liest - 26.04.2019
Dieses Buch zeigt uns wie stark Literatur helfen kann unsere Gesellschaft und die Richtung die wir einschlagen zu verstehen. Vor allem führt es uns durch die Absurdität des Extremen vor Augen was schief läuft. John Lanchester tut genau dies in seinem Roman "Die Mauer". Wir befinden uns in der Zukunft und begleiten Joseph Kavanagh zu seinem 2jährigen Einsatz auf die Mauer. In diesem dystopischen Zukunftsszenario umgibt England eine Mauer die 10.000km lang ist, 3m hoch und alle 3km einen Wachposten hat als Schutz vor den Anderen draußen. England schützt sich so nach dem großen Wandel vor Eindringlinge. Der Einsatz als Verteidiger auf der Mauer zerrt an den Kräften und Nerven, denn ein Fehler und man wird selbst zum Opfer und dem Meer übergeben. Auf sehr beklemmende Weise schafft es John Lanchester im ruhigen Ton diese absurde und so fatale Welt zu erschaffen. Erstklassig verarbeitet er die Themen der Zeit wie den BREXIT, die wachsende Angst gegenüber Unbekanntem, die Sorge um die Flüchtlingsströme. Gut geschrieben und auch hervorragend übersetzt von Dorothee Merkel, rüttelt es den Leser wach und fordert ihn geradezu zum Handeln auf. In so einer Welt will keiner Leben! FAZIT: Ein Roman für mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander. Ein Hoch auf die gemeinschaftliche Gesellschaft und gegen die Abschottung!
Erschütternde Zukunftsvision: schnörkellos und hart
von Marie aus E. - 20.04.2019
Der junge Joseph Kavanagh muss wie alle jungen Erwachsenen in Großbritannien seinen zweijährigen Pflichtdienst auf der Mauer antreten. Die zwölfstündigen Wachdienste an der Mauer sind zäh und lang - genauso wie die ersten fünfzig Seiten des Buches, die aber dadurch genau diese Stimmung perfekt widerspiegeln. Dann aber wandelte sich mein Leseempfinden - die Handlung - die ja leider gar nicht so weit weg ist - hat mich völlig in die Geschehnisse des Buches versetzt, ich konnte es kaum aus der Hand legen. Ein sehr packender Schreibstil, wenn man erst mal die etwas drögen Anfangsseiten geschafft hat. Klimawandel, Flucht und Verteidigung der eigenen Komfortzone ohne Rücksicht auf Mitmenschen (im Buch beklemmenderweise die Anderen genannt ) und das Fehlen jeglicher Menschlichkeit - eine nachdenklich stimmende Zukunftsvision, die heute schon in Teilen so erschreckend wahr ist. Ein beklemmendes Buch, das ich völlig unterschätzt hatte: ohne großes Nachdenken ist es mir fünf Sterne wert.
Die Mauer ist kein Schutzwall - sie teilt den Schrecken nur in zwei Hälften
von mesu - 13.04.2019
Es ist eine schreckliche Vorstellung: Eine Mauer quer durch England, errichtet nach dem großen Wandel der Klimakatastrophen, Kriege und eine zwei Klassen Gesellschaft hervorgebracht hat. Die Menschen die Flüchtlinge, auch Andere genannt versuchen über das Meer hinter die Mauer in die vermeindliche Sicherheit zu gelangen. Die Verteidiger die die Mauer Tag und Nacht verteidigen,drängen die Anderen mit Gewalt zurück. Das ist der Plot dieser Geschichte, die dem Leser aus verschiedenen Perspektiven dargestellt wird. Der Protagonist Joseph ist einer der Verteidiger auf der Mauer und sein Leben ist merkwürdig, manchmal eintönig, gefährlich und noch Einiges mehr..... Dieser Roman lässt niemanden kalt. Es ist teilweise unfassbar aus welchen Beweggründen die Begebenheiten, Maßnahmen und auch Befehle dargestellt werden. Eine Lektüre der besonderen Art, die es sich zu lesen lohnt und die noch lange nachklingt.
Verspricht zu viel
von Julia Lindner - 07.04.2019
John Lanchester geht in seinem neuen Roman alle Herausforderungen unserer Zeit an - Flüchtlingsströme, wachsende politische Differenzen und die immer größer werdende Angst in der Bevölkerung - und verwebt diese zu einer hochgradig spannenden Geschichte über Liebe und Vertrauen sowie über den Kampf ums Überleben. Mit solchen volltönenden Worten wird Die Mauer beworben. Um Migration, Klimawandel und Brexit soll es gehen. Der Roman der Stunde soll es sein. Ja, diese Themen werden im Buch kurz angeschnitten und irgendwie schwingen sie hintergründig mit, erscheinen aber eher wie eine blasse Fatamorgana am fernen Horizont des Meeres, auf das Joseph Kavanagh 12 Stunden am Tag während seiner Wachschichten auf der Mauer starrt. Großbritannien hat sich vom Rest der Welt abgekapselt, indem es eine Mauer entlang seiner Küsten errichtet hat und keinen der Andere mehr ins Land lässt. Gleichzeitig ist es, dank eines nicht näher definierten Wandels, der das Abschmelzen der Pole und damit einen Meeresspiegelanstieg zur Folge hatte, das scheinbare gelobte Land, für dessen Erreichen die Menschen sogar ihren eigenen Tod oder ihre Versklavung in Kauf nehmen. Die Geschichte wird dominiert durch einen recht trockenen Schreibstil und wird aus Sicht des jungen Kavanagh erzählt, der seinen 2-jährigen Pflichtdienst auf der Mauer antritt. Mal abgesehen davon, dass dieser junge Mensch überragend unsympathisch und egozentrisch erscheint, werden die groß beworbenen wichtigen Themen dank seiner Kurzsichtigkeit kaum angeschnitten und verschwinden schnell in der Belanglosigkeit der Geschichte. Man erfährt weder genaueres über die Umstände, die zu dieser aktuellen Situation geführt haben, noch erhält man großen Einblick in die wachsenden politischen Differenzen , die ja angeblich zu den Hauptthemen des Buches gehören sollen. Auch die Figuren, von denen es neben Kavanagh nicht gerade wenige gibt, bleiben blass und sind kaum mehr als Namen in der Geschichte. Insgesamt bleibt es ein Buch, von dem ich mir viel erhofft habe, das mir aber letztendlich mehr aufgrund seines ansprechenden Covers als wegen seines Inhalts im Gedächtnis bleiben wird.
Blieb leider deutlich hinter meinen Erwartungen zurück
von Glücksklee - 16.03.2019
Zum Inhalt Großbritannien in der Zukunft. Nach Entwicklungen, die in diesem Buch nur mit dem Begriff "Wandel" umschrieben werden, hat sich das Land mit Hilfe einer Mauer, die die gesamte Küste entlang verläuft, abgeschottet. In einer Form von Wehrdienst müssen junge Menschen zwei Jahre ihres Lebens auf dieser Mauer zubringen und tragen dabei die Verantwortung dafür, dass die "Anderen" nicht über die Mauer ins Landesinnere kommen. In dieser Welt begleiten wir als Leser den "Verteidiger" Jospeh Kavanagh, als dieser seinen Dienst auf der Mauer antritt. Meine Meinung Die Leseprobe zu "Die Mauer" und der Klappentext hatten mich vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussionen zum Thema "Flucht und Zuwanderung" sehr neugierig auf das vom Autor beschriebene düstere Zukunftsszenario gemacht. Denn John Lanchester zeichnet ein wirklich grauenhaftes Zukunftsbild, in der tatsächlich eine physische Mauer aus Beton hochgezogen wird, um Menschen, die aus verschiedenen Gründen auf der Flucht sind, daran zu hindern, Großbritannien zu betreten. Jeder aus der jüngeren Generation ist dazu verpflichtet, eine Art Verteidigungsdienst auf dieser Mauer zu absolvieren. Dabei soll die "Motivation" zur Verteidigung der Landesgrenze mit Waffengewalt dadurch gesteigert werden, dass bei Versagen quasi eine Verbannung für die jeweils verantwortlichen Verteidiger ausgesprochen wird, die dann dem Meer überlassen werden - was defacto in der Regel den sicheren Tod bedeutet. Das grundsätzliche Setting der Geschichte hatte also meinen Erwartungen nach einiges an Spannung und Dramatik zu bieten. Allerdings muss ich nach der Lektüre von "Die Mauer" sagen, dass der beste Teil des Buches meiner Meinung nach bereits in der Leseprobe enthalten war. Zum einen bin ich mit dem Protagonisten der Geschichte, Joseph Kavanagh, nicht wirklich warm geworden. In großen Teilen der Geschichte war er mir einfach unsympathisch. Die kurzen Momente der Nachdenklichkeit, in denen er darüber reflektiert, was es eigentlich bedeutet, dass sich sein Land so abgeschottet hat und wie unmenschlich mit Flüchtenden umgegangen wird, sind sehr selten und dann meist auch sehr oberflächlich abgehandelt. Zum anderen wiederholt sich der Autor in seinen Ausführungen meiner Meinung nach zu oft. Wie oft der Beton, der Himmel, der Wind und die Kälte erwähnt werden, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Eine gewisse Anzahl an Wiederholungen lasse ich mir als Stilmittel zur Verdeutlichung oder Betonung von bestimmten Sachverhalten ja gefallen, aber die Anzahl in "Die Mauer" hat einfach für mich dazu geführt, dass sich die Geschichte gezogen hat und Längen hatte, die unnötig waren. Andere Themen, zum Beispiel, was genau den "Wandel" umfasste, werden sehr oberflächlich behandelt und die Wendungen der Geschichte, die für Spannung sorgen könnten, kündigt Kavanagh in seiner rückschauenden Erzählung aus der Ich-Perspektive immer bereits an, sodass man als Leser dann nur noch darauf wartet, dass die dann sehr vorhersehbare Wendung eintritt. Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt - und gerade der Sinn des letzten Abschnitts hat sich mir nur bedingt erschlossen. Es bleiben wiederum Fragen offen und die offensichtlichen ethischen Fragenstellungen, die wohl damit behandelt werden sollten, werden wiederum vom Kavanagh nur oberflächlich betrachtet. Kurzum, irgendwie hat mich das Ende mit einem schalen Nachgeschmack zurückgelassen. Von mir erhält "Die Mauer" daher auch nur zwei von fünf Sternen. Das Buch blieb leider deutlich hinter meinen Erwartungen zurück. Zu dem Thema "Flucht" gibt es da deutlich bessere aktuelle Veröffentlichungen, wie z.B. "Davor und Danach" von Nicky Singer.
realitätsnahe Zukunft?
von Manuela Prien - 16.03.2019
Joseph Kavanagh beginnt seinen Dienst auf der Mauer in Großbritannien.Vorraussichtlich dauert dieser Dienst zwei Jahre,wenn nichts dazwischen kommt,denn wer versagt,wird dem Meer ausgeliefert und quasi zum Tode verurteilt. Die Geschichte wird aus Sicht von Joseph erzählt und man wird direkt ins Geschehen geworfen,eine Vorgeschichte gibt es nicht,die Mauer ist schon da. Der Charakter Joseph würde nicht wirklich gut ausgearbeitet,genauso wie die anderen Personen,Hifa,Mary etc. Gelungen ist allerdings die Darstellung der Kälte,die dort herrscht. Die Idee an sich ist sehr gut,jedoch wurde sie nicht komplett umgesetzt.Viele Fragen bleiben offen,was sehr schade ist.Ich hatte zum Schluss noch gehofft,dass es vielleicht ein paar Erklärungen gibt,leider Fehlanzeige. Das Buch ist spannend und der Schreibstil ist flüssig aber man hätte wesentlich mehr rausholen können.
Harte, düstere Zukunft - fesselnd erzählt
von Milli - 14.03.2019
Ich gestehe, dass ich mich anfangs zwingen musste, das Buch zu beginnen, zu düster und kalt waren meine ersten Empfindungen. Und zum Schluss konnte ich mich nicht gar nicht losreißen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es mit Joseph Kavanagh, der Hauptperson des Buches, weitergeht und endet. Joseph muss wie alle jungen Frauen und Männer des zukünftigen Großbritannien seinen Pflicht-Wehrdienst auf der Mauer, die zum Schutz des Landes vor den "Anderen" gebaut wurde, ableisten. Und die erste Zeit fällt ihm und den anderen unglaublich schwer, es ist in der Regel eisig kalt, es ist langweilig und trotzdem müssen die Männer und Frauen ständig aufmerksam und angespannt sein. Besonders schlimm ist es in der Nacht, wenn die Wahrscheinlichkeit eines Angriffes steigt, gleichzeitig aber die Sichtverhältnisse besonders schlecht sind. Dazu kommt noch unbedingter Erfolgsdruck, denn falls es bei einem erfolgreichen Angriff "Anderen" gelingt, über die Mauer ins Hinterland zu gelangen, so drohen den Mauerbewachern, die diesen Durchbruch nicht verhindern kommen, drastische Strafen, sie werden aus Großbritannien verstoßen und auf dem Meer ausgesetzt. Doch zunächst gelingt es Joseph sogar, sich bei einem Angriff auszuzeichnen, er findet Freunde und nicht zuletzt eine Frau, die er liebt und die ihn liebt. Er träumt von einer Familie mit ihr und sogar von einem möglichen Aufstieg in die Oberschicht, der ihm gar nicht so unmöglich erscheint. Denn das Leben der einfachen Bevölkerung klingt jetzt nicht wirklich erstrebenswert, die Älteren hängen der glücklichen Vergangenheit nach und die Jüngeren beneiden sie um diese Zeit und machen sie gleichzeitig für den Verlust der Lebensqualität verantwortlich. Doch dann passiert die Katastrophe: durch Verrat aus den eigenen Reihen und aus dem Land selbst gerät seine Mannschaft in einen Angriff, Joseph überlebt gerade noch verletzt und einer größeren Gruppe Anderer gelingt das Eindringen in das Land. Und obwohl er persönlich keine Schuld hat, gelten auch für ihn die Regeln, dass er sein Recht auf weiteren Verbleib im Land verwirkt hat und in einem Boot auf dem Meer ausgesetzt wird. Und in diesem Boot ist er nicht allein. Am Anfang liest sich das Buch etwas sperrig, aber je weiter ich kam, desto interessanter und spannender wurde es. Wir können nur hoffen, dass sowohl die klimatischen wie gesellschaftlichen Umbrüche, die hier angerissen werden und die Grund für die Lebensregeln in diesem Land sind, nicht eintreten oder die Menschheit sich für einen anderen Umgang miteinander entscheidet. Wobei hier die Frage wäre, wie man es denn besser machen könnte und müsste¿ Die sprachlichen Bilder und Beschreibungen sind so eindringlich, dass ich geradezu mitgefroren habe, das ist dem Autor wirklich gut gelungen. Das Ende lässt mich dann etwas ratlos zurück, trotzdem sehr gute 4 Sterne für dieses durchaus anspruchsvolle Buch.
Dystopisch
von KrimiElse - 13.03.2019
Der Autor John Lancaster schrieb seinen fünften, diesmal dystopischen Roman "Die Mauer". Es geht um Abgrenzung und Ausgrenzung von Klimaflüchtlingen, Bedrohungen von außen und aus den eigenen Reihen, Schuldfragen der vorangegangenen Generationen in einem offenbar totalitäten System. Der junge Joseph Kavanagh tritt seinen zweijährigen Dienst als Verteidiger der Mauer an. Er findet seinen Platz innerhalb seiner Einheit in soldatischer Manier, als Balanceakt zwischen Befehlskette und Gehorsam, Kameradschaft und der engeren Verbindung zu einer jungen Frau namens Hifa muss er agieren, während Trainingseinsätzen wird er auf den Ernstfall eines Angriffs durch die Anderen vorbereitet. Denn der Gegner ist äußerst gefährlich, da die Anderen nichts zu verlieren haben. Und der Preis ist hoch, wenn er versagt: Kavanagh wird verstoßen und selbst aufs Meer geschickt, wird selbst zum Anderen. Kavanagh beschäftigt sich zu Beginn des Romans mit diesem monströsen Bauwerk Mauer, seiner Kälte, seiner Größe, seiner Ödnis und Langeweile. Zunächst ist nicht klar, wo die Mauer steht, es könnte jeder beliebige Befestigungswall sein, verbunden mit der unendlichen Langeweile und Kälte, die mit dem 12-stündigen Starren auf Meer innerhalb einer Schicht zwangsläufig aufkommt. Man denkt unwillkürlich an "Game of Thrones" von George R.R.Martin, an Franz Kafka "Das Schloß" oder sogar auch an den Römischen Limes oder die Berliner Mauer. Flach, knapp und kalt ist die hier Sprache gehalten, offenbar gewollt platt, wenige kalte Wörter werden zu Bildern oder zum Haiku angeordnet, und vermitteln dadurch sehr eindringlich ein Gefühl für die Kälte, die den Tod auf der Mauer bedeuten kann, für die Sinnlosigkeit und und die Geringschätzung der Menschlichkeit. Dieser Beginn ist übrigens für mich der beste Teil am ganzen Buch. John Lancaster hat ein Buch geschrieben, das zum einen dystopisch ist, zum anderen eine ziemlich konkrete Vorlage für die Zukunft zeigen soll mit Blick auf momentane populistische und nationalistische Bewegungen. Haltungen statt Handlungen stehen im Vordergrund, konzeptionelle Fragen spielen eine große Rolle, wie übrigens in vielen berühmten Dystopien, weniger der Hintergrund und das Hinterfragen. Doch genau das stört mich auch am Buch. Es entwickelt sich zwar im Verlauf der Handlung zu einem durchaus spannenden Abenteuerroman, sofern man Abenteuer mit Armee-Hintergrund und Heldentum mag, aber die Charaktere sind mir viel zu blaß, zu wenig mit inneren Konflikten beschäftigt, die die Situationen zwangsläufig verlangen. Die Geschichte selbst ist zudem bar jeder Hintergrundinformation. Man liest wie ein Blinder und bekommt keinerlei Hinweise darauf, was den "Wandel" bewirkte, worin die Schuld der vorangegangenen Generation besteht, ob sie überhaupt besteht oder ob dies nur ein jugendliches Rebellieren gegen die Eltern ist. Natürlich könnte man als Leser Parallelen ziehen zur aktuellen klimatischen und politischen Situation, zur Zunahme der Abschottung gegenüber Flüchtlingen, zum sorglosen Umgang mit der globalen Erwärmung, aus der sich viele denkbare Katastrophen ergeben könnten, aber das Buch regt mich nicht dazu an, sondern ich habe das Gefühl, ich soll unbedingt blind bezüglich des großen Überblicks bleiben. Und das gefällt mir leider gar nicht. Dem Buch wird große Aktualität bescheinigt, die für mich so nicht gut nachvollziehbar ist. Denn aktuell wird es erst durch die Besprechungen oder durch den Verlag mit Hinweisen auf Brexitdiskussionen, Abschottung und Klimawandel, mögliche apokalyptische Wandlungen, die angepasstes Handeln erfordern sollen, weniger durch die Handlung und die Geschichte selbst. Soll ich aus dem Buch apokalyptische Vorstellungen einer möglichen Zukunft herauslesen und angstvoll mein Handeln anpassen? Ähnliche Dystopien totalitärer Systeme wie die vorliegende wurden bereits im vergangenen Jahrhundert geschrieben, im übrigen besser als hier mit sich konsequent durch die Geschichte ziehender Kälte, und die mich dadurch mehr bewegt haben.
Die Mauer
von libro-chica - 12.03.2019
John Lanchester hat hier einen Roman geschrieben, der in der Zukunft spielt. Die Welt hat sich verändert. Großbritannien ist von einer Mauer umgeben und wird gegen die Menschen außerhalb verteidigt. Es ist ein Kampf ums Überleben, wer Eindringlinge ins Land lässt, wird selbst verbannt und auf dem Meer ausgesetzt. Joseph Kavanagh fängt seinen Dienst an der Mauer an. Eigentlich eine interessante und teilweise auch spannende Story. Aber man hätte irgendwie mehr daraus machen können. Das Thema ist ja aktuell, der Brexit, Flüchtlingsströme, politische Differenzen. Es gibt auch einige langatmige Kapitel, zum Ende wird es wieder spannender. Insgesamt habe ich mir jedoch irgendwie etwas mehr erhofft von diesem Buch. Es war teilweise schon zäh zu lesen. Etwas mehr Spannung wäre schön gewesen. Die Charaktere haben mir jetzt auch nicht so sehr gefallen, sie bleiben für mich sehr blass. Mich konnte das Buch nicht so richtig überzeugen.
Hätte spannender sein können
von libro-chica - 11.03.2019
John Lanchester hat hier einen Roman geschrieben, der in der Zukunft spielt. Die Welt hat sich verändert. Großbritannien ist von einer Mauer umgeben und wird gegen die Menschen außerhalb verteidigt. Es ist ein Kampf ums Überleben, wer Eindringlinge ins Land lässt, wird selbst verbannt und auf dem Meer ausgesetzt. Joseph Kavanagh fängt seinen Dienst an der Mauer an. Eigentlich eine interessante und teilweise auch spannende Story. Aber man hätte irgendwie mehr daraus machen können. Das Thema ist ja aktuell, der Brexit, Flüchtlingsströme, politische Differenzen. Es gibt auch einige langatmige Kapitel, zum Ende wird es wieder spannender. Insgesamt habe ich mir jedoch irgendwie etwas mehr erhofft von diesem Buch. Es war teilweise schon zäh zu lesen. Etwas mehr Spannung wäre schön gewesen. Die Charaktere haben mir jetzt auch nicht so sehr gefallen, sie bleiben für mich sehr blass. Mich konnte das Buch nicht so richtig überzeugen.
Langweilig und kalt
von KerstinT - 06.03.2019
Großbritannien hat sich mit einer 10.000 km langen Mauer von der Außenwelt abgeschottet. Damit keine Eindringlinge, sogenannte "Andere", ins Land eindringen, muss die britische Bevölkerung einen zweijährigen Wachdienst absolvieren. Das bedeutet Mauerwache in Zwölfstundenschichten. Kommen Eindringlinge rein, geht der Wachposten baden und muss schauen, wie er überlebt. Es sind harte Schichten - die Gefühle wechseln immer wieder zwischen Langeweile und Todesangst hin und her. Vorteile gibt es nur für sogenannte "Fortpflanzer", das sind Menschen, dies ich dazu entscheiden Kinder in diese Welt zu setzen - aber wer will das noch? Der Leser begleitet Joseph Kavanagh, einen Wachposten, auf der Mauer. Die Geschichte ist aus seiner Sicht als Ich-Erzähler geschrieben. Dennoch konnte ich mich nicht in ihn hineinversetzen. Neben der Erzählperspektive hat mich auch gestört, dass man nicht erfährt, in welcher Zeit dieser Geschichte spielt. Auch erfährt der Leser nichts darüber, wieso sich Großbritannien nun durch eine Mauer von der Außenwelt abgeschottet hat. Es wird vieles einfach nicht erklärt und der Leser in Unwissenheit gelassen. Viele Andeutungen, aber keine Erklärungen. Das ist zu viel, um einen noch fesseln zu können. Was sehr gut rüber kam, war die Kälte. Diese zeigt sich auch im Schreibstil und in den Charakteren. Der Schreibstil wirkt sehr poetisch - lange Sätze, teils auch Schachtelsätze. Es wirkt aber recht eintönig und stellenweise wiederholt es sich. Die Charaktere wirken fern und leer. Sie sind nicht ausgearbeitet, haben keine Vergangenheit und keine Zukunft. Es gibt nur das Jetzt und auch dieses ist recht geschränkt Für meinen Geschmack bleiben mir viel zu viele Fragen offen. Eigentlich habe ich nicht verstanden, was mir diese Geschichte sagen möchte. Werden wir uns alle abschotten, nur weil Klimawandel und daraus resultierende Flüchtlingsströme kommen? Was sollen wir davon haben? Mir hat dieses Buch nicht richtig gefallen und deshalb vergebe ich zwei von fünf Sternen.
graue Zukunftsaussicht
von gagamaus - 04.03.2019
John Lanchester beschreibt in seinem neuen Roman eine dystophische Welt. Rund um eine große Insel - vermutlich England - wurde eine hohe für Menschen unüberwindliche Mauer aus Beton gezogen. Auf der patrouillieren die zum Mauerdienst eingezogenen Rekruten in langen Tages- und Nachtschichten. Sie sollen verhindern, dass die Anderen über die Mauer kommen. Aus der Ich-Perspektive erzählt Joseph Kavanagh von seinem ersten Tag und wie er danach Stunde für Stunde seine zweijährige Dienstzeit abarbeitet. Militärische Disziplin, Furcht vor Angriffen aber auch vor den Vorgesetzten und ihrer Willkür, bestimmen den Alltag ebenso wie Eintönigkeit und die Frage nach dem Sinn der Mauer und der Bewachung. Lanchester nimmt sich viel Zeit für dafür, den Leser in diese düstere und graue Welt einzuführen. Dabei legt er sich aber weder fest, wo seine Geschichte angesiedelt ist noch was genau zu dieser Abschottung geführt hat. Er belässt es bei Andeutungen. Das war auch der größte Kritikpunkt an "der Mauer", denn für mich wurden ziemlich viele Fragen aufgeworfen, die bis zum Ende nur unzureichend erklärt wurden. Allerdings hatte ich deutlich das Gefühl, dass dies Absicht war, denn der Schwerpunkt lag wohl vielmehr auf dem menschlichen Aspekt. Wie geht der Einzelne und das System mit einer Bedrohung um, wie mit der Entmenschlichung und der Militarisierung, wenn alles Fremde als feindlich eingestuft wird. Ein bedrückendes Buch welches Versatzstück der Gegenwart - Flüchtlingskrise, Mauerbau in den USA, Brexit - aufgreift und daraus einen deprimierenden Ausblick auf eine mögliche Zukunft gibt.
Leben oder Meer
von Anonym - 03.03.2019
Wie befinden uns in einer zukünftigen Zeit in einem isolierten Großbritannien nach dem Brexit und nach einer schwerwiegenden Klimakatastrophe. Es wurde eine fünf Meter hohe Mauer rings um das Land gebaut, um das Land gegen die Anderen abzuschotten. Dabei wird nicht explizit dargelegt, wer diese Anderen sind. Es handelt sich um Menschen, die aus ihren eigenen Ländern fliehen müssen, da diese nach dem Klimawandel unbewohnbar sind. Nun muss jeder Inselbewohner einen zweijährigen Dienst auf der Mauer absolvieren. Joseph Kavanagh, der Protagonist, führt ein eintöniges Leben voller Unausweichlichkeit, Gefahr und Düsterkeit, denn wenn er die Mauer nicht richtig verteidigt, wird er selbst ausgestoßen. Dieses Schicksal hat jeder ¿Wachmann¿ vor Augen. Plötzlich passiert etwas, die Spannung steigt und der Ton des Buches wird rasant. Der Perspektivwechsel verstärkt das Ganze, denn an die Stelle der Routine treten Überlebenskampf und Verrat sowie die Erfahrung, was es heißt, Anders zu sein, denn die Anderen kommen und attackieren. ¿ Die Mauer¿ wird aus Kavanaghs Sicht erzählt und macht deutlich, wie stark die Bewohner zu Gefangenen ihres Regierungssystems werden. Hifa jedoch ist ein Lichtblick in Josephs Leben, denn sie mag ihn sehr Generell sind die Charaktere sympathisch. Die Jungen werfen der Elterngeneration aber den Wandel vor, denn sie haben nichts gegen die Vorboten unternommen. Auch wollen die Jungen ungern Kinder in diese Welt setzen. Individualität und Lebensfreunde verschwinden nach und nach, denn nur noch Funktionalität ist gefragt. Viele Herausforderungen unserer Zeit werden in diesem Werk weitergesponnen, machen einem Angst, aber regen zum Nachdenken an. Wir haben hier eine Anti-Utopie, die partiell doch Wahrheit werden könnte. Dabei führt der Autor in sehr flüssigem Schreibstil zu einem Ende mit ein wenig Hoffnung. Ein sehr lesenswertes Werk, besonders auf den Hintergrund der Schülerproteste gegen den Klimawandel.
Die Mauer und der Wandel - eine erschreckende Dystopie
von isaba - 03.03.2019
Diese Geschichte lässt mich sehr nachdenklich zurück. John Lanchester schafft eine erschreckende Dystopie, die hochbrisant, aktuell und dennoch zeitlos ist. Durch die Augen des jungen Joseph Kavanagh lernen wir die Welt der näheren Zukunft von Großbritannien kennen: Eine Mauer umspannt die gesamte Insel, um niemandem Zutritt zu gewähren, der nicht zum eigenen Volk gehört. Jeder junge Brite, männlich wie weiblich, leistet zum Schutz des Landes zwei Jahre Dienst an dieser Mauer. Sie muss rund um die Uhr vollständig bewacht und verteidigt werden. Kavanagh ist entsetzt über die Aufgabe, jeweils 12 Stunden am Stück die Kälte, Langeweile und Einsamkeit der Mauer ausgeliefert zu sein. 2 Jahre erscheinen wie ein Leben. Bis tatsächlich ein Angriff der Anderen erfolgt und das Leben des Verteidigers völlig aus der Bahn wirft. Ich möchte gar nicht so viel zum Inhalt schreiben, sicherlich könnte man noch viel tiefer ins Detail gehen. Doch nicht zu wissen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt, macht den Reiz des Buches aus. Der Autor legt eine hervorragende Geschichte vor. Die Figuren neben dem Hauptakteur bleiben vage. So erreicht Lanchester eine totale Fokussierung auf Joseph Kavanagh als Helden der Geschichte. Seine Angst, seine Hilflosigkeit, seine Wut auf die Verantwortlichen, seine leise immer mitschwingende Hoffnung und seine Einsamkeit sind durchdringend und auf jeder Seite spürbar. Der Leser erlebt Alltagssituationen in der neuen Welt und lernt so die Hintergründe und Glaubenssätze der Gesellschaft kennen. Im Anschluss nimmt die Geschichte einige dramatische Wendungen, die den Spannungsbogen zum Ende hin noch einmal stark aufbauen. Der Stil ist fokussiert und nüchtern - genau richtig für die Geschichte. Das Thema der Geschichte ist brisant und aktuell: Was auf den ersten Blick vielleicht ein wenig Game of Thrones -mäßig daherkommt, wandelt sich schnell zu einem realistischen Blick auf die Herausforderungen unserer Zeit: Klimawandel, Flüchtlingskrise, Brexit sind Probleme, die in diesem Roman zu denkbar schlechten Entscheidungen der Weltpolitik geführt haben. So darf es nicht gehen! Für mich ein sehr starkes Buch, das ohne viel Action, aber dennoch mit viel Dramatik und Eindringlichkeit ausgestattet ist und jeden Leser zum Nachdenken anregt.
Aufrüttelnde Dystopie
von bookloving - 02.03.2019
In seinem neuen Roman "Die Mauer" thematisiert der britischen Autor John Lanchester einige aktuelle und bedeutsame Herausforderungen unserer Zeit auf, wie die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme, wachsende politische Spannungen und der immer stärker zunehmende Fremdenhass in der Bevölkerung. Wer aber meint, dass dieser Roman die aktuelle Brexit Debatte oder Trumps Mauerbaupläne an der mexikanischen Grenze thematisiert, wird das Buch sicherlich bald enttäuscht zu Seite legen. Der Autor erzählt in seinem Roman vielmehr eine fesselnde Geschichte über Liebe, Vertrauen und Überlebenskampf in naher Zukunft und in einer dystopisch anmutenden Welt, die sich in vielfältiger Weise mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzen muss. Nach einer nicht näher benannten Klimakatastrophe, die von allen nur als "Wandel" bezeichnet wird und einem drastischen Anstieg der Meeresspiegel, wappnet sich der Staat gegen die "Anderen", Flüchtlingen aus dem Süden, die mit allen erdenklichen Mitteln versuchen, den bestens bewachten Schutzwall zu überwinden und ins Land zu gelangen. Zum Erhalt seines "Status quo" betreibt der Staat einen gigantischen Aufwand. Im Mittelpunkt des Romans steht der junge Ich-Erzähler und Protagonist Joseph Kavanagh, von seinen Kollegen kurz "Yeti" genannt. Der junge englische Rekrut ist verpflichtet, auf der gigantischen, 10000 km langen und die Insel komplett umgebenden Mauer seinen Dienst als Verteidiger für zwei Jahre abzuleisten. Aus seiner lakonischen, sehr nüchtern gehaltenen Sichtweise schildert er seine Erlebnisse im Schichtdienst auf dem Wall und Trainingseinheiten. Sehr anschaulich und eindringlich führt uns der Autor seinen eintönigen, trostlosen Alltag vor Augen - ein strikt geregeltes, Leben, das von Einsamkeit, Disziplin und Gehorsam geprägt ist und aus endlosen Routinen besteht. "Es ist alles Betonwasserwindhimmel. Im Grunde ist immer alles gleich." Letztlich ist es ein beklemmendes, perspektivloses Dahinvegetieren, das den Verteidigern aufgezwungen wird und das sie in widerspruchsloser Lethargie akzeptieren. Auch wenn der Protagonist insgesamt wenig von seinen Gedanken und Emotionen preisgibt, kann man sich in seine Psyche und Beweggründe gut hineinversetzen und beginnt mit ihm mitzufühlen. Als Leser gewinnt man allmählich immer tiefere Einblicke in die Lebensrealitäten dieses abgeschotteten Staats, der auf eine schockierende politische Gesinnung schließen lässt und hinter der ein straff organisiertes totalitäres System zu stecken scheint, das vor allem seine privilegierte Bevölkerung zu schützen versucht. Eine bizarre, kalte und abweisende Welt in Schwarz-Weiß mit Verteidigern, Fortpflanzlern, Dienstlingen, einer Bevölkerung, die mit Chips gekennzeichnet ist, unfähigen Babypolitikern auf der einen Seite und den Anderen als größtes Feindbild auf der anderen. Über lange Zeit begleiten wir Yeti bei seinem Dienst auf der Mauer, bei dem er sich als einzigen Lichtblick in die junge Hifa verliebt, bis es schließlich zu einer sehr überraschenden Wendung kommt, die ich allerdings bereits vorausgeahnt hatte. Geschickt katapultiert der Autor seine Figuren ganz unvermittelt in ein völlig anderes Umfeld - auf die andere Seite, nämlich hilflos im Meer und Naturgewalten ausgesetzt. Bei ihren abenteuerlichen Erlebnissen werden sie nun an ihre körperlichen und ethischen Grenzen gebracht und müssen um ihr Leben kämpfen. Sehr aufwühlend ist das offene Ende des Romans gestaltet, das mich sehr nachdenklich und mit vielen Fragen zurücklässt. Eine überaus erschreckende, beklemmende Parabel! FAZIT Eine bewegende, nachdenklich stimmende Dystopie zur Flüchtlingsproblematik - fesselnd geschrieben und erschreckend realitätsnah!
Zukunftsvision
von johannaliest - 25.02.2019
Der Roman von John Lanchester spielt im Großbritannien der Zukunft. Man wird gleich zu Beginn mitten in die Handlung geworfen. Ein Mann steht auf einer Mauer, die er verteidigen muss... Es ist sehr kalt (was auch seehr ausführlich beschrieben wird). Erst später erfahren wir nach und nach, dass es die Welt, wie wir sie heute kennen, nicht mehr gibt. Der Wandel hat stattgefunden. Es gab Flutwellen, vor denen sich die Bevölkerung zu retten versuchte. Nun hat sich GB vom Rest der Welt mit einer gewaltigen Mauer abgeschottet. Es wird als das überlegene Land bezeichnet und alles wird daran gesetzt, dass es die Anderen nicht über die Mauer schaffen. Die jüngere Generation, die ihren zweijährigen Verteidigungsdienst auf der Mauer ableisten muss, gibt ihren Eltern die Schuld an allem. Die Handlung wird aus der Perspektive von Joseph Kavanaugh geschildert. Leider fehlten mir bei dem Charakter die Emotionen. Die Beschreibungen sind immer sehr sachlich - großes Mitgefühl kann da nicht entstehen. Außerdem wird alles sehr detailliert beschrieben. So auch das eintönige Leben auf der Mauer, was für meinen Geschmack doch recht langweilig zu lesen war. Toll fand ich, dass das Buch indirekt sehr aktuelle Probleme unserer Welt aufgefasst hat. So finden sich Klimawandel, Umweltkatastrophen, Fluchtbewegungen und irgendwie wohl auch der Brexit wieder. Also alles in allem eine interessante Handlung, aber leider fehlten mir die Emotionen, wodurch sich das Buch etwas träge lesen ließ.
Der Wandel - die Mauer - das Meer
von jenvo82 - 24.02.2019
"Du wirst etwas über dich selbst herausfinden. Du wirst herausfinden, wie du dich verhältst, wenn das Schlimmste passiert. Du wirst herausfinden, ob du immer noch du bist." Inhalt Joseph ist ein junger gesunder Brite, der wie alle seine Landsleute, egal ob männlich oder weiblich seinen Dienst auf der Mauer ableisten muss. Diese Betonmauer umgibt sein ganzes Land und dient zum Schutz vor "den Anderen" all jenen Menschen also, die jenseits der Mauer leben und um jeden Preis versuchen, hinüberzugelangen. Für genau zwei Jahre muss jeder Verteidiger auf der Mauer sein Land beschützen, bis in den Tod hinein, oder schlimmer noch - gelingt es den Anderen die Mauer zu erklimmen, dann werden ebenso viele Verteidiger dem Meer übergeben, um dann selbst zu sehen, wie sie auf der unwirtlichen Seite des Lebens weiterexistieren können. Gefangen zwischen körperlichen Trainingseinheiten, zähen Stunden des Wartens auf Nichts, eisiger Kälte und kaum menschlichen Kontakten richtet sich Joseph in seinem gegenwärtigen Leben ein, findet sogar in seiner knappen Freizeit eine junge Frau, die er liebt und die ebenfalls ihren Dienst ableistet und beginnt schon von einem Leben "danach" zu träumen. Doch eines Nachts kommt es zu einem Stromausfall und "den Anderen" gelingt es eine Bresche zu schlagen und ins Landesinnere zu flüchten und für Joseph ist damit sein Leben in Großbritannien Vergangenheit. Gemeinsam mit einigen anderen Verteidigern wird er in ein Rettungsboot gesetzt und weit hinaus aufs offene Meer gebracht ¿ Meinung John Lanchester, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern und führenden Intellektuellen Englands und hat mit diesem Buch gewissenmaßen den Roman der Stunde geschrieben, in Anbetracht einer politischen Entwicklung, deren Themen Migration, Klimawandel und Brexit sind. Und dennoch wirkt diese Dystopie mehr wie ein Gedankenexperiment und viel weniger als eine Anklageschrift. Denn die politischen Handlungsspielräume sind hier längst schon ausgeschöpft und eine Generation von Menschen ist herangewachsen, die nur die Zeit nach "dem Wandel" kennt und nicht mehr die Möglichkeiten der freien Wahl. In ihrer gegenwärtigen Situation ist jede Abweichung tödlich und jede Alternative noch schrecklicher als der Status-Quo. Auch daraus resultiert die unterschwellige Botschaft des Buches, an die dortige Elterngeneration, die für den Lebensstandard von ihren Kindern verantwortlich gemacht wird und nur wenig Liebe und Verständnis erfährt, weil sie es waren, die die Zeitrechnung in ein davor und ein danach geteilt haben. Prinzipiell konnte mich diese Dystopie wirklich fesseln und da sie von diversen Aktionen lebt, wirkt sie stellenweise wie ein Abenteuerroman der Zukunft. Doch sie spart allzu viel Fiktion aus und stützt sich vielmehr auf die philosophischen Betrachtungsmöglichkeiten in lebensgefährlichen Situationen. Was zunächst nur eine weit entfernte Strafe zu sein scheint, wird nunmehr Wirklichkeit. Menschen generell sind ihren Vorgesetzten ausgeliefert und darauf angewiesen um ihr Leben zu kämpfen, Rechte und Pflichten sind klar strukturiert und in der Gesellschaft ist kein Platz für schwache Charaktere, egal ob sie körperlich oder mental angegriffen sind, wer nicht die Norm der geforderten Leistung erfüllt, wird verstoßen. Und so kommt die Hoffnungslosigkeit, die Wut auf das vorhersehbare Leben, die Angst vor dem Eintreten des Allerschlimmsten und damit auch die Angst des Versagens auf die Menschen zu. Geschildert wird ein Dasein wie in einem kriegsähnlichen Zustand, nur das der Feind vielmehr im Inneren des Individuums lauert als im tatsächlichen Angriff. Wirst du töten, wenn du musst? Kannst du retten, wen du liebst? Wirst du verzweifeln, wenn dir alles genommen wird? Lohnt sich dein Leben überhaupt? Fazit Ich vergebe sehr gute 4,5 Lesesterne (aufgerundet 5) für diesen dystopischen Roman, der viel Atmosphäre schafft und sich auf das Menschsein an sich konzentriert. Es hat mir sehr gut gefallen, dass hier weniger die Unvorstellbarkeit der Handlung im Zentrum des Textes stand, sondern vielmehr der Umgang des Individuums mit den gestellten Anforderungen. Dadurch wurde für mich der Inhalt viel besser greifbar, insbesondere weil mir Dystopien ohne diese menschliche Komponente oftmals zu weltfremd und weit hergeholt erscheinen. Ein gelungener Unterhaltungsroman mit Mehrwert bezüglich der allseits relevanten Frage: "Was für ein Mensch willst du sein?". Empfehlenswert für alle Leser, die sich auf die Situation einlassen wollen und nicht auf die Hintergründe der Entwicklungen wert legen. Denn dafür gibt es den halben Punkt Abzug: Die Frage nach dem Sinn und Zweck der Gegenwart, die politischen Hintergründe im Vorfeld und die Greifbarkeit der Entscheidungen werden nur wenig beleuchtet und man findet sie auch nur schwer zwischen den Zeilen, doch dafür ist es ein fiktiver Roman und deshalb kann ich mich damit arrangieren.
Interessante Geschichte, leider zu kurz
von anushka - 22.02.2019
Großbritannien, in der nicht so fernen Zukunft. Das Land hat entlang seiner Küste eine Mauer gebaut um "die Anderen", die über das Meer kommen, aus dem Land fernzuhalten. Denn in Großbritannien selbst geht es den Menschen soweit gut. Die Anderen dagegen kämpfen ums nackte Überleben, sie fliehen vor den Folgen der bereits stattgefundenen Klimakatastrophe, auch der große Wandel genannt, und gehen dabei bis zum Äußersten. Joseph Kavanagh tritt seinen zweijährigen Pflichtdienst auf der Mauer an, die er von nun an unter Einsatz seines Lebens gegen Eindringlinge verteidigen soll. Denn wer Eindringliche durchlässt, wird selbst auf das Meer verbannt. Doch Josephs Alltag besteht nicht nur aus Gefahren. Zwölf Stunden Wache an einem einsamen Ort schweißen zusammen und so geht es auch um zwischenmenschliche Beziehungen. Bei diesem Buch war ich tief beeindruckt, wie eingängig der Autor die verschiedenen Szenen beschrieben hat, sie wirkten sehr plastisch. Das Szenario ist düster und deprimierend, aber gleichzeitig denkbar und an aktuelle globale und nationale Entwicklungen angelehnt. Und auch wenn man nach den ersten ca. 50 Seiten, die sich fast nur Josephs erster Schicht auf der Mauer widmen, denkt, das Buch könne nicht spannend werden, so hat es zumindest mich schnell gefesselt. Vieles erfährt man nur aus Josephs Sicht. Es gibt keine Aufklärungen, Erklärungen oder Belehrungen. Man erfährt eher nur beiläufig, was mit der Welt geschehen ist. Besonders interessant fand ich auch, dass Josephs Generation, die jungen Erwachsenen, eine große Wut auf ihre Elterngeneration hat, die den Wandel letztlich nicht verhindert haben. Auch das ist überzeugend an aktuelle Geschehnisse angelehnt. Am Ende hätte ich das Buch gern noch viel länger weitergelesen, denn ich habe die ganze Zeit noch auf eine globalere Sichtweise gewartet. Stattdessen hat man mit Joseph und den anderen Figuren nur Einzelschicksale, wobei man nur Josephs Geschichte genauer kennenlernt, weil die anderen Figuren wenig von ihrer Vergangenheit erzählen. Mit Joseph hat man eher einen engeren und auf das aktuelle Geschehen bezogenen Blick, ich hätte mir hier etwas mehr "Weitwinkel" gewünscht und hätte gern noch erfahren, wie es in anderen Ländern ausgesehen hat. Letztlich hat sich der Autor aber für diese Variante entschieden und, obwohl sicher noch mehr Potential vorhanden war, hat mir das Buch auch in dieser Form gut gefallen, hat mir einiges zum Nachdenken gegeben und auch Spannung geboten.
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