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Leere Herzen

von Juli Zeh
Roman. Originalausgabe.
Buch (gebunden)
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Sie sind desillusioniert und pragmatisch. Sie haben den Zynismus der Politik genauso durchschaut wie den modernen Selbstoptimierungswahn oder das kleinbürgerliche Gutmenschentum. Sie haben sich in der Welt erfolgreich eingerichtet - und sie haben k … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Leere Herzen
Autor/en: Juli Zeh

ISBN: 3630875238
EAN: 9783630875231
Roman.
Originalausgabe.
Luchterhand Literaturvlg.

13. November 2017 - gebunden - 350 Seiten

Beschreibung

Sie sind desillusioniert und pragmatisch. Sie haben den Zynismus der Politik genauso durchschaut wie den modernen Selbstoptimierungswahn oder das kleinbürgerliche Gutmenschentum. Sie haben sich in der Welt erfolgreich eingerichtet - und sie haben keine Lust, deswegen Schuldgefühle zu haben.
Zusammen mit dem Informatikgenie Babak Hamwi hat Britta Söldner eine kleine Firma aufgezogen, die beide reich gemacht hat. Was genau hinter der Firma steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.
Als ihre Firma unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald ist nicht nur Brittas Firma, sondern auch ihr Leben in Gefahr...
"Leere Herzen" ist ein provokanter, packender und brandaktueller Politthriller aus einem Deutschland der nahen Zukunft. Und es ist zugleich ein verstörender Psychothriller über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.

Der neue Roman von Juli Zeh
Ein provokanter und atemberaubender Politthriller und ein beklemmender Psychothriller zugleich.
Von Juli Zehs Roman "Unterleuten" wurden über 300.000 Exemplare verkauft; das Buch steht seit über 47 Wochen auf der SPIEGEL-Bestseller-Liste
Eine brisante Zukunftsvision, die ein erhellendes Licht auf unsere Gegenwart wirft
Vom Verlust des Gemeinsinns in den Zeiten des Eigensinns

Portrait

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Bundesverdienstkreuz (2018). 2018 wurde sie zur ehrenamtlichen Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt.

Leseprobe

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Pressestimmen

"Juli Zeh ist mit 'Corpus Delicti' der weibliche George Orwell der Gegenwart geworden."
Deutschlandradio Kultur

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 05.11.2017

Wo geht's zum Abgrund?

Das Prinzip Juli Zeh - und wie es funktioniert: "Leere Herzen", ihr neuer Roman, schaut in eine dunkle Zukunft

Wenn man auf die Romane zurückblickt, die in den vergangenen Jahren erschienen sind, stellt man schnell fest, dass die interessantesten, besten und aufreibendsten unter ihnen Visionen der nahen Zukunft entworfen haben. Der russische Schriftsteller Vladimir Sorokin schilderte in seinem Zukunftsmärchen "Der Tag des Opritschniks" eine düstere Vision des Jahres 2027, die zugleich die Zeit Iwan des Schrecklichen wiederauferstehen ließ. Der algerische Autor Boualem Sansal zeichnete, angelehnt an George Orwell, in seinem Buch "2084" das totalitäre Reich einer islamistischen Diktatur, in der individuelles Denken abgeschafft worden ist, eine Elite unter der Führung von Abi dem Entsandten die Ideen steuert und abweichendes Handeln unterbindet. Der Franzose Michel Houellebecq erzählte in "Unterwerfung" von der Machtübernahme einer gemäßigt islamischen Partei und deren Präsidentschaftskandidaten Mohammed Ben Abbes im Jahr 2022. Und der Amerikaner Dave Eggers verwickelte uns in "Der Circle" in die bereitwillige Selbstüberwachung eines Google-gleichen Unternehmens.

Sie alle sprachen, über den Umweg in die Zukunft, von den Abgründen der Gegenwart. Sie benutzten das, was der Science-Fiction-Autor H. G. Wells "The Shape of Things to Come" genannt hat, "Die Gestalt der zukünftigen Dinge", um die jeweilige Gesellschaft zu analysieren, in der sie lebten - ob in dunklem, gefälligem oder zutiefst ironischem Ton. Und wenn jetzt Juli Zeh kommt, die seit ihrem Roman "Unterleuten" die wohl erfolgreichste deutsche Schriftstellerin ist, in 35 Sprachen übersetzt, und genau dieses Genre wählt - die Vision einer nahen Zukunft -, dann ist das natürlich interessant. Gleich hat man allerhand Erwartungen, weil die Autorin sich in so prominente literarische Nachbarschaft begibt. Und man hat, da man zu denen gehört, die mit "Unterleuten" nicht viel anfangen konnten, auch die Hoffnung, dass dies nun der erste Juli-Zeh-Roman ist, der einen wirklich fesseln wird.

"Leere Herzen" heißt das Buch. Es spielt in Deutschland, genauer gesagt in der Umgebung von Braunschweig, in einer Zeit nach dem Rücktritt von Angela Merkel. Die ist zurückgetreten, nachdem die sogenannte "Besorgte Bürger Bewegung" bei den Bundestagswahlen ein so starkes Ergebnis erzielt hat, dass die langjährige Bundeskanzlerin vor die Kameras trat, noch einmal die Hände zur Raute formte und "in ihrer unterkühlten, leicht lispelnden Art" erklärte, dass sie in dem Wahlergebnis nicht nur eine Katastrophe für Deutschland, sondern das Scheitern ihrer persönlichen Laufbahn sehe. "Unter den Buh-Rufen einiger anwesender Journalisten", wie es in "Leere Herzen" heißt, "brach die selbstbeherrschte Fassade der Ex-Kanzlerin schließlich zusammen": Eine Träne lief ihr über das Gesicht, während sie, die Zwischenrufer übertönend, ins Mikrofon rief: "Ich wünsche unserem Land, ich wünsche uns allen viel Glück!" Dann verließ sie mit hochgezogenen Schultern das Podium und "wirkte dabei plötzlich wie eine alte Frau".

Das Land hat aber kein Glück. Nach Merkel kommt Regula Freyer an die Macht, über die wir nicht viel erfahren. Es werden zudem mit großer Beiläufigkeit nur wenige Details aus dem zukünftigen politischen Leben eingestreut: die Innenministerin heißt Wagenknecht, die Zentrale der "BBB"-Partei befindet sich in Berlin-Charlottenburg, es gibt ein "Ausländeramt" und eine "Bundeszentrale für Leitkultur". Und es fallen Schlagworte, die umreißen, in welchem gesellschaftlichen Setting wir uns befinden. Denn Juli Zeh geht es, das wird schnell klar, nicht darum, ein Gesellschaftspanorama zu erzählen, das in unterschiedlichen Perspektiven und Stimmen die Lage eines Landes umreißt. Sie liefert eher die Rahmenbedingungen für eine Versuchsanordnung: Europa steht kurz vor der Auflösung. Die Bündnisse mit russischen, türkischen und amerikanischen Autokraten drohen die Welt zurück ins neunzehnte Jahrhundert zu katapultieren. Für die Bürger ist "Politik wie das Wetter: Sie findet statt, ganz egal, ob man zusieht oder nicht, und nur Idioten beschweren sich darüber". Die "politische Meinung ist längst zur Ware geworden, produzierbar und verkäuflich"; "Demokratie ist nicht mehr so romantisch wie vor fünfzig Jahren". Keiner liest mehr Zeitungen, weil Zeitunglesen in eine vergangene Zeit gehört, in der es etwas gab, an das man glaubte ("Zeitungslesen war wie ein Mitgliedsausweis, es verschaffte ein Zugehörigkeitsgefühl").

Aber es glaubt keiner mehr an irgendetwas. Es hat auch keiner mehr eine Haltung. Eine Entleerung von Prinzipien hat stattgefunden und den Zynismus zum Zeitgeist werden lassen. Der öffentliche Diskurs wurde begraben ("Ruhe sanft, öffentlicher Diskurs, du warst der größte Gastgeber aller Zeiten, konntest Kampf sein und Spiel, aber auch Heimat und Ziel. Wir bleiben zurück, ungetröstet, vereinzelt, verstört"). So weit, so naheliegend.

In diesem nur schlagwortartig umrissenen Entwurf einer Gesellschaft der nahen Zukunft, für den Juli Zeh nicht mehr Aufwand betreibt, als die Ängste um Europa und um die Demokratie von heute im Morgen schemenhaft wahr werden zu lassen - und das in sehr gängigen kulturpessimistischen Bildern und mit Parolen, die wirklich jeder schon mal gehört hat -, siedelt sie einen Psychothriller an. Und das kann sie. Sie kann es sogar sehr gut: Ihre Hauptfigur, ein Prototyp der Charaktere in der zynischen, apolitischen Welt von morgen, heißt Britta Söldner. Sie lebt in Braunschweig, ist wie Braunschweig, "irgendwie unter dem Radar", "undurchdachte Mittelmäßigkeit", "unauffälliges Durchwurschteln", und betreibt zusammen mit ihrem Kollegen Babak Hamwi eine Heilpraxis für Psychotherapie und angewandte Tiefenpsychologie, hinter der sich ein sehr lukratives Kleinunternehmen namens "Brücke" verbirgt.

"Brücke" geht es um "Life-Coaching, Self-Managing, Ego-Polishing": Mit Hilfe eines von Babak entwickelten Algorithmus fischen sie Lebensmüde aus dem Netz, potentielle Selbstmörder, die sie mit dem Ziel aufspüren, deren Selbstmordgedanken aufzulösen. Dafür haben sie ein zwölfstufiges Verfahren entwickelt, in dem die "Patienten" herausfinden können, ob sie sich tatsächlich das Leben nehmen wollen (darunter Abbruch aller Kontakte zu vertrauten Personen, Abschiedsbrief-Schreiben, Waterboarding). Bestehen sie eine Stufe nicht, gelten die Patienten als geheilt. Halten sie durch, werden sie von "Brücke" als Selbstmordattentäter an große gemeinnützige oder Terror-Organisationen vermittelt, die gutes Geld für sie zahlen.

Von der Regierung bleiben sie dabei unbehelligt, was damit zu tun hat, dass die durch das Unternehmen ermöglichten Selbstmordattentate in kontrolliertem Rahmen und mit eingeschränkter Opferzahl stattfinden. Davon profitiert auch der Staat. Dann kommt es zu einem außerplanmäßigen Attentat am Flughafen in Leipzig. Ein Investor mit esoterischen Neigungen taucht auf. Eine politische Interessengruppe versucht, Brittas Organisation für ihre eigenen Ziele zu nutzen. Die Re-Demokratisierung Europas steht plötzlich wieder im Raum. Es folgen Putsch und Panzerwagen. "Leere Herzen" ist der Schriftzug, den sich die Männer der geheimen Parallelarmee auf die Haut haben tätowieren lassen. Aber leer sind im Roman natürlich nicht nur sie. "Leere Herzen", das ist zugleich auch die Diagnose, die Juli Zeh unserer Zeit ausstellt.

Man folgt der Handlung gebannt. Weil alles Gesellschaftliche so schematisch bleibt und die Handlung die Erzählung so über die Maßen beherrscht, ja eigentlich alles an diesem Roman im Dienst des Plots steht (und nur als dessen grob gearbeitete Kulisse dient), es keinen Überschuss gibt, bleibt "Leere Herzen" allerdings ein Gedankenspiel und wird anders als bei Sorokin, Sansal, Houellebecq oder Eggers nicht zur Vision. Auch lässt Juli Zeh ihre Leser außen vor und versucht gar nicht erst, sie mit der von ihr entworfenen Welt verschmelzen zu lassen, was damit zu tun hat, dass sie ihre Figuren selbst denunziert, oft in ein möglichst ungünstiges Licht stellt, ihre Grausamkeiten und die Verachtung allem Menschlichen gegenüber auskostet, geradezu über sie ablästert, wie man beim Lesen manchmal denkt. So sieht man dem Experiment gespannt, aber einigermaßen unberührt zu.

Es gibt Romane, deren Figuren sich am Ende aus dem Buch herausbewegen, die Lesenden ins Leben begleiten und sich auf unsichtbare Weise für immer in ihrem Umkreis aufhalten. Juli Zehs Figuren lässt man nach der Lektüre auf dem Papier zurück und vergisst sie schnell.

Dort, wo es im Roman nicht um Dialoge und Handlung, sondern zum Beispiel um das Wetter oder die Landschaft geht, überfrachtet Zeh die Erzählung dann wiederum so mächtig mit Adjektiven, dass diese, anstatt den Blick auf etwas freizulegen, ihn immerzu versperren: "Das Wetter ist prächtig. Seit einigen Tagen besitzt die Sonne heftige Kraft, die man ihr nach einem typischen Braunschweiger Winter und den vernieselten Frühlingswochen kaum zugetraut hätte. Wie hellgelber Chiffon liegt das Licht auf den glatten Flächen der Möbel, bringt die Gläser auf dem Tisch zum Funkeln, dringt in die hintersten staubfreien Ecken", heißt es ganz zu Beginn des Romans. Viele der später folgenden Kapitelanfänge klingen genauso. Mehr Adjektive bedeuten nicht mehr Präzision. Sind es zu viele, stehen sie einfach nur im Weg herum.

Wo es um die Literatur geht, die sich die Vision einer nahen Zukunft zum Prinzip und Erzähltrick macht, geht es immer auch um Echoräume, in denen kulturelle Bezüge, Verweise auf andere literarische Texte, Filme oder Bilder und kühne Gedanken der Autoren sich zu einem neuen Ganzen verbinden und unsere gewohnte Sicht auf die Welt herausfordern. Bei Juli Zeh ist alles so sehr Handlung, dass ein solcher Echoraum nicht entsteht. Nichts weist über das Buch hinaus. Nichts liefert einen neuen Blick auf unser Heute und auf unsere Gesellschaft. Man fühlt sich einfach nur gut unterhalten.

JULIA ENCKE

Juli Zeh: "Leere Herzen". Roman. Luchterhand-Verlag, 352 Seiten, 20 Euro (erscheint am 13. November)

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Tobias M.
von Tobias M. - Hugendubel Buchhandlung Dresden Webergasse - 22.10.2018
Juli Zeh scheint wütend zu sein - über den Zustand der Welt, über Entwicklungen unserer Gesellschaft und über gefährliche Tendenzen im sozialen Umgang miteinander. Also führt sie uns in ihrem neuen "dystopischen" Roman vor Augen, wohin das alles führen könnte, wenn wir nicht rechtzeitig etwas ändern und unternehmen gegen die kollektive Reise in den Abgrund.
Stefan G.
von Stefan G. - Hugendubel Buchhandlung Frankfurt/Main Steinweg - 18.09.2018
Juli Zeh wirft in ihrem neuen Roman einen Blick ins Jahr 2025. Ihre Dystopie liest sich erschreckend glaubwürdig und bietet neben der dichten Atmosphäre und den interessanten Hauptfiguren auch enorm viel Spannung! Stark!!
Bewertungen unserer Kunden
Mir hat es nicht so gefallen...
von Josephine Schulz - 02.03.2019
Die Idee Buches, also damit meine ich die Geschäftsidee der Hauptprotagonistin Britta, ist genial. Tiefgründig, poltik- und gesellschaftskritisch. Auch die Idee, das Buch zeitlich in unserer nahen Zukunft spielen zu lassen und uns somit einen kleinen Ausblick, wie es sein könnte,zu gönnen, gefällt mir. Aber die Story, in die diese tollen Ideen eingebettet wurden, ist leider lahm. Britta ist mir absolut unsympathisch, auch mit den anderen Charakteren konnte ich nicht viel anfangen. Mir waren sie, wie die Story selbst, zu naheliegend, zu vorhersehbar, zu langweilig. Den Verlauf der Story konnte man schnell erahnen.Auf unvorhersehbare Wendungen wartet man vergeblich. Wirklich schade, mit der Idee wäre so viel mehr möglich gewesen
Realistisch aber nicht überzeugend
von clautzplautz - 15.03.2018
Leere Herzen ist das erste Buch von Juli Zeh, dass ich gelsen habe. Zuvor hatte ich viel Positives gehört und mich deshalb schon sehr gefreut. Der Plot ist sehr aktuell und bietet viel Spannung mit all dem was die BRÜCKE veranstaltet fragt man sich schon regelmäßig ob das in Zukuft tatsächlich so laufen kann. Leider sind die Charaktere nicht wirklich klar gezeichnet. Natürlich weiß man wie Britta aussieht. Aber irgendwie ist der Rest ziemich schwammig und man bekommt keinen wirklichen Grip weil ständig neue Sachen passieren und die ganze Story sehr hektisch ist. Ich hätte lieder 100 Seiten mehr gelesen in denen das Ende klarer wird und unterwegs alles nachvollziehbar ist. Denn genau wie Britta verliert man auch als Leser den Bezug zur Uhrzeit und Wochentagen. Was das Buch kann.... eine Sehr realistische Szenerie die so oder so ähnlich vielleicht schon längst abläuft. Genau das macht den Reiz aus, dass man nicht weiß ob es wohl real ist. Was das Buch nicht kann.. sympathische Charaktere zeichnen. Ich möchte einen Charakter schon interessant finden wenn ich ein Buch lese. Britta ist das aber leider nicht und auch alle die sie umgeben haben keine sympathischen Macken und gehen einem nicht wirklich nahe.
Deutschland, deine Zukunft
von Julia Lindner - 12.02.2018
Juli Zeh hat einen Polit- und Psychothriller geschrieben, der uns allen eine Warnung sein sollte: Britta führt mit Babak eine Heilpraxis für Suizidgefährdete. Doch Die Brücke vermittelt unter dem Deckmantel der Psychotherapie Selbstmordattentäter an politisch aktive Organisationen. Bis ein Konkurrent auf den Plan tritt und ihre heile Welt zu zerstören droht... Was auf den ersten Blick nach tiefstem Zynismus klingt, ist eigentlich eine Psychoanalyse der verwöhnten, in Alltagstrott und Bequemlichkeit gefangenen Mittelschicht. Mit erbarmungsloser Härte werden dem Leser ein Spiegel vorgehalten und die drohenden Konsequenzen unserer politischen Ignoranz vor Augen geführt. Das Buch liest sich nicht gerade leicht, es ist aber auch kein spannungsgeladener Massenaufguss, dessen Seiten nur so dahinfliegen. Der Schreibstil ist genauso wie sein Inhalt unbequem. Auch die Figuren wirken durchgehend unsympatisch und ihre Handlungen sind selten wirklich nachvollziehbar. Aber das müssen sie ja auch nicht. Dieses Buch soll schließlich nicht gefallen, man soll sich mit den Figuren nicht unbedingt identifizieren und im Geiste verbrüdern. Es soll erschrecken und wachrütteln. Bei mir hat es zumindest gewirkt!
So erschreckend und beängstigend
von Lesemama - 12.02.2018
Bewertet mit 3 Sternen Zum Buch: Britta und ihr Geschäftspartner Babak haben in der Fußgängerzone von Braunschweig eine Heilpraxis, angeblich. Gemeinsam führen die beiden "Die Brücke, für sie ein lukratives Geschäft mit dem Tod. Britta und Babak sind desillusioniert, pragmatisch und denken über sich selbst, sie haben den absoluten Durchblick. Doch eines Tages geschieht ein Unglück und sie bekommen auf unliebsame Weise Konkurrenz und ihr Leben ist in Gefahr ... Meine Meinung: Juli Zeh spielt mit den Ängsten. Leere Herzen ist ein aktueller Politthriller,.der uns alle provoziert und vielleicht dem ein oder anderen die Augen öffnet. Der Roman ist gut geschrieben, die ein oder andere Szene hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen, aber am Ende hat alles seinen Sinn. So ganz weiß ich nicht, was ich davon halten soll, die Ängste und auch den Hass mit so einem Buch noch weiter zu schüren, daher habe ich mich mit der Bewertung mal in dem mittleren Bereich gehalten. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte es mir vielleicht besser gefallen.
Die Zukunft
von yamila - 05.02.2018
In einer inhaltsentleerten Welt ist vielen Menschen eine kostenlose Waschmaschine als Tausch gegen ihr Wahlrecht nicht nur wichtiger als sich aktiv in den politischen Prozess einzubringen, sie wissen auch nicht mehr für welche Ziele es sich zu leben lohnt und letzten Endes noch nicht einmal für was sie sterben sollten. Doch in einer Zivilisation die aus allem Geschäfte macht und alles geregelt hat, gibt es auch hier eine Lösung - die Brücke . Britta und Babak die zwei Hauptpersonen des Romans haben diese Organisation ins Leben gerufen. Sie kümmern sich um Depressive und vom Leben gelangweilte Menschen. Während ihrer ganz spezillen Therapie bei der die Patienten Waterbording und Nahtoterfahrungen am eigenen Leib erfahren, wenden die meisten sich geheilt und dankbar ihrem alten Leben wieder zu. Es gibt aber auch ein paar Unbelehrbare. Um ihrem gewünschten Tot einen Sinn zu verleihen, vermitteln Britta und Babak diese Menschen an Organisationen deren Beachtung in einer auf Sensationsmeldungen dominierten Welt immer weiter schwindet. So stirbt man in Zeiten des Terrors für Aktionen von Greenpeace, den Tierschutz oder die Wiederbelebung der Demokratie. Alles im überschaubaren Rahmen mit lediglich einer Handvoll Opfer - ausreichend um in die Schlagzeilen des Tages zu kommen. Doch seit einiger Zeit gibt es Konkurrenz für die Betreiber der Brücke, die Empty Hearts . Anders als die Brücke ist diese Untergrundorganisation weitaus radikaler, Opfergrenzen kennen sie nicht. Der Roman Leere Herzen ist eine Analyse unserer aktuellen Gesellschaft. Es wird uns ein Spiegel vorgehalten. Wie wird es weitergehen? Wohin wird sich unsere Gesellschaft und unsere Politik entwickeln? Könnten wir in ein paar Jahren wirklich da stehen wo Britta, Babak und die anderen Personen des Roman bereits angekommen sind? Fragen über sich jeder seine eigenen Gedanken machen kann. Ein Roman der Nachdenklich macht und uns wachrütteln sollte. Welche Ziele haben wir? Was ist uns wichtig? Wie soll unsere Gesellschaft aussehen, dass es sich zu leben lohnt.
Es hat mich verwirrt
von Lesehörnchen99 - 05.02.2018
Britta und ihr Geschäftspartner Babak führen gemeinsam eine Heilpraxis für gefährdete Selbstmörder. Dabei haben die beiden schon lange den Glauben an eine Zukunft verloren. In der es uns Menschen besser geht. Brittas Welt kommt jedoch ganz schön ins wanken. Sie muss auf einmal ihr ganzes Leben neu überdenken. Sind Ihre Werte und Überzeugungen vielleicht doch nicht die richtigen? Am Anfang steht das kleinbürgerliche Leben, das Britta doch führt im Fokus, das Leben, dass so gar nicht zu der desillusionierten und pragmatischen Britta zu passen scheint. Es kommt mir vor, als säße Britta auf einem verdammt hohen Ross, von dem sie nach unten schaut, zu Babak, zu Janina und ihrer Familie, von der sie doch behauptet, sie sei ihre beste Freundin. Es hat auch fast einhundert Seiten gedauert, bis mir endlich klar wurde, was genau die Brücke macht und das hat mich dann doch etwas erschüttert. Alles in allem gingen mir die, in schriftstellerischer Freiheit dargestellten Seitenhiebe ordentlich auf die Nerven. Zum Teil hatten sie was von Büttenreden. Im Endeffekt war ich enttäuscht von dem Buch. Es war weder ein Roman, wie es auf dem Buchs steht, noch ein Politthriller, wie es mit angekündigt wurde. Es war, meiner Meinung nach, ein Buch, in dem sich die Autorin ihren Ärger von der Seele schrieb. Also, mein Fall war das Buch nicht, oder ich habe es nicht verstanden ...
Wollen wir das?
von S.L. - 01.02.2018
In gar nicht allzu ferner Zeit hat sich das Land sehr verändert. Eine neue Regierung herrscht, den meisten Menschen ist Politik egal, Europa zerfällt in merkwürdige Bündnisse, Moralvorstellungen sind entwertet. Eine geniale Idee: Potenzielle Selbstmörder werden überprüft, wie ernst sie es meinen und als Selbstmordattentäter vermittelt. Eine Organisation namens [Die Brücke[ "... hat den Terroranarchismus beendet. Es gibt...kontrollierbare Opferzahlen....".* Man verdient gut damit. Ist das nicht genial? Nein, ist es nicht. Wohin führt das? Juli Zeh schildert drastisch mögliche Szenarien einer Welt skrupelloser, ach so normaler Bürger und abgestumpfter Konsumenten. Wirklich erschreckend und doch so faszinierend zu lesen. Ein nachdenkenswertes In-Frage-Stellen der eigenen Einstellung ist die Folge. Ein großartiges Buch. * Buchzitat
Gesellschaftskritik in einen Thriller verpackt
von anushka - 21.01.2018
Deutschland in naher Zukunft. Die Besorgte-Bürger-Bewegung stellt die Regierung und schränkt nach und nach die Freiheiten der Bürger ein. Die Geschichte ist im Hippster-Bürgertum angesiedelt. Berlin und seine Szene-Kieze sind inzwischen uncool, man zieht nach Braunschweig, wo die Häuser noch bezahlbar sind und sich alles in beruhigender Durchschnittlichkeit bewegt. Britta und ihre Freunde haben sich in ihrer Bequemlichkeit eingerichtet, sind pragmatisch geworden und gehen seit Jahren nicht mehr wählen. Die Welt da draußen geht sie in ihrer mittelstädtischen Idylle nichts an. Außer dass Britta die politische Situation monetarisiert hat. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Babak hat sie ihre Firma Die Brücke aufgezogen. Vordergründig ist es eine physiotherapeutische Praxis mit Lebensberatung, doch dahinter steckt ein knallhartes und pragmatisches Geschäft mit dem Tod. Doch dann erfahren Britta und Babak aus den Nachrichten, dass ihnen jemand Konkurrenz macht und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Nicht nur das Geschäft, sondern auch Britta und Babak und alle, die ihnen nahe stehen, sind in Gefahr. Juli Zeh hat mit diesem Buch eine realistische Dystopie in einen spannenden Thriller verpackt, der mich kaum losgelassen hat. Vieles ist nah an die aktuellen Entwicklungen angelehnt und somit die Botschaft manchmal sehr offenkundig. Doch das hat mich gar nicht so gestört, weil man die Gefahren der derzeitigen Entwicklungen weltweit wahrscheinlich gar nicht deutlich genug aufzeigen kann. Hinzu kommt, dass die Autorin den Figuren leben eingehaucht hat und man sie sich sehr gut bildlich vorstellen kann, da sie das Bildungsbürgertum sehr gut abbilden. Sie sind sehr gut ausgearbeitet und auch das ganze Setting ist gut und glaubhaft konstruiert. Sogar Brittas Geschäftsidee ist in diesem Rahmen einfach nur eine logische Konsequenz. Was mich jedoch zum Ende hin gestört hat ist die zunehmende Verworrenheit und dass die Moral letztlich irgendwie versandet. Hier fehlte mir die abschließende Konsequenz und Eindeutigkeit. Zudem konnte ich die Verwicklungen der einzelnen Akteure nicht mehr gut auseinander halten und Brittas Handlungen nicht mehr immer logisch nachvollziehen. Dennoch war das Buch durchweg spannend und eine gut platzierte Gesellschaftskritik, die zum Nachdenken anregt und die ich weiterempfehlen würde.
Sieht so unsere Zukunft aus?
von Langeweile - 11.01.2018
In ihrem neuesten Roman entführt uns Juli Zeh ins Deutschland des Jahres 2025. Die Regierung unter Angela Merkel wurde abgelöst und durch die BBB , Besorgte Bürger Bewegung, ersetzt. Wer damit gemeint ist, kann man sich denken. Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak betreiben eine Praxis mit dem Namen Die Brücke , welche sich mit Leuten beschäftigt, die einen Suizid planen. Was in Wirklichkeit dahinter steckt und welches Geschäft die Beiden mit dem Tod machen, bleibt längere Zeit unklar . Als es zu einem Zwischenfall mit einem Selbstmord Attentäter am Leipziger Flughafen kommt, wird schnell klar,dass es um die Vernichtung ihres Geschäftes geht. Nicht nur Britta und Babak, sondern auch ihre Familien geraten in große Gefahr. Meine Meinung: Die Autorin breitet ein Schreckensszenario vor dem Leser aus, welches in naher Zukunft spielt. Der Wandel der Gesellschaft zum Negativen hin, wird sehr deutlich beschrieben. Eine Umfrage unter den Bürgern belegt, dass diese sich für eine Waschmaschine und gegen eine Wahl entscheiden würden. Das Buch begann sehr spannend, verlor sich dann aber über längere Passagen in Banalitäten. Außerdem denke ich, dass zu viele Themen behandelt wurden, wodurch streckenweise die Übersicht verloren ging. Auch das Ende war nicht ganz schlüssig,es blieben einige Fragen übrig. Fazit: Ich kenne bereits mehrere Bücher der Autorin, dieses gehört nach meinem Empfinden nicht zu ihren stärksten.
Grandioses Buch!
von Schwarz - 08.01.2018
Cover Das Cover ist gestalterisch sehr gelungen. Der weiße Hintergrund passt perfekt zu dem Wort leere . Auch wenn der Name anderes vermuten lässt, handelt es sich hier nicht um einen Liebesroman. Inhalt und eigene Meinung Julis Zeh neuer Roman ist mehr als nur eine Zukunftsvision. Eine Dystopie- Er handelt von einer Besorgte-Bürger-Bewegung in Deutschland, in der Umgebung von Braunschweig. Diese Nähe spürt man beim Lesen deutlich, denn es betrifft uns hier. Der Roman wirft einige Fragen auf, wie gibt es noch Hoffnung? Wie nah ist diese Zukunft wirklich? Ist unsere Demokratie gefährdet? . Dieser Roman umfasst alles, er handelt von Politik, ist gleichzeitig unterhaltsam und auch spannend. Juli Zeh schafft es gezielt, provokant zum Nachdenken anzuregen. Die Freunde und Geschäftspartner Britta Söldner und Babak Hamwi dass sich die Welt stark verändert hat, vor allem im politischen Bereich. Sie wollen nicht mehr für das verantwortlich sein, was schief läuft. So haben sie vor einiger Zeit ein Unternehmen namens "Die Brücke" gegründet und sind damit sehr erfolgreich. Nach außen hin als Heilpraxis für Psychotherapie getarnt, verbirgt sich jedoch etwas ganz anderes hinter den unscheinbaren Büroräumen - ein Geschäft mit dem Tod. Kurz darauf wird es sehr spannend! Denn die Brücke bekommt Konkurrenz, an dieser Stelle möchte ich aber nicht zu viel verraten. Dieses Buch kann ich wirklich jedem empfehlen, Langeweile ist garantiert nicht vorprogrammiert. Juli Zeh überzeugt durchaus mit Ihrem außergewöhnlichen Schreibstil.
It's a Suicide World
von amena25 - 02.01.2018
Deutschland im Jahr 2025: die BBB - Besorgte-Bürger-Bewegung unter Regula Freyer hat schon vor Jahren Angela Merkel abgelöst. Das ,,bedingungslose Grundeinkommen" und verschiedene Effizienzpakete stellen die Menschen zufrieden und ruhig. Trump und Putin haben den Syrienkrieg beendet, außer Brexit gibts noch den Frexit und den Spexit.... Doch Polititk interessiert eigentlich sowieso niemanden mehr. Politik findet statt, wie das Wetter, egal ob man zusieht, etwas tut oder nicht. Diese illusionslose, gleichgültige Haltung vertritt auch Britta. Sie hat das Interesse an Politik und generell an Diskussionen schon vor langer Zeit verloren, privat möchte sie sich über solche Themen nicht mehr unterhalten müssen. Sie wohnt mit ihrem Mann Richard und der siebenjährigen Tochter Vera in Braunschweig in einem Betonwürfel mit viel Glas, praktisch, geräumig, geradlinig. So emotionslos, wie Britta ihre Wohnsituation sieht, erscheint sie auch dem Leser. Der zu Beginn der Handlung geschilderte Abend mit einer befreundeten Familie wirkt ebenso nüchtern und distanziert. Janina und Kurt, die auf dem Land ein altes Haus, ihr Traumhaus, gefunden haben, werden von Britta als naiv und anachronistisch empfunden. Dennoch überlegt sie sich, den beiden eine finanzielle Anschubhilfe für den Hauskauf zu geben. Immerhin verdient Britta mit ihrer Arbeit bei der ,,Brücke" so viel Geld, dass sie sich hin und wieder auch um die Finanzhygiene kümmern muss. Die ,,Brücke" ist vordergründig eine Psychotherapiepraxis, die sich vor allem um suizidgefährdete Patienten kümmert. Tatsächlich rekrutieren Britta und ihr Geschäftspartner Babak aber Selbstmordattentäter und vermitteln diese an Organisationen, die sich die Anschläge für ihre Zwecke einiges kosten lassen. Als plötzlich Konkurrenz auf dem ,,Markt" auftaucht, bekommen Britta und Babak es mit einem sehr gefährlichen Gegner zu tun. Die Idee des Buches ist originell, die Handlung beklemmend und stellenweise auch wirklich spannend. Dennoch bleibt man als Leser immer in einer distanzierten Beobachterrolle. Zu keiner der Figuren findet man wirklich einen Zugang. Selbst Britta, aus deren Sicht das Geschehen geschildert wird, bleibt zynisch, fremd und unnahbar. Auch keine der anderen Personen wirkt sympathisch. Selbst die Figuren untereinander verbindet, trotz langjähriger Freundschaft, keine tiefergehende Beziehung. Sogar zwischen Britta und ihr Ehemann Richard herrscht eine sehr nüchterne Atmosphäre. Richard weiß erstaunlich wenig über die ,,Tätigkeit" seiner Frau, es scheint ihn aber auch nicht weiter zu interessieren. Nicht einmal, als sie für mehrere Tage ,,geschäftlich" verreisen muss, fragt er nach, sei es aus Respekt oder aus Gleichgültigkeit. Vermutlich ist das von der Autorin so gewollt, mich lässt es allerdings unzufrieden und etwas ratlos zurück.
Eher mäßige Story gut verpackt
von Arachnophobia - 16.12.2017
Nachdem mich "Unterleuten" begeistern konnte, ich "Nullzeit" aber eher mittelprächtig fand, war ich dennoch sehr neugierig auf Juli Zehs neuen Roman "Leere Herzen". Thematisch wieder etwas völlig anderes; laut Klappentext erwartete mich hier eher eine Art Politthriller-Roman-Mix. An sich nicht ganz mein Genre, aber die Leseprobe machte definitiv Lust auf mehr. In jener wird man ohne großes Vorgeplänkel in die Szenerie geworfen. Ein Abendessen einer normalen, aber offensichtlich recht erfolgreichen Familie mit ihren Freunden. Der Schauplatz ist Deutschland in einer nicht näher bestimmten, aber mit Sicherheit nicht allzu entfernten Zukunft. Gerade in der anfänglichen Abendveranstaltung fallen so einige interessante bis zynische Spitzen gegenüber der heutigen Politik und Situation. Dieser Teil der Leseprobe reichte aus, um meine Neugierde auf das Buch endgültig zu wecken. Die Szene war auf eine spezielle Weise irgendwie bizarr und schräg und doch wieder völlig selbstverständlich. Der Schreibstil tat sein Übriges, um den Einstieg in die Geschichte sehr leicht zu machen. Sehr flüssig zu lesen, ohne dabei allzu simpel zu sein und somit genau mein Geschmack und entsprechend meiner Erwartung. Die Protagonisten und auch Nebenfiguren wirkten auf mich durchweg nicht sonderlich sympathisch - vielleicht waren sie absichtlich so angelegt, vielleicht ist das auch nur mein persönlicher Eindruck. Allerdings waren sie dabei keineswegs so nervig bis anstrengend, so dass ich nie das Bedürfnis verspürte, ihretwegen das Buch abbrechen oder zumindest unterbrechen zu wollen. Dafür, also für das irgendwann schleppende Lesetempo meinerseits, sorgte der allzu schnell abflachende Spannungsbogen. Was zu Beginn sehr interessant begann, als die Geschäfte hinter der "Brücke" endlich beschrieben wurden, ließ etwa ab der Mitte des Buches die Geschichte Abwechslung vermissen. Hier konnte das ordentliche Tempo vom Beginn leider nicht mehr gehalten werden und eher unspektakuläre Ereignisse zogen sich etwas zu sehr in die Länge - vor allem gemessen an der doch eher geringen Seitenzahl. Hier hätte ich mir einfach insgesamt eine etwas andere Entwicklung gewünscht, etwas mehr Überraschung. Am Ende konnte die Story leider nach den vielen anfänglichen, interessanten Details nicht ganz halten, was sie versprach. Gute 3 Sterne vergebe ich für den Inhalt, aufgrund des lesenswerten Stils kann ich "Leere Herzen" aber insgesamt reinen Gewissens 4 Sterne geben.
Leider nicht meins
von dartmaus - 15.12.2017
Das Cover des Buches ist leider sehr unscheinbar. Ich bezweifle das ich es in einem Buchladen in die Hand genommen hätte. Inhalt: Britta und Babak versuchen selbstmordgefährdeten Menschen zu helfen. Offiziell. Doch hinter verschlossenen Türen passieren ganz andere Dinge. Denn die Beiden haben auch noch einen kleinen lukrativen Nebenjob. Meine Meinung: Leider konnte Juli Zeh mit diesem Buch nicht an ihre vorherigen Erfolge anknüpfen. Es handelt zwar von vielen aktuellen Themen, doch irgendwie hat mich das ganze ermüdet. Klar wirken einige der politischen Aktionen spannend und interessant, doch das war hier einfach zu viel. Auch das Geschäft mit dem Tod wird hier zu sehr thematisiert. Auch Britta war mir nicht wirklich sympathisch. Ihre illegalen Machenschaften mit Babak zusammen, passen einfach nicht so wirklich zu der heilen Welt, die sie uns vorzuspielen versucht. Mein Fazit: Sorry aber das war leider nicht meins.
Intelligent und spannend!
von forti - 27.11.2017
Wer denkt Juli Zeh - ihre Bücher fand ich ja bisher immer gut oder auch Juli Zeh - bisher nur Gutes über sie gehört, vielleicht lese ich mal ihren neuen Roman , dem empfehle ich, Leere Herzen zu lesen ohne weiter nach Inhaltsangaben, Rezensionen oder Interviews von Denis Scheck zu suchen. Diese enthalten nämlich alle unweigerlich Spoiler und Leere Herzen ist ein Buch, das man meiner Meinung nach auch sehr lohnend lesen kann, ohne vorher viel darüber zu wissen. So viel sei gesagt: Juli Zeh ist die selten glückende Kombination eines spannenden und(!) intelligenten Buches gelungen. Absolute Leseempfehlung! . . . . . . . . . . Sie sind ja immer noch hier und wollen offenbar doch noch mehr über das Buch wissen. Das ist okay! Los gehts! Auf Spoiler kann ich ab hier aber leider nicht verzichten. Juli Zeh setzt die Handlung von Leere Herzen in der näheren Zukunft (ca. zweites Viertel des 21. Jahrhunderts) in Deutschland an. Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich die Schattenseiten einer oberflächlich friedlich lebenden Gesellschaft. Politikverdrossenheit hat weiter um sich gegriffen und Populisten sind in Deutschland an der Macht. Britta Söldner (in die Namen der Protagonisten kann man so einiges interpretieren) hat mit ihrem Geschäftspartner und guten Freund Babak die Brücke gegründet, eine Agentur die Selbstmordkandidaten und radikale Gruppierungen zusammen bringt, sodass der Selbstmord einen Sinn bekommen soll. Britta kann dieses Konzept sich selbst gegenüber als saubere Sache und win-win-Situation verkaufen - unbeteiligte Tote gibt es aber auch hierbei weiterhin und vielleicht auch deshalb arbeitet sie in einer Grauzone und selbst der Ehemann und die beste Freundin wissen nicht, was sie genau macht. Während im Leser die Frage aufkommt, wie Britta und Babak vom Staat und anderen Institutionen unbemerkt agieren können, passiert es auch schon: die Brücke gerät unter Druck. Erst langsam klärt sich, wer hier eigentlich was und warum beabsichtigt. Britta und ihre Freundin spielen im Buch mehrmals das was wäre wenn -Spiel. Auch der Leser kommt nicht umhin hier mitspielen und sich selbst Fragen zu stellen - über die eigene Moral und das eigene Handeln. Wohin steuern Deutschland und die Welt? Welche Rolle spiele ich dabei? Würde ich mich am Ende so entscheiden wie Britta? Meine liebste Frage: Wenn du auf deine Waschmaschine oder dein Wahlrecht verzichten müsstest- wie entscheidest du dich? Ein wichtiges, aktuelles, hochpolitisches Buch, das gleichzeitig auch spannend ist - ich wollte es garnicht mehr aus der Hand legen.
Wenn der Terrordienstleister Suizidität evaluiert
von cosmea - 26.11.2017
Mit "Leere Herzen" , ihrem neuesten Roman, führt Juli Zeh den Leser in eine nicht allzu ferne Zukunft. Angela Merkel ist abgesetzt. Es regiert in der zweiten Legislaturperiode die rechtsnationale islamfeindliche BBB unter Regula Freyer. Die früheren Anhänger der Traditionsparteien gehen nicht einmal mehr zur Wahl. Die Menschen haben keine Prinzipien und Überzeugungen mehr. Sie haben sich vollständig ins Private zurückgezogen und glauben nicht mehr an die Möglichkeit, die Welt zu verändern oder gar zu retten. In diesem gesellschaftlichen Klima hat Britta Söldner zusammen mit ihrem Geschäftspartner Babak Hamwi eine Firma gegründet, die sich die Brücke nennt und sich nach außen hin als psychotherapeutische Praxis tarnt. Nicht einmal Brittas Mann Richard weiß, womit Britta und Babak so viel Geld verdienen. Besonders glücklich ist Britta bei all dem aber nicht. Sie hat erhebliche gesundheitliche Probleme und ist völlig überarbeitet. Die Lage spitzt sich zu, als ein stümperhaft durchgeführtes Attentat in Leipzig zeigt, dass die Brücke Konkurrenz bekommen hat und man sie aus der Reserve locken will. Britta und Babak versuchen herauszufinden, wer dahintersteckt und geraten in Gefahr. Zehs düstere Zukunftsvision bietet viel Stoff zum Nachdenken, zumal sie Tendenzen der Gegenwart aufgreift und fortschreibt. Der Brexit ist vollzogen, weitere Staaten sind aus der EU ausgetreten und haben das Konzept vom vereinten Europa zum Scheitern gebracht. Können wir die Entwicklung noch aufhalten, verhindern, dass wir und unsere Kinder perspektivlos mit leeren Herzen leben? Überlassen wir die Welt gefährlichen Autokraten? Der spannende, auch sprachlich überzeugende Roman fordert uns auf, wieder Ziele - und zwar nicht nur materieller Art - im Leben zu haben und dafür zu kämpfen. Ein sehr empfehlenswertes Buch.
Kritisch, aber nicht nervig
von Leserin - 25.11.2017
Wegen dem Schreibstil gefiel mir das Buch von den ersten Seiten an, doch bis man das erste Mal erfährt, was die Brücke wirklich tut, dauert es einige Seiten. Juli Zeh erzeugt Spannung, wie es sich für einen Thriller gehört. Mit Cliffhangern, unerwarteten Wendungen und spannenden Figurenkonstellationen treibt sie die Handlung an. Ich persönlich hatte die ganze Zeit das Bedürfnis, dieses erschreckende Buch weiterzulesen. Die Autorin schafft eine zeitliche Entfremdung, zugleich kann man aber ungefähr nachrechnen, in welchem Rahmen sich die Handlung bewegen muss, weil es immer wieder Hinweise aus der Vergangenheit gibt, die man in der Realität zeitlich einordnen kann. Das gefällt mir sehr gut, weil das Buch nicht starr eingeordnet wird. Die Charaktere sind durchdacht, aber außer den Hauptprotagonisten sind die anderen meiner Meinung nach eher flache Charaktere. Man taucht kaum in sie ein, sie wirken daher etwas unausgeformt im Gegensatz zu den anderen, was manchmal etwas verwirrend wirkte. Was ich jedoch am beeindrucksten finde, ist wie viel Kritik (häufig auch zwischen den Zeilen versteckte) das Buch enthält: (Br)exit-Bewegungen, Globalisierung, Männer denken immer noch, sie müssten das Geld verdienen, Ziellosigkeit der Menschen und fehlende Wertevorstellungen, menschliche Abgründe, fehlende Überzeugungen, Wählerverdruss und rechtspopulistische Parteien, die in Deutschland an die Macht kommen. Kurzzeitg habe ich mich gefragt, wo das Buch am Ende hinführen soll. Doch meiner Meinung nach ist Juli Zeh ein sehr gutes Ende gelungen. Eines mit einer Aussage dahinter, die sitzt und zum Nachdenken bringt. Wer ein gut geschriebenes, kritisches, unterhaltsames aber nicht nerviges Buch sucht, der wird hier fündig.
Wir führen keinen Krieg, wir führen einen Feldzug
von jenvo82 - 23.11.2017
"Die Brücke ist Teil eines natürlichen Kreislaufs aus Krieg und Befriedung und erneutem Krieg. Für Britta reicht das, um zu wissen, dass ihre Arbeit Sinn ergibt. Es geht immer um ein Gleichgewicht der Kräfte, um ein Ausbalancieren von Chaos und Ordnung, Sauberkeit und Schmutz." Inhalt Britta Söldner lebt mit ihrem Mann und der Tochter in Braunschweig und führt mit ihrem Freund Babak eine florierende Firma, die offiziell unter der Rubrik Heilpraxis läuft. Doch eigentlich konzentriert sich ihre Arbeit auf das Geschäft mit dem Tod, natürlich ganz legal und unter strenger Beachtung aller Gesetze. Britta gelingt es, aus einer Idee ein funktionales System zu schaffen und Babak steuert das nötige Know-How auf Seiten der Computertechnik bei. Alles könnte so gut laufen, wenn nicht plötzlich die Konkurrenz in Brittas Leben stürmen würde. Eine heikle öffentliche Situation, wird zum Stolperstein für "Die Brücke", ihre einmalige Firma, die es so noch nirgendwo zu finden gibt. Dadurch sieht sich die Jungunternehmerin gezwungen, ihren Feinden nachzuspüren. Doch so einfach wie erhofft, lässt sich das Problem nicht aus der Welt schaffen. Zu verworren sind die Machenschaften ihrer Gegner und zu speziell ihr eigenes Metier. Die einzige Möglichkeit, die Britta bleibt ist ein Untertauchen in der Hoffnung, ihr eigenes Leben und das ihrer geliebten Familie nicht aufs Spiel zu setzen ¿ Meinung Gespannt habe ich auf den neuen Roman der deutschen Autorin Juli Zeh gewartet, die bereits mit zahlreichen Buchpreisen ausgezeichnet wurde und von der ich gesellschaftskritische Gegenwartsliteratur mit Unterhaltungsfaktor erwarte. Auch dieses Buch erfüllt wie erhofft alle Ansprüche und wartet mit einer besonders innovativen Idee auf, die sehr geschickt und erst Stück für Stück im Text erkennbar wird. Dadurch, dass der Leser mit Hilfe ganz normaler Menschen, die vielleicht etwas politikverdrossen sind aber ansonsten durchaus dem gängigen Gesellschaftsmodell folgen, geschickt getäuscht wird, ergibt sich das Ausmaß des Unternehmensinhalts erst ab Mitte des Buches. Vollkommen angetan von dieser Idee, die mir tatsächlich nicht weltfremd und sogar realistisch erscheint, konnte ich die aktuellen Ereignisse, die eine moderne, taffe Hauptprotagonistin schneller einholen als gewünscht, voller Begeisterung verfolgen. In diesem Zusammenhang finde ich auch die Datierung der Handlung, die sich auf eine Zeit vielleicht 10 bis 15 Jahre in der Zukunft festlegt, geradezu vortrefflich. Dadurch wirkt die Handlung äußerst präsent, liegt aber auch noch im Rahmen des Vorstellbaren, denn aus heutiger Sicht sind die Ansätze ebenjener Machenschaften absolut realistisch, erscheinen aber einfach noch nicht ausgereift. Sehr positiv zu bewerten ist auch die Entwicklung der Protagonistin, der man mit jeder Faser anmerkt, dass ihre anfängliche Euphorie und ihr mittlerweile etabliertes Unternehmen eigentlich nur eine Farce sind. Abgesehen von nächtlichen Meetings, spontanen Unternehmensausflügen und einem dicken Bankkonto, bleibt der Mensch Britta Söldner ziemlich auf der Strecke. Sie belächelt ihre Freunde, schüttelt den Kopf über die Angepasstheit ihrer Mitbürger und empfindet ihre Sicht, auch wenn sie diese nicht äußern möchte, als die einzig wahre. Erst nachdem sie wirkliche Probleme bekommt und auf elementare Bedürfnisse zurückgeworfen wird, gelingt es ihr, mit ihrem Organisationstalent aber auch einer gewissen Weitsicht wieder Land zu gewinnen. Fast erscheint es so, als würde die Autorin Juli Zeh ihre Protagonistin als Mittel zum Zweck einsetzten. Britta ist nicht nur die erfolgreiche Geschäftsfrau von Morgen, sie ist auch das Sinnbild für Menschen, die ihren Auftrag möglicherweise vollkommen falsch verstanden haben. Fazit Ich vergebe 4,5 Lesesterne für diesen aktuellen, einfallsreichen Unterhaltungsroman mit einer guten Portion Gesellschaftskritik und einer Tendenz zum politischen Thriller. Ein interessantes Konzept, gut gezeichnete Charaktere und eine spannende Handlung machen das Buch zum Pageturner. Es bleibt auch noch genügend Spielraum für eigene Spekulationen, weiterführende Gedanken und generell für die unabhängige Urteilsfindung des Lesers. Zum Lieblingsbuch fehlt nicht viel, vielleicht eine höhere menschliche Komponente, mehr Empathie mit den Menschen hinter der Geschichte, obwohl ich fürchte, diese Grenze zwischen, so könnte es sein und so sollte es besser nicht werden, ist sehr bewusst gewählt und sollte für die Bewertung des Buches nicht relevant sein. Ein empfehlenswerter zeitgenössischer Text, der mich einmal mehr für die Autorin und ihre gut beobachteten Sachverhalte einnehmen konnte.
"Da. So seid ihr."
von Steffi Kohl - 20.11.2017
"Da. So seid ihr." Wie hin geklatscht - keine Widmung, eher ein wütender Faustschlag als Buchanfang. Juli Zeh ist ja mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet worden und auch ihr gesellschaftlich-politisches Engagement ist bekannt. Zehs Schreiben dreht sich um den Kampf zwischen Chaos und Ordnung; sie fragt, ob und wie sich Sinn und Moral neu aufbauen lassen, wenn althergebrachte Werte bedeutungslos geworden sind. Wiederkehrende Motive sind die Fragen des Verlorengehens, des Zusammenhalts und der tragenden Normen und die Lebenswelt in einer Gesellschaft der Individualisierung und Globalisierung, in der keine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft einer Weltgemeinschaft mehr erkennbar wird. Diese Anforderungen an sich selbst und die Gesellschaft in einem Roman umzusetzen, ist sehr schwierig und kontroverse Diskussionen sind vorprogrammiert. Der Autorin gelingt es aber auf der Basis des , wenn auch etwas unwirklich anmutenden Plots, eine gut durchdachte und treffende Gesellschaftskritik zu entwickeln, die - egal was man davon auch hält- in jedem Fall zum Nachsenden und zur Diskussion provoziert. Im Jahr der Handlung -2025- hat eine sogenannte Besorgte-Bürger-Bewegung die Regierung abgelöst und es gibt für alle ein bedingungsloses Grundeinkommen. Klingt das wirklich so unrealistisch? Sind wir wirklich so weit davon entfernt? Die Figuren des Romans und deren Beziehungen zueinander sind gut recherchiert und die Autorin verlangt von uns nicht, dass wir ihre Protagonisten lieben. Sprachlich überzeugt Juli Zeh auf jeden Fall - da gibt es nichts zu diskutieren. Da sind sachliche Sätze, die man zweimal lesen muss, will man sie ganz verstehen; wie : "Demokratieverdrossene Nicht-Wähler gewinnen Wahlen, während engagierte Demokraten mit dem Wählen aufhören." Da sind fast poetische Teile , die man zweimal lesen muss, weil sie so schön sind ; wie : "Solange die Sonne Energie schickt , wird geflattert, gerannt und gekrochen, begattet, gebrütet, gejagt und gekämpft." Juli Zeh hat ein gutes und wichtiges großartiges Buch geschrieben!
Emty Hearts
von Buecherdanny - 20.11.2017
Das Buch spielt im Jahr 2025 in Deutschland: Die gebildete Schicht hat ihren Tatendrang verloren und ist total desillusioniert. Britta Söldner und Babak Hamwi haben eine kleine Firma gegründet die sie in einem unauffälligem Büro betreiben. Mit der "Brücke" sind sie sehr erfolgreich und ihre Geschäftsidee hat sie schnell reich gemacht. Womit genau die beiden ihr Geld verdienen weiß jedoch niemand so ganz genau. Es ist ein lukratives Geschäft mit dem Tod, welches bald auch Brittas und Babaks Leben in Gefahr bringt. Sie haben Konkurrenz bekommen und ihre Gegner sind nicht zu unterschätzen... Die Geschichte die Juli Zeh in ihrem Buch beschreibt ist erschreckend und beängstigend! Sie spielt in der nahen deutschen Zukunft und die ist düster. Das Land wird von der BBB (Besorgte Bürger Bewegung) regiert, die Kanzlerin Merkel abgelöst hat . Da sich die meisten Menschen nicht mehr für Politik interessieren, bemerken sie nicht, dass die Regierung ihre Rechte immer mehr einschränkt und die Demokratie nach und nach abgeschafft wird. Juli Zeh zeigt in ihrem spannenden Roman, wie gefährlich Gleichgültigkeit sein kann und wie wichtig Demokratie ist. Ihr Schreibstil ist schlicht, eindringlich und gefühllos und passt somit sehr gut zur Story. Ihre Beschreibungen sind sehr realistisch und man kann nur hoffen, das sie nie wahr werden. Der Roman hat mich vom Anfang an fasziniert und regt zum Nachdenken an. Ein Buch das aufrüttelt und noch lange nachwirkt...
Dystopisches Deutschland
von Readaholic - 18.11.2017
Britta Söldner (nomen est omen) betreibt mit ihrem Geschäftspartner Babak eine psychologische Beratungspraxis, "die Brücke", zumindest soll es nach außen diesen Anschein haben. Lange weiß der Leser nicht, womit die beiden eigentlich ihr Geld verdienen, selbst Brittas Ehemann weiß nicht Bescheid und er scheint sich auch nicht sonderlich für Brittas Geschäfte zu interessieren, solange die Finanzen stimmen. Im ersten Kapitel wird im Leipziger Hauptbahnhof ein Anschlag verübt, was Britta und Babak extrem beunruhigt. Was haben die beiden damit zu tun? Sie wüssten gerne Details zu dem Anschlag, warum recherchieren sie die Hintergründe nicht im Internet? Es wird klar, dass im Deutschland des Jahres 2025 jede digitale Bewegung aufgezeichnet wird, der gläserne Mensch ist längst Realität. An der Regierung ist die politisch rechte BBB, die Besorgte Bürger Bewegung. Grundrechte wurden beschnitten, der Import von ausländischem Bier soll verboten werden (Germany first?), doch, man höre und staune, in Deutschland gibt es das bedingungslose Grundeinkommen. Die Menschen sind politikverdrossen und mit ihrem Leben unzufrieden, die Selbstmordrate ist extrem hoch. Und genau hier kommt die Brücke ins Spiel. Wenn sich Leute umbringen wollen, warum nicht Profit daraus schlagen? Das Geschäftsmodell ist erfolgreich und andere wollen auch ihren Teil des Kuchens abbekommen. Britta und Babak geraten in Gefahr und müssen fliehen... Ich hatte mich sehr auf das neue Buch von Juli Zeh gefreut. "Unterleuten" war für mich eines der Buch-Highlights des vergangenen Jahres gewesen. So hatte ich gehofft, dass mich das neue Buch ähnlich begeistert, aber dies ist leider nicht der Fall. Ich nehme an, Juli Zeh will mit diesem Buch aufrütteln, "Seht her, was geschieht, wenn ihr nicht wählen geht!" Da das Buch gerade einmal 8 Jahre in der Zukunft spielt, ist die nächste Botschaft "Und macht euch bewusst, wie schnell das alles passieren kann". Mir war das alles ein bisschen zu viel Moral und erhobener Zeigefinger. Vor die Wahl gestellt, ob die Leute lieber das Wahlrecht oder eine Waschmaschine möchten, entscheidet sich laut Buch die große Mehrheit für die Waschmaschine. Was ist das überhaupt für eine lächerliche Alternative? Genauso gut könnte man fragen "wollt ihr lieber essen oder wählen gehen?", da wäre die Antwort doch auch von vornherein klar. Der Anfang des Buchs hat mir gut gefallen. Die beiden Familien, die zusammen essen, zunächst wirkt alles sehr idyllisch, wenn da nicht die beiden kleinen Mädchen wären, die ein Computerspiel spielen und hin und wieder "Kollateralschaden" juchzen. Brittas Reinlichkeitswahn ist auch befremdlich. Unterschwellig merkt man schon, dass die Idylle trügt. Britta wirkt kühl, arrogant und berechnend. Sie schaut auf ihre angeblich beste Freundin Janina herab, deren großer Traum es ist, mit ihrer Familie in einem Häuschen auf dem Land zu leben. Dabei ist Janina noch die sympathischste Person im ganzen Buch, während mir Britta immer unsympathischer wurde. Das Ende ist unerwartet, lässt aber viele Fragen offen. Ich habe dieses als "Politthriller" beworbene Buch trotz mancher Längen zu Ende gelesen, fand es aber nicht sonderlich spannend. Sprachlich gut, von der Idee her auch, aber es konnte mich nicht fesseln.
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