Warenkorb
€ 0,00 0 Buch dabei,
portofrei
Adrienne Mesurat als Buch
PORTO-
FREI

Adrienne Mesurat

Roman. Originaltitel: Adrienne Mesurat. 4. Auflage.
Buch (gebunden)
Eine kleine Villa in der französischen Provinz, von Buchen gesäumt, ein Vater und zwei erwachsene Töchter, die ältere kränklich, die jüngere achtzehn und lebenshungrig, an den Wänden eine bürgerliche Ahnengalerie. Was äußerlich so wohl geordnet schei… weiterlesen
Buch

19,90*

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Adrienne Mesurat als Buch

Produktdetails

Titel: Adrienne Mesurat
Autor/en: Julien Green, Wolfgang Matz

ISBN: 3446199098
EAN: 9783446199095
Roman.
Originaltitel: Adrienne Mesurat.
4. Auflage.
Übersetzt von Elisabeth Edl
Hanser, Carl GmbH + Co.

21. August 2000 - gebunden - 310 Seiten

Beschreibung

Eine kleine Villa in der französischen Provinz, von Buchen gesäumt, ein Vater und zwei erwachsene Töchter, die ältere kränklich, die jüngere achtzehn und lebenshungrig, an den Wänden eine bürgerliche Ahnengalerie. Was äußerlich so wohl geordnet scheint, wird für Adrienne Mesurat zu einer Hölle auf Erden. Vom Vater gegängelt und von der Schwester schikaniert, verliebt sie sich in einen Mann, den sie nur flüchtig kennt, den Arzt Maurecourt. Eine obsessive, eine fanatische Liebe, die jedoch unerwidert bleibt. Als die Schwester Germaine aus dem Haus des Vaters flieht, steht Adrienne dessen Willkür allein gegenüber. In einer Aufwallung blinden Hasses stürzt sie ihn eines Nachts von der Treppe in den Tod. Die Kunst dieses Romans, schrieb Walter Benjamin, lässt uns "in den Schnürboden der Leidenschaft hineinsehen und zeigt das simple, zackige Räderwerk: Einsamkeit, Furcht, Hass, Liebe, Trotz, das hinter jedem Geschehen steht". Deshalb ist Julien Greens Meisterwerk, wie Benjamin richtig vor hersah, so aktuell geblieben und wird zum 100. Geburtstag des Autors am 6. September 2000 in einer Neuübersetzung vorgelegt.

Portrait

Julien Green wurde am 6.September 1900 in Paris geboren. Nach einem Studienaufenthalt in den USA kehrte er 1922 nach Paris zurück, hier erschienen auch seine ersten beiden Veröffentlichungen, darunter die Romane "Mont-Cinere" und "Leviathan".§Während einer USA-Reise wurde Green vom Ausbruch des zweiten Weltkrieges überrascht und verbrachte daher einige Zeit als Lehrer am College in Baltimore. 1945 kehrte er nach Paris zurück und blieb dort, nur unterbrochen von zahlreichen Reisen, bis zu seinem Tod.§Julien Green erhielt viel renommierte Preise und war seit 1971 Mitglied der Academie Francaise.§Er starb am 13.08.1998 in seiner Pariser Wohnung.§Schon seit Erscheinen seines ersten Buches, 1926 auch in Deutschland, hatte er enthusiastische Leser wie Walter Benjamin, Klaus Mann und Hermann Kesten. Seine Bücher sind geprägt von Leidenschaft und Askese, atmosphärisch dichter Beschreibung und psychologischem Scharfblick.

Leseprobe

Als sie durch das Gartentor der Villa des Charmes trat, hatte Adrienne das Gefühl, in einen Kerker zurückzukehren. Von ihrer Unterhaltung mit Madame Legras brachte sie eine schmerzliche Sehnsucht nach Freiheit heim. Diese Frau, die kommen und gehen konnte, wie es ihr beliebte ... Zwischen den Pfützen lief sie schnell durch den kleinen Garten und dann die Außentreppe empor, auf die heftiger Regen niederprasselte. Im Vorzimmer stampfte sie ein-, zweimal mit den Füßen auf und ging, nachdem sie sich die Schuhe abgestreift hatte, in den Salon.
Es war düster. Die Villa des Charmes wirkte trostlos, sobald man die Fenster schloß. Einen Augenblick später kam auch Monsieur Mesurat herein. Er keuchte.
"Sie hatten keine Zeit, das ganze Programm zu spielen", erklärte er Germaine, die immer noch ausgestreckt auf dem Kanapee lag. "Nur eine Ouvertüre und dann den Marsch, du weißt schon ..."
Er trällerte den Marsch vor sich hin.
Adrienne ging hinter ihm vorbei und zuckte die Achseln, während sie gleichzeitig die Augen zur Decke erhob.
"Viele Leute?" fragte Germaine.
"Bis auf den letzten Platz besetzt", antwortete Monsieur Mesurat. "Ein Erfolg!"
"Wir haben Madame Legras kennengelernt", sagte Adrienne, die einfach von ihrer neuen Freundin sprechen mußte, wie um gegen die Traurigkeit, die Langeweile anzukämpfen, die auf diesem Raum lasteten. Sie nahm ihren Hut ab, zog die Handschuhe aus, die naß an ihren Fingern klebten, und legte alles auf das runde Tischchen.
"Ja", brummte der Alte und drehte sich zu ihr. "Eine eitle Person, was?"
Adrienne errötete.
"Weil sie gut gekleidet ist? Ich finde nicht."
"Schon möglich", antwortete er beleidigt, weil sie nicht seiner Meinung war, "aber ich finde es."
Dann setzte er sich in seinen Lehnstuhl.
"Keiner weiß, was ihr Ehemann treibt", fuhr er fort. "Ich habe mir sagen lassen, sie sind reich."
"Reich", wiederholte Germaine wie ein Echo.
"Ja, aber ohne daß man wüßte, woher das Geld kommt", s
agte der Alte mit erhobenem Zeigefinger.
Adrienne nahm Hut und Handschuhe wieder an sich und ging hinaus. Dieser Klatsch mißfiel ihr, und sie bedauerte, Madame Legras' Namen vor ihrem Vater und ihrer Schwester ausgesprochen zu haben. Als sie den Salon verließ, spürte sie eine nahezu körperliche Erleichterung. Plötzlich bekam sie Lust, wie ein Kind umherzuhüpfen, und schwungvoll lief sie in ihr Zimmer hinauf, um sich von ihrem Fenster aus die Villa anzuschauen, die sie am nächsten Tag betreten sollte. Schlagartig wurde sie froh und dankte dem Schicksal, daß sie wenigstens ein Zimmer hatte, in dem sie Zuflucht suchen konnte - um allein zu sein, Selbstgespräche über ihre Pläne, ihre Hoffnungen zu führen und nun auch jenes unerklärliche Glücksgefühl zu verbergen, das sie so unversehens gepackt hatte.
Sie schloß die Tür, setzte sich ans Fenster und zog einen Vorhang zur Seite. Es goß in Strömen, und der Himmel wurde immer dunkler. Schmutziges Wasser rann neben den Bürgersteigen dahin, deren Pflaster glänzte; das eintönige Rauschen des Regens erfüllte die Straße.
Nach einigen Minuten hörte Adrienne einen Wagen von der Stadt herankommen, und fast gleichzeitig sah sie, wie eine Droschke in die Straße einbog und vor der Villa Louise hielt. Das große Lederverdeck war zugeklappt und schimmerte naß, und nur ganz flüchtig erblickte das junge Mädchen seine neue Freundin, die ausstieg und zu ihrem Haus hineilte, nachdem sie dem Kutscher etwas zugerufen hatte, was Adrienne nicht verstand. Das Gartentor öffnete und schloß sich geräuschvoll, dann lief Madame Legras zur Außentreppe, hastete hinauf, so schnell es ihre dicken Beine erlaubten, und läutete mehrere Male an der Tür. Lautes Kläffen drang aus dem Inneren des Hauses; endlich ging die Tür auf, und Madame Legras verschwand.
Das alles dauerte nur einen Augenblick. Der Wagen hatte bereits gewendet und fuhr stadteinwärts davon. Langsam löste Adrienne ihre Finger von dem Vorhang, den sie noch immer festhielt, und lie
ß ihn wieder zufallen, dann verlor sie sich in ihren Gedanken. Diese Unabhängigkeit, die ihre Nachbarin besaß ... Einen Wagen nehmen, tun können, was sie wollte. Sie preßte die Stirn gegen das Fenster; durch die Maschen des Vorhangs hindurch sah sie im Dämmerlicht die weißen Wände des Hauses, in dem Maurecourt wohnte, und über dem Schieferdach den schwarzen Wipfel des jungen Baumes, der unbewegt im Regen stand. Unten im Salon sprach Monsieur Mesurat mit Germaine, und das undeutliche Gemurmel seiner Stimme erreichte Adriennes Ohr. Sie wurde traurig, auf dieselbe Weise, wie sie sich kurz zuvor mit einemmal glücklich gefühlt hatte. Und ihre Fröhlichkeit verflog so plötzlich, wie sie gekommen war.
Nach dem Abendessen sank die Temperatur so stark, daß Germaine bat, man möge doch ein Bündel Reisig im Kamin anzünden. Nur dann könne sie im Salon bleiben. Erst murrte ihr Vater ein wenig, entrüstet über die Vorstellung, Anfang Juni ein Feuer anzufachen, doch schließlich gab er zu, daß es nicht gerade warm war, und übernahm es selbst, im Kamin die noch grünen Zweige aufzuschichten. Vor allem anderen fürchtete er nämlich, daß seine Kartenpartie ausfallen könnte. Sicher kam dieses Feuer ihm lachhaft, ungeheuerlich vor, er war jedoch bereit, gegen die Gepflogenheiten zu verstoßen, um nicht eine Gewohnheit opfern zu müssen, die ihm immer unverzichtbarer wurde. Sein Trente-et-un beendete, krönte den Tag. Danach konnte er die Lampe ausblasen und sich sagen, daß sein Tagewerk vollbracht war; er konnte schlafen.
Während er vor der Kaminklappe kauerte, mischte Adrienne, die Arme auf das runde Tischchen gestützt, stumm die Karten. Neben ihr wartete die Schwester halb liegend in einem Lehnsessel und verfolgte mit fiebrigem und gedankenversunkenem Blick Adriennes Bewegungen. Sie war in einen weiten gestrickten Wollumhang gehüllt und hatte sich außerdem noch eine Sergejacke über die Schultern geworfen, deren Ärmel auf die Armlehnen ihres Sessels herabhingen. Ihr rotglühendes Gesich
t drückte eine quälende geistige Anspannung aus. Als Monsieur Mesurat die Kaminklappe geräuschvoll auf- und zumachte, nutzte sie die Gelegenheit, um sich zu Adrienne zu beugen und halblaut zu fragen:
"Hast du die Briefe eingeworfen?"
Das junge Mädchen nickte. Germaine schloß erleichtert die Augen. Ein paar Minuten vergingen. Dann stand Monsieur Mesurat auf und schob mit der Spitze seines Fußes, der in einem Pantoffel steckte, die Kaminklappe wieder hoch. Ein fröhliches Licht mit tanzendem Widerschein erhellte das Zimmer. Die Zweige krümmten sich in den Flammen. Germaine schlug die Augen auf. Ihr Blick begegnete dem des alten Mannes, der sie, von der Anstrengung leicht gerötet, beobachtete; dann klatschte er in die Hände.
"Bist du zufrieden?" fragte er.
Sie hauchte "Ja" und richtete sich ein wenig auf. Ihre knochigen Hände griffen nach den Karten, die ihre Schwester einzeln vor sie hinwarf.
Monsieur Mesurat blickte noch eine Weile in die Flammen, dann schien ihm auf einmal etwas einzufallen.
"Adrienne", fragte er, "wo hast du deine Schuhe hingestellt?"
"In die Küche, neben deine, damit sie schneller trocknen", antwortete das junge Mädchen.
Er ging hinaus. Germaine folgte ihm mit den Augen bis zur Tür, dann wandte sie den Kopf ihrer Schwester zu.
"Adrienne", sagte sie tonlos.
Adrienne hörte mit dem Kartengeben auf.
"Was willst du?" fragte sie.
Der Ausdruck, den sie auf den Gesichtszügen der Kranken sah, überraschte sie. Ihr war, als lächle sie. Etwas in ihren Augen wirkte verändert.
"Was willst du, Germaine?" wiederholte sie.
Germaine streckte eine Hand aus, doch Adrienne griff nicht nach ihr.
"Ich gehe fort, Adrienne", sagte sie mit stockender Stimme. "Und ich komme nicht wieder."



Pressestimmen

"Green zeigt, warum die Sprache der Dichtung so viel mehr aussagt als alle anderen Sprachen, denn sie beschreibt ihren Gegenstand nicht nur, sondern stellt ihn dar. Das macht das Frühwerk 'Adrienne Mesurat' zu einer schaurigen Version der Normalität, zu einem Beweis für die Mächtigkeit der Poesie und damit zu einem Meisterwerk der Weltliteratur." Steffen Martus, Berliner Zeitung, 28.11.00 "Elisabeth Edls neue Übersetzung im Hanser-Verlag (ergänzt um das Nachwort von Wolfgang Matz) bringt uns dieses Interieur so vor Augen, wie es sein soll: anziehend und abweisend zugleich, mit den Beschleunigungen einer bedrängenden Sprache." Martin Meyer, Neue Zürcher Zeitung, 06.09.00 "Ohne Zweifel gehört der 1927 in Paris publizierte Roman, der nun in Elisabeth Edls trefflicher neuer Übertragung vorliegt, nicht nur zu den Meisterwerken dieses Prosaisten, sondern auch der französischen Literatur insgesamt: ein Klassiker, der seit der Erstveröffentlichung nichts von seiner Wirkungsmacht eingebüßt hat." Ulrich Weinzierl, Die Welt, 02.12.00 "Die Geschichte der Adrienne Mesurat wird kunstvoll und spannend erzählt. ... Ein strikt und kunstvoll komponiertes Kunstwerk." Eberhard Rathgeb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.00
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.