Warenkorb
€ 0,00 0 Buch dabei,
portofrei
Klick ins Buch Befreiung aus der Mündigkeit als Buch
PORTO-
FREI

Befreiung aus der Mündigkeit

Paradoxien des gegenwärtigen Kapitalismus. 'Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie'.…
Buch (kartoniert)
Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie
Buch

24,90 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Befreiung aus der Mündigkeit als Buch

Produktdetails

Titel: Befreiung aus der Mündigkeit
Autor/en: Klaus Günther, Sighard Neckel, Hermann Kocyba, Volker M. Heins

ISBN: 3593370808
EAN: 9783593370804
Paradoxien des gegenwärtigen Kapitalismus.
'Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphilosophie'. 'Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialphil'.
Herausgegeben von Axel Honneth
Campus Verlag GmbH

1. März 2003 - kartoniert - 254 Seiten

Beschreibung

"Die Lektüre dieses wirklich grandiosen Buches sollte allen am Herzen liegen, die sich mit den Fragen einer Zukunft unseres Wirtschaftens befassen." neue caritas

Pressestimmen

Die Seele gibt auf
"Das Buch enthält erste Versuche, dem Kapitalismus neu ins Gesicht zu sehen û neu, weil es dessen Paradoxien in den Blick nimmt [...] Dies ist ein Anfang. Man wird ihn nicht übereilt nennen können." (Die Zeit (Literatur-Beilage), 12.12.2002)

Marktwirtschaft
"Die Lektüre dieses wirklich grandiosen Buches sollte nicht nur allen am Herzen liegen, die sich theoretisch mit den Fragen einer Zukunft unseres Wirtschaftens befassen; es muss auch von jedem gelesen werden, der sich mit seiner gesellschaftlichen Rolle auseinander setzt." (neue caritas, 01.02.2003)

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 07.07.2003

Wir Durchgeknallten warten auf September
Haben sich die Mühen der Individualisierung gelohnt? Axel Honneth zieht eine paradoxe Bilanz

Was macht eigentlich - der Individualismus? Sein Begriff, "der zu den großen geistesgeschichtlichen Kategorien gehört" (Georg Simmel, 1913), hatte noch vor kurzem, in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, eine Art Goldgräberstimmung unter Soziologen ausgelöst. Man meinte, gleichsam ans Edelmetall des Menschen zu rühren, wenn man ihn als individualisierten, und das hieß: auf Authentizität, Selbstverwirklichung, Wahlfreiheit et cetera bedachten Zeitgenossen beschrieb. Man übersah, daß derartige Emanzipationsschübe den Menschen bereits seit der Renaissance begleiten, besonders virulent etwa in der Romantik wurden und jedenfalls mitnichten ein Merkmal erst unserer Zeit sind, der als "Erlebnisgesellschaft" aufgefaßten "Zweiten Moderne", eines vermeintlichen Epocheneinschnitts, vor welchem die Leute im Grunde nur dumpf und fremdbestimmt auf den Kufen ihrer Traditionen dahingeglitten wären. Aber das greift natürlich zu kurz. Denn daß in einer enttraditionalisierten Gesellschaft wie der unseren die persönliche Entscheidung für eine Tradition durchaus ein Akt der Individualisierung sein mag, blieb in dieser Optik ebenso unterbelichtet wie die Tatsache, daß auch eine Tradition, in die man hineingeboren wurde, im weiteren Lebensverlauf selbstbestimmt gelebt werden kann.

In ihrer Ungeschichtlichkeit trat die jüngste Individualisierungsforschung immer auch als Glücksforschung auf: je individualisierter der Mensch, desto glücklicher. Wobei das, was unter Individualisierung verstanden werden sollte, durchaus vage blieb. Kann sich nicht im Grunde jeder, der gelernt hat, für die Folgen seines Tuns Verantwortung zu übernehmen, individualisiert fühlen? Im Wortsinn ist der Individualisierte freilich einer, der um den Eindruck eines inneren Ungeteiltseins willen sein Leben in geteilten Rollen zu leben versteht. In diesem Sinne singen heutige Individualisierungstheoretiker das Lob der "Bastelbiographie", des diskontinuierlichen Lebenslaufs, der auf dem langen Lauf "zu sich selbst" nacheinander (oder gar nebeneinander) möglichst unterschiedliche Lebensentwürfe durchprobiert. Aber damit verallgemeinern diese Theoretiker einen im Grunde sehr seltenen Typus Biographie, welcher doch eher das exzentrische Nomadentum eines August Strindberg beschreibt als unsere nach wie vor auf biographische Übersichtlichkeit bedachte Welt der Angestellten.

Strindberg, ein begnadeter Individualist fürwahr, aber eben doch einer, der erwiesenermaßen nicht alle Tassen im Schrank hatte und insoweit als Prototyp einer sich noch so flexibel gebenden "Zweiten Moderne" nicht gerade die beste, sprich: empirisch gehaltvollste Figur abgibt. "Er lebte impressionistisch, für den Augenblick, in Schwärmerei (ohne daß ein starkes Bewußtsein vom Sollen eines Zusammenhangs, einer zielhaften Entwicklung besteht). Er überwand, indem er einfach abstieß. So ist es charakteristisch, daß er zahlreiche Berufe schnell nacheinander ergriff. Keiner konnte ihm genugtun. Er war Student, Lehrer, Journalist, Bibliothekar, Arztgehilfe, Schauspieler. Er suchte etwas, fand aber nirgends die lebensformende Erfüllung, so sehr er augenblicklich befriedigt sein konnte." Was sich auf den ersten Blick wie das soziologische Skript der "Bastelbiographie" lesen mag, ist in Wahrheit die psychiatrische Beschreibung eines Durchgeknallten: ein Auszug aus Karl Jaspers' bekannter Strindberg-Studie.

Wie einfältig der neuere sozialwissenschaftliche Individualisierungsbegriff ist, zeigt sich denn auch in dem Resümee, das Axel Honneth in dem Sammelband "Befreiung aus der Mündigkeit - Paradoxien des gegenwärtigen Kapitalismus" zieht. Offenbar war das Individualisierungstheorem tatsächlich als linearer Fortschrittsbegriff konzipiert, ohne auch nur einen Gedanken darauf zu verwenden, welche neuen Unmündigkeiten, Konformismen und so weiter auftreten, wenn man es mit der Individualisierung übertreibt. Nur so ist zu verstehen, daß Honneth es als einen Erkenntnisgewinn feiert, wenn man heute auch die "Paradoxien" der Individualisierung in den Blick nehme. Dabei handelt es sich freilich um eine Selbstverständlichkeit. Denn es gehört seit je zum Handwerk des Sozialwissenschaftlers, soziale Vorgänge gerade auch auf ihre paradoxale Struktur, also auf ihre unerwarteten Nebenfolgen hin zu befragen. Schlimm genug, wenn die individualisierungstheoretischen Utopisten aus jüngster Zeit dies vergessen haben sollten, so daß einer trivialen Kategorie wie der Paradoxie nun der Rang einer sozialwissenschaftlichen Offenbarung beigemessen wird. Honneth kündigt an, die gesamte Arbeit des Frankfurter Instituts für Sozialforschung künftig am Begriff der Paradoxie auszurichten.

Was bliebe der Zunft an Überraschungen erspart, hätte sie nur ihren Simmel studiert! Der hatte schon früh auf das abstrakte Leben als dem zentralen Risiko einer die institutionellen Bezüge abstreifenden Individualisierung hingewiesen. In einem berühmten, von Honneth zitierten Passus kritisiert Simmel die entsprechende Freiheit als illusionär: "scheinbar Freiheit zu allem - weil sie eben bloß negativ war -, tatsächlich aber eben deshalb ohne jede Direktive, ohne jeden bestimmten und bestimmenden Inhalt und deshalb zu jener Leerheit und Haltlosigkeit disponierend, die jedem zufälligen, launenhaften, verführerischen Impuls Ausbreitung ohne Widerstand gestattete - entsprechend dem Schicksal des ungefestigten Menschen, der seine Götter dahingegeben hat und dessen so gewonnene ,Freiheit' nur den Raum gibt, jeden beliebigen Augenblickswert zum Götzen aufwachsen zu lassen." Sagen wir es so: Wer beim Höhenflug des Individualverkehrs keinen erdenden Bergkristall in der Tasche trägt, dem wird die Luft naturgemäß zu dünn.

Man sieht, wie hier bereits an der Wurzel des Individualisierungstheorems viele der Dynamiken mitgedacht wurden, die das Theorem in sein Gegenteil verkehren können. Honneths "Paradoxien" bringen diese Dynamiken noch einmal auf den - kulturkritischen - Begriff: Aus der "Option" zur Individualisierung sei ein "Zwang" zur Individualisierung entstanden, schreibt er. So müsse man sich im Arbeits- und Beziehungsleben inzwischen allenthalben dem "Stilideal des möglichst originellen, kreativen Lebensentwurfs" beugen. Der Individualismus schlage auf die Individuen zurück, wenn "von den Arbeitenden unter Berufung auf ihre scheinbar gewandelten Bedürfnisse ein Mehr an Engagement, Flexibilität und Eigeninitiative verlangt wird, als es unter Bedingungen eines sozialstaatlich regulierten Kapitalismus der Fall gewesen ist". Auch würden Primärbeziehungen deshalb brüchiger und kurzlebiger, "weil sie immer stärker den Charakter von ,reinen' Beziehungen annehmen, in denen sich die wechselseitige Bindung allein noch aus dem flüchtigen Stoff der eigenen Gefühle und Zuneigungen speist". So bleibt die Frage, ob es für uns einen Weg zurück, gewissermaßen hinter die Individualisierung gibt. Wir Durchgeknallten sollten in Ruhe den September abwarten. Dann will, pünktlich zum neuen Semester, Axel Honneth noch einmal alles auf die Karte der Paradoxie setzen.

CHRISTIAN GEYER

Axel Honneth (Hrsg.): "Befreiung aus der Mündigkeit". Paradoxien des gegenwärtigen Kapitalismus. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2002. 254 S., br.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

Mehr aus dieser Reihe

zurück
Kindliche Sexualität
Buch (kartoniert)
von Julia König
Die Berufsmoral der Banker
Buch (kartoniert)
von Claudia Czingon
Warum Eltern Ratgeber lesen
Buch (kartoniert)
von Christian Zeller
Vom Geist der Sache
Buch (kartoniert)
von Dirk Quadflieg
Fortschritt
Buch (kartoniert)
von Peter Wagner
vor
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
¹ Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche ge-
kennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben.
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.