Warenkorb
€ 0,00 0 Buch dabei,
portofrei

Die Lamellen stehen offen

Frühe Lyrik 1963-1991. Werkausgabe Band 1. 'Werkausgabe'.
Buch (gebunden)
Der erste Band der Werkausgabe vollzieht den lyrischen Bogen in Klaus Merz' Werk von den Anfängen Mitte der Sechziger- über die frühen Achtziger, als Klaus Merz, nachdem er während zehn Jahren ausschließlich Prosa und Theatertexte geschrieben hatte, … weiterlesen
Dieses Buch ist auch verfügbar als:
Buch

24,90 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Die Lamellen stehen offen als Buch

Produktdetails

Titel: Die Lamellen stehen offen
Autor/en: Klaus Merz

ISBN: 3852186544
EAN: 9783852186542
Frühe Lyrik 1963-1991. Werkausgabe Band 1.
'Werkausgabe'.
Herausgegeben von Markus Bundi
Haymon Verlag

24. August 2011 - gebunden - 240 Seiten

Beschreibung

Der erste Band der Werkausgabe vollzieht den lyrischen Bogen in Klaus Merz' Werk von den Anfängen Mitte der Sechziger- über die frühen Achtziger, als Klaus Merz, nachdem er während zehn Jahren ausschließlich Prosa und Theatertexte geschrieben hatte, die Lyrik wieder aufnahm, bis in die frühen Neunzigerjahre hinein nach. Dabei werden zahlreiche Gedichte aus dem Frühwerk von Klaus Merz, die zum größten Teil noch vor seinem Buch-Debüt 1967 entstanden sind, erstmals abgedruckt. Unter dem Titel "Zugewachsene Gärten" enthält dieser Band ebenso ein bislang unveröffentlichtes, in den 1980er Jahren entstandenes Lyrik-Manuskript aus dem Vorlass von Klaus Merz im Schweizerischen Literaturarchiv.

Portrait

Klaus Merz, geboren 1945 in Aarau, lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in Unterkulm/Schweiz. Er debütierte Mitte der Sechzigerjahre mit Gedichten. Seither sind über dreißig Veröffentlichungen hinzugekommen: Gedichtbände, Kurzprosa und Erzählungen, Hörspiele und Theaterstücke, Novellen und kurze Romane, Bildbetrachtungen und essayistische Arbeiten. Merz wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Hermann-Hesse-Preis der Stadt Karlsruhe (1997) und dem Gottfried-Keller-Preis (2004) für das gesamte Werk. Seine Texte wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Pressestimmen

"Über Jahrzehnte hinweg ist Klaus Merz ein Meister des Understatements geblieben, der unbekümmert um alle literarischen Moden der stillen Kraft seiner Worte vertraut."
FAZ, Sabine Doering
"Wer die Texte von Klaus Merz in der zeitlichen Abfolge ihrer Entstehung liest, kommt nicht umhin, einen faszinierenden Prozess der Klärung und Aufhellung zu beobachten, einen Zugewinn an Gelassenheit auch. Die Motivstruktur bleibt komplex, der Duktus sublim musikalisch. Doch da ist keine spürbare Anstrengung mehr. Innere Spannung hingegen sehr wohl. Klaus Merz hält den Konflikt zwischen Hoffnung und Zweifel, zwischen Glück und Trauer aus, ohne auf die eine oder andere Seite zu kippen. Damit öffnet er uns einen unverwandten Blick in die Welt - auf jede Gefahr hin."
NZZ am Sonntag, Manfred Papst
"Es lässt sich in diesen ersten beiden Bänden der Werkausgabe gut nachverfolgen, wie Klaus Merz die Metaphorik seiner Anfänge aufgibt und zu einer durchlässigen Sprache findet."
Neue Zürcher Zeitung, Nico Bleutge
"Ein Phänomen ist dieser Klaus Merz, ein Dichter von beeindruckendem Feingefühl im Umgang mit Sprache."
Heilbronner Stimme, Uwe Grosser
"Es ist bemerkenswert, daß seine Gedichte von Anbeginn, das heißt seit nunmehr beinahe fünfzig Jahren, in einer Tonlage sprechen, die bis heute kaum eine Spur von Patina angesetzt hat."
www.fixpoetry.com, Jürgen Brôcan
"Der große Vorzug dieser ersten Merz-Werkausgabe besteht darin, daß sie ein Desiderat einlöst ... Sie macht längst Vergriffenes im Kontext wieder zugänglich und läßt den Werdegang eines ebenso ungewöhnlichen wie unverwechselbaren Autors hervortreten."
Informationsmittel für Bibliotheken (IFB), Wolfgang Albrecht
"Klaus Merz ist ein Seltener. Aus der Ruhe und Einfachheit entwickelt er sein wortgenaues, sprachlich hochkonzentriertes Werk - und gibt uns damit den Glauben an jedes einzelne Wort zurück."
Dresdner Neueste Nachrichten, Volker Sielaff
"Da ist kein Wort zu viel, kein Satz dem Verdacht ambitiöser Sprachaufwallung ausgesetzt ... Zuweilen genügen ihm wenige schlackenlos gestanzte Sätze, die mit surrealer Wucht Abgründe aufreißen."
Leben und Glauben/Sonntag, Roland Erne

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 31.05.2012

Latente Formen und Farben meiner selbst

Der Schweizer Schriftsteller Klaus Merz ist ein Meister des Understatements, dem literarische Moden völlig fremd sind: Jetzt ehrt ihn eine auf sechs Bände angelegte Werkausgabe.

Weitschweifig, gar geschwätzig ist Klaus Merz nie gewesen. Kleine Formen sind seine Disziplin: kurze, lakonische Gedichte, deren Verknappung oftmals japanischen Haikus ähnelt, und vor allem pointierte Erzählungen, die auf wenigen Seiten überraschende Einblicke in den Alltag ihrer Figuren eröffnen oder in kondensierter Form komplette Lebensverläufe entstehen lassen.

"Latentes Material" hieß 1976 programmatisch ein Erzählungsband des 1945 in Aarau geborenen Autors. Die Titelgeschichte beschreibt eine diffizile Spurensuche: Ein Fotograf ist ums Leben gekommen, die Gründe dafür liegen im Dunkeln. Aus den Tonbandaufzeichnungen, die er hinterlassen hat, entstehen schemenhaft die Konturen eines pflichtbewussten Mannes, der im heimischen Dorf gewissenhaft seine Aufträge erfüllte und doch von größeren Aufgaben träumte. Wie die unentwickelten Filme im Fotolabor aber blieben die Träume "latentes Material", denen die Realisierung versagt blieb.

Es ist erstaunlich, wie wenig sich im Laufe von fast fünf Jahrzehnten die Poetik des Lyrikers und Erzählers verändert hat, und fast noch erstaunlicher und bewundernswerter ist die große Stil- und Formsicherheit, über die Klaus Merz bereits in seinen Anfängen verfügte. "Tief in den Särgen / erkennen wir schon / das eigene Mumienhaupt", lautet die existentialistische Quintessenz eines Museumsbesuchs. Zusammen mit knapp vierzig anderen Jugendgedichten erscheint dieses Aperçu nun erstmals in der Werkausgabe, mit der der Haymon Verlag Klaus Merz als einen seiner bedeutendsten Autoren ehrt.

Drei der insgesamt sechs Bände sind bislang erschienen. Noch steht also die Wiederveröffentlichung jener Werke aus, mit denen Klaus Merz weit über seine helvetische Heimat hinaus bekannt wurde. Dazu gehört die autobiographische Erzählung "Jakob schläft" (1997). Mit ihr setzte Merz seinen Familienangehörigen ein literarisches Denkmal, insbesondere seinem an Epilepsie erkrankten Vater und seinem jüngeren Bruder Martin, der mit nur dreiunddreißig Jahren gestorben ist, nachdem er sein kurzes Leben lang an einem Hydrocephalus, einem "Wasserkopf", gelitten hat. Von solchen Familiensorgen erzählte Merz ohne Voyeurismus und erst recht ohne Wehleidigkeit.

Die Werkausgabe nun lässt erkennen, wie stark den Dichter die Leitmotive dieser Familiengeschichte schon früh beschäftigt haben. Der 1988 erschienene "Report" schildert mit sanfter Ironie, wie einem Journalisten die geplante drastische Dokumentation über einen Schlachthof entgleitet. Statt blutiger Anekdoten aus dem Berufsleben rezitiert ein Arbeiter im "weißen Gummischurz" unversehens Gedichte, die - so die Fiktion - sein Bruder hinterlassen hat. Ein Nachsatz erklärt, dass es sich dabei tatsächlich um Gedichte von Martin Merz, dem verstorbenen Bruder des Autors, handelt. An die Stelle arrangierter Schlachthofliteratur tritt also die Authentizität des poetischen Wortes, dessen Wahrhaftigkeit für Klaus Merz mehr wiegt als vermeintliche Erfordernisse des Literaturbetriebs.

Das gilt besonders, wo er Verletzungen und Beschädigungen seiner Figuren beschreibt. Die Erzählung "Im Schläfengebiet" (1994) erkundet behutsam die Wahrnehmungen und Empfindungen eines Mannes, den seine wiederkehrenden epileptischen Anfälle zum misstrauischen Einzelgänger haben werden lassen. Wieder geht es Merz nicht um spektakuläre äußere Ereignisse, vielmehr wahrt er als geduldiger Beobachter wohltuende Distanz zu seinen Figuren, denen er auch dort ihre Würde lässt, wo er ihre Versehrtheiten schildert.

Die 2009 erschienene, vielfach gelobte Novelle "Der Argentinier" setzte souverän ein anderes Thema fort, das Klaus Merz seit seinen dichterischen Anfängen beschäftigt: das beklemmende "Binnengefühl", das die Schweizer immer wieder hinaus in die Welt drängt, wo sie aber, so die dialektische Einsicht, wiederum von der Heimat träumen. Bereits 1982 beschrieb "Der Entwurf" den Versuch eines Ausbruchs aus kleinbürgerlicher Enge. Doch statt ins Ungewisse aufzubrechen, wie er sich seine Freiheit ausgemalt hatte, wird der Familienvater Dubois Opfer eines Autounfalls. Im Krankenhaus bespricht er, angetrieben von der Ungewissheit über die Schwere seiner inneren Verletzungen, Stunde um Stunde sein Diktiergerät. Das obsessive Erzählen wird zur Garantie des Überlebens. Diese Überzeugung von der sinnstiftenden, ja lebenserhaltenden Kraft der Literatur zieht sich durch Merz' gesamtes Schreiben, das trotz des Gewichts seiner Themen nie schwerfällig oder behäbig wird.

Überraschende Pointen und surreale Einfälle verleihen den Texten unvermutete Leichtigkeit. Eine unerwartete "Fusion" steht im Zentrum eines frühen Gedichts, das den lebensfernen Don Quijote zurück ins Erwerbsleben führt: "Der wider Windmühlen / antrat, der mutige Krieger / hat sich seinen Feind / zum Freund gemacht / und wurde Müller." Solch wundersame Metamorphosen der Kunst sind auch Thema der Skizze über den Maler Heinz Egger, der seit langem die Bücher von Klaus Merz illustriert.

Im Wechselspiel der Künste entsteht ein elegantes Doppelporträt: "Aus dem Farbendunkel tritt mir mein eigenes Abbild entgegen, das gar nicht mich selber zeigt, sondern nur die latenten Formen und Farben meiner selbst." So wird für den Dichter sogar die eigene Existenz zum latenten Material, dem erst die Kunst seine wahre Gestalt verleiht. Über Jahrzehnte hinweg ist Klaus Merz ein Meister des Understatements geblieben, der unbekümmert um alle literarischen Moden der stillen Kraft seiner Worte vertraut.

SABINE DOERING

Klaus Merz: "Die Lamellen stehen offen". Frühe Lyrik 1963 - 1991. Werkausgabe Band 1.

Hrsg. Markus Bundi, Haymon Verlag, Innsbruck und Wien 2011. 240 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

Mehr aus dieser Reihe

zurück
Außer Rufweite
Buch (gebunden)
von Klaus Merz
Brandmale des Glücks
Buch (gebunden)
von Klaus Merz
Das Gedächtnis der Bilder
Buch (gebunden)
von Klaus Merz
Der Mann mit der Tür oder Vom Nutzen des Unnützen
Buch (gebunden)
von Klaus Merz
Fährdienst
Buch (gebunden)
von Klaus Merz
vor
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.