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Spähtrupp im Niemandsland

Kulturphilosophische Diagnosen.
Buch (gebunden)
Was ist gemeint, wenn heute von Bildung die Rede ist? Konrad Paul Liessmann, Philosoph, Publizist und einer der einflussreichsten Intellektuellen Österreichs, verteidigt einen anspruchsvollen Bildungsbegriff gegen die Vereinfachungen von Wirtsch… weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Spähtrupp im Niemandsland
Autor/en: Konrad Paul Liessmann

ISBN: 3552053034
EAN: 9783552053038
Kulturphilosophische Diagnosen.
Zsolnay-Verlag

15. März 2004 - gebunden - 224 Seiten

Beschreibung

Was ist gemeint, wenn heute von Bildung die Rede ist? Konrad Paul Liessmann, Philosoph, Publizist und einer der einflussreichsten Intellektuellen Österreichs, verteidigt einen anspruchsvollen Bildungsbegriff gegen die Vereinfachungen von Wirtschaft und Politik.Liessmanns jüngste Essays öffnen die Perspektive auf eine neue Vorstellung dessen, was ästhetische Bildung bedeuten könnte: die Fähigkeit nämlich, sich souverän in ganz unterschiedlichen Sphären der Welt zu bewegen und trotzdem als unverwechselbare Person erkennbar zu bleiben.

Portrait

Konrad Paul Liessmann, geboren 1953 in Villach, ist Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien; Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist. Er erhielt 2004 den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz im Denken und Handeln, 2010 den Donauland-Sachbuchpreis und 2016 den Paul Watzlawick-Ehrenring. Im Zsolnay Verlag gibt er die Reihe Philosophicum Lech heraus. Seine Theorie der Unbildung (2006) war ein großer Erfolg und wurde in viele Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen bei Zsolnay seine Bücher Das Universum der Dinge (2010), Lob der Grenze (2012) und Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung. Eine Streitschrift (2014) sowie im Carl Hanser Verlag gemeinsam mit Michael Köhlmeier Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam? Mythologisch-philosophische Verführungen (2016). Sein aktueller Essay-Band heißt Bildung als Provokation (2017).

Leseprobe

VORWORT


Gerne spricht der Zeitgeist von Kulturlandschaften, und längst sind damit nicht mehr kultivierte, also landwirtschaftlich genutzte Flächen gemeint, sondern das Ineinander von Institutionen und Ereignissen, von Angeboten und Premieren, von Debatten und Sensationen, durch die jene Areale ausgezeichnet sind, in denen Kultur stattfinden soll. Die Kulturlandschaft ist ein imaginärer Raum, in dem vor Zeiten die erbitterten Kämpfe der künstlerischen Avantgarde mit der bürgerlichen Reaktion stattfanden und in dem heute schlechterdings alles seinen Platz finden kann: vom Medienspektakel bis zur Mode, von radikaler Kunst bis zu populärem Kitsch, von der Bildungsdebatte bis zur Weinverkostung.

Die Grenzenlosigkeit des Kulturbegriffs und der damit einhergehende Verlust von Bedeutsamkeit machen die Erkundungen in diesem Raum zu einer seltsamen Form von geistigem Abenteuer. Es gibt schlechterdings nichts, auf das man im Zusammenhang mit Kultur nicht stoßen könnte. Man muß in der Tat mit allem rechnen. Hinter Krieg und Küche, hinter Terror und Tanz, hinter Sport und Spiel, hinter Fundamentalismus und Festspielen, hinter Mord und Mode: überall lauert die Kultur. Aber indem sich alles als Kultur entpuppt, wird auch alles seltsam leer. Wer heute antritt, die Areale der Kultur zu erkunden, erlebt eine Mischung von Überraschung und Gleichgültigkeit. Weil alles Kultur und Kultur alles ist, ist die Kulturlandschaft zu einem Niemandsland geworden, von allen beansprucht und keinem gehörig, grenzenlos und dennoch in höchstem Maße beschränkt.

Was gibt es in diesem Areal noch zu beobachten? Der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel konnte für die durchdringende Tätigkeit des Geistes noch den Begriff der Spekulation in seinem ursprünglichen Sinn verwenden: umherspähen. Der forschende Intellekt blickt sich neugierig um, und versucht die K
onturen einer geistigen Topographie zu erfassen, die dem unmittelbaren Anblick ebenso undurchsichtig bleiben müssen wie einer einfache Teilhabe an den Ereignissen. Wer späht, bewegt sich in einer bestimmten Weise immer zwischen Distanz und Nähe. Nah genug an den Phänomenen, um sie auch im Detail zu erkennen, weit genug davon entfernt, um größere Konturen und Verflechtungen wahrnehmen zu können. In diesem, aber auch nur in diesem Sinne wäre der Autor der vorliegenden Texte manchmal gerne ein Spekulant.

Die in diesem Band versammelten Aufsätze und Essays möchten spekulative Erkundungen darstellen, Ausspähungen im weiten Felde der Kultur, vorrangig am imaginären Schnittpunkt zwischen Bildungsdiskursen und den Debatten der Ästhetik. Sie gehorchen keiner strengen Systematik, denn sie sind selbst Produkt einer ganz spezifischen Kultur des Zufalls. Viele der Texte entstanden aus scheinbar äußerlichen, oft ephemeren Anlässen, die nicht mehr intendierten, als eine Stellungnahme des Autors zu einer Debatte, einen Beitrag für eine Zeitschrift, einen Vortrag zu einem Thema, das längst schon feststand, einen Essay zum Katalog einer Ausstellung. Solch eine Auseinandersetzung mit dem, was Kollegen, Redakteure, Herausgeber, Ausstellungsmacher und Tagungsverantwortliche
an jemanden herantragen können, spiegelt dann trotz aller Kontingenz einige Facetten des Zeitgeists wider. Die Lust, mit der der Autor solchen Einladungen und Aufforderungen mitunter Folge leistet, resultiert auch aus der Neugier, sich mit dem, was angeblich in der Luft liegt, etwas näher zu befassen, um dann, je nach Lage der Dinge, enthusiasmiert oder desillusioniert von dannen zu ziehen.

Eine Tendenz mag allerdings hinter den unterschiedlichen Themen und Vorgaben sichtbar sein: das Bestreben des Autors, den Ausuferungen nicht nur des Kulturbegriffs durch mitunter radikale Vorschläge der Einen
gung zu begegnen. Wo heute von Kultur oder Humanität, von Ethik oder Ästhetik, von Medien oder Information, von Bildung oder Jugend die Rede ist, kann und darf immer alles mögliche verstanden werden. Eine mitunter polemische Besinnung auf ursprüngliche Bedeutungen, scharfe Begriffsbestimmungen und rekonstruierte Begriffsgeschichten, auf tatsächlich Grenzen ziehenden Definitionen waren manchmal unerläßlich, um Fragestellungen in einer Weise zuzuspitzen, die sie dem allgemeinen Diskurs der Unverbindlichkeit entreißen sollten.

Bei aller Heterogenität durchzieht vielleicht ein Grundgedanke diese philosophischen Streifzüge, Erkundungen und Diagnosen: daß der eigentliche Gegenbegriff zur Kultur immer noch der der Barbarei ist, einer Barbarei allerdings, die sich nicht selten die Maske der Kultur aufgesetzt hat. Die eigentlichen Überraschungen erlebte der Autor bei seinen Beobachtungen und Analysen immer dann, wenn sich die Dinge als das Gegenteil von dem entpuppten, was sie lautstark zu sein vorgaben.


Wien, im Herbst 2003 Konrad Paul Liessmann

 



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