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Die guten Schwestern

Roman. Originaltitel: De gode sostre.
Buch (gebunden)
Ein bewegender Spannungsroman über die Kinder der Nazi-Generation Es ist das Jahr 1999 und Krieg auf dem Balkan. Der dänische Universitätsdozent Theodor Nikolaj Pedersen, genannt Teddy, befindet sich auf einer Dienstreise in Bratislava. Hier trifft e … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Die guten Schwestern
Autor/en: Leif Davidsen

ISBN: 3552052895
EAN: 9783552052895
Roman.
Originaltitel: De gode sostre.
Übersetzt von Peter Urban-Halle
Zsolnay-Verlag

10. Februar 2004 - gebunden - 576 Seiten

Beschreibung

Ein bewegender Spannungsroman über die Kinder der Nazi-Generation Es ist das Jahr 1999 und Krieg auf dem Balkan. Der dänische Universitätsdozent Theodor Nikolaj Pedersen, genannt Teddy, befindet sich auf einer Dienstreise in Bratislava. Hier trifft er eine rätselhafte Unbekannte, die behauptet, seine Halbschwester Maria zu sein und die Wahrheit über seinen verstorbenen Vater zu kennen: Als dieser nach dem Krieg plötzlich verschwunden war, hatten seine Frau und die drei Kinder ihn für tot erklären lassen. Tatsächlich aber war er geflohen, weil seine Vergangenheit in der Waffen-SS ans Licht kam, und hatte in Kroatien mit einer zweiten Frau ein neues Leben begonnen.

Portrait

Leif Davidsen, 1950 in Otterup geboren, lebt als freier Schriftsteller in Kopenhagen. Er arbeitet als Korrespondent in Moskau und als Nachrichten-Redakteur im Fernsehen. Für seine literarischen Arbeiten erhielt er zahlreiche Preise. Bei Zsolnay erschienen zuletzt die Romane Der Fluch der bösen Tat (2001), Die guten Schwestern (2004), Der Feind im Spiegel (2006) und Der Russe aus Nizza (2008).

Leseprobe

Fritz merkte, daß ich zu ihm hinschielte, als wir durch die schmale Tür in eine niedrige Stube traten. Ich fühlte Zorn in mir aufsteigen. Weniger über die augenblickliche merkwürdige Geheimniskrämerei als vielmehr darüber, daß mir so lange Jahre wichtige Aspekte aus dem Leben meiner Familie vorenthalten worden waren. Daß mein biologischer, unbekannter Vater und meine liebe und nun an totaler Demenz leidende Mutter ein Doppelleben geführt hatten, als ob sie Agenten in einem ihnen feindlich gesinnten Land gewesen wären. Die Stube war klein und auf altmodische Weise gemütlich mit schweren Möbeln und naturalistischen Gemälden an der Wand. Rothirsch und wettergebräunter Fischer. Der klassische, kleinbürgerliche Kitsch, dachte ich in meiner akademischen Arroganz. Als ob meine Plakatkunst in meinem Zimer an der Uni irgend etwas anderes war als die Widerspiegelung dessen, was ich und meine Gleichgesinnten nun einmal schön fanden. Waren wir nicht selber ebenso beschränkt in dem, was wir für guten Geschmack hielten? Auf einem schweren Regal standen einige Bücher, meist Kriegs- und Militärgeschichte, wie mir schien. In einer Ecke stand ein abgenutzter Ledersessel neben einem runden Couchtischchen und einem dickbäuchigen schwarzen Kaminofen. Auf dem Tisch lagen drei Bücher, aus denen Lesezeichen herausragten. Die Bücher lagen dort nicht zur Zier. Dort saß der Herr des Hauses und bildete sich. Die Stube roch nach Pfeifenrauch und leicht ungelüftetem Altmännerheim, aber es war eigentlich kein unangenehmer Geruch. Eher etwas muffig wie Fallobst, ein Duft nach Kindheit, der mir den kleinen bäuerlichen Betrieb meiner Großeltern ins Gedächtnis rief, wo ich als ganz kleiner Steppke meine Ferien verbracht hatte. Ich konnte in eine altmodische Küche schauen, in der eine Dame in Karl Viggo Jensens Alter herumhantierte. Sie nick
te mir kurz zu und wischte ihre Hände an der Schürze ab, ehe sie in die Stube trat und mir die Hand reichte. Sie war feucht und kühl, aber der Händedruck war fest, und in ihrem faltigen Gesicht saßen klare graue Augen.
»Karla Jensen«, sagte sie. »Sie müssen Hunger haben, nun, wo es keine Fähren mehr gibt, auf denen man einen Happen essen konnte.«
»Danke für die Einladung«, sagte ich und ließ mich von der altmodischen Einrichtung und Stimmung gefangennehmen. In Kopenhagen vergaß man so etwas. Es gab noch ein Leben auf dem Lande, wo Tempo und Tonfall anders waren. Wo alte Worte und Wendungen existierten, als wäre das Fernsehen nie erfunden worden.
»Kann das nicht noch eine Viertelstunde warten? Ich würde Irmas Bruder gern noch das Museum zeigen«, sagte Karl Viggo Jensen.
»Dem steht nichts entgegen«, sagte sie. »Ich habe nur ein paar belegte Brote gemacht. Die können noch eine Viertelstunde stehen, aber wenn der Herr nun Hunger hat -«
»Das geht schon«, sagte ich.
»Na, dann lege ich den Schnaps noch mal auf Eis«, sagte sie, als wäre der Aquavit am wichtigsten und nicht die erstaunlichen Düfte, die sich im Zimmer verbreiteten, und ging wieder in ihre Küche.
Wir durchquerten ein anderes Zimmer, in dem der Tisch für das Mittagsbrot gedeckt war, betraten den Garten und steuerten auf ein niedriges, weißgekalktes Gebäude zu, das früher einmal der Schweinekoben gewesen sein dürfte. Unsere Füße rutschten auf den glitschigen Blättern der Blutbuche aus, die noch vom letzten Herbst dort lagen. Karl Viggo Jensen ging voraus, ich trottete hinterher, und dann kam Fritz, der mit den Füßen schlurfte und ein wenig schnaufte. Er war nicht mehr jung und hatte sich eigentlich nie geschont. Hinterließen Zigarre und Pfeife mittler
weile ihre Spuren in den Lungen meines Bruders? dachte ich und machte mir wirklich Sorgen um ihn. Die Familie ist doch etwas Seltsames, das einen oft nerven kann, aber es ist doch das einzig Dauerhafte, was man hat, auch wenn man es sich nicht selber ausgesucht hat.
Es war ein unheimlicher Raum, den wir betraten, obwohl er mit seinen Wandbildern und den kleinen Schaukästen mit Ausstellungsgegenständen einem kleinen Heimatmuseum glich. Das Ausgestellte selbst machte den Raum unheimlich. Es war ein Gedenkzimmer für die SS mit Fotos von Offizieren in schwarzen Uniformen und SS-Runen auf dem Kragen, großen Schwarzweißfotos mit Schlachtszenen, einem Dannebrog mit der Aufschrift »Frikorps Danmark«. Waffen, Orden, verblaßte Briefe und Papiere, Tagebücher anscheinend, Gasmasken, militärische Dienstgradabzeichen, Uniformgegenstände, Hundemarken. Der ganze Scheiß, der auf Schlachtfeldern so übrigbleibt. Karten von den Schlachten am Ilmensee, bei Stalingrad und Narva waren sorgfältig in Glasvitrinen ausgebreitet. Mit Pfeilen und kleinen Buchstaben, die die Regimentszugehörigkeit angaben. Als ob das irgend jemanden interessierte außer denjenigen, der daran teilgenommen hat. Im übrigen waren sie selbst für einen Historiker wie mich unverständlich. Es waren läppische Schlachten an einer häßlichen Front, aber selbstverständlich interessierte die Teilnehmer genau dieser Frontabschnitt mit seinen kleinen Siegen und Niederlagen. In Wirklichkeit ist der Krieg für den gewöhnlichen Soldaten eine Frage des nächsten Grabens und der nächsten Schutzhecke und der nächsten warmen Mahlzeit. So etwas auszustellen, darauf könnte ein kleines Heimatmuseum mit seinen begrenzten Mitteln stolz sein, wenn es nur keine Ausstellung war, die den Verlierern huldigte - und damit dem Bösen. Karl Viggo Jensen sagte nichts, sondern stand an der T&uum
l;r, während ich die Runde machte und die Exponate betrachtete. Fritz stand in der Ecke und starrte nach unten und scharrte mit den Füßen auf dem sauber gescheuerten Boden. Das ist immer noch ein Schweinestall, dachte ich, sagte aber nichts. Vielleicht war ich einfach ein wenig ängstlich, vielleicht wollte ich Fritzens Gefühle nicht verletzen. Manche Bilder kannte ich sehr gut. Das Freikorps Dänemark auf Heimaturlaub 1942 zum Beispiel. Der dänische Naziführer Frits Clausen hält eine Rede, war ein anderes bekanntes Motiv. C.F. von Schalburg mit seinem kleinen Sohn in SS-Uniform hatte ich auch schon einmal gesehen. Aber eine ganze Reihe anderer Fotos, die ganz gewöhnliche junge Dänen mit Hakenkreuz und Dannebrog an verschiedenen Orten der Ostfront zeigten, war neu für mich. Die Historiker hatten sich mit der Geschichte der Verlierer nicht sehr beschäftigt. Um dieses dunkle Kapitel der Besatzungszeit zu erforschen, hatte es lange Zeit weder Gelder noch Stellen gegeben. Aber beim Herumgehen wurde mir klar, daß dies hier kein nüchternes, wenn auch geheimes Museum war. Es war ein Gedenkraum, der so sorgfältig gehütet und gepflegt wurde, als wäre die ganze Sache ein Teil der Jetztzeit und behandelte nicht die bald sechzig Jahre alte Geschichte der dänischen Landesverräter. Als wenn einige Leute sagen wollten: Wir existieren. Wir wollen nicht vergessen werden. Wir sind ein Teil von euch.
Auf einem Bild war ein Waffen-SS-Offizier zu sehen, der Karl Viggo Jensen aufs Haar glich, nur in einer weit jüngeren Ausgabe. Wenn er es wirklich war, hatte ich mich in seinem Alter vollkommen verschätzt. Er stand neben einem anderen Mann, den ich als meinen Vater erkannte.

Pressestimmen

"Der dänische Journalist Leif Davidsen hat ein beeindruckendes Talent, in seinen Thrillern private und politische Aspekte zu verbinden. [...] Davidsen entwickelt ein eigentlich politisches Buch, in dem viele Stimmen und Perspektiven zu Wort kommen; er lässt aber die Handlung nicht von papierenen Politthesen überwuchern. [...} Da der Nachrichtenredakteur Davidsen auch als Korrespondent in Moskau gearbeite hat, dürfte sein Hintergrundwissen die atmosphärische Glaubwürdigkeit erhöhen." Ingeborg Sperl, Der Standard, 03.04.04 "Ein gehobener Kriminalroman mit hervorragenden Charakteren. Er verdient das Prädikat Spitze!" Alex Dengler, Bild am Sonntag, 11.04.04 "Polen, Tschechien, die Slowakei, Albanien: eindrücklich und treffend schildert Davidsen, der selbst jahrelang in Moskau gelebt hat, die Atmosphäre in diesen Transformationsländern der neunziger Jahre." Renate Zöller, Prager Zeitung, 06.05.04 "Das Buch ist ein - vielleicht der allerletzte - Juwel seiner Gattung [Agententhriller]" Berliner Zeitung, 22.04.04
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