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Wie viele Züge als Buch
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Wie viele Züge

'Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe'.
Buch (kartoniert)
Jula ist Studentin, lernt Russisch, lebt in einem heruntergekommenen Wohnheim irgendwo auf der verschneiten Krim. Sie lernt Ilya kennen, einen alten, verbitterten Sowjetmaler, und seinen Enkel Venja, der sich erfolgreich an zwielichtigen Geschäften b … weiterlesen
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Wie viele Züge als Buch

Produktdetails

Titel: Wie viele Züge
Autor/en: Lena Kugler

ISBN: 3596149924
EAN: 9783596149926
'Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe'.
FISCHER Taschenbuch

1. März 2001 - kartoniert - 121 Seiten

Beschreibung

Jula ist Studentin, lernt Russisch, lebt in einem heruntergekommenen Wohnheim irgendwo auf der verschneiten Krim. Sie lernt Ilya kennen, einen alten, verbitterten Sowjetmaler, und seinen Enkel Venja, der sich erfolgreich an zwielichtigen Geschäften beteiligt. "Die Geschichte fängt bei den Menschen an ", hat Jula gelernt, und sie macht sich auf die Suche nach der blauen Villa mit dem Weinberg, dem Familienbesitz, von dem ihr verstorbener jüdischer Vater ein Leben lang erzählt hatte.Sie folgt seinen vielen Erzählungen, seiner Spur ins Ungewisse der eigenen Geschichte. Doch je mehr sie herausfindet, desto weniger weiß sie.Mit jeder Anekdote, jeder Begebenheit und jeder Vermutung gerät Jula tiefer in den Taumel der Erfindungen, rückt ihr Vater weiter weg. Ihr Versuch, die undurchschaubare Vergangenheit zu erforschen, führt Jula nur zu immer neuen Geschichten und zum Ursprung der Lebenslüge ihrer Familie; Dichtung und Wahrheit sind nicht mehr voneinander zu unterscheiden. "Wie viele Züge" erzählt von einer Reise in die Wirklichkeit wie zu sich selbst. Eine Reise, die ein Abenteuer und phantastisches Märchen ist, mitten in die magische Realität der winterlichen Krim, zu einer zu Bildern gefrorenen Vergangenheit. Eine Reise, auf der Jula ihre eigene, unbekannte Geschichte entdeckt.

Besprechung

Wie viele Züge erzählt von einer Reise in die Wirklichkeit wie zu sich selbst. Eine Reise, die ein Abenteuer und phantastisches Märchen ist, mitten in die magische Realität der winterlichen Krim, zu einer zu Bildern gefrorenen, eigenen Vergangenheit. Eine Reise, auf der Jula ihre eigene, unbekannte Geschichte entdeckt.


Portrait

Lena Kugler, geboren 1974, studierte in Heidelberg, Köln, Konstanz und Berlin und veröffentlichte ihren ersten Roman »Wie viele Züge« 2001 beim S. Fischer Verlag. Ihr erstes Kinderbuch »Bo im Wilden Land« erschien 2006 und wurde ein großer Erfolg. Lena Kugler lebt mit ihrer Familie in Konstanz.

Leseprobe

Wie viele Züge fahren jeden Tag nach Odessa? Und wie viele kommen an?

Gerade angekommen, fuhr Jula wieder ab.



Als deutsche Studenten in den ukrainischen Winter gefallen, bewegten sie sich nur noch in schwankenden Dreier- oder Vierer-Gruppen vorwärts. Hand in Hand schlitterten sie als unsichere Reihe die Straßen entlang, polsterten sich mit ihren dicken Jacken einander die Stürze. Ein kurzer Blick ins Studentenwohnheim hatte sie wieder auf die Straße getrieben. Das Waschbecken in der Küche phosphoreszierte in grünem Schimmelglanz, und unter den Matratzen lagen Berge von Zeitungspapier, um die Wanzen abzuhalten. Die Kakerlaken, Julas alte Freunde, blinzelten mit ihren Fühlern die Seifenablage in der Dusche zu einem großen weißen Auge, der graue Rest Kernseife die schmale Pupille.

"Ist eben nicht Rio", meinte die Dejournaja, die sie in Empfang genommen hatte, und schaute ihnen mit versteinertem Gesicht nach, als sie erschrocken und auch etwas beschämt ob ihrer westlichen Empfindlichkeit die Rucksäcke schulterten und sich Hand in Hand, immer wieder strauchelnd, die vereiste Treppe vor dem Wohnheim hinunter wagten. Zu Hause würde ich wahrscheinlich keinen Kaffee mit ihnen trinken, und hier halte ich ununterbrochen ihre Hände, dachte Jula und faßte Walters Hand fester, um nicht zu fallen. Sie hatte noch nie so viele Treppen gesehen, noch nie so viele Stufenkanten an ihrem Rücken, ihrem Hintern gespürt. Als ob man die Wichtigkeit der Gebäude gleich an ihren harten Stufen fühlen mußte: Kilometerlange, breite Treppen, vereiste Stufen in den grauen Winterhimmel hinein, die nur aus Zufall an irgend einem Amts- oder Universitätseingang haltzumachen schienen. Von oben betrachtet Rutschbahnen in den Straßenmüll hinein, und nur Dummköpfe wie sie beherrschten die Technik des sturzfreien Treppensteigens nicht. Immer sah sie nur sich und ihre Gruppe fallen. Und während Jula, an Walters Arm hängend, die letzten Stufen herunter schlitterte, überholt
e sie eine der hochhackigen und blondtoupierten ukrainischen Studentinnen, die sich souverän klackernd mit ihren Pfennigabsätzen ins Eis bohrte.

Nach einigen Stürzen im Arkadija-Park schlitterten sie an der Oper vorbei, erstarrten vor der Potjomkin-Treppe, und Jula beschloß, mit dem nächsten Zug zurückzufahren. Die anderen wollten noch ein paar Tage in einem kleinen Hotel am Stadtrand bleiben, aber Jula war nicht zu überreden. Obwohl es ihre Idee gewesen war, für ein paar Tage nach Odessa zu fahren, konnte es ihr plötzlich nicht schnell genug gehen, aus dieser geeisten Zuckergußstadt zu verschwinden. Walter bot ihr noch leiernd eine Begleitung zum Bahnhof an, wirkte aber recht erleichtert, als Jula ablehnte, nein danke, sie käme schon klar.

"Und wenn Du keinen Zug mehr erwischst?" Petra wuchtete sich schon wieder den Rucksack auf die Schultern, fühlte sich zu dieser Frage aber scheinbar dennoch verpflichtet.

"Dann komm' ich einfach nach." Jula meinte das keinen Moment ernst, sie wußte nicht einmal, wo das Hotel überhaupt lag.



Vor dem Bahnhof wollte ihr eine Roma erst aus der Hand und dann aus dem Portemonnaie lesen, und als Jula sich weigerte, sie in ihre Brieftasche schauen zu lassen, verfluchte die Roma sie. Jula verstand nicht viel russisch, sie hatte gehofft, in den acht Wochen Ukraine ein wenig dazuzulernen, aber so oft, wie sie mit den anderen deutschen Studenten zusammen hing, war daran wohl nicht zu denken. Trotzdem war sie sich ziemlich sicher, daß die Roma ihr eine "Paralyse" an den Hals gewünscht hatte, scharfkantig und erschreckend deutlich stach das Wort hervor, als hätte die Roma ihren Fluch gleich übersetzen wollen. Jula lächelte und gab ihr etwas Geld. Die Frau nahm nichts von dem Fluch zurück und ging, Julas Scheine in der Hand, davon.



Odessa, das war Julas Verwünschung, und die Roma hatte sie zwar erschreckt, denn ein wenig abergläubisch war sie schon, aber mit ihren dunklen Augen u
nd den bunten Tüchern in diesem verdammten nachsowjetischen Wintergrau erinnerte sie Jula an das Odessa, aus dem sie kam, schon immer hergekommen war, denn kommen wir nicht alle aus Odessa, hatte ihr Vater immer gelacht, wenn es um Gaunereien ging, um Sonne und Hafen und Staub. Kommen wir nicht alle aus Odessa? Und dabei kam ihr Vater ganz sicher nicht aus Odessa, er war an der slowakisch-ungarischen Grenze geboren worden, und Jula wußte gar nicht, ob er mehr von Odessa kannte als Benja, den König, und Karl-Jankel und wie man es laut Babel in Odessa eben anstellt. Und darum war sie der Roma auch nicht böse, sondern eher ehrfurchtsvoll einverstanden mit ihrem Fluch und kletterte die Bahnhofstreppen hinauf, ohne ein einziges Mal zu straucheln. Die Paralyse hing ihr wie ein buntbedrucktes Tuch um den Hals und drückte kein bißchen. Plötzlich bereute sie es fast, gerade angekommen, wieder zu fahren, aber da es allmählich dunkel wurde und sie nicht wußte, wohin, stellte sie sich doch in die Schlange, die sich behäbig durch die ganze Bahnhofshalle wand, und erstand, endlich am Schalter angekommen, noch eine Schlafwagenkarte nach S.

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