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Liebe öffnet Herzen

von Liz Mohn
24-seitiger Bildteil.
Buch (gebunden)
Ein Plädoyer für eine Gesellschaft, die geprägt ist von Toleranz, persönlichem Engagement des Einzelnen und Mitmenschlichkeit! Liebe öffnet Herzen" - ist für Liz Mohn Lebenserkenntnis und Mahnung zugleich. An der Schwel... weiterlesen
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Produktdetails
Titel: Liebe öffnet Herzen
Autor/en: Liz Mohn

ISBN: 3570003671
EAN: 9783570003671
24-seitiger Bildteil.
Bertelsmann Verlag

Januar 2001 - gebunden - 224 Seiten

Beschreibung

Ein Plädoyer für eine Gesellschaft, die geprägt ist von Toleranz, persönlichem Engagement des Einzelnen und Mitmenschlichkeit! Liebe öffnet Herzen" - ist für Liz Mohn Lebenserkenntnis und Mahnung zugleich. An der Schwelle einer "Zeitenwende", die von Internationalisierung und Globalisierung geprägt ist, fragt Sie: Kann die Menschheit ohne Liebe überleben? Mit große Sorge beobachtet sie zunehmende Orientierungs- und Lieblosigkeit, Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Vereinsamung in unserer Gesellschaft. Warmherzig setzt sie ihr Plädoyer für die Liebe dagegen: Liebe macht sehend und einsehend, sie respektiert die Grenzen des anderen, sie gibt großzügig Trost und Hilfe, ohne an den eigenen Nutzen zu denken. Liz Mohn ist Präsidentin der von ihr gegründeten Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe und "erdachte" den Internationalen Gesangswettbewerb "Neue Stimmen", den sie zu einer weltweit anerkannten "Nachwuchsbörse" machte. Sie initiiert Kulturdialoge, die Brücken über religiöse, kulturelle, ethnische und sprachliche Grenzen hinweg schlagen und so Toleranz und Verständnis füreinander fördern. So wird sie zur "Botschafterin" unserer Kultur. Ob als Frau, Mutter oder Managerin - Liz Mohn engagiert sich warmherzig für den Dienst am Nächsten, schafft Nähe und Vertrauen, nimmt Anteil. Sie versucht, andere Menschen für ihre Ideale zu begeistern und zu gewinnen - auch in diesem Sinne ist sie ein Vorbild.



Portrait

Liz Mohn repräsentiert zusammen mit ihrem 2009 verstorbenen Ehemann Reinhard Mohn die fünfte Generation der Eigentümerfamilien Bertelsmann/Mohn an der Spitze des Medienunternehmens Bertelsmann. Sie ist Geschäftsführerin und Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH (BVG) sowie stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes und des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung. Die Gründerin und Präsidentin der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist außerdem das erste weibliche Mitglied im Club of Rome, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und hat neben anderen Auszeichnungen den UNESCO Award und den "Weltwirtschaftlichen Preis 2010" des Kieler Institus für Weltwirtschaft erhalten.

Leseprobe

Die Limousine surrt die Landstraße entlang. Ich sitze im Fond des Wagens und sehe das dichte Grün der Bäume vorbeifliegen. Es ist ein Frühlingstag, der das Herz jubeln lässt - strahlende Sonne, tiefblauer Himmel im Kontrast zu dottergelben Butterblumenwiesen und Rapsfeldern. Gedankenversonnen betrachte ich die Schönheit der Natur. Ich bin auf dem Weg zu einer Selbsthilfegruppe der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Die Gegend ist mir sehr vertraut. Tief unten fließt die Ems, der Fluss, der mich seit frühester Kindheit begleitet hat. Es gibt dort einen Platz, den ich besonders liebe. Weidenäste hängen tief ins Wasser. Bitte halten Sie doch mal kurz an, sage ich zu meinem Fahrer Thomas Barnhöfer. Er nickt verständnisvoll - er weiß, wie sehr ich diesen Ort mag. Wie oft haben wir hier schon für einen Moment gestoppt.
Ich gehe hinunter zum Flussbett, beobachte, wie sich mein Gesicht im Wasser spiegelt. Die Erinnerung an ferne Tage steigt in mir auf. Ich sehe ein kleines blondes Mädchen, das hier immer wieder Anlauf nimmt und sich, an den Weidenästen festhaltend, ans andere Ufer schwingt. Es hat riesigen Spaß dabei. Wieder und wieder schwingt es hin und her. Manchmal hat es Glück und erreicht das andere Ufer, oft hat es Pech und fällt ins Wasser. Doch dann prustet und schüttelt sich das Mädchen nur und startet einen neuen Versuch.
Das kleine Mädchen war ich. Damals konnte ich nicht schwimmen. Aber so lernte ich es. Ich brachte es mir selbst bei. Da war ich vier Jahre alt. Meine Mutter sagte mir später, hier hätte sie zum ersten Mal geahnt, welch starker Wille und wie viel Unerschrockenheit in mir steckten.
Dieser Platz ist die Verbindung zu meinen Wurzeln. Ich brauche diese Erinnerung von Zeit zu Zeit. Sie tut mir gut. Sie gibt mir neue Kraft für meine Arbeit. Es war ein weiter Weg von dem hartnäckigen kleinen Mädchen zu der Frau, die ich heute bin. Nachdenklich gehe ich zum Auto zurück. Die Patienten der Selbsthilfegruppe warten auf mich.
Alles in Ordn
ung, Frau Mohn?, fragt Thomas Barnhöfer und öffnet die Autotür. Ich nicke. Er fährt mich schon viele Jahre, wir kennen einander gut. Wir brauchen nicht viele Worte, um einander zu verstehen. Während wir weiterfahren, denke ich an die untergegangene Welt meiner Kindheit.
Tod und Verwüstung herrschten überall, als ich geboren wurde. Auf den Schlachtfeldern Europas starben Millionen Menschen - doch mein Leben begann. Wir Menschen sind Teil des ewigen Kreislaufs von Werden und Vergehen. Ich bin ein Kriegskind, meine Chancen auf ein glückliches, erfolgreiches Leben waren - wie die vieler Neugeborener damals -gering. Es ging nur um das Überleben. Die Frauen, die in dieser Zeit Kinder bekamen, sie behüteten und beschützten, sich aufopferten, um sie großzuziehen, sind noch heute Heldinnen für mich. Meine Mutter erzählte später, ich sei bei Fliegeralarm zur Welt gekommen. Es war am Vorabend des Tages, an dem der Krieg mit Russland begann - Deutschland lag wie unter einer Glocke der Angst. Angst war das beherrschende Gefühl meiner Mutter bei meiner Geburt - Angst um ihr Leben, um den Lebensstart ihres Kindes, Sorge vor einer ungewissen Zukunft. Und diese Angst übertrug sich offensichtlich auf mich. Ich habe später viel darüber gehört und gelesen, wie Kinder bereits während der Schwangerschaft Emotionen, Stimmungen und Ängste der Mutter wahrnehmen. Bei uns muss es exakt so gewesen sein: Ich war ein sehr ängstliches Baby, das nachts viel schrie und schlecht träumte. Jede Nacht musste meine Mutter mich auf den Arm nehmen, trösten, wickeln oder umziehen. Vielleicht lag hier der tiefere Grund für die besondere Bindung, die wir immer zueinander hatten.
An den Krieg habe ich - wie viele Kinder meiner Generation -nur bruchstückhafte Erinnerungen. Aber die Ängste sind mir noch gegenwärtig. Oft hatten wir Fliegeralarm in Wiedenbrück - wegen der Nähe von Bielefeld oder des Ruhrgebiets, die bombardiert wurden. Auch am Rande unserer Stadt gingen die Bomben nieder. Wie oft wurden w
ir Kinder aus den Betten gerissen, weil wir nachts in den Luftschutzbunker mussten. Die Angst, die ich hatte, während die Sirenen heulten und ich - oftmals noch im Nachthemd -an der Hand der Mutter die Straße entlanglief, werde ich nie vergessen. Auch nicht den muffigen Geruch in dem engen Keller, in dem Menschen ängstlich dicht an dicht bei spärlicher Beleuchtung in stickiger Luft hockten.
Eines Morgens kamen wir aus dem Bunker, und mein ganzes Bett war voller Reif. Alles war gefroren, die Eisblumen blühten am Fenster, denn es gab keine Heizung in unserem Haus. Meine Mutter erwärmte dann Steine im Backofen, die in die Kinderbetten gelegt wurden, damit wir nicht froren. Das war sehr behaglich, dieses Gefühl ist mir heute noch gegenwärtig.
Wenn ich an meine Kindheit und Jugend zurückdenke, so waren Liebe und Fürsorge die prägenden Einflüsse. Die Welt um uns herum versank in Schutt und Asche, es herrschte Hunger, Elend und Not - als Kind kann man jedoch die Tragweite des Geschehens kaum erfassen. Wir lebten bescheiden zu Hause, aber wir waren eine Gemeinschaft, die Geborgenheit und Verlässlichkeit vermittelte. Und dieses Gefühl erinnere ich bis heute. Es offenbart mir, was Kinder wirklich glücklich macht: nicht schöne Kleider, teures Spielzeug oder weite Reisen, sondern Liebe und Geborgenheit. Und davon bekamen wir in meinem Elternhaus genug, besonders von meiner Mutter!
Heute weiß ich: Man kann von materiellen Dingen keine Sinngebung erwarten. Ein Auto oder ein schönes Haus, Erfolg im Beruf ersetzen keine liebevolle Umarmung. Man kann Liebe, Zärtlichkeit oder Vertrauen nicht durch materielle Güter und aufwendige Geschenke erlangen, sondern nur im vertrauten Miteinander mit nahe stehenden Menschen.
Unsere Mutter sorgte von früh bis spät für uns. Sie hatte einen kleinen Garten gepachtet, in dem sie Gemüse und Kartoffeln anpflanzte, damit wir genug zu essen bekamen. Ich erinnere mich heute noch an den säuerlichen Geschmack der Brotsuppe, die sehr häufig
zum Mittagessen auf dem Tisch stand - sie war in den Nachkriegsjahren eine unserer Hauptnahrungsquellen. Ich glaube, da ging es mir wie vielen anderen Kindern in dieser Zeit - bald wollte ich Brotsuppe weder riechen noch essen. Doch der Hunger trieb sie in den Magen. Hungersnot wie in den Großstädten gab es aber bei uns nicht. In der kleinen Stadt mit dem ländlichen Umfeld tauschte und teilte jeder mit jedem, wenn er etwas zu essen hatte. Wurde in der Nachbarschaft ein Schwein geschlachtet, bekamen alle etwas davon ab. Es war selbstverständlich, dass Nachbarn einander halfen. Häufig sammelten wir Kinder mit unserer Mutter Bucheckern, daraus wurde dann Öl gepresst. Oder wir holten Brennholz aus dem Wald. Und morgens mussten wir Kinder im Garten Käfer von den Kartoffeln abklauben. Ich weiß es noch bis heute, wie ich mich ekelte, wenn sie meinen Arm hochkrabbelten.
Langeweile und Überdruss kannten wir Kinder dieser Generation nicht. In allen Familien ging es um das Überleben und den Erhalt der Existenz - wir Kinder waren in dieses heben mit einbezogen.


Meine Mutter
Meine Mutter war gelernte Hutmacherin und stammte aus einer Familie mit neun Kindern. Mein Vater kam aus einer Bauernfamilie und machte sich als Handwerker selbstständig. Er hatte einen schweren Schicksalsschlag verkraften müssen: Er wurde vom Blitz getroffen, lag zwei Wochen bewusstlos in der Uniklinik Münster und war danach arbeitsunfähig. Er wurde nicht in den Krieg eingezogen, was ihm sehr zugesetzt hat. Ich glaube, er empfand dies als unehrenhaft, was dem damaligen Zeitgeist entsprach. Er starb früh mit sechzig Jahren.
So war meine Mutter die entscheidende Bezugsperson für uns fünf Kinder - sie trug die Verantwortung für die ganze Familie. Heute würde man sagen, sie war eine starke Frau, die eigenständige Entscheidungen traf. Damals war das selbstverständlich, darüber sprach man gar nicht. Heute nennt man eine Frau wie sie eine starke Persönlichkeit. Damals meisterten die Fraue
n das Leben so, wie es kam, und machten nicht viele Worte darum. Dennoch gingen die nervlichen und körperlichen Belastungen nicht spurlos an ihnen vorüber.
Unsere Mutter war immer für uns da - sie kochte, wusch, nähte Kleidung. Natürlich merkten wir Kinder, dass sie es nicht einfach hatte. Man erlebte ja, dass die Mutter jeden Pfennig zweimal umdrehen musste, dass sie oft Sorgen hatte, wie es weitergehen solle. Schon als kleines Kind spürte ich sehr genau, wenn sie etwas bedrückte. Ich nahm dann ihre Hand und streichelte sie. Ich glaube, sie verstand mich ohne Worte. Ich wollte sie auf meine kindliche Art trösten. Ich liebte sie sehr.
Trotz der schweren Zeit war sie im Grunde ein fröhlicher Mensch. Eine zierliche Frau mit schwarzen Haaren und blauen Augen, die neugierig und interessiert in die Welt schauten. Nur nicht unterkriegen lassen, war ihr Lebensmotto und Lebensgefühl -sie dachte immer positiv. Sie kannte und sang alle Lieder dieser Welt. Sie hatte viele Freunde und Bekannte, die jeden Tag kamen und sie besuchten. Nie redete sie schlecht über jemanden, hatte für jeden ein offenes Herz und war sehr hilfsbereit.
In der Nachkriegszeit gab es viele Bettler, die Leute hatten oft nichts zu essen. Meine Mutter gab immer etwas, wenn jemand vor der Tür stand - ein Stück Brot, etwas Gemüse, einen Teller Suppe. Und wir hatten auch immer Ferienkinder aus dem Ruhrgebiet, die sie aufpäppelte. Ich weiß nicht, wie sie es bewerkstelligte, aber später hat sie uns Kindern vieles ermöglicht - wir hatten Fahrräder, Rollschuhe, Schlittschuhe. Die Ufer der Ems waren unser liebster Spielplatz. Im Sommer schwammen wir darin, im Winter liefen wir Schlittschuh auf dem zugefrorenen Fluss. Wenn wir wie zu Eiszapfen gefroren nach Hause kamen, hatte sie Berliner gebacken. Sie verstand es, eine behagliche Atmosphäre zu schaffen. Was sie für uns Kinder getan hat, konnte ich erst richtig ermessen, als ich eigene Kinder hatte. Sie gab uns liebevolle Geborgenheit.
Ich weiß, dass
sie in dieser Zeit viel Kraft aus ihrem Glauben geschöpft hat. Später im Alter sah sie die Religion distanzierter.
Meine Mutter liebte die Menschen. Das habe ich von ihr gelernt. Sie hat mich in dieser Hinsicht mehr geprägt, als ich als junger Mensch wahrhaben wollte und konnte. Später als Erwachsene, als Mutter von drei Kindern und berufstätige Frau mit Verantwortung für andere Menschen, bin ich mir dessen bewusst geworden.
Auch die optimistische, positive Grundeinstellung habe ich sicher von ihr. Sie blieb unternehmungslustig bis ins hohe Alter. Als sie achtundachtzig Jahre alt war, besuchte sie uns in unserem Haus auf Mallorca. Sie genoss den Blick von der Terrasse auf das Meer. Dann aber sagte sie: Nur immer aufs Meer schauen, das wird langweilig. Sie wollte etwas unternehmen, ins Städtchen fahren, unter Menschen gehen.
Meine Mutter wurde vierundneunzig Jahre alt. Als sie starb, erfüllte mich dies weniger mit Trauer als vielmehr mit Dankbarkeit für alles, was sie mir gegeben hatte. Abschied genommen hatte ich schon vorher, während ihrer langen Krankheit. Ich habe ganz bewusst allmählich losgelassen. So konnte ich den Schmerz besser verkraften. Diese Art des Abschiednehmens würde ich auch meinen Kindern wünschen, wenn eines Tages die Zeit für mich gekommen ist. Ich habe den Sarg meiner Mutter über und über mit weißen und rosa Orchideen schmücken lassen - es waren ihre Lieblingsblumen.


Ein tapferes Kind
Wir waren fünf Kinder zu Hause, ich war das vierte Kind. Mit meiner drei Jahre älteren Schwester Hannelore und dem fünf Jahre älteren Bruder Heinz hatte ich den engsten Kontakt, wir passten altersmäßig zusammen. Meine andere Schwester ist fünf Jahre jünger als ich. Über ihre Geburt war ich damals nicht besonders glücklich. Ich war eifersüchtig und befürchtete, die Liebe meiner Mutter teilen zu müssen.
Wenn ich heute zurückblicke auf das Kind, das ich einmal war, sehe ich ein kleines Mädchen mit blonden Zöpfen, das schmächtig und z
art war und deshalb immer als das Sorgenkind der Mutter galt. Ich musste mehr essen als meine Geschwister, und ich suchte und brauchte auch mehr die Hilfe und die Nähe meiner Mutter. Ich war anlehnungsbedürftig und zärtlich - anders als meine Geschwister. So hatten wir eine besonders enge Beziehung. Meine Mutter kannte meine Ängste, die mich lange begleiten sollten: Angst, in einen dunklen Keller zu gehen, Angst vor unbekannten neuen Situationen, vor geforderten Leistungen -ich brauchte viel Ermutigung.
Ich hatte das Glück, dass ich immer Menschen in meinem Leben fand, die mich ermutigten, den nächsten Entwicklungsschritt in Angriff zu nehmen.
Andererseits -wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte,tat ich alles, um es zu erreichen. Und in solchen Momenten flossen mir ungeahnte Kräfte zu: Ich wurde mutig für neue Abenteuer, vergaß alle Ängste. So zum Beispiel, als ich mir selbst das Schwimmen beibrachte.
Ein Teil jeden Talents besteht in der Courage, sagt Bertolt Brecht. Dieser Satz trifft auf meine Situation während der Entwicklungsjahre genau zu.
In der ersten Schulklasse war ich die Einzige, die sich traute, vom Fünfmeterbrett ins Schwimmbad zu springen. Ich war ja inzwischen eine gute Schwimmerin, nachdem ich so lange in der Ems trainiert hatte. Der Lehrer ermutigte mich. Er sagte einfach: Probier's mal. Du schaffst das. Ich merkte, dass er es mir zutraute. Das beflügelte mich. Ich erinnere mich noch genau an meine Gefühle, als ich die Leiter zum Sprungbrett hochkletterte. Es ging höher und höher, als führte sie geradewegs in den Himmel. Mein Herz klopfte bis zum Hals, meine Knie zitterten. Als ich oben stand und die erwartungsvollen Gesichter des Lehrers und meiner Klassenkameraden sah, gab es kein Zurück. Ich sprang. Hinterher war ich sehr stolz auf mich. Solche Momente hatte ich öfter im Leben. Immer wenn ich das Gefühl hatte, jemand glaubt an mich, konnte ich meine Ängste überwinden. Diese Erfahrung bringe ich in meine Arbeit ein. Ich moti
viere meine Mitarbeiter, indem ich sie immer und immer wieder ermutige. Übrigens: Später sprang ich dann sogar mit Salto.
Das Wasser sollte mein Element bleiben -ich wurde eine ausdauernde Schwimmerin. Heute kann ich mühelos bis zu einer Stunde im Mittelmeer schwimmen und mich dabei gemütlich unterhalten. Manager unseres Unternehmens, die uns manchmal in unserem Ferienhaus auf Mallorca besuchen, geraten dabei schon einmal aus der Puste.
In diesen frühen Jahren lebte ich eingesponnen in eine eigene Welt. Ich war ein freundliches Kind, manchmal ein bisschen verträumt. Oft saß ich nachts auf der Fensterbank in der Küche und sang Lieder. Oder ich schlüpfte um fünf Uhr morgens aus dem Bett und ging spazieren. Ich liebte es, über die taunassenWiesen zu laufen, an der Ems entlang durch einen kleinen Wald, der Vögel erstes Tschilpen zu hören und das Rauschen der Blätter im Wind -es war wie ein Traum. Ein kleines Abenteuer, das ich bestand, so ganz allein.
Das intuitive Naturerlebnis ist eine ganz frühe Prägung. Auch heute brauche und suche ich es. Ich bin froh, dass ich Natur so intensiv erleben kann. Immer wenn ich mich ein bisschen einsam oder ratlos fühle oder wenn ich viel Stress habe, gehe ich hinaus in die Natur - über die Felder, durch die Wälder, auf die Berge. Meistens gehe ich mit raschen Schritten und atme dabei tief ein. Ich genieße den Blick in die Weite des flachen Münsterlandes bis zum Horizont. Schon nach kurzer Zeit steigt eine wohltuende Ruhe in mir auf.
So ein Spaziergang hilft, Gedanken zu klären und zu sortieren, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Wir Menschen sind nur ein kleines Rädchen im Weltgetriebe -das wird mir klar, wenn ich eine jahrhundertealte Eiche betrachte. Was könnte sie wohl erzählen- Manche Leute reisen nach Indien, um zur Ruhe zu kommen, um ihre Mitte zu finden. Es entspricht auch dem Zeitgeist, ins Kloster zum Meditieren zu gehen. Ich finde meine Mitte in der Natur. Der Wind, der über mein Gesicht streicht, we
hte auch schon vor zweitausend Jahren, als die Römer unweit im Teutoburger Wald gegen Arminius, den Cherusker, kämpften - die Endlichkeit des menschlichen Seins wird mir bewusst. Auf einmal nehme ich mich nicht mehr so wichtig. Glücklichsein beginnt im Kopf. Es ist meine Entscheidung, das Innenleben nicht von äußeren Umständen abhängig zu machen. Ich bin sehr froh, dass ich den Blick für die kleinen Dinge des Lebens behalten habe und mich daran erfreuen kann. An einer schönen Blume, einem Sonnenuntergang am Meer, dem Anblick riesiger Berge, dem Lächeln eines Menschen, einem vertrauten Gespräch.




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