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Solange es schön ist als Buch
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Solange es schön ist

Roman.
Buch (gebunden)
Johanna hasst das Alleinsein, und alles kommt immer heftig über sie - die Gefühle, die Männer und auch die Geschichten, die sie notfalls selber erfindet. Eine "Zeitbombe" sei sie, meint Frau Kralik, die Nachbarin, und seit Jahren schon befürchtet der … weiterlesen
Buch

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Solange es schön ist als Buch

Produktdetails

Titel: Solange es schön ist
Autor/en: Magdalena Sadlon

ISBN: 3552053654
EAN: 9783552053656
Roman.
Zsolnay-Verlag

4. Februar 2006 - gebunden - 109 Seiten

Beschreibung

Johanna hasst das Alleinsein, und alles kommt immer heftig über sie - die Gefühle, die Männer und auch die Geschichten, die sie notfalls selber erfindet. Eine "Zeitbombe" sei sie, meint Frau Kralik, die Nachbarin, und seit Jahren schon befürchtet der Hausmeister "Probleme" mit der jungen Anwaltssekretärin, die "nicht übersehen werden will". Andererseits: War ihre Welt nicht in Ordnung? "Die Männer schauten sie noch an. Ein Lächeln ...", heißt es in Magdalena Sadlons neuem Roman, der von Bewohnern eines Wiener Mietshauses erzählt, die mehr verbindet, als ihnen bewusst ist.Wie schon in ihrem hochgelobten Prosadebüt, "Die wunderbaren Wege", versteht es Sadlon, ihre Figuren gleichermaßen aus sich selbst sprechen zu lassen und von außen zu beobachten.

Portrait

Magdalena Sadlon wurde 1956 in Zlate Moravec in der Slowakei geboren und emigrierte 1968 mit ihrer Familie nach Österreich. Nach einer Schauspielausbildung arbeitete sie am Theater und als Übersetzerin. Sie lebt heute abwechselnd in Wien und in der Slowakei. Die wunderbaren Wege, ihr erster Roman, erschien 1999 bei Zsolnay. Der Roman Solange es schön ist erschien 2006.

Leseprobe

2.
Töten. Können wir denn etwas anderes als das Verlangen in uns abtöten? Johanna war wütend, sie hielt ein großes, scharfes Brotmesser in der Hand. Roberts Besuch hatte sie sich anders vorgestellt, immerhin war er vier Monate lang nicht mehr zu Hause gewesen. Sie hätte erwartet, daß er etwas Liebenswürdiges zurücklassen würde, etwas Sichtbares. Oder daß zumindest ein bißchen Wehmut bei ihm spürbar würde: Hier und wir, und irgendwelche schönen Erinnerungen. Sie stand in der Küche und mühte sich mit den Kalkresten, die sich im Lauf der Zeit um den Ausguß gebildet hatten. Sie fuhr mit dem Messer die Rundung entlang, kratzte an den weißlichen Ablagerungen, ohne viel Erfolg. Tätigkeiten ohne Belang. Gern hätte sie auch belanglose Gedanken gehabt, aber sie verstrickte sich andauernd in Dinge, die sie dann wesentlich nannte, und die sie immer aufs neue in eine Alles-oder-nichts-Ordnung zu bringen versuchte. Robert wieder dachte immer nur über das Erreichbare nach: Nur da ist es möglich, einen Gedanken zu Ende zu führen, sagte er immerzu belehrend. Zu Ende denken, realisieren, konsequent sein, Ziele haben. Alle seine Antworten klangen wie Vorwürfe, und es waren auch Vorwürfe, nichts anderes als Zurechtweisungen. Genauso gut und selbstgerecht hätte er Halt den Mund und sei schön, sagen können, aber so etwas erlaubte Robert sich nicht, er war stets auf korrekte Bevormundung bedacht.
Johanna war sehr verärgert. In letzter Zeit wurde sie immer öfter zornig, wenn sie an Robert dachte.
Sie preßte das Messer mit beiden Händen fest gegen das Metall und schabte weiter. Ein mit Essig getränktes Tuch darauf zu legen, wie es die Mutter mal vorgeschlagen hatte, entsprach nicht ihrer Stimmung. Das Scheuern wurde sandig unangenehm. Und als wären ihre Ohren an den Schulterblättern plaziert, riß sie das Geräusch von der Mitte her steil in die Höhe. Ihre Haut schob sich förmlich zusammen, der Nacken verkürzte sich im Schauder, sie kniff die Augen zusammen und drückte die Lippen
aufeinander. Johanna warf angewidert das Messer in die Abwasch.
Immer kam alles heftig über sie, alles war wie Schmirgelpapier für ihre Seele, machte sich körperlich bemerkbar! Sie setzte sich hin streckte die Beine weit von sich. Es war zu ekelerregend. Und das wahre Leben war immer dort, wo sie nicht war, dachte sie.
Sie ließ ihre Hände zwischen die Schenkel fallen. Sie fühlte gerne die Wärme der Hände und ihren Schoß. Das gab ihr Geborgenheit, aber jetzt hatte sie keine Lust, sich wohl zu fühlen, sie fühlte sich nur glücklos und ausweglos gefangen zwischen den Wänden und den Gedanken und der Nahrungsaufnahme und dem Bett und dem Beruf. Und es schien langsam auch beliebig, wessen Bett es würde, welchen Job sie machte. Hauptsache, sie war nicht alleine.
Andererseits war ihre Welt in Ordnung, überlegte sie. Die Männer schauten sie noch an. Ein Lächeln erreichte sie, ein freundlicher Blick. Sie wollte kein Sexualobjekt sein, aber übersehen werden wollte sie auch nicht. Eine unaufdringliche Sympathiebezeugung, eine Aufmerksamkeit im Vorübergehen, das war wunderbar. Menschen schauten einander an, und das war einfach und schön, dachte sie.
Nur wenn sie sich schlecht fühlte, empfand sie die Blicke, die zuvor ein junges Kätzchen betrachtet hatten, wie auf einen räudigen Kater gerichtet. Sie fühlte sich gemustert. Die Möglichkeit irritierte sie, daß ihre Schminke verrutscht sein könnte, daß ihr Gesicht darunter an irgendeiner Stelle hervorlugte oder daß ein dummer Garderobefehler die Blicke anzog.
Als Kind hatte sie oft Detektiv gespielt. Sie spionierte schöne Menschen bis zu ihrer Wohnung aus, einem Haus, in dem sie verschwanden, sie schlich sich in die Abenteuer der Erwachsenenwelt ein. Beobachtete ihre Begegnungen und ihre einsamen Wege, die ihr viel Freiraum für Geheimnisse boten, weil sie diese selten zu deuten wußte.
3.
Sie sagen, Sie hören mich weinen in der Nacht? Ich schreie nach ihm. In der Früh vermisse ich sein schönes Gesicht. Und w
enn er mich weckte, war seine Berührung sanft, wie ein Luftzug. Johanna streichelte ausgiebig den kleinen Pudel der Nachbarin im Lift. Sie hätte gerne noch mehr gesagt und wäre immerfort mit dem Lift rauf und runter gefahren, aber die Nachbarin hatte es eilig, wie alle Pensionisten. Die Alte wollte mit ihrem Kläffer einen Praterspaziergang machen, Solange es so schön ist, und sie ging hastig weg, löste sich rasch aus dem zu vertraulichen Blick. Was sollte sie da lange verweilen und fremde Tränen sehen und womöglich auch noch ein unpassendes Armunterhacken erdulden. So sah sie nämlich aus, die Johanna Brütt, als würde sie sie gleich anspringen wollen und nie mehr loslassen. Dabei war diese Frau wie eine Zeitbombe, nett und anbiedernd, aber darunter ein Abgrund aus Unglück und Unzufriedenheit. Die schleimt so. Mit der gibt es bald Probleme, hatte der Hausmeister schon vor Jahren gesagt. Und jetzt schrieb sie anonym diese Briefe an die Hausverwaltung und glaubte, niemand vermutete, daß sie es sei.
Rocky schiß gerade auf den Gehsteig. Frau Kralik holte einen grünen Kacksack aus ihrer Tasche und stülpte ihn sich über die Hand, um die Trümmerl aufzuheben. Schnell noch, bevor irgendein Passant sie anpöbeln konnte. Bloß weil man ein Hundebesitzer war, wurde man für jede Scheiße auf dem Gehsteig verantwortlich gemacht, ärgerte sie sich. Sie verabscheute es auch und konnte nichts dagegen tun, daß einige glaubten, bloß weil sie Hundesteuer zahlten, würde es schon ausreichen.
Die alte, rüstige Frau ging rasch zur U-Bahn, es wurde ja schon um fünf Uhr dunkel, und für eine große Runde würde es sich demnach sowieso nicht mehr ausgehen.
Auf der Kastanienallee hingen die letzten Blätter im Wind. Sonst war alles fahl, auch wenn die Sonne etwas diesig durchschien. Die Jogger ließen sich von Rocky jagen, dem man das leider nicht mehr abgewöhnen kann, und so hatte sie, je nach dem, ständig eine Entschuldigung oder eine rüde Bemerkung an der Lippe hängen.
Ich wußte gar ni
cht, daß Sie auch einen Hund haben, sagte Frau Kralik statt einer Begrüßung zu einer Frau, die ihr sehr bekannt vorkam. Sie mußte kurz nachdenken, wo sie sie einordnen sollte. Aber wie denn auch, sagte sie dann befreit. Wir reden doch nie miteinander. Ich sehe Sie täglich hinter der Kassa sitzen! sagte sie mehr zu sich selbst, oder vielleicht auch nur, um sich zu erkennen zu geben. Sehr freundlich sind Sie. Immer. Frau Kralik änderte die Richtung, um mit der Kassiererin ihren Weg fortzusetzen. Da leben wir tagtäglich irgendwie miteinander, und ich habe noch gar nicht daran gedacht, daß Sie außerhalb der Kasse ein anderes Leben führen. Dann schämte sie sich, daß sie das ausgesprochen hatte.
Sie kaufte zwei Portionen Maroni beim Maronibrater, eine war für die Kassiererin. Die ersten heuer, sagte sie. Die andere nahm sie dankend an, sie schmeckten ganz vorzüglich, wie es die ersten so an sich haben, wenn sich der Duft und der Geschmack und die Erinnerungen vermengen und sich in kleinen, beglückenden Seufzern artikulieren. Das Gespräch entwickelte sich von selbst während des Spazierengehens, die Augen karrten die Themen heran, und man durfte sogar ein wenig lästern über die Entgegenkommenden. Vorsichtig zuerst, um ein bißchen auszuloten, wie weit man gehen konnte, wo die andere stand. Aber man stand sowieso auf der selben Seite, denn alles wurde immer teuerer, und diese Jugend, die sich so gehen ließ, und beschwatzen, ohne es zu bemerken, aber man sah es ja, wo das endete, diese Drogen und die vielen Schulden, und nur noch Sex im Kopf, und die Kriminalität, aber kein Wunder, diese vielen Ausländer. Ach, Sie sind auch Ausländerin? Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Aber schon lange in Österreich? Sie wartete keine Antwort ab und setzte schnell fort: Na ja dann. Wir sind doch alle irgendwie ein Gemisch, wie man so sagt.
So ging es weiter, freundlich und peinlich Schritt um Schritt.


Pressestimmen

"Niemand in der österreichischen Literatur schreibt so gelungen über das Scheitern wie Magdalena Sadlon. Alle Stillagen des vergeblichen Wünschens sind in diesem kleinen, aber virtuosen Roman versammelt." Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung, 15.03.06 "Alles schwebt in diesem Roman, und formal sitzt es. Schön ist der Text geworden, schlank und ohne Schnörkel. Ein Glücksfall." Stefan Gmünder, Der Standard, 25.02.06 "...ein scharfer Blick für die kleinen und größeren Schräglagen des Lebens." Evelyne Polt-Heinzl, Die Presse, 11.03.06 "Mehr Seiten hätten dem Buch wahrscheinlich nicht gut getan. So wie es ist, ist es wunderbar." Bernhard Fetz, Falter, 16.03.06 "Der hundert Seiten leichte Band voller Schwermut trägt nicht Schwarz, sondern ironisches Seifenblasenbunt mit hauchzartem Trauerrand. Magdalena Sadlon hört genau hin, wenn sich Weinen in Worte, Ennui in Gesten übersetzt: Kläglicher und zugleich komischer als ihre Figuren scheitern keine in den jüngeren österreichischen Romanen." Alexander Kedves, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.8.06 "Dabei entstehen Sätze, so feingesponnen, dass man als Leser immer wieder zum Innehalten, zum Auf-der-Zunge-zergehen-Lassen sich genötigt fühlt. (...) Ein neues großes Talent ist in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zu begrüßen." Tilman Krause, Die Welt, 09.12.06
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