Kintsugi

Roman. Shortlist - nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019. 3. Auflage.
Buch (gebunden)
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Shortlist - nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019 und ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung und dem aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Prosa-Debüt 2019

Kintsugi ist das japanische Kunsthandwerk, zerbroc … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Kintsugi
Autor/en: Miku Sophie Kühmel

ISBN: 3103974590
EAN: 9783103974591
Roman. Shortlist - nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019.
3. Auflage.
FISCHER, S.

1. September 2019 - gebunden - 304 Seiten

Beschreibung

Shortlist - nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019 und ausgezeichnet mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung und dem aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Prosa-Debüt 2019

Kintsugi ist das japanische Kunsthandwerk, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten. Diese Tradition lehrt, dass Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist, sondern im guten Umgang mit den Brüchen und Versehrtheiten.

Es ist Wochenende. Wir sind in einem Haus an einem spätwinterlichen See, das Licht ist hart, die Luft ist schneidend kalt, der gefrorene Boden knirscht unter unseren Füßen. Gerade sind Reik und Max angekommen, sie feiern ihre Liebe, die nun zwanzig ist. Eingeladen sind nur ihr ältester Freund Tonio und seine Tochter Pega, so alt wie die Beziehung von Max und Reik. Sie planen ein ruhiges Wochenende. Doch ruhig bleibt nur der See.

"Kintsugi" ist ein flimmernder Roman über die Liebe in all ihren Facetten. Über den Trost, den wir im Unvollkommenen finden. Und darüber, dass es weitergeht. Wie immer geht es weiter.

Portrait

Miku Sophie Kühmel wurde 1992 in Gotha geboren. Sie hat an der Humboldt-Universität zu Berlin und der New York University studiert, unter anderem bei Roger Willemsen und Daniel Kehlmann. Seit 2013 erscheint ihre Kurzprosa regelmäßig in Zeitschriften und Anthologien. Seit kurz davor erzählt sie Geschichten auch in Radiostücken und Podcasts, die sie produziert. »Kintsugi« ist ihr erster Roman, für den sie mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2019 und dem »aspekte«-Literaturpreis 2019 ausgezeichnet wurde.

Pressestimmen

Dieser Roman ist ebenso streng wie unaufdringlich komponiert [...] ein erstaunliches Debüt, ein Roman der ebenso weltweise wie modern ist. Alf Mentzer hr-info Büchercheck 20191114

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 25.08.2019

Es gibt ein gutes Leben im schlechten
Sieben literarische Debüts stehen auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Die beiden besten sind nicht darunter

Als am Dienstag die zwanzig Romane bekannt gegeben wurden, die in diesem Jahr auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stehen, und sich unter diesen Romanen gleich sieben literarische Debüts befanden, war dies eine völlig überraschende Nachricht. Sind die Jungen dabei, die Alten zu besiegen? Sind die neuen in diesem Jahr wirklich interessanter und besser als jene Autorinnen und Autoren, die bereits auf ein Werk zurückblicken? Oder handelt es sich um eine bewusste Maßnahme der Jury zur Förderung junger Literatur?

Wer auf der Liste steht, muss sich auch an denen messen lassen, die es nicht auf diese geschafft haben: "Das flüssige Land", der Debütroman der Österreicherin Raphaela Edelbauer über einen Ort, unter dem sich ein riesiger Hohlraum befindet, der die Bewohner auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint, über den aber niemand sprechen will, ist dabei. Steffen Kopetzky mit "Propaganda", seiner Rekonstruktion der Schlacht im Hürtgenwald, die von einem amerikanischen Soldaten in der Abteilung für psychologische Kriegsführung erzählt, ist es aber nicht. Miku Sophie Kühmels Debüt "Kintsugi", benannt nach dem japanischen Kunsthandwerk, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten, weil Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist, sondern im guten Umgang mit Brüchen und Versehrtheiten, steht auf der Liste. Sibylle Bergs "GRM" über den Brexit, den Überwachungsstaat, die Gentrifizierung und das zerfallende Europa, für viele schon seit dem Frühjahr der Roman des Jahres, fehlt. Kann das wirklich sein?

Kann es nicht. Nicht jedenfalls, wenn man "Kintsugi" zu lesen beginnt und vom ersten Satz an mit so vielen Adjektiven konfrontiert ist, dass man überhaupt nur noch Adjektive sieht: "Als sie das Haus erreichen, ist das Licht schon senfgelb und die Schatten sind lang", lautet der erste harmlose Satz. Der "Tag" ist "scheu"; es "dämmert früh"; der Baum ist "hohl"; das Haus steht "schwarz geschindelt da, schmucklos und vernarbt". Die Ruhe "schmiegt sich kühl an ihre Ohren". Die Dunkelheit ist "vertraut"; die Teekanne "faustgroß" und "gusseisern". Warum darf sie nicht einfach eine Teekanne sein? Die Betten werden mit "frischer weißer" Baumwolle bezogen, "dick und fluffig wie zwei satte Wolken"; eine "glatte, kühle Weichheit". Alles ist erwartbar: "Was er vom Himmel erahnen kann, ist dunstig-blau, nur eine schmale, längliche Wolke wird von der Sonne noch im Abgang über die Schulter rot angeleuchtet." Und jedes weitere Adjektiv ist nur ein Hilfsmittel, um das Erzählte literaturhaft erscheinen zu lassen.

Miku Sophie Kühmel, die 1992 in Gotha geboren wurde und in Berlin und New York studiert hat, erzählt von einer Viererkonstellation in einem Wochenendhaus aus diesen vier Perspektiven. Es ist eine interessante Versuchsanordnung, die Sprache hält einen aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn man gerade den Roman "Pixeltänzer" gelesen hat, der gar nicht auf der Liste steht, die dort stehenden Debüts aber überstrahlt. Denn alles an diesem Buch ist überraschend. Die Autorin, 1982 geboren, heißt Berit Glanz, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere Skandinavische Literaturen der Uni Greifswald, besitzt auf Twitter eine große Followerschaft. Sie fragt: Wie geschichtsvergessen ist unsere Gegenwart? Ist die Geschichtsvergessenheit unser Verhängnis?

Sie führt uns mit beeindruckender Souveränität in die Tech-Welt der Start-ups und der Programmierer, in der "Backend-Developer an ihren Trail-Mix-Beuteln hängen, als müssten sie die letzten Höhenmeter der Eiger-Nordwand überwinden". Sie findet für ihre Protagonistin ein Hobby: Beta bastelt Modelle von Tieren und druckt sie mit ihrem 3D-Drucker aus. Sie gibt ihr eine Mission: "Mein erklärtes Ziel für diesen Sommer ist es, in allen Eisdielen innerhalb des Berliner Rings eine Kugel Erdbeereis zu essen" - was die Entwickler in ihrer Umgebung sofort anfixt, weil es keinen Algorithmus gibt, der den kürzesten Weg für den aufeinanderfolgenden Besuch mehrerer Orte berechnen kann. Das Ganze nennt sich das Problem des Handlungsreisenden.

Und sie erfindet für ihren Roman eine Weckruf-App: "Dawntastic", die von der Annahme ausgeht, dass man morgens schneller wach ist, wenn der Tag mit einem Gespräch startet. Regelmäßig lässt sich Beta von "Dawntastic" wecken und erhält zur eingestellten Zeit einen Anruf von einer fremden Person, die irgendwo auf der Welt gerade wach ist. Eines Morgens ist das ein Mann, der sich Toboggan nennt. Sein Profilbild zeigt eine Figur mit Maske, er hat eine warme Stimme und meldet sich aus Palo Alto. Sie tauschen sich über den Todessound des Atari-Spiels "Pitfall" aus, und bevor sie wieder auflegt, fragt Beta: "Was ist das auf deinem Profilbild?" - "Es hat mit meinem Nutzernamen zu tun", sagt Toboggan. "Vielleicht findest du es heraus?"

So beginnt eine Spurensuche, die Beta aus ihrer absoluten Gegenwartswelt in die Vergangenheit führt. Es beginnt mit den Koordinaten einer Adresse in der Potsdamer Straße 134 a in Berlin, wo in den zwanziger Jahren die expressionistische Zeitschrift "Der Sturm" von Herwarth Walden herausgegeben wurde. Der Name der Zeitschrift gefällt Beta nicht, also recherchiert sie skeptisch weiter. Immer wieder hinterlässt Toboggan Nachrichten oder versteckt Texte im Quellcode von Betas Blog. Es sind biographische Bruchstücke des avantgardistischen Künstlerpaares Walter Holdt und Lavinia Schulz, einer Tänzerin, die in selbst entworfenen Ganzkörperkostümen auftrat, an der vorsätzlichen Unverwertbarkeit ihrer Kunst, die nicht Ware sein sollte, aber tragisch scheiterte.

In der Begegnung mit dieser Vergangenheit rüstet sich Beta gegen den Verwertbarkeitswahn und die Überwachungsmechanismen ihrer Gegenwart. Die Geschichte verändert sie, stiftet sie zu einem Ausbruchsversuch an: Die "Pixel" des digitalen Zeitalters und die "Tänzer" der Weimarer Republik führt Berit Glanz zusammen in einer Geste der Verweigerung. Und man kann über diese Zusammenführung und überhaupt über diesen Roman einfach nur staunen.

Tom Müller, der ebenfalls nicht auf der Liste steht, will das auch: Vergangenheit in einer erzählten Gegenwart aufleben lassen. "Die jüngsten Tage" heißt der erste Roman des 1982 in Berlin-Friedrichshain geborenen Autors, der seit diesem Jahr Leiter des Tropen-Verlags in Berlin ist. Wie mühelos er von der Lektoren- und Verlegerrolle in die des Autors wechselt, ist schon besonders. Jonathan Buck heißt sein Ich-Erzähler, der zu Beginn des Romans am Bahnsteig nach Berlin steht und auf den Zug wartet. Sein Freund ist tot. Sein bester Freund, Stippe, mit dem er schon in der DDR-Kita war, mit dem er Zigaretten klaute, die Zeit unmittelbar nach der Wende durchlebte. Ein Grenzgänger, ein Aufgewühlter in einer unsicheren Zeit, wie er selbst, auf der Suche nach Idolen. Stippes Mutter will von Jonathan wissen, was war. Zu ihr soll er fahren, doch weigert sich alles in ihm. Lieber bleibt er bei seiner Freundin Elena, lässt die Erinnerungen an Stippe wiederaufleben und liest Gabriele D'Annunzio.

Denn der italienische Dichter, der 1919 die Eroberung der Stadt Fiume anführte, steht in "Die jüngsten Tage" für einen Aufbruch, den Tom Müller mit dem Aufbruch der Wendejahre der beiden Freunde in Deutschland überblenden will. Nur kommen sie nicht zusammen, was vor allem daran liegt, dass der Autor von der Wende wenig, von D'Annunzio aber viel erzählt. Dass er seiner Begeisterung für D'Annunzio erliegt, wenn der Mann mit der Augenklappe und dem kahlen Kopf immer wieder um die Ecke kommt, am Ende sogar persönlich auftritt und ein paar Befehle gibt.

"Ich schmiede keine Pläne, ich glühe", lautet das D'Annunzio-Zitat, das Tom Müller seinem Roman voranstellt. Auch Stippe hat diese Worte verwendet, als er damals, in ihrem persönlichen Ausnahmezustand, aus Gründen vor allem der Distinktion D'Annunzio spielte und sie ihre Gemeinschaft beschworen. Sie wollten glühen. Nun, wo der Freund tot ist, ist Jonathan hin- und hergerissen, kann sein Glühen für den italienischen Dichter nicht ganz aufgeben, will mit ihm aber auch ins Gericht gehen. Er habe seine Seele an Mussolini verkauft, wirft er ihm vor. Doch geht daraus nicht viel mehr hervor als ein unentschiedener Abschied von der Distinktion.

Die Entschiedenheit, Klarheit, Härte und Sicherheit im Ton in "Taxi", dem ersten Roman von Cemile Sahin, ist dagegen eine Wucht. Sahin, 1990 in Wiesbaden geboren, studierte Bildende Kunst am Saint Martins College in London und an der UdK in Berlin und wurde gerade als "ars viva"-Preisträgerin 2020 ausgezeichnet. Wir wissen nicht genau, wo dieser Roman, der auf der Longlist fehlt, spielt. Wir wissen nur, dass er nicht in Deutschland spielt, weil aus Deutschland später jemand zurückkommt, der gehofft hatte, dort ein besseres Leben verbringen zu können. Überhaupt hat die ganze Erzählung wenig Koordinaten und beansprucht damit eine dunkle Universalität.

Eine Mutter entdeckt einen jungen Mann, Mitte dreißig, der ihrem Sohn ähnelt, den sie in einem Krieg verloren hat. Sie geht ihm wochenlang nach, beobachtet ihn, bis sie irgendwann auf ihn zukommt und sagt: "Ich möchte, dass du wieder nach Hause kommst." Sie zieht Geld aus ihrer Tasche, mehrere tausend Euro, und bietet ihm einen Deal an: Er soll die Rolle ihres Sohnes spielen in einer Erzählung im Stil einer amerikanischen Serie. Die Regie übernimmt sie, die Mutter, Rosa Kaplan. Die Behörden haben ihr gesagt, ihr Sohn, Polat Kaplan, wäre nach einer Bombenexplosion, die sich gegen 5.30 Uhr am Morgen des 1.1.2007 ereignete, nicht wiederzufinden. Sie beerdigten ihn in einem leeren Sarg. Aber über einen Sarg, der leer war, konnte die Mutter nicht weinen. Es war ja nichts drin. Ihr Sohn musste am Leben sein. Und weil er nicht zurückkehrte, suchte sie sich einen, der ihn zumindest spielte. Einen, der tatsächlich sein Leben aufgab und ihr Sohn wurde. Er beginnt, Polat Kaplan zu sein, bald besteht er darauf, klagt es ein.

Obwohl es vermutlich kein richtiges Leben im falschen gibt, besteht möglicherweise die Chance, ein gutes Leben in einem schlechten Leben zu finden, sagt Cemile Sahin. Von dieser Möglichkeit erzählt "Taxi". Doch blitzt die Möglichkeit nur kurz auf. Die Verstrickungen von Wirklichkeit und Fiktion sind heillos. Sie machen den Sohn, der nicht der Sohn ist und es doch sein will, zum Mörder und anschließend zum Opfer von Folterungen. Sie gewähren kein Zurück. Eigentlich will Rosa Kaplan bloß die Hoheit über ihre Geschichte wiedererlangen, die die Obrigkeit ihr genommen hat. Cemile Sahin erzählt, was es bedeutet, wenn eine Mutter ihr Kind verliert, und führt unerbittlich vor, was der Krieg mit uns anrichten kann. Sie erzählt es sehr gut. Die beiden besten Debüts des Herbstes stehen nicht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

JULIA ENCKE

Berit Glanz: "Pixeltänzer", Roman, Schöffling, 256 Seiten, 20 Euro. Miku Sophie Kühmel: "Kintsugi", Roman, S. Fischer, 304 Seiten, 21 Euro. Tom Müller: "Die jüngsten Tage", Roman, Rowohlt, 240 Seiten, 22 Euro. Cemile Sahin: "Taxi", Roman, Korbinian, 220 Seiten, 20 Euro (erscheint am 1. Oktober, vorzubestellen unter korbinian-verlag.de).

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Bewertungen unserer Kunden
Zwischenmenschliches
von leseratte1310 - 02.10.2019
Der Künstler Reik und der Archäologe und Universitätsdozent Max sind seit zwanzig Jahren ein Paar. Aus diesem Grund wollen sie an einem See in der Uckermark diesen besonderen Termin feiern. Sie haben dazu aber auch ihren Freund Tonio und seine Tochter Pega eingeladen. Doch im Laufe des Wochenendes zeigen sich Risse. "Kintsugi" ist die Kunst, Zerbrochenes zusammenzufügen und und es dadurch kostbarer zu machen. Es bleiben dabei erkennbare Risse, und Risse zeigen sich auch bei den Freunden an diesem Wochenende. Es ist eine seltsame Konstellation, die hier zusammentrifft - das schwule Paar, welches sein Jubiläum feiert, der Freund, der früher einmal eine Beziehung zu Reik hatte und nun alleinerziehender Vater ist und Pega, die von allen gemeinsam erzogen wurde. Sprachlich hat mir das Buch gut gefallen, aber es passiert nicht sehr viel in dieser Geschichte und doch unterschwellig alles. Die Beziehungen sind eng und doch schwierig. Sie sind zusammengekommen und haben sich doch kaum etwas zu sagen, da niemand wirklich offen redet. Aber ihre Gedanken können wir sehr intensiv mitverfolgen und damit ist das Konfliktpotenzial schon im Raum. Doch das Buch konnte mich nicht so recht packen. Warum können erwachsene Menschen ihre Konflikte nicht durch ein Gespräch aus der Welt schaffen? Ich konnte mich mit keiner der Figuren anfreunden. Sie blieben mir fremd. Ein ruhiger Roman über Beziehungen und Zwischenmenschliches.
Kammerspiel mit vier Personen an einem Wochenende
von helena - 29.08.2019
Der Klappentext ist wirklich sehr schön geschrieben. Max, Dozent für Archäologie und Reik, ein erfolgreicher Künstler sind seit 20 Jahren liiert und gelten als Vorzeigepaar. Dennoch haben sie unterschiedliche Wünsche für die Zukunft. Bevor Reik "seinen" Max traf, war er mit Tonio zusammen. Noch heute sind sie eng befreundet. Der talentierte Barpianist bekam mit einer seiner Affären eine Tochter, die ihm Lebenssinn stiftete. Es fällt ihm schwer, sie nun loszulassen. Paga, Tonios Tochter, wurde von diesen drei Männern aufgezogen. Ihre Mutter kennt sie nicht. Sie studiert aktuell, ist sehr begabt, aber auch unglücklich verliebt. Sie alle treffen sich in der Uckermark, um das 20 jährige Jubiläum des Zusammenseins von Max und Reik zu begehen... und werden gewahr, dass momentan einfach wenig zwischen ihnen stimmt und schon lang schwelende Dinge brechen auf. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und etwas verschnörkelt, legt Augenmerk auf Details und liest sich sehr ruhig. Die Personen und ihre Beziehungen durchleuchtet die Autorin tief und genau. Jede Person erhält ein eigenes Kapitel, in dem aus deren Perspektive erzählt und über sich und die anderen reflektiert wird. Das macht das Ganze natürlich sehr interessant, wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sein können. Die Kapitel sind durch Dialoge zwischen den Vieren getrennt. Zudem gibt es eine "Einleitung" und eine Nachschau. Dieser Aufbau gefiel mir ausnehmend gut. Thematisch geht es nicht vorrangig um "Kintsugi", also die Reparatur etwas Entzweigeratenem, sondern eher um das Gewahrwerden eines Bruches. Leider brauchte ich sehr lange, um wirklich gefesselt und berührt zu werden. Ich langweilte mich anfangs und auch immer mal wieder, weil mir trotz allem das Gewisse Etwas, der Flow fehlte. Über Beziehungsprobleme, Ablöseproblematiken, Freundschaft und Liebeskummer liest man doch recht häufig, zudem mir manches Erzähltes recht belanglos erschien. Dennoch, noch Tage nach der Lektüre hallte die Geschichte in mir nach. Die Figuren, besonders auch in ihrem Zusammenspiel, sind nämlich sehr eindrücklich und stark gezeichnet. Mir gefiel die Tiefe und das Facettenreichtum dieser speziellen und doch auch alltäglichen Charaktere, wobei Sie mich allerdings nicht in jeder Situation überzeugen konnten. Fazit: Ein leiser, ernsthafter, psychologisch detaillierter Beziehungsroman mit interessanten Charakteren. Formal ist der Roman recht originell, weiß aber letztendlich wenig Neues zu zeigen. Daher vielleicht eher für etwas jugendlichere Leser geeignet.
Eine besondere Konstellation
von TanyBee - 29.08.2019
Reik und Max sind seit 20 Jahre ein Paar. Sie wollen im kleinen Kreis feiern, sie fahren in ihr Wochenendhaus am See und laden nur zwei Personen ein: Tonio und seine Tochter Pega, die auch seit zwanzig Jahren ein Teil ihres Lebens ist. Max und Reik werden von Ihren Freunden beneidet, dass sie es bereits seit 20 Jahren zusammen sind. Doch wie sieht ihre Liebe wirklich aus? Der Leser schleicht sich in die Gedanken der vier Personen, nacheinander, und erfährt so mehr über ihre Beziehungen zueinander, über ihr Leben. Wie sie sich gefunden haben und warum sie sich brauchen. Wie sie aufgewachsen sind und wie ihre Eltern sie geprägt haben. Dabei ist die besondere Familienkonstellation interessant: Tonio ist jung Vater geworden und zieht Pega alleine groß. Max und Raik sind aber auch sehr stark einbezogen, sind so etwas wie Onkel oder Zweitväter für Pega. Ein wunderbarer und ehrlicher Roman. Er gesteht den Personen ihre Fehler zu und verzeiht sie ihnen. Er zeigt uns auf, dass das Leben nicht nach Schema F laufen muss, um gut zu sein. Dass Glück für jeden anders aussieht. Es ist ein leises Buch, es gibt keine spektakuläre Handlung, aber es ist doch etwas Besonderes. Es ist ein scharfe Analyse der Personen, ihrer Geschichte, ihrer Persönlichkeit. Das japanische Wort ¿Kintsugi` ist dabei als Titel so viel besser geeignet als jedes deutsche Wort. Aber das sollte man vielleicht am Besten aus dem Buch selbst erfahren. Eine große Leseempfehlung!
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