Die geheime Mission des Kardinals

Roman. Lesebändchen.
Buch (gebunden)
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Ein italienischer Kardinal, eine geheime Mission, ein Mord in Damaskus - der spannende neue Roman vom Meistererzähler Rafik Schami

Noch herrscht Friede in Syrien. Die italienische Botschaft in Damaskus bekommt 2010 ein Fass mit Olivenöl angeliefert, d … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Die geheime Mission des Kardinals
Autor/en: Rafik Schami

ISBN: 3446263799
EAN: 9783446263796
Roman.
Lesebändchen.
Hanser, Carl GmbH + Co.

22. Juli 2019 - gebunden - 430 Seiten

Beschreibung

Ein italienischer Kardinal, eine geheime Mission, ein Mord in Damaskus - der spannende neue Roman vom Meistererzähler Rafik Schami

Noch herrscht Friede in Syrien. Die italienische Botschaft in Damaskus bekommt 2010 ein Fass mit Olivenöl angeliefert, darin die Leiche eines Kardinals. Kommissar Barudi will das Verbrechen aufklären; Mancini, ein Kollege aus Rom, unterstützt ihn und wird sein Freund. Auf welcher geheimen Mission war der Kardinal unterwegs? Wie stand er zu dem berühmten Bergheiligen, einem Muslim, der sich auf das Vorbild Jesu beruft? Bei ihrer Ermittlung fallen die beiden Kommissare in die Hände bewaffneter Islamisten. Rafik Schamis neuer Roman erzählt von Glaube und Liebe, Aberglaube und Mord und führt uns tief in die Konflikte der syrischen Gesellschaft und in das berufliche Schicksal und die Liebe eines aufrechten Kommissars.

Portrait

Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren und lebt seit 1971 in Deutschland. 1979 promovierte er im Fach Chemie. Sein umfangreiches Werk wurde in 32 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so u.a. mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Preis "Gegen Vergessen - Für Demokratie" und dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis. Im Hanser Kinder- und Jugendbuch erschien u.a. Das ist kein Papagei (illustriert von Wolf Erlbruch, 1994), Die Sehnsucht der Schwalbe (2000), Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm (2003, illustriert von Ole Könnecke), Der Kameltreiber von Heidelberg (2006, illustriert von Henrike Wilson), Das Herz der Puppe (2012, illustriert von Kathrin Schärer), Meister Marios Geschichte (2013, illustriert von Anja Maria Eisen); im Erwachsenenprogramm des Verlages Die dunkle Seite der Liebe (Roman, 2004), Das Geheimnis des Kalligraphen (Roman, 2008), Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte (2011), Sophia oder Der Anfang aller Geschichten (Roman, 2015) und Die geheime Mission des Kardinals (Roman, 2019) Im Herbst 2019 folgte sein Bilderbuch Elisa oder Die Nacht der Wünsche (illustriert von Gerda Raidt).

Pressestimmen

"Ein sehr lesenswerter Kriminalroman vom Meistererzähler Rafik Schami." Denis Scheck, SWR Lesenswert, 26.09.19

"Dass die Bibel an 72 Stellen zur Gewalt aufruft, und damit mehr als der Koran, lässt sich aus diesem auch sonst sehr einsichtsreichen Krimi über ein Verbrechen in einem verbrecherischen Staat erfahren." Denis Scheck, Tagesspiegel, 15.09.19

"Schami schildert ein Land unter der Knute eines unbarmherzigen Regimes, das seinen Bürgern die Luft zum Atmen und die Fähigkeit zu denken nimmt. Und genau das ist es auch, was seinen Roman so lesenswert macht. ... Es macht Spaß, sich Schamis bedächtigem und manchmal orientalisch-ausuferndem Erzählfluss hinzugeben und den beharrlichen, immer wieder ins Leere laufenden Aufklärungsversuchen der beiden Kommissare zu folgen." Petra Pluwatsch, Frankfurter Rundschau, 13.08.19

"Rafik Schamis neuer Roman ist nur vordergründig ein Krimi. ... Zwischen den Zeilen analysiert der Deutschen liebster Syrer die Mechanismen von Diktatur und wie ein System die Menschen verändert. ... Zwischen sinnfrohe Elogen auf die italienische wie auf die syrische Küche schleichen sich messerscharfe, beklemmende Analysen." Dagmar Gilcher, Die Rheinpfalz, 16.08.19

"Der Meistererzähler Rafik Schami überrascht mit einem unterhaltsamen Krimi über einen seltsamen Heiligen mit Wunderkräften, den Alltag in der uralten Stadt Damaskus vor dem Bürgerkrieg und die Abgründe der Assad-Diktatur." Denis Scheck, Der Tagesspiegel, 11.08.19

"Nicht einfach nur ein spannender Krimi. Schami beschreibt mit Liebe zum Detail die Verhältnisse in Syrien. ... Das farbenprächtige Gesamtbild, das er von syriens Gesellschaft zeichnet, setzt er zum Teil aus den einzelnen Geschichten seiner Romanfiguren zusammen. Er geht bei jedem der wichtigen Charaktere in die Tiefe, erzählt von ihrer Vergangenheit, ihrem Leid und der Liebe." Wieland Schneider, Die Presse, 30.07.19

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 06.08.2019

Das große Fressen auf der Ölspur
Rafik Schami schickt einen Kommissar ins politisch explosive Vorkriegs-Syrien: Als Krimi etwas lahm, als landeskundliche Liebeserklärung aber märchenhaft spannend

Syrien ist eine Wunde, ein einfach nicht heilendes Mal gleich über dem Herzen aller leidenden Liebhaber des Vorderen Orients. Damaskus, Aleppo, Idlib, stolze, uralte Schönheiten, in den Staub gedrückt durch gewaltsames Machtstreben von allen Seiten. Nach Jahrzehnten des diktatorischen Absolutismus ("Wir sind bis in die kleinste Zelle der Gesellschaft hinein terrorisiert und korrumpiert"), nach acht Jahren eines selbstzerstörerischen Bürgerkriegs, der viele Paten und Nutznießer hat ("Was aber ist der Islamismus anderes als ein Aberglaube, an dem Millionen heimlich oder offen hängen?"), fehlt selbst den visionärsten Beobachtern wie dem aus Damaskus stammenden, seit einem halben Jahrhundert in Deutschland lebenden Rafik Schami jede Hoffnung auf eine friedliche Zukunft des Landes. Vielleicht auch deshalb schickt er seine Protagonisten nun in den Februar 2011 zurück, unmittelbar vor Ausbruch der Proteste gegen Machthaber Baschar al Assad, als wenigstens die Häuser noch standen und so etwas wie geduckter Alltag möglich schien.

Dass die politische Situation bereits damals hochkomplex und explosiv war, wird schnell deutlich, denn der aufrechte, kurz vor der Pensionierung stehende, seit dem frühen Tod seiner Frau melancholische, aber der Liebe noch nicht ganz abgeneigte Kommissar Barudi, ein Christ, der den brutalen Mord an einem italienischen Kardinal aufklären soll, muss zunächst einmal wichtige Verbündete finden, um in einem Land mit nahezu allmächtigem, raffiniertem Geheimdienst überhaupt ermitteln zu dürfen. Das gelingt ihm, indem er die Botschaften Italiens und des Vatikans mit ins Boot holt. Bald gilt die Aufklärung der Tat als Staatsaktion, schließlich braucht Syrien gute Beziehungen nach Westen. Berlusconis Italien schickt zur Verstärkung (und Absicherung) einen eigenen Kommissar nach Damaskus, den perfekt Damaszener Arabisch sprechenden Marco Mancini.

Während die schnell zu Freunden werdenden Polizisten sich in zahllosen Unterhaltungen über die vom Aberglauben bis zur Korruption einander häufig ähnelnden Sitten ihrer Länder austauschen, rekonstruieren sie, was der Kardinal eigentlich in Syrien zu suchen hatte. Die offizielle Version der geheimen Mission ist bald entschlüsselt: Der abgeklärte Geistliche sollte einen zwar muslimischen, aber Jesus verehrenden "Bergheiligen" im Norden des Landes hinsichtlich seiner vielfach bezeugten Heilkräfte überprüfen, denn mächtige Interessenten innerhalb des Vatikans machten sich für dessen Anerkennung als Heiliger stark. Die im Norden sich ausbreitenden Islamisten könnten daher etwas mit dem Angriff zu tun haben, aber ein Motiv ließe sich auch anders finden. Diese Anlage des Romans erlaubt es dem Autor, mühelos und anhand wahrer Schauplätze wie des jesuitischen Klosters Dair Mar Musa al-Habaschi (der leitende Pater wurde vor sechs Jahren vom IS verschleppt) zum metaphysischen Überbau des multikonfessionellen Landes vorzustoßen. Islamische, alawitische und christliche Perspektiven treten dabei miteinander ins Gespräch. Der Geheimdienst hört mit.

Hier blüht der Autor auf, lässt sein aufgeklärtes Alter Ego in Tagebuchnotizen und Dialogen Kritik am autoritären Islam (etwa an der Verschleierung: "tiefste Stufe dieser Niederlage") ebenso üben wie am Pakt der Alawiten mit der Macht und an der Überheblichkeit des römischen Klerus. So wird die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. zum Thema: Der ermordete Kardinal hatte den unklug scharfen Papstworten im Jahr 2006 widersprochen, was den Anhängern Mohammeds doch gefallen müsste.

Dass jedoch alle Beteiligten vom Scheich bis zum Mafiaboss offenherzig ihre jeweiligen Ansichten ausbreiten, führt nicht nur zu ziemlich papiernen Dialogen, sondern auch zu einem Glaubwürdigkeitsproblem, das beinahe alle Figuren außer dem Protagonisten betrifft. Besonders konstruiert wirkt ein junger, mit Barudi auf spezielle Weise verbundener Islamist, der als Emir eine bedeutende Position in der Hierarchie des Terrors einnimmt und zugleich durchdrungen sein soll von fast kindlichem Gerechtigkeitssinn. Selbst hier, soll das heißen, zähle der Einzelfall.

Wir kennen Barudi bereits aus dem großen westöstlichen Epos "Die dunkle Seite der Liebe" (2004). Während aber das kriminalistische Element in diesem Roman ganz zurücktrat zugunsten einer vielschichtig ornamental erzählten "Romeo und Julia"-Parabel vor syrischem Sippen-Tableau, erhebt Schami diesmal die - wenn auch letztlich aufgrund des inneren Widerspruchs (es gibt nichts Wahres im Falschen) zerstiebende - Kriminalhandlung tatsächlich zum Romangerüst. Und das war keine sonderlich gute Idee, denn als Krimi liest sich das von Abschweifung zu Abschweifung eilende, kaum wirkliche Überraschungen bereithaltende und stilistisch leicht onkelhafte Werk ("Er rief sie kurz vor acht an, wie immer mit einem Scherz auf den Lippen") doch eher mühselig. Alles dauert ewig.

Freilich ist es dem für seine narrative Sinnlichkeit bekannten Autor auch mehr darum zu tun, ein bei aller Zerrissenheit lebendiges Vorkriegssyrien auferstehen zu lassen, ein Land der Kaffeehausschwärmer und Schlitzohren, auch der Doppelmoral, des Opportunismus und der Brutalität. Sinnlichkeit, das heißt hier Farbenspiel, scheherazadeartiges Erzählen zum Anfassen und Liebe in allen Spielarten, auch und gerade der verzweifelten und der körperlichen. Mehr als alles andere aber geht Sinnlichkeit bei Rafik Schami durch den Magen. Literweise schlürfen die Protagonisten Kardamom-Mokka und Wein (wir befinden uns meist unter Christen), unablässig wird gemampft. Ganze Wagenladungen von Hummus verdrücken die Hauptfiguren. Wer sich liebt, bekocht sich. Dazu passt, dass das Mordopfer in Olivenöl eingelegt aufgefunden wurde und dass noch die letzten Sätze des Buches von unbändigem Hunger handeln.

Es reicht mitunter bis an die Grenze der Parodie, wenn jeder zehnte Satz sich in Gastroführerhymnik auf leibliche Genüsse bezieht, wenn selbst unter widrigsten Bedingungen immer wieder der Appetit des Kommissars thematisiert wird, wenn ein Mann beim Falafelverputzen "stöhnte vor Genuss" oder der italienische Gast im "Imbiss Sindbad" durch Geschmacksnervenkitzel "einem Orgasmus" nahe kommt. Man versteht dabei schnell, was man verstehen soll. Etwa, dass das Essen in arabischen Ländern eine noch größere soziale Bedeutung hat als in Italien. Dass die damit eng verwandte Gastfreundschaft eine der höchsten Tugenden in der arabischen Kultur ist. Auch deshalb ist Barudi, ein Stoiker der Werte, so sehr daran interessiert, der Ölspur zu folgen und den Mord an einem Gast aufzuklären - kurz bevor das ganze Land einem bis heute anhaltenden Mordrausch verfällt.

Der Bergheilige, der sogar seine Fürze als Heilmittel verkauft, ist übrigens ein gerissener Knilch. Er hat als Scharlatan allerlei Wandlungen durchgemacht, mal animalische Lust gepredigt, dann wieder Enthaltsamkeit, und er hat sich stets mit den Mächtigen arrangiert. Den Ungebildeten flunkerte er vor, er müsse die Bräute vor der Brautnacht innerlich reinigen: Die Menge brachte ihm ihre Jungfrauen. Damit hat Rafik Schami denn doch ein recht gelungenes Sinnbild für jene Sorte entrückter Machthaber geschaffen, die gerade in arabischen Gesellschaften so prächtig zu gedeihen scheinen. Auch sie haben Appetit. Sie fressen die Hoffnung und die Würde.

OLIVER JUNGEN

Rafik Schami: "Die geheime Mission des Kardinals". Roman.

Hanser Verlag, München 2019. 432 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Guter Roman den ich mir aber spannender vorgestellt hätte
von Anonym - 09.10.2019
Ich bin hin und hergerissen was ich von dem Buch halte. Irgendwie hat es mir gefallen, andererseits waren mir einfach zuviel Personen darin verwickelt die einfach nur geredet haben. Vielleicht konnte ich auch mit dem Thema nicht allzuviel anfangen. Die Handlung laut Beschreibung fand ich sehr interessant. Kommissar Barudi soll bevor er in Pension gehen kann den Mord an einem Kardinal aufklären. Die Leiche wurde in einem Ölfass an die italienische Botschaft geliefert. Das sorgt natürlich für Aufregung. Allerdings hatte ich mir einen spannenden Krimi oder Thriller vorgestellt, das ist der Roman leider nicht. Barudi und der aus Italien gesandte Commissario Mancini sind viel in Syrien unterwegs und man erfährt auch viel über das Leben und die politische Sitation in Syrien. Ich fand das Buch gut geschrieben und ich wollte auch wissen wie es ausgeht, habe mir aber während des Lesens ab und zu gewünscht ich hätte mir ein anderes Buch ausgesucht.
Ein Roman, der absolute Sehnsucht nach Syrien in mir weckte
von Anonym - 15.09.2019
Damaskus, 2010. Die Leiche eines Kardinals wird in einem Ölfass versteckt in die italienische Botschaft geliefert. Nun soll Kommissar Barudi mit Fingerspitzengefühl den Fall aufklären. Um Syriens guten Willen zu beweisen, wird der italienische Kommissar Mancini zu dem Fall hinzugezogen. Gemeinsam beginnen die beiden die Ermittlung, wer hinter dieser Tat stecken könnte und was die eigentliche Mission des Kardinals gewesen sein könnte. Für mich war "Die geheime Mission des Kardinals" das erste Buch von Rafik Schami. Andere, von ihm publiztierte Titel sind mir zwar bekannt gewesen, aber ein Buch wirklich in die Hand genommen und gelesen habe ich bisher nicht. Sehr zu meinem Leidwesen, denn dann hätte ich schon längst in den Genuss des wunderbaren Schreibstils des Autors kommen können! So aber bleibt mir der Trost, die Bücher nun nach und nach auf mich für entdecken zu können. Ich verliebte mich schon nach den ersten paar Kapiteln in Damaskus. Eine Stadt, von der viele aus meinem Bekanntenkreis nun immer sehr wehmütig schwärmen. Und auch mir versetzte es immer wieder Stiche ins Herz bei dem Gedanken an Syrien so, wie es heutzutage ist. Die Liebe des Autors zu diesem Land ist in jeder Zeile spürbar und steckte mich sofort mit Fernweh an. Auch die vielen Beschreibungen des regionalen Essens regten nicht nur meinen Appetit an, sondern trugen sehr viel zu dem authentisch geschilderten Bild von Syrien bei. Doch wird hier kein weichgezeichnetes Bild betrachtet durch eine rosarote Brille von Syrien gemalt. Ganz im Gegenteil, immer wieder äußert sich Kommissar Barudi sehr gesellschaftskritisch, vor allem im Bezug auf die Machenschaften des syrischen Geheimdienstes. Korruption, Vertuschung und Verleumdung spielen eine ebenso große Rolle wie der arabische Mokka mit Kardamom. Die Charaktere gefielen mir allesamt wirklich gut. Allen voran natürlich Kommissar Barudi und Mancini, doch auch die Assistenten von Barudi, Ali und Nabil, konnten mich überzeugen. Die Charaktere besaßen Alleinstellungsmerkmale und Charaktertiefen, obwohl viele von ihnen nur wenig Auftritte hatten. Schreiben kann der Autor einfach wahnsinnig gut, das Können ist absolut spürbar und eine wahre Freude beim Lesen gewesen! Auch die Handlung konnte mich in ihren Bann ziehen und phasenweise begeistern. Auf Grund des Klappentextes und der Thematik kann man einen Krimi erwarten, doch wie bereits auf dem Cover kenntlich gemacht handelt es sich mehr um einen Roman mit gewissen Zügen, die an einen Krimi erinnern. Obwohl ich die Handlung an sich wirklich gut und schlüssig fand, so gab es im letzten Drittel Szenen, die für mich überhaupt nicht zur eigentlichen Handlung und Art des Romans passten und mich etwas aus dem Lesefluss rissen. Lange grübelte ich über die wahre Authentizität dieser Szenen nach, komme aber nun wirklich zu dem Schluss, dass mir diese Art einfach nicht gefiel und die Szenen mir zu sehr aus der Rahmenhandlung fielen. Schade, eine andere Szenenkonstellation hätte für mich das Highlight unter den Romanen dieses Jahr bedeutet. So ist das Buch nun keineswegs schlecht - ganz im Gegenteil! Doch die Euphorie, die ich in den Kapitel vor diesen Szenen verspürte, konnte einfach nicht widererweckt werden. Dies ist definitiv nicht das letzte Buch von Rafik Schami für mich gewesen!
Tiefe Einblicke
von Julia Lindner - 15.09.2019
Die italienische Botschaft in Damaskus bekommt ein Olivenfass geliefert. Darin findet sich die Leiche eines Kardinals, der auf geheimer Mission in Syrien unterwegs war. Der syrische Komissar Barudi ermittelt in Zusammenarbeit mit seinem italienische Kollegen Mancini und fallen dabei islamistischen Terroristen in die Hände. Wenn ich eine solche Buchbeschreibung lese, muss ich unwillkürlich sofort an Dan Brown und atemlose Verbrecherjagden durch die halbe Weltgeschichte denken. Das wäre aber im Falle von Rafik Schamis Buch vollkommen falsch gedacht. Ja, es gibt diesen ominösen Mord, den Barudi, kurz vor seiner Pensionierung stehend, auch aufklären will. Er dient aber leider eher als Erzählkonstrukt, an dem zahlreiche Aspekte der syrischen Kultur und Mentalität aufgehängt werden. Man erhält Einblicke in die Kochkunst des Landes ebenso wie in politische Verwaltungsstrukturen und sämtliche Glaubensgemeinschaften, die in Syrien offenbar nicht nur zahlreich sind, sondern sich auch überwiegend feindlich gegenüberstehen. Teilweise fehlte mir einfach der rote Faden, der angesichts der Detailverliebtheit des Autors bitter nötig gewesen wäre. Die Lösung des Falles gerät mehr und mehr in den Hintergrund und wird zum Ende des Buches hin doch recht stiefmütterlich behandelt und irgendwie undurchsichtig aufgelöst. Ganz furchtbar fand ich auch die Beschreibung der einzelnen Figuren bzw deren Interaktion. Zum einen die Jovialität, mit der Vorgesetzte ihre Untergebenen behandeln, fand ich sehr unangenehm und die Liebesgeschichte des jahrelang verwitweten Komissars, der urplötzlich dank eines Gespräches die große Liebe zu einer Frau wiederentdeckt? An der Stelle hatte man den Anschein, als wäre angesichts der Fülle an (manchmal nebensächlichen) Informationen kein Platz mehr für die Entwicklung einer Beziehung gewesen (zumal sie für die Geschichte auch vollkommen unnötig war). Fazit: Das Buch lebt und atmet den Dreck und Staub Syriens auf jeder Seite. Ob dafür aber der Kriminalfall nötig gewesen wäre, bleibt für mich fragwürdig. Rafik Schami ist nicht ohne Grund als begnadeter Geschichtenerzähler bekannt und nicht als Krimiautor!
Mehr Gesellschaftsstudie als Krimi
von Isa - 09.09.2019
Das Buch Die geheime Mission des Kardinals spielt im Jahr 2010 und beginnt mit dem Leichenfund eines Kardinals in einem Olivenölfass, dass an die italienische Botschaft in Syrien geliefert wurde. Der Kommissar Barudi soll ermitteln, wer ihn ermordet hat. Um dieser Auflösung näher zu kommen ist es auch wichtig herauszufinden, was die geheime Mission des Kardinals war. Auf der Suche nach der Wahrheit erhält Barudi Unterstützung von dem italienischen Kommissar Mancini. Themen im Zuge der Ermittlungen sind die katholische Kirche, Wunderheilung/Aberglaube, sowie die Machtverhältnisse inklusive Korruption in Syrien. Barudi und Mancini kommen sich sehr schnell näher, sind auf einer Wellenlänge und es entwickelt sich eine Freundschaft. Im Buch erfährt man über Tagebucheinträge von Barudi einiges über seine Vergangenheit. Nicht passend fand ich, in welch schnellem Tempo sich die Liebesgeschichte zwischen Barudi und Nariman entwickelte; während die Ermittlungen sich langsam und zäh hinzogen. Aufgrund der Leseprobe hatte ich einen Krimi erwartet, aber dieses Buch ist eher eine Gesellschaftsstudie Syriens mit Beschreibungen des Landes, der Bevölkerung, des Alltags. Die Spannung fehlte mir, aber der Roman brachte einen die Welt Syriens ein Stück näher mit einem poetischen Schreibstil, der sich allerdings häufig auf die Handlungen langatmig auswirkte. Die vielen Charaktere wurden ausführlich dargestellt, störend fand ich dagegen, dass etliche Dinge mehrmals erwähnt wurden.
Fesselnder Gesellschaftsroman
von bookloving - 07.09.2019
Mit seinem neuen Buch "Die geheime Mission des Kardinals" hat der in Damaskus geborene, deutschsprachige Erfolgsautor Rafik Schami eine großartigen Gesellschaftsroman mit einem fesselnden kriminalistischen Hintergrund geschaffen, der im noch friedlichen Syrien von 2010, kurz vor Ausbruch des Bürgerkriegs angesiedelt ist. Schami ist ein fesselnder, farbenprächtiger Roman gelungen, der neben den interessanten Ermittlungen zum äußerst brisanten Kriminalfall rund um den Mord an dem italienischen Kardinal auf seiner Geheimmission in Syrien auch viel vom Alltagsleben in Syrien, von Religion, Aberglauben und der Liebe erzählt. Schami erweist sich erneut als ein begnadeter Erzähler und sein wundervoller, sehr blumiger Schreibstil konnte mich sehr begeistern. Auch wenn seine oft verschachtelte, ausschweifende Erzählweise dem Leser einiges an Aufmerksamkeit und Geduld abverlangt, machen gerade diese kleinen Einschübe und bisweilen belanglos wirkenden Episoden das besondere Flair dieser Geschichte aus und fügen sich allmählich zu einem faszinierenden Gesamtbild zusammen. Sehr einfühlsam und kenntnisreich zeichnet Schami ein facettenreiches und sehr authentisches Bild seiner ehemaligen Heimat - ein Land fest in der Hand eines totalitären, ausbeuterischen Regimes - und fängt gekonnt den bunten, lebendigen Alltag in Damaskus ein. Geschickt gewährt er uns sehr anschauliche Einblicke in die syrische Gesellschaft, die in ständiger Angst vor dem brutalen Geheimdienst und seinen Repressalien lebt, von Aberglauben geprägt ist und eine faszinierende Mischung unterschiedlichster Religionen von den verschiedenen Glaubensrichtungen des Islam und des Christentums in sich vereint. FAZIT Gelungener Gesellschaftsroman mit einem fesselnden kriminalistischen Hintergrund!
Mokka mit Kardamon
von Ecinev - 01.09.2019
Glaube versezt selten Berge, Aberglaube immer ganze Völker. Ein italienischer Kardinal wird auf geheimer Mission in Syrien ermordet. Von Glaube und Liebe, Aberglaube und Mord erzählt dieser farbenprächtige Roman. Besser kann man das Buch von Rafik Schami nicht beschreiben. Der letzte Fall für Kommissar Barudi bevor dieser in den Ruhestand geht hat es in sich. Die italienische Botschaft in Damaskus erhält ein Fass Olivenöl geliefert. Doch statt Öl befindet sich die Leiche eines Kardinals der bis vor kurzem Gast in der Botschaft war bevor er zu einer geheimnisvollen Mission in den Norden des Landes aufgebrochen war. Was hat ein italienischer Kardinal im Norden Syriens zu suchen, bei der Beantwortung dieser Frage stößt Barudi auf etliche Hindernisse. Gemeinsam mit einem italienischen Kollegen gelingt es den beiden schließlich die wahren Täter zu entlarven und müssen am Ende erkennen dass das Ansehen des Staates doch über der Gerechtigkeit steht. In einem beeindruckenden, fast blumigen Schreibstil beschreibt Schami das gesellschaftliche Leben in Syrien am Vorabend des Krieges. Man genießt dieses Buch am besten mit einem heißen Mokka mit Kardamon.
Etwas enttäuschend
von Pedi - 27.08.2019
Das neue Buch von Rafik Schami Die geheime Mission des Kardinals startete mit einer gehörigen Portion Sympathievorschuss für den Autoren. Wenige Schriftsteller sind mir so freundlich und herzlich begegnet wie der seit 1971 in Deutschland lebende, aus Damaskus stammende Schami. Sein Roman Die dunkle Seite der Liebe von 2004 hat mir einst sehr gut gefallen. Aber bereits mit Sophia oder Der Anfang aller Geschichten (2015) hatte ich so meine Schwierigkeiten. Nun sollte eine der Figuren aus Die dunkle Seite der Liebe erneut eine Rolle spielen, und zwar die zentrale als Ermittler in einem undurchsichtigen Kriminalfall, Kommissar Barudi. Dieser steht kurz vor der Pensionierung als die Leiche eines Kardinals aus dem Vatikan in einem Ölfass an die italienische Botschaft in Damaskus geliefert wird. Es ist das Jahr 2010, also noch vor Ausbruch des Bürgerkriegs, und um politische Turbulenzen zu vermeiden, wird Barudi ein italienischer Ermittler, Marco Marcini, an die Seite gestellt. Es geht um religiösen Irrsinn, Aberglauben, Wunderheiler, Geschäfte mit der Religion - und zwar sowohl auf christlicher als auch muslimischer Seite, und um Syrien, zerrieben wird zwischen Islamisten und der Diktatur Baschar Hafiz al-Assads. Schami trauert über und um seine ehemalige Heimat, das merkt man in jeder Zeile. Mit seiner ausufernden Fabulierkunst beschreibt er Land und Leute und vor allem auch die Küche. Das ist farbenprächtig, aber oft zu ausufernd. Daneben plätschert die Krimihandlung vor sich hin. Politische Botschaften sind vor allem in den die Erzählung unterbrechenden Tagebuchnotizen Barudis verpackt. Oft aber auch in gänzlich konstruierten Dialogen. Zu viel Erklärung wird da hineingepackt. Die Männerfreundschaft zwischen den Ermittlern  ist reichlich betulich, die Liebesgeschichte Barudis mit seiner Nachbarin unglaubwürdig und kitschig. Lesen kann man das Buch trotzdem gut. Es ist unterhaltsam und sympathisch wie sein Autor.
Ein Krimi mit Hintergrund
von Caroas - 24.08.2019
Ein Kardinal aus dem Vatikan wird in Damaskus ermordet. Barudi wird beauftragt diesen internationalen Fall aufzuklären. Zusammen mit Mancini einem italienischen Kriminalbeamten macht er sich auf, den Fall zu enträtseln. Da Syrien ein Präsidentenstaat ist, ist dieser Auftrag sehr heikel. Man lernt das Leben in und rund Damaskus kennen. Die Lebensweise sowie die Gedanken der Menschen in einer Diktatur. Rafik Schami bringt uns dieses Land und ihre Werte mit diesem Krimi näher und denkt dabei leise nach, warum das Volk so ist. Fazit, ein Krimi der einen auch zum Nachdenken bringt, leise auf die Probleme in einer Diktatur hinweist und die Probleme die Menschen haben, die einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben. Auf jeden Fall lesenswert.
Barudis Suche nach der Wahrheit
von Miss Marple - 23.08.2019
Nach über 40 Jahren im Polizeidienst bereitet sich Kommissar Barudi auf seine Pensionierung vor. Eigentlich hofft er auf ein paar ruhige Wochen bis dahin, doch die Leiche eines italienischen Kardinals macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Doch seine Ermittlungen kommen nicht richtig voran, bis ein italienischer Kommissar nach Syrien kommt und mit ihm gemeinsam auf der Suche nach dem Mörder geht. Beide verbeißen sich in den Fall und bringen sich dadurch in große Gefahr. Der Autor führt uns ins Jahr 2010, der Bürgerkrieg in Syrien hat noch nicht seine Spuren im Land hinterlassen und es gelingt ihm durch die Schilderung gesellschaftlicher Zusammenhänge, dem Leser die Vorboten der Katastrophe aufzuzeigen. Er zeichnet authentische Figuren mit all ihren Ecken und Kanten, er schreckt nicht davor zurück, über Korruption und Vetternwirtschaft zu schreiben, über Glaube und Irrglaube, Liebe und Verrat. Das Buch ist mehr als nur ein Krimi und absolut empfehlenswert.
Spannend, manchmal leider etwas zäh
von Lexa - 21.08.2019
Die Aufmachung des Buches hat mich von Anfang an überzeugt, ebenso der sehr angenehm zu lesende Schreibstil Rafik Schamis. Man taucht ein in die Welt Syriens, geprägt von Korruption und religiösem Fanatismus. Hauptkommissar Barudi ist ein gescheiter, sympathischer und sehr authentischer Charakter - der natürlich wie in vielen Kriminalromanen üblich eine schwierige Vergangenheit mit sich bringt. Seine Tagebucheinträge die immer wieder zwischengeschoben werden, lassen ihn ungemein menschlich erscheinen. Er wirkt jedoch in der rauen Alltagswelt Damaskus manchmal etwas sehr weich und verletzlich. Auch sein italienischer Kollege ist aus ähnlichem Holz geschnitzt. Zusammen ermitteln sie, überraschend harmonisch, an dem Mord eines italienischen Kardinals, der auf einer brisanten Mission gewesen zu sein schien. Hier zeigt der Autor ausführlich die Zusammenhänge zwischen den beiden Ländern, schweift hierbei aber manchmal etwas zu sehr aus. An manchen Stellen holt er mit seinen Details etwas zu sehr aus und verliert sich in Nebenerzählungen. Das verlangsamt und erschwert den Lesefluss leider ein bisschen. So war es an manchen Stellen teilweise mühsam durch die Seiten zu kommen. Dennoch entwickelt der Fall sich in eine sehr brisante Richtung und es macht Spaß den beiden Kommissaren bis zum Schluss zu folgen. Denn Rafik Schami schreibt herrlich trocken und amüsant, so dass man das ein oder andere Mal doch schmunzeln muss. Ein vielschichtiges Buch in der es viel um Glauben und Aberglaube geht und ein gutes Bild der syrischen Gesellschaft von 2010 gibt. Durch die etwas zähen Stellen gibt es leider einen Stern Abzug.
Verbindet spannend die Welten
von nil_liest - 16.08.2019
Für mich einer DER Autoren unserer Zeit, ein Kosmopolit, ein Weltbürger, ein Erzählkünstler mit Meinung und Haltung: Rafik Schami! Ich habe ihn einmal live erleben dürfen und habe seitdem seine Stimme von dieser Lesung und dem daran angeknüpften Interview im Ohr. Ich erwähne es nur, da es meine Art seine Romane zu lesen massiv beeinflusst hat. Ich lese seine Roman förmlich mit seiner Stimme im Kopf. Seine sehr spezielle ruhige Taktung und sein Akzent, wunderbar! Zum Roman, der neuste Roman "Die geheime Mission des Kardinals" verbindet seine reiche Erzählkunst wieder einmal mit einer überzeugend guten Geschichte. Wir werden nur ein paar Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt, Damaskus 2010, Vorkriegszeit. Die Leiche eine Kardinals wird in einem Ölfass an die italienische Botschaft geliefert -der Schreck ist groß. Wir lernen den syrischen Kommissar Barudi vor Ort kennen, der bald unterstützt wird von Mancini aus Rom. Die beiden gehen auf die Suche warum der Kardinal sein Leben lassen musste. "Die geheime Mission des Kardinals" ist spannend, geheimnisvoll und mit so viel Menschenkenntnis geschrieben, dass ich als Leser immer das Gefühl hatte die Charaktere förmlich vor Augen zu haben. Klar, dieser Roman von Rafik Schami ist kein schmaler Roman und auch mit ausführlichen Beschreibungen geschmückt. Das führt zu diesem Schwergewicht mit über 400 engbedruckten Seiten. Daher rate ich nur zu diesem fast märchenhaft erzähltem Roman nur, wenn man als Leser gerne in eine andere Welt eintauchen und sich gerne vom dem Text tragen lassen. Es ist schon ein Roman zu dem man sich Zeit nehmen sollte um viele Seiten am Stück zu lesen, sonst kommt man nicht in den Lesefluss und in der Geschichte an. Fazit: Ein spannender Roman der die Welten verbindet und zugleich unterhaltsam ist!
Einblick in die syrische Seele
von dj79 - 16.08.2019
"Die geheime Mission des Kardinals" ist nicht nur ein sanft langsamer, sehr nachdenklicher Krimi. Der Roman ist noch vielmehr. In einer philosophisch anmutenden Betrachtungsweise geht er auf diverse Elemente bzw. Erscheinungen der syrischen Kultur ein. Kleine sympathische Angewohnheiten wie das Mokka-Trinken in allen Lebenslagen gehören genauso dazu wie auch hoch politische Themen, wie zum Beispiel die Ursachen des Terrorismus. Der Roman macht uns zudem bewusst, dass wir Europäer aus Unwissenheit zwangsläufig mit Muslimen anecken müssen. Wir kennen weder die verschiedenen Glaubensrichtungen, geschweige denn ihre Bedeutung und ihr Verhältnis untereinander, noch ahnen wir den Stellenwert, den der Aberglaube für die Menschen einnimmt. Darüberhinaus dürften den meisten von uns die Zusammenhänge in totalitären Systemen völlig fremd sein. Mit seinem Krimi gewährt uns Rafik Schami einen Einblick in die syrische Seele. Vor dem gesellschaftspolitischen Hintergrund ermitteln nun der syrische Kriminalbeamte Barudi und der Italiener Mancini in einem heiklen Fall. Ein Kardinal wurde ermordet und in einem Fass Olivenöl an die italienische Botschaft in Damaskus übergeben. Beide sind ruhige, mir sehr sympathisch erscheinende Zeitgenossen, die sich gegenseitig perfekt ergänzen. Während Barudi durch seine langjährige Laufbahn bei der Kriminalpolizei sich bestens im Umgang mit Geheimdienst und Politik auskennt, ist Mancini mit einer Kombinationsgabe ausgestattet, die den beiden mit unorthodoxen Maßnahmen so manche Hintertür offen hält. Sie sind einfach ein perfektes Team. Als wären der komplizierte Fall und der gesellschaftliche Aspekt nicht genug für ein literarisches Werk, krönt Rafik Schami seinen Roman mit sehr weisen Äußerungen, die sich prima zum zitieren eignen. Am besten hat mir das Folgende gefallen, weil es nicht nur allgemeingültig ist, sondern sehr genau die Grundaussage des Romans wiedergibt: "Sobald Fanatismus die Seele erobert, verkommt das Wissen zur toten Information, die keinen Einfluss mehr auf die Seele hat. So ist es auch mit dem Wohlstand. [] Sobald er eine gewisse Grenze überschreitet, macht er die Menschen dumm. Da kannst du manchen von ihnen im Fernsehen Gurken oder leidende Kinder zeigen, sie reagieren immer gleichgültig." (S. 350) Fazit: Ich habe "Die geheime Mission des Kardinals" gern gelesen. Ich mochte sowohl den Augen öffnenden Charakter des Romans wie auch den Wechsel zwischen Kapiteln, die sich mit dem Fall beschäftigen, und Kapiteln, die Barudis Tagebucheinträge widerspiegeln. Die literarische Aufbereitung hat mich regelrecht in den Roman hineingezogen, obwohl es kein reißerischer Pageturner im wörtlichen Sinne war. Das durchgehend hohe sprachliche und inhaltliche Niveau finde ich dermaßen ansprechend, dass ich die Lektüre nur empfehlen kann.
Die tausendundein Einfälle des Kommissars Barudi
von von Beust - 13.08.2019
Rafik Schami ist als guter Geschichtenerzähler bekannt. Das stell er auch in "Die geheime Mission des Kardinals" unter Beweis: Opulent, mit Charme und Witz gleitet die Geschichte dahin: Der damaszenische Kommissar Barudi muss gemeinsam mit einem italienischen Kollegen den Mord an einem Kardinal aufklären, der sich aus zunächst unerklärlichen Gründen in den zerklüfteten Norden Syriens aufgemacht hat, um das Wirken eines Wunderheilers zu untersuchen. Nach "Sophia oder Der Anfang aller Geschichten" ist dies der zweite Roman, der im (nahezu) gegenwärtigen Syrien spielt, und erneut ist das Leben in der syrischen Diktatur das Leitmotiv des Roman: Wie sind Alltag, Beruf, Anständigkeit, Liebe und Meinungsäußerung in einer Diktatur möglich? Der "Kardinal" bedient sich hierbei der Kriminalgeschichte, um den Machtapparat des Assad¿schen Diktatur von innen darstellen zu können: Kommissar Barudi muss sich nicht nur mit dem Mord, sondern auch mit Geheimdiensten, Speichelleckern des Regimes und den allgemeinen Zwängen des Unrechtsstaates herumschlagen. Sein Begleiter, der italienische Kommissar Mancini, ist hier nicht Gegenspieler, sondern liefert komplementäre Probleme des von Mafia und Korruption versuchten italienischen Polizeiapparates. Beide Kommissare sind die anständigen Ausnahmen hierzu. Erzählerisch bleibt Schami, der bisher nicht als Kriminalautor aufgefallen ist, bei seinem orientalischen Muster, vieles darzustellen, als würde es mündlich vorgetragen, In vielen Gesprächen - beim Friseur oder beim Essen - werden in Gesprächen Seitengeschichten erzählt, die das Bild des vergangenen und des gegenwärtigen Syriens zeichnen. Das hemmt zwar den Lauf der Handlung, die nicht unbedingt spannend ist, aber reichert die Lektüre ungemein an, denn man erhält ja nicht eine Geschichte, sondern "tausendundeine". Dennoch zeigt der Roman erhebliche Schwächen, die vor allem mit seiner Überfrachtung zu tun haben: Schami möchte Syrien am Vorabend des Bürgerkrieges zeigen. Dazu bedarf es der Rückblenden in das intakte Syrien, in die syrische Küche, das Gesetz der Gastfreundschaft, aber auch der Einblicke in den Machtapparat, den korrupten Sumpf, die Einschränkungen der Freiheiten; es braucht aber auch das Erstarken des Islamischen Staates in den Bergregionen, die ländliche Unzufriedenheit, den Wunderglauben. Man fragt sich mit Barudi: "Alles ist unwirklich: der Bergheilige, Sippenchef Scharif, die islamische Republik. Allmächtiger Gott, wie soll das enden?" (S. 365) Die Frage ist berechtigt, denn es kommt auch noch ein Verbrecherclan hinzu, der seine Krakenarme über das Mittelmeer ausgestreckt hat, eine christliche Wunderheilerin mit Scharlatananhang sowie - besonders überzogen - eine vatikanische Intrige in unmittelbarer Nähe zu Papst Benedikt XVI. Schami verarbeitet hier sicher auch seine Erfahrungen als Teil der christlichen Minderheit in Damaskus, aber weniger wäre mehr gewesen: Es gar kein Kardinalsrang vonnöten, um die Handlung in Gang zu setzen, In einer Etage darunter lässt sich Schamis These auch vorführen, nämlich: "Aberglauben als Massenerscheinung gedeiht am besten in elenden oder übersättigten Gesellschaften." In diesem Gedanken berühren sich der Islamische Staat dort und die Fake News in der westlichen Welt - und das ist ein guter Einfall. Ein Wort noch zu Kommissar Barudi: Die Figur des alten Kommissars, der unmittelbar vor dem Ruhestand seinen letzten Fall löst, ist so alt, dass er geradezu ein Stereotyp geworden ist. Diesen Mangel an Originalität gleicht Barudi aber selbst aus, denn seine Persönlichkeit wird so liebevoll, vielschichtig, warmherzig und menschlich erschaffen, dass sie problemlos über die Schwächen des Romans hinwegträgt. Es ist auch nicht schwer, in Barudi ein Alter Ego des Autors zu erkennen. "Die geheime Mission des Kardinals" ist nicht Rafik Schamis Meisterwerk und sicher auch nicht die beste literarische Verarbeitung des Assad-Regimes, aber ein sehr lesbares orientalisches, aufgeklärtes Kriminalstück.
Ein ganz wunderbares Buch!
von lesebiene - 13.08.2019
Meine Meinung: Rafik Schami zählt seit vielen Jahren zu einem meiner absoluten Lieblingsschriftstellern, die ich sehr für ihre Art Geschichten zu erzählen schätze... so auch dieses Mal. Auch wenn sich der syrische Schriftsteller laut der Genrebezeichnung des Kriminalromans, in neue literarische Regionen wagt, so ist dieses Buch doch so viel mehr, als ein klassischer Spannungsroman und vor allem enthält er den typischen Charme der herzlichen, ja fast schon märchenhaft atmosphärisch geprägten Erzählkunst, für die ich den Schriftsteller so schätze. Erzählt wird hierbei die Geschichte des Kommissar Barudi; der auf ein bewegtes auf den Straßen von Damaskus zurückblicken kann. Straßen, ein Stadt, die von Korruption und Intrigen geprägt ist, Schwierigkeiten, in denen der wahre Täter, nicht immer der gewünschte ist. Eine Stadt, die di ehrliche Ermittlungsarbeit erschwert und ein, der Barudi herausfordert. Rafik Schami zeichnet in seinem neuen Roman das Abbild einer korrupten Gesellschaft, verwebt einen spannenden und atmosphärisch erzählten Kriminalfall mit einer gehörigen und dennoch ohne erhobenen Zeigefinger erzählten Gesellschaftskritik, die uns Lesern einen Einblick in ein manchmal so fremdes und fernes Land bietet. Nebenbei erschafft er so authentisch gezeichnete, wie vielschichtige Charaktere, die stilistisch herausragend erscheinen und dem Leser so schnell nicht aus dem Kopf gehen werden. Dieses Buch ist weniger ein Kriminalroman, als viel mehr eine märchenhaft und versiert geschriebene Geschichte eine Stadt, eine Geschichte, die mit so viel Leben, Herz und Können geschrieben wurde, dass man sich nur in sie hineinfallen lassen kann und man wird begeistert sein. Mein Fazit: Rafik Schami kann Geschichten erzählen, wie kein anderer. Ein wunderbares Buch, welches mein Leserherz im Sturm erobern konnte!
Mord, Religionen und Wunderheiler
von denise - 11.08.2019
Der Autor Rafik Schami hat für seinen Roman als Hauptfigur Kommissar Barudi, der kurz vor seiner Pensionierung steht, ausgewählt. Sein Leben bestand aus verschiedenen Höhen und Tiefen. Bevor er sich in den Ruhestand verabschieden kann, gilt es allerdings noch einen letzten Fall zu lösen. Bei diesem handelt es sich um den Mord an einem italienischen Kardinal, der auf einer geheimen Mission in Syrien unterwegs war. Der Mord hat so viel politisches/religiöse Brisanz, dass händeringend alles dafür getan wird, dass der Mord und der dazugehörige Hintergrund nicht an die Presse gelangen. Dass der Roman aus der Sicht von Barudi erzählt wird, hat mir sehr gut gefallen. Auch fand ich die Idee, dass auch Tagebucheinträge von ihm im Buch enthalten sind, grundsätzlich sehr gut. Allerdings kam es insbesondere durch diese dazu, dass es Dopplungen gab und dadurch das Buch an mancher Stelle sehr langatmig wurde. Im Rahmen der Handlung wird auf negative Seiten von Religion und Aberglaube sowie auf die Bedeutung von verschiedenen Machtpositionen und ihrem damit verbundenen Einfluss eingegangen. Das Buch hat mir insgesamt, auf Grund der bildlichen Sprache sowie der teilweise enthaltenen auf den Punkt gebrachten Sprüche/Aussagen der enthaltenen Charaktere und der Geschichte an sich, gut gefallen. Allerdings ist es an mancher Stelle, insbesondere durch die Wiederholung von Inhalten, etwas langatmig.
Wer gegen das Unrecht kämpft, wird sich nie langweilen.
von Elisabeth B. - 11.08.2019
Zu Recht zählt Rafik Schami zu den großen zeitgenössischen, deutschsprachigen Autoren. In diesem Roman beweist er sein Vermögen, mit bildhafter Sprache, poetischen Elementen und teils salopper Ausdrucksweise umzugehen und darüber hinaus hieraus ein in sich stimmiges, mitreißendes Werk zu konstruieren. Auch Humor kommt in diesem Roman nicht zu kurz, wenn Barudi z.B. Mancini auf die Stirn küsst und sagt: "Gesegnet sie die Milch deiner Mutter. Sie hat ihren Zweck erfüllt." Insgesamt legt hier Schami ein abwechslungsreich zu lesendes und gleichzeitig lehrreiches Buch vor. Gemeinsam mit seinem italienischen Gefährten durchreist der Syrer ein Land, das den meisten Deutschen eher unbekannt sein dürfte. Gerade dieses macht einen großen Teil des Reizes dieses Romans aus. Man lernt große Städte wie Damaskus kennen, die fast schon europäisch wirken, findet sich wenig später in kleinen Dörfern wieder, deren Bevölkerung eher naiv und ungebildet erschient, und ist schließlich mit den Kommissaren zu Gast in einem Islamisten-Lager. Genau so bunt wie das Land sind auch seine Bewohner. Doch gerade Letzteres führt immer wieder zu Problemen. Insbesondere anhand des christlichen-syrischen Polizisten wird ersichtlich, welchen Einfluss religiöse Strömungen auf die syrische Gesellschaft haben. Doch nicht nur die Religion erschwert die Arbeit der Kommissare. Was nicht verwundert, hier aber klar und deutlich zu Tage tritt: Der Geheimdienst hat seine Augen überall, Beziehungen zählen mehr als Können, politisches Kalkül steht über jeder Gerechtigkeit. So überrascht es nicht, dass am Ende der intelligent konstruierte Kriminalfall zwar aufgelöst wird, sich für Barudi aber als Niederlage erweist. Der Roman wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Neben dem Erzähler in der dritten Person geben Barudis Tagebucheinträge einen guten Einblick in seine eigene Entwicklung, seine persönliche Sicht auf die Gesellschaft und nicht zuletzt in seine Einsichten in das Kriminalgeschehen. In Dialogen insbesondere mit Mancini, die einen großen Raum in diesem Werk einnehmen, werden Gesellschaft, Land und Verbrechen ebenfalls kommentiert und charakterisiert. Das Cover mit seiner arabischen Kalligrafie ist ein echter Hingucker und war auch das Erste, was mich dazu veranlasst hat, mir dieses Buch genauer anzuschauen. Die Hardcover-Ausgabe mit Lesebändchen ist hochwertig. Alles in allem hat Rafik Schami mit seinem Roman ein buntes Kaleidoskop der syrischen Gesellschaft geschaffen - verpackt in einen spannenden Kriminalfall. Ein Buch, das ich allen, die einmal etwas mehr über die syrische Gesellschaft erfahren und dabei mit Niveau unterhalten werden möchten, nur wärmstens empfehlen kann.
Ein aufschlussreiches Bild der syrischen Gesellschaft - verpackt in einen Krimin
von takabayashi - 10.08.2019
Ich hatte bisher noch kein Buch von Rafi Schamik gelesen, da kam es mir als bekennender Krimileserin sehr zupass, dass sein neuster Roman als Kriminalroman "getarnt" daherkam. Der mäandernde, opulente Erzählstil hat mir sehr gefallen und ich habe diesen Bericht aus dem Syrien des Jahres 2010 - kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges - mit großem Vergnügen gelesen. Wobei die Krimihandlung nicht im Vordergrund steht und somit auch der Spannungssog eines Pageturners fehlt; ich habe für meine Verhältnisse relativ lange für diesen Roman gebraucht, was aber nichts über das Lesevergnügen aussagt! Kommissar Barudi aus Damaskus steht kurz vor der Pensionierung, als er seinen letzten Fall auf den Tisch bekommt: In der italienischen Botschaft wurde ein Fass mit Olivenöl abgeliefert, in dem sich die Leiche eines aus dem Vatikan besuchsweise in Syrien weilenden Kardinals befand. Ein hochbrisanter Fall! Um sich abzusichern schlägt Barudi vor, einen italienischen Polizisten hinzuzuziehen. Ein Glücksfall, wie sich herausstellt. Kommissar Mancini hat Arabistik studiert, spricht also fließend Arabisch, und er und Barudi sind auf Anhieb auf einer Wellenlänge. Der Roman wechselt häufig die Perspektiven: mal wird in der dritten Person vom Fortschritt der Ermittlungen berichtet, mal erfahren wir durch Ausschnitte aus Barudis Tagebuch sehr viel über seine Persönlichkeit und Vorgeschichte. Auch Mancini und den dritten Verbündeten der beiden, den Spurensicherer Schukri, lernen wir recht gut kennen. Schamis Erzählweise ist ausufernd orientalisch, er kommt sozusagen vom Hölzchen aufs Stöckchen, aber gerade das macht den Reiz dieser Erzählweise aus und lässt vor dem Auge des Lesers ein Kaleidoskop der syrischen Gesellschaft mit all ihren Facetten entstehen. Einer Gesellschaft, die von der Angst vor dem allgegenwärtigen Geheimdienst geprägt wird, von unterschiedlichen Religionen und von Aberglauben. Barudi und Mancini machen sich auf zu einer Reise nach Norden, zu einem Bergheiligen, den auch der Kardinal aus Rom aufgesucht hatte. Dabei kommen sie durch das ländliche Syrien und werden schließlich von einer islamistischen Terrorgruppe gefangen genommen, dann aber von diesen beschützt. Mancini drängen sich immer wieder die Parallelen zwischen der mafiösen Gesellschaft Italiens und der geheimdienstverseuchten syrischen Gesellschaft auf. Barudi hat im Laufe der Erzählung eine neue Liebe, eine Witwe aus der Nachbarschaft, und in Mancini einen neuen guten Freund gefunden. Er schafft es, den Fall aufzuklären, auch wenn er die Art, wie mit seinen Ermittlungsergebnissen umgegangen wird, als persönliche Niederlage empfindet. Von nun an werde ich sicher noch mehr von Rafik Schami lesen - da habe ich wohl einiges nachzuholen. Durch die Lektüre dieses Romans habe ich sehr viel über Syrien erfahren und der Schreibstil hat mich begeistert. Klare Leseempfehung!
Ein syrischer Krimi mit vielen Facetten
von Hilal Türe - 09.08.2019
Zum Inhalt: An die italienische Botschaft in Damaskus wird ein Fass mit Olivenöl geliefert. Allerdings befindet sich darin auch die präparierte Leiche des Kardinals Cornaro. Dieser war auf einer geheimen Mission im Norden Syriens unterwegs. Kommissar Barudi, der kurz vor der Pensionierung steht, wird auf diesen für ihn letzten Fall angesetzt. Die Lage ist politisch so brisant, dass ihm der Kommissar Mancini aus Italien zur Seite gestellt wird, mit dem er sich innerhalb kurzer Zeit anfreundet. Gemeinsam stürzen sie sich in die Ermittlungen und versuchen in einer Welt voller Aberglauben und Wunderheiler den Täter zu finden, als sie plötzlich einer Gruppe von Islamisten in die Hände fallen... Meine Leseerfahrung: Ich war erstaunt, dass der Roman wie ein Krimi anfing, eine gewisse Erwartungshaltung hatte ich ohnehin nicht. Aus dem Krimi wurde sehr bald eine Geschichte über Politik, Religionen, die syrische Gesellschaft, die orientalische Küche und auch die Liebe. Rafik Schami ist ein grandioser Geschichtenerzähler besonderer Art. Er könnte über die banalsten langweiligsten Dinge erzählen und man würde ihm trotzdem mit Begeisterung zuhören. Besonders gefesselt haben mich die wundervollen tiefgehenden Charaktere. Auch die kleinste Nebenfigur wird mit viel Backgroundinfo vorgestellt und in die Story eingebettet, wobei so viele kleine Geschichten um diese Personen entstehen und den eigentlichen Kriminalfall in die Länge ziehen. Das ist aber nicht schlimm, sondern fesselt Einen als Leser umso mehr.  Die Ermittlungsarbeit der Kommissare läuft weiterhin und der Leser setzt mit den ganzen Hintergrundinformationen die einzelnen Puzzlestücke selbst zusammen.  Aber der Kriminalfall um den Kardinal ist hier nicht der einzige spannende Punkt. Vielmehr zeigt uns Rafik Schami ein Bild von Syrien in 2010, bevor der Bürgerkrieg ausgebrochen ist. Wir lernen dabei auch die Geschichte einzelner Islamisten kennen und wie sie überhaupt diesen Weg eingeschlagen haben. Und schließlich werden wir auch Zeugen einer frisch aufblühenden Liebe zwischen dem verwitweten Kommissar Barudi und seiner Nachbarin Nariman. Dieser Roman hat wahrlich viel zu bieten und wird jedem Thema auch gerecht. Fazit: Der grandiose Geschichtenerzähler Rafik Schami ist wieder vollkommen in seinem Element und bietet mit diesem Roman eine abwechslungsreiche spannende Story über einen mysteriösen Mordfall mit überraschenden Wendungen und vielen kleinen unterhaltsamen Abschweifungen. Absolut lesenswert!
von Anonym - 08.08.2019
Es ist ein komplizierter Fall, den Kommissar Barudi 2010 kurz vor seiner Pensionierung übernehmen muss. Der italienischen Botschaft wird ein Fass Olivenöl geliefert in dem sich die Leiche eines Kardinals befindet. Damit es nicht zu politischen Verstimmungen zwischen beiden Ländern kommt, bekommt Barudi Unterstützung von Mancini, einem italienischen Kollegen aus Rom. Die beiden Kommissare verstehen sich sehr gut und es entwickelt sich schnell eine gute Freundschaft zwischen ihnen. Sie versuchen herauszufinden auf welcher geheimen Mission der Kardinal unterwegs war und warum er den berühmten, muslimischen Bergheiligen aufsuchen wollte. Die Ermittlungen gestalten sich sehr schwierig und auch gefährlich, als die beiden in die Hände bewaffneter Islamisten geraten ¿ Der neue Roman von Rafik Schami ist mehr als ein spannender Kriminalfall. Er ist ein Gesellschaftsroman der tiefe Einblicke in die syrische Gesellschaft vor dem Bürgerkrieg gibt. Die beiden Kommissare sind sympathische und glaubhafte Charaktere denen ich sehr gerne auf ihrer Reise durch Syrien gefolgt bin. Im Roman lernt man viel über das Land und das Leben der Menschen. Die Sprache ist sehr bildhaft und Rafik Schami hat es geschafft dem Leser die Atmosphäre in Damaskus und auch in kleinen Dörfern auf dem Land zu vermitteln. Als die beiden Freunde in den von Islamisten besetzen Teil des Landes geraten, wird die Stimmung bedrückend und beängstigend. Es ist auch erschreckend zu erfahren, dass die Bevölkerung Rat und Hilfe bei Wunderheilern und Scharlatarnen sucht. Der Aberglaube spielt eine große Rolle im Leben der Menschen vor dem Ausbruch des drohenden Bürgerkriegs. Die verschiedenen Religionen haben großen Einfluss auf die syrische Gesellschaft und es kommt zu vielen Konflikten. Auch der Geheimdienst, der seine Augen überall hat, erschwert die Ermittlungen der Kommissare erheblich. Beziehungen und gute Kontakte zählen mehr als erfolgreiche Ermittlungsarbeit, was für Kommissar Barudi schwer zu akzeptieren ist. Der Roman ist in zwei Erzählsträngen geschrieben, was ihn sehr abwechslungsreich macht. Die Beschreibungen der Ermittlungen wechseln sich mit Barudis Tagebuch ab. Er hat von seinem Arzt empfohlen bekommen, diese Aufzeichnungen zu tätigen um besser mit seiner Vergangenheit und dem Verlust seiner geliebten Frau Basma fertig zu werden. Die Tagebucheinträge sind sehr persönlich und man hat das Gefühl, den Kommissar sehr gut kennen zu lernen. Für mich war "Die geheime Mission des Kardinals" wieder einmal ein sehr lesenswerter Roman von Rafik Schami der mich berühren und fesseln konnte.
Das Buch konnte mich nicht vollkommen überzeugen
von adel69 - 04.08.2019
Ich mag viele Bücher von Rafik Schami und habe auch schon eine Lesung dieses Autors besucht. Lesungen mit Herrn Schami kann ich überaus empfehlen. Kein Wunder also, dass ich erpicht darauf war, sein neuestes Werk zu lesen. Worum geht es in diesem Buch? Es war einmal in Syrien, als dort noch kein Bürgerkrieg herrschte und als im Vatikan der Papst noch Benedikt XVI hieß. Da erhielt der italienische Botschafter in Damaskus (Syrien) ein Fass mit Öl darin. Erwartet wurde das Fass nicht, es war ein Geschenk einer unbekannten Person. Schon bald wird entdeckt, dass das Fass nicht nur Öl enthält, sondern die Leiche des Kardinals Cornaro. Jemand hat ihn umgebracht - aber wer und aus welchen Gründen? Der syrische Kommissar Barudi ermittelt. Ihm wird der Italiener Mancini zur Seite gestellt. Damit dieser unbehelligt ermitteln kann, gibt er sich als Journalist aus. Die Ermittlungen laufen in viele Richtungen. Warum weilte ein italienischer Kardinal in Syrien? Wollte er vielleicht einen Wunderheiler treffen? Irgendwann taucht ein Bekennerschreiben auf. Aber ob man das ernstnehmen kann? Barudis Ziel ist nicht nur, den Mord des Kardinals aufzuklären, sondern auch Mancini einen sehr guten Eindruck von Syrien zu vermitteln, so dass dieser dann positiv darüber in Italien berichten kann. Meine Meinung: Das Buch fängt spannend an. Die Leiche des Kardinals wird gefunden. Danach flacht die Handlung leider ab, denn der Kriminalfall gerät zur Nebensache. Im Vordergrund des Romans stehen Barudis Vergangenheit, beispielsweise die Erinnerungen an seine Frau Basma, die er während eines London-Aufenthalts kennen lernte und die leider schon gestorben ist. Auch die sich anbahnende Freundschaft zwischen Barudi und Mancini ist ein großes Thema des Buches sowie diverse Überlegungen zu den Themen "Aberglaube", "katholische Kirche" und "Wunderheilungen". Immer wieder werden die Notizen, die Barudi in seinem Tagebuch macht, zitiert. Das sind Geschichten aus Syrien, frühe Ermittlungen von Barudi und Erinnerungen an seine Frau Basma. Davon ist nicht viel für die Handlung des Buches relevant. Die Tagebuchaufzeichnungen ziehen den Roman in die Länge. Das hat mich beim Lesen gestört. Einige Schreibfehler fielen mir auf, die man in der nächsten Auflage verbessern könnte. Auf Seite 123 steht "Dabei griet er in eine Falle". Es muss "Dabei geriet er in eine Falle" heißen. Weiterhin steht auf Seite 108: "außerhalb der tourstischen Stadtpläne von Rom". Es muss "außerhalb der touristischen Stadtpläne von Rom" heißen. Auf Seite 180 steht: "wenn Kardinal Buri entdeckt, dass ihr ihn getäuschte habt". Es muss "getäuscht" heißen. Auf Seite 271 steht: "man macht den Fernsehen an". Richtig heißen sollte es: "man macht den Fernseher an. Diese Schreibfehler haben mich jetzt nicht so gestört wie diverse Längen und Nebenhandlungen in dem Buch. Ansonsten finde ich die Sprache des Buches gelungen. Der Autor bringt immer wieder Dialoge, aber auch indirekte Rede. Mein Fazit: "Die geheime Mission des Kardinals" ist ein Roman über zwei sympathische Ermittler, die versuchen, in Syrien den Mord an einem Kardinal aufzuklären. Jedoch geht es vorrangiger eher um die persönlichen Erinnerungen der Ermittler, Sitten und Kultur in Syrien sowie Überlegungen über die katholische Kirche und Wunderheilungen. Das macht die Handlung oft langatmig. Ich vergebe drei Sterne.
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