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Alexander der Große

Eroberer der Welt. Originaltitel: Alexander the Great. 4. , Aufl. 30 Abbildungen. Lesebändchen.
Buch (gebunden)
Dieses Buch ist mehr als eine Biographie: Es zeigt ebenso den genialsten Feldherrn der Weltgeschichte wie den kultivierten, Homer-begeisterten Mann, der die Grundlagen des Hellenismus schuf. Zugleich läßt Robin Lane Fox "unübertroffene" sprachliche M … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Alexander der Große
Autor/en: Robin Lane Fox

ISBN: 3608940782
EAN: 9783608940787
Eroberer der Welt.
Originaltitel: Alexander the Great.
4. , Aufl.
30 Abbildungen.
Lesebändchen.
Übersetzt von Gerhard Beckmann
Klett-Cotta Verlag

1. September 2004 - gebunden - 807 Seiten

Beschreibung

Robin Lane Fox Werk gilt in der englischsprachigen Welt als die meistgelesene und bestgeschriebene Darstellung Alexanders des Großen und seiner Zeit. Ausgezeichnet mit mehreren Preisen für seine Erzählkunst, beschreibt der Autor mit beispielloser Eindringlichkeit die leidenschaftliche Begeisterung des großen Makedonen für die Welt Homers und seiner Helden: Als neuer "Achill", rücksichtslos, hochfahrend und voller Tatendrang, unterwarf Alexander Ägypten und besiegte die Perser. Als er im Alter von nur 34 Jahren starb, hinterließ er ein Reich, das sich weit über die Grenzen der bis dahin bekannten Welt erstreckte.
Zum erstenmal europäisierte der belesene Schüler des Aristoteles den Orient und schuf so die Voraussetzungen für eine griechischhellenistische Weltkultur, die bis heute nachwirkt. Robin Lane Fox deutet griechische und römische Quellen auf neue Weise und verarbeitet wichtige archäologische Erkenntnisse. Auf der Grundlage ägyptischer, babylonischer, persischer und indischer Quellen erzählt der Autor von Alexanders Begegnungen mit fremden Menschen, Ländern und Kulturen.

Der Kinofilm "Alexander der Große" vom Regisseur Oliver Stone hatte im Dezember 2004 Premiere.
Robin Lane Fox war bei den Filmaufnahmen als Berater, Autor und Darsteller beteiligt.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort zur Neuausgabe XI

Vorwort XIX

Erstes Buch

1 Mord nach der Hochzeit 3
2 Makedonien - Das Land und seine Herrscher 19
3 Kindheit und Jugend 42
4 Die Armee der Makedonen 78
5 Der junge König 94
6 Blick nach Osten 109

Zweites Buch

7 Der Übergang nach Kleinasien - Der Besuch von Troia 131
8 Die Schlacht am Granikos 140
9 Der Rachefeldzug gegen die Perser 152
10 Der Gordische Knoten 174
11 Die Strategie der Perser 185
12 Issos 205
13 Technische Überlegenheit - Die Belagerung von Tyros 220
14 Ägypten und die Geheimnisse der Oase von Siwah 244
15 Der Vormarsch nach Osten 277
16 Der Sieg bei Gaugamela 296
17 Die Beute - Ruhige Tage in Babylon 312
18 Die Plünderung von Persepolis 332

Drittes Buch 19 Der Erbe des Dareios 345
20 Der Prozeß gegen Philotas 363
21 Über den Hindukusch 381
22 Die Ermordung des Kleitos 404
23 Die Pagenverschwörung 421
24 Invasion Indiens 436
25 Die Schlacht am Hydaspes 462
26 Der Ganges lockt 477

Viertes Buch

27 Am Ende der Welt 493
28 Marsch durch die Makran-Wüste 509
29 Hochzeit in Susa 531
30 Meuterei in Opis - Der Tod des Hephaistion 555
31 Göttliche Verehrung 576
32 Alexanders Tod 612
33 Der Hellenismus im Osten 628

Anmerkungen 667

Ausgewählte Bibliographie 739

Bibliographie zur Neuausgabe 745

Nachwort von Wolfgang Will 771

Stammbaum 784

Zeittafel 787

Bildnachweis 795

Register 797

Portrait

Robin Lane Fox wurde 1946 geboren, ging in Eton zur Schule und studierte Alte Geschichte an der Universität Oxford, wo er heute als Fellow des Magdalene College lehrt. Als leidenschaftlicher Gärtner schreibt er eine regelmäßige Kolumne für die Financial Times über Garten- und Landschaftsgestaltung. Außerdem ist er ist ein hervorragender Reiter und Pferdekenner - was ihm zum besonderen Verständnis der antiken Kavallerie verhalf. Auf den Spuren Alexanders ist er von Griechenland bis nach Indien gereist. Für diese Biographie, die in England zum Bestseller wurde, ist Robin Lane Fox mit dem angesehenen Duff- Cooper-Preis ausgezeichnet worden.

Leseprobe

Kapitel 16

Der Sieg bei Gaugamela

Tief in Gedanken saß Alexander im Fackelschein und sann über seine Taktik für den kommenden Tag nach. Draußen, vor dem Königszelt, war die Mitternacht gekommen und vorbei, er jedoch ging erst in den frühen Morgenstunden zu Bett, wo er alsbald einschlummerte. Der 1.Oktober dämmerte herauf, aber Alexander schlief immer noch. Die Morgensonne erstrahlte rund und voll; da, so wird erzählt, begannen die Offiziere sich Sorgen zu machen, bis endlich Parmenion den Truppen ihre Einsatzbefehle erteilte und eine Gruppe von Feldherren um sich scharte, um Alexander zu wecken.

Sie fanden ihn entspannt und ruhig in seinem Zelt. Gegen ihre Vorwürfe war er gewappnet.

Wie kannst du schlafen, sollen sie ihn gefragt haben, als hättest du die Schlacht bereits gewonnen?

Was? entgegnete er lächelnd. Glaubt ihr denn nicht, daß die Schlacht bereits gewonnen ist - nun, da wir davor verschont sind, einen Dareios zu verfolgen, der sein Land abbrennt und kämpft, indem er zurückweicht?

Diese Geschichte mag schwärmerisch klingen, aber Alexander muß wirklich Erleichterung empfunden haben, weil die Herrschaft über Asien nun endlich, wie so lange geplant, vom Ausgang einer großen Feldschlacht abhängen sollte.

Der Gedanke an die Schlacht selbst war zunächst entmutigend. Den Berichten zufolge war die Zahl der feindlichen Truppen ungeheuerlich - mindestens eine runde Viertelmillion Mann, auch wenn eine genaue Zählung unmöglich gewesen wäre. Im offenen Gelände, wo keine natürlichen Begrenzungen seine Flanken schützten, mußte Alexander zwangsläufig von der großköniglichen Reiterei eingekesselt werden. Dareios hatte nicht nur aus den Pferdezuchtgebieten seines Reiches, aus Medien, Armenien und sogar aus Kappadokien hinter Alexanders Linien Reiter zu Tausenden zusammengezogen; auch von den Stämmen der Oberen Satrapien waren sie gekommen, Inder, Afghanen und andere mehr, darunter etliche berittene Bogensch
ützen. Alle aber waren geborene Reiter, am eindrucksvollsten die verbündeten skythischen Nomaden aus den Steppen jenseits des Oxos.

Gegen ihre Gesamtstärke von vielleicht 30000 konnte Alexander gerade 7000 Reiter aufbieten, und nicht einmal die Bewaffnung sprach zu seinen Gunsten. Viele der feindlichen Reiter waren schwer gepanzert - was allerdings ein zweifelhafter Vorteil war, wenn die Reihen in Unordnung gerieten und in offener Bewegung gekämpft wurde -, und seit Issos hatte Dareios die Angriffswaffen seiner Truppen verbessert, ihnen größere Schilde, Schwerter und schwere Stoßlanzen anstelle der Wurfspieße gegeben, um sie Alexanders Kampfgefährten-Einheiten anzupassen. Selbst Alexanders berittene Sarissenträger hatten ihr Gegenstück gefunden. Einige der skythischen Reiter konnten mit einer Lanze kämpfen, die mit beiden Händen geführt werden mußte, und wahrscheinlich aus diesem Grund hatte Dareios sie gegenüber Alexanders rechtem Flügel aufgestellt, wo er ihre makedonischen Vorbilder zwei Jahre zuvor hatte kämpfen sehen. Nur seine Infanterie war auffällig schwach, denn, wenn auch zahlreich, besaß sie nicht im entferntesten den exakten Drill von Alexanders Kampfgefährten zu Fuß. Aber Dareios rechnete nicht damit, daß Fußtruppen dieses Treffen entscheiden würden.

Abgesehen von der grundsätzlichen Gefahr einer Einkesselung berichteten Späher Einzelheiten, die größte Aufmerksamkeit erforderten. In der Mitte der persischen Kampflinie, wo nach alter Tradition der persische König seinen Platz einnahm, hatte Dareios etwa fünfzehn indische Elefanten in Stellung gebracht. Ihr schrilles Trompeten und ihre Stoßzähne mußten makedonische Pferde und Reiter, die Elefanten noch nie gesehen oder gerochen hatten, bei einem Frontalangriff in Panik versetzen.

Als weitere Vorkehrung gegen Alexanders Kavallerie hatten die Perser kurz vor ihrer Frontlinie Pfähle und Astknorren in den Boden getrieben, während weiter hinten der Boden für einen Gegenstoß der pe
rsischen Streitwagen geebnet worden war. Griechen hatten die veraltete Angriffsformation der Streitwagen zwar schon öfter erfolgreich umgangen, aber unter den gegebenen Umständen bedeuteten sie eine zusätzliche Gefahr. Sie bedrohten Phalanx wie Kavallerie, und Alexander konnte sich ihren schwirrenden Sensen am besten dadurch entziehen, daß er dem holprigen Gelände abseits ihrer geebneten Bahn zusteuerte. Dieses holprige Gelände aber - ganz zu schweigen von der Auswirkung eines Schwenks dorthin - würde wahrscheinlich die dicht aneinandergereihten Sarissen seiner eigenen Phalanx in Unordnung bringen, die wie Streitwagen auf ebenem Boden am wirksamsten waren.

Wenige Dinge unterstreichen Alexanders Intelligenz deutlicher als der Plan, mit dem er diesen Gefahren zuvorkam.

Seine Schlachtlinie ruhte immer noch auf jenen Hauptpfeilern, die er und sein Vater seit langem perfektioniert hatten. In der Mitte hielten rund 10000 Kampfgefährten zu Fuß ihre Sarissen stoßbereit. Ihre ungeschützte rechte Flanke wurde von den 3000 Schildträgern gedeckt, die sich ihrerseits nahtlos an den offensiven Reiterflügel anschlossen - an die Berittenen Kampfgefährten, vor denen etwa 2000 Bogenschützen, Schleuderer und Agrianen mit Wurfspeeren aufgereiht waren, die den Feind auf größere Entfernung unter Beschuß nehmen konnten. Auf dem linken Flügel verband sich die schildbewehrte Flanke der Kampfgefährten zu Fuß unmittelbar mit Parmenion und der griechischen Reiterei, die als Angelpunkt der schiefen Schlachtordnung ihren gewohnten Verteidigungskampf führte.

Die Gefahr einer Überflügelung und Einkreisung machte besondere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. An den Spitzen der beiden Flügel hatte Alexander zusätzlich gemischte Einheiten aus schwerer Kavallerie und leichter Infanterie angeordnet, wobei er die Fußsoldaten zwischen den Pferden verbarg und diese Pulks in einem schrägen Winkel zu seiner ohnedies schon schiefen Frontlinie knickte. Sie erstreckten sich somit hin
ter seiner leicht vorgerückten Kavallerie klappenförmig nach rückwärts und konnten seine Flanken und seinen Rücken einigermaßen schützen, wenn die vorderen Einheiten allmählich eingekreist wurden.

Dauerte die Einkreisung an, dann hatten diese gemischten Truppen Befehl, in einem noch schärferen Knick rückwärts zu schwenken, bis sie in einem jeweils rechten Winkel zur Frontlinie standen und sich an ihren äußeren Enden mit Alexanders zweiter Sicherungsstellung vereinigten. Diese lag in einiger Entfernung hinter dem Rücken der rechteckigen Formation der Kampfgefährten zu Fuß und bestand aus rund 20000 Mann griechischer und Barbaren-Infanterie, die als Reserveverband angetreten waren. Sie würden eine rasche Kehrtwendung vollziehen, falls die feindliche Reiterei den Flankensicherungen entkam und auf den Rücken der makedonischen Linien zugaloppieren wollte. Die Kehrtwendung der Reserven würde Alexanders Heer in ein hohles Rechteck verwandeln, das vorn, hinten und seitlich von Speeren nur so starrte. Und obgleich offenkundige Gefahren entstehen mußten, falls die hinteren Einheiten bis an die vordere Linie zurückgedrängt und jeder Rückzugsmöglichkeit beraubt wurden, stellten der Einsatz von Reserven und die hohle Formation doch Verfeinerungen dar, die im griechischen Kriegswesen unüblich, wenn nicht überhaupt beispiellos waren.

Als Antwort auf eine gewaltige Übermacht sollte diese Taktik ein unvergeßliches Exempel abgeben. Detailpläne gegen Elefanten, Fußangeln und Streitwagen wurden im Verlauf der Kampfhandlungen erkennbar.

Nach tiefem, aber nicht überlangem Schlaf erteilte Alexander seinen Truppen Anweisung, die neuen Positionen einzunehmen. Dann kehrte er zurück, um seine Rüstung anzulegen, wie es eines homerischen Helden würdig war.

Sein Hemd war in Sizilien gewoben worden; sein Brustschild, bei Issos erbeutet, bestand aus doppelten Lagen Leder. Sein eiserner Helm, ein Werk des Theophilos, erstrahlte wie reines Silber, während sich
eng um seinen Hals der Ringkragen legte, ebenfalls aus Eisen und mit wertvollen Steinen besetzt. Sein Schwert war verblüffend leicht und wohlgehärtet, das Geschenk eines zyprischen Königs; er trug auch einen purpurnen Gürtel, der noch sorgfältiger gearbeitet war als seine übrige Rüstung. Helikon hatte ihn gefärbt, der berühmte Weber auf Zypern, und die Stadt Rhodos hatte Alexander das Gewand zum Geschenk gemacht.

In dieser weltbürgerlichen Montur bestieg er eines seiner Ersatzpferde und ritt zur Besichtigung seiner Truppen aus. Erst nach den Präliminarien sollte der alternde Bukephalos herbeigeführt werden.

Die Soldaten waren angetreten. Alexander ritt ihre Front ab. Er ermunterte jede Einheit, wie er es für angemessen hielt. Den thessalischen Reitern und den anderen Griechen am äußeren linken Flügel unter Parmenions Befehl hatte er viel zu sagen.

Und als sie ihn anfeuerten und ihm zuschrien, er möge sie gegen die Barbaren führen, da nahm er seine Lanze von der rechten in die linke Hand und begann die Götter anzurufen, wie Kallisthenes erzählte, flehte zu ihnen, die Griechen zu beschützen und zu stärken; so er wahrhaftig aus Zeus? Geblüt stamme, müßten sie es tun. [...]

Pressestimmen

"Die durch Gelehrsamkeit gezügelte Begeisterung teilt Fox mit Johann Gustav Droysen ...
Anders als Droysens Buch in der 2. Aufl. (1877), ist Fox Werk in der Bearbeitung nicht schwerfälliger geworden. Er ist nicht dem Ehrgeiz erlegen, allzu viel von dem einen oder anderen, was man zusätzlich oder genauer wissen kann, in seine Erzählungen einzuarbeiten. Wissenschaftlich zuverlässig ist diese dennoch ..."
Jürgen Busche, die tageszeitung, tazmag, 5.2.2005

"... beste britische Geschichtsschreibung. Die obligatorische Gelehrsamkeit, die die griechischen und römischen Quellen zusammen mit ägyptischen, babylonischen, persischen und indischen Quellen auswertet und auch neuere archäologische Erkenntnisse einbezieht, wird mit leichter Hand dargeboten, seriös und unterhaltsam, nicht zuletzt witzig, wo der Stoff das zulässt, immer spannend ohnehin."
Ludger Lütkehaus, Badische Zeitung, 24.12.2004

"Was für ein Buch. ... Allein auf seine stilistische Brillanz zu verweisen, griffe zu kurz. Dem englischen Gelehrten gelingt es, ein ungemein faszinierendes Porträt des Makedonen und seiner Zeit zu zeichnen. ... So entsteht ein farbenprächtiges Gemälde der Begegnungen Alexanders mit fremden Menschen, Ländern und Kulturen."
Stefan Rebenich, Süddeutsche Zeitung, 23.12.2004

"Lane Fox hat vielmehr eine glänzend geschriebene Synthese der biographischen Modelle Goethes und Hegels vorgelegt. Dieser Alexander ist am Ende das Produkt derjenigen Welt, die er selbst so machtvoll gestaltet hat."
Uwe Walter, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2004

"... Ein toller Leseschmaus."
Berthold Seewald, Die Welt, 18.12.2004

"Doch von allen Alexandern, die seit dem Tod des Eroberers das Licht der Welt erblickt haben, ist dies der stürmischste und romantischste, der neugierigste und der farbigste - ein idealer Plot für einen Film."
Prof. Dr. Walter Eder, DAMALS, Dezember 2004

Im Dezember auf der Sachbuchbestenliste von Süddeutscher Zeitung und NDR

"Rechtzeitig zum Start des Films "Alexander der Große" von Oliver Stone erscheint die faszinierende Biografie des Oxford-Historikers Robin Lane Fox in einer neuen Ausgabe."
Wilfried Nippel, Die Zeit, Literaturbeilage, November 2004

"Eine unverzichtbare Orientierung für meinen Film - grundlegend und zugleich höchst spannend."
Oliver Stone,
Regisseur des Films "Alexander der Große", seit 23. Dezember in den Kinos

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 20.12.2004

Auf seinen Reisen ließ er weder Impulse noch geopolitische Revolutionen anbrennen
Drehbuch zu einem weihnachtlichen Monumentalfilm: Robin Lane Fox legt die gründlich revidierte Fassung seiner glänzenden Biographie über Alexander den Großen vor

Den Pappschuber dieses Buches ziert das Plakat zu Oliver Stones Alexander-Film, der diese Woche in unsere Kinos kommt: Colin Farrell frontal mit entschlossener Miene, hinter sich einen Wald aus den gefürchteten Langspießen der makedonischen Infanterie, das Ganze im fahlen weiß-bräunlichen Farbton eines attischen Grabgefäßes, dies vielleicht ein subversiver Hinweis auf die Endlichkeit auch noch des größten Lebens - in der Sicht der Antike eine ertragbare Endlichkeit, wenn nur die Kunde vom Geleisteten nie aufhörte. Wissenschaftliche Historie, Literatur und Film sind gleichermaßen legitime Weisen, die Vergangenheit zum Sprechen zu bringen und sie so zu unserer Geschichte zu machen, und Robin Lane Fox ist ein Grenzgänger zwischen allen dreien.

Der Gelehrte diente Stones Filmteam nicht als das allzuoft sehr knappe Feigenblatt des gelegentlich konsultierten "Beraters", sondern er war monatelang am Set und spielt - passionierter Reiter, der er ist - sogar eine kleine Rolle als Kavallerieoffizier. Ein Buch zum "Making of" aus seiner Feder soll in Kürze erscheinen. Doch wie auch immer der Film ausfallen wird: Streift man den Schuber des vorliegenden Bandes ab, erscheint auf dem Deckel ein Ausschnitt aus dem bekannten Schlachtmosaik aus Pompeji, wie es viele wissenschaftliche Alexanderbiographie ziert.

Diese hier gehört zu den besten. Denn der Film ist keineswegs die erste Begegnung von Lane Fox mit dem Makedonenkönig. Mit siebenundzwanzig Jahren - Alexander gründete in diesem Alter am Jaxartes gerade die östlichste der Städte, die seinen Namen trugen, und hatte nur noch sechs Jahre zu leben - legte der Oxford-Absolvent 1973 sein erstes Buch vor, das ein Jahr später auch eine deutsche Ausgabe erlebte. Da diese zahlreiche Mängel aufwies, ist die Neuausgabe nun gründlich revidiert und enthält neben einem lesenswerten Nachwort von Wolfgang Will zu antiken und modernen Alexanderbildern auch ein ausführliches neues Vorwort des Autors.

Lane Fox hat seine Biographie vor allem dadurch zu einem kongenialen Buch gestalten können, weil er richtig gesehen hat, daß der Historiker bisweilen die Welle reiten und nicht brechen muß. Die Welle, das ist in diesem Fall Alexanders konsequente Selbststilisierung zur perfekten Reinkarnation eines homerischen Helden. Mythische Heroen hatten bei jeder Gelegenheit ihre Bestheit zu erweisen, auszutesten und an stets größeren Herausforderungen zu messen, und gerade der nüchternste und verläßlichste der erhaltenen antiken Alexanderhistoriker, Arrian, verweist regelmäßig auf dieses habituelle Verlangen des Erben von Achill. Bei einem Akteur, der sich im Mythos wähnte, konnte dann aber selbst die Wirklichkeit nicht anders als "bigger than life" sein: die Abstammung göttlich, die Taten singulär, die Aussprüche zum Behalten, die gesehenen Länder und Völker unermeßlich und märchenhaft. Die Kunde von Alexander enthielt somit bereits im Moment des Entstehens ihre eigentümliche Farbe, und es kann so auch nur im Einzelfall und versuchsweise gelingen, in der Überlieferung das bare Faktum von der Überhöhung zu trennen.

Dies gehört zum kritischen Routinegeschäft des Historikers. Sonderlich befriedigend fallen solche rationalisierenden Dekonstruktionen indes meistens nicht aus, weil sie trennen, was zusammengehört. Lane Fox hat das intuitiv erkannt und entfaltet seine quellen- und sachkritische Gelehrsamkeit fast ausschließlich in dem überreichen, freilich von Fehlern und Idiosynkrasien nicht freien Anmerkungsapparat am Ende. Der Lesetext aber bietet den ungeteilten Alexander, dessen Mythos einen wesentlichen Teil seiner Geschichte ausmacht, dabei nicht nur die Taten der Hauptfigur, sondern auch das ganze Panorama der Phänomene und Wirklichkeiten, die sich im Laufe des Zuges eröffneten, breit und in leuchtenden Farben ausmalend. Die Detailbesessenheit in der Schilderung bildet den Kosmos des Unerhörten, nie zuvor Gesehenen ab, wie es sich den Teilnehmern in jenem ungeheuer beschleunigten Jahrzehnt vom Aufbruch nach Asien im Jahre 334 bis zum verlustreichen Rückmarsch durch die Gedrosische Wüste 325 darbot. Herodoteische Neugierde ist für diesen Gegenstand in der Tat vielleicht angemessener als systematische Erörterungen. "Institutionen langweilen mich; an strukturgeschichtliche Betrachtungen glaube ich nicht", so das Credo im Vorwort. Lieber übersetzt Lane Fox die Systemanalyse in Aperçus über monarchische Arkanstrategien: "Unter den Makedonen pflegte ein König, der, um sicherzugehen, abwartete, sich selbst als erste Leiche vorzufinden."

Indem er die Selbsthervorbringung Alexanders als neuen Achill ernstnimmt, findet Lane Fox zugleich einen Ausweg aus dem Dilemma jedes Biographen vormoderner Figuren, nämlich bis zu der Stelle, "wo alle diese Momente ihren Quell, ihren Impuls, ihre Norm haben" (Droysen), gar nicht vordringen zu können, weil Akteuren und Beobachtern seinerzeit komplexe Motivierungen und Persönlichkeitsstrukturen als solche gänzlich unbekannt waren. Droysen hatte als Kompensation für diesen Mangel in der Charakterzeichnung einer Figur, den einfach kreativ auszugleichen allein dem Poeten erlaubt sei, die wirkmächtigen Folgen "ihres Verhältnisses zu den großen geschichtlichen Entwicklungen, ihres Anteils an überdauernden Leistungen oder Schöpfungen" beschworen. Lane Fox dagegen benötigt einen weltgeistigen Beruf Alexanders für diesen Zweck nicht, denn Alexander als Demiurg seines eigenen Mythos genügt dem Biographien als unmittelbarer Zugang zur Seele des Porträtierten.

Ein anderer Vorzug ist sehr viel pragmatischerer Natur. Lane Fox vermag aus dem Reservoir einer kolonialen Tradition zu schöpfen. Diese schärfte seinen Blick für die schier unglaublichen Marsch- und Gefechtsleistungen der Truppen sowie die Dimension der geopolitischen Revolution, die der Alexanderzug auch war. Indem er den Wegen und Pässen, die Alexanders Heer zwischen Mittelmeer und Indus einst benutzt hat, und den Stämmen und Völkern, denen es begegnet ist, in den Quellen wie in der Landschaft nachspürt, vergegenwärtigt er das Abenteuer im doppelten Sinn. Sich außerdem so stark auf die Perspektive zumal der unterworfenen Perser einzulassen und die Orientalisierung Alexanders, der als Herrscher über ein Vielvölkerreich 323 ausgerechnet in Babylon starb, nicht als Zeichen von Dekadenz abzuwerten, erscheint heute zwar unauffälliger als bei Erscheinen des Buches, bleibt aber eine bedeutende Leistung.

Dieser Alexander ist weder Geschäftsführer des Weltgeistes, der den Hellenismus einläutet und damit einen Schoß für das Christentum schafft, noch Visionär multikultureller Völkerverbrüderung, er ist aber auch kein Alkoholiker, paranoider Tyrann oder pathologischer Totschläger, wie er zumal in Arbeiten aus jüngerer Zeit vorgestellt wurde. Lane Fox hat vielmehr eine glänzend geschriebene Synthese der biographischen Modelle Goethes und Hegels vorgelegt. Dieser Alexander ist am Ende das Produkt derjenigen Welt, die er selbst so machtvoll gestaltet hat.

UWE WALTER

Robin Lane Fox: "Alexander der Große". Eroberer der Welt. Aus dem Englischen von Gerhard Beckmann. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2004. 807 S., 50 Abb., geb.

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