Ravelstein als Buch
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Ravelstein

Originaltitel: Ravelstein. 8 schwarz-weiße Abbildungen, 951497318 schwarz-weiße und 5994 farbige Fotos, 2700…
Buch (gebunden)
Der Roman des amerikanischen Nobelpreisträgers Saul Bellow erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen dem weltberühmten Bestsellerautor Ravelstein und dem amerikanischen Schriftsteller Chick und setzt sich dabei geistreich und sarkastisch mit s … weiterlesen
Buch

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Ravelstein als Buch

Produktdetails

Titel: Ravelstein
Autor/en: Saul Bellow

ISBN: 3462029193
EAN: 9783462029192
Originaltitel: Ravelstein.
8 schwarz-weiße Abbildungen, 951497318 schwarz-weiße und 5994 farbige Fotos, 2700 schwarz-weiße und.
Übersetzt von Willi Winkler
Kiepenheuer & Witsch GmbH

15. August 2000 - gebunden - 271 Seiten

Beschreibung

»Ein intelligentes Feuerwerk in bester Bellow-Manier«
Ravelstein ist berühmt und hat ein Netzwerk von Freunden in der ganzen Welt. Als Philosophieprofessor an einer amerikanischen Universität war er verehrt, reich wurde er als Bestsellerautor und konnte sich dann endlich den Luxus leisten, den er Zeit seines Lebens geliebt hat.
Aber Ravelstein muss bald sterben. In Paris trifft er noch einmal seinen alten Freund Chick, einen amerikanischen Schriftsteller. Chick, Ich-Erzähler des Romans, soll Ravelsteins Biografie schreiben, gnadenlos offen und ungeschminkt. Beim eleganten Souper mit Chicks junger Frau und Ravelsteins schönem Liebhaber, beim Flanieren und Einkaufen oder im Café Flore diskutieren die beiden Freunde Ravelsteins Leben, gemeinsame Erlebnisse, und sie mokieren sich über den Niedergang der amerikanischen Kultur, über den Ravelstein sein berühmtes Buch geschrieben hat. Aus diesen Gesprächen und Rückblenden entsteht Ravelsteins Leben, die Biografie, an der Chick arbeitet und in der sich auch sein eigenes Leben spiegelt.
Der Roman, wie oft bei Saul Bellow voll autobiografischer Züge, besticht durch amüsante Anekdoten und Aperçus, wunderbar erzählte Episoden und treffende Charakterisierungen. Es ist ein Genuss, Saul Bellow zu lesen.Endlich wieder ein Roman des amerikanischen Nobelpreisträgers Saul Bellow. Er erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen dem weltberühmten Bestsellerautor Ravelstein und dem amerikanischen Schriftsteller Chick und setzt sich dabei geistreich und sarkastisch mit seiner Zeit auseinander.

Portrait

Saul Bellow wurde am 10. Juni 1915 in Lachine/Quebec als Sohn jüdisch-russischer Einwanderer geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Montreal, 1924 zog die Familien nach Chicago. Dort besuchte er die Tuley High School und studierte später Anthropologie und Soziologie an der Northwestern University. Bellow übte verschiedene Tätigkeiten aus, bevor er seit 1938 dauerhaft an verschiedenen amerikanischen Universitäten lehrte, unter anderem an Princeton und an der Universität von Chicago. Am 5. April 2005 starb der Schriftsteller in Brookline, Massachusetts, im Alter von 89 Jahren. Bellow war mehrmals verheiratet und hatte vier Kinder. Saul Bellow selbst erhielt für sein umfangreiches literarisches Werk zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Nobelpreis für Literatur 1976.

Pressestimmen

"Ein intelligentes Feuerwerk in bester Bellow-Manier." Süddeutsche Zeitung

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 05.05.2000

Jedermanns Feind
Saul Bellows neuer Roman über seinen Freund Allan Bloom

NEW YORK, im Mai.

Natürlich verstehen die meisten Menschen, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem Leben und der Kunst, und diese nur von jenem leiht, was ihren Zwecken dient. Dennoch soll es vorgekommen sein, dass ein Minenarbeiter in einem Kino in Alaska auf die Leinwand zustürmte und mit seiner Schaufel den Bösewicht des Films zu erschlagen suchte. Vor allem in Amerika, wo der größte Erfindungsreichtum dem Realen gilt, ist die literarische wie die filmische Imagination eine fast verdächtige Form, die, auch wenn sie als solche erkannt wird, immer und zuerst auf ihre faktische Genauigkeit zu prüfen ist.

So etwa schrieb Saul Bellow im Jahr 1962 in seinem Essay "Facts That Put Fancy to Flight". Fast vierzig Jahre später steht Saul Bellow mit seinem neuen Buch "Ravelstein" selbst im Mittelpunkt einer Kontroverse um Fakten und Fiktion und ist genau jenen Fragen ausgesetzt, über die er sich damals mokierte. Das ist, als Detailaussage über die Entwicklung der amerikanischen Kultur, ein niederschmetternder Befund.

Bereits Wochen, bevor "Ravelstein" (Viking, 233 S., 24,95 Dollar) in diesen Tagen in die Buchhandlungen kam, war über den Inhalt des Romans alles Wesentliche bekannt: "Ravelstein" ist ein nur sehr dünn bemäntelter Schlüsselroman über den rechtskonservativen Philosophen und Gesellschaftskritiker Allan Bloom. Saul Bellow war ein enger Freund und Kollege von Bloom an der Universität in Chicago, wo dieser (wie in der gesamten akademischen Welt und über sie hinaus) "mächtige, unversöhnliche Feinde" hatte, "die ihn keinen Deut kümmerten". Allan Bloom wurde erst gegen Ende seines Lebens berühmt, 1987 nämlich, als er das Buch "The Closing of the American Mind" veröffentlichte, das zur Überraschung aller - des Autors, des Verlags und auch Bellows, der das Buch angeregt hatte - sofort ein Bestseller wurde und Bloom zum Millionär machte.

Tratsch als Sozialgeschichte.

"The Closing of the American Mind" ist ein Rundumschlag gegen den Verfall des liberalen Bildungssystems und des klassischen Kanons. Das Buch wurde die Bibel der Reaktionäre, wiewohl Bloom sich selbst, fest verwurzelt in den Denktraditionen von Platon, Machiavelli, Rousseau und Nietzsche, keineswegs für einen strengen Konservativen hielt, sondern für einen radikalen Demokraten. Die Politik der Identitäten, der rassischen, feministischen, homosexuellen Subkulturen, war ihm ein Greuel, und so hatte er Feinde in allen Lagern, als er 1992 starb.

Allan Bloom war homosexuell, aber er schwieg über seine sexuellen Vorlieben ebenso wie über seine HIV-Infektion. Seine offizielle Todesursache war Leberversagen, doch es gehört eine gute Portion Naivität oder Bigotterie dazu, diesen damals üblichen Vernebelungsbegriff für Aids für bare Münze zu nehmen. Saul Bellows Titelheld Ravelstein also ist ebenfalls homosexuell, lebt mit einem jungen Protegé zusammen, und er stirbt an Aids. Ist dies das unziemliche outing eines Verstorbenen, ist es die Wahrheit, der ein Autor verpflichtet ist, wenn er über reale Personen schreibt, oder ist es das Schicksal einer fiktiven Figur, die einer einst lebenden nachgebildet, mit dieser aber nicht identisch ist? Saul Bellow hat in einigen Interviews bedauert, dass die Kritiker in seinem Buch vor allem der Spur der Fakten folgten, die ihn gar nicht so sehr interessiere. In anderen hat er seine eigenen Zweifel geäußert, ob er "eine Grenze überschritten" habe, und damit die Sache noch etwas komplizierter gemacht.

Es ist unter diesen Umständen kaum noch möglich, "Ravelstein" gleichsam unschuldig als Roman zu lesen. Zwar ist das Prinzip des fiktionalen Porträts realer Personen nichts Neues in Bellows Werk - "Humboldts Vermächtnis" porträtierte recht unverhohlen den Dichter Demore Schwarz, der vielen, die den Roman lasen, vollständig unbekannt gewesen sein dürfte -, und auch dass der Erzähler die Züge des Autors trägt, ist aus anderen Romanen Bellows bekannt.

Dass es bei "Ravelstein" allerdings dadurch zu Verwirrungen kommt, hat nicht allein mit dem Zustand der amerikanischen Kultur, sondern auch etwas mit dem Buch zu tun. Denn bei all der Detailtreue der Beschreibungen tatsächlicher Begebenheiten und Personen, bei einigen fast wörtlichen Übereinstimmungen zwischen dem Roman und der Trauerrede, die Saul Bellow für seinen Freund Allan Bloom hielt (veröffentlicht in "It All Adds Up", Viking 1994), fragt man sich nach einer Weile, warum Bellow mit diesem Material einen Roman und nicht ein Buch der Erinnerungen an Bloom oder auch eine handfeste Biografie geschrieben hat - die dann wahrscheinlich ähnliche Empörungen ausgelöst hätten, aber ohne Reflexion über das Verhältnis von Literatur zu ihren Gegenständen zu diskutieren gewesen wären.

Nichts war durchschnittlich in Ravelsteins Leben. Er trug Jackets für viertausend Dollar, eine Uhr für zwanzigtausend, hörte Musik aus Lautsprecherboxen für zehntausend, seine seidenen Krawatten wurden in Paris gereinigt, und er reiste erster Klasse - und das nicht erst, seit sein Bestseller dafür sorgte, dass er all dies auch bezahlen konnte. Dumpfheit und Langeweile in seiner Umgebung akzeptierte er nicht, und auch depressive Stimmungen waren für ihn inakzeptabel. Er war ein großer, glatzköpfiger Mann von erlesenem Verstand, der wie Sokrates eine ganze Schar von Schülern beeinflusst hatte, die ihm ihrerseits von ihren hohen Positionen in Washington und aller Welt Informationen zuspielten und ihn so zu einer Quelle ständig neuer Analysen - und ständig frischer Klatschgeschichten machten. "Mein Tratsch ist Sozialgeschichte", sagt Ravelstein, und es heißt, dass auch Bloom, mit Sicherheit aber Saul Bellow dies für sich in Anspruch nahmen.

Von Ravelstein und davon, wie er spricht, wie er sich kleidet, wie er isst und wie er denkt, erzählt uns Chick, ebenfalls Universitätsprofessor und Ravelsteins engster Freund. Sein Geschmack, was die Luxusgüter dieser Welt angeht, scheint ein wenig einfacher zu sein, und auch über den Tod, vor allem darüber, was nach ihm kommt, sind sich die beiden nicht einig. Obwohl Chick mindestens zehn Jahre älter ist als Ravelstein, akzeptiert er ihn als seinen Lehrer, der ihn über die Untreue seiner Ehefrau aufklärt, seine Anzüge kritisiert und ihm den Spaß am Landleben verdirbt. Umso erstaunter ist Chick, als Ravelstein ihn bittet, nach seinem Tod eine Biografie über ihn zu schreiben.

"Das ist eine Verpflichtung", sagt Ravelstein, "und schreib sie in diesem entspannten Nach-dem-Essen-Reminiszieren-Ton, nach ein paar Gläsern Wein." In weiten Teilen liest sich "Ravelstein" genauso wie eine geistreiche Plauderei zwischen zwei Intellektuellen in jenem unverwechselbaren Idiom und Sprachrhythmus der Juden aus dem Mittelwesten, ohne eigentliche Handlung außer der Freundschaft zwischen den beiden und mit all den Wiederholungen, Leerläufen und überraschenden Pointen eines solchen ununterbrochenen Gesprächs.

Das Porträt, das "Ravelstein" uns von seiner Titelfigur mit markanten Linien und feinen Schattierungen zeichnet, enthüllt, warum Saul Bellow die Romanform gewählt haben mag. Denn Ravelstein ist, auch wenn er Allan Bloom sein sollte, eine lupenreine Bellow-Figur: ein exzentrischer Gelehrter mit einer Vorliebe für Lanvin, Basketball, Marlboros und Barockmusik, der aus seinen Vorlesungen einen Bestseller macht. "Die kulturelle Mobilität" (zwischen Hoch- und Populärkultur), so schrieb eine Kritikerin, "funktioniert bei Bellow wie die soziale Mobilität bei den Viktorianern. Sie öffnet geheime Türen und katapultiert die Juden von den Rändern in die Mitte des amerikanischen Lebens." Und solange "Ravelstein" diesen Bewegungen nachgeht, gehört der Roman zum Besten, was Bellow seit langem geschrieben hat. Im letzten Teil des Buches jedoch ist der Titelheld kaum mehr als Erinnerung präsent.

Ravelsteins Ende.

"Risiko, Grenzen, die Verdunkelung des Todes waren in jedem Augenblick gegenwärtig", heißt es einmal, und dass man "ein Wesen wie Ravelstein nicht leicht dem Tod" überlässt. Aber in der Eleganz von Bellows Prosa bleibt kein Raum für andere Gefühle als die elegischen, und so fällt, wenn Ravelstein stirbt, der Roman auseinander.

Jetzt geht es um Chick, um eine Lebensmittelvergiftung, die fast zum Tod führt, um die unsterbliche Liebe seiner jungen Frau und darum, wie er endlich beginnen kann, die Bitte seines toten Freundes zu erfüllen und jene Biografie Ravelsteins schreibt, die wir jetzt in Händen halten. Das ist erstaunlich umständlich und kraftlos erzählt. "Wenn man älter wird", sagte Bellow vor einigen Jahren, "wird man sich selbst gegenüber unpersönlicher." Das ist, wenn es um den Tod geht, literarisch nicht hilfreich, denn wenn es zum Sterben kommt, interessieren uns weniger die Ideen darüber als die Gefühle und Erfahrungen. Dass wir bereits einiges darüber wissen, verdanken wir nicht zuletzt Harold Brodkey, der es uns über sein Sterben an Aids erzählt hat. Und daran reicht Bellow nicht annähernd heran.

Allan Bloom hat nach "The Closing of the American Mind" noch ein weiteres Buch geschrieben, das allerdings erst nach seinem Tod erschien und, gleichsam autorlos, schnell wieder verschwand und längst vergriffen ist: "Love and Friendship", eine Sammlung von Gedanken zur Literatur, zu Shakespeare und Flaubert, Stendhal, Montaigne und auch zu Platons "Symposion", einem seiner Lieblingstexte über die Liebe und die alles Handeln antreibende Kraft des Eros, der auch in "Ravelstein" immer und immer wieder zitiert wird. Eine Auswahl dieser Essays wird jetzt neu aufgelegt. So könnte es "Ravelstein" zu verdanken sein, dass Allan Bloom Einzug ins Fach der gay studies hält, eine Aussicht, deren Komik nur ein Teil seiner Freunde zu schätzen wissen wird.

VERENA LUEKEN

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