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Ohrenberg oder der Weg dorthin

10 Zeichnungen.
Buch (gebunden)
Von Finnland her, im abgetragenen Eisenbahnanzug seines Vaters schiebt Aschmann sich vor, schiebt sich in Graf Ohrenbergs Geistschleifen zu einem Gebirge zusammen, nicht un¿lich jenem, in dem Ohrenberg, der Erste Gemeindearbeiter, umhergeht, Salz auf … weiterlesen
Buch

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Ohrenberg oder der Weg dorthin als Buch

Produktdetails

Titel: Ohrenberg oder der Weg dorthin
Autor/en: Steffen Popp

ISBN: 393744517X
EAN: 9783937445175
10 Zeichnungen.
Illustriert von Andreas Töpfer
Herausgegeben von Daniela Seel
Kookbooks

März 2006 - gebunden - 144 Seiten

Beschreibung

Von Finnland her, im abgetragenen Eisenbahnanzug seines Vaters schiebt Aschmann sich vor, schiebt sich in Graf Ohrenbergs Geistschleifen zu einem Gebirge zusammen, nicht un¿lich jenem, in dem Ohrenberg, der Erste Gemeindearbeiter, umhergeht, Salz auf vereiste Wege streut, Funkspr¿che ausgibt, w¿end Aschmann, einst Sekret¿Ohrenbergs, Kulturfunktion¿und Vertreter f¿r Kurzwaren, unaufhaltsam sich n¿rt, aufgebrochen zu seiner wom¿glich letzten Reise, seinerseits Geistschleifen um das astronomische Kabinett Ohrenbergs schn¿rt, um den Funkturm im th¿ringischen Bergland, diese ¿tektonische Auffaltung von eher geringer Bedeutung¿. Was verbindet sie, ein Telegramm, ein Skistock aus dem Winter ¿42? Graf Ohrenberg und Aschmann definieren, sondieren, orten und befragen sich, wetteifern k¿hn um Realien des Wunders und die Homunkuli ihres ¿elefantischen Daseins¿, erf¿llt von Hinterlassenschaften eines kaum erst vergangenen Jahrhunderts, die sie bewohnen. Leseprobe Ein schwaches Licht, das ihn hier noch erreicht, auf seinem Turm, im Eis; ein abgebrochener Jesuit, mit Bart, beinahe glatzk¿pfig, der, wenn er Holz einschl¿, mit Gott redet ¿ einfach nur in diesen Schl¿n, begreift er in diesem Moment, gegen das wimmernde Holz rede ich wahrhaft mit Gott. Einmal dabei, will Ohrenberg weitere Gedanken zur Situation anf¿gen, endlich Wahrheiten aussprechen, die seine Existenzleistung in dem Gebirge hier direkt betreffen ¿ die Heizung seines Turms im Angesicht einer Welt, die mit der Sonne warm wird, die Bew¿igung des lebendigen Augenblicks zwischen den Gegenst¿en ¿ aber dann treibt ihn ein Anfall von Hunger von seinem Sitz: erst sucht er Schokolade auf dem Tisch, durchw¿hlt verschiedene Ablagen, dann gibt er auf, steigt aus dem astronomischen Kabinett in die K¿che ab. Schwache Reflexe in der K¿hlschrankt¿r, Ohrenberg klappt seinen Kiefer auf: keine Bewegung ist zu erkennen, Ohrenberg klappt seinen Kiefer wieder zu, betastet seinen Sch¿l: der Leninkomplex ist abgeheilt, lediglich Kopfschmerzen sind ihm geblieben. Graf Ohrenbergs physiognomische Bestandsaufnahme, vor der T¿r seines K¿hlschranks, Bilanz, nun ja, des 20. Jahrhunderts, das alles ¿ ist zu vernachl¿igen, im Hinblick auf den vereisten Innenraum, der leer ihn anstarrt. Ein aussichtsloses Unterfangen, hier irgendwelche Lebensmittel aufsp¿ren zu wollen; auch unten im Dorf, Ohrenberg schaut auf seine Uhr: alle Verkaufsstellen haben geschlossen. Alle Verkaufsstellen, seit f¿nfundzwanzig Jahren, geschlossen; Graf Ohrenberg, unterversorgt, dem Mangel ausgesetzt, seit er hier in dem Osten angelandet ist ¿ und Aschmann, nun auch: wahnhaften Funkspr¿chen nachfolgend, bohrt er sich mit Kurs auf Ohrenbergs Funkturm in die Region ein, das Th¿ringer Bergland ¿ rei¿dich zusammen, Ohrenberg, denkt Ohrenberg, Aschmann ist weit, nah ist der K¿hlschrank, g¿t das Objekt, grinst es vereist dich an: du solltest dich um etwas zu essen k¿mmern; unten im Dorf, bei den Bewohnern, anl¿en: entfernte Nachbarn, die protestantisch, ehrenamtlich, ¿berall t¿g sich aufwerfen ¿ dort ausgehungert auftreten und einen Kanten Brot erbitten.

Portrait

Steffen Popp, geboren 1978 in Greifswald, aufgewachsen in Dresden, lebt seit 2001 in Berlin. Studierte Literatur und Philosophie, schuf nebenher Aphorismen und als Stipendiat des Berliner Senats 2002 das epische Sonderwerk Ohrenberg oder der Weg dorthin . 2004 ver ffentlichte er bei kookbooks den Gedichtband Wie Alpen . F r seine Arbeiten wurde Steffen Popp unter anderem mit dem Kranichsteiner F rderpreis des Deutschen Literaturfonds 2004 und von der Akademie Graz 2003 ausgezeichnet. Ohrenberg oder der Weg dorthin ist sein erster Roman.

Leseprobe

Ein schwaches Licht, das ihn hier noch erreicht, auf seinem Turm, im Eis: ein abgebrochener Jesuit, glatzköpfig, mit Bart, der, wenn er Holz einschlägt, mit Gott redet - einfach nur in diesen Schlägen, begreift er in diesem Moment, gegen das wimmernde Holz, rede ich wahrhaft mit Gott. Einmal dabei, will Ohrenberg weitere Gedanken zur Situation anfügen, Wahrheiten aussprechen, die seine Existenzleistung in dem Gebirge hier direkt betreffen - die Heizung seines Turms im Angesicht einer Welt, die mit der Sonne warm wird, die Bewältigung des lebendigen Augenblicks zwischen den Gegenständen - aber dann treibt ihn ein Anfall von Hunger von seinem Sitz: erst sucht er Schokolade auf dem Tisch, durchwühlt verschiedene Ablagen, dann gibt er auf, steigt aus dem astronomischen Kabinett in die Küche ab. Schwache Re¿exe in der Kühlschranktür, Ohrenberg klappt seinen Kiefer auf: keine Bewegung ist zu erkennen, Ohrenberg klappt seinen Kiefer wieder zu, betastet seinen Schädel - der Leninkomplex ist abgeheilt, lediglich Kopfschmerzen sind ihm geblieben. Graf Ohrenbergs physiognomische Bestandsaufnahme, vor der Tür seines Kühlschranks, Bilanz, nun ja, des zwanzigsten Jahrhunderts, das alles - ist zu vernachlässigen, im Hinblick auf den vereisten Innenraum, der leer ihn anstarrt. Ein aussichtsloses Unterfangen, hier irgendwelche Lebensmittel aufspüren zu wollen - auch unten im Dorf, Ohrenberg schaut auf seine Uhr: alle Verkaufsstellen haben geschlossen. Alle Verkaufsstellen, seit über zwanzig Jahren, geschlossen: Graf Ohrenberg, unterversorgt, dem Mangel ausgesetzt, seit er hier in dem Osten angelandet ist - und Aschmann, nun auch: wahnhaften Funksprüchen nachfolgend, bohrt er sich mit Kurs auf Ohrenbergs Turm in die Region ein, das Thüringer Bergland - reiß dich zusammen, Ohrenberg, denkt Ohrenberg, Aschmann ist weit, nah ist der Kühlschrank, gähnt das Objekt, grinst es vereist dich an, du solltest dich um etwas zu essen kümmern. In der Gemeinde bei den Bewohnern anläuten: entfernte Nachbarn, die protestantisch, ehrenamtlich, überall tätig sich aufwerfen - dort ausgehungert auftreten und einen Kanten Brot erbitten.

Pressestimmen

»Nichts weniger als eine Sensation...« Frankfurter Rundschau

Ausgezeichnet mit dem Kranichsteiner Förderpreis des Deutschen Literaturfonds 2004

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