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King Cotton

Eine Globalgeschichte des Kapitalismus. Originaltitel: Empire of Cotton: A Global History. mit 38 Abbildungen…
Buch (gebunden)
Vor mehr als 250 Jahren wurde das Reich errichtet, in dem King Cotton herrscht. Krieg, Sklaverei und Ausbeutung standen an seiner Wiege. Während fremde Kulturen rücksichtslos zerschlagen wurden, häuften Händler im Zusammenspiel mit der Staatsgewalt e … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: King Cotton
Autor/en: Sven Beckert

ISBN: 3406659217
EAN: 9783406659218
Eine Globalgeschichte des Kapitalismus.
Originaltitel: Empire of Cotton: A Global History.
mit 38 Abbildungen im Text und 7 Karten.
Übersetzt von Annabel Zettel, Martin Richter
Beck C. H.

28. Dezember 2015 - gebunden - 525 Seiten

Beschreibung

Vor mehr als 250 Jahren wurde das Reich errichtet, in dem King Cotton herrscht. Krieg, Sklaverei und Ausbeutung standen an seiner Wiege. Während fremde Kulturen rücksichtslos zerschlagen wurden, häuften Händler im Zusammenspiel mit der Staatsgewalt enorme Vermögen an. Ein neues ökonomisches Prinzip begann seinen Siegeszug. Sven Beckert schildert die Geschichte des Kapitalismus im Spiegel eines Produktes, das heute jeder von uns am Leibe trägt - der Baumwolle.
Die Geschichte des Kapitalismus gehört zu den spannendsten Themen der aktuellen Geschichtswissenschaft. Fast immer aber geht es dabei um einzelne Epochen oder Regionen. Sven Beckert wagt in seinem brillanten Buch erstmals eine übergreifende Darstellung, die anhand einer einzigen Ware höchst anschaulich zeigt, wie der Kapitalismus entsteht, sich gleichsam einübt und nach und nach die Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen, ja das Schicksal der Menschen überall auf der Welt seinen Bewegungsgesetzen unterwirft. Das Resultat ist ein ebenso verstörendes wie erhellendes Buch darüber, wie unsere globale Welt von heute entstanden ist.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung



Kapitel 1

Aufstieg eines globalen Rohstoffs



Kapitel 2

Der Aufbau des Kriegskapitalismus



Kapitel 3

Der Lohn des Kriegskapitalismus



Kapitel 4

Jagd nach Arbeitern und Eroberung von Land



Kapitel 5

Die Sklaverei auf dem Vormarsch



Kapitel 6

Der Industriekapitalismus im Aufwind



Kapitel 7

Die Mobilisierung von Fabrikarbeitern



Kapitel 8

Die Bildung globaler Netzwerke



Kapitel 9

Ein Krieg und sein weltweiter Widerhall



Kapitel 10

Der Umbau des Baumwollimperiums



Kapitel 11

Kreative Zerstörungen



Kapitel 12

Unter nationaler Flagge: der neue Baumwollimperialismus



Kapitel 13

Rückkehr in den globalen Süden



Kapitel 14

Kette und Schuss. Ein Epilog



Anhang

Abkürzungen

Anmerkungen

Bildnachweis

Dank

Personenregister

Ortsregister



Portrait

Sven Beckert, geboren in Frankfurt, ist Professor für amerikanische Geschichte an der Universität Harvard.

Pressestimmen

"King Cotton ist ein Meisterstück der neuen Globalgeschichte." Jürgen Osterhammel, Süddeutsche Zeitung ------ "Dem in Harvard lehrenden Historiker Sven Beckert ist ein solcher Wurf gelungen, der den Rezensenten in staunende Bewunderung einer gelungenen weltgeschichtlichen tour d horizon versetzt." Detlev Claussen, TAZ ------ "Mit "King Cotton" ist dem Historiker Sven Beckert ein großer Wurf gelungen." Andreas Eckert, Die Zeit

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 22.09.2014

Im Spiegel der Baumwolle
Eine andere Geschichte des Kapitalismus

"Sie sagen Christus und meinen Kattun", schrieb Theodor Fontane in seinem Roman "Der Stechlin" und geißelte damit die skrupellose Geschäftemacherei in Englands frühkapitalistischen Baumwollmanufakturen. Den ursächlichen Zusammenhang zwischen Baumwollerzeugung und Kapitalismus macht jetzt der aus Frankfurt stammende Harvard-Historiker Sven Beckert zum Thema eines Buches. Auf 544 Seiten schildert er spannend, detailreich und mit vielen Kuriosa die globale Entwicklung des Kapitalismus an ebendieser schlichten Textilie, die heute jeder in irgendeiner Form als Kleidung trägt. 123 Millionen Baumwollballen wurden im Jahre 2013 produziert, genug, um 20 T-Shirts für jeden Menschen auf dem Globus herzustellen.

Baumwolle, schon vor 900 Jahren zum Eigenbedarf in vielen Ländern angebaut, spiegelt seit zweieinhalb Jahrhunderten auf verblüffende Weise die Interdependenz und den Wandel von Lebens- und Arbeitsverhältnisse der Menschen weltweit. Grund genug für Beckert, seine Geschichte des globalen Kapitalismus an dieser einen Ware und deren länderübergreifenden sozioökonomischen Bezügen aufzuhängen.

Initialzündung war ein Seminar zur Geschichte des amerikanischen Kapitalismus, das er 1996 an der Harvard-Universität veranstaltete. Den Fokus legte er auf Bürgerkrieg, Sklaverei und den Anbau von Baumwolle in den Südstaaten. Die Überlegungen gingen in sein neues Buch ein. Baumwolle wird zum rücksichtslosen Herrscher stilisiert, der über Krieg, Sklaverei, Kolonialismus und Ausbeutung ein mächtiges Imperium errichtet hat. Händler rund um den Globus kamen im Zusammenspiel mit der Staatsgewalt zu enormen Vermögen und das ökonomische Prinzip des Kapitalismus zum Sieg. Baumwolle sei "der Schlüssel zum Verständnis der modernen Welt", schreibt Beckert. Besser als an einem anderen Erzeugnis erklärten sich die großen Ungleichheiten in Wirtschaft und Gesellschaft, die lange Geschichte der Globalisierung und der sich ständig wandelnde Kapitalismus.

Beckerts Kollegin Joyce Appleby von der University of California sprach vor ein paar Jahren in ihrer noch umfangreicheren Geschichte des Kapitalismus von dessen chamäleonhaftem Talent, sich ständig an neue Gegebenheiten anzupassen. Beckert argumentiert ähnlich: "Wenn wir den Weg, den Baumwolle und Kapitalismus miteinander um die Welt gingen, durch die Jahrhunderte verfolgen, dann stoßen wir immer wieder darauf, dass kein Stadium des Kapitalismus je dauerhaft oder stabil ist." Und: "Der Kapitalismus fordert und bewirkt einen Zustand permanenter Revolution." Den Kern kapitalistischer Transformationen sieht Beckert in der Bewegung von Kapital, Menschen, Gütern und Rohmaterialien rund um den Globus. Indien, Afrika und Lateinamerika hätten dabei historisch eine genauso bedeutsame Rolle gespielt wie Europa und Nordamerika. Das Buch zeigt auf, dass der Kapitalismus schon seit seinen Anfängen weltumspannend war und dass die räumlichen Strukturen der Weltwirtschaft in den letzten drei Jahrhunderten einem steten Wandel unterlagen.

Der aus Archiven von London bis Mumbai recherchierten Untersuchung kommt zugute, dass der Kapitalismus im Spiegel der Textilwirtschaft momentan zu den heißdiskutierten Themen gehört: Spätestens seit dem Fabrikeinsturz in Bangladesch mit mehr als 1000 Toten sind die Billigpreise in Verruf geraten. Dabei sind die schlimmen Arbeitsbedingungen an den Nähmaschinen der Schwellenländer nur ein Glied in einer Kette. Der Anfang liegt bei der Baumwollernte, für die Billigproduzenten, etwa in Usbekistan, bis heute Frauen und Kinder einsetzen. Auch die Weiterverarbeitung findet statt, wo die Kosten am geringsten sind. Sobald die Standards besser werden und sich die Erzeugnisse verteuern, ziehen die Auftraggeber fort - von China nach Kambodscha, Vietnam oder Bangladesch.

Nach Beckerts Ausgangsthese hat der amerikanische Bürgerkrieg, der 4 Millionen Sklaven befreite, das Imperium der Baumwolle entstehen lassen. Weil damals der wichtigste Lieferant ausfiel, mussten neue Quellen für das begehrte Rohmaterial gefunden werden. Baumwoll- und Kolonialexpansion gingen Hand in Hand, und selbst Deutschland versuchte sich in Ostafrika mit Plantagen. Beckert zeigt an Indien, Brasilien, Ägypten und dem Osmanischen Reich, später an Japan und China, wie sich unter nationaler Flagge unterschiedliche Systeme von Anbau und Verarbeitung entwickelten. Sie veränderten dauerhaft Sozial- und Wirtschaftsstrukturen und ließen Kapitalbesitzer und Staaten gemeinsam aufsteigen. Im 20. Jahrhundert kehrte die Baumwollindustrie massiv nach Asien zurück, vor allem nach China und Indien. Dort seien die Methoden des imperialen Kapitalismus erfolgreich mit nationalen Entwicklungsprojekten verbunden worden, sagt der Autor. "Die einzigartige Kombination aus niedrigen Löhnen und mächtigen Staaten machte es möglich, dass Baumwollanbau und -verarbeitung erneut in dem Teil der Welt florierten, wo Baumwolle 5000 Jahre zuvor zuallererst angebaut wurde."

Seit den neunziger Jahren sieht Beckert nicht zuletzt die gigantischen, transnational agierenden Handelsketten als Gewinner in der Baumwollindustrie: "Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben Wal-Mart und andere Handelsriesen ihre Produktion ständig von einem armen Land in ein noch etwas ärmeres verlegt, angezogen von noch eifrigeren und billigeren Arbeitskräften." Kapitalistische Baumwollproduktion sei nach wie vor oft eine brutale Quälerei, resümiert Beckert. Doch er hält das einst von Naturvölkern wie den Navajo-Indianern verehrte "Geschenk der Götter" noch immer auch für eine Art Heilsbringer. Der Kern des globalen Kapitalismus und seine atemberaubenden Anpassungen in den letzten 250 Jahren hätten in der Baumwollindustrie wie überall sonst zu enormen Produktivitätsfortschritten geführt, die ein gerechteres Leben für alle Menschen möglich machten: "Innerhalb der größeren Geschichte von Beherrschung und Ausbeutung steckt eine Parallelgeschichte von Befreiung und Kreativität."

ULLA FÖLSING

Sven Beckert: King Cotton. Eine Geschichte des globalen Kapitalismus. C.H. Beck, München 2014, 515 Seiten.

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