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Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

Roman.
Buch (gebunden)
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"Es geht um das Herz der Sache, Charlie. Es geht um Magical Mystery."
Ein Buch wie ein Rausch: Man braucht 48 Stunden, die Droge heißt Sven Regener. Am Start: eine Handvoll ziemlich verrückter Techno-Freaks. Und am Steuer: Karl Schmidt, der beste Freu … weiterlesen
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Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt als Buch

Produktdetails

Titel: Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt
Autor/en: Sven Regener

ISBN: 386971073X
EAN: 9783869710730
Roman.
Galiani, Verlag

10. September 2013 - gebunden - 512 Seiten

Beschreibung

"Es geht um das Herz der Sache, Charlie. Es geht um Magical Mystery."
Ein Buch wie ein Rausch: Man braucht 48 Stunden, die Droge heißt Sven Regener. Am Start: eine Handvoll ziemlich verrückter Techno-Freaks. Und am Steuer: Karl Schmidt, der beste Freund von Frank Lehmann
Als Karl Schmidt, Opfer eines depressiven Nervenzusammenbruchs am Tag der Maueröffnung, nach Jahren der Versenkung von alten Kumpels zufällig in Hamburg als Bewohner einer drogentherapeutischen Einrichtung wiedergefunden wird, ist das der Anfang einer seltsamen Zusammenarbeit: Die alten Freunde, mittlerweile zu Ruhm und Reichtum gelangt, wollen mit ihrem Plattenlabel auf einer Tour durch Deutschland den Rave der 90er Jahre mit dem Hippiegeist der 60er versöhnen und brauchen dazu einen, der immer nüchtern bleiben muss. Das kommt Karl Schmidt gerade recht, denn der hat keine Lust mehr, sich in einer Parallelwelt aus Drogen-WG, Hilfshausmeisterjob und gruppendynamischen Wochenendausflügen zu verschanzen. Und so beginnt eine Reise durch ein Land und eine Zeit im Umbruch, unternommen von einer Handvoll Techno-Freaks, betreut von einem psychisch labilen Ex-Künstler, für den dies der Weg zurück in ein unabhängiges Leben sein soll.

Trailer

Portrait

Sven Regener ist Musiker (Element of Crime) und Schriftsteller. 2001 veröffentlichte er seinen ersten Roman, Herr Lehmann, der sich über eine Million Mal verkaufte. Es folgten die Romane Neue Vahr Süd (2004), Der kleine Bruder (2008) und Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt (2013). Die Verfilmung von Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt kam im Sommer 2017 ins Kino.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 07.09.2013

Die Musik kühl, das Herz noch heiß

Der vierte Teil einer Trilogie? Sven Regeners neuer Roman knüpft an die "Herr Lehmann"-Welt an. Nur der Held ist neu: "Die Rückkehr des Karl Schmidt" ist ein humanes Buch, nicht nur für Musiker, die die midlife crisis schon hinter sich haben.

Magical Mystery: "War das nicht eigentlich ein Ding von den Beatles? Und ist das damals nicht irgendwie in die Hose gegangen?" Karl Schmidt ist schwer zu beeindrucken und kennt in Urheberrechtsfragen kein Pardon. Das hat er mit seinem Autor gemein: Sven Regeners Wutanfall wegen allgemeiner Piraterie und flächendeckender Urheberrechtsverstöße im Internet ist auch deswegen noch so gut in Erinnerung, weil mit ihm etwas Seltenes, aber Naheliegendes eingeklagt wurde: künstlerischer Respekt, den zu zollen eben auch Geld koste (F.A.Z. vom 24. März und 2. April 2012).

Nachdem Regener sich wieder beruhigt haben dürfte, lässt er nun einen alten Bekannten auf die Kundschaft los: ebenjenen Karl Schmidt, der in der "Herr Lehmann"-Trilogie der beste Freund des Titelhelden war, ein nicht weiter auffallender Mensch, der hier, im vierten Roman, die alles tragende und, wie sich schnell herausstellt, auch ganz gut durchschauende Figur ist - reserviert und, wenn er erst einmal Sympathien gefasst hat, trotzdem offen, eher ein Kaltblüter, der die Dinge an sich herankommen lässt, ein wenig so wie Döblins Biberkopf, mit dem er auch das Ungeschlachte teilt, und aus Schaden klug geworden. "Ich mag ihn, weil er ein großes Herz hat. Viel größer als das von Frank Lehmann zum Beispiel", teilte Regener gerade dem "Spiegel" mit, eine dieser persönlichen Auskünfte zu seinen Büchern, mit denen er nicht gerade um sich schmeißt.

Karl Schmidt hatte in den Vorgeschichten zwar nichts Weltbewegendes zu sagen, dafür wurde ihm die Ehre zuteil, dass ihn Herr Lehmann am Tag des Mauerfalls in die Psychiatrie bringen musste - eine fast schon welthistorische Pointe, die Regener so unprätentiös setzte wie alles andere auch.

Es ist jetzt fünf Jahre später. Wir treffen Karl Schmidt in einer von Sozialarbeitern betreuten Wohngemeinschaft für (ehemalige) Drogensüchtige in Hamburg-Altona an: "Ich sah Raimund Schulte lange bevor er mich sah. Ich hatte gerade Paranoia und die Tür fest im Blick, weil Werner nicht wollte, dass wir ins Eiscafé gingen, und ich hatte die Pillen abgesetzt und Angst davor, dass Werner beim nächsten Plenum aus einem Eisbecher ,Monteverdi' ein großes Ding machen würde, da hätte ich kaum für mich garantieren können ohne Pillen." Sollte es irgendwann wieder eine Serie oder Umfrage zu den besten Romananfängen geben - dies wäre ein Kandidat.

Hier gibt es kein vornehmes Getue, Regeners längst sprichwörtlich gewordener, vermutlich immer noch unterschätzter Sound sorgt dafür, dass man gleich mittendrin ist und, noch ohne nähere Beschreibungen, auch schon ganz gut Bescheid weiß über das Personal; das Adverb "gerade" umreißt meisterlich-beiläufig den Zustand des Karl Schmidt - er hat Depressionen mit paranoiden Schüben, in die so allmählich abzugleiten kein Vergnügen ist: "Am Samstag wachte ich auf und da war es, das dunkle Gefühl, zwar nicht direkt über mir, aber im Zimmer, und es sah mir dabei zu, wie ich unter der Decke lag und mich nicht bewegte, brachte sich in Erinnerung, die alte Sau, zum ersten Mal seit ich die Pillen abgesetzt hatte, und seltsam war nur, dachte ich, als ich da so lag und mich nicht bewegte, dass ich so naiv gewesen war zu glauben, dass es nicht wiederkommen würde, wenn ich die Pillen absetzte, ganz schön blöd." Es ist schon eine ziemliche Kunst, wie Regener auch hier eine Stimmung ausmalt, ohne dabei ins Detail zu gehen oder im mindesten pathetisch zu werden. Wie viele andere Schriftsteller wären hier nicht bildungssprachlich geworden und hätten gesagt: "als ich so dalag"?

Die bleierne, bedrückende Atmosphäre beherrscht den ganzen ersten, in Hamburg spielenden Teil. Von seiner WG aus bricht Karl Schmidt jeden Morgen auf nach Othmarschen in das Kinderkurheim Elbauen, wo er als Hilfshausmeister angestellt ist und auch die Insassen des angeschlossenen Zoos zu versorgen hat. Er widmet sich dieser Arbeit mit der Hingabe eines phlegmatischen Gewohnheitstiers, das instinktiv spürt, wann seine Zeit hier zu Ende ist - in dem Moment nämlich, in dem ihm ein energischerer Mitarbeiter an die Seite gestellt wird und sich am WG-Telefon jener Raimund Schulte meldet, ein Freund aus alten Berliner Tagen, zusammen mit Ferdi Inhaber eines Techno-Labels.

Gewissenhaft zögernd, gibt er diesem Lockruf aus der alten Welt nach, fährt, statt in den vom abgebrühten WG-Aufseher Werner verordneten Urlaub, einfach nach Berlin und steht den alten und einigen neuen Kumpanen als strikt abstinentes Mädchen für alles bei einem nicht sonderlich gut geplanten Unternehmen zur Verfügung, dem der Roman seinen Titel verdankt: der Deutschland-Tournee "Magical Mystery", einem Wanderzirkus aus Discjockeys, die Wert auf minimale Distinktionen legen und den Geist der Sechziger herüberretten wollen in die Zeit von Techno und Rave Mitte der Neunziger, in denen das Ganze spielt: "Leben, Arbeiten, Wohnen, alles zusammen, voll das Hippieding".

Lässt sich die Magie einer vergangenen Zeit noch einmal heraufrufen? Darum geht es in dieser, man muss eigentlich sagen: Abenteuergeschichte. Die "Magical Mystery Tour" der Beatles von 1967 litt, trotz der bisweilen rührenden Szenen und der wunderbaren Musik, darunter, dass die Naivität weg war und sich, nach dem "Sgt. Pepper", schon Überdruss breitmachte; das Unternehmen ist auf seltsame Weise als Flop in Erinnerung.

Sollte es Regener darum gegangen sein, vom Geist dieser Epoche etwas einzufangen und es in eine Zeit hinüberzuretten, in der die Musik erheblich abgekühlt war, dann ist es nur folgerichtig, wenn er sein Personal für die Tournee mit dem Bewusstsein ausgestattet hat, dass das Scheitern jederzeit möglich ist. Spürbar ist es ihm wieder um jene Ernüchterung zu tun, auf die auch seine Trilogie aus war. Man weiß, dass der Rausch seinen Preis hat; Karl Schmidt, für den ein Exzess nicht mehr in Frage kommt, ist mittlerweile sechsunddreißig, Ferdi, der opinion leader, hat die fünfzig schon überschritten - das richtige Alter also, um Bilanz zu ziehen, aber trotzdem noch weiterzumachen. Die midlife crisis ist, sofern es überhaupt eine gab, überstanden; Vorsicht und eine gewisse, für Spontaneität immer noch offene Abgeklärtheit haben bei der Generation fünfzig plus das Ruder übernommen.

In diesem Punkt steht Regener seinem Bruder im Geiste, Frank Schulz, besonders nahe. Was Schulz am Ende seiner "Hagener Trilogie" mit allerdings ungleich größerem Kunstverstand vorführte - das weitere Tun und Lassen eines gebrochenen Helden, der sich nicht unterkriegen lässt, aber sein Heil nur noch in der Nüchternheit finden kann -, wird uns auch hier zum exemplarischen Versuch, dem ehemals wilden Leben auch nach dem Höhenrausch noch etwas abzugewinnen. Regener tut das mit allem Herzblut, das ihm zur Verfügung steht, und es ist erstaunlich, was er dem Milieu dabei noch so alles abgewinnt. Seine humane Prosa, eine mäandrierende, meistens parataktisch vorgehende Annäherung an die Wirklichkeit, verströmt ein ausgesprochen warmes Gefühl.

"Ich fand, dass ich ihm noch was schuldig war", äußerte Regener diese Woche über Karl Schmidt. Die Schuld dürfte hiermit abgetragen sein.

EDO REENTS

Sven Regener: "Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt". Roman.

Galiani Verlag, Berlin 2013. 512 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Regener, Magical Mystery oder: Rückkehr
von andrea s. - 14.10.2013
Erinnern Sie sich noch an Karl Schmidt? - Der beste Freund von Frank Lehmann hatte in der Nacht des Mauerfalls einen Zusammenbruch und wurde in eine Klink eingeliefert. Nach fünf Jahren Reha und Entzugs-WG ist er eigentlich wieder bereit für neue Abenteuer. Wie praktisch, daß sich ein alter Freund bei ihm meldet und ihn anheuert, als Fahrer für eine durchgeknallte Raver-Truppe zu arbeiten... "Magical Mystery" ist ein herrlich komisches Buch. - Absolut empfehlenswert.
Regener, Magical Mystery oder: Rückkehr
von Christian F. - 18.09.2013
Die Stimme Bremens hat wieder zugeschlagen - erfreulicherweise ! Regener's Bücher bedeuten zugleich "Literatur als Schauspiel" . Die direkte Rede der Protagonisten führt durch die ziemlich chaotische Tour der Berliner Raver bei ihrer "Magical Mystery Tour" . Die reichlich durchgeknallten Jungs um den trockenen Junkie Karl Schmidt tuckern Anfang der 1990er Jahre durch Westdeutschland. Die Jungs haben Spaß, die Lektüre des Buches macht Spaß, und das alles im "Spech-Schreib-Stil" von Sven Regener. Der Leser sollte nur ganz grundsätzlich der frühen Technoszene nicht ganz abgeneigt sein.
Regener, Magical Mystery oder: Rückkehr
von Marc M. - 16.09.2013
Endlich! Dem Leser der Lehmann-Trilogie stellte sich die bange Frage: Was wurde eigentlich aus dem armen Karl nach seinem Zusammenbruch? In Magical Mystery erfährt man es, aus seinem eigenen Mund. Auf einer chaotischen Tour durch die Republik der Mittneunziger hat Karl einiges durchzustehen, von regener-typischen chaotischen Charakteren 8und den dazugehörigen schrägen Dialogen) umgeben und der ständigen Angst vor einem Rückfall im Nacken. Für einige sicher gewöhnungsbedürftig: die vielen neuen Figuren und die ungewohnte Ich-Erzählperspektive. Kommt Magical Mystery an Herr Lehmann und Neue Vahr Süd nicht ganz heran - mir jedenfalls hat es doch sehr gefallen. Hoffentlich kommt noch mehr...
Regener, Magical Mystery oder: Rückkehr
von Christoph S. - 11.09.2013
Dass Sven Regener nicht nur Musiker sondern auch ein großartiger Autor ist hat er ja schon mit den Herr-Lehmann-Romanen bewiesen. Magical Mystery steht denen in nichts nach. Skurile Typen, unnachahmliche Dialoge und aberwitzige Situationen. Regener ist einfach Weltklasse.
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