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Fausto Coppis Engel

Erzählungen. Originaltitel: L'angelo di Coppi.
Buch (gebunden)
Glanz und Elend, Triumph und Niederlage: Ugo Riccarelli erzählt heroische und ergreifende Geschichten von den großen Legenden des Sports. Seine Erzählungen verschränken reale Mythen mit fiktiven Elementen, und die Geschichten von immer noch berühmten … weiterlesen
Buch

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Produktdetails

Titel: Fausto Coppis Engel
Autor/en: Ugo Riccarelli

ISBN: 3552052984
EAN: 9783552052987
Erzählungen.
Originaltitel: L'angelo di Coppi.
Übersetzt von Sylvia Höfer
Zsolnay-Verlag

15. März 2004 - gebunden - 208 Seiten

Beschreibung

Glanz und Elend, Triumph und Niederlage: Ugo Riccarelli erzählt heroische und ergreifende Geschichten von den großen Legenden des Sports. Seine Erzählungen verschränken reale Mythen mit fiktiven Elementen, und die Geschichten von immer noch berühmten und längst vergessenen Helden sind ein großartiges Mittel, um von menschlicher Größe und menschlicher Schwäche zu berichten. Der Sport als Metapher für das Karussell des Lebens - Tragödie und Komödie, Sieg und Niederlage, Träume und Enttäuschungen lassen sich exemplarisch an diesen ergreifenden Geschichten ablesen.

Portrait

Ugo Riccarelli wurde 1954 in Cirié bei Turin geboren und lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2013 in Rom. Auf Deutsch erschienen der Bruno Schulz-Roman Ein Mann, der vielleicht Schulz hieß (1999), die Erzählungen Fausto Coppis Engel (Zsolnay 2004) und Der vollkommene Schmerz (Roman, Zsolnay 2006), für den Riccarelli 2004 den Premio Strega erhielt. 2009 erschien Der Zauberer (Roman) und im Frühjahr 2013 Die Residenz des Doktor Rattazzi(Roman).

Leseprobe

Er war ganz allein, der Mané, abseits, und schaute den anderen zu, die hinter dem Fußball herliefen. Er hatte zwei krumme Beinchen, dürr wie Spatzenbeine. Zwei Stöckchen, mit denen er niemals würde laufen können. Und dennoch lächelte er. Sitzend folgte er dem Spiel der Kinder mit den Augen. Er lächelte und schien glücklich zu sein. Rundum gab es nur Staub und elende Hütten und niemanden, der auf dieses arme krumme Vögelchen aufpaßte. Deshalb kam ich zu dem Schluß, daß es sich nicht lohnte, noch weiter, bis nach Rio, zu gehen: Ich würde der Schutzengel eines Spatzen sein.«
Bei diesem Gedanken nickte der Mann mehrmals, und Jesus empfand Mitleid mit ihm, aber auch ein leises Gefühl der Erleichterung, hatte es doch den Anschein, als habe er mit dem Weinen aufgehört und als habe die Freude am Weitererzählen seiner Geschichte die Oberhand gewonnen. Deshalb schwieg Jesus und ließ sich von den Worten einhüllen.
»Die Kinderlähmung. In Pau Grande, wo es beinahe nichts gab, herrschte an Kinderlähmung kein Mangel, und meinem Spatz hatte sie die Beine verdorrt. Aber das schien Mané nichts auszumachen. Er war immer fröhlich, auch im Unglück, auch wenn
er schlecht und nur kurze Zeit gehen konnte, auch wenn er nicht hinter dem Ball herlaufen konnte wie die anderen und wie sein Vater, dem die Tatsache, ihn so klein und so verkrüppelt sehen zu müssen, die Tränen in die Augen trieb. Um diesen Schmerz zu lindern, gelang es mir irgendwie, den Mann zu überzeugen, seinen Sohn zu einem Arzt nach Rio zu bringen. Deamaro nahm ihn huckepack, und wir gingen, ich immer an ihrer Seite, um diesen Arzt zu konsultieren, der die krummen Beine der Kinder operierte. Er untersuchte Mané und bemühte sich während einer stundenlangen Operation, seine Beine geradezubiegen, aber es glückte ihm nur halb, s
o daß er,
als er ihn uns zurückgab, verlegen dreinschaute. Er sagte, daß er nun wenigstens mit dem linken Bein gehen könne.
In jener Nacht fand Deamaro keinen Schlaf, und ich leistete ihm während der langen Stunden Gesellschaft; dabei lernte ich, wieviel ein Mann weinen kann, der leidet, weil er einem Spatz mit krummen Beinen das Leben geschenkt hat. Er weinte und schrie zum Himmel, der Deamaro, er trank Bier und ballte die Fäuste zum Mond, während ich hin und her überlegte und auf irgendeine Abhilfe sann. Am Morgen gingen wir dann zum Markt von Julinha, kauften für ein paar Cruzeiros ein altes Dreirad aus Eisen, banden Manés Füße an den Pedalen fest, und von diesem Tag an drehte er, in die Pedale dieses unmöglichen Vehikels tretend, seine Runden durch den Staub von Pau Grande. Er fuhr auf seinem Dreirad und lächelte, er fuhr hinter den anderen Kindern her und lächelte. Auch wenn sie ihn hänselten, trat er in die Pedale und lächelte. Mit der Zeit wurden seine Beine immer kräftiger, und wenn mein Spatz vom Dreirad stieg, konnte er sich bald besser auf den Füßen halten. Manchmal lief er sogar ein wenig herum.
Eines Tages, im Juli, schaute er den Kindern wieder beim Fußballspielen zu, und ich war bei ihm, wie immer. Der Ball rollte auf uns zu, und als João Paulo Pirinha ihm höhnisch zurief, er solle ihm einen Tritt verpassen, sah ich, wie das Glück aus Manés Augen schwand. Er wandte sich João Paulo zu und schrie ihm entgegen, er solle doch herkommen und ihn sich selbst holen, seinen Ball, und dann lächelte er wieder, aber ich wußte, daß er innerlich zitterte. Da sah ich ihn an, und er fühlte sich ruhiger. Er legte den Ball vor seine Füße, trocknete sich an den Socken den Schweiß seiner Hände ab und blieb aufrecht stehen, um auf Pirinha zu warten. Ich stand neben ihm und
hielt ihn an einem Arm fest, während der andere Junge langsam näher kam und sich schließlich vor Mané aufbaute. Ich drückte ihm den Arm noch fester, und vielleicht hatte mein Spatz begriffen, denn er blickte dem Gegner in die Augen und lächelte, dann beugte er sich nach links, lehnte sich gegen meine Seite, und während João Paulo das Bein in diese Richtung ausstreckte, sprang Mané in die andere, den Ball zwischen den Beinen, und wieder spielte ein Lächeln um seine Lippen. Von jenem Tag an gelang es niemandem mehr, ihm den Ball abzunehmen, weil Mané sich jedesmal auf meinen Arm stützte und lächelnd in die andere Richtung entwischte, während die Leute sich vor Vergnügen auf die Schenkel schlugen, fasziniert von diesem plötzlichen Tanzschritt, und sie nannten ihn fortan nur noch Garrincha.«
Jesus zuckte zusammen. Wovon zum Teufel redete der Mann da? Einen Augenblick lang verspürte er das Unbehagen, das einen angesichts eines Anzeichens von Wahnsinn beschleicht, aber dann fiel sein Blick auf die blauen Augen, die sich wieder mit Tränen füllten, und er begriff, daß dies nicht der Blick eines Irren sein konnte. Er stand also auf, ging zu dem reglos im Bett liegenden Körper und starrte auf die vom Tod verzerrten Gesichtszüge, und wie in einem Traum tauchte aus dieser markanten Physiognomie nach und nach ein bekanntes Gesicht auf, das Gesicht von dem alten Photo, das sein Vater über der Tür seines Friseurladens hängen hatte: die Augenbrauen und die ausgeprägten Jochbögen, der Mund und die Augen des Champions. Eine Woge von Farben, ein überwältigendes Gefühl, Gesichter und Geräusche der Vergangenheit, abzurufen aus dem Gedächtnis. Jesus spürte, daß dies nicht der Moment war, Fragen zu stellen.
»Pelés Beine sind vollkommen, ihre straffe Haut glänzt, und ihre Muskel
n sind harmonisch geformt. Nach einem Entwurf von Michelangelo«, sagte der Mann unter Tränen, dann zeigte er auf das Bett und fuhr fort: »Manés Beine dagegen waren zwei Weinstöcke, so verdreht wie das Los der Unglücklichen. Der Scherz eines Verrückten, der mit ihren Existenzen seine Spielchen treibt. Es waren die Beine der armen Teufel aus den Favelas, und aus diesem Grund haben sie ihn auch so geliebt. Diese häßlichen Beine führten jeden Gegner aufs Glatteis, und dann sprangen sie fröhlich dem Sieg entgegen. Die Beine liefen in die eine Richtung, Mané und der Ball in die andere, und von den Rängen erhob sich das Freudengeschrei seiner Leute, die mit ihm an der Seitenlinie entlangliefen, um den Ball demjenigen zuzuspielen, der ein Tor schießen würde.
Ihm haben immer die einfachen Dinge gefallen, meinem Spatz, deshalb war auch sein Spiel von absoluter Einfachheit: immer die gleiche Finte, immer der gleiche Tänzersprung nach rechts, um den Ball in die Mitte zu spielen, und immer die Freude der Leute.
Doch manchmal überkam ihn auch Traurigkeit. Er betrachtete die Kraft von Vavà, sah den Schwung von Pelé und fragte sich, ob er wirklich Fußball spielen könne. So kam es, daß er eines Tages, während des Trainings, den Ball und sein Herz in die Hand nahm und sich vor O'Rey hinstellte - er so klein und so krumm und ihm gegenüber die Wohlgestalt des anderen. Er sah ihm in die Augen und sagte:
'Entschuldige, aber ich kann keine Kunststückchen machen, ich kriege keine guten Kopfbälle hin und habe keine Kraft. Ich beherrsche nichts anderes als Finten. Ich fixiere den Gegner und setze an, ich sorge dafür, da&szli

Pressestimmen

"Riccarellis Bücher leben von dem Gefühl für menschliche Kultur."
Antonio Tabucchi

"Der, der diese Erzählungen nicht liest, weiß nicht, was der gewinnt, der sie gelesen hat. Ein italienischer Kritiker nannte sie "kleine, elegante Meisterwerke", in denen wir von unscheinbaren Menschen erfahren, was Würde ist und warum Verlierer unsterblicher sein können als umjubelte Stars und Sieger."
Carl Wilhelm Macke, Lesart 1/04

"Ugo Riccarellis Erzählungen bilden den Höhepunkt diese Fußballsaison. Sie handeln nicht nur vom Fußball, aber jedes Mal gehen Realität und Vision auf unnahahmliche Weise ineinander über. Der Flugzaugabsturz 1949 an der Superga in Turin etwa, bei dem sämtliche Spieler von "Il Grande Torino" umkamen, gerät ihm zu einer ausgreifenden Parabel im Stile Borges."
Helmut Böttiger, Die Zeit, 03.06.04

"Sport und Schicksal, so lehrt dieses wunderschöne Buch, sind häufig nur Benennungen für dieselbe Tragödie."
Dirk Schümer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.06.2004
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