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Der liebe Gott geht auf Reisen

Weihnachtsgeschichten. 11. Auflage.
Buch (gebunden)
Jedes Jahr treffen sich zu Weihnachten drei Einbrecherkönige in der Zürcher Kronenhalle, um ihren nächsten Coup zu planen ... Weihnachten ist das Fest der Geschichten. Genau die richtige Zeit für Ulrich Knellwolf, den Weihnachtsex... weiterlesen
Buch

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Der liebe Gott geht auf Reisen als Buch
Produktdetails
Titel: Der liebe Gott geht auf Reisen
Autor/en: Ulrich Knellwolf

ISBN: 3312003458
EAN: 9783312003457
Weihnachtsgeschichten.
11. Auflage.
Nagel + Kimche Verlag Ag

10. September 2004 - gebunden - 153 Seiten

Beschreibung

Jedes Jahr treffen sich zu Weihnachten drei Einbrecherkönige in der Zürcher Kronenhalle, um ihren nächsten Coup zu planen ... Weihnachten ist das Fest der Geschichten. Genau die richtige Zeit für Ulrich Knellwolf, den Weihnachtsexperten und leidenschaftlichen Erzähler, um von erstaunlichen Dingen zu berichten: von vier Königen, kleinen Sternen und - beinahe - einem Weihnachtskrimi.

Portrait

Ulrich Knellwolf, geboren 1942, wuchs in Zürich und Olten auf, studierte evangelische Theologie und promovierte über Jeremias Gotthelf. Seit 1969 ist Knellwolf als Pfarrer tätig, unter anderem an der Predigerkirche in Zürich. Heute lebt er in Zollikon bei Zürich. Für seine Romane und Erzählungen wurde er vielfach ausgezeichnet.

Leseprobe

Im Osten waren sie aufgebrochen, die drei älteren Herren, Meister ihres Fachs, die Kings der Branche. Chasp fuhr im grünen Jaguar von seinem Weingut in der Bündner Herrschaft nach Zürich, Melk im roten Lamborghini von seinem Gestüt im Thurgau und Balz im cremefarbenen Rolls aus seiner schlossähnlichen Villa mit Rundsicht über den Bodensee. Seit über einem halben Jahrhundert kannten sie einander, seit Jahrzehnten arbeiteten sie zusammen, seit Jahren jedoch beschränkten sie sich auf eins, höchstens zwei ihrer Bravourstücke pro Jahr. Letztes Jahr der Raub im Hauptsitz der Nationalbank, der erst nach zwei Tagen bemerkt wurde, vorletztes Jahr die lautlose Entfernung der Holbein-
madonna in Solothurn und so fort, eine glänzende Perlenreihe. Der Coup in den Tagen vor Weihnachten war eine liebe, alte Tradition. Keiner von ihnen hätte ihn missen mögen.
»Ich fürchte, die schweizerischen Polizeicorps wären höchst beunruhigt, wenn er ausbliebe«, sagte lächelnd Melk, als sie am Vorabend unter den Augen von Varlins Mutter Zumsteg standesgemäß in der 'Kronenhalle' speisten. Er logierte im Grand Hotel Dolder, Chasp im Hotel Baur au Lac, Balz im Hotel Eden, ebenfalls au Lac.
»Letztes Jahr haben sie in der Kurdenszene gesucht«, kicherte Balz in sich hinein.
»Vorletztes Jahr vermuteten sie Südostasiaten«, fügte Chasp nicht minder vergnügt hinzu.
Die Behörden auf eine falsche Fährte zur Herkunft der Täter zu locken, war eine ihrer Spezialitäten. Dazu übten sie ausländische Akzente, verwendeten ausgesuchte Accessoirs und eigneten sich charakteristische Techniken an. 'Ethnolook' nannten sie es unter sich. Dieses Jahr war Russenmafia angesagt. Im Visier hatten sie eins der berühmten Juweliergeschäfte an der Zürcher Bahnhofstraße.
»Alles bereit?«, f
ragte Melk in der 'Kronenhalle' und roch an einem paradiesischen alten Cognac.
»Alles bereit«, bestätigten die beiden andern.
»Dann also toi, toi, toi für morgen.«
Melk, ganz der Herrenreiter in exquisiten englischen Stoffen, bestieg am Bellevue ein Taxi. Chasp, in erstklassigem bayerischem Lodengrün, schritt selbstzufrieden über die Quaibrücke, und Balz, Mailänder Herrenmode bevorzugend, sagte, er nehme bis zur übernächsten Station das Vierertram.
Es war gegen drei Uhr am folgenden Nachmittag, als der Lieferwagen der Sicherheitsfirma sich einen Weg durch die dichte Menge der vorweihnachtlich kauflustigen Fußgänger auf der Bahnhofstraße bahnte und direkt vor dem Juweliergeschäft stehen blieb. Heraus stiegen drei Männer in blauen Overalls mit aufgedrucktem Firmenlogo auf dem Rücken, mit blauen Mützen auf dem Kopf, und verfügten sich, Reparaturkoffer tragend, eilig ins Geschäft.
»Ihre Alarmanlage ist nicht in Ordnung«, sagte der erste der Männer in gebrochenem Hochdeutsch, aber in bestimmtem Ton zum Geschäftsführer und ließ sich ins Büro führen. Kaum schloss sich die Tür hinter ihnen, räumten die zwei andern wieselflink in kleine Jutesäcke zusammen, was in Schaufenstern und Vitrinen lag.
»Was tun Sie da?«, fragte eine Kundin empört. Die Verkäuferin drückte wortlos, wie sie es gelernt hatte, den Alarmknopf und hoffte auf die Polizei.
Das Ganze dauerte weniger als drei Minuten. Kein lautes Wort, kein Schuss, keinerlei Gewalt. Nur, dass der eine der Räuber mehrmals »Towarischtsch« zum andern sagte, registrierten die später vernommenen Zeugen. Dann kam der Geschäftsführer zurück, gefolgt vom ersten der drei Männer.
»Alles in Ordnung«, sagte dieser in seinem fremd klingenden Deutsch. &raq
uo;Muss ein Fehlalarm gewesen sein.«
Bei dem Stichwort »Fehlalarm« hasteten die drei Männer aus dem Geschäft und in den Lieferwagen.
»Was soll denn das?«, fragte ahnungslos der Geschäftsführer.
»Überfall!«, kreischte eine Kundin. Die Verkäuferin drückte immer noch auf den Alarmknopf und sah aus, als werde ihr jeden Augenblick schwarz vor den Augen.
»Haltet den Wagen an!«, schrie der Geschäftsführer, rannte hinaus und stellte sich vor das Auto. Doch am Steuer saß keiner und der Wagen stand still. Als fünf Minuten später die Polizei eintraf und den Lieferwagen untersuchte, fand sie ihn leer, bis auf drei Overalls mit aufgedrucktem Firmenlogo, drei blaue Mützen, dazu eine russische Zeitung.
»Die Kerle haben die Verkleidung abgestreift und sind auf der andern Seite wieder hinaus. Offenbar Russen. Kann jemand brauchbare Angaben über ein Signalement machen?« Blaue Overalls mit Firmenlogo, blaue Mützen, Hochdeutsch mit Akzent, »Towarischtsch« und schwarze Schnauzbärte, lautete die einhellige Auskunft.
»Wissen Sie«, ergänzte eine Zeugin, »so wie Stalin einen hatte.«
»Ich sag's ja: Russen«, nickte der Polizist.
Derweil spazierten drei ältere Herren gemächlich durch die Bahnhofstraße, jeder mit der Tragetasche eines exklusiven Geschäfts in der Hand und darin ein paar Jutesäcklein. Der zweite der beiden Herren schien erkältet zu sein, denn er musste sich schnäuzen. Als er das Schnupftuch aus der Hosentasche zog, fiel ein dunkler Gegenstand auf die Straße. Nummer drei hinter ihm bückte sich danach und überholte den zweiten. »Vorsicht«, flüsterte er, »du hast deinen Russenschnauz verloren.«
Im Hotel St. Gotthard setzten sie sich wie zufällig an einen Tis
ch.
»Hat ja wieder wunderbar geklappt«, sagte Chasp. »Wenn ich's so überschlage, müssen es mindestens zwei Millionen sein.«
»Aber fünfzehn Sekunden, bis Overalls, Mützen und Schnäuze weg und die Mäntel an sind, ist zu lang. Wir müssen intensiver trainieren«, meckerte Melk.
»Wir sind nicht mehr die Jüngsten, solltest du bedenken«, erwiderte Balz.
»Was man in der Rekrutenschule gelernt hat, bleibt einem bis an sein Lebensende«, beharrte Melk.
»Gehen wir«, sagte Chasp. »Um acht Uhr Abendessen im Königstuhl. Der Tisch ist reserviert.«
Als hätten sie nichts miteinander zu tun, bummelten sie Richtung See. »Nimmt mich wunder, wie es vor dem Geschäft jetzt aussieht«, hatte Balz noch gesagt und den Juwelier gemeint. Auch der still triumphierende Spaziergang am Tatort vorbei war eine Gewohnheit, die sie nicht hätten missen mögen.



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